PecuniaOlet

....und noch etwas:

Wenn man sich folgenden Ausschnitt des im letzten Beitrag verlinkten Textes meines vorigen Posts über Franz Oppenheimer zu Gemüte führt, ahnt man zumindest einen der Gründe sogenannter "Kulturbereicherung" und "Fachkraftschaft", die mit allen Mitteln politischer Korrektheit und vorgeschobener Scheingründe vollzogen wird:

"Die Vereinigten Staaten sind nur politisch, aber nicht ökonomisch als Demokratie in die Geschichte eingegangen. Die politische Freiheit der Washington-Verfassung ging sehr weit - aber das Recht der Bodensperre hatte der Freistaat aus dem Mutterlande importiert, und mit ihm die Möglichkeit der Klassenscheidung, des Grundrentnertums und des Kapitalismus und Mammonismus. Ja, sie hatten nicht nur das Recht, sondern auch die Praxis der Bodensperre mit über's Meer gebracht. "Die Zeitgenossen Washingtons trieben", so sagt Max Sering, "einen krämerhaften Handel mit dem Lande der Nation." Die Verkaufsbedingungen bei der öffentlichen Versteigerung der Staatsländereien waren so gestellt, daß nur die reichste Oberschicht kaufen konnte, quadratmeilenweise: klar gewollte Bodensperre, Absperrung aller Ärmeren, allen Nachwuchses, aller neuen Einwanderer von dem unerschöpflichen Naturschatz des Landes, nur um sie zur Rentenzahlung an die Besitzer zu zwingen. Politisches Mittel in Reinkultur!

Und trotzdem: die gute Absicht wäre dennoch mißlungen, es hätte sich trotz alledem gezeigt, daß im demokratischen Staate keine Ausbeutung möglich ist, wenn das Wachstum der Bevölkerung nur durch ihren eigenen Geburtenüberschuß erfolgt wäre. Das Land ist von so ungeheurer Ausdehnung, daß es unter solchen Umständen Jahrhunderte gedauert hätte, bis das gesperrte Land wirklich dringlich gebraucht worden wäre, und darum wäre die Spekulation auf Grundrente kläglich zusammengebrochen. Denn ein Dollar auf Zins und Zinseszins macht schon in einem Jahrhundert eine so ungeheure Summe aus, daß sie beim Verkauf niemals hätte herauskommen können, und so hätte die Konkurrenz der vielen Besitzer der großen Flächen um die wenigen Pächter und Ansiedler den Bodenpreis auf unabsehbare Zeit hinaus dicht an Null halten müssen. Wo eine Bevölkerung gar nicht oder nicht im Verhältnis zur neu erschlossenen Fläche wächst, kann der Bodenwert auch nicht durch Sperrung emporgetrieben werden; das sehen wir am heutigen Frankreich, dessen Pachtrenten so ziemlich fest stehen, trotzdem die Erträge des Ackers und Stalles fortwährend wachsen; und das sehen wir z. B. auf dem Wohnungsmarkte von Groß-Berlin, wo die Mieten seit zwanzig Jahren eher sinken, wenigstens im Verhältnis zu den gebotenen Bequemlichkeiten, [S. 182] weil die Konkurrenz der vielen selbständigen Gemeinden viel mehr Bauland erschließt, als selbst die stark wachsende Bevölkerung braucht."

"Was aber ist die Ursache dieses Kapitalismus, dieses unerhörten Mammonismus und der mit ihm verbundenen kolossalen öffentlichen Korruption?

Nichts anderes als die gleiche Masseneinwanderung aus den gleichen europäischen Oligokratien! Der Kapitalismus ist unmöglich ohne die Verfügung über massenhafte »freie«, d. h. vermögenslose Arbeiter. Ohne die frühere Einwanderung solcher Arbeiter in Massen hätte in Amerika niemals ein Kapitalismus entstehen können; ohne die Fortdauer dieser Einwanderung würde er auf das schnellste zusammenbrechen! Stellt euch vor, daß nur ein Jahrzehnt, vielleicht nur ein einziges Jahrfünft hindurch der Strom der Einwanderung versiegt, der heute jährlich rund eine Million von Kulis an den atlantischen Strand wirft, und fragt, was nach Ablauf dieser Zeit aus dem amerikanischen Kapitalismus und der amerikanischen Korruption geworden ist! Die Löhne der Arbeiter sind bei dem sinkenden Angebot enorm gestiegen und steigen weiter, weil der steigende Lohn eine stark steigende Nachfrage nach Gewerbserzeugnissen und das heißt schließlich nach Arbeitern hervorruft. Die Gewerkschaften, schon heute sehr mächtig, sind übermächtig geworden und setzen den niedergeworfenen Trusts das Knie auf die Brust und den Daumen aufs Auge. Die Profite fallen, weil die Löhne steigen, und fallen noch mehr, weil die Gewerkschaften die Herren der Lage sind. Die Reservearmee der Arbeitslosen ist aufgesaugt, die sweating shops und slums sind entleert: wo finden die Bosse von Tammany-Hall jetzt noch die Massen hungernder und verzweifelter Kulis, die für einen Dollar ihre Stimme verkaufen? Und wie sollten die Trustmagnaten noch Millionen von Dollars aufbringen können, um Stimmen zu kaufen, wenn die Profite so tief sinken?"