Der Generalist

wird heute oft als "Allround-Dilettant" verspottet.

Mein Problem war aber immer: Ich weigerte mich bereits in der Schule, etwas "nur oberflächlich" zu kapieren. um es lediglich für die Praxis anwenden zu können. Ich hatte immer das Bedürfnis, es gänzlich, in seiner ganzen Dimension zu begreifen. Das kostet Zeit.

Eine Formel in Mathematik zum Beispiel, musste ich immer selbst herleiten. Irgendeine Formel zu "übernehmen", um sie dann anwenden zu können, störte mich ungemein. Ich suchte auch in der Infinitesimalrechnung immer den "philosophischen", erkenntnistheoretischen Hintergrund. Welche Beobachtung, welcher Zeitgeist bewog Leibniz zu diesem Gedanken? Desgleichen in Religion und Philosophie oder Deutsch. Ich glaube, kaum jemand las mehr Sekundärliteratur in meiner Abschlussklasse als ich. Ich wollte es nicht nur begreifen, sondern nach-erleben.

Wenn Du so drauf bist, hast Du eine enorme Aversion, dich lebenslang vorwiegend auf ein Fachgebiet zu konzentrieren. Das langweilt dann ungemein, und macht Dich unruhig. Wenn ich die Schwätzer im Literaturseminar während des Studiums hörte, wurde ich auch unruhig. Alles Ideologen. Vorwiegend linke!

Was machst Du dann? Du gehst aus Verlegenheit in den Vertrieb, weil Dir dort kaum jemand dazwischenredet, und Du eine unheimliche Freiheit genießen kannst, solange der Umsatz stimmt. Doch dann kamen neoliberale Arschlöcher, die Deinen Erfolg begrenzten. Du konntest nach oben nicht mehr unbegrenzt verdienen. Es gab eine "Obergrenze", dafür wurde Dein Ziel aber dennoch erhöht, und plötzlich gab es Provisionen, die umgekehrt proportional zum Vorjahreserfolg waren. Warst du erfolgreich, wurden dir als Belohnung die Provisionen gekürzt, weil Du Dein plötzlich begrenztes Einkommensziel mit höherem Umsatz ja auch mit geringeren Provisionen erreichen konntest. So ein Blödsinn. Und plötzlcih kamem auch die Betrugs-Banksterprodukte, die Du verkaufen musstest, um den Geschäftsplan zu erreichen.

Die spinnen, die amerikanischen Unternehmensberater!