Reisebericht

Jamaica - Jamaika

Reisetagebuch über eine Tour über die Karibikinsel Jamaika - von Negril in die Blue Mountains, mit den Stationen Montego Bay...

Reisetagebuch

Mittwoch, 3. November 1999: Berlin - Montego Bay - Negril

Nach etwas mehr als zehn Stunden Flugzeit - Abflug in Berlin-Schönefeld um 14.00 Uhr MEZ - landen wir auf dem Flughafen von Montego Bay. Es ist kurz nach 19 Uhr Ortszeit, dunkel, es hat geregnet - und es ist so heiß, dass gleich beim Ausstieg meine Brille auf dem Rollfeld beschlägt.

Unser Ziel Negril liegt laut Ortsschildern 81 Kilometer entfernt, eine Strecke, für die der Bus gut zwei Stunden benötigt. Während unserer Fahrt regnet es immer wieder, die Straßen stehen unter Wasser. Unserem Bus macht das allerdings nichts aus.

Der Ort Montego Bay erscheint bei der Durchfahrt als eine Ansammlung von Hotelanlagen, die alle einen ziemlich gediegenen Eindruck machen.

Gegen 22.30 Uhr haben wir unser Hotel, das Cotton Tree in Negril, erreicht. Die Anlage liegt unmittelbar an der „Strandpromenade“, wobei von einem Strand an dieser Stelle jedoch keine Rede sein kann. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das Postamt, ein Einkaufszentrum und einen Kiosk mit Alkoholausschank, der den Einheimischen als Aufenthaltsort mit Fernseher dient. Vor dem Kiosk sitzen und stehen aber nur männliche Gäste, um sich gerade einen Kung-Fu-Film anzusehen.

Donnerstag, 4. November 1999: Negril

Über den Ort Negril habe ich in einem der Reiseführer gelesen, dass er in früheren Zeiten ein Piratennest gewesen sei. Heute wäre noch ein hübsches Fischerdorf erhalten.

Von den Piraten scheinen jedenfalls die Beschäftigten im Tourismusgewerbe abzustammen. Richtig ist: Es gibt zwar keine aufdringlichen Belästigungen, aber die Frühstückspreise in unserem Hotel fangen bei 6,50 US-$ an – und die Preise für Taxifahrten liegen über den Berliner Tarifen. Wobei: Tachometer sind natürlich unbekannt, und der Fahrpreis muss vorher ausgehandelt werden.

Am Vormittag sind wir auf der Info-Veranstaltung für die Neuankömmlinge von FTI-Touristik. Zu dieser Veranstaltung werden wir kurz nach neun Uhr mit einem Bus abgeholt, fahren dann von unserem Teil Negrils, dem westlichen Steilküsten-Teil, zum östlichen Sandstrand-Teil, nach Marguerita Ville.

Auf unserem Weg dorthin passieren wir zunächst das „Stadtzentrum“, erkennbar an einem Kreisverkehr, einigen zweistöckigen Gebäuden mit Bank, Supermarkt und einigen anderen Geschäften, auf der anderen Seite hin, am Wasser gelegen, eine Ansammlung von Bretterbuden, danach, entlang der Hauptstraße, weder etliche Hotelanlagen und Strandrestaurants.

Marguerita Ville verfügt über einen herrlichen breiten und vor allem scheinbar unbegrenzt langen Sandstrand, ist aber vor allem ein fast schon überfüllter Touristenstrand mit allen möglichen Freizeitangeboten bis hin zum Parasailing.

Auf dem Rückweg wandern wir mit Gitte und Günther, einem anderen deutschen Paar aus unserem Hotel, diesen Strand wieder Richtung Süden etwa bis zur Höhe des Ortszentrums. An diesem Ortszentrum liegt noch die Mündung eines kleinen Flusses, an dessen Ufern die Boote festgemacht sind. Auf einem Baum im Fluss hat sich ein Scharm aus einigen Dutzend größerer weißer Vögel, möglicherweise Fischreiher, niedergelassen. Auf den verwilderten Grünflächen im Ortskern weiden die Ziegen.

Gegen Mittag regnet es wieder in Strömen.

