Reisebericht Weltreisender

Gruss aus Argentinien

Die Anden sind immer noch da ... sie strahlen. Aber heute sehe ich sie aus einem anderen Blickwinkel. Ich bin jetzt im Norden Argentiniens, in der Provinz Salta.

Ein Streik bei den Fluggesellschaften hatte zur Folge, dass wir in San Rafael am Flughafen gestrandet waren. In der Stadt waren auch keine Hotelzimmer mehr frei; wir mussten also weiter. Wir dachten darüber nach zu fahren, aber es ist eine Fahrt von 12 Stunden von San Rafael nach Salta. Nachdem ich stundenlang telefoniert und verhandelt hatte, war es mir schließlich gelungen, ein kleines Flugzeug zu finden, mit dem die Gruppe weiterreisen konnte. Niemand von uns musste irgendwo pünktlich ankommen, so waren wir alle guter Dinge.

Sicher, die gute Stimmung hat bei dieser Reise überwogen. Wir aßen auf der Veranda eines Restaurants in der Kleinstadt Augustaca. Eine Gruppe von 12 Leuten aß Steak und Schweinekoteletts, Fritten und Salat und spülte alles mit Cola und Mineralwasser herunter. Die Rechnung belief sich auf 27 Dollar für die gesamte Gruppe. Zuerst dachten wir, die Kellnerin hätte sich verrechnet, wir forderten sie auf, noch einmal nachzurechnen. Die Rechnung wurde überprüft, aber es gelang nicht, die Summe zu erhöhen.

Wir waren von dem Preis erschlagen und von dem Ort bezaubert. Es ist eine Oase in einer spektakulären Wüste aus seltsamen Felsformationen und sich windenden Strömen. Dort haben wir uns ein Weingut angesehen, das größer ist als mancher County in den USA. Es war 50.000 Hektar groß. Niemand konnte es mit Sicherheit sagen. Der größte Teil des Landes liegt in den Hügeln ... in sehr, sehr trockenen Hügel ... Hügeln so zerklüftet wie das Death Valley. Alles andere ist fruchtbares Land, das so aussieht wie die besten Teile Italiens – mit Pappeln, die wie in der Lombardei die Wasserströme säumen – und einem Weingut, das so ungefähr eine halbe Million Liter Wein produziert. Das ganze steht zum Verkauf – für weniger als beispielsweise ein typisches Haus im San Diego County.

Die Gebäude sind vor mehr als einem Jahrhundert erbaut worden. Die Weinkellerei selbst wurde im Jahr 1870 erbaut. So weit ich das sehen kann, ist seitdem auch nichts mehr daran gemacht worden. Ganze Lehmbrocken fallen aus den Wänden. Man kann die Wüstensonne durch die Löcher im Dach sehen. Wenn Sergio Leone heute noch Spaghettiwestern drehen würde, dann könnte er sicher keinen besseren Drehort wählen. Ich erwartete jeden Augenblick, dass jemand mit Poncho und Zigarre über den Weg lief.

"Alle denken nur an Patagonien", sagte unser Immobilienspezialist. "Ted Turner und Lucian Benetton haben Patagonien berühmt gemacht. Aber Salta ist wirklich ein besseres Geschäft. Es ist interessanter. Abwechslungsreicher. Man bekommt mehr für sein Geld."

Salta ist wirklich atemberaubend schön. Es ist Arizona, New Mexiko, Montana ... und fast Tennessee. Es hat wechselnde Niederschläge, sehr große Höhenunterschiede und ist quasi leer. Es gibt dort Weingüter, Rinderfarmen, Obstwiesen und hohe Berge. Sogar einen Dschungel. Es gibt Landstriche, die so offen und verlassen sind, dass man meint, man wäre auf dem Mond. Anders als im amerikanischen Westen sind die argentinischen Ländereien in der Regel in privater Hand und nicht in den Händen der Regierung. Und weil es davon so viel gibt, bekommt man eine ganze Menge für sein Geld.

"Sich hier Eigentum anzusehen ist ein bisschen so, als schaute man sich Frauen an", sagte ein argentinischer Makler, "Manchmal sieht alles aus der Entfernung viel besser aus."

Ich habe die letzten Tage damit zugebracht, mir verschiedene Dinge anzusehen. Ich wette darauf, dass die Welt sich dreht. Im letzten Jahrhundert waren die Amerikaner die großen Gewinner, während sich Argentinien in einen Verlierer verwandelt hat. Ich beziehe mich hier nur auf Geld, worum es, alles in allem, bei mir auch geht. Die Amerikaner sind im 20. Jahrhundert reich geworden, die Argentinier arm. Hier kann man einen guten Farmarbeiter für einen ganzen Tag einstellen, und muss ihm nur 10 Dollar bezahlen. In Amerika liegen die Lohnsätze um das Fünffache höher.

Aber die Welt hat am Ende des 20. Jahrhunderts nicht aufgehört, sich zu drehen. Die Sonne geht immer noch am Morgen auf und am Abend unter – hier in der Salta Provinz ganz genauso wie in San Diego oder Wichita. Die Argentinier sind schlau. Sie sind gebildet. Sie sind Immigranten aus Europa. Sie haben Banken und Internet. Sie haben ein Land, das groß, reich und schön ist. Warum sollten sie ewig arm bleiben? Oder warum sollten die Amerikaner ewig reich bleiben?

Liegen die besseren Möglichkeiten in einem Land, das reich ist oder in einem, das vielleicht bald reich wird? Wenn ich in eine Fabrik investieren will, dann bin ich in China oder in Malaysia vielleicht besser dran. Aber wenn man Land kaufen will, dann ist man vielleicht in Argentinien besser dran. Ich weiß nicht, was der Fall ist, aber ich bin hier, um das herauszufinden.

*** Bislang habe ich herausfinden können, dass Argentinien riesige Mengen an Land hat, spektakuläres Klima und Landschaft, und dass es vergleichsweise günstig ist. Ich habe mir eine andere Farm mit 20.000 Morgen angesehen. Sie liegt eine Stunde von Salta entfernt. Salta hat eine Bevölkerung von 800.000 Einwohnern, das Land ist reich und gut bewässert. Es gibt dort Forstwirtschaft – darunter einige Zedern, die dicker sind als alle, die ich bislang gesehen habe – tausende Stück Vieh und riesige Reservoirs, 3.000 Schweine, Pfauen, tausende Morgen Alfalfa und ein gewaltiges neues Haus mit fünf Schlafzimmern. Der Preis dafür liegt bei drei Millionen Dollar.

"Das ist nicht viel mehr, als diese kleinen Häuser unten am Chesapeake Bay", sagte ein alter Freund. "In Galesville kann man direkt am Wasser nichts in die Finger bekommen, was weniger als 1,2 Millionen Dollar kostet. Und diese winzigen, kleinen Häuser stehen auf winzigen Grundstücken. Als ich aufwuchs, war die einzige Person in der Stadt, die Geld hatte, der Bestattungsunternehmer. Heute sind sie alle Millionäre. Aber die ganze Region rund um Washington scheint verrückt geworden zu sein."

"Aber deswegen sind wir ja hier unten. Ich weiß nicht, was passieren wird, aber es macht meiner Ansicht nach Sinn, etwas von dem, was ich habe, zu verkaufen, und hier ein bisschen Geld rein zu stecken."

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