Aktuelles zur Grippewelle

SCILLA als epidemisches Mittel - drei Fallschilderungen

von Ulrich Welte

http://www.narayana-verlag.de/spektrum-homoeopathie/Aktuelles-zur-Grippewelle?utm_source=newsletter&utm_campaign=150213_Grippewelle_Schinner_Veganer_Kaese_de

Fall 1

Am 21. Januar war eine junge Frau in der Kanderner Praxis. Sie hatte vor 3-4 Tagen Erbrechen und Durchfall, dann kamen Kopfgrippe mit Ohrenschmerzen und Halsweh, starkes Krankheitsgefühl.

Die PA (Polaritätsanalyse) des Grippe-Fragebogens nach Heiner Frei http://static1.squarespace.com/static/520f6c38e4b01b013b22f419/t/52bf134ce4b0159b369fa307/1388254028926/ChecklisteGrippaleErkrankungen.pdf

lieferte folgendes Ergebnis:

Scilla ist das erste Mittel mit höchster Polaritätsdifferenz (13) und durchgehender Deckung aller Modalitäten; Nux-v mit einer KI (Kontraindikation). Campher an 2. Stelle.

Die Patientin bekam Scilla C30 mehrfach täglich und Perenterol. Auf einen eventuellen Konflikt angesprochen, sagt sie, sie sei in einer Zwickmühle zwischen zwei Übeln, geh ich arbeiten, steck ich die anderen an, bleib ich zuhause hab ich ein schlechtes Gewissen: die Scilla-Situation. Schon am nächsten Tag ist alles so gut wie weg, gleich nach der ersten Einnahme von Scilla war eine große Erleichterung zu spüren.

Wir dachten anfangs, dass weitere Grippefälle anders gelagert seien, weil sie nicht mit Magen-Darm-Symptomen einhergingen. Dieser erste Fall schien auch eher situativ auf das Mittel zu passen.


Fall 2

Doch dann kam am 26. Januar der zweite Scillafall. Hier waren es die typischen Symptome im HNO-Bereich mit Pharyngitis, Reizhusten und grippalen Gliederschmerzen. Die Polaritätsanalyse eines akuten HNO-Fragebogens http://static1.squarespace.com/static/520f6c38e4b01b013b22f419/t/52bf1330e4b0159b369fa2f2/1388254000239/ChecklisteHNO.pdf

sah so aus:

Wieder Scilla an 3. Stelle, wieder vorn Nux-v mit KI, an erster Stelle Colch, auch eine Liliacee wie Scilla. An 4. Stelle Camph: ein sehr konsistentes Ergebnis im Vergleich mit dem ersten Fall.

Scilla half auch hier erstaunlich schnell, bereits nach einer Stunde waren die Beschwerden viel besser. Die Gliederschmerzen waren noch am gleichen Tag weg, und am nächsten Tag war alles Ok.

Fall 3 und weitere

Zwei Tage später, am 28. Januar, war der Sohn der 2. Patientin ebenfalls erkältet mit Kopfweh, Reizhusten und Brustschmerzen beim Tiefatmen. Hier waren wir bereits "alarmiert" und gaben probeweise ebenfalls Scilla, obwohl die PA hier Rhus-t vorschlug und kein Scilla angab. Rhus-t war vor Wochen schon vergeblich versucht worden. Auch er sprach auf Scilla noch am gleichen Tag an, direkt nach der Einnahme wurde der Husten besser, er wachte nachts nur noch einmal auf und war am nächsten Tag Ok.

Von da an gaben wir das Mittel probeweise allen Grippepatienten, wenn Halsweh und Husten im Vordergrund standen. Es half meist ebenso gut wie in den ersten drei Fällen.

So wurde das Vorgehen in der Praxis sehr einfach. Die PA wurde nicht mehr gebraucht, Scilla war das epidemische Mittel.

Inzwischen geht die Zahl der Verschreibungen an die 40 Fälle

Immer noch wirkt das Mittel, wir geben es als D12 oder D6 4x täglich. Es ist für uns verblüffend, wie oft und schnell das Mittel hilft. Wir haben noch kein epidemisches Mittel gehabt, was so schnell und zuverlässig wirkt. Selbst bei Rückenschmerzen seit Wochen hat es geholfen.