Abends ziehen wir zu einem kleinen Lokal am Rand der Stadt, dem „Sweet and Spice“, gelegen an der Straße, die vom Kreisverkehr ab ins Landesinnere zur Provinzhauptstadt Savanna-La-Mar führt. Das abendliche Leben an dieser Straße erinnert noch am ehesten an das, was sich ein Europäer unter Jamaika vorstellt: Bretterbuden, aus denen Reggae-Musik ertönt, sogenannte Nacht-Küchen, kleine Holzwagen, auf denen Hähnchen gegrillt werden und Leute, die Zuckerrohrstangen verkaufen..

Das Essen im „Sweet and Spice“ ist übrigens hervorragend und für die Verhältnisse Negrils ausgesprochen preisgünstig.

Freitag, 5. November 1999: Negril

Beim Frühstück fragen wir die Besitzerin des Restaurants nach der Möglichkeit, einen Wagen zu mieten, möglichst mit Fahrer, und einige Minuten später taucht ein Mann auf, mit dem wir uns auf eine Drei-Tages-Tour über die ganze Insel einigen. Der Preis, den John nennt, entspricht genau unseren Erwartungen: 200 Dollar am Tag. Sicherlich hätten wir ihn herunterhandeln können, haben dazu aber angesichts seines fairen Angebotes keine Lust.

Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg zum Strand, laufen dabei durch die Ansammlung von Bretterhütten am Ufer des Negril River. Was ich gestern noch für die Reste eines Fischerdorfes gehalten hatte, erweist sich nun als reiner Touristenmarkt. In den kleinen Buden werden vor allem Holzschnitzereien angeboten, Decken und natürlich auch die rot-gelben Rasta-Strickmützen.

Auffällig ist übrigens: Die Angestellten im Supermarkt oder auch in der Bank, wo ich 200 US-$ eingetauscht habe, tragen alle die Haare kurzgeschoren. Da ist der Rasta-Look offensichtlich verpönt.

Den Rest des absolut sonnigen Tages verbringen wir am Strand. Abkühlung im Wasser fällt aus - das Wasser ist ebenso warm wie die Luft.

Am späten Nachmittag versuche ich am Negril River, bei den Bootsbesitzern für morgen eine Tour zu organisieren. Aber eine einstündige Fahrt auf dem Fluss soll pro Person 30 Dollar kosten, allenfalls auf 20 Dollar wollen sie sich herunterhandeln lassen. Bei vier Personen erscheint mir dieser Preis immer noch zu hoch.

Samstag, 6. November 1999: Negril

Vor dem Frühstück laufen wir einige hundert Meter vom Hotel Richtung Osten: Die Bretterbuden stehen hier unmittelbar an dem winzigen Strand, der hier allerdings aus Korallensteinen besteht. Die fast gerade Linie dieser Bretterbuden entlang der Straße wirkt wie ein Wild-West-Städtchen. Selbst die Kirche auf der gegenüberliegenden Straßenseite, ein schmuckloser weißer Steinbau, passt zu diesem Bild.

Auf dem Baum an der Landzunge zwischen Sandstrand- und Steilküsten-Negril haben sich schwarze Fischadler eingenistet.

Nach einem kurzen mittäglichen Schauer ziehen wir wieder an den Strand.

Für den kommenden Tag mache ich nun eine Tour mit einem Glasboot aus. Gut zwei Stunden sollen wir auf dem Wasser sein, dabei die vorgelagerte Insel ansteuern und Gelegenheit zum Schnorcheln haben. Das Ganze, so der vereinbarte Preis, kostet 15 US-$ pro Person. Der Bootsführer nennt sich Smokey Joe.

Sonntag, 7. November 1999: Negril

Negril, vom Meer aus gesehen: Ein gelber Streifen liegt vor den Palmen, im Hintergrund erheben sich die dichtbewachsenen Berge in einem ununterbrochenen Grün. Nur ab und an sticht am Strand ein größeren Gebäude hervor. Wären nicht die vielen Boote auf dem Wasser, könnte man das fast für einen unberührtren Flecken halten.

Wir sind mit Smokey Joes Glasboot auf dem Weg zu den Korallenbänken.

Zunächst befindet sich unter uns nichts als blanker Sand, nach einiger Zeit dann von Seegras bewachsen. Schließlich kommen einige kleinere Korallenfelsen dazu und Gewächse, die von oben aussehen, wie Kakteen, die auf dem Meeresboden wachsen.

Am beeidruckendsten an diesem Teil der Unterwasserwelt sind aber die Seesterne, die hier eine Armlänge Durchmesser erreichen, und verstreut auf dem Grund liegen.

