VW-Mitarbeiterbrief vom Vorstandsvorsitzenden Müller und Konzernbetriebsratsvorsitzenden Osterloh

5.10.2015.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

vor uns liegen große Aufgaben und Veränderungen. Diese können und werden wir Seite an Seite mit Ihnen bewältigen. Daher möchten wir Sie persönlich über den aktuellen Stand informieren.

Wir hätten uns nicht vorstellen können, dass es zu solchen absurden Manipulationen kommen kann. Aufsichtsrat, Vorstand und Betriebsrat treiben mit allem Nachdruck die rasche und schonungslose Aufklärung voran. Eine US-amerikanische Kanzlei arbeitet im Auftrag des Aufsichtsrats die Vergehen auf. Ebenso wie eine Taskforce auf Unternehmensseite. Diese Vorgänge werden lückenlos aufgeklärt – dafür stehen auch wir beide persönlich und gemeinsam ein.

Um Vertrauen wieder aufzubauen, werden wir aber nicht nur umfassend aufklären und sämtliche betroffenen Fahrzeuge schnellstmöglich in Ordnung bringen. Sondern klar ist auch: Ein „Weiter so“ darf es nicht geben. Wir haben die Notwendigkeit erkannt, unsere Führungskultur und unsere Strukturen grundsätzlich neu auszurichten. Denn natürlich muss sich Volkswagen fragen: Wie können wir ausschließen, dass etwas Vergleichbares jemals wieder geschieht? Dazu gehört, dass wir Kritik, die jetzt auch öffentlich zum Beispiel an Führungsstrukturen, fehlender Offenheit oder am Umgang mit Problemen geübt wird, zulassen und konstruktiv damit umgehen. Unternehmen und Betriebsrat nehmen diese Punkte sehr ernst.

Bei aller berechtigten Kritik und bei allen berechtigten Forderungen nach Veränderungen wurden in den vergangenen Tagen aber auch falsche Behauptungen veröffentlicht, die in Ihren Ohren wie Hohn klingen müssen. Hier würde ein Mitarbeiter gar jeden Morgen die „Klinke seiner Bürotür“ abschrauben, damit ihn bloß niemand störe. Der Konzern werde von „wenigen Männern kommandiert“, der Rest sei „in Angst erstarrt“.

Durch derartige Äußerungen werden Ihre und unsere Arbeitsleistung herabgewürdigt. Ein Konzern, in dem die meisten „in Angst erstarrt“ sind, würde nicht Jahr für Jahr mehr Autos verkaufen. Er würde keine Fahrzeuge bauen, die auf der ganzen Welt begehrt werden. Ein solcher Konzern würde nicht Jahr für Jahr mehr Arbeitsplätze schaffen und dabei zugleich ein Milliarden-Ergebnis erwirtschaften. All dies schaffen wir nur dank Ihres Einsatzes, Ihrem Streben nach Perfektion und Ihrer Identifikation mit Volkswagen. Dafür sind wir dankbar und darauf sind wir stolz.

Diese Verbundenheit bildet das Fundament für die Unternehmenskultur, die wir uns für die Zukunft von Volkswagen wünschen. Eine Kultur, die uns dabei helfen wird, gestärkt aus der Krise hervorzugehen und die sicherstellt, dass sich Vergleichbares niemals wiederholen wird.

Dazu brauchen wir weniger Stromlinienförmigkeit und mehr Querdenkertum!

Wie bringt man so einen neuen Geist in einen Konzern mit 600.000 Menschen rund um den Globus? Wir verfolgen einen pragmatischen Ansatz: Jeder Einzelne von uns muss hier und heute damit anfangen. Genau das tun wir. Und wir haben neue Konzernstrukturen auf den Weg gebracht, die in der heutigen Top-Management-Konferenz vorgestellt und diskutiert werden.

Gerade im Moment zeigt sich auch, dass der Weg der Mitbestimmung der richtige ist. Vorstand und Betriebsrat ringen um die besten Lösungen, uns eint aber das gemeinsame Ziel: Wir wollen Volkswagen verändert und gestärkt neu aufstellen. Wir wollen die Arbeitsplätze sichern und treten gemeinsam dafür ein, dass die Belastungen fair verteilt werden. Der eine oder andere von außen wittert in der jetzigen Situation aber offenbar eine nützliche Gelegenheit, auch die Sozialpartnerschaft bei Volkswagen in Frage zu stellen – das weisen wir strikt zurück. Denn die Mitbestimmung ist auch einer unserer Erfolgsfaktoren.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir sehen in diesen Tagen auch viel positives Engagement. Zahlreiche Kolleginnen und Kollegen setzen sich zum Beispiel dafür ein, dass unsere Kunden und Händler wieder Vertrauen zu uns gewinnen. Die Technische Entwicklung arbeitet mit Hochdruck an guten Lösungen für unsere Kunden. All diesen Kolleginnen und Kollegen, die auch aus verschiedenen Marken unseres Konzerns zusammengezogen wurden, danken wir herzlich. Denn jetzt gilt es, uns ganz auf unser Geschäft und auf unsere Kunden zu konzentrieren.

Ihre

Matthias Müller Bernd Osterloh