Reisebericht

Luxushotel Burj al Arab: Der Schein trügt...

Das angeblich einzige 7-Stern-Hotel der Welt im Exklusiv-Test. Ein Wochenende im Möchtegern-Märchenschloss macht hauptsächlich arm und philosophisch.

Der Narren - Turm

Zwischen 1200 und 12.000 Euro kostet eine Nacht im einzigen "7-Sterne-Hotel" der Welt. Aber der arabische Traumtempel hält nicht, was er verspricht. Ein Narr, wer versucht, Glück mit Geld zu kaufen: Auch sieben Sterne machen eben noch keinen Himmel auf Erden.

Das einzige 7-Sterne-Hotel der Welt wurde in Dubai eröffnet!", plapperten vor Jahren die Medien rund um den Globus eine Presseaussendung nach, obwohl jeder Hotelier weiß, dass es noch nicht einmal Richtlinien für eine 6- oder 7-Sterne-Kategorie gibt.

Wie wenn diese Phantasie-Bewertung nicht genügen würde, protzt das Management des "Burj al Arab" (zu Deutsch: arabischer Turm) seither noch in goldenen Lettern auf sämtlichen Werbeprospekten und Präsentationsvideos mit dem Spruch: "Eine Welt Jenseits aller Vorstellungskraft . . ."

Jenseits aller Vorstellungskraft??? - Mit was für einer Erwartungshaltung soll da ein Hotelgast die Empfangshalle betreten? Ist dieses Hotel etwa nicht von dieser Welt? Göttlich? Himmlisch? Astronomisch?

Astronomisch sind zumindest die Preise: 1200 Euro für das billigste Zimmer (eine Suite mit 170 Quadratmetern), etwas über 12.000 Euro für die Royal Suite mit 780 Quadratmetern. Und wer sich die zugegebenermaßen wirklich beeindruckende Innen- und Außenarchitektur des "Burj al Arab" nur einmal aus der Nähe anschauen will, muss schon an der Zufahrtsschranke gut 35 Euro pro Kopf liegen lassen.

Jenseits aller Vorstellungskraft in einem anderen Sinn also eher unglaublich schlecht, ist zum Beispiel der Wellness-Bereich im 18. Stock des futuristischen Prachtbaus:

200 Suiten, aber ein Innenpool, der schon mit fünf Personen überfüllt wirkt. Gleich nebenan eine schlecht gewartete Sauna mit (nach nur einem Jahr!) fleckigen, beinahe verschimmelt aussehenden Pritschen und teils abgeschlagenen Kleiderhaken für die Bademäntel. Kein Angestellter, der einen Aufguss macht, auch keine Aufguss-Öle für die Selbstbedienung. Und: Kein Ruheraum. Nur zwei unbequeme Designer-Liegen am Schwimmbecken-Rand.

Wer die Entspannung lieber draußen sucht, hat's nicht viel leichter: Denn der Wind weht aufgrund der exponierten Lage des Hotels - oft so heftig, dass man die Sonnenschirme nicht aufspannen kann.

Ungefähr auf Höhe des fünften Stocks sorgen außerdem zwei mannshohe Ventilationsschächte für lautstarkes "Meeresrauschen". Und auch der Außenpool ist für mehr als zehn Schwimmzüge zu klein (dafür gibt's einen Lifeguard a la Baywatch). Ins Meer kann man vom "Burj" aus gar nicht erst. Dazu muss man sich via Golfbuggy zum Nachbarhotel bringen lassen. Aber Vorsicht: Am eingezäunten Strand des "Jumeirah Beach Hotels" kann man leicht über Kabelstränge im Sand stolpern, die zu den elektrisch beleuchteten Palmen führen, und der beinahe unvermeidliche Blick vom Liegestuhl auf die Zufahrtsbrücke des "Burj al Arab" weckt heimelige Erinnerungen an Donauinsel und Südosttangente.

Dass man sich beim Cocktail an der Poolbar und beim dortigen Frühstücksbuffet mit Plastikbechern begnügen muss und ein Teil der schlecht leserlichen Knöpfe in den Aufzügen weit unter Hüfthöhe angebracht ist, wirkt da beinahe nebensächlich.

Peinlich dagegen, wenn man im Willkommensbrief des europäischen Hotelmanagers, in den Prospekten sowie auf den Beschriftungsschildern des Buffets über Tipp- oder Grammatikfehler stolpert. Und auch von den obligaten Zimmerbutlern kann man in dieser Preisklasse eigentlich erwarten, dass sie einwandfrei und vor allem verständlich Englisch sprechen.


Dass ein solcher, zwar sehr guter, aber bei weitem nicht perfekter Hotelbetrieb mit dem Hauch des Einzigartigen so weltberühmt wird, erinnert ein wenig an Hans Christian Andersens Märchen "Des Kaisers neue Kleider":

Wer etwas glauben will, der glaubt es gern. Und wer in einem der teuersten und spektakulärsten Hotels der Welt eine Nacht verbracht hat, täte seiner Eitelkeit einen schlechten Dienst, wenn er daheim vor den Neidern auch noch über Schönheitsfehler jammern würde. Schließlich ist doch entscheidend, dass man es sich geleistet hat. Glücksgefühl all inklusiv. - Oder vielleicht doch nicht?

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