Schließlich haben wir den Punkt erreicht, an dem wir zum Schnorcheln ins Wasser gehen. In großen Schwärmen ziehen die Zebrafische an uns vorbei, gelb gestreifte possierliche Wesen, die sich dem Taucher, der sich ganz ruhig verhält, vorsichtig nähern, sich fast berühren lassen. Dazu entdecke ich lange silbrige Fische mit einem spitzen Maul, fast so etwas wie Schwertfische im Kleinformat. Knapp über dem Grund, innerhalb der Korallenstücke, tummeln sich vereinzelte kleine tiefblaue Fische.

Mittags sind wir zurück am Strand, wo wir bleiben, bis dunkle Wolken über uns aufziehen. Während wir auf dem Heimweg sind, fängt es an zu regnen, und rasch befinden wir uns in einem starken tropischen Guss. Von unserer Hotelterrasse aus beobachten wir, wie das Wasser von dem höher gelegenen Teil der Anlage herunterströmt, während es blitz und donnert, als sei die Sintflut hereingebrochen.

Montag, 8. November 1999: Negril - Savanna-La-Mar - Belmont - Black River - Mandeville – Spanish Town – Kingston

Einige kleinere Erdnussfelder, anschließend Bananenplantagen – und schließlich Zuckerrohr, soweit das Auge reicht: Das ist die Landschaft, die wir passieren, nachdem wir kurz nach neun Uhr Negril Richtung Kingston verlassen haben. Wir kommen durch kleine Dörfer mit Holzhütten und einer Unzahl von Kirchen aller möglichen Glaubensrichtungen, bis wir als unser erstes Etappenziel Savanna-La-Mar, die Provinzhauptstadt von Westmoreland, erreichen.

Savanna-La-Mar ist ein quirliges Kleinstädtchen mit einem, für seine Größe, imposanten Gerichtsgebäude, das allerdings eher an eine Kirche erinnert. Aber natürlich befinden sich auch gleich mehrere echte Kirchen in seiner unmittelbaren Nachbarschaft.

Unmittelbar am Wasser liegen die Markthallen, zwei größere, im Inneren ziemlich dunkle Holzbauten. An den Ständen wird fast ausschließlich Obst verkauft, aus Fässern auch eingelegter Fisch – aber die meisten Marktstände haben nun nach 10 Uhr vormittags bereits geschlossen, und es gibt, außer uns, auch kaum noch Kauflustige.

Vor den Markthallen haben einige Straßenhändler ihre Waren auf dem Bürgersteig ausgebreitet, und dazwischen suchen die Ziegen nach Fressbarem unter dem Abfall. Auf Fotoapparat und Kamera reagieren die Menschen hier allerdings allergisch, und schließlich fordert mich ein Polizist auf, das Videogerät einzustecken.

Nach einem kurzen Blick auf die Bucht geht es auf der schmalen, aber ordentlich asphaltierten Küstenstraße, weiter Richtung Black River. An manchen Stellen neigen sich die Bäume über der Straße hin zum Wasser, so dass es scheint, als fahre man durch einen Tunnel.

In Belmont, einem unscheinbaren kleinen Straßendorf, machen wir Stop, um das Grab des Reggae-Musikers Peter Tosh zu besuchen, Der weiße Sakrophag befindet sich in einem kleinen Steinbau, der Eingang bemalt mit den äthiopischen Farben. Auf der Grabplatte liegt ein schon vergilbtes Poster von Haile Selassi.

Black River, so erzählt unser Fahrer John, war die erste Stadt auf Jamaika, die Elektrizität bekam. Einige Holzhäuser, prachtvoll mit Säulen und großzügigen Veranden errichtet, etwa im Stil der Herrenhäuser der amerikanischen Südstaaten, erinnern auch noch an den einst mit der Holzindustrie verbundenen Reichtum. Doch die früher stolzen Gebäude stehen heute, meist schon halb zerfallen, leer.

Eigentlich wollen wir eine Bootstour auf dem Fluss unternehmen um die Krokodile zu sehen, doch der Preis von 15 US-$ pro Person schreckt uns zunächst einmal ab. Schließlich erkundigen wir uns bei einer Touristengruppe, die gerade aus einem der anlegenden Boote steigt und erfahren, dass momentan ohnehin keine Krokodile zu sehen sind. Wegen der Brunftzeit sind die Tiere momentan überaus scheu.

