Eine Reise nach Tschernobyl / Bilder aus der Ukraine und Kiev (Kiew)

Wir haben uns gut überlegt, ob wir nach Tschernobyl fahren sollten, aber dank Meßgeräten konnte man risikolos immer näher fahren und beobachten, ob die gemessene Aktivität ansteigt und nötigenfalls umdrehen. Und dann kam nämlich die große Überraschung: Selbst direkt an der Sperrzone zum Unglücksgebiet war die messbare Aktivtät so gut wie Null ! (..ich hatte schon die Batterie vom Geigerzähler gewechselt, weil ich´s nicht glauben konnte). ...und damit war die meßbare Aktivität sogar geringer als in vielen Wohnungen, denn viele Baumaterialien enthalten von Natur aus geringe Mengen schwach strahlender radioaktiver Isotope.

Die weltbekannte ukrainische Kleinstadt liegt nur ca. 90 km von Kiev entfernt. Auf deutsch übersetzt bedeutet der Name übrigens soviel wie "Schwarze Geschichte" (oder auch Wermut) - schon unheimlich, wie passend....

Augenzeugen

Als damals das Unglück passierte, brach in den Tagen danach in Kiev das totale Verkehrschaos aus, erzählte mir Irina, die mit Ihrem Mann Vladimir noch an jenem schönen Samstag draußen spazieren gegangen ist. Alle Leute wollten weg, alle Eisenbahnen und Flugzeuge waren ausgebucht, auf den Straßen bildeten sich kilometerlange Staus.

Die Leute hatten aber ohnehin nur sehr langsam erfahren, was passiert war.

Aber spätestens, als man erfuhr, daß Michail Gorbatschow zufällig in Kiev landete, aber nicht ausstieg und die Maschine wieder zurückflog (ein sehr ungewöhnlicher Vorgang), haben viele geahnt, daß da etwas nicht stimmt.

Der Regen der letzten 15 Jahre dürfte wohl alles schon tief in den Boden (ins Grundwasser !?) gewaschen haben... Und in der Tat wohnen in der Gegend dort sogar wieder Menschen. Aber ein ungutes Gefühl bleibt dennoch, auch trotz der Meßwerte würde ich dort nicht wohnen wollen. Mal eine Stunde dorthinfahren ist ja das Eine, aber Jahre dort leben... gerade die vor Ort wachsenden Lebensmittel (Milch, Obst, Gemüse, Brot...) haben immer das Restrisiko, nur schwer messbare aber auf Dauer nicht ungefährliche Alphastrahler anzureichern.

Vor allem aber wurden die Keimzellen der Menschen damals genetisch verändert, so daß noch jahrelang, eben solange die Frauen, die damals als Mädchen der Strahlung ausgesetzt waren, im gebärfähigen Alter sind, Mißbildungen bei Geburten vorkommen werden.

Den detaillierten Verlauf des Reaktorunglücks kann man übrigens in einem sehr qualifiziert geschriebenen aber dennoch gut verständlichen Dokument der Universität Gießen lesen: http://www.strz.uni-giessen.de/Radiologie/Tscherno...

Daß nicht etwa der Geigerzähler defekt war, haben uns die Polizisten vor Ort (sie waren sehr korrekt und nett - auf diesem Wege viele Grüße !) eindrucksvoll demonstriert: Sie deuteten uns, Sergej, meinem Fahrer, und mir, mitzukommen, sie wollen uns etwas zeigen. An einem Laternenmast war ein altes, rostiges Metallrohr, an welchem ein Kabel hochgeführt wurde, das über die Straße ging; eigentlich nichts besonderes. Der Offizier deutete mir, hier mal zu messen. Und in der Tat: das Rohr strahlte heftig, der Geigerzähler machte Freudensprünge. Das Uran 238, welches ich zuhause in der Küche habe (O.K., Scherz, ich habs im Schlafzimmer. ;o) und manchmal zu Demozwecken (Strahlenkunde...) verwende, war harmlos dagegen.
Das Rohr stammte unmittelbar aus der Unglückszone und wurde dann als Baumaterial verwendet.

Dann war da noch ein Schrottcontainer mit alten Metallteilen. Es waren offensichtlich Teile, die beim Reaktorunglück stark bestrahlt worden waren. Ein Polizist suchte ein Teil daraus aus, ein angeschmolzenes spiralenförmiges graues Metallstück, es war aus einer recht korrosionsbeständigen, nichtrostenden Legierung, und legte es vor uns auf den Betonboden (fotografieren durften wir es nicht). Auch dieses Teil strahlte sehr stark. (es war fast reine Betastrahlung, kaum Gamma zu messen.).
Bereits wenige Meter entfernt war aber von all diesen Strahlungen praktisch nichts mehr zu messen, weshalb es denn auch für die zumindest dort am Kontrollposten arbeitenden Menschen nicht unbedingt problematisch ist, sich über lange Zeit dort in der Nähe aufzuhalten; die Crews in Flugzeugen dürften vermutlich Strahlenbelastungen ausgesetzt sein, die um einiges darüber liegen. (...nehmt mal einen Dosimeter oder Geigerzähler ins Flugzeug mit ! Die Höhenstrahlung, die in einer Flughöhe von 10 km und mehr herrscht, ist so intensiv, daß der Geigerzähler im Flugzeug deutlich schneller piepst als in 2 m Entfernung zu den kontaminierten tschernobyler Reaktorteilen. Deshalb sagt man in der Radiologie manchmal auch flapsig "Einmal Mallorca hin und zurück = 1 mal Röntgen". Beim Rückflug in einem Airbus auf der Route Kiev-Wien habe ich´s extra noch einmal getestet.


KIEV (KIEW, Ukrain.: KYJIV) & UKRAINE

Wer in die Ukraine kommt, muß darauf gefaßt sein, nicht nur mit großartigen Kunstschätzen und goldenen Kirchtürmen, sondern auch mit viel Elend konfrontiert zu werden, in einem Ausmaß, wie man es etwa aus Lateinamerika kennt.
Fakten: Die normale Durchschnittsrente beträgt 100 Griwna, das sind weniger als 20 EUR, Kindergeld: umgerechnet 1,50 EUR im Monat. Auch wenn eine Fahrt mit der Metro oder Strassenbahn nur 50 Kopeken kostet (ca. 10 Eurocent), so ist das für viele unbezahlbar. Sozialhilfe gibt es nicht. Wer nichts zu essen hat, ist auf eigene Hilfe angewiesen. Menschen, die zu schwach zum Betteln sind oder kein Geld für medizinische Versorgung haben, sterben; das sind vor allem Rentner. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist daher in den letzten Jahren erheblich gesunken.
Ansonsten gibt es auch hier durchaus einen außerordentlich wohlhabenden Jet-Set mit großen Besitztümern, teuersten Luxuskarossen, selbst viele Schüler und natürlich viele der gutaussehenden Djewuschkas (Girlies) haben ein Handy etc.


Wenn man in die Ukraine reist, wird man vielen Überraschungen begegnen. Die verrate ich hier natürlich nur zum kleinen Teil, sonst ist es ja nicht mehr so spannend.

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