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Die monotheistischen Religionen sind auf Gewalt gebaut. Das fängt schon ganz am Anfang an: Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Rumms.
Dieser Gott also, der den Menschen so sehr misstraut, dass er ihnen die Vernunft verbietet; dieser Gott, der sein Volk ewig durch die Wüste irren lässt; dieser Gott, in dessen Namen gemordet und gemetzelt wird.

Dieser Gott, der mit Hiob seinen üblen Spaß treibt und ihm dann noch sagt, was für ein Nichtsnutz er ist im Vergleich zu ihm; dieser Gott, der die Sünde erfindet, damit er die Vergebung versprechen kann; dieser Gott, der schließlich seinen Sohn opfert und die Liebe predigt, aber irgendwie nimmt man es ihm da schon nicht mehr ab.

Dieser Gott, der wieder und wieder sagt und grollt und schmollt wie ein verzogenes Kind, dass er allein herrschen will, und niemanden neben sich duldet und schon gar nicht den Menschen: Nach innen fordert er Gehorsam, dieser Gott, nach außen sucht er Gegner.

Denn Gegner geben Legitimität: Seht her, ihr braucht mich, um euch zu beschützen. Und so findet sich Gott im Krieg, nicht nur im Alten Testament - die Bibel endet bekanntlich gewaltig und gewalttätig mit der Offenbarung des Johannes.

"Und wer da überwindet und hält meine Werke bis ans Ende", heißt es da, "dem will ich Macht geben über die Heiden, und er soll sie weiden mit einem eisernen Stabe, und wie eines Töpfers Gefäße soll er sie zerschmeißen, wie ich von meinem Vater empfangen habe; und ich will ihm geben den Morgenstern."

Die Welt geteilt in Die und Wir

Der Glaube braucht die Feinde, das ist das älteste Mittel aller Herrschaft, es suggeriert Sinn, es sorgt für Zusammenhalt, es teilt die Welt in Die und Wir. Der Glauben braucht diese Verzerrung der Welt, er braucht ein System von Wahrheiten, das unabhängig von den Wahrheiten anderer oder gar aller Menschen existiert.

Der Glauben braucht, wenigstens ursprünglich, auch den Unglauben - und wer Menschen so einteilt, der will, dass sie sich misstrauen, dass sie sich hassen, dass sie sich bekämpfen.

Die Stabilität des monotheistischen Glaubenssystem beruht damit auf der Instabilität der Welt: Es ist ein Paradox, dass der Mensch sich einen Gott erfand, um Ordnung zu schaffen, und dadurch Unordnung anrichtete.

In vielem, das zeigt das Alte Testament, spiegeln sich weltliche Konflikte in religiöser Überhöhung; in vielem, das zeigt die neuere Zeit, sorgt die religiöse Überhöhung für weltliche Konflikte. Und so ist es ein Eskalationsdomino, das im Glauben selbst angelegt ist und die Welt durchfährt - die Gabe Gottes an den Menschen war die Angst, er dankte es ihm mit Abhängigkeit.

Jesus als Bedrohung

Auch Jesus gehört in diesen kriegerischen Zusammenhang, auch Jesus war ein Krieger, ein Krieger der Worte vielleicht, aber auf jeden Fall eine Bedrohung, die groß genug war, dass die Römer ihn hinrichten ließen.

Einen "eifernden Revolutionär" nennt ihn der iranisch-amerikanische Religionswissenschaftler Reza Aslan in seinem Buch über Jesus - es sei klar, dass ein messianischer Wanderprediger, der das "Königreich Gottes" ausrief, automatisch als Widerständler gegen die römische Besatzung gesehen wurde.

Aber das ist ja nicht der Jesus, der an Ostern gefeiert wird, Jesus, der Terrorist. An Ostern wird ein Jesus gefeiert, der reingewaschen ist, der von seiner Geschichte und der Geschichte seiner Zeit befreit ist und damit auch von der Gewalt, die er repräsentiert, der Gewalt, die von ihm ausgeht.

Wie das passierte, wie aus einer Botschaft der Bedrohung und des Umsturzes eine Botschaft der Liebe und der Versöhnung wurde, das hat gerade der französische Schriftsteller Emmanuel Carrère in seinem gerade erschienenem faszinierenden Buch "Das Reich Gottes" beschrieben.

Alles begann, so Carrère, mit einer Verdrehung der Wahrheit, man könnte auch sagen, es begann mit einer Lüge: Weil die Evangelisten, die die Geschichte von Jesus erzählten, verdichteten, erfanden, "entgegen der historischen Wirklichkeit beschlossen hatten, Jesus als Widerständler gegen die jüdische Religion und nicht gegen die römische Besatzung darzustellen".

Es war, anders gesagt, die Erfindung des Christentums aus dem Geist des Antisemitismus. Der Grund war einfach: Ein "Che Guevara"-Jesus, wie Carrère ihn nennt, wäre immer ein Hindernis gewesen, wenn man eine Kirche auf ihn bauen wollte. Und das wollte speziell Paulus, den Carrère als den eigentlichen Erfinder des Christentums schildert, wie es von Kreuzigung und Auferstehung so österlich geprägt ist. Und Paulus wusste das.

Also suchte er sich in seiner Nacherzählung der Ereignis andere Schuldige für den Tod Jesu am Kreuz - und er fand die Juden, die den Juden Jesus hingerichtet hätten.

Der Kreis der Macht und der Gewalt

Es war ein genialer, gemeiner Coup - denn "Jesus, der drei Jahrhunderte zuvor als König der Juden gescheitert war, wurde der König von allen, außer von den Juden".

Und hier schließt sich der Kreis der Macht und der Gewalt: Der Mann Jesus, der den Staat sprengen wollte, weil er ihn ablehnte, wurde zu dem Mann, der dem Staat die Religion lieferte, auf die er seine Macht begründen konnte.

Es bleibt eine krumme Geschichte, durchdrungen von der monotheistischen Mechanik der Ausschließlichkeit und des spirituellen Egoismus - von beiden, von der Seite eines Gottes, der wütet und tötet, wenn es Nebenbuhler gibt, und von Seiten der Gläubigen, die wüten und töten, wenn sie Menschen freien Willens treffen.

"Herr erbarme dich", so tönt es aus dem Radio, Musik wie ein Dom, hoch ragt das Leiden auf. Diese Religion braucht den Tod, sie feiert ihn, sie verspricht etwas dafür: "Christus ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn."