Reisebericht

Sardinien – Entdeckung der Nuraghen-Kultur.

1. Kapitel

Samstag 24.04.2004 Dorgali - Cala Gonone

Ab Berlin gab es leider keinen günstigen Direktflug nach Sardinien, so dass wir ab Hannover fliegen, jedoch erst mittags, also völlig stressfrei. Um 14:30 h landen wir in Olbia, nehmen unseren reservierten Mietwagen entgegen und fahren nach Dorgali (Ostküste). Schon auf der Fahrt entlang der Küste kommt Urlaubsstimmung auf. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich. Das Meer schimmert türkisfarben und wird eingerahmt von den bizarren Formationen der Steilküste. Das Landesinnere ist gebirgig - die Natur ist zu dieser Jahreszeit besonders schön, denn überall blüht es und einige Felder leuchten Gelb oder Rot aus der ansonsten grünen Landschaft.

Über das Internet (www.sardinien-haus-am-meer.de) haben wir ein Haus angemietet. Nachdem wir das Nötigste eingekauft haben, suchen wir in Dorgali die Vermieterin. In einer nahe gelegenen Enoteca hilft man uns, nachdem wir uns mit sardischem Wein eingedeckt haben, weiter. „Wanda“, die Vermieterin, spricht leider nur italienisch und versucht uns (eben auf italienisch) irgendwie näher zu bringen, dass es einen Wasserschaden in dem von uns angemieteten Haus gab und wir auf Wunsch ein anderes ihrer Häuser auswählen können. Da wir das von uns ursprünglich angemietete Haus dennoch erst sehen möchten, lädt sie einen kleinen Gasofen in ihren alten Fiat Panda und führt uns zu dem Haus. Offensichtlich ist sich Wanda nicht ganz sicher, ob wir sie wirklich verstanden haben, denn unterwegs hält sie an, um die Dolmetscherdienste eines nach Aussteiger aussehenden Deutschen in Anspruch zu nehmen.

Das Haus „Ovile Mare“ (www.sardinien-haus-am-meer.de/ovile_mare.html), das sehr einsam an einem Berghang mit Blick aufs Meer (Cala Cartoe) liegt, muss im Sommer, wenn man die Tage draußen verbringt, paradiesisch schön sein. Zu dieser Jahreszeit ist es, ganz abgesehen vom muffigen Geruch und der aushäusigen Toilette, u. E. nicht wirklich vermietbar und lässt nichts von seinem angepriesenen romantischen Charme entdecken.

Das Alternativhaus ist in Cala Golone. Da Cala Gonone von einer ca. 900 m hohen Felsenmauer umgeben ist, müssen wir zunächt einmal um den Berg herumfahren. Bereits von der Serpentinenstrasse erschließt sich uns ein schöner Blick auf das kleine Küstenstädtchen.

Das „Casa Gometz“ (www.sardinien-haus-am-meer.de/casa_gometz.html) dass noch ganz neu ist (laut Website wurde das Haus im Juli 2003 fertiggestellt, die Außenanlagen sind allerdings noch im Baustellenzustand) liegt etwas oberhalb der Stadt. Vom Balkon aus (es gibt drei) hat man einen schönen Blick auf den Golfo di Orosei. Leider ist es Ende April noch nicht warm genug, um abends gemütlich auf dem Balkon zu sitzen. Die Sonne verschwindet bereits um kurz vor sieben hinter dem Berg.


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Sonntag, 25.04.2004 Cala Gonone - Grotta di Ispinigoli - Cala Fuili Beach - Cala Cartoe

Morgens ist es noch stark bewölkt. Wir erkunden erst einmal den kleinen Ort Cala Gonone, der zu dieser Jahreszeit wie ausgestorben wirkt. Viele Geschäfte sind anscheinend noch geschlossen.

Cala Gonone bildet, am Golfo di Orosei liegend, quasi den Beginn einer gewaltigen Steilküste mit traumhaften Badebuchten, die nur mühsam zu Fuß, am besten per Boot zu erreichen sind. Bootstouren zu den Buchten des Nationalpark Golfo di Orosei sowie zur Grotte del Bue Marino werden im Hafen in Cala Gonone angeboten. Doch zu einer Bootstour lädt das Wetter heute wahrlich nicht ein, so dass wir uns für eine Indoor-Aktivität entscheiden.

