Reisebericht

Costa Rica – Dschungel, Kegel und Tukane

Stationen u.a.: Gandoca Manzanillo Wildlife Refuge, Tortuguero Nat. Park, La Fortuna - El Arenal, Monteverde Nebelwälder, Manuel Antonio Nat. Park, San Jose, Meseta Central, Vulkan Poas.

Reisebericht Costa Rica Dez. 02/Jan.03 von Anke Schlingemann & Detlef Hälker.

Reiseroute:

27.12.2002 Berlin - Amsterdam - Miami - San Jose
28.12.2002 San Jose - Gandoca - Limon - Karibikküste
29.12.2002 Gandoca Manzanillo Wildlife Refuge
30.12.2002 Gandoca - Tortuguero
31.12.2002 Tortuguero Nationalpark
01.01.2003 Tortuguero - Sarapiqui
02.01.2003 Sarapiqui - La Fortuna Heredia
03.01.2003 La Fortuna – El Arenal Guanacaste
04.01.2003 La Fortuna – Monteverde
05.01.2003 Monteverde
06.01.2003 Monteverde – Manuel Antonio - Puntarenas - Pazifik
07.01.2003 Parque Nacional Manuel Antonio
08.01.2003 Parque Nacional Manuel Antonio
09.01.2003 Manuel Antonio – San Jose Meseta Central
10.01.2003 San Jose – Vulkan Poas


27.12.2002 Berlin - Amsterdam - Miami - San Jose

Nach den Weihnachtsfeiertagen fällt uns das frühe Aufstehen recht schwer, aber der Flieger nach Amsterdam, der uns der Sonne schon etwas näher bringt, startet bereits um 6:30 h. Der Versuch, am Amsterdamer Flughafen Colones (Costa Ricas Landeswährung) zu erstehen, scheiterte leider an der verfügbaren Menge (keine 50 €).
Als wir in den Anschlussflieger von Martinair einsteigen, haben wir ein ungutes Gefühl - es war uns nicht bewußt, dass für den Flug über den Atlantik auch eine Zweiturbinenmaschine zulässig ist. Das Gefühl setzt sich angesichts des offensichtlichen Alters der Maschine im Inneren fort. Über die Service- und Essens-Qualität gibt es ebenfalls wenig Positives zu berichten, doch die nicht vorhandene Beinfreiheit überbietet alles. Eine Zumutung! Auch wenn wir dennoch sicher zunächst in Miami und später in San Jose ankommen, werden wir bei der nächsten Reise eindeutig eine andere Fluggesellschaft wählen.
Für den kurzen Aufenthalt in Miami haben sich die Amerikaner etwas ganz Besonderes zum Zeitvertreib für uns ausgedacht - es reicht nicht, die eineinhalb Stunden in der Transfer Lounge zu verbringen, an der wir vorbeigeführt werden, nein wir müssen durch die Immigration. Natürlich sind wir nicht die Einzigen, so dass uns die ganze Abfertigung locker eine Stunde kostet. Unmittelbar danach drehen wir wieder um und marschieren in besagte Lounge zurück.

Gegen 18:00 h Ortszeit (7 Stunden Zeitverschiebung) kommen wir in San Jose an. Aufgrund der Äquator-Nähe (8. - 10. nördlicher Breitengrad) ist es schon dunkel, aber angenehm warm. Geübt im Schlange stehen meistem wir die Immigration.

Als üblicherweise Individual-Reisende erwarten wir die organisierte TUI-Tour mit zurückhaltender Spannung. Die Reiseleitung nimmt uns gleich in Empfang und bringt uns zum Transfer-Bus. Angesichts der Tatsache, dass noch nicht alle Teilnehmer da sind, dürfen wir nach langem Zureden doch noch einmal unser Glück versuchen, Bargeld zu erstehen. Leider wird uns die Wechselstube verschwiegen. Wie das Schicksal es will, tauscht die Bank nur US Dollar und der Bankautomat will nicht gehorchen, so dass wir ohne Erfolg zum Bus zurückkehren. Die Reiseleitung nimmt uns dann auch noch die letzte Hoffnung, unsere Euros loszuwerden. Entgegen anderslautender Reiseführerinformation ist der Umtausch von Euros nur an der Zentralbank in San Jose möglich - selbstredend, dass unser weiterer Reiseplan dies nicht vorsieht. Dabei wollten wir besonders schlau sein und doppelte Umtauschgebühren (US$ / Colones) vermeiden. Gott sei Dank gelingt es uns am nächsten Morgen in Hotelnähe, einen Bankautomaten mittels Kreditkarte zu plündern, so dass wir neben den bereits gebuchten Mahlzeiten auch noch etwas zu trinken werden erwerben dürfen.

Das Hotel Occidental Torremolinos (****) macht einen ganz passablen Eindruck und kommt uns angesichts der sich nunmehr breit machenden Müdigkeit sehr entgegen. Jetlag-vorbeugend versuchen wir uns bis 21:00 h wach zu halten und kapitulieren um 20:00 h. Als ab 2:00 h morgens eine Autoalarmanlage pausenlos lärmt, sind wir froh wenigstens 4 Stunden geschlafen zu haben.


28.12.2002 San Jose - Gandoca

Ein wider Erwarten umfangreiches Frühstück entschädigt uns ein wenig für den fehlenden Schlaf. Glücklicherweise ist das Hotel mit einem Internet-Anschluss ausgestattet. So können wir auch ohne funktionierendes D1-Netz ein Lebenszeichen in die Heimat senden. Um 8:00 h holt uns ein in Korea gebauter Kleinbus zur 270 km langen Fahrt über Guapiles, Siquirres, Puerto Limon nach Gandoca an der Karibikküste in der Region Limon ab.

Das Wetter ist uns noch nicht wohlgesonnen. Dafür hat die Fahrt durch die Nebelwälder etwas Faszinierendes. Teilweise befinden wir uns auf Wolkenhöhe oder erhaschen einen Blick in ein tiefes, sattgrünes Tal und entdecken einige Wasserfälle. Uns fehlt es an geologischem Wissen, um zu erkennen, wie viele der insgesamt 12 Vegetationszonen in Costa Rica wir durchfahren. Die Rast, die wir nach zweistündiger Fahrt einlegen, kommt uns angesichts der schlechten Federung und des eingeschränkten Platzangebotes sehr entgegen.

