Reisebericht Weltreisender

Indien: Bilder aus dem wilden Suedosten

Unterwegs in suedost Indien. Unendliche lange Straende, geheimnisvolle Tempel und keine Touristen. Eine Reise entlang der Suedost-Kueste Indiens ist ein kleines Abenteuer. Touristische Infrastruktur ist nicht vorhanden. Aber der Inder ist ja bekanntlich hilfsbereit und freundlich. Besonders hervorzuheben ist der kleine Ort Mamallapuram, etwas 50km suedlich von Chennai (Madras). Hier gibt es auch einige schoene Hotels und Gasthaeuser.

Wissenswertes zu Mamallapuram

Mamallapuram liegt etwa 70km suedlich von Chennai (Madras).
Bereits vor 2.000 Jahren war Mamallapuram phönizischen, griechischen und araischen Händlern bekannt. Im 7. Jahrhundert n.Chr. dann wurde der Hafen ausgebaut und zur 2. Hauptstadt des Pallavareiches. Vom 7. bis 10. Jahrhundert n.Chr. erblühte die Stadt unter der Herrschaft der Pallava-Könige. Dieses Herrschergeschlecht erlangte vor allem durch die Förderung der Künste und der sakralen Architektur Berühmtheit. Daher gilt Mamallapuram heute als die Wiege der drawidischen Tempelbaukunst Südindiens.

Diese fruchtbare Periode endete jedoch nach etwa dreihundert Jahren übergangslos und auf mysteriöse Weise. Im 10. Jahrhundert n. Chr. wurde Mamallapuram von seinen Einwohnern verlassen. Die uralten architektonischen Schätze wurden erst im 17. Jahrhundert wiederentdeckt. Ein Grund für diesen Rückzug der Bewohner aus dem reichen Küstenlandstrich soll nach Meinung der Archäologen das Ansteigen des Meeresspiegels und die damit verbundene teilweise Überflutung der Stadt gewesen sein.

Die Einheimischen hingegen erzählten mir, daß Mamallapuram auf Weisung der „Götter“ – insbesondere der Gottheit Shiva – aufgegeben worden sei. Verbindungen zur indischen Mythologie und Götterwelt finden sich auch in vielfältiger Weise in und um Mamallapuram.

Am bekanntesten dürften die unter der Herrschaft von Narasimhavarman I. (630-668 n. Chr.) entstandenen Tempelbauten und Reliefs sein. Der Beiname „Mamalla“ (großer Ringkämpfer) dieses Herrschers führte übrigens zum ursprünglichen Namen der Stadt: Mamallapuram.

Nahe des Ortszentrums befindet sich das wohl berühmteste Basrelief aus jener Zeit, eine Darstellung von mythologischen Figuren, Pflanzen und Tieren, einschließlich lebensgroßer Elefanten. Der 27 m langen und 9 m hohen Fries stellt die mythologische Herabkunft des heiligen Flusses Ganges auf die Erde dar. Der Ganges manifestiert sich in einer natürlichen Felsspalte. Rechts davon sieht man Shiva, wie er sich die Fluten durch die Haare strömen läßt und somit die Zerstörung der Welt durch den Aufprall des Wassers verhindert. Eine meisterhafte Steinmetzarbeit!

Über den nahen Berghang verteilen sich acht Mandapams. Das sind flache, vollständig aus den harten Felsen gearbeitete Höhlentempel. In ihnen finden sich auf Basreliefs fein einziselierte Szenen der Hindumythologie. Der schönste dieser Höhlentempel ist Krishna Mandapam, in dem gezeigt wird, wie Krishna mit dem Berg Govardhama als eine Art Schutzschild seine Schafherde und die Hirten vor Indra, dem rachsüchtigen Regengott, rettet.

Zwei der Mandapams sind unvollendet geblieben – man nimmt daher an, daß es sich hier um Modelle und Versuche für andere danach gestaltete Tempel Südindiens handelt.

Betrachtet man den Gesamtkomplex von Mamallapuram, so gelangt man unschwer zu der Erkenntnis, daß die Tempel der Pallava-Epoche auf dem Areal einer mit Sicherheit weitaus älteren Anlage entstanden sind. Und wieder stehen die Archäologen vor einem Rätsel. Da gibt es mehrere Meter hohe Felsen, die wie mit einem gigantischen Messer mittendurch geschnitten sind. Selbst unter Verwendung modernster Sprengtechnologien ließe sich ein solches Ergebnis nur schwerlich erzielen. Vielmehr scheint es, als seien die Felsen an der Schnittstelle hohen Temperaturen ausgesetzt gewesen, da die Trennflächen völlig plan und teilweise verglast sind.

Andere Felsen wurden – wohl unter Verwendung derselben Bearbeitungsmethode – planmäßig terrassiert. Sauber aus dem harten Gestein geschnittene Treppen führen ins Nichts. Rechteckige und quadratische Löcher von teilweise beachtlicher Tiefe sind aus dem Fels gestanzt, auf dem Boden dazwischen finden sich Bruchstücke größerer, mit Bohrungen versehener und wie poliert wirkender Steinplatten. Teilweise Verglasungen weist auch jener mehrere Dutzend Tonnen schwere Granitblock auf, der „Krishnas Butterkugel“ genannt wird und seit Jahrtausenden in einer alle Gesetze der Schwerkraft hohnsprechenden Balance an einem stark geneigten Hang nahe der Mandapams thront. Der Überlieferung zufolge formte die Gottheit Krishna diesen Block aus Butter. Als er des Spieles überdrüssig war, ließ er die Kugel an besagtem Hang zu Stein erstarren.

Ganz anders sieht es hingegen mit dem Gefäß aus, in dem Krishna die Butter für seine Kugel gestampft haben soll. Der Legende nach handelt es sich bei diesem „Butterfaß“ um ein exakt kreisrundes Loch von etwa 2 m Durchmesser und 2 m Tiefe, das aus einem gewachsenen Felsblock buchstäblich herausgeschnitten worden ist. Es fanden sich auch bei näherer Betrachtung keine Anhaltspunkte (etwa Meißelspuren), welche auf eine konventionelle Bearbeitung schließen ließen. In derselben Weise ist nahe des alten Leuchtturmes eine rechteckige Wanne mit Kantenlängen von etwa 2,2 m mal 3,0 m und einer Tiefe von schätzungsweise 2,0 m aus dem Granit herausgearbeitet.

Ferner ziehen sich über die gesamten Felsen des Areals Rinnen und Kanäle, die wohl einstmals der Aufnahme eines flüssigen Mediums dienten. Sehenswert sind auch die „fünf Rathas“. Diese monolithischen, aus einem Felsblock gearbeiteten Tempel in Form von Vimanas (Fluggeräten) gelten als die wahrscheinlich ältesten sakralen Bauten der Region und waren Vorbild für einen Großteil der späteren drawidischen Baukunst.

Von der ursprünglichen Anlage sind nur Reste erhalten, so daß man über ihre einstige Bedeutung und Verwendung nur spekulieren kann. Jedoch scheint es so, daß die Tempel der Pallava-Epoche an einem „Heiligen Platz“ errichtet wurden, einem Ort, an dem die „Götter“, insbesondere die Gottheiten Shiva, Vishnu und Krishna gewirkt hatten.

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