PecuniaOlet

Gestatten: Natur, Sozialistin

Der Natur ist immer zunächst an der Erhaltung der Arten gelegen. Das Wohl des Individuums, des Einzelwesens, steht hintan, und ist nur insofern wichtig, als es zur Erhaltung der Art beiträgt. Viele Tiere sterben sogar nach der Eiablage oder dem Ablaichen, wenn es Erhaltung der Art, beispielsweise aufgrund der Beschränkung ihres Habitats oder aus anderen Gründen, nützlich ist.

Es hat sich daher nach bisherigem Stand noch nie eine Art aufgrund aggressiven Verhaltens selbst ausgelöscht oder gar unter natürlichen, nicht vom Menschen beeinflussten Bedingungen, den Bestand anderer Arten gefährdet. Im Gegenteil: Durch Symbiosen der unterschiedlichsten und kuriosesten Formen war das Leben sich stets gegenseitig behilflich, um auch den widrigsten Umweltbedingungen standzuhalten. Clownfische profitieren von ihren Seeanemonen und umgekehrt, Pflanzen durch Bestäubung durch sich von Nektar und Pollen ernährender Bienen, Insekten und Vögel. Eine ganz besondere Art der Symbiose wurde im Yellowstone Nationalpark entdeckt: Die zwischen einem Rispengras, einem Schimmelpilz und einem Virus, die ohne einander die bis zu 70 Grad reichenden Temperaturen des durch heiße Quellen erhitzten Erdbodens nicht überstehen würden. Es gibt unzählige Beispiele solcher und ähnlich gearteter Symbiosen, und im Grunde entspricht das Leben an sich einer einzigen, gigantischen Symbiose, da es gänzlich isoliert und alleine auf sich gestellt gar nicht bestehen könnte.

Die Natur ist also sozialen Wesens, mit dem Ziel, das Überleben der Gattungen, und somit ihr eigenes, zu sichern. Da die eigentlichen Lebensträger immer die Einzelwesen sind, die kommen und gehen, während die Gattung als Uridee und Fortbestand der Gene der Einzelwesen erhalten bleibt, ist auch den Individuen eine gewisse Fürsorge beschieden, jedoch nur in dem Grade, als es dem Überleben und Fortkommen der Gattung nicht im Wege steht oder gar schadet. Würde der „Egoismus“ der Einzelwesen den Fortbestand der Gattung oder selbst den aller anderen Arten gefährden, wie es beim „zivilisierten“, „kapitalistischen“ homo consumens der Fall ist, so wäre es der Natur zweifelsohne zum Erhalt des Lebens anderer Gattungen von Vorteil, jene ent-arteten Spezies von der Erde zu tilgen, um damit den Fortbestand aller anderen Arten zu sichern. Denn eine Art, innerhalb derer sich die Einzelwesen wie Krebszellen eines gesunden Gesamtorganismus aufblähen, dem Irrtum verfallen, die Gier jedes ihrer Individuen wäre der Garant des „Wohlstandes“ und des größten Glückes aller, realisiert im krebsartigem Wuchern und Wachsen eines "triangulus diaboli" von Gütern, Geld und Schuld, und der Vereinsamung des zum Produzenten und Konsumenten reduzierten, naturfernen und entwürdigten Einzelnen, ist auf Dauer nicht nur nicht überlebensfähig ,sondern gefährdet den Bestand alles weiteren Lebens, dem es seine Existenz zu verdanken hat.

Unsere Öl-, Gas- und Kohlereserven entstammen allesamt längst vergangenem, fossilem Leben, das wir heute nutzen, um innerhalb kürzester Zeit mit militärischen und ökonomischen Mitteln eine Natur und einen Menschen zu verheizen, die aus Evolution und Fürsorge über Jahrmillionen hervorgegangen sind. Ich sage bewusst „wir“, weil wir alle dabei zusehen, wie eine verschwindend kleine Minderheit stets reicher und mächtiger werdender Verbrecher, Erde und Mensch zerstören, während wir um eines so kleinlichen wie lächerlichen persönlichen Vorteils und trügerischen Gefühl der Sicherheit willen, die Zukunft kommender Generationen und der Erde als Ganzes gefährden.

Der real existierende Kapitalismus (der ohnehin kein echter ist, sondern einerseits „Sozialismus“ für und im Sinne der Herrschenden (z.Bsp. „Bankenrettung“ und Geldsystem), und andererseits „Kapitalismus“ in Form von „freier“ Konkurrenz und „Marktwirtschaft“ ausschließlich unter Lohnsklaven zur Optimierung des Profits der ersteren) ist das naturwidrigste, kälteste, menschenverachtendste, lebensfremdeste und dämonischste System, das der Welt je seine ekelerregende Fratze gezeigt hat. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob der Sozialismus, der „im Großen“ nicht funktioniert, nicht menschlicher gewesen wäre, wenn er nicht in Konkurrenz zu einem Kapitalismus gestanden hätte, der mittels Sanktionen und den enormen durch jahrzehntelanges Wettrüsten entstandenen Kosten, jede weitere Entwicklung des ersteren bereits im Keime erstickt hatte.

Bei akephalen (herrschaftsfreien) und egalitär lebenden Naturvölkern ist es selbstverständlich, dass man sich innerhalb der Gruppe die erjagte Beute teilt, das Gesammelte gemeinsam verwertet, und sich untereinander beim Bau einer Behausung, beim Hüten der Kinder, und anderen Erfordernissen des alltäglichen Lebens unterstützt. In ländlichen Regionen hilft man sich auch heute noch häufig gegenseitig beim Hausbau, und kann auf diese Weise das Volumen einer Finanzierung erheblich reduzieren.

