Reiseberichte

Sizilien - Bilder einer Inselrundfahrt

Es gibt eine große Zahl vortrefflicher Führer und Berichte über Sizilien; wenn ich dennoch nun auch meine Reisenotizen hier anfüge, dann nur aus einem Grund: ich möchte bei allen Lesern weiter Neugier wecken nach Sizilien und ich will mich hiermit bedanken für die wundervolle Zeit, die wir auf Sizilien verbracht haben.

Griechen, Römer, Byzantiner und Araber prägten diese Insel zwischen Orient und Okzident. In der Galerie berühmter Persönlichkeiten finden sich der Mathematiker Archimedes, der Musiker Vincento Bellini, der Philosoph Empedokles, der Hohenstauferkönig Friedrich II. oder der „Leopard“ Lampedusa. Diese größte Mittelmeerinsel am Rande Europas bietet eine Landschaft, die nie langweilig ist: Der aktive Ätna, das einsame Bergland, chaotische Städte, herrliche Strände, bizarre Dörfer und Kulturdenkmäler schier ohne Ende.

Wir wollen die Insel gegen den Uhrzeigersinn umrunden, uns viel Zeit lassen und immer einmal wieder in das Landesinnere fahren. Daher biegen wir nach Abfahrt von der Fähre in Messina rechts ab Richtung Faro, wo einmal die gewagt-gewaltige Brücke zum Festland entstehen wird. Am nördlichsten Zipfel in einem Fischerdörfchen (Acquerone) finden wir eine Wiese unmittelbar am Meer, wo wir uns etwas ausruhen und planen können.

Unser erstes Ziel bei der Weiterfahrt ist Tindari, das „Lourdes von Sizilien“. Die Wallfahrtskirche mit der schwarzen Madonna ist – zumindest für uns – allenfalls für einen kurzen Blick wert. Im Gegensatz zu der Aussicht von jener Felsspitze auf das Meer. Gegensätze auch zwischen dem touristischen Kitsch beim Weg zur Kirche und der antiken Stadt etwas abseits.

Santo Stefano di Camastra ist einen kurzen Halt wert: Wir spazieren durch die engen Gassen und besuchen ein überquellendes Keramikgeschäft nach dem anderen. Wer ein typisches und geschmackvolles Souvenir sucht, findet es hier ganz sicher.

Kunst im Flussbett oder Fiumara d’Arte. Ein Abstecher in das Landesinnere auf kleinen Sträßchen mit überraschenden modernen Kunstwerken, von denen wir eines bereits auf der Küstenstraße (N113) gesehen hatten.

In Cefalu muß man sein Fahrzeug (z.B. am Hafen) abstellen. Das quirlige Städtchen kann man wegen seiner engen Gassen nur zu Fuß erkunden. Irgendwann kommt man dann zum Dom, dem eindrucksvollen Normannbau. Eine gewaltige Christusfigur „Pantokrator“ – darunter Maria und die Erzengel – beherrscht die Apsis. Die engen Treppen, kleinen Geschäfte, offenen Wohnräume, einladenden Kneipchen oder vornehme Restaurants vermitteln lebensfrohe Geschäftigkeit.

Ganz anders dann Palermo, die Hauptstadt Siziliens. Bald eine Million Menschen leben hier, wobei es uns gelingt, mitten in der Stadt auf der Piazzale Giotto (Camper Service) für zwei Tage einen bewachten und abgeschlossenen Stellplatz mit freiem Busticket in die Innenstadt zu bekommen.
In aller Ruhe konnten wir so einige der wesentlichsten Sehenswürdigkeiten – wenige Tage sind viel zu kurz! – anschauen und uns daran freuen.

Unser Ausgangspunkt sind die Quattro Canti, jene 4 sich gegen- überliegende überreich mit Figuren und Fresken geschmückten Häuser, in deren Nähe wir dann den Dom besuchen und (nach langem Anstehen) den Normannen- palast mit der Capella Palatina. Zurück in die Nähe der Quattro Canti beeindrucken uns die im 12. Jahrhundert erbaute San Cataldo und unmittelbar daneben die Admiralskirche La Martorana.


Wenige Fahrminuten vom Stadtrand entfernt Monreale mit seinem mittelalterlichen Dom und den schier endlosen, sehr gut erhaltenen und voluminösen Mosaiken und Bildern aus dem Leben Christi.

Über kleine Straßen erreichen wir den Tempel von Segesta, der majestätisch auf einem Hügel liegt, scheinbar unbeeindruckt von den wimmelnden Touristenscharen.

Auf dem Hügel nebenan das Theater mit einem faszinierenden Fernblick. Wir empfinden es als eine aparte Symbiose von 2 ½ Jahrtausenden Baukunst: hier das griechische Theater, dort die Moderne mit dem eleganten Schwung der Autobahn durch die grandiose Landschaft.