Wir verzichten also auf die Flusssafari, fahren nun ins Landesinnere, in die Berge. An einem Stand an der Straße kaufen wir allerdings von einer fülligen Händlerin für 100 Jamaika-$ eine Tüte roter Flusskrebse, berühmt als die Spezialität der Region. Die Krebse sind extrem scharf gewürzt, schmecken äußerst pikant – aber es ist eben auch mühselig, das Fleisch heraus zu fingern.

Nun geht es durch die „Bambus-Allee“, eine kurze Wegstrecke auf der Straße nach Mandeville, wo die herüberhängenden Bambusstangen von beiden Seiten der Fahrbahn ein regelrechtes dichtes Dach über der Straße gebildet haben. Weiter oben in den Bergen halten wir an einem Aussichtspunkt, schauen auf ein riesiges grünes Tal, an dessen einem Ende dunkle Gewitterwolken aufziehen. Über uns kreisen große schwarze Krähen, die aus einiger Entfernung wie Adler wirken.

Mandeville und Spanish Town, für die Verhältnisse Jamaikas schon Großstädte, durchfahren wir ohne Halt. John meint, dass Spanish Town für Touristen ein noch gefährlicherer Ort sei als die Slums von Kingston. Es regnet mittlerweile ohnehin in Strömen, also keine Einladung zum Spaziergang.

Wir erreichen Kingston gegen 17.30 Uhr. Es ist gerade Rush Hour, wir kommen nur im Schritttempo vorwärts, und an dem Bus vor uns hängen die Passagiere wie Trauben aus der offenen Tür. Für 50 US-$ pro Doppelzimme steigt unsere Reisegruppe – mit John sieben Personen – im Sandhurst Guesthouse ab. Unser Hotel liegt im höher gelegenen, vornehmen Teil von Kingston, und vom Hotelgarten aus schauen wir auf die Lichter von Jamaikas Hauptstadt.

In dem Viertel, in dem wir nun übernachten, sind die Fenster der schicken Häuser vergittert – und jedes Mal, wenn ein Wagen die Einfahrt passiert hat, wird auch sofort das Eisentor zu unserer Hotelanlage wieder geschlossen.

Dienstag, 9. November 1999: Kingston – Irish Town - Newcastle – Holywell National Park – Buff Bay – Port Antonio – Long Bay

Wir verlassen Kingston, kommen dabei zunächst wieder am Bob-Marley-Museum vorbei, das wir bereits gestern passierten – ein ummauertes Gebäude mit einer ziemlich kitschigen Statue im Vorgarten – und fahren dann nach Norden in die Blue Mountains, in das Kaffeeanbaugebiet von Jamaika.

Zunächst, etwa bis zur Höhe von Gordon Town, einem kleinen Bergstädtchen, ist die Asphaltstraße noch recht ordentlich. Dann nehmen die Schlaglöcher zu – und irgendwann verwandelt sich die Straße in eine schmale Geröllpiste, die bei jedem Regenguss zur Modderbahn wird.

Bei Irish Town machen wir uns auf die Suche nach einem Aussichtspunkt, von dem aus man die ganze Bucht von Kingston überblicken soll. Diesen Aussichtspunkt finden wir schließlich auch, und zwar zu Füßen einer Kaserne, die ähnlich einer Burg auf einem Hügel angelegt ist. Aber auch von den Militärs nimmt hier niemand Anstoß daran, dass wir ungeniert fotografieren und filmen.

Bei schönem Wetter muss die Aussicht auf Kingston und seine vorgelagerten Inseln fantastisch sein, doch heute liegt Dunst über der Ebene unterhalb des Gebirges. Die Hochhäuser von Kingston sind aber trotzdem zu erkennen.

Im Café Gap, einem kleinen schmucken Landhaus bei Newcastle, lernen wir den würzigen Geschmack des Blue-Mountain-Kaffee kennen. Wir trinken ihn auf der Terrasse der Anlage, mit Blick auf ein grünes Tal mit Pinien, Dschungelflecken und natürlich Kaffee-Plantagen, während unmittelbar neben uns ein blau-gelber Kolibri mit länglichem roten Schnabel zwischen seinem Busch und seiner Tränke umherschwirrt. Auf dem Berghang von unserem Aussichtspunkt gegenüber liegt der Holywell National Park.

