Mehr Willy Brandt wagen

Sternstunde am Baumwall: "Mehr Willy Brandt wagen – Was der große
Sozialdemokrat uns heute noch zu sagen hat"

Hans-Dietrich Genscher, Sigmar Gabriel, Katy Meßmer und Klaus Harpprecht
erörtern unter der Moderation von Hans-Ulrich Jörges das Erbe Willy Brandts.

Hamburg, 25. Oktober 2013 – Anlässlich des 100. Geburtstags von Willy Brand
initiierte der stern am Abend des 24. Oktober eine Podiumsdiskussion am
Baumwall. Unter dem Titel "Mehr Willy Brandt wagen – Was der große
Sozialdemokrat uns heute noch zu sagen hat" diskutierten Hans- Dietrich
Genscher, ehemaliger Bundesaußenminister, Sigmar Gabriel, SPD-Vorsitzender,
Katy Meßmer, Miterfinderin der Twitter-Aktion "#aufschrei" sowie Klaus
Harpprecht, Journalist und Autor.

Zur Person Willy Brandt
Hans-Dietrich Genscher sagte: "Er war einer der ganz großen Staatsmänner" und
beschrieb seinen Humor als "bemerkenswert". Eine große Fähigkeit, "die er
durchaus als Waffe einsetzte" sei sein Schweigen, fügte Klaus Harpprecht an.
Sigmar Gabriel war enttäuscht, als er Willy Brandt zum ersten Mal erlebte. "Ich
saß direkt neben ihm und der Kerl sagte eineinhalb Stunden lang fast kein Wort.
Vor uns saß der Parteivorsitzende – völlig in sich gekehrt." Erst in der
Öffentlichkeit "legte sich ein Schalter um". Mittlerweile versteht Gabriel den
ehemaligen Bundeskanzler: "Permanent fotografieren sie dich. Permanent reden
Leute auf dich ein." Mit Brandt vergleichen, will er sich nicht: "Wenn ich auf
einer Pressekonferenz bin und stehe neben der Willy Brandt Statue, da kann ich
nur verlieren."

Zu Willy Brandts Wahrnehmung in der SPD
Die Spannweite der SPD zeigte sich in der unterschiedlichen Wahrnehmung Willy
Brandts. Während der Vorsitzende sagte: "Willy Brandt hat die SPD wie kein
anderer in der Nachkriegszeit geprägt", hielt die junge Sozialdemokratin Meßmer
ihn lang für "Parteifolklore". Sein Credo: "Mehr Demokratie wagen" war für sie
"inhaltsleer" und "beliebig". Heute versteht sie: "Es geht darum Prozesse
transparent zu machen, für Bürgerinnern und Bürger einzustehen. "Willy Brandt
inspirierte sie nicht als Person, doch sie fühle "sich ihm, in dem was sie
tut," sehr nahe.

Zum Erbe Willy Brandts in der aktuellen Politik Im Hinblick auf die derzeitigen
Koalitionsverhandlungen erinnerte Genscher daran, "Brandt wollte stets, dass
die Partner in der Koalition reüssieren." Für Gabriel ist der Zynismus zwischen
Politikern und Wählern aktuell die größte Gefahr. Politiker dürften nicht
länger "die da oben sein". Als Lösung und Umsetzung von Brandts Credo schlägt
er die Integration mit Hilfe von Volksabstimmungen. Dafür würde er sich in den
Koalitionsverhandlungen stark machen.

Weiteres Thema der Veranstaltung war das mutmaßliche Ausspähen von Handydaten
der Bundeskanzlerin. Siegmar Gabriel sagte: "Das ist unter befreundeten
Regierungen eine Sauerei".

Hans-Dietrich Genscher bestärkte: "Ich finde das unglaublich."

Weitere Informationen finden Sie unter:
www.stern.de/politik/deutschland/gabriel-zu-us-abhoerpraktiken-amerikaner-zerstoerenwertebasis-2066822.html

Neben der Podiumsdiskussion widmet der stern Willy Brandt zum 100. Geburtstag
das Sonderheft stern edition sowie die Fotoausstellung "Willy Brand – Eine
Hommage in Bildern", die derzeit am Baumwall zu sehen ist.