Wir fahren in Richtung Orosei zur Grotta di Ispinigoli. Eine schmale, steile Treppe führt hinab zu einem großen Saal mit Stalagtiten und Stalagmiten. Dabei umrunden wir die Hauptattraktion der Grotte, eine 38 m hohe Tropfsteinsäule (angeblich der größte Stalagtit Europas), die vom Boden bis zur Decke reicht. Ein weiterer ca. 60 m tiefer Schlund ist für Touristen nicht zugänglich. Er führt zu einem unterirdischen Fluss, der durch die 15 km lange Höhle fließt.

Nach dieser durchaus sehenswerten Höhlenbesichtigung fahren wir die Küstenstrasse weiter nach Orosei. Da es inzwischen regnet, entscheiden wir uns gegen den Altstadtspaziergang und fahren wieder zurück nach Cala Gonone.

Glücklicherweise klart es nachmittags wieder auf, so dass wir von Cala Gonone aus auf der Viale Bue Marino bis zum Ende der asphaltierten Straße fahren. Von hier führt ein stufiger Weg hinab zum Cala Fuili Beach, eine kleine Badebucht. Wir wählen den Höhenweg in Richtung Cala Luna und haben ein schöne Aussicht auf die Steilküste. Die als Halbtagestour angegebene Wanderung ist uns für unseren ersten Urlaubstag zu lang, so dass wir auf halber Strecke umkehren.

Ausgestattet mit Wein und Käse fahren wir zur Strandbucht Cala Cartoe und geniessen - im Wechselspiel mit Wolken - die letzten Sonnenstrahlen des Tages.


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Montag, 26.04.2004 Orosei - Posada - Budoni - Villaggio de Serra Orrios - Sorgente Su Gologone

Auf dem Weg nach Orosei kommen wir an einigen großen Steinbrüchen vorbei und beobachten, wie sich die Kräne und Bagger mit den riesigen Felsbrocken abmühen.

In Orosei angekommen holen wir den als „intinerario storico“ ausgeschilderten historischen Spaziergang durch die Altstadt nach. Vom palmenbestandenen Piazza del Popolo mit Barockfassade der Chiesa San Giacomo hat man einen schönen Blick auf die typischen mit roten Ziegeln gedeckten Kuppeldächer. Gut gefällt uns die zur Chiesa Sant´Antonio Abate gehörende Anlage, die früher als Spital diente und heute ein Wohnquartier mit malerisch bewachsenen Häusern ist. Die Kleinstadt (5.000 Ew.) ist ganz nett, gehört aber sicherlich nicht zu den sardischen Highlights.

Auf der Küstenstraße führt kurz hinter Orosei ein kleiner Weg zur Kirche Santa Maria di Mare (geschlossen) und zu dem mit Pinien bewachsenen Strand Punta Nera, wo ein Fluss ins Meer mündet. Die Blütenpracht, die man zu dieser Jahreszeit bewundern kann, reicht bis an den weißen Strand und bietet zusammen mit dem smaragdfarbenen Wasser und den dunklen im Wasser liegenden Felsen ein kontrastreiches Bild.

Unser nächstes Ziel ist das kleine Städtchen Posada, das malerisch auf einem Hügel thront und dessen Turm des Castellos schon von weitem zu sehen ist. Wir laufen durch die engen Gassen der historischen, mittelalterlichen Altstadt und besteigen den Burgturm. Von dem Verteidigungssystems aus dem 12. Jh., dass aus insgesamt sieben Türmen und einem Mauerring bestand, steht heute nur noch ein kleiner Überrest des Castello de Fava. Vom Turm aus hat man einem schönen Ausblick auf die fruchtbare Ebene, den Posado-Fluss, schöne karibisch anmutende Strände sowie Gebirgszüge im Hinterland.

Zeit für eine Siesta! In Budoni fahren wir an den von einem Pinienhain eingefassten Strand und genießen im feinen, weißen Sand liegend die Sonne.

