Oire Szene

Oire Szene

Grauzone ist überall - Die tragikomische Welt des Oire Szene Blogs


21.11.11. Achtung: Der Artikel hat schon ein paar Jährchen auf dem Buckel und ist daher nicht mehr unbedingt aktuell, der Oire Szene Blog wurde zwischenzeitlich einmal gelöscht & mittlerweile gibt es ihn wohl wieder in etwas anderer Form , die Zeit läuft weiter, z.b. ist myspace nicht mehr relevant weil abgehängt durch Facebook, Bands verändern sich natürlich auch etc. wie gesagt, die Zeit steht nicht still...


Ein Teil des Artikels lag schon monatelange im Speicher, irgendwie hab ich mir dann aber gedacht, eigtl.bin ich mir zu schade um  auf diese stümperhafte Ausgeburt des deutschen Denunziantentums, besser bekannt als "Oire Szene Blog" überhaupt einzugehen, aber gut, irgendwie sollte man ja auch was man angefangen hat zuende bringen. Also gut. Lassen wir die Bombe platzen. Warum geht's? Dieser (im Folgenden mit OS abgekürzte) Blog aus dem RASH  Umfeld,  bringt "Informationen zu Rechtsrock und Grauzone" dem Leser nahe, so jedenfalls die Eigendarstellung. Was darf man unter Rechtsrock verstehen? Also früher war das ja noch so und da geh ich zu 100% D'accord:

Allgemeine (Wikipedia) Definition von Rechtsrock: "Er vermittelt rechtsextremes, neonazistisches und rassistisches Gedankengut auf unterschiedliche Art und Weise."

Also kurz zusammengefasst Rechtsrock= Nazirock. Solche Bands kommen in der Tat bei OS  oft vor, es handelt sich dabei  allerdings fast nur um  zusammenkopierte Artikel oder Forenbeiträge, die man auch woanders nachlesen könnte bzw.  Ankündigungen/ Konzertberichte von Naziforen (Ich will lieber gar nicht wissen, wieviel Zeit OS-Mitarbeiter darin verbringen) . Allerdings ist "Rechtsrock" bei OS noch viel mehr: Hat eine Band  eine Einstellung die vllt. mit der eines Roland Kochs vergleichbar wäre (wie z.B. bei "Skinfull" aus GB nach meiner Einschätzung), oder gibt es leicht patriotische Untertöne? Spielte die Band mit anderen gleichgearteten  Bands oder hat sie in der "Freundes"liste? Hat sie eine Veröffentlichung auf einem Label, das im zugehörigen Mailorder auch Rechtsrock verkauft? Klarer Fall, bei eben diesen Bands handelt es sich auch um Rechtsrockbands ! Würde die Definition von Rechtsrock lauten, dass Alles was rechts von (pi mal Daumen ) den Grünen  als solcher zu bezeichnen ist - kein Problem, so aber handelt es sich schlicht und einfach um Diffamierung von Seiten des OS Blogs. Folgerichtig mutiert  im Blog dann die F.A.Z., (Frankfurter Allgemeine),  jenes dröge Käseblatt für BWLer und Westerwellefans zum nationalistischen Kampfblatt, denn die  Bezeichnung "national" [Zitat OS] als Abk. für "nationalistisch", also noch ein gutes Stück über "patriotisch" , bedeutet für mich, das rechts nur noch die Wand steht.

"Argumentationen" hier beispielhaft erklärt anhand  eines Konzertes: "Tee Vau Schmidt" & Bull Brigade spielten mit der mir komplett unbekannten,  laut OS aber auf jeden Fall "rechtsradikalen"* [OS-Zitat] italienischen Band "Brutti Ignoranti" zusammen ein Konzert. Wenn man den gleichen Maßstab anlegt wie bei anderen "Enthüllungen" auf OS würde das bedeuten: Klarer Fall - TV Smith & Bull Brigade sind rechtsoffen bzw. Grauzone! [*Nachtrag 24.03.10 Mittlerweile (heute) hat man "Brutto Ignoranti" von rechtsradikal auf Grauzone zurückgestuft. Äh...ja! ]

Unter "Grauzone" oder "rechtsoffen" versteht man  also Alles, was irgendwie schon mal Kontakt zu "Rechtsrock" gehabt hat, sei es durch das Spielen im Sandkasten mit einem späteren "RACker", durch eine "Freunschaft" in einem sozialen Netzwerk oder einem Konzert in einem Schuppen, in dem  vllt. vor einem
dreiviertel  Jahr schon mal eine rechtsradikale Blackmetalband , von der der gemeine Skinhead noch nicht mal den Schriftzug des Bandnamens entschlüsseln kann, aufgespielt hat (kein Witz!). Wobei auch Bands seitens OS mal eben auf wundersame Art & Weise von Artikel zu Artikel von "Grauzone" (Halbnazis) zu "Rechtsrock" (Nazis) mutieren, z.B. "The Corps" aus Australien. Zur Verdeutlichung hier mal ein OS-Zitat:

