Pyramiden von Gizeh (Giza )

Die Cheops-Pyramide, der größte massive Steinbau der Menschheit. Unsere Pyramiden-Rundfahrt beginnt an der Mykerinus-Pyramide, die, stünde sie allein, sicherlich eben so wie die anderen durch schiere Größe beeindrucken könnte.

Fahrt von Safaga nach Gizeh

Um Zwei Uhr früh werden wir von unserem Hotel in Safaga abgeholt, um zum Sammelpunkt der Busse in Hurghada gebracht zu werden. Um Sechs Uhr früh legen die Busse dann Zafarana eine Pause ein.

Mehr als die Busstation, einigen Öltürmen und vereinzelten weit verstreuten Wohnblöcken bekommen wir von der nördlichsten Stadt der Rotes-Meer-Provinz allerdings nicht zu sehen. Dafür bekommt man nun nach der Pause einen Eindruck von der Gewaltigkeit des Konvois, der hier die Wüstenstraße passiert. Nach der Pause wird der Konvoi nämlich neu zusammen gestellt, 60 Touristenbusse, am vorderen und hinteren Ende der Schlange von Polizeifahrzeugen bewacht. Ägyptische Reiseleiter sprechen da immer von Sicherheit und Schutz der Touristen, der aber eigentlich gar nicht mehr erforderlich sei, weil es inzwischen in Ägypten ja keine Terroristen mehr gebe, aber dies erwähnen sie schon verdächtig häufig. Tatsächlich muss unser Auftreten hier für viele Einheimische nicht wie die Vergnügungsfahrt mehrerer Reisegruppen als vielmehr wie die der Aufmarsch einer Besatzungsarmee wirken.

Durch die Wüste geht es weiter Richtung Kairo, dessen äußere Vorläufer und Stadtgrenze – klar erkennbar wieder an der Polizeistation – wir gegen 10 Uhr erreichen.

Der äußere Eindruck dieser 17-Millionen-Einwohner-Metropole ist widersprüchlich und zwiespältig. An den Stadträndern sieht man neue Trabantensiedlungen entstehen, weit entfernt von jeder städtischen Infrastruktur, und dabei scheinen die Siedlungen, die bereits näher an der eigentlichen Stadt liegen, entweder noch nicht fertig oder aber schon wieder im Verfall begriffen zu sein. Während die oberen Stockwerke noch im Rohbau stehen, nagt an den unteren schon der Zahn der Zeit – und zwischen den Wohnblöcken liegen Ackerflächen, verkehren Eselkarren statt Autos. Hier scheint sich Kairo nicht entscheiden zu können, ob es Großstadt oder großes Dorf sein will.

Zu diesem Bild passt auch, was wir schließlich in Kairos Schwesternstadt Giza beobachten. Ein weit verbreiteter Irrtum: Die Pyramiden von Gizeh lägen unmittelbar bei Kairo – und Gizeh sei eben ein Bezirk von Kairo. Tatsächlich handelt es sich um zwei Städte mit unterschiedlichen Stadtverwaltungen und unterschiedlichen Autokennzeichen, verbunden nur durch die Nil-Brücken, Kairo auf der Ostseite des Nil, Giza, wie die Stadt richtig heißt, auf der Westseite. Und mit seinen fünf Millionen Einwohnern ist Giza immerhin noch vor Alexandria die zweitgrößte Stadt Ägyptens. In Giza nun führen nur wenige Brücken über die vom Nil abgeleiteten Kanäle, bringen simple Zugfähren die Menschen von der einen auf die andere Seite des Ufers.

Wir fahren durch die Pyramidenstraße, die Hauptstraße von Giza, Sitz fast aller großen Hotels, erste Straße Ägyptens, die schon im 19. Jahrhundert voll und ganz asphaltiert wurde, sind kurz darauf auf dem hügeligen Gelände der Pyramiden selbst.

Auf dem Plateau einen geeigneten Aussichts- und Fotografierpunkt zu finden, von dem aus man alle drei Pyramiden, die große des Cheops, die mittlere des Chephren und schließlich die kleinere des Mykerinus mit ihren drei kleinen Trabanten-Pyramiden ins Bild bekommt, ist schier aussichtslos. Das liegt natürlich zunächst vor allem an der Kolossalität der Pyramiden selbst, vor allem der Cheops- und der Chefren-Pryramide, zum Teil auch an den nach Tausenden zählenden Besuchern, die hier jeden Tag durchgeschleust werden – aber eben auch an etlichen modernen Anbauten aus der jüngsten Zeit, wie zum Beispiel einer Bühne für die hier statt findenden Aida-Aufführungen.

Unser Pyramiden-Rundgang – korrekter: unsere Pyramiden-Rundfahrt – beginnt an der Mykerinus-Pyramide, die, stünde sie allein, sicherlich eben so wie die anderen durch schiere Größe beeindrucken könnte. Im Vergleich zu ihren drei kleineren „Trabanten“ hat sie ihre Pyramidenform noch gut gehalten, darin der großen Cheops-Pyramide in nichts nachstehend. Am faszinierendsten scheint mir allerdings die Chefren-Pyramide: Aus der Nähe fällt der geringe Höhenunterschied zur Cheops-Pyramide schließlich gar nicht mehr auf – aber dafür verfügt die Chefren-Pyramide immerhin noch an der Spitze über ihre glatte Originalverkleidung, vermittelt so noch am ehesten das Bild, wie die Pyramiden vor 4500 Jahren ausgesehen haben dürften.