Langsam nähern wir uns Puerto Limon und damit auch der Küste. Wir fahren vorbei an riesigen Kaffee-, Bananen- und Ananasplantagen. Die Straßen werden zunehmend schlechter, was nicht nur die Folgen der Anfang Dezember an der Karibikküste stattgefundenen Überschwemmungen (der Präsident hatte den Notstand ausgerufen) sind. Noch vor gut 100 Jahren war die gesamte Region von dichtem, schwer zugänglichem Regenwald bedeckt. Erst mit Beginn der Kaffee-, Kakao- und später Bananenexporte wurde das Gebiet erschlossen. Mit den Bananenplantagen der United Fruit Company kam auch eine Eisenbahnlinie in die Region, die den Export erleichterte.

Gegen Mittag erreichen wir unser Ziel für die nächsten zwei Tage - die "Almonds & Corals Lodge" im Gandoca Manzanillo Wildlife Refuge. Auch hier ist alles gut durchorganisiert. Zunächst einmal gibt es Lunch. Vertrauend auf die Tagesdosis Perenterol und einen kleinen Whisky vor dem Essen, wagen wir uns sogar an die frischen Fruchtsäfte heran. Ob die Coca-Cola-Sauce, die es zum Hühnchen gab, wirklich selbige enthielt, werden wir wohl nie erfahren.

Nach dem Essen beziehen wir unsere Lodge oder besser unser Holzhaus auf Stelzen und sind absolut positiv überrascht. Mosquito-Netze umspannen die offene Balkenkonstruktion. Ein Schlafzelt schützt vor ungebetenen Einblicken. Toilette und Warmwasserdusche erleichtern uns zivilisationsverwöhnten Touristen den Dschungel-Aufenthalt.

Den frei verfügbaren Nachmittag verbringen wir am Strand. Auch bei grauem, wolkenverhangenen Himmel und tropischen Wolkengüssen hat dies durchaus seinen Reiz. Erste Affen, Vögel und Krebse begleiten uns.

Jetlag- und vor allem Autosirenen-geschädigt ist der Abend bereits nach dem Abendessen für uns beendet. Die Geräusche des tropischen Regenwaldes wiegen uns sanft in den Schlaf.


29.12.2002 Gandoca Manzanillo Wildlife Refuge

Der Tag beginnt um 6:00 h mit einer fälschlicherweise als "Nature Walk" bezeichneten Tour. Auf dem Gelände der Lodge ist eine Art Lehrpfad angelegt. Ein Guide versucht uns anhand von Schautafeln die Flora und Fauna näherzubringen, was ihm aber -auch aufgrund der unverständlichen englischen Aussprache- nicht ganz gelingen will. Erwartungsvoll suchen wir die Bäume nach Vögeln und anderen Urwaldtieren ab. Im Froschgehege wird es interessanter. Wir sehen Froscheier, die von den Froschweibchen unterhalb großer Blätter abgelegt werden. Einige kleine rote Frösche zeigen sich uns genauso wie einige Schmetterlinge. Die Tour endet mit einem kleinen Einblick in das Leben der heute nur noch wenig verbreiteten indianischen Stämme und einer kleinen Gewürzkunde. 30 US$ hätte diese Aktion kosten sollen, definitiv zu viel.

Angesichts des noch jungen Tages entschließen wir uns, den programmfreien weiteren Vormittag mit einem kleinen Ausflug ins 10 km entfernte Aussteigerdorf Puerto Viejo zu füllen. Selbst im Dschungel ist es möglich, hierfür ein Taxi zu rufen. Die schaukelige Fahrt über Schotterpisten dauert ca. 15 Minuten. Mit dem Fahrer verabreden wir Zeit und Ort für die Rückfahrt und begeben uns in das morgendliche Treiben - dass Leben scheint hier gerade erst zu erwachen.
Bunte, zum Teil sehr heruntergekommene, Boote säumen den Strand. Auch ausgebrannte Autowracks scheinen -direkt vor der Gendarmerie- niemanden zu stören. Im Wasser liegt ein verrostetes und wild bewachsenes Schiffswrack. Faszinierend ist, dass der helle Sandstrand an einer Stelle in tiefschwarzen Sand übergeht. Das Wolkenband hat sich zwischenzeitlich verzogen, strahlend blauer Himmel unterstreicht das Karibik-Gefühl.
Wir schlendern durch die kleinen bunten Dorfstraßen. Viele Aussteigertypen laufen uns über den Weg. Bei einem kalten Getränk beobachten wir das Treiben am Strand - in der Luft liegt ein leicht süßlicher Hanfgeruch. Viele einheimische Familien genießen den freien Sonntag am Strand.
An der verabredeten Stelle warten wir gerade auf unseren Taxifahrer, als wir von einem Fremden angesprochen werden. Zunächst lehnen wir jede Kontaktaufnahme ab, bis wir näher hinhören und gefragt werden, ob wir diejenigen seien, die zur Almonds und Corals Lodge wollen. Wir riskieren einen näheren Blick aufs Auto, was man als solches kaum mehr bezeichnen kann. Die Beifahrertür lässt sich nicht öffnen, die fehlenden Scheiben wurden durch Plastikfolie ersetzt und als Türgriff dient eine Zange -womit die Mängel nur sehr oberflächlich beschrieben sind. Nach einigem Zögern steigen wir dennoch ein und glauben dem Fahrer, dass sein Freund -inzwischen mit Familie am Strand– ihn geschickt hat, zumal Uhrzeit und Fahrtziel bekannt sind. Gut durchgeschüttelt werden wir auch tatsächlich an unserer Lodge abgesetzt.