Meist sind es Grippefälle, die mit Halsweh und Reizhusten beginnen und schnell in eine absteigende Bronchitis übergehen. Wir haben insgesamt nur 4 Fälle gesehen,in denen Scilla nicht geholfen hat, darunter zwei, in denen es verschlimmerte. Wenn es bei ersten Anzeichen gegeben wird, kann man den Verlauf auch abortieren, in einem Fall verschwanden die Symptome innerhalb einer Stunde.

Auch seltene oder seltsame Symptome zeigen inzwischen, dass das Mittel auch in Feinheiten übereinstimmt: Gestern kam eine Patientin, die das Gefühl von kühlem Wind im Hals hat. Complete Repertory: generals, sensation of wind: squil.

Ferner kann man auch bei Magen-Darmgrippe daran denken:

Gestern, 9.Februar, kam ein junger Mann mit drückenden Bauch­schmerzen, Durchfall und Mattigkeit. Auch er hatte grippale Gliederschmerzen, jedoch keine HNO-Symptome. Sollte das auch ein Scillafall sein? Im Complete Repertory war unter abdomen, pain pressing scilla dabei; auch in der Besserung durch Liegen war es dabei. Nach der ersten Gabe Scilla D6 merkte er noch nichts, direkt nach der 2. Gabe nach 2 Stunden wurde es bereits besser, und heute ist er wieder auf dem Damm. Ob er die Krankschreibung bis morgen einhalten müsse? Er würde gern zur Arbeit. Na klar.

Interessant ist, dass das Robert-Koch-Institut über eine aktuelle Grippe berichtet, die gerade im Südbadischen besonders gehäuft ist. Vom Schweregrad der Symptomatik her waren alle Schwergrade dabei - von schweren Verläufen mit hohem Fieber und schwerem Krankheitsgefühl bis zu leichteren grippalen Infekten.

Fazit

Es würde uns freuen, wenn durch diese Beobachtung auch andere Praxen und deren Patienten aus einem schönen epidemischen Mittel Nutzen ziehen. Wir haben selten eine so eindeutige Wirkung nur von einem einzigen Mittel gesehen, meist haben wir in epidemischen Zuständen mehrere Mittel gefunden, unter denen wir unterscheiden mussten.

Ulrich Welte, Kandern 12. Februar 2015

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Lycopodium als epidemisches Mittel

von Paul Herscu


Ich möchte Ihnen kurz über den aktuellen Atemwegsinfekt berichten, der sich zurzeit in den USA und Europa verbreitet.

Meine Absicht ist es nicht, an dieser Stelle ausführliche differentialdiagnostische Überlegungen mit Fallanalyse und Strategien für die Konstitutionsbehandlung anzustellen. Vielmehr möchte ich meine Erfahrungen mit Ihnen teilen und Sie wissen lassen, dass der Genius epidemicus in diesem Fall sehr wahrscheinlich Lycopodium ist.

Für die homöopathische Behandlung spielt der eigentliche Erreger keine Rolle. Meine Patienten, die im Rahmen der aktuellen Erkältungswelle gut auf Lycopodium reagieren, sind bunt gemischt: Kleinkinder mit rechtsseitiger Otitis media, Jugendliche mit rechtsseitigen Halsschmerzen, Menschen mittleren Alters mit grippalen Infekten und Bronchitis und ältere Patienten, ebenfalls mit Bronchitis. Die Patienten entsprechen Lycopodium entweder als Konstitutionstypus und erkranken akut, während sie konstitutionell behandelt werden. Oder der Patient befindet sich während der akuten Erkrankung in einem Lycopodium-Zustand.

Nur kurz möchte ich Sie alle wissen lassen, dass es bei den meisten dieser Patienten keine eindeutigen Hinweise auf das Mittel gab. Bitte denken Sie an Lycopodium, wenn Sie einen Fall vor sich haben, der nicht eindeutig ist, oder andere Mittel nicht die gewünschte Wirkung zeigen. Ich bin mir durchaus bewusst, dass sich ein echter Genius epidemicus traditionell nur auf einen Erreger und eine bestimmte Krankheit bezieht. Ich betone noch einmal, dass ich nicht die Absicht habe, das Thema an dieser Stelle zu diskutieren - es würde den Rahmen sprengen - sondern Sie für dieses Mittel sensibilisieren möchte.

Alles Gute für Sie und Ihre Patienten wünscht Ihnen
Paul Herscu, 23.12.2014

Link zum Originalartikel

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Foto: Shutterstock.com
Kind Grippe © Ermolaev Alexander