Reisebericht

Polen - Bialowieski-Nationalpark, Urwald und Seen

Besuch im spärlich besiedelten Osten des Landes. Direkt an der Grenze zu Weißrussland liegt der Bialowieski-Nationalpark. Er ist das einzige Naturdenkmal, das die UNESCO in die Liste des Weltnaturerbes aufgenommen hat. Grund für die Aufnahme sind die einzigartigen Wälder der Region, die sich seit dem Mittelalter kaum verändert haben. Der Urwald umfaßt 65.000 Hektar, davon sind 10.500 unter besonderen Schutz gestellt. So findet man im Urwald von Bialowieza 400 Jahre alte Eichen, die einen Umfang von bis zu sieben Metern erreichen. Auch mächtige Ulmen, Linden und über 50 Meter hohe Fichten und Kiefern wachsen hier. Die Naturbelassenheit des Waldes ermöglicht eine enorme Vielfalt des Lebens. So sind im Nationalpark über 4.000 verschiedene Pflanzenarten heimisch.

Urwald

Auch die Fauna ist ausgesprochen üppig. Der Wald bietet tausenden verschiedenen Insekten ein Refugium, die wiederum Nahrungsgrundlage zahlreicher Vogelarten sind. An Wildtieren findet man unter anderem Biber, Hirsche und Rehe, Wölfe und Wisente. Das größte europäische Landtier wurde zu Anfang des 20. Jahrhunderts beinahe ausgerottet. Durch strenge Schutzmaßnahmen gelang es in jüngerer Zeit jedoch, eine intakte Herde mit über 200 Tieren zu züchten. Die mächtigen Kolosse streifen zum größten Teil frei lebend durch die weiten Wälder. Einige Exemplare sind in einem Wildpark untergebracht, wo sie besichtigt werden können. Die UNESCO hat die Welterbestätte als "grenzübergreifend" eingestuft. Ein Teil des Urwaldes liegt in Polen, der andere, noch weitaus größere, in Weißrussland.

Neben der Welterbestätte besuchen wir die Biebrza-Sümpfe und einen Teil Masurens. Der Biebrza-Nationalpark wurde 1993 gegründet und verläuft längs des Flusses Biebrza. Die Sümpfe sind ein wichtiges Rückzugsgebiet für Vögel. 180 verschiedene Arten brüten hier. Wer ein wenig Glück hat, begegnet auch Elchen, die sich in der Sumpflandschaft ausgesprochen wohl fühlen. Mit einem Abstecher zur Masurischen Seenplatte beenden wir unsere Reise. Hier findet man neben malerischen Seen gleichfalls mehrere Naturschutzgebiete, die vor allem als Vogelparadies gelten.

Von der Hauptstadt Warschau fahren wir in die Provinz Podlasien. Je näher wir der Grenze zu Weißrussland kommen, desto dünner wird die Besiedlung. Wir durchqueren riesige Waldgebiete. Am Straßenrand bieten die Einwohner selbst gemachten Honig, Blaubeeren und selbst gesammelte Pilze feil. Während der Fahrt wird es für uns zum Spiel, Storchennester zu zählen. Am Anfang sind wir noch von jedem neu entdeckten Nest begeistert. In vielen Nestern sitzen zwei, mitunter sogar vier junge Störche. Die Eltern haben jede Menge zu tun, um genügend Futter für die stets hungrigen Mäuler zu beschaffen.





Nach fünf Stunden Fahrt über einsame Straßen erreichen wir schließlich das Dorf Bialowieza, nach dem der Nationalpark benannt ist. Für eine Welterbestätte geht es hier erstaunlich ruhig zu. Es gibt nur wenige größere Hotels, viele Wanderer und Naturfreunde kommen in Privatpensionen unter, die für wenige Euro ein Zimmer anbieten. Am nächsten Tag besuchen wir zunächst das Informationszentrum. Hier gibt es einen Beobachtungsturm, von dem man sich einen ersten Eindruck von der Region verschaffen kann und ein kleines Naturkundemuseum. Gleich nebenan liegen die Reste eines alten Jagdschlosses, dass von den deutschen Besatzern beim Rückzug zerstört wurde. Es ist von einer schönen Parkanlage umgeben, deren Teiche beliebte Angelreviere sind.

Im Urwald

Die meisten Gäste kommen vor allem wegen des einzigartigen Urwaldes nach Bialowieza. Er beginnt gleich hinter dem Dorf. Der besonders geschützte Bereich darf nicht ohne sachkundigen Führer betreten werden. So fragen wir nach einem Guide und nehmen auf einem alten Pferdekarren Platz, der uns in die Tiefe des Waldes bringt. Andrzej ist ein junger Biologe, der den Wald wie seine Westentasche kennt. Unterwegs berichtet er uns von der Besonderheit der Welterbestätte und gibt uns einen Überblick über die zahlreichen alten Bäume, die hier zu finden sind.



Er führt uns zu riesigen Kiefern, Ulmen, Linden und auch zu einer uralten Eiche, die vor Jahrzehnten umgefallen ist und nun zu Humus verrottet. Viele Baumstämme sind mit Moosen und Pilzen übersät: Ausdruck des vielfältigen Lebens in einem echten Urwald. Im Nationalpark sind über 4.000 verschiedene Pflanzenarten heimisch, darunter allein Hunderte Moose, Flechten und Pilze, die zwischen den Baumriesen stehen. Mehrere Stunden führt uns Andrzej durch den Wald. Am stärksten beeindruckt uns die völlige Naturbelassenheit. Kein kranker oder toter Baum wird gefällt, der Wald erneuert sich seit Jahrhunderten selbst und ermöglicht so die ungeheure Vielfalt des Lebens, die seinen Zauber ausmacht. Andrzej weist uns ständig auf seltene Pflanzen am Wegesrand hin, die in den meisten anderen Wäldern Europas längst ausgestorben sind.



Der Urwald liegt zum Teil in Polen, zum anderen Teil in Weißrussland. Leider durchschneidet ein hoher Grenzzaun die beiden Teile der Welterbestätte. Da es schwierig ist ein Visum zu bekommen und auch der Grenzübergang oft geschlossen ist, sehen die meisten Gäste nur den polnischen Teil des Urwaldes. Auch für die Wildtiere ist der Zaun eine unüberwindliche Hürde. Dies gilt für Wölfe. Rehe und Hirsche, und auch für die Wisente, die noch im Urwald leben.





Die Wisente wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts beinahe ausgerottet. In Bialowieza gelang es durch Rückzüchtung und strengen Schutz, eine neue Herde mit Hunderten Tieren zu züchten. Die meisten der gewaltigen Tiere streifen frei lebend im Urwald umher und sind die bekannteste Attraktion des Nationalparks. Wer Glück hat, begegnet auf einer Wanderung einem kapitalen Exemplar. Allerdings sind die Tiere scheu und ziehen sich rasch ins Unterholz zurück.

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