Dies alles könnte man auch als eine Art „Sozialismus im Kleinen“ bezeichnen, was der naturgemäßen Lebensweise des Menschen am meisten entspricht. Das menschliche Gehirn ist daher auch entwicklungsgeschichtlich auf eine Anzahl von maximal 150 sozialen Kontakten „programmiert“. In Gruppen um diese Größenordnung ist der Mensch empathiefähig und bereit, soziale Verantwortung zu zeigen,  kann sich andererseits der Fürsorge und des Mitgefühls der Gemeinschaft sicher sein, sollte er oder seine Familie in Not geraten. Hier hätte er auch weniger Schwierigkeiten beim Zahlen eventueller „Steuern“, da er der vollständigen Kontrolle über deren sinnvolle und gemeinnützige Verwendung sicher sein könnte, und jeder Missbrauch im Sinne einer herrschenden Klasse ausgeschlossen wäre. Auch eventuelle Psychopathen wären schnell als solche erkannt, und die von ihnen ausgehende Gefahr gebannt. Käme zum Beispiel einer auf die Idee, die Brunnen der anderen zu verschmutzen, und diesen Wasser seines eigenen Brunnens für eine Gegenleistung anzubieten, wäre er die längste Zeit Mitglied dieser Gemeinschaft gewesen. Psychopathen sind meist auch Blender und können sich unter dem Schutz der Anonymität der Großstädte weit besser entfalten, Schlüsselpositionen einnehmen, und von dort aus die Menschheit schikanieren. Gleichermaßen verliert der Durchschnittsmensch mit der Übersicht auch die Fähigkeit zur Empathie. Eine zu große Anzahl an Menschen überfordern ihn naturgemäß und rufen eine Art Schutzmechanismus , bisweilen auch Stress ( bei Menschengedränge, Stau etc.) hervor, der sich in erhöhter Aggressionsbereitschaft oder sozialer Gleichgültigkeit und Kälte äußert. Ist man zudem noch Teil eines Systems knallharten Wettbewerbs, innerhalb dessen alleine das Geldsystem mit mathematischer Notwendigkeit seine Verlierer zeitigt, kommen noch Frust, Existenzängste oder Depressionen hinzu, die ebenfalls die Neigung zu aggressivem und unsozialen Verhalten verstärken. Die allerwenigsten, die dann ins kriminelle Milieu abrutschen, sind Psychopathen, sondern wären unter anderen , der menschlichen Natur angemesseneren Bedingungen, meist ganz passable und nützliche Zeitgenossen. Auch sogenannter „Fremdenhass“ und „Rassismus“ (der meist keiner ist) sind unter diesen Verhältnissen völlig normale Symptome und können nicht mit Hilfe des moralischen Zeigefingers beseitigt werden. Dass dies dennoch versucht wird, spricht für die absolute Dummheit und Ignoranz oder Absicht der Verantwortlichen.

Wir sind inzwischen zu viele, um auf soziale und artgerechte anarche Strukturen menschlicher Vergangenheit vor der „Vertreibung aus dem Paradies“ zurückgreifen zu können. Unser Wissen darum und der Grad unserer Produktivität versetzten uns aber durchaus in die Lage, diese durch Generationen erarbeitete Produktivität so einzusetzen, dass sie dem Wohle der gesamten Menschheit und damit auch der Bewahrung des Friedens, der Menschenwürde, dem Fortbestand der Arten und der Natur als Ganzem diente.

Eine gemeinsame menschliche Ethik, die alle Religionen und Weltanschauungen vereint, kann nur eine sein, die außerhalb jeglicher metaphysischer Spekulation liegt und traditionelle Werte unterordnet. Der größte gemeinsame Nenner einer solchen Ethik kann sich daher nur an der Natur orientieren. Denn in einem werden sich wohl alle Religionen und –ismen einig sein: Sind Natur und Mensch zerstört, ist es auch mit ihren Weltanschauungen und den an ihnen orientierten Zielen vorbei. Man kann das Leben anbeten oder den Tod. Dazwischen gibt es nichts. Eine Religion und Weltanschauung aber, die Zerstörung und Tod aus eigennützigen Motiven billigend in Kauf nimmt, wie die Religion des Geldes, des Kapitalismus, der Ausbeutung der Massen und der Natur, kann nur eine des Widersachers des Lebens und des „Zerwürfnisstifters“ sein. Zerwürfnis stiften heißt auf Altgriechisch „dia-bollein“ (verwandt mit unserem Wort „Ball“). Es ist eine diabolische Religion und Widersacher des Menschen, der leider häufig ein (falsch verstandener oder missbrauchter?) ursprünglicher Monotheismus zugrunde liegt.

Der Animismus der Naturvölker basiert auf natürlicher und unreflektierter Welterfahrung und intuitiver Weisheit. Diese Weisheit, die bei uns tief verschüttet, aber dennoch vorhanden ist, müssen wir in „symbiotischer“ Weise mit den zweifellos vorhandenen Errungenschaften und Segnungen der Technik lebensfördernd verbinden. Das ist die Aufgabe des menschlichen Geistes. Das ist die Symbiose der Zukunft, die alleine das Fortbestehen der Menschheit zu sichern in der Lage ist.