PecuniaOlet

Damals gab es noch Negerküsse

Damals gab es noch "Negerküsse" und ein "Zigeunerschnitzel" hatte keinen Beigeschmack.

Wir fuhren Fahrrad ohne Helm und jeder hat es überlebt. Wir spielten in Ruinen einsturzgefährdeter Häuser und im ausgemusterten VW-Käfer in der Scheune des benachbarten Bauern. Wir schwänzten im Sommer häufig die Schule und gingen an den Baggersee. Als Vierzehnjähriger bin ich mit einem Klassenkameraden mit hundert Mark in der Tasche nach Kroatien abgehauen, weil die Schule nervte. Meinen 15.Geburtstag feierte ich am Strand eines Campingplatzes in Porec. Wir trampten, und an der italienischen Grenze schickten sie uns wieder in die Schweiz zurück, weil der Zollbeamte unser Geld zählte und hundert Mark als zu wenig befand. Wir gingen über die "grüne Grenze" und verletzten uns an einem Stacheldraht nahe eines Speditionsgeländes. Auch an der jugoslawischen Grenze rannten wir durch die Zollschranken eines kleinen und schlecht bewachten Grenzübergangs nahe Triest am verdutzten Zöllner vorbei und versteckten uns dann hinter einem Gebüsch. Als wir nach Deutschland zurück wollten, ließen uns die jugoslawischen Zollbeamten nicht passieren, weil wir keinen Stempel im Pass hatten. Wir gingen zurück und versteckten uns in einem LKW. In Italien wurden wir beim Trampen an der "Alt-Stazione" von Mitgliedern einer kommunistischen Wohngemeinschaft mitgenommen, die sehr freundlich waren, uns üppig mit Lebensmitteln versorgten und einen Schlafplatz boten. Wir schliefen unter Hammer und Sichel in einem großen Schlafsaal mit mehreren Familien. Die Gruppe betrieb einen Privatsender namens "Gruppi Gamma 5". Dort gaben wir auf Englisch Interviews und kamen uns wichtig vor,

Als wir nach drei Wochen wieder zu Hause waren, bekamen wir mächtigen Ärger. Nicht so sehr mit der Schule, sondern mit den Eltern. Das erste Schnitzel, das ich nach dem Trip verschlang, war ein Zigeunerschnitzel mit Pommes. Das beste meines Lebens!