Als Head­liner sind auch noch die schot­ti­schen Rechts­ro­cker von „Bakers Dozen“ mit dabei! Hier ist ein­deu­tig die Grau­zo­ne über­schrit­ten – damit be­ge­ben sich „X“ ganz klar in den rech­ten Sumpf. Wer mit die­ser Band noch Kon­zer­te ver­an­stal­tet, soll­te dann als Kon­se­quenz dar­aus, zu­künf­tig eben auch als (...) rech­ter Kon­zert­ver­an­stal­ter be­nannt wer­den.

Also nochmal zum rekapitulieren: Band X spielt mit Band Y, die für OS "Rechtsrocker",  also  nach  allg. Definition für den nichtsahnenden Otto Normalverbraucher Nazis sind, was aber im Bezug auf "Bakerz Dozen" wohl schlicht und einfach nicht stimmt,  das bringt dann Band X auch "klar in den rech­ten Sumpf" macht sie also schon fast zu ebensolchen Rechtsrockern (!!!). Bei der nächsten Band Z wird dann Band X, mit denen Band Z vielleicht ein Konzert gespielt hat oder die in der myspace "Marketingfliste" von Z steht als "klarer Beweis" für die "Rechtsoffenheit" herangezogen. Und so geht das Spiel munter weiter, wer da mit OS mitgeht, tut mir leid, MUSS einfach ein wenig geistig zurückgeblieben sein!

Hier zwei der meistgehassten Personen  - Das "Duo Infernale" der Grauzone: Phillipp (HardXTimes - Paris) und Phil (Templars - New York + St.98 -  Göttingen) Selbstverständlich nichts weiter als "Alibijuden" und "Alibineger"  in den Augen der RASHisten . Der Fanclub FC St. Pauli ruft zum  Boykott des Konzertes  in Hamburg auf. Die (diesmal wirklich) rechtsextreme Seite sieht das im Übrigen ganz ähnlich: "Dann die Band HardXTimes (...) Noch bevor ich die Halle betrat, erfuhr ich schon einen reichhaltigen Background zur Band und einige gute Gründe die Band zu boykottieren" [Violence Skinzine] Was war da wohl gemeint ? *schmunzel*

Nicht wirklich verwunderlich: In keinem mir bekannten OS Artikel wird auf die Texte der Bands eingegangen. Interviewaussagen die die OS-Welt konterkarieren würden, tauchen natürlich nicht auf, wo kämen wir denn da auch hin... Sollte es doch mal Quellen, also außer die oben genannten myspace Fanlisten, (Wichtig! - Als Band hat man mindestens 1 * wöchentlich die gesamte "potentielle Käuferliste" auf eventuelle  Veränderungen hinsichtlich Rechtsoffenheit durchzuchecken) Konzertflyer etc. geben, dann gibt man sich im Übrigen wenig zimperlich: So wird z.B. die in der Vergangenheit durch rassistische Äußerungen  über die  "barbarischen Trommelklänge von Afrikanern" bekannte "Bonjour Tristesse" Zeitschrift herangezogen um eine Rechtslastigkeit der Klamaukband "Foidal" [verarschen in ihren Songtexten Odinisten und Böhse Onkelz] zu "beweisen". Als Kronzeuge in der Argumentation ist sogar ein gewisser "Uhl" von Dimrecords  gerne willkommen, wenn es darum geht Thilo, sowohl  Schlagzeuger der Oi! Band Crusaders als auch  Parteimitglied der Linken, (daher verhasst bei Uhl )  "ins rechte Licht zu rücken".  Eben jener Labelmensch  formuliert auch gleich das zentrale OS Motto, welches da lautet:


