Reisebericht

La Gomera, El Hierro - Barrancos, Delfine und ein Leuchtturm am Ende der Welt

La Gomera und El Hierro - die abgelegensten Inseln der Kanaren, sind vom Tourismus noch nicht so erschlossen wir etwa Teneriffa oder Gran Canaria

Berlin - LA PALMA - TENERIFFA: Los Christianos - LA GOMERA: San Sebastian - Valle Gran Rey (La Puntilla)

Etwa gegen 14 Uhr MEZ legt die Maschine der Air Berlin auf dem Flughafen von La Palma nach knapp fünf Stunden Flugzeit einen Zwischenstop ein.

Wir überfliegen ein farbenprächtiges Korallenriff - aber La Palma selbst wirkt beim Landeanflug schwarz und schroff, und nach unserer Landung sehen wir die Insel unter einer Wolkendecke. Ganz in der Nähe des Flughafens hat sich offensichtlich ein touristisches Zentrum etabliert - Hotels und Appartementhäuser dicht an dicht an einer Bucht.

Der Weiterflug nach Teneriffa dauert rund 20 Minuten. Die Flugroute liegt nun genau zwischen Teneriffa im Norden und La Gomera im Süden, man kann beide Inseln gleichzeitig sehen. Gomera wirkt aus der Luft, als handele es sich um eine fast unbesiedelte Insel.

Ganz anders Teneriffa: Auf dem Weg vom Flughafen zum Fährhafen Los Christianos passieren wir eine Siedlung nach der anderen, alle erkennbar als Appartement- und Feriensiedlungen, kommen dazu an riesigen Hotelkomplexen vorbei. Und es wird fleißig weitergebaut!

Gegen 15.20 Uhr Ortszeit sind wir am Fährhafen, besorgen uns noch die Passage-Tickets der Linea Fred-Olsen - und verlassen kurz nach 16 Uhr Teneriffa Richtung La Gomera.

Die Bucht von San Sebastian, Gomeras Inselhauptstadt, ist eingeschlossen von steil ins Meer fallenden Felsen, kahl und abweisend. In der Bucht dann drängt sich das Städtchen, wobei vom Wasser aus zunächst ein unpassender Hochhausbau unangenehm ins Auge fällt.

Mit dem Bus geht es nach Landung ins rund 50 Kilometer entfernte Valle Gran Rey, unserem Zielort. Über kurvenreiche Serpentinen quält sich der Bus in die Berge - und hat auch schon bald eine Panne, die ihn zum Stop zwingt. Kaum ein Strauch, kein Baum, ab und an einige in die Berge für die Landwirtschaft gelegte Terrassen, auf denen momentan aber auch nichts wächst - das ist Gomera in der mittleren Höhenlage.

Doch je höher wir kommen, desto grüner wird die Umgebung, und schließlich ist es, als sei die Straße von Bäumen regelrecht überwuchert, hätte das Grün nur eine kleine Schneise für den Verkehr freigelassen.

Bei der Einfahrt nach Valle Gran Rey stoßen wir zunächst auf ein langgezogenes Straßendorf, das kaum auf touristische Aktivitäten schließen lässt. Unser Hotel, das Jardin del Conde, liegt im Ortsteil La Puntilla, unmittelbar am Meer.

Freitag, 20. November 1998: Valle Gran Rey (Vueltas)

Der Küstenbereich von Valle Gran Rey zerfällt in drei Ortsteile. Neben Puntilla liegen im Nordwesten La Playa, der Strandbereich, den wir bereits gestern Abend besucht hatten, und im Osten Vueltas, das Gebiet um den Hafen, das wir heute durchstreifen. Unser Hotel liegt ziemlich genau in der Mitte.

Das beeindruckende Panorama, das diese drei Ortsteile miteinander verbindet, ist das gewaltige Felsmassiv, das sich unmittelbar hinter den Ansiedlungen erhebt, und das steil nach oben ragt, auf seinem "Dach" teilweise bizarre Formen bildend.

Den Vormittag verbringen wir noch müde von der Reise am Swimmingpool des Hotels, brechen dann gegen 14 Uhr in die "Stadt" auf. Dabei haben wir ganz konkrete Ziele: Batterien bzw. Akkus für unsere Foto- und Videoausrüstung kaufen, Geld tauschen und last not least eine Delfin-Tour buchen. Nach einem Fotofachgeschäft hatten wir bereits am Abend zuvor gesucht, in Playa auch gefunden - doch weder gab es die passenden Batterien, geschweige denn Akkus. Wenn überhaupt, so sagte man uns, würden wir das Gesuchte nur im Video Club in Vueltas finden.

Aber 14 Uhr ist in Valle Gran Rey eine schlechte Zeit, um Geschäfte zu erledigen. Selbst die Restaurants an der Strandpromenade sind wie ausgestorben, und auch in Vueltas lässt sich kaum ein Mensch auf der Straße sehen.

Die Geschäfte sind natürlich geschlossen, öffnen erst wieder gegen 17 Uhr.

Durch die engen Gassen mit ihren weißen meist zwei-, manchmal dreistöckigen Häusern - auch hier das meiste Appartementbauten - gelangen wir zum Hafen, der in einer geschützten Buch zwischen hohen Felsen liegt. Es sind vor allem bunte Ruderboote, die hier ankern, dazu noch drei etwas größere Boote, aber auch die beileibe noch keine Yachten.

