Revolutionäres in Serie

ging aus dem Denken jüdischer Gelehrter, Literaten und Philosophen hervor. Auch auf den ersten Blick widersprüchliche Ideologien wie Marxismus und Neoliberalismus.

Heinrich Heine ist ohne seine jüdischen Wurzeln nicht erklärbar, Franz Kafka noch weniger. Vielleicht versteht Kafka nur völlig ein Jude mit Kenntnis der Kabbala. Kafka ist in meinen Augen ein Mystiker, den ich als Jugendlicher nicht so recht verstand, weil mir die entsprechende Reife und Erfahrung fehlten. Ich fand ihn damals verstörend und alptraumhaft, da konnte der Deutschlehrer mit seinen "Schulinterpretationen" noch so klug daherreden, mit dem Intellekt verstanden hatte ich ihn nie. Aber seine Texte berührten etwas Verborgenes in mir, das mich beunruhigte, weswegen ich Kafka verdrängte und als "erledigt" ablegte. Ich hatte immerhin eine "Zwei" geschrieben, das musste reichen.

Es kann nicht nur angesichts der Bevölkerungszahl kein Zufall sein, dass ausgerechnet jüdische Intellektuelle so derart hervorstechen.

Der Gründe dafür sind sicherlich vielschichtig und hängen auch mit dem Überlebenswillen und -strategien eines seit der Antike diskriminierten Volkes und mit der Diaspora zusammen.

Ich halte jedoch die Religion für entscheidend, die auch bei säkularen Juden und Agnostikern sicherlich "nachwirkt", bzw. im Verborgenen oder Unbewussten präsent ist.. Tora, Tanach und vor allem der in dialektischem Stil gehaltene, erläuternde, auslegende Talmud, der die Texte und Aussagen der jüdischen "Bibel" aus dem zeitlichen Zusammenhang heraus ständig wieder interpretiert. Zudem gibt es zwei Talmuds (babylonischer und jerusalemer) und drei Kategorien der Kabbala (theoretische, magische, meditative.)

War ich früher der Meinung, dass das richtige Verstehen des Buddhismus die höchsten Ansprüche an Intellekt und Persönlichkeit stellt, so bin ich heute eines Besseren belehrt.

Die jüdische Religion hat eine intellektuelle und mystische Tiefe, Vielfalt und Tradition wie sonst keine. Selbst die im Christentum und Islam dogmatisch ausgeschlossene und lediglich in häretischen "Versionen" vorhandene Metempsychose (Seelenwanderung/Reinkarnation) wird im Judentum nicht ausgeschlossen und diskutiert.

Ein Geheimnis des" jüdischen Geistes" liegt meiner Meinung nach in der Tradition und in der ständigen Neubewertung der geschichtlichen Wirklichkeit, die gestaltend interpretiert wird.

Weshalb meine Beiträge allerdings meist gelöscht werden, wenn es um Juden geht, bleibt mir auch ein Rätsel.

Vielleicht, weil das Schicksal der Welt zu einem großen Teil in ihren Händen liegt.