Nach unserem Mittagskaffee machen wir uns in diesem Nationalpark auf den rund ein ein halb Kilometer langen Rundgang, der an drei Aussichtsplattformen entlang führt. Normalerweise werden, so sagt uns ein weiblicher Ranger, die Rundgänge nur in Begleitung eines Führers genehmigt und kosten 200 Jamaika-Dollar pro Besucher. Doch da die Ranger heute alle au einem Schulungskurs seien, sollen wir uns allein auf den Weg machen und dann eine Spende in beliebiger Höhe hinterlassen.

Der Holywell National Park lässt sch als ein Stück „zivilisierter Dschungel“ beschreiben: Ein ordentlicher in Treppenform angelegter Kiesweg führt durch die Anlage, aber links und rechts dieses markierten Weges ist das Dickicht bereits undurchdringlich. Auf dem Boden wachsen ab und an Pilze, überall wuchern die Farne und etliche Bäume sind über und über von einem wollartigen Parasitengewächs befallen.

Pech haben wir allerdings an den drei Aussichtspunkten: Die Wolken werden immer dichter, die Aussicht immer kürzer – und schließlich fängt es auch noch an zu regnen, so dass wir zu unserem Wagen umkehren.

Ein gutes Stück vom Park entfernt erleben wir noch einmal die Farbenpracht der Blue Mountains: Bei einem kleinen Wohnhaus wurden Azaleen und Rhododendron, dazu auch Trompetenblumen angepflanzt, die sich hier nun in ganzer Pracht nahtlos in die Gewächse des Regenwaldes integrieren.

Dann passieren wir einen Wasserfall, der aus einer Höhe von vielleicht 50 Metern in mehreren Etappen vom Felsen stürzt und sich mit dem Fluss unterhalb der Straße vereint. Solche Wasserfälle entlang des Buff-Bay-River, einem schmalen, aber doch recht wilden Fluss, bekommen wir noch einige zu sehen.

Bei Buff Bay, einem recht lebendigen, aber doch gesichtslosen Ort, haben wir die Küste wieder erreicht. Im Unterschied zu Negril ist hier der Sandstrand dunkel, fast schwarz, und an Bananenplantagen vorbei fahren wir weiter Richtung Port Antonio, das wir im strömenden Regen erreichen.

Das erste, was man von Port Antonio zu Gesicht bekommt, sind die vorgelagerten Inseln, dicht bewachsen, eine wahre Augenweide. Witzig in der Stadt selbst: Ein großes Haus, das die Baustile aller möglichen Länder vereinigt. Während eine Fassaden-Front an den Palast der Winde im indischen Jaipur erinnert, befindet sich daneben ein anderes Fassadenstück im Fachwerkstil und in einen anderen Teil dieses Hauses wurden schließlich griechische Säulen eingebaut.

Wir verlassen Port Antonio wieder, kommen an einer vorgelagerten Insel vorbei, auf der ein Hotel im Stil eines weißen Märchenschlosses erreichtet wurde, passieren noch etliche andere noble Hotelanlagen, auch einen Golfplatz, fahren nun nach Long Bay, unserem Tages-Etappen-Ziel.

Die Straße wird allmählich wieder holpriger, ist von Schlaglöchern übersät, die Hütten werden ärmlicher. Wir befinden uns im ländlichen Jamaika, vom Tourismus noch nicht völlig erschlossen.

Long Bay selbst ist, wie der Name sagt, ein lang gezogenes Örtchen an der Küstenstraße, bestehend aus verstreut liegenden Holzhütten, selten ein besserer Steinbau dazwischen. Es scheint wie das Ende der Welt: Gegenüber von unseren bescheidenen Hotel – trotzdem kostet das Doppelzimmer 25 US-$ - liegt ein „Supermarkt“ mit spärlichen Auslagen, wo aber kein Rum verkauft wird. Den bekommen wir in einer extra für uns geöffneten Kaschemme, wo aber das elektrische Licht nicht funktioniert. Und zum Essen müssen wir einige Kilometer weit zurückfahren, zu einer Bretterbude, in der es für die Gäste nur zwei kleine Tische und auch nicht genügend Stühle gibt. Aber die Portionen sind reichlich, und das frittierte Hähnchen schmeckt auch recht ordentlich.

Mittwoch, 10. November 1999: Long Bay – Boston - Port Antonio – Ocho Rios – Runaway Bay – Discovery Bay - Montego Bay – Lucea – Negril

Es hat die ganze Nacht über geregnet, und auch am Morgen will es nicht aufhören, in Strömen zu gießen. In der dunklen Wolkendecke am Himmel ist nicht ein winziges blaues Fleckchen zu sehen. Der Regen ist zwar nicht kalt, aber nach wenigen Schritten im Freien ist man bereits völlig durchnässt.