Nach dem Lunch wartet auf uns eine weitere Attraktion - eine Canopy-Tour. Hinter diesem Begriff verbirgt sich die eine costaricanische Erfindung, nämlich eine Baumkronen- oder vielleicht eher „Tarzan“-Tour. Hierfür ausgestattet gehen wir zunächst zu einer Teststrecke, wo eine kleine Einweisung stattfindet. Unterwegs begegnen wir einem Faultier, das offensichtlich dem wöchentlich stattfindenden Grundbedürfnis auf Nahrungsresteentsorgung folgt. Die Bewegungen sind derart langsam, dass wir sogar eine Nahaufnahme machen können.
Nun kann die Canopy-Tour starten. Über Holztreppen nähern wir uns den Baumwipfeln und erreichen die erste Plattform. Per Seil gesichert müssen wir nun eine Hängebrücke überqueren - für nicht schwindelfreie die erste kleine Herausforderung. Dann wird es ernst. Die Rolle wird auf das in 30 m Höhe angebrachte Seil gesetzt und selbstverständlich gesichert. Das mulmige Gefühl legt sich, nachdem wir die erste Teiletappe gemeistert haben und auf der nächsten Plattform vom Guide in Empfang genommen werden. Etwa zehn Drahtseile sind quer durch den Dschungel gespannt. In 30 bis 40 m Höhe bewegen wir uns von Baumkrone zu Baumkrone. In dieser Höhe zeigen sich uns ein paar Affen - für Vogelbeobachtungen fehlt die Zeit. Insgesamt war die zweistündige (inkl. Einkleidung und Teststrecke) Canopy-Tour ein schönes Erlebnis (für 40 US $ auch nicht ganz billig).

Natürlich ist Canopy nicht für jeden das Richtige, so dass Detlef die Zeit lieber am Strand verbracht hat. Gemeinsam gehen wir nach der Tour am Strand entlang nach Manzanillo. Auch hier haben sich viele Einheimische zum sonntäglichen Zeitvertreib eingefunden. Wir beobachten das Treiben -die Strandspiele sind uns aus Europa wohl bekannt- und genießen ein kühles, eiswürfelfreies "Cerveza".

Auch der heutige Abend endet kurz nach dem Abendessen. Aber die Geräusche beim Einschlafen im Dschungel, so denn nicht amerikanische Jugendliche alles übertönen, sind schon toll.


30.12.2002 Gandoca - Tortuguero

Heute erwartet uns leider wieder eine Busfahrt. Unterwegs kommen wir an kilometerlangen Bananenplantagen vorbei. Die Stauden sind in Plastiksäcke gehüllt, die in erster Linie vor export-disqualifizierenden braunen Flecken schützen sollen, die entstehen können, wenn die Pflanzen mit Insektenschutzmitteln besprüht werden. An einer Del Monte-Plantage (Dole und Chiquita sind in Costa Rica ebenfalls vertreten) legen wir einen kurzen Stopp ein und erfahren, dass die Wachstumsperiode einer Staude 8 Monate beträgt. Bei der ganzjährigen Ernte sind die Bananen noch grün. Erntereife Stauden werden mit farbigen Bändern gekennzeichnet. Die vom "Cutter" abgetrennten, etwa 25 kg schweren Stauden werden dann von einem Läufer zu einem Schienensystem gebracht und dort eingehängt. Ein "Carrier" fasst 25 Stauden zusammen und zieht diese an einem Schienensystem entlang zur Abpackstation. Hier können wir zusehen, wie die Bananen gewaschen, aussortiert und verpackt werden. Die Rispen werden von den Stauden abgeschnitten und landen in einem Becken, in dem Arbeiter hüfthoch im Wasser stehen, um minderwertige Bananen auszusortieren und die übrigen nach Größe zu sortieren. Bananenbäume werden rund 25 Jahre lang genutzt und benötigen extrem viel Feuchtigkeit. Der Boden benötigt danach ca. 5 - 7 Jahre um sich zu regenerieren und liegt in dieser Zeit brach.

Nach etlichen Kilometern Schotterpiste kommen wir gut durchgeschüttelt in Cano Blanco an. Unser Tagesziel, den Tortuguero Nationalpark erreicht man von hier aus nur per Boot. Die 1 1/2 stündige Fahrt führt über Kanäle, wo wir bereits erste Eindrücke der vielseitigen Fauna und Flora erhalten. Am Ufer sieht man immer wieder verschiedene Reiher und Seevögel.
In der "Laguna Lodge", einer schönen Anlage mit eigenem Schmetterlingsgarten, die auf einem schmalen Landstreifen zwischen Kanal und Karibischem Meer liegt, werden wir die nächsten zwei Nächte verbringen.

Nachmittags geht es per Boot zu dem kleinen Ort Tortuguero, wo ca. 1.200 Ticos, wie die Einheimischen in Costa Rica genannt werden, vorwiegend vom Tourismus leben. Die Häuser und Hütten liegen verstreut auf einem sich zwischen dem „großen Kanal“ und dem Atlantik erstreckenden Wiesenplateau, verbunden durch ein Netz von Trampelpfaden.
Unser Guide führt uns durch den Ort und zeigt uns einige Pflanzen und Tiere - u.a. einen jungen Ameisenbär. Zum Schutz der vom Aussterben bedrohten Schildkröten, die am hiesigen Strand ihre Eier ablegen, wurde eine Artenschutz-Station (www.cccturtle.org) eingerichtet, die wir ebenfalls besichtigen und hierbei einen recht interessanten Film über Meeresschildkröten sehen.

Nach dem Abendessen gelingt es uns heute immerhin -vorbereitend auf den morgigen Silvesterabend– uns bis nach 22:00 h wach zu halten.


31.12.2002 Tortuguero Nationalpark

Bereits um 6:00 h beginnt die erste von zwei Bootstouren in den Nationalpark. Der 19.000 Hektar große Park umfasst mehrere Sümpfe, die sich 15 Kilometer weit ins Land hinein erstrecken. Erst 1970 wurde das Gebiet zugänglich gemacht, indem ein 113 Kilometer langer, parallel zur Küste verlaufender Kanal angelegt wurde, der die verschiedenen Lagunen und Flüsse miteinander verbindet. Auf der gesamten Strecke gibt es keine nennenswerten Siedlungen, auch wenn man gelegentlich an einer brüchigen Bambushütte vorbeikommt, die zum Schutz vor Überflutung und Schlangen auf Holzpfählen errichtet wurde.
Wir tuckern mit 3 mph am Ufer entlang und schauen gebannt auf die Bäume. Daniel, unser Guide, spürt zusammen mit dem Fahrer des Bootes mit Argusaugen eine Vielzahl von Vögeln auf, deren Namen wir leider nicht alle behalten können. Auch einige Affenarten wie Brüll- und Spinnenaffen zeigen sich uns. Später gibt es noch Leguane, Schildkröten und Kaimane zu entdecken. Der sonst so scheue Otter scheint uns zu mögen. Nicht nur, dass er sich in aller Seelenruhe auf einem Baumstamm den Rücken scheuert, er taucht uns hinterher, um sich uns noch einmal kurz zu zeigen. Ein besonders intensives Erlebnis haben wir, als wir für einige Minuten die absolute Stille genießen - mit geschlossenen Augen ein sehr meditatives Erlebnis.