Für die Rückfahrt wählen wir die Schnellstraße. Kurz vor Dorgali besichtigen wir das nuraghische Dorf „Villaggio de Serra Orrios“, das als gut erhalten gilt. Über 70 Wohnbauten jedoch keine Nuraghen) haben hier vormals gestanden. Grundrisse, aber teilweise auch die Mauern von ca. 50 Häusern inkl. Tempelbauten, Brunnen und befestigte Plätze sind erhalten (7 km vom Ovile).

Die Nuraghenzivilisation, die sich etwa 1.500 bis 500 v. Chr. hier niedergelassen hat, trägt diesen Namen wegen der Nuraghen (die Wahrzeichen Sardiniens): militärische Türme, meistens auf Hügeln oder baumlosen Ebenen angelegt, um soviel Gebiet wie möglich zu kontrollieren und zu überblicken. Heute kennt man noch ca. 5.000 der ehemals 10.000 Nuraghen – ein ausgezeichnetes Netzwerk, um das ganze Gelände zu überblicken und ggfs. die Insel vor Eindringlingen zu verteidigen.

Unser letztes Tagesziel ist Sorgente Su Gologone, die ertragreichste natürliche Quelle Sardiniens, 300 Liter kristallklares Wasser pro Sekunde sprudeln aus einem Felsspalt. Wir erleben die Quelle offensichtlich bei "Hochwasser", denn der direkte Zugang liegt unter Wasser, ebenso wie einige Bäume von Wasser umgeben sind. Im Sommer findet man hier sicherlich auch eine schöne Badestelle und kann über angelegte Stufen ins Wasser steigen.


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Dienstag, 27.04.2004 Nuraghe Losa - Santa Cristina - „pozzo sacro“ - Cabras - San Salvatore - San Giovanni di Sinis - Kap San Marco - Tharros - Cuglieri - Bosa - Chiesa Santa Sabina

Der erste Tag, an dem es schon morgens richtig sonnig ist – ein Balkonfrühstück mit Blick aufs Meer ist angesagt.

Das gesamte Areal der Nuraghe Losa (ca. 11. Jh. vor Chr.) war ursprünglich mit einer Länge von 300 m sowie einer Breite von 100 – 200 m bemessen und von einem Mauerring eingefasst. Das Herzstück der Anlage, die Dreiecksbastion, hat heute noch eine Höhe von ca. 13 m (ursprünglich 20 m) und wurde von vier Türmen umgeben. Ein tolles Erlebnis.

Unser nächstes Ziel ist Santa Cristina, in der Nähe von Paulilatino, benannt nach der im 12. Jh. errichteten Wallfahrtskirche. Gegen Ende des 2. Jt. v. Chr. wurde hier das nuraghische Brunnenheiligtum „pozzo sacro“ errichtet – zu Recht im Reiseführer als Pflichtprogramm eines Sardinienreisenden benannt. Verblüffend ist insbesondere die präzise Handwerkskunst dieser unterirdischen, nur 20 x 26 m messende, 7 m hohe Anlage, die sich aus drei Bauelementen zusammen setzt: Vorhalle (Atrium), Treppenabstieg und Brunnenhalle mit falscher Kuppel (Tholos). Neben den exakt behauenen Steinen, die völlig fugenlos und passgenau aufeinander stoßen, besticht die raffinierte Bauweise. Eine schlüssellochförmige Öffnung in der Mauer gibt den dreieckigen Einstieg frei, der sich über 25 Stufen nach unten hin weitet und zum kreisrunden Brunnen führt.

Zu besichtigen gibt es ebenfalls die Überreste eines nuraghischen Dorfes sowie die gut erhaltene Turmnuraghe Santa Cristina (1.500 bis 1.200 v. Chr.), die einen Durchmesser von 3,50 m misst.

An Oristano fahren wir vorbei zur Sinis-Halbinsel und halten kurz am Kirchplatz der Santa Maria in Cabras an, die im wahrsten Sinne des Wortes das Ortsbild prägt.

Auf dem weiteren Weg nach Tharros besichtigen wir das ausgestorbene Wallfahrtstädtchen San Salvatore, das wohl nur am ersten Sonntag im September zum Fest des heiligen Salvatore Leben eingehaucht bekommt. Kleine Häuser mit verschlossenen Türen und Fenster umschliessen die (leider geschlossene) Kirche, die über einem ehemaligen Brunnenheiligtum errichtet wurde. Eine eigenartige Atmosphäre!