An der Kreuzung zwischen der Landstraße Nr. 188A und der Autobahn finden wir Gibellina Nuova, die neu entstandene, großzügig angelegte Stadt mit vielen Denkmälern und kunstvollen modernen Bauwerken. Sie wurde vor etwa 40 Jahren nach der völligen Zerstörung des etwa 15 km entfernt liegenden ursprünglichen Dorfes erbaut.

Dort in der „Totenstadt“, den Ruderi Gibellina sind die alten Straßen und Häuser in fast mannshohen Betonblöcken nachgebildet; sie ziehen sich – ursprünglich blendend weiß – nun etwas grau geworden wie ein gewaltiges Mahnmahl den Berg hinan. Jetzt finden hier vor dieser bewegenden Kulisse Festspiele statt. Wir bleiben über Nacht hier.

Die wieder aufgerichteten Ruinen der Tempel von Selinunt am Meer sind unser nächstes Ziel. Es ist ein großes Gelände mit mehreren Tempeln, dem Akropolishügel mit dem südlichen Abhang zum Meer und Resten einer Stadt.

Das Tal der Tempel in Agrigent ist ein weitläufiges Gelände (mit mehreren Eingängen) und einer großen Zahl von Tempeln, anderen Bauwerken, Museen und vielen Souvenirläden, Restaurants und Verkaufsständen.

Etwas abseits der Touristenströme findet man Ruhe und kann versuchen, sich von der Schönheit der Bauwerke fesseln zu lassen. Übrigens: Jetzt im Frühjahr ist es nicht so heiß aber sonnig, es sind weniger Touristen da und die Natur ist grün und bunt blühend. Kurz: eine ideale Zeit für eine Reise durch Sizilien!


Noch ein Stück am Meer Richtung Osten und dann ins Landesinnere nach Piazza Armerina, einem lebendigen Städtchen, das uns in Richtung Villa Romana del Casale wieder entlässt.

Wir arbeiten uns durch eine Straße mit Andenkenhändlern, bis wir dann in einer Endlosschlange durch den Palast geschleust werden und die wirklich faszinierenden Mosaike bestaunen können. Diese Mosaike in der römischen Villa wurden erst im vergangenen Jahrhundert „wiederentdeckt“ und verhilft uns zu einem Blick in das Leben der Römer vor vielleicht 1700 Jahren.

Ragusa ist eine mittelalterliche Stadt in den “Montei Iblei”, sehr hügelig und mit engen Gassen. Eine ganz besondere Atmosphäre empfindet man, wenn es aus der moderneren Stadt Ragusa hinab und dann auf irgend einen winzigen Parkplatz in Ibla, der Altstadt, geht.

Wir schauen uns den Dom an, gehen zu einer weiteren Kirche mit herrlichem Portal (Chiesa di Giuseppe) und kommen so in den ruhigen, blühenden Garten „Giardini Iblei“ mit zwei weiteren Kirchlein.

Insgesamt ein sehr lohnender Ausflug in das Landesinnere!
Irgendwo bei Pacchino am südlichsten Zipfel der Insel bleiben wir am Meer stehen.


Noto. Eine sterbende Stadt, sagen die einen. Die schönste Barockstadt Siziliens, die anderen. Beide haben recht: Erdbeben lassen herrliche Fassaden zusammenbrechen, kaum jemand hat die Mittel, diesen schier einmalig schönen Gesamteindruck zu retten und zu erhalten.


Nur 50 km nördlich suchen wir am Hafen einen Parkplatz, um in Ruhe durch die engen Gässchen von Ortiga, der Altstadt von Syracus zu spazieren.

Höchst eindrucksvoll der Dom, in dem die antiken dorischen Säulen des Athenatempels elegant in die Seitenwände eingefügt sind. Nach einem herrlichen Essen (köstliche Vorspeisen, Knoblauchröstbrot, mehrere Sorten Pasta, dann Fisch und Hammel, süße Nachspeisen und Likör. Kein Espresso: den macht der Nachbar!) in einer kleinen Kneipe nehmen wir an der Arethusaquelle Abschied von dieser südlich-freundlichen mittelalterlichen Stadt.

Am folgenden Tag führte uns die Straße nach Norden, an Catania vorbei direkt Richtung „Etna sud“. Dort sind wir bis zur Schneegrenze (etwa 2000m) hinauf gefahren und waren dann recht bald völlig allein auf einem großen Parkplatz. Im Dunst war der Kraterrand des Ätna zu erkennen.


Obwohl uns bei der Weiterfahrt Taormina gelockt hat, sind wir – bei Regen und Touristenströmen – an diesem Städtchen, das schon Goethe empfohlen hat, vorbeigefahren um uns nach etwa 1500 km rund um oder quer durch Sizilien dankbar wieder von diesem touristischen Kleinod zu verabschieden.....

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