Angesichts des heutigen Silvestertages stoßen wir in Gedanken an alle Daheimgebliebenen schon um 17:00 h mit Weißwein (mangels Sekt- oder Champagner-Alternativen) auf das neue Jahr an. Erneute Telefonversuche scheitern, da der elterliche Anrufbeantworter leider nicht entscheiden kann, ob er das R-Gespräch bezahlen soll oder nicht.
Die später stattfindenden Feierlichkeiten lassen -auch aufgrund der unerträglichen Musikqualität- zu wünschen übrig. In der Hotelanlage gibt es offensichtlich nur eine Notbesetzung. Das übrige Personal scheint zu wissen, wo die Party stattfindet. Müde Tanzversuche stellen wir schnell wieder ein. Mit Mühe gelingt es uns, die Zeit bis Mitternacht rumzukriegen, um auch nach Costa Rica-Zeit das neue Jahr angemessen zu beginnen. Vom Strand aus beobachten wir noch einmal den tollen Sternenhimmel, bevor wir todmüde ins Bett fallen.

01.01.2003 Tortuguero - Sarapiqui

Leider müssen wir diese schöne Gegend heute wieder verlassen. Zum letzten Mal genießen wir auf der 1 1/2 stündigen Bootsfahrt nach Cano Blanco die vielfältige Natur. Mit dem Bus geht es weiter nach Sarapiqui zur "Quinta de la Sarapiqui Lodge", wo wir eine Zwischenstation einlegen, bevor es weiter in die Vulkanregion geht. Auch diese Location ist wieder sehr schön angelegt und bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, sogar im Fluss können wir -bei relativ starker Strömung- ein Bad genießen.

Sehr schön ist das Insektenmuseum, in dem neben den Insekten auch eine Vielzahl von Schmetterlingen aus aller Welt ansprechend ausgestellt sind. Faszinierend ist ferner der Schmetterlingsgarten. Unter einem hoch angelegten Netz-Zelt flattern an die 100 Schmetterlinge herum und lassen sich -bis auf den immer aktiven großen Blue Morpho- gut fotografieren. Auf einigen Blättern ist etwas, was auf den ersten Blick wie Vogelkot aussieht (und angeblich auch so riechen soll) – die perfekte Tarnung einiger Raupen. Eine Vielzahl tropischer Vögel -u.a. der Kolibri- sind ebenfalls auf dem Gelände zu entdecken.


02.01.2003 Sarapiqui - La Fortuna

Auf die für 25 US$ am Vormittag angebotene "Hilking-Tour" verzichten wir, nachdem wir herausgefunden haben, dass es sich eigentlich nur um einen kleinen Vogelspaziergang handelt, genauso wie auf eine Rafting-Tour, die einige Mitreisende unternehmen. Stattdessen starten wir einen selbstorganisierten „Pineapple Walk“.
Die Lodge ist von Ananasplantagen umgeben, wobei die Früchte ein unterschiedliches Reifestadium aufweisen. Wir können einigen Arbeitern beim Besprühen der Felder und beim Ernten zusehen.

Nachdem wir noch einige Zeit auf dem schön angelegten Gelände der Lodge verbracht haben, werden wir zur Weiterfahrt zum 95 km entfernten Ort La Fortuna abgeholt.
Gegen Mittag kommen wir in La Fortuna an und damit auch in der bis zur Grenze nach Nicaragua reichenden nordöstlichen Provinz des Landes – Guanacaste, benannt nach dem Guanacasta-Baum (wegen seiner ohrenähnlich geformten Früchte auch Ohrenbaum genannt), dem Wappenbaum Costa Ricas.
Im Hotel Montana de Fuego beziehen wir unsere Lodge mit Blick auf den 1643 m hohen, noch aktiven Vulkan Arenal. Am 29. Juli 1968 weckte ein Erdbeben den schlafenden Riesen auf, dieser brach aus und begrub mit seinen Lavamassen die nahe gelegenen Stadt Tabacon. Seitdem grummelt er unentwegt vor sich hin und es vergeht fast kein Tag ohne eine kleinere Eruption.

Leider ist der Arenal an diesem Tag in dichte Wolken gehüllt. Die Spitze des Vulkans lässt sich nicht einmal erahnen. Dieser Zustand ändert sich auch nicht, als wir zur nahe gelegenen Aussichtsplattform fahren. Ein Grummeln, bei dem Wasserdampf aus dem Vulkan ausgestoßen wird, lässt sich jedoch ab und zu hören.

Die meisten Touristen –so auch wir– entschädigen sich mit einem Besuch des Tabacon Resorts, ein feudales Thermalbad, dass von einem heißen, schwefligen, vom Arenal kommenden Fluss gespeist wird. Nachdem wir den Massenansturm etwas hinter uns gelassen haben, finden wir noch ein ruhiges Plätzchen in einem der Becken. An die Temperaturen, die bis zu 40 Grad C erreichen, muss man sich erst gewöhnen. Das Thermalbad ist sehr schön angelegt. In der aufwändig bepflanzten Parkanlage erreicht man teilweise über Brücken eine Vielzahl unterschiedlicher Becken mit künstlich angelegten Wasserfällen. Der richtige Ort für ein entspanntes Bad. Auch nach dem feucht fröhlichen Zeitvertreib befindet sich der Vulkan leider immer noch in den Wolken, so dass eine weitere Fahrt zur Aussichtsplattform ausfällt.


