Peter

Unerträglich

Nicht nur die Politik in Deutschland sondern auch die Entartung, und ich benutze diese Wort absichtlich, der öffentlich rechtlichen Medien wird unerträglich. Ein Beispiel für diese Entartung wurde uns gestern wieder von der ARD präsentiert. Die Diskussion bei Anne Will unter dem Titel „Euro-Kritiker auf dem Vormarsch – kann Merkel sie kleinhalten?“ zeigte klar auf, wie weit Propaganda, Denunzierung und der Verlust von Demokratie in Deutschland schon akzeptiert werden. Der Titel der Sendung an sich verrät schon sehr viel über die Einstellung zur Demokratie, denn anderes als in einer Diktatur ist es in einer Demokratie nicht üblich Kritiker klein zuhalten.

Am Anfang der Sendung wurde über die nun anscheinend doch anstehenden Steuererhöhungen, die die CDU in ihrem Wahlkampf kategorisch ausschloss, diskutiert. Diese seien unumgänglich, da man Kompromisse, die in einer Demokratie halt mal gemacht werden müssen, eingehen müsse um eine stabile Regierung zu ermöglichen. Die, also eine Regierung bestehend aus Wortbrechern, sei für das Wohl des Volkes wichtiger als gebrochene Wahlversprechen. Dass man der Politik aufgrund gebrochener Wahlversprechen dauernd Unehrlichkeit vorwirft hielt Edmund Stoiber für schädlich (!? Das ist so, als ob ein Versicherungsbetrüger, der schon zigmal des Betrugs überführt wurde, vor Gericht argumentiert, er halte es für schädlich, wenn man ihm dauernd Betrug vorwerfe). Im übrigen ginge es ja nicht nur um Deutschland sondern auch um Europa, so Stoiber. Aha, deshalb muss man wahrscheinlich mit der SPD koalieren, der SPD, der Kanzlerin Merkel in der Euro-Frage totale Unzuverlässigkeit bescheinigt hat. Eine Aussage der Kanzlerin, die laut Herrn Steinbrück, so hat er öffentlich verkündet, Brücken zerstört, Gemeinsamkeiten unmöglich macht und die er nicht so schnell vergessen wird. Ob nun ein Tag, eine Woche oder ein Monat für ihn schnell bedeutet, das wird sich demnächst herausstellen.

Nach 38 Minuten faktenlosem, verlogenem, dem Machterhalt dienenden Geschwafel, das nur dazu dienen sollte, den Wählern klarzumachen, dass auch in Zukunft weiter alternativlos, zerstörerisch und undemokratisch weiter regiert werden wird, stürzte man sich auf Prof. Lucke von der AfD, das vermeintliche Opferlamm der Sendung, das man demonstrativ an den Katzentisch verdammt hatte.

Die erste Frage an ihn, wo er sich selbst denn politisch einordnen würde, beantwortete Prof. Lucke, zum Missfallen Anne Wills, nicht mit Rechts. Nachdem der Versuch, ihm schon nach seiner ersten Antwort den Nazi-Stempel zu verpassen, scheiterte, versuchte die ARD ihn aufgrund eines Wahlplakates mit der Aufschrift „Einwanderung ja, aber nicht in unsere Sozialsysteme“ in die rechte Ecke zu drängen. Auch dieser Versuch scheiterte kläglich, da Prof. Lucke darauf hinwies, dass die CDU in ihrem Regierungsprogramm 2013 (Eine Zuwanderung, die darauf gerichtet ist, die europäische Freizügigkeit zu missbrauchen und die sozialen Sicherungssysteme unseres Landes auszunutzen, lehnen wir ab (Regierungsprogramm der CDU - Seite 42 – dritter Absatz) schließlich mit ihm gleicher Meinung sei. (Aus Bosheit und der Sache nicht dienlich, hier, hier und hier ein wenig mehr zum Thema Ausländer und die CDU)

Nach diesen Fehlversuchen scheute die ARD nicht davor zurück, den Satz Prof. Luckes „Wir haben in den letzten Jahren so viele Entartungen von Demokratie und Parlamentarismus erleben müssen“, den er am Wahlabend von sich gab, als Beweis für den rechtsradikalen Hintergrund der AfD anzuführen. Das deutsche Wort Entartung, der ARD war es nicht zu blöde dieses Wort dreimal zu wiederholen und damit auf das Niveau der miesesten Privatsender abzusinken, sei schließlich ein böses Wort. Dass Prof. Lucke versuchte, die Bedeutung des Wortes Entartung ausgerechnet mit entarteten Krebszellen zu erklären, darf als ungeschickt bezeichnet werden. Andererseits kann es nicht angehen, dass die Verwendung von aus dem Zusammenhang gerissener deutscher Wörter dazu führt, als Nazi abgestempelt zu werden. Dass sich dann auch noch das „Handelsblatt“ aufgrund eines Wortes an einer solchen Diskreditierung beteiligt macht klar, wie es um die deutsche Medienlandschaft bestellt ist.

Nachdem Prof. Lucke im weiteren Verlauf der Sendung darauf hinwies, dass es seinem Verständnis von Demokratie widerspräche, wenn Abgeordnete dazu genötigt werden, in kürzester Zeit über mehrere hundert Seiten lange Dokumente abzustimmen, dass sich Politiker durch ihren Amtseid dazu verpflichten zum Wohle Deutschlands zu handeln, dass nicht Deutschland unter dem Euro leidet sondern die „Südländer“ und er dann die Argumente der anderen Diskutanten zerpflückte, sank die Diskussion auf mittlerweile gewohntes, sehr niedriges Niveau.

Etwas Gutes konnte die gestrige Sendung vielleicht bewirken, sie lieferte einen weiteren Beweis dafür, dass sich die Politik und die vierte Gewalt in Gestalt der Medien einem Tiefpunkt nähern. Nach Erreichen des Tiefpunktes wird es Deutschland schwerfallen ohne allergrößte Verwerfungen zu den Ursprüngen der Demokratie zurückzukehren.

 Meine Meinung entspringt meinem Gehirn. Da ich mein Gehirn nicht verleihe, muss auch niemand meiner Meinung sein.

Anmerkung:
Ulf Poschardt, der stellvertretende Chefredakteur der "Welt", der seine Bekanntheit seiner Doktorarbeit über die Kulturgeschichte des Diskjockeys und dem Skandal um Tom Kummer, bei dem herauskam, dass Poschardt gefälschte Interviews veröffentlichte, verdankt, fiel in der Sendung besonders unangenehm auf. Mit Sätzen wie: „Die Linkspartei ist defacto keine normale Partei“, oder „Ihr (Luckes) professoraler Ton geht mir auf den Wecker“ disqualifizierte er sich zu dem was er ist – ein konditioniertes Mitglied der Springerpresse.