„Wo ist denn das Pro­blem? Ich picke mir ein paar Fak­ten aus der Band­ge­schich­te raus und über­se­he ge­flis­sent­lich den Rest."
Und sogar Wattie von Exploited  muss herhalten, obwohl der noch vor Kurzem selbst ein Stein des Anstoßes war. Wo gehobelt wird fallen eben schon mal Späne. Keine Ursache. Wie vllt. schon deutlich wurde: Ziel von OS ist nicht wie vorgegeben die Abwehr einer rechtsextremer Infiltrierung der Skinheadszene sondern eine strikt linksradikale Ausrichtung eben jener. Das gibt man sogar mehr oder weniger (wahrscheinlich ungewollt) zu, indem man schreibt:
"Die ra­di­ka­le Linke hat sich (...) in den 90er Jah­ren größ­ten­teils aus den Sub­kul­tu­ren bzw. der In­ter­ven­ti­on in diese zu­rück­ge­zo­gen (...) Die angeführten Punkte sollten (...) die ra­di­ka­le Linke – bzw. das was sich noch als sol­ches be­zeich­net – dazu mo­ti­vie­ren, sich wie­der ver­stärkt mit den Ju­gend(sub)kul­tu­ren aus­ein­an­der­zu­set­zen."
Mir stellt sich hier die Frage ob die Skinheadszene überhaupt  ins enge Korsett der kulturellen Linke passt, die schon mal verächtlich über das "Lumpenproletariat" die Nase rümpft und vor lauter Nahostkonflikt die Weltkugel  nicht mehr sieht. "Links" im Sinne von "Strassensozialist vom alten Schlage" das passt sicher, aber in Plenen im AJZ Biotop über Heteronormativität, Gender und Veganismus mit dem Hippie  bzw. dem antideutschen Technofritzen von Nebenan diskutieren? Wohl eher nicht.

Aber zurück zur "Grauzone" bzw. den Musikgruppen. Richtig, Diskussionen über Bands wurden früher schon auch geführt, allerdings auf  weit  höherem Niveau , als weiter oben im Zitat treffend beschrieben. Ich komm' ja ursprünglich aus der Hardcore Ecke und kann mich erinnern, da wurden Texte von rechtslastigen Bands aus den Niederlanden wie z.B. Backfire, Hard Resistance, Discipline usw. usf. damals im Bekanntenkreis heiß diskutiert, und das war auch gut so, trotzdem wurden diese Bands nie als "Nazis" diffamiert sondern man wusste ok, die sind so drauf, wenn einem das mächtig auf den Sack ging, hat man von diesen Bands eben nichts gekauft und ging nicht auf's Konzert  - fertig - Aus. Ist es denn wirklich so schwer Bands einzuordnen?

Ich denke - mitnichten! Deshalb konnt' ich mir ein Schmunzeln auch nicht verkneifen, als die Tommyhausverantwortlichen in Berlin schier aus den Wolken fielen als sie erfuhren das Garry Bushell, früher Sozialist, heute bei einer rechtspopulistischen Regionalpartei, bei ihnen ein Konzert gab. Hallo! Der Herr nutzt sämtliche Kommunikationswege  um seine politische Agenda an den Mann zu bringen, TV, Bücher, seine Homepage mit Blog usw. usf. Es war allg. bekannt wofür der steht - Allerdings nutzt er seine Band "Gonads" nicht als Propagandamaschine und ein Nazi war er sowieso noch nie also mal halblang....
Das ganze Ausmaß der Grauzone anno 2005:
v.l.n.r.: (Eddie & the Hot Rods), Sebi (Stomper 98), Spiller (EK77) sowie besonders pikant: Roddy Moreno von der linken Vorzeigeband "The Oppressed" beim Flirten mit "Nudel"  von der rechtsextremen Vorzeigeband "Kill Baby, Kill" - hier noch friedlich vereint, die Irrungen und Wirrungen von Menschen sind eben manchmal nicht so einfach zu verstehen...


Die Wahrheit - eine Grauzone gab's schon immer

Es gab/gibt schon immer diese "Grauzone" im Punkrock. Garry Bushell, der Erfinder des Begriffs Oi! als Marketingbegriff für Strassenpunk damals im Sounds Magazin, gab selbst den Slogan vor:  "Having a laugh, having a say" Und da liegt die Krux. Oi! beschränkt sich eben nicht wie z.B. Psychobilly, auf das Absingen von Monstergeschichten, sondern spricht alltägliche Erfahrungen der (vornehmlich) unteren Bevölkerungsschichten an, ist also eben nicht nur unpolitisch, und daher auch eher anfällig für extreme Ideologien, die beim wohlhabenden Bürger aufgrund der Wolke aus Wohlstand und Sicherheit die ihn umgibt eher seltener Anklang finden. Die Szene war schon damals (Ende der 70er, Anfang der 80er) heterogen, von Combat 84 bis zu Bands die auf RAR-Gigs spielten, später kam dann die rechtsextreme Sache mit den bekannten Folgen -  Sicher, aus der Vergangenheit sollte man lernen aber wo wer seine Grenzen zieht das hat verdammt nochmal jeder selbst herauszufinden und zu entscheiden, ich nehm ihm diese Entscheidung bestimmt nicht ab! Im Übrigen sollte man Musik nicht überbewerten. 

Ich begebe mich  im Folgenden auf  "Oire Szene" Niveau und behandele im "besten"  OS - Stil zwei bekannte Bands. (die Liste könnte beliebig fortgesetzt werden) Alle Infos stimmen im Übrigen:

http://absprung-verpasst.blogspot.de/2010/03/grauzone-ist-uberall-die-tragikomische.html