03.01.2003 La Fortuna – El Arenal

Der Tag empfängt uns mit noch dichterem Nebel als am Vortag. Als wir morgens die Vorhänge zurückziehen, können wir kaum 50 m weit gucken – vom Vulkan ist rein gar nichts zu erkennen. Nach dem Frühstück fahren wir mit einem Taxi zum 5 km entfernt gelegenen Ort La Fortuna. In der „Official Tourist Information“ informieren wir uns über Ausflugsziele und erfahren, dass auch am vorherigen Abend ein Blick auf den Vulkankegel möglich war, allerdings nur von der anderen Seite des Vulkans aus. Die von uns angesteuerte Aussichtsplattform bietet nur an wenigen Tagen einen freien Blick auf den Vulkan, wohingegen die im Nationalpark gelegene gegenüberliegende Seite -aufgrund der Windbedingungen– fast jeden Tag einen freien Blick bietet. Angesichts des schlechten Wetters und des damit verbundenen derzeit nicht vorhandenen Vulkanblicks benötigen wir noch etwas Bedenkzeit, um zu entscheiden, ob wir noch einmal 20 US$ pro Person aufwenden wollen, um möglicherweise doch keine Vulkanaktivität zu sehen.

Zunächst einmal steht eine Wanderung zum Wasserfall La Catarata auf unserem Programm. Per Jeep-Taxi lassen wir uns die 5 km lange Schotterpiste bis zum Wanderweg hochfahren und werden kurz hinter dem „Pferdeparkplatz“ (das Schild „Horse parking“ amüsiert uns sehr) abgesetzt. Über einen schmalen Pfad (mit teilweise sehr glitschigen Stufen) kann man hinab zum Wasserfall klettern, der mehrere zum Schwimmen geeignete Becken speist. Die 6 US$ Eintritt ist dieser ca. 70 m hohe Wasserfall sicherlich nicht wert; dennoch eine schöne Wanderung.

Zu Fuß gehen wir zurück nach Fortuna. Leider fängt es an zu regnen. Wir sind schon ziemlich durchnässt, als wir endlich eine Unterstellmöglichkeit finden – aber bei den sommerlichen Temperaturen trocknet die Kleidung schnell wieder. An der Hauptstraße angekommen werden wir von einem Bus in die Stadt mitgenommen.
Nachdem wir für unser abendlich geplantes Picknick eingekauft haben, ringen wir uns doch noch durch und buchen die abendliche Tour zum Vulkan.

Nachmittags müssen wir leider mit ansehen, wie sich der Himmel immer weiter zuzieht, was sich mit Beginn der Tour leider nicht ändert - der Vulkankegel ist immer noch in Wolken. Als der Fahrer den gleichen Weg zur Aussichtsplattform wie am Vorabend einschlägt, wächst unser schlechtes Gefühl weiter an. Einige 100 Meter von der Plattform entfernt beginnt zunächst eine Wanderung durch den Regenwald des Parque National Arenal. Unser „Think positive, you will see red lava“-Guide führt eine interessante Tour mit vielen Erklärungen durch den Regenwald, was unsere Stimmung etwas hebt. Auch nach der einstündigen Tour ist der Vulkan noch in Wolken. Wir fahren zu einem anderen Aussichtspunkt auf der anderen Vulkanseite und sind erstaunt, dass die Wolkendecke hier wesentlich dünner ist. Inzwischen ist die Dunkelheit hereingebrochen. Schon nach wenigen Minuten erleben wir, wie -begleitet von einem starken Grummeln- , feine Lavaströme den Abhang hinunterfließen. Immer noch verdecken einige Wolken den Kegel. Der Anblick wird jedoch noch spektakulärer, als der Kegel kurze Zeit später fast wolkenfrei ist und eine Vielzahl von Lavaströmen die Silhouette des Kegels in der Dunkelheit nachzeichnen. Von dem kleinen Feuerwerk sind wir ganz begeistert. Lediglich einige andere Tourteilnehmer nerven uns etwas, weil sie in völliger Dunkelheit versuchen, den weit entfernten Vulkan mittels Blitzlichtgewitter zu fotografieren.
Auf der Lodge-Veranda genießen wir später dann unser abendliches Picknick. Zwei Frösche haben sich offensichtlich verirrt und kleben an der Scheibe unserer Veranda. Von unserem Picknickplatz aus sehen wir den Vulkan wieder in Wolken gehüllt – das soeben gesehene Lava-Schauspiel lässt sich so nur schwer nachvollziehen.


04.01.2003 La Fortuna – Monteverde

Glücklicherweise haben wir noch einmal den Transfer-Voucher geprüft, denn der beschriebene Reiseplan weicht davon um 4 Stunden ab. Mit einem völlig überfüllten Bus fahren wir zunächst ein paar Kilometer zur Laguna de Arenal. Erst 1973 wurde dieser 124 qkm große Stausee, basierend auf eine Talsenke, angelegt. Dabei überflutete der See mehrere präkolumbische Stätten sowie die einzige Siedlung des Tals. Die Straßenverbindungen rund um den Stausee sind sehr schlecht, daher queren wir per Boot den See, um vom anderen Ende weiter nach Monteverde zu fahren. Vom Boot aus bieten uns einige Sonnenstrahlen schöne Lichtspiele über dem wolkenverhangenen Vulkan.
Auf der anderen Seeseite angekommen scheint das Chaos auszubrechen. Zwei Boote mit ca. 50 Transfergästen sind zuviel. Die eine Hand weiß nicht, was die andere tut. Wir sollen aus dem Boot aussteigen, kommen jedoch kaum heraus, da uns andere Reisende den Weg versperren. Einige Jeeps und Kleinbusse stehen auf der oberen Plattform, aber keiner weiß, wo er einsteigen soll.
Etwas genervt warten wir und begutachten das Geschehen mit etwas Distanz. Die ersten Kleinbusse sind schon befüllt und abfahrbereit. Da wir nicht angesprochen werden, bemühen wir uns nun selber um einen Transfer. Ein Jeep-Fahrer ist glücklich, seinen Jeep mit uns zu füllen. Mühsam verstaut er das Gepäck im Jeep. Zwei Gepäckstücke bleiben über – was nun. Mühsam wuchtet er einen 30 kg schweren roten Koffer und einen weiteren Rucksack aufs Dach. Nun muss noch ein Seil her, dass sich nach einigem Suchen im Innenraum findet. Ungeschickt werden die beiden Gepäckstücke per Seil gesichert – ob das hält? Wir quetschen uns ins Fahrzeug und los geht die huckelige Fahrt hinauf nach Monteverde. Bei der ersten Bodenwelle hüpft der Koffer hoch – ein Check ergibt - alles i.O.; weitere 35 km nervenzerrüttende Schotterstraßen durch die Berge liegen vor uns. Die Almen, auf denen schwarz-weiße Holsteiner Kühe weiden, leuchten smaragdgrün. Nebel hüllt die höheren Lagen ein. Auch einige Kaffeeplantagen sind an den Hängen zu finden. Sehr schön ist ebenfalls der Ausblick auf den Golfo de Nicoya.