Das älteste Bauwerk Sardiniens, die Kirche „San Giovanni di Sinis“ ist unser nächstes Ziel. Das byzantisch geprägte Hauptschiff der Kirche stammt aus dem 6. Jh., die Seitenschiffe wurden erst im 11. Jh. ergänzt. Der archaisch wirkende Innenraum ist völlig schmucklos.

Auf dem Weg zum Kap San Marco ist schon von weitem der gut erhaltene spanische Wehrturm zu sehen. An dieser Stelle wurde Tharros um 900 v. Chr. von den Phöniziern als Hafenstadt gegründet. Die exponierte Lage wurde dem Ort zum Verhängnis. Tharros konnte den Überfällen der Sarazenen nicht standhalten, so dass diese im 11. Jh. aufgegeben und Oristano gründet wurde. Ein ungewöhnlicher Umzug, denn Tharros wurde weitgehend abgetragen und das recycelte Baumaterial für den Aufbau von Oristano verwendet.

Im 19. Jh. kamen Tausende von Schatzgräbern nach Tharros (unter Ihnen auch Balzac), um im Goldrausch die noch vorhandenen Grabbeigaben zu plündern. Bauwerke gibt es heute nicht mehr, die noch übrig gebliebenen Grundmauern und Fundamente der Ruinen lassen jedoch die Struktur der Stadt, seiner Befestigungsmauern und Tempel nachempfinden. Da zur Zeit die gesamte Anlage von herrlichen bunten Blumen durchzogen ist, lohnt sich im Frühjahr die Besichtigung sehr.

Wir verlassen die Sinis-Halbinsel in nördliche Richtung. Unser nächstes Ziel ist der kleine Ort Cuglieri, den wir über Serpentinen erreichen. Mutig fahren wir durch die steilen, engen Gassen und erhalten einen schönen Eindruck des Ortes. Der Beschilderung folgend gelangen wir zum Vorplatz der Barockkirche Santa Maria della Neve mit ihren zwei Glockentürmen (leider derzeit eingerüstet). Ganz sicher sind wir uns nicht, ob wir hier wirklich mit dem Auto hochfahren durften, dennoch genießen wir erst einmal die schöne Aussicht auf die Dächer des Städtchens und das angrenzende Meer.

Durch das völlig unbesiedelte Bergland von Alghero fahren wir, begleitet von schönen Aussichten auf die spektakuläre Steilküste, weiter nach Bosa. Zwischen vulkanischen Tafelbergen, an deren Hängen Wein und Oliven gedeihen, liegt die Stadt im fruchtbaren Mündungsgebiet des Temo, der immer wieder für Überschwemmungen in der Unterstadt sorgt. Die Oberstadt wird vom Castello di Serravalle überragt, eine Befestigungsanlage aus dem 12. Jh., zu deren Füßen sich mehrstöckige Bürgerhäuser angesiedelt haben. Lust zu einer weiteren Besichtigung haben wir aber nicht mehr.

Am Ufer des Temos liegen einige Fischerbote vor verfallenen Gerberhäusern und kontrastieren durch ihren morbiden Charme mit der palmengesäumten gegenüberliegenden Uferpromenade.

Zurück an die Ostküste fahren wir über Macomer. Die Nuraghe Santa Barbara liegt laut unserem Reiseführer gut sichtbar gegenüber der Stadt, was wir nicht bestätigen können. In Richtung Nuoro fahren wir weiter. Kurz vor Silanus liegt rechts am Straßenrand, die Chiesa Santa Sabina aus dem 11. Jh, eine kleine gedrungene Kirche mit byzantinischen und romanischen Einflüssen. Zusammen mit dem nur wenige Meter entfernt stehenden, gut erhaltenen Nuraghen gibt sie ein archaisches Bild ab.


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Mittwoch, 28.04.2004 Grotta del Bue Marino - Cala Luna

Nach soviel Kultur (und damit leider auch verbundener Fahrerei) wollen wir es heute etwas ruhiger angehen lassen. Wir haben Glück: Das Wetter lädt zu einer Bootstour. Im Hafen von Calo Gonone buchen wir eine Tour zur Bue Marino-Grotte sowie zur Bucht Gala Luna.