Long Bay hat, soweit wir es vom Hotel aus sehen können, einen schmalen , aber langen Streifen gelbe Sandstrand, an dem es allerdings keinen Schatten gibt – den man momentan allerdings ohnehin nicht bräuchte.

Das Wetter zwingt uns, unsere Pläne zu ändern: Statt weiter nach Osten zu fahren, entscheiden wir uns, sofort nach Ochos Rios aufzubrechen und am Abend in Negril zurück zu sein.

Als wir aufbrechen, ist es kurz nach acht Uhr, und entlang der Strecke nach Port Antonio haben noch sämtliche Bretterbuden, in denen normalerweise Essbares verkauft wird, geschlossen. Im Reiseführer wird das winzige Örtchen Boston – dieses Dorf fällt auch durch seine gepflegten Steinhäuser auf – als Zentrum der jamaikanischen Schlachterei erwähnt. Den ganzen Tag über werden in größeren offen stehenden Hütten Hühnchen und Schweine zubereitet. Das hatten wir gestern Abend in der Dämmerung teilweise an einigen Stellen bei der Vorbeifahrt auch noch sehen können, doch nun gibt es auch hier für uns kein Frühstück. Das kann natürlich auch am Wetter liegen, denn der Regen will einfach nicht nachlassen.

In Port Antonio, inzwischen ist es auch gegen neun Uhr, kehren wir in einem typischen jamaikanischen Restaurant an: Ich esse „Frühstückshähnchen” – kleine geschmorte Hühnerstücke mit vielen Knochen, dazu Kochbananen.

Von der einst spanischen Anlage Port Antonios ist nichts mehr zu erkennen, und der Hafen, in dem Kapitän Bligh die Brotfrucht zur Ernährung der schwarzen Sklaven ausschiffte, dämmert heute ebenfalls vor sich hin. Momentan liegt hier nicht ein einziges Schiff.

Gleich gegenüber vom Hafen steht jenes merkwürdig anmutende Gebäude, das uns schon gestern aufgefallen war, und das wir nun auch von Innen besichtigen. Wir finden eine Shopping-Passage mit einem Innenhof, zur einen Hälfte im Mittelalter-Look, auf der anderen Seite als Sakralbau gestaltet. Auf zwei Stockwerken liegen die Geschäfte, Bildergalerien und ein gepflegtes Café.

Gegen Mittag, wir nähern uns allmählich Ocho Rios, hört der Regen endlich auf. Das Touristenzentrum kündigt sich mit großzügigen Villenanlagen an – und mit heftigen Preisen. Wir wollen, noch ein gutes Stück von der Stadt entfernt, ein Kilo Bananen kaufen, sollen dafür aber zwei US-$ bezahlen, woraufhin wir natürlich verzichten. John meint, dass diese Preise hier auch von den Einheimischen verlangt würden, aber das kann ich ihm nicht glauben. Immerhin hatte er und kürzlich erzählt, dass sich die monatlichen Verdienste im Durchschnitt zwischen umgerechnet 400 und 800 Mark bewegen würden.

Ocho Rios selbst ist ein moderner Ort mit breiten, sauberen Straßen, sogar gepflegten Rasenflächen – und äußerst hässlichen Hochhäusern, die hier unterhalb der grünen Berghänge besonders deplaziert wirken.

Unser Ziel sind die Dunn’s River Falls, eigentlich ein herrliches Stück Natur, das hier aber lediglich als Zentrum eines eigenartiges Vergnügungsparks dient.

Der Dunn’s River stürzt hier auf einer Wegstrecke von vielleicht hundert Metern in mehreren Etappen in rasanter Geschwindigkeit in seine Mündung, unmittelbar am gelben Sandstrand von Ocho Rios, und die große Touristenattraktion Jamaikas besteht nun darin, von der Mündung am Meer aus gegen die Strömung über die Felsen zu klettern, bis man schließlich völlig durchnässt die Ziellinie erreicht. Das ist aber eben kein einsames sportliches Naturvergnügen, sondern eine Massenveranstaltung, die zunächst einmal sechs US-$ Eintritt, Trinkgelder für die Guides, Ausleihgebühren für die Aufbewahrung der Sachen und Ausleihgebühren für die Wasserschuhe kostet. Wer dabei noch ein Foto von sich in den Fluten haben möchte, zahlt noch einmal 29 US-$. Und am Ausgang der Anlage warten dann die Souvenirhändler in Dutzenden von Buden auf den Besucher.