Nach eineinhalb Stunden Fahrt erreichen wir den kleinen Ort Santa Elena. Von hier aus sind es noch weitere 5 km über noch schlechter werdende Straßen –Autovermieter erlauben die Zufahrt nur mit Geländewagen- zur Trapp Family Lodge, unserer Unterkunft für die nächsten beiden Nächte. In Fußnähe liegt das Reserva Biologica del Bosque Nuboso de Monteverde, das 1972 von einer in den 50er Jahren eingewanderten Gruppe nordamerikanischer Quäker gegründet wurde. Monteverde liegt auf ca. 1.500 m Höhe wie eine grüne Insel in einem durch Rodungen schon sehr verwüsteten Gebiet.

Den Nachmittag nutzen wir, um eine kleine Wanderung nach Santa Elena zu unternehmen. Auf dem Weg liegt eine Käsefabrik, die von den Quäkern, die sich 1951 hier niedergelassen hatten, gegründet wurde. An der Vorderfront ist ein kleiner Laden, in dem man nicht nur die im ganzen Land begehrten Käsesorten kaufen kann, sondern in dem auch das Postamt untergebracht ist. Postzustellung gibt es hier nicht, man benötigt ein kleines Fach und muss dort seine Briefe selber abholen. Ein kleines Fenster im Laden bietet einen allerdings sehr begrenzten Blick auf die Käseerstellung.
Ein weiterer Halt lohnt sich an der Ecstasy Gallery – auch wenn es dort keine Tabletten zu kaufen gibt. Der Eigentümer hat sich mit seinem mehrgeschossigen, am Hang gebauten Holzhaus hier einen Traum verwirklicht. Auf drei Ebenen ist eine Galerie eingerichtet. Es werden Kunstwerke, vorwiegend Skulpturen, von costaricanischen Künstlern, die teilweise ungewöhnlich präsentiert werden, zum Verkauf angeboten. Leider ist der Versand der Kunstwerke nach Europa ziemlich teuer.
Santa Elena als solches hat, abgesehen vielleicht von ein paar witzigen Geschäften mit ungewöhnlich sortiertem Warenangebot, nicht viel zu bieten. Von Reis, Bohnen und Hühnchen müde gönnen wir uns abends eine typisch italienische Pizza bei "de Jonny".


05.01.2003 Monteverde

Heute steht eine geführte Wanderung im Reserva Biologica del Bosque Nuboso de Monteverde auf dem Programm. Wieder einmal erleben wir ein tolles Naturerlebnis. Der Führer erspäht mit Argusaugen eine Vielzahl von Vögeln, die versteckt im Blattwerk sitzen und fokussiert diese mit einem Fernrohr – ohne Hilfe hätten wir rein gar nichts gesehen. Sogar den äußerst seltenen Quetzal bekommen wir zu sehen und erfahren viel über den Nebelwald. Die ganze Zeit nieselt es ein wenig. Die Tropfen sind jedoch so fein, dass man nicht wirklich nass wird.
Viel Vergnügen haben wir auch im Kolibri-Garten. Hier werden mittels Zuckerwassers Kolibris angelockt und verweilen einige Sekunden in der Luft, während Sie die Flüssigkeit einsaugen. Selbst aus nächster Nähe ist es dennoch schwierig, die quirligen Vögel zu fotografieren. Auch ein kleiner Waschbär findet Geschmack an der süßen Flüssigkeit und macht sich kurzerhand an der Vogeltränke zu schaffen.

Für nachmittags steht ein „Skywalk“ im Reserva Bosque Nuboso Santa Elena auf dem Programm. Die Baumwipfeltour führt über Hängebrücken durch das Reservat. Die sechste Brücke wurde erst vor einem Jahr –nach knapp 3 Jahren Bauzeit– fertiggestellt. Es ist die längste (300 m) und höchste (55 m hoch) und so breit, dass sogar Rollstuhlfahrer sie überqueren können. Viele Tiere sehen wir auf dieser Tour zwar nicht, dafür ist das Naturerlebnis und der Blick auf die grüne Vegetation von oben sehr schön. Wir werden auch über den Irrtum aufgeklärt, dass es sich bei den angeblichen „Lianen“, die Tarzan als Fortbewegungshilfe benutzt hat, eigentlich um Wurzeln handelt. Die großen Bäume bilden hölzerne Luftwurzeln, um Nährstoffe und Feuchtigkeit aus der Luft zu ziehen, die später den Boden erreichen und der Stabilisierung des Baumes dienen. Diese Wurzeln sind im Gegensatz zu Lianen so stabil, dass man sich daran entlanghangeln kann – wir haben es aber dennoch nicht selbst versucht.


06.01.2003 Monteverde – Manuel Antonio

Der Nebelwald hängt in den Wolken. Es regnet leider pausenlos. Daher sind wir froh, als unser Transfer an die Pazifikküste in die Region Puntarenas gegen Mittag endlich losgeht. Die vierstündige Fahrt (190 km) ist allerdings eine Tortur. Zunächst erwarten uns wieder 35 km Schotterpiste, bis wir die Interamericana erreichen. Dann geht es glücklicherweise auf gepflasterten Straßen weiter. Unser Fahrer scheint es besonders eilig zu haben, was ihm leider ein 5.000 Colones-Ticket wegen Geschwindigkeitsüberschreitung einbringt. Nachmittags kommen wir -im wahrsten Sinne des Wortes gerädert- in Manuel Antonio an. Die nächsten drei Nächte werden wir im Hotel Casitas Eclipse verbringen, eine sehr schöne Hotelanlage. Eine Vielzahl von Treppenstufen müssen wir meistern, bevor wir unseren Bungalow erreichen.