Vom Boot aus bietet sich ein sehr schöner Blick auf die steil ins Meer abfallenden weißen Felswände des Supramonte-Berg. Die wohl berühmteste Grotte Sardiniens befindet sich zwischen den beiden Buchten „Cala Fuili“ und „Cala Luna“. Bis vor wenigen Jahren noch lebte in der „Grotta del Bue Marino“ ein sehr menschenscheues und störungsempfindliches Tier: die Mönchsrobbe. (italienisch „Bue Marino“. Die Gesamtlänge der Höhle beträgt 12 km, davon sind ca. 1.000 m als Schauhöhle für Touristen erschlossen. Der Pfad verläuft direkt am die Höhle durchziehenden Wasserlauf. Etwa auf halber Strecke erreicht man die Stelle, wo über eine natürliche Steinstufe der unterirdische Fluss ins Meer mündet. Die Höhe gehört sicherlich nicht zu den spektakulärsten Tropfsteinhöhlen und hat im Vergleich zur Grotta die Ispinigoli nichts Besonderes zu bieten. Schön sind jedoch die Wasserspiegelungen der Tropfsteine.

Im Anschluss an die halbstündige Höhlentour bringt uns das Boot zur Bucht Cala Luna mit ihrem 500 m langen Sandstrand. Wir suchen uns ein schönes Sonnenplätzchen und geniessen den Blick auf das azurblaue Meer. Hinter uns mühen sich eine Freeclimber mit den schroffen Felswänden ab. Als es nachmittags unangenehm windig wird, sind wir froh, dass endlich das Boot zur Abholung kommt.

Nach so viel Faulenzen ist uns noch nach einer kleinen Unternehmung zu Mute, so dass wir zur nahegelegenen Nuraghe Mannu fahren (obwohl unser Reiseführer die Erwähnung nachvollziehbarer Weise ausgelassen hat). Nach einem 800 m langen Fußweg erreichen wir das Kassenhäuschen. Die 5 EUR Eintritt pro Person erscheinen uns ziemlich hoch, zumal das ausliegende Infomaterial kein besonderes Highlight verspricht, so dass wir die Aktion unverrichteter Dinge abbrechen.


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Donnerstag, 29.04.2004 Sorgente Su Gologone - „Sa Oche Su Ventu“

Das Wetter ist unberechenbar. Nachts war es ziemlich windig und der Himmel ist heute wolkenverhangen. Es dauert nicht lange und der Regen setzt ein. Nachmittags klart es ein wenig auf und wir beschließen nach Tiscali zu fahren, obwohl unser Reiseführer auch dieses Kapitel ausgelassen hat. Die anfangs vorhandene Ausschilderung stellt sich als denkbar schlecht heraus, so dass wir mehr auf Verdacht einen Weg an der Sorgente Su Gologone wählen. Die Landschaft ist sehr schön, auch wenn die Straße schon recht bald in eine Schotterpiste übergeht.

Eher zufällig gelangen wir zur Höhle „Sa Oche Su Ventu“ (übersetzt: „Die Stimme“). Auf Stufen des neben dem kleinen Parkplatz befindlichen Gebäudes sitzt ein Mann, dessen Aufgabe es anscheinend ist, darauf zu achten, dass jeder, der die Höhle betritt, diese auch wieder verlässt. Ansonsten können wir die Höhle auf eigene Faust erkunden. Der steinige Weg zur Höhle sieht aus wie ein ausgetrocknetes Flussbett. Mangels Taschenlampe trauen wir uns nur ca. 20 m in die Höhle hinein. Dennoch ein schönes Erlebnis.

Die Suche nach Tiscali haben wir noch nicht aufgegeben, so dass wir der Straße, die sichtlich schlechter wird, weiter folgen. Das mulmige Gefühl gewinnt recht schnell Oberhand. Als uns endlich ein weiteres Fahrzeug begegnet, werden wir von den Auskünften der Insassen noch weiter verunsichert, so dass wir beschließen, die Aktion abzubrechen und die ganze Holperpiste zurückfahren.