In Runaway Bay watet die nächste „größte Attraktion“ von Jamaika auf uns. Aber wir haben Glück: Wegen Rekonstruktionsarbeiten ist die „Runaway Cave“ offiziell noch bis Dezember für den Besucherverkehr gesperrt, aber gegen fünf US-$ pro Person schließen uns die Wachmänner das Tor auf, führt uns auch jemand durch die gigantische Tropfsteinhöhle.

Zunächst steht man in einer riesigen Halle, von der sich mehrere verschlungene Gänge abzweigen. Die Stalagmiten und Stalagtiten werden vom unserem Führer als „Delfin“ oder als „Stiefel“ bezeichnet, aber es bedarf schon einiger Fantasie, um solche Figuren zu erkennen. Ein kleineres Gewölbe mit einer stets feuchten Tropfsteinformation dient als „Musikzimmer“. Jeder Schlag auf den kaminförmigen Stein erzeugt einen Ton wie von einem Kesselinstrument. Beeindruckend: Durch das Gestein haben sich an manchen Stellen die Wurzeln der oberhalb der Höhle wachsenden Bäume gefressen, und diese steinharten Wurzeln ruhen nun wie Schlangen auf dem Höhlenboden. Die Höhle, so unser Führer, diente wohl auch schon den Arawak-Indianern als Zufluchts- oder Zeremonienstätte.

Unweit von Runaway Bay liegt Discovery Bay, der Ort, wo angeblich Columbus zum ersten mal Jamaika betreten hat. Daran erinnert nun ein „Columbus Park“. Wichtiger für die Insel-Wirtschaft ist aber wohl, dass in der Discovery Bay das nahe von hier geförderte Bauxit verschifft wird – wofür ein hässliches Monstrum von stählerner Verladeanlage steht, dass beinahe den Anblick der ganzen Gegend verschandelt.

Bei Dunkelheit, die jetzt bereits allerdings schon kurz vor 18 Uhr einbricht, fahren wir durch Montego Bay, diesmal nicht nur durch die Touristenviertel, sondern auch durch das Montego Bay der Einheimischen, durch eine sprudelnde Großstadt, wo sich nun zur Hauptverkehrszeit die Menschenmassen und die Autos durch viel zu enge Straßen drängen.

Kurz darauf passieren wir Lucea, Jamaikas Filmstadt, wo unter anderem der James-Bond-Film „Live and let die“ und die einheimische Produktion „Cool Runnings“ über die jamaikanische Bob-Mannschaft bei den olympischen Winterspielen von Calgary gedreht wurde, wie uns John erzählt. Immerhin hat hier der Markt noch geöffnet – und der Markt wirkt mit seinen farbigen Bretterbuden hier irgendwie auch etwas exotischer als die anderen Märkte die wir bisher auf der Insel gesehen haben.

Kurz nach 20 Uhr sind wir dann wieder in unserem Hotel in Negril – wo wir erfahren müssen, dass während unserer Abwesenheit in dem Trakt, in dem Günther und Gitte sowie Dagmar und Monika wohnen, eingebrochen wurde. Auch das Zimmer von Gitte und Günther wurde von den Einbrechern durchwühlt, aber zum Glück fehlt wohl nichts.

Donnerstag, 11. November 1999: Negril

Wir gönnen uns einen geruhsamen Tag am Strand.

Freitag, 12. November 1999: Negril

Kurz nach zehn Uhr fahren wir mit dem bunt angemalten Strand-Shuttle-Bus Richtung Osten, wollen eigentlich zum Lighthouse, dem alten Leuchtturm an der Steilküste. So weit fährt der Bus allerdings nicht, dreht bereits vorher wieder um.

An den Bretterbuden zu Beginn des „Steilküsten-Negril“ waren wir ja schon gewesen – und dahinter schließen sich nun die Hotels und Pensionen an, die hier, zumindest vom äußeren Eindruck, um einiges kleiner sind als die Anlagen von „Sandstrand-Negril“. In den Mulden des scharfkantigen Korallengesteins haben sich Kolonien von Krebsen angesiedelt, die aber sofort ins Meer flüchten, wenn man sich ihnen nähert.

Den Nachmittag verbringen wir wieder am Sandstrand.

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