NSU-Opfer existiert nicht - BKA befragt Nebenkläger


Eklat um nicht existentes NSU-Opfer / Nebenkläger äußert sich gegenüber BKA

Hamburg, 5. Oktober 2015, 12:23 Uhr – Attila Ö., Nebenkläger im NSU-Prozess, hat nach Informationen von SPIEGEL ONLINE eingeräumt, dass das angebliche NSU-Opfer Meral Keskin nicht exisitert. „Meral Keskin gibt es nicht“, sagte er am Sonnabendmittag gegenüber Beamten des Bundeskriminalamtes (BKA).

Weiter habe Atilla Ö. sich nicht geäußert, sondern sich auf sein Recht berufen, sich nicht selbst belasten zu müssen, teilte der Kölner Anwalt, Reinhard Schön, am Montag gegenüber SPIEGEL ONLINE mit. Anwalt Schön vertritt Attila Ö. als Opfer und Nebenkläger im NSU-Verfahren.

Das angebliche Opfer des Bombenanschlags in der Kölner Keupstraße vom 9. Juni 2004, Meral Keskin, wird im NSU-Prozess von dem Eschweiler Anwalt Ralph Willms vertreten. Willms hatte am Freitag gegenüber SPIEGEL ONLINE eingeräumt, dass es Meral Keskin wohl gar nicht gibt.

Manfred Götzl, Vorsitzender Richter im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München, hatte nach Schöns Angaben die Bundesanwaltschaft beauftragt, herauszufinden, ob es Meral Keskin nun gibt oder nicht. Der Generalbundesanwalt schickte gleich mehrere BKA-Beamte in die Wohnung von Atilla Ö. und dessen Mutter.

Atilla Ö.s Nebenklagevertreter Schön betonte am Montag gegenüber SPIEGEL ONLINE: „Dass Herr Ö. Opfer des Anschlages in der Keupstraße ist, steht unbestreitbar fest.“ Sämtliche Spekulationen darüber, dass Herr Ö. selbst nicht Opfer ist, seien haltlos.

Atilla Ö. droht nun ein Verfahren unter anderem wegen Betrugs. Schön wird ihn in einem solchen Verfahren nicht verteidigen. „Wir sind mit Herrn Ö. zu dem Ergebnis gekommen, dass in einem solchen Verfahren, in dem Herr Ö. Beschuldigter wäre, eine Vertretung nicht durch Anwälte unserer Kanzlei erfolgen wird“, teilt er mit.

Willms Anwalt Peter Nickel wollte sich zu der Frage, ob auch Willms am Wochenende Besuch vom BKA bekommen hat, nicht äußern. Nickel teilte mit, "dass im Hinblick auf die laufenden Ermittlungen vorerst keine weiteren Stellungnahmen zur Sache erfolgen werden".

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