Den Abend lassen wir in einem witzigen Lokal „El Avion“ –vis à vis vom Hotel– ausklingen. Ein Amerikaner hat ein altes US-Militär-Transportflugzeug, dass bereits jahrelang auf dem Flughafengelände in San Jose vor sich hin rottete, für 3.000 US$ gekauft und als Bar-Restaurant-Disco auf dem Hügel ausgebaut.


07.01.2003 Parque Nacional Manuel Antonio

An das warme Klima der Pazifikküste müssen wir uns nach dem kühleren Nebelwald in Monteverde erst gewöhnen. Zu Fuß gehen wir die abschüssige Strecke zum Nationalpark Manuel Antonio. Die 8 US$ Eintritt bleiben uns heute erspart – die Tickets sind ausgegangen und wir erhalten lediglich einen Stempel. Der 682 Hektar große Park dehnt sich auf einer Halbinsel am Fuß bewaldeter Hügel aus und ist auf drei Seiten vom Pazifik umschlossen. Die Halbinsel besteht aus einer lang gezogenen Sandbank, die eine ehemalige Insel, die Punta Catedral, mit dem Festland verbindet. Im Park gibt es eine Vielzahl von kleinen Wanderwegen.

Über einen steilen Pfad gelangt man zur Spitze der Halbinsel hinauf, die sich am Ende der Playa Espadilla Sur erhebt. Schweißgebadet müssen wir häufig stehen bleiben und sind beruhigt, dass es allen Wanderern so geht. Mit schönen Ausblicken werden wir belohnt.
Weitere Wege führen zu abgelegenen, einsamen –aber nicht ganz so einladenden– Stränden. Unterwegs begegnen wir quirligen Weißschulterkapuzineraffen, die sich lustig von Baum zu Baum hangeln.

Am weißen Sandstrand Manuel Antonio ruhen wir uns bei einem Sonnenbad –allerdings unter schattenspendenden Bäumen- aus. Das Wasser des Pazifiks ist beinahe zu warm, um wirklich zu erfrischen. Trotzdem genießen wir das glasklare Wasser.
Am Strand liegend werden wir von einem kleinen Leguan besucht. Die Tiere sind hier inzwischen so zahm geworden, dass Sie auch vor sonnenbadenden Touristen nicht zurückschrecken.

Von der Sonne schon ganz matt fahren wir am Nachmittag mit dem Shuttle-Bus in den 6,5 km entfernten Ort Quepos, um uns den kleinen Küstenort anzusehen. In den 30er Jahren war der Ort ein wichtiger Hafen für die Bananenexporte. Nachdem die Standard Fruit Company die Bananenplantagen aufgegeben hat, ist heute der Tourismus die Haupteinnahmequelle der Stadt. In vielen Shops werden Souvenirs angeboten, die handwerklich zum Teil sehr schön sind. Wir laufen noch etwas durch die bunten Straßen, bevor wir mit dem Bus zurück ins Hotel fahren.

Ein vielversprechender Sonnenuntergang lädt zu einem Cocktail im „El Avion“ ein. Der Himmel ist beinahe wolkenfrei, so dass die Sonne ins Meer zu fallen scheint. Im gut bewerteten italienischen Hotelrestaurant „Gato Negro“ genießen wir bei einem Glas (leider schlechten) Wein hervorragende Pasta.




Auch heute zieht es uns wieder in den Nationalpark. Es gibt noch ein paar Wanderwege, die wir noch nicht erforscht haben. Für Tierbeobachtungen scheint heute ein guter Tag zu sein. Neben den üblichen Kapuzineräffchen und vielen Vögeln, die nur Guides zu erklären wissen, sehen wir heute ebenfalls ein Faultier mit ihrem Jungen.
Wir wandern zum Sendero Mirador, ein Aussichtspunkt, der uns einen hervorragenden Blick auf die Bucht gewährt. Allerdings steigt auch dieser Weg stark an und ist –angesichts der Hitze– ziemlich beschwerlich.

Nach der anstrengenden Wanderung genießen wir wieder das Strandleben. Heute sind es Krabben, die unsere Neugierde wecken. Diese Krabbenart trägt ihr Häuschen –ähnlich einem Schneckenhaus- mit sich und kann sich bei Gefahr in dieses zurückziehen. Einige Kinder haben eine Menge Spaß, diese Krabben einzusammeln und durch Klopfen auf die Schale wieder herauszulocken.
Schön zu beobachten sind ebenfalls die Pelikane, die ziemlich niedrig und v-förmig über uns hinweg fliegen.

Am Hotelpool lassen wir den Nachmittag ausklingen. Den Sunset-Cocktail im „El Avion“ möchten wir natürlich auch nicht missen.


09.01.2003 Manuel Antonio – San Jose

Wieder ein Transfer-Tag und damit nähert sich auch schon unser zweiwöchiger Urlaub dem Ende. Den Vormittag verbringen wir in der schönen Hotelanlage. Mittags geht es zurück nach San Jose, wo wir wieder im Hotel Occidental Torremolinos übernachten. Diesmal ist es ein Unfall mit vier beteiligten Fahrzeugen, der uns unterwegs fast eine Stunde Zeit kostet.

Wir lassen den Abend mit einem Abschiedsessen im italienischen Restaurant "Ana" ausklingen, das uns von unserem Reiseführer empfohlen wurde. Als uns das Taxi dort absetzt, sieht das Restaurant zunächst nicht so einladend aus. Innen ändert sich das und wir genießen einen schönen italienischen Abend mit noch besserem französischem Wein.


10.01.2003 San Jose – Vulkan Poas

Der letzte Urlaubstag. Glücklicherweise fliegen wir erst abends, so dass wir noch etwas Zeit haben. Da der gestrige Tag wenig Urlaubsaktivität hatte, buchen wir kurzerhand einen Ausflug zum Vulkan Poas, ca. 30 km von San Jose entfernt. Aus dem Bus sehen wir die Stadt noch einmal mit anderen Augen, denn auch die Slums am Stadtrand bekommen wir zu Gesicht.

