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Eurokrise – Mario Draghi versus Jens Weidmann

Oh la la – was lange im Hintergrund gärte, kam nun am Wochenende anläßlich der Jahrestagung von IWF und Weltbank in Washington offen zum Vorschein. Zwischen dem mächtigsten Mann Europas, dem EZB-Chef Mario Draghi, und dem Präsidenten der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, knirscht es mächtig im Gebälk. Sehr, sehr vorsichtig formuliert.

Weidmann bezieht Stellung

Wahr ist jedenfalls, dass Herr Weidmann einer der letzten Falken im EZB-Rat ist. In jüngster Vergangenheit wurde es immer offensichtlicher, dass Herr Weidmann sich klar gegen die historische Entscheidung des EZB-Rats im Hinblick auf den Ankauf von sog. Asset Backed Securities (ABS) und Pfandbriefen stellt. Wohl gemerkt, hier geht es um kein „Peanuts-Programm“. Hier steht möglicherweise ein Volumen im Rahmen der EZB-Bilanzausweitung von bis zu einer Billion Euro im Raum. Auf einer Pressekonferenz wies Herr Weidmann in Washington darauf hin, dass die Renditen sowohl privater wie auch öffentlicher Anleihen bereits jetzt extrem niedrig seien. Eine weitere Absenkung brächte insofern nichts. Höchst interessant nun auch, dass Herr Weidmann mit Blick auf die Geldpolitik der Mehrheit im EZB-Rat die offene Frage in den Raum stellt, ob die aktuelle EZB-Politik überhaupt wirksam sei. Wortwörtlich stellte Herr Weidman folgende rhetorische Frage:

„Haben wir es lediglich mit Pech zu tun, oder übersehen wir vielleicht etwas in der wirtschaftlichen Analyse?“

Eiszeit zwischen Draghi und Weidmann

Tatsache ist wohl, dass der Italiener an der Spitze der EZB in Frankfurt und Herr Weidmann, der Präsident der Deutschen Bundesbank, geldpolitisch nicht wirklich einer Meinung sind. Im Gegenteil, es scheint wohl Eiszeit zu herrschen. Das Nachrichtenmagazin Focus berichtete gestern, dass zwischen den beiden Protagonisten Sprachlosigkeit herrscht. Focus schreibt weiter, dass es angeblich seit dem Sommer, genauer gesagt seit Juli, keinen „direkten Kontakt“ der beiden mehr au��erhalb der turnusmäßigen Sitzungen des EZB-Rats gegeben habe. Früher sei es ja üblich gewesen, dass Herr Draghi den Präsidenten der Deutschen Bundesbank zumindest noch darüber informiert habe, was seine aktuellen Pläne seien. Sprich, über die jetzt anstehende massive Bilanzausweitung wurde Herr Weidmann vor der EZB-Ratssitzung nicht einmal kontaktiert, geschweige denn informiert.

Wenn dem so sein sollte, sagt dies schon sehr viel aus. Sehr viel gerade im Hinblick auf die Frage, wer denn am Ende das Risiko dieser Bilanzausweitung tragen darf.Richtig, die Deutsche Bundesbank mit dem größten Anteil am gezeichneten bzw. eingezahlten Kapital der EZB. Zum 31.12.2013 lag der Anteil der Deutschen Bundesbank am gezeichneten Kapital der EZB bei 18,67 Prozent; beim eingezahlten Kapital lag der Bundesbank-Anteil Ende 2013 bei 26,97 Prozent. Und da sind wir, die deutschen Steuerzahler wieder voll mit im Boot. Naja, böse Zungen mögen hier unken, dass wir hier nicht im Boot, sondern mit in der Euro-Titanic sitzen. Aber bis zum Aufprall auf den Eisberg braucht es eben noch ein wenig Zeit.

Draghi mit Realitätsverlust

Und in der Zwischenzeit, sprich in der Zeit vor dem Aufprall, bereitet Herr Draghi das Publikum nicht nur auf ABS- bzw. Pfandbriefkäufe vor. Rhetorisch macht er jedenfalls den Weg für noch weitergehendere EZB-Maßnahmen frei. Und hier geht es um nichts anderes als um Staatsanleihenkäufe. Wörtlich sagte der Italiener in Washington:

„Wir sehen kein ernsthaftes Risiko von Preisblasen am Staatanleihemarkt.“

Naja, der Bund-Future steht im Bereich des historisch einmaligen Allzeithochs, die Renditen am deutschen Rentenmarkt liegen am kurzen Ende bei nahe Null und sogar darunter. Die Umlaufrendite liegt bei 0,73. Daraus errechnet sich ein im historischen Vergleich einzigartig hohes KGV für den Anleihenmarkt von 137. Wenn ein solch ultra-hohes KGV am Aktienmarkt vorherrschen würde, würden alle völlig zu Recht vor einer Mega-Blase warnen.

Nur Mario Draghi eben nicht. Ein Schelm, wer nun denkt, dass er, Draghi, nicht persönlich für die allfälligen Verluste aufkommen muss.

Dafür gibt es ja die Steuerzahler, allen voran die Deutschen...

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