Erst bei unserer Abfahrt zum Tal-Tempel und zur Sphinx erschließt sich der Eindruck, den das gesamte Plateaus mit seinen Kolossalbauten wohl erwecken sollte: Die immerhin 52 Meter messende Löwenfigur mit dem Menschenkopf und dem lächelnden Gesicht wacht über den Hügel mit den Pyramiden. Vom Tal-Tempel aus kann man die Sphinx näher in Augenschein nehmen, vom Löwenschwanz bis hin zu den gewaltigen, nach vorne gestreckten Tatzen.

Nach dem Mittagessen fahren wir weiter zur Stufenpyramide, der Mastaba von Sakkara. Wir verlassen allmählich den Großraum Kairo-Giza, sehen in der Ferne noch drei weitere Pyramiden – insgesamt zählt man in Ägypten 97 Pyramiden unterschiedlicher Größe – und kommen in eine ländlich geprägte Gegend, in der man ab und an noch einfache aus Lehmschlamm gebaute Hütten unmittelbar an den Feldern sieht.

Auffällig hier sind die zahlreichen „Teppich-Schulen“. Dazu erzählt Karima, unsere Reiseleiterin: Zwar gebe es staatliche Schulen, deren Besuch umsonst wäre, aber angesichts der Unterbezahlung der Lehrer, deren Anfangsgehalt gerade 200 Ägyptische Pfund im Monat betrage, würden die Kinder dort nur mangelhaft unterrichtet, da es die Lehrer nämlich darauf absehen würden, sich durch privat gegebene Nachhilfestunden einen Zuverdienst zu schaffen. Dazu müssten die Eltern für Schuluniformen und Schulbücher aufkommen, wäre der Schulbesuch also letztlich doch nicht kostenlos und für arme Familien nicht mehr erschwinglich. Deshalb würden sie ihre Kinder lieber in eine Teppich-Schule schicken, wo die Kinder tatsächlich umsonst zumindest Lesen, Schreiben und Rechnen lernen, dazu ein Handwerk erlernen – und vom ersten Tag des Schulbesuchs zwar nicht viel, aber zumindest etwas Geld für den Unterhalt der Familie hinzu verdienen würden. Natürlich, so Karima, würde es sich um Kinderarbeit handeln, aber dies, so meint sie, wäre immer noch besser, als wenn die Kinder gar nichts lernen würden.

Die Stufenpyramide des Pharaos Djoser, die „Mutter aller Pyramiden“, geplant von dem Baumeister Imothep etwa um 2650 v.Chr., dürfte wohl der erste Monumentalbau der Menschheitsgeschichte sein. Und: Auch wenn man hier noch nicht die präzisen Winkel errechnet hatte, um die vollendete Pyramide zu schaffen, man sich statt dessen mit Stufen behalf, erhält man hier doch einen klareren Eindruck als in Giza von der Grundanlage, der allen Pyramidenbauten eigen ist. Unterhalb des Hügels, auf dem die Pyramide errichtet ist, betritt man die komplett ummauerte Anlage durch den Tal-Tempel, gelangt dann auf das freie Feld, in dessen Mitte sich die Pyramide erhebt.

Die Djoser-Pyramide darf zwar nicht betreten werden, wohl aber die beiden „Schein-Paläste“, in dem verstorbenen Pharao als Residenzräume dienen sollten und auch eine Reihe weiterer Grabkammern für die Hofbeamten, ausgestattet mit Reliefs, die Szenen aus dem Alltagsleben darstellen und früher Graffiti, mit denen sich hier schon vor Jahrtausenden Besucher – wohl Touristen wie wir – verewigten.

Dem Erbauer dieser genialen Anlage wurde hier ein eigenes Denkmal errichtet: Eine gänzlich zugemauerte Kammer, in der – zu sehen nur durch die kleinen runden Gucklöcher – eine Statue des Imothep steht.

In der Ferne sieht man schließlich noch zwei weitere Pyramiden: Die Knick-Pyramide, die unmittelbare Nachfolgerin der Stufenpyramide, und daneben dann die „Vollendete Pyramide“, so genannt, weil sie die erste war, bei der die Erbauer den korrekten Neigungswinkel getroffen haben.

Nach einer Pause in unserem Hotel in Giza, dem „Djoser Partner“ genau an der Pyramidenstraße, begeben wir uns auf die „Nile Crystal“, ein Fünf-Sterne-Restaurant-Schiff, das während des Programms von Bauchtanz, Folklore und vor allem Büfett, über den Nil kreuzt.

Nicht nur auf Kairoer Seite gehört das Nil-Ufer ausschließlich den Hochhäusern, den Luxushotels wie dem Hyatt und dem Sheraton, den Appartementhäusern mit Eigentumswohnungen, die kaum unter drei Millionen Pfund kosten, die neuen Prachtbauten, die den Kairo-Turm, vor wenigen Jahren noch Wahrzeichen und Aussichtspunkt des modernen Kairo, als Zwerg erscheinen lassen.

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