Reisebericht Weltreisender

Hotel ohne Fenster - Erlebnisse in Amerika

Alles, was ein Amerikaner zum Übernachten braucht ist eine Aircondition, ein Fernseher und ein Bett. Auf Stube angekommen greift er zum eimergroßen Styroporbecher, kippt ein Kilo Eis in seine Cola und schaltet den Fernseher ein.

Wichtig dabei ist, dass auf keinen Fall frische Luft in den Raum dringt. Deshalb bleiben Fenster geschlossen, verrammelt, verriegelt und verborgen hinter dicken orange – rostfarbenen Vorhängen.

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Aber wie ist es denn nun, wenn man von traumhaft schöner Landschaft umgeben ist?

Stell dir vor du stehst am Strand. Palmen. Tropische Blumen. Eine frische Brise weht durchs Grün. Blick aufs Meer. An dieser Stelle willst du ein Haus bauen. Würdest du es dann etwa ohne Fenster bauen? Nein, wohl kaum.

Und wenn du ein Haus mit Fenstern in dieser schönen Gegend am Strand bautest, würdest du Fenster wählen, die man nicht öffnen kann? Du würdest wohl am Verstand jedes Architekten zweifeln, wenn er dies auch nur in Erwägung zöge!

Nicht in Amerika.
Ich sitze in einem solchen Haus - ein 5 Sterne Hotel! Pazifikküste, Kalifornien, Santa Monica. Kristallblauer Himmel, wunderbarer Strand. Draußen weht ein leichtes Lüftchen durch die Palmen. Aber ich sitze hinter einer 2cm dicken Glasscheibe. Verspiegelt, abgedunkelt, hermetisch verschlossen. Ich schaue hinaus aufs Meer wie ein Gefangener und will es nicht glauben: diese Fenster kann man nicht öffnen. Sie waren nie dafür vorgesehen! Es sind dicke, in Beton eingelassene Glasscheiben.

Verzweifelt suche ich nach einem Griff, einem versteckten Öffnungsmechanismus. Vielleicht irgendwas übersehen? Diese Fenster müssen doch irgendwie aufgehen. Was, wenn’s brennt? Dann könnten sie als Fluchtweg dienen! Doch alles vergebens. Wenn’s brennt hat der Gast Pech. Unmöglich, das Glas zu zerstören. Dick, ähnlich den Schutzhüllen an der Kasse einer Bank. – Was wohl im Hirn des Architekten vorging, als er diesen höllischen Plan in die Realität umgesetzt hat?

Zweitrangig die Sorge darüber, wie die Scheiben wohl gereinigt werden. Dass sie in letzter Zeit weder Schwamm noch Wassergesehen haben, davon zeugt ein milchiger Außenbelag. Nur abgeschwächt und blass dringen Farben und Flora draußen zum Betrachter Innen. Das Blau des Himmels schimmert fade in die Luxuszelle. Ich frage mich, warum man dann nicht gleich auf die Scheiben verzichtet hat.

Vielleicht ist es ja gar kein Hotel? Möglicherweise ein getarnter Atombunker? Probewohnen und Ernstfall testen für 350 Dollar die Nacht? Leise surrt der Miefquirl und pustet staubtrockenes Klima ins Zimmer. Gefahr von Außen ist jedenfalls ausgeschlossen. Wie sich jedoch herausstellt, lauert das Verderben hausintern, in den Mauern des Gebäudes.

Neben der Rezeption eine große, unübersehbarer Tafel mit dem Hinweis auf die Spätfolgen eines Aufenthalts:: „Diese Gebäude enthält Substanzen, die dem Staat Kalifornien als krebserzeugend, geburts- und erbgutschädigend bekannt sind.“ – Na dann gute Nacht. Da hat der Architekt ja wirklich ganze Arbeit geleistet.

Benommen von giftigen Substanzen und hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt, wird der Gast willenloses Opfer eines raffinierten Dollar – Absaugsystems: Ein Bier 8 Dollar, ein Espresso 4 Dollar, gebührenfreie 0800ter Nummer anrufen: 3 Dollar - auch wenn kein Anschluss zustande kommt. Ob auch schon das bloße Abheben des Telefonshörers Geld kostet, hab ich lieber nicht ausprobiert.

Im Ansinnen, dem Gast wirklich den letzten Dollar aus der Tasche zu ziehen, erweist sich das Management genauso phantasievoll wie listig. Ein Mietwagen für 39 Dollar am Tag. Klingt billig. Das mach ich doch mal. Aber am Ende stehen 100 Dollar auf der Rechnung: 39 für den Wagen, 40 für Versicherung, plus Steuern und anderem Kleinkram.

Welche Falle steckt wohl hinter dem verlockenden Angebot auf meinem Schreibtisch? Ein Schild offeriert dort Folgendes: „Your first cup of coffee or tea in the morning – FREE. Call your roomservice!“ (Bitte jetzt nicht weiterlesen und raten, wo der Hase im Pfeffer liegt)

Eine Tasse Tee umsonst – eine nette Idee, wenn man morgens träge im Bett weilt. Ich versuche noch den Trick an der Sache zu finden – ohne Ergebnis. Wenn es wirklich mein erster Tee ist – und darüber kann es keinen Zweifel geben – dann ist das Getränk auch kostenlos.

Ich rufe also den Roomservice an und bestelle ein Kännchen Tee. Minuten später steht der Kellner vor der Tür und offeriert ein Tablett mit zwei Teebeuteln, heißem Wasser und: eine Rechnung über 20 Dollar!

Ich traue meinen verschlafenen Augen nicht, brauche aber dringend etwas zu trinken. (Wahrscheinlich wegen der giftigen Substanzen in der Luft) Versuche eine Diskussion mit dem Hinweis auf die nette Einladung auf meinem Schreibtisch, denke, dass es sich um ein Versehen handelt. Keine Chance. An der Rezeption werde ich dann aufgeklärt: Eine Tasse sei gratis. Ein Kännchen kostet aber 20 Dollar. So funktioniert Amerika.

Zum Abschluss hat die Hotelrechnung noch eine ganz besondere Überraschung parat: 100 Dollar Strafe. Grund: Rauchen im Zimmer. America, I Love It – good bye!!


Hotel: Le Merigot Marriot, Santa Monica, 1740 Ocean Avenue - Kalifornien

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