Zunächst fahren wir etwas durch das zentrale Hochland, Meseta Central oder auch Valle Central, ein Bergland vulkanischen Ursprungs mit großen Höhenunterschieden und unzähligen Tälern. Die Hügel sind von dichten Wäldern und Kaffeeplantagen überzogen.

An einer der vielen Kaffeeplantagen halten wir an. Ein Bauer mit seinem buntbemalten Ochsenkarren steht hier bereits Modell. Die für ein Foto verlangten 1 US$ sparen wir uns.
Die Kaffeepflanzen brauchen 3 Jahre und 8 Monate, bevor Sie das erste Mal Früchte tragen, können dann jedoch über 40 Jahre genutzt werden. Im Dezember und Januar ist Erntezeit. Die Pflücker kommen auf die Plantagen und ernten –nicht ganz ungefährlich– die reifen, roten Bohnen. Sollten sich grüne Bohnen untermischen, so wird nicht bezahlt. Beim Pflücken ist äußerste Vorsicht geboten, denn für giftige Spinnen und Schlangen bieten die Sträucher ein gutes Versteck.

90 % der geernteten Bohnen Costa Ricas werden nach der Ernte und Trocknung der Bohnen nach Deutschland zur weiteren Verarbeitung exportiert. Nur 10 % bleiben im Land und werden dort geröstet. Dafür müssen die Bohnen zunächst maschinell geschält und gewaschen werden, damit sich auch die dünne, klebrige Hautschicht ablöst. Danach werden die Bohnen zunächst in einem Ofen getrocknet, bevor der eigentliche Röstvorgang stattfindet. Hierfür gibt es zwei Prozeduren: eine aromaschonende und eine geschmacksschonende. Im 50 : 50 Verhältnis werden die Bohnen anschließend wieder vermischt und zum Verkauf angeboten. Von einem Kauf sehen wir ab, da wir den Kaffee in Deutschland zum gleichen Preis bekommen. Die Costa Ricaner trinken keinen Kaffee, was wir leider jeden Morgen beim Frühstück zu spüren bekommen haben.

In den höheren Gebirgslagen gibt es ebenfalls Erdbeer-Felder sowie Palmen- und Blumenzüchtungen. Diese verstecken sich unter großen grünen Planen, die teilweise ganze Hänge bedecken. Auch der Vulkan Irazu ist zu sehen – fast scheint es, als wäre der Gipfel wolkenfrei.

An der Rangerstation des Parque Nacional Volcan Poas angekommen, erfahren wir auf dem wenige Hundert Meter messenden Weg zum Krater wieder einmal eine Menge über die Flora. Beispielsweise lernen wir den „Schirm des armen Mannes“ kennen, eine wie Rhabarber aussehende Pflanze, deren raue Blätter bis zu einem Meter Durchmesser erreichen können.

Der Vulkan Poas (2.704 m hoch) liegt auf der Wasserscheide zum karibischen Tiefland und ist häufig –so auch heute– sehr wolkenverhangen. Auf 2.300 m Höhe liegt der Krater, der 1,5 km durchmisst und steil zu einem heißen, giftgrün aussehenden See mit einem 40 m hohen, farbenfrohen Schlackehügel abfällt. Als wir an der Aussichtsplattform des Kraters ankommen sind, ist dieser in Wolken gehüllt. Wir haben jedoch Glück, denn für einen kleinen Moment lichten sich die Wolken etwas und wir können den grünen See sowie das bunte Vulkangestein sehen. Wenn man heute hier oben steht ist kaum vorstellbar, dass von hier aus bei gutem Wetter sowohl der Atlantik als auch der Pazifik zu sehen sind.

Zurück in San Jose lassen wir uns am Teatro Nacional absetzen, um noch einen kleinen Eindruck der Landeshauptstadt zu bekommen. Das Nationaltheater ist –für San Jose- ein ungewöhnlich schönes neoklassizistisches Gebäude, der Reiseführer verrät uns warum: Das Theater wurde erbaut, nachdem die berühmte Operndiva Adelina Patti Costa Rica während ihrer Mittelamerikatournee im Jahre 1890 hatte links liegen lassen. Die gekränkte Aristokratie handelte rasch und belegte Kaffeeexporte mit einer Steuer, um das Geld für den Bau eines pompösen Opernhauses im Stil der Pariser Oper zusammenzubekommen.
In der Fußgängerzone rund um den Plaza de la cultura beobachten wir das bunte Treiben. Überall stehen Losverkäufer und bieten lauthals ihre Zettelchen an. Die Auslagen in den Geschäften sind bunt gemischt. Auch die Maschine einer kleinen Rösterei bekommen wir zu Gesicht oder eine bunt ausgestattete Parfümerie, in der man sich die Düfte selbst zusammenstellen kann. Vorzugsweise an Straßenecken sind bunte Obst-Kioske anzutreffen.
Wir folgen dem im Reiseführer beschriebene Rundgang durch die westlichen Stadtviertel Otoya und Amon, der historische Kern der Stadt mit viktorianischen Villen. Die schönsten und gut restaurierten Häuser der Stadt stammen von Kaffeebaronen, die sich zu ihrer Zeit vom französisch geprägten Stil in New Orleans und auf Martinique inspirieren ließen. Neben dem Casa Amarilla, dem Hemmingway Inn, den Hotels Don Carlos und Britannia oder dem von der UNESCO 1994 für die gelungene Sanierung ausgezeichnetes Casa Verde de Amon, ist das Castillo del Moro, dass 1925 im maurischen Stil gebaut wurde, ein weiterer Hingucker.
Den Mercado Central, den wir als nächstes ansteuern, haben wir uns etwas anders vorgestellt, denn ein Vergleich zum türkischen Basar liegt näher als der zu einem Wochenmarkt.

Mittlerweile ist die Zeit soweit fortgeschritten, dass wir uns endlich zum Auschecken ins Hotel begeben müssen. Die Wintersachen für den Flug werden herausgeholt; schließlich erwarten uns in Deutschland winterliche Minustemperaturen - bei 25 Grad kaum vorstellbar.

Ein schöner Urlaub geht zu Ende, was uns, als wir erneut eingequetscht in der Martinair-Maschine sitzen, erst so richtig bewusst wird.

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