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Materialismus oder Idealismus ?

Wir leben, sagt man, in einer "materialistischen Welt". Die meisten verbinden mit diesem Begriff heutzutage soziale und ethische Aspekte des Materialismus. Es zählt das Haben, nicht das Sein - der wirtschaftliche Erfolg ist das Maß aller Dinge, Geld regiert die Welt und "Gott ist tot".

Der philosophische Aspekt des Materialismus beruht auf der Annahme, dass jegliche Phänomene der Welt sich letzten Endes auf Materie und deren Wechselwirkungen zurückführen lassen und ausschließlich auf ihr beruhen. Dies gilt auch für geistige und "seelische" Phänomene, wie Denken, Gefühle und Selbstbewusstsein und bedeutet im Grunde nichts anderes, als dass der Mensch und andere Lebewesen lediglich höher organisierte Zellhaufen mit mehr oder minder komplexen neuronalen Verbindungen sind, deren höchste Entwicklungsstufe das menschliche Gehirn darstellt. Aus diesem Denken heraus ist es eher schwierig, eine entsprechende Ethik und Moral herzuleiten, da diese sich zumeist auf idealistische Ursachen beruft, die in der Regel dem Gegenteil eines materialistischen Weltbildes entspringen.

Aber wissen wir überhaupt, was Materie ist ?  Der Materialismus versucht im Grunde die Welt mit einer Art "petitio principii" (Inanspruchnahme eines Beweisgrundes) zu erklären. Materie ist nichts "Selbstverständliches", sondern genauso ein Rätsel wie der menschliche Geist selbst. Wir kommen dem Geheimnis der Materie zwar immer ein wenig näher, gleichzeitig tun sich hier aber wiederum ganz neue Welten auf, wie die erstaunlichen Erkenntnisse der Quantenphysik eindrucksvoll belegen. Ich persönlich halte die westliche Wissenschaft einer Art Matroschka-Puppe vergleichbar. Nach jedem gelösten Rätsel stößt man auf ein neues. Das allerletzte Rätsel wird man jedoch nie lösen können. (Im Gegensatz zur Matroschka-Puppe, wo es eine letzte gibt). Das bedeutet nichts anderes, als dass die Welt für uns immer rätselhaft bleiben wird und uns stets ein Grund sowohl zum Staunen, dem alle ursprüngliche Philosophie entspringt, als auch zum Schaudern Anlass geben kann. ("Das Schaudern ist der Menschheit bestes Teil" Goethe ). Aus diesem Schauder und Staunen heraus entspringt aber alle ursprüngliche Religion und Philosophie.

Darüber hinaus sind Materialisten in etwa Außerirdischen vergleichbar, die ein Buch, z.Bsp. Goethes "Faust" finden. Sie wissen zunächst nichts damit anzufangen und beginnen es zu vermessen. Sie messen die Maße des gesamten Buches und der einzelnen Seiten, analysieren die Geometrie und Druckerschwärze der einzelnen Buchstaben und schaffen es möglicherweise durch viele Kunstkniffe, eine mathematische Formulierung des gesamten Buches zu gestalten. Den Inhalt und die wahre Bedeutung dieses Buches werden sie jedoch niemals zu erkennen in der Lage sein, da ihnen hierfür einfach die (kulturellen) Voraussetzungen fehlen, diesen sinnlich zu erfassen. Das Wesen-tliche entgeht ihnen - wie den Materialisten.

Diese lassen zudem das reine, nackte Subjekt (das "Unterworfene", den ständigen "Beobachter" und "Erdulder") außer acht. WER fühlt Schmerz und Freude ? WER WILL ? Das WOLLEN, das Fühlen, der "Drive" mag rein körperlich von vielen interdependenten biochemischen Prozessen begleitet sein. Aber ist es deren erste Ursache ? Die Materialisten haben die Welt nach meiner persönlichen Ansicht sehr einseitig nach äußeren Phänomenen erklärt und nicht nach innen gehört und gefühlt. Dort spüren sie Wille. Dort spüren sie Liebe und Hass, Freude und Schmerz, Lust und Leid und vor allem ein Schaudern und ein Staunen.

Und wer das (wie die Kinder) noch nicht verlernt hat, führt ein wahrhaft reiches Leben. Egal wie viele (materielle) Güter er haben mag oder eben nicht.