Geheimdienstliche Datenobfuskation / Kommunikationsverwirrung / Rufmord

Der totale Staat im Internet: gezielte geheimdienstlich organisierte Zerstörung der persönlichen und gesellschaftlichen Reputation von Bloggern, Foristen, Aktivisten, Kritikern. Unbedingt auch die geleakte Original-Präsentation (sic!) des britischen Geheimdiensts GCHQ dazu ansehen (unten b) / Zerohedge-Link):

a)Snowden-Dokumente: Briten-Geheimdienst plante Rufmordkampagnen im Netz http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/gchq-greenwald-veroeffentlicht-weitere-snowden-dokumente-a-955488.html [Auszug]:

Gefälschte Blogs, negative Web-Kommentare: Der britische Geheimdienst GCHQ wollte unliebsame Menschen online verleumden und diskreditieren. Das geht aus Dokumenten des Enthüllers Edward Snowden hervor. Unklar ist, ob die Späher ihre Cybermobbing-Pläne schon einmal umgesetzt haben.
Das US-Onlinemedium "The Intercept" hat neue Dokumente aus dem Fundus des Enthüllers Edward Snowden veröffentlicht. Die Unterlagen geben Einblick in verdeckte Online-Operationen des britischen Geheimdienstes GCHQ. Der Journalist Glenn Greenwald behauptet auf Basis der Dokumente, westliche Geheimdienste würden versuchen, mit extremen Taktiken wie Täuschung und Rufschädigung den Online-Diskurs zu manipulieren und zu kontrollieren. … In Greenwalds Artikel geht es erneut um eine britische Arbeitsgruppe namens Joint Threat Research and Intelligence Group (JTRIG), deren Methoden zuletzt mehrfach im Fokus von Enthüllungen standen. Das Instrumentarium der JTRIG scheint breit, DDoS-Attacken im Stil von Anonymous zählen dazu, aber auch Sexfallen. Die neuen Präsentationsfolien liefern nun neue Details zum mutmaßlichen Vorgehen der JTRIG bei verdeckten Operationen. Zwei Präsentationsfolien nennen in Listenform Maßnahmen, um Zielpersonen oder ganze Unternehmen gezielt zu diskreditieren. Darauf finden sich Punkte wie: ihre Fotos in sozialen Netzwerken ändern,

E-Mails oder SMS an ihre Kollegen, Nachbarn, Freunde schicken, ein Blog führen, das den Eindruck erweckt, eins ihrer Opfer zu sein, negative Informationen in den passenden Foren posten, über Blogs etc. vertrauliche Informationen an Unternehmen / die Presse durchsickern lassen. Der Zweck der JTRIG-Operationen wird auf einer weiteren Folie zusammengefasst: "Online-Techniken nutzen, um etwas in der realen oder der Cyber-Welt zu bewirken." Glenn Greenwald weist drauf hin, dass sich die beschriebenen Techniken nicht etwa gegen feindliche Nationen oder deren Anführer richten, sondern theoretisch jeden treffen können, etwa, wenn man sich als "Hacktivist" politisch im Netz engagiert.

Die Pläne des GCHQ sind besorgniserregend: Aktivisten laufen offenbar Gefahr, Ziel von "Operationen unter falscher Flagge" zu werden, ohne Vorladung oder Verurteilung durch ein Gericht. "Die Geheimdienste haben sich mit der Macht ausgestattet, vorsätzlich den Ruf von Leuten zu ruinieren und deren politische Aktivität im Netz zu stören", schreibt Greenwald, auch dann, wenn es keine erkennbare Verbindung zu Terrorismus oder einer Bedrohung der nationalen Sicherheit gibt. Neben persönlichen Angriffen scheint sich der GCHQ allgemein in den Netzdiskurs einzubringen, mit dem Ziel, ihn zu verstehen, aber auch zu formen und zu kontrollieren.

b) Zerohedge zum gleichen Themahttp://www.zerohedge.com/news/2014-02-24/conspiracy-theory-true-agents-infiltrate-websites-intending-manipulate-deceive-and-d :
„In the annals of internet conspiracy theories, none is more pervasive than the one speculating paid government plants infiltrate websites, social network sites, and comment sections with an intent to sow discord, troll, and generally manipulate, deceive and destroy reputations. Guess what: it was all true. … And this time we have a pretty slideshow of formerly confidential data prepared by the UK NSA equivalent, the GCHQ, to confirm it, and Edward Snowden to thank for disclosing it. The messenger in this case is Glenn Greenwald. … I want to focus and elaborate on the overarching point revealed by all of these documents: namely, that these agencies are attempting to control, infiltrate, manipulate, and warp online discourse, and in doing so, are compromising the integrity of the internet itself." Call it Stasi for "Generation Internet." …
It is not difficult to see how dangerous it is to have secret government agencies being able to target any individuals they want – who have never been charged with, let alone convicted of, any crimes – with these sorts of online, deception-based tactics of reputation destruction and disruption. The broader point is that, far beyond hacktivists, these surveillance agencies have vested themselves with the power to deliberately ruin people’s reputations and disrupt their online political activity even though they’ve been charged with no crimes, and even though their actions have no conceivable connection to terrorism or even national security threats. … these GCHQ documents are the first to prove that a major western government is using some of the most controversial techniques to disseminate deception online and harm the reputations of targets. Under the tactics they use, the state is deliberately spreading lies on the internet about whichever individuals it targets, including the use of what GCHQ itself calls “false flag operations” and emails to people’s families and friends. Who would possibly trust a government to exercise these powers at all, let alone do so in secret, with virtually no oversight, and outside of any cognizable legal framework?