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Freitag, 30.04.2004 Monastero Benedettino - Alghero - Grotte di Nettuno - Santissima Trinita di Saccargia

Auf dem langen Weg nach Alghero halten wir am Monastero Benedettino, eine gut erhaltene Klosteranlage. Der Kirchturm der spätgotischen Kathedrale San Pietro die Sorres ist schon von weitem zu erkennen. Besonders reizvoll ist die Fassade mit Streifenmuster und Blendarkaden. Im Innenraum beeindrucken vor allen Dingen die Kreuzgewölbe und die arabisch anmutenden schwarz-weiß gestreiften Säulen.

Alghero ist zum Meer hin durch eine majestätische Festung abgegrenzt. Die wunderschöne, gut erhaltene, historische Altstadt mit vielen verwinkelten Gassen im gotisch-katalanischen Baustil, beginnt direkt am Hafen. Es lohnt sich, die Stadt zunächst durch einen Rundgang entlang der erstaunlich intakten Befestigungsmauern zu erkunden, der an der Bastione della Maddalena mit ihrem mächtigen Rundturm (Garibalditurm), beginnt.

Unser nächstes Ziel liegt am Capo Caccia, die Meeresgrotte Nettuno, die hinter der kleinen Bucht von Porto Conte liegt. Die Küstenlandschaft ist spektakulär, besonders beeindruckt die bis zu 168 m hohe Steilküste und einige aus dem Wasser ragende Felsen. Die Grotte di Nettuno ist entweder per Boot (ausschließlich bei ruhigem Seegang möglich) oder zu Fuß zu erreichen. Uns bleibt nur der beschwerliche Abstieg über 652 Stufen entlang der steil abfallenden Felswand übrig. Der Bau der Treppe, die sich quasi um die Felswand herum windet, hat Jahrzehnte gedauert. Belohnt werden wir durch ein faszinierendes Grottenerlebnis. Die Grotte ist übersät mit Stalagtiten und Stalagmiten und gehört zu Recht zu den schönsten Sardiniens.

Zurück an die Ostküste fahren wir zunächst über Sassari und legen noch einen kurzen Stopp an der Santissima Trinita di Saccargia, deren imposanter, gestreifter Campanile schon von weitem zu sehen ist.


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Samstag, 01.05.2004 Capo Coda die Cavallo

Heute heißt es leider schon wieder Abschied nehmen. Wir räumen das Appartement und lassen mit einer letzten Besichtigung des nahe gelegenen Heldengrabes „Thomes” (6 km entfernt von Serra Orrios Village) die Nuraghenkultur hinter uns.

Etwas Zeit bleibt uns noch, bevor wir unseren Rückflug antreten müssen. Nur wenige Kilometer vom Flughafen in Olbia entfernt fahren wir kurz hinter San Teodoro an den Strand. Die Abfahrt zur Bucht der Marina di Lu Imposato (bekannt durch den Badeunfall von Götz George) verpassen wir leider. Statt dessen fahren wir durch ein schönes Villenviertel, um letztendlich am Strand von Capo Coda die Cavallo ein Plätzchen zu finden, leider ist die Sandbank jedoch nur zu erreichen, indem man zunächst durch Knie hohes Wasser watet. Hier genießen wir mit etwas Wehmut die letzten sardischen Sonnenstrahlen, bevor der Flieger uns wieder heim bringt.


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Fazit:
Sardinien ist eine landschaftlich sehr schöne Insel, die sicherlich insbesondere im Frühling ihre Reize hat, da alles blüht und fröhliche Farben verbreitet. Abseits der teilweise luxuriösen Touristenorte entpuppt sich Sardinien als ziemlich arm. Die Dörfer im Inselinneren sind sehr einfach und es ist wenig Leben auf den Straßen zu finden.

Kulturell gibt es einiges zu entdecken, dies ist aber verbunden mit ziemlich aufwändiger Fahrerei. Eintrittspreise für zum Teil nur mittelmäßige Sehenswürdigkeiten sind sehr hoch. Empfehlenswert ist ein Aufenthalt von mindesten zwei Wochen, am besten eine im Norden und eine im Süden, um sich die Insel ganz erschließen zu können.

Letzte Aktualisierung: Juni 2004 - © Anke Schlingemann und Detlef Hälker


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