Unterhalb des Felsens führt ein Weg entlang, um den Hafen herum, zu einer Obstplantage und einer weiteren Pension. Oben in dem Felsen nisten einige Möwen

Gegen 17 Uhr buchen wir bei "Capitano Claudio", das Büro liegt wenige Schritte vom Hafen entfernt, für Sonntag eine Tour zu den Organos-Felsen an der Nordküste sowie für den Montag eine Delfin-Tour. Die Organos-Fahrt kostet 5000 Peseten, die Delfin-Tour 3750 Peseten pro Person.

Der deutsche Geschäftsführer des Unternehmens, gleichzeitig noch Mitarbeiter des deutschsprachigen "Valle-Boten", sagt, dass in diesem Jahr 40 Prozent mehr Touristen auf Gomera wären als im Vorjahr. Ihm sei das ja nicht so recht...

Samstag, 21. November 1998: Valle Gran Rey (La Calera) - La Merica - Arure

Um 11.15 Uhr findet die einführende Informationsveranstaltung mit der örtlichen Vertreterin von ITS statt. Für diejenigen, die die Reiseführer gelesen haben, bietet diese Info-Veranstaltung kaum etwas neues, außer einigen nützlichen Hinweisen vielleicht, dass die Supermärkte in Vueltas billiger als in anderen Ortsteilen sind, aber das hatten wir eigentlich auch schon am Vortag herausgefunden.

Eine Besonderheit des Gomera-Tourismus: Das große Angebot an organisierten Wanderungen, keine unter 3750 Pesetas pro Person, also immerhin rund 45 Mark. Die Linienbusse auf der Insel fahren zu selten und alle nur über die Inselhauptstadt San Sebastian, und Taxis seien zu teuer, um die interessanten Ausgangsorte für Wanderungen zu erreichen, begründet die ITS-Vertreterin die Notwendigkeit dieses Angebots. Und außerdem seien die Wege so schlecht ausgezeichnet, dass sich ein Ortsunkundiger ständig verlaufen müsse.

Gleich nach dieser Belehrung machen wir uns zu Fuß auf den Weg nach Arure, das wir auf der über den Höhenzug La Merica führenden Wanderroute erreichen wollen. Der Merian-Reiseführer spricht hier von einer Distanz von zwölf Kilometern und bezeichnet diesen Weg als "Spaziergang".

Ausgangspunkt unserer Tour ist La Calera, der etwas höher gelegene Ortsteil von Valle Gran Rey. Die engen Gassen mit ihren kleinen ein- bis zweistöckigen Häusern schmiegen sich an den Fels, krumm und verwinkelt, ein Ort, der offensichtlich natürlich gewachsen ist, nicht dem Kopf eines Stadtplaners entsprang.

Ein Holzschild verweist auf den Wanderweg nach Arure. Leider ist der Hinweis nicht so präzise, wie er sein sollte: Wir erwischen den falschen Aufstieg, landen nach etlichen Treppen in einem höher gelegenen Privatanwesen.

Beim zweiten Anlauf sind wir auf dem richtigen Aufstieg. Angeblich soll es solche Wanderwege auf Gomera schon im 16. Jahrhundert, möglicherweise noch früher in der Guanchen-Zeit gegeben haben. Wenn dem so ist, wurde an diesem Weg seither nicht viel getan: Geröll bedeckt den ganzen Pfad, der sich in steilen Windungen und Kurven nach oben zieht. So weit es die Erschöpfung zulässt, kann man zwischendurch die Umgebung aus der Höhe bestaunen: Ein Tafelberg, der sich in der Ferne auf der gegenüberliegenden Seite der Schlucht erhebt, Palmenfelder unten im Barranco, die schroffe Küste von Valle Gran Rey, und schließlich die Felsen mit ihrem Diestelbewuchs und den Höhlen, die schon den Guanchen als Unterschlupf gedient haben dürften.

Und immer noch geht es höher hinauf, wird allmählich jeder Schritt zur Qual, und hinter jeder zurückgelegten Krümmung wird die Hoffnung enttäuscht, endlich den Felskamm erreicht zu haben. 983 Meter Höhe misst der La Merica laut unserer Karte - aber um diese Höhe zu erreichen, brauchen wir zwei lange Stunden.

Nun liegt ein weites Feld vor uns, auf dem die Ziegen grasen . Zwei verfallene Hütten befinden sich am Wegesrand. Über unseren Köpfen kreisen große schwarze Vögel, möglicherweise Bussarde oder Adler.

Der "Rest" des Weges ist ein "Kinderspiel" gemessen an dem Aufstieg, aber wir setzen ohnehin nur noch mechanisch ein Bein vor das andere. Glücklicherweise treffen wir immer wieder andere Wanderer, die uns von ihren Wasservorräten abgeben.

Gegen 17 Uhr erreichen wir Arure, laut Reiseführer einst Zentrum der Guanchenkultur, heute ein unscheinbares Bergdorf, in dem man noch einige kleinere Hütten aus aufeinandergeschichteten schwarzen Lavasteinen, die ursprüngliche Bauweise auf den Kanarischen Inseln, sieht.

Wir nehmen zurück den Weg über die Hauptstraße - und werden zum Glück von einem älteren deutschen Ehepaar im Wagen mitgenommen. Die beiden wohnen im gleichen Hotel wie wir.

Den ganzen Rückweg zu Fuß hätten wir nur schwerlich geschafft!

Sonntag, 22. November 1998: Valle Gran Rey (Vueltas, Playa del Ingles) - Alojera - Los Organos - La Dama - Playa Santiago - Valle Gran Rey

Um 10 Uhr vormittags sticht die "Tina" von Vueltas in See, nimmt Kurs nach Nordwesten. 5000 Pesetas pro Person haben wir für die Tour nach Los Organos bezahlt, und wenn das Wetter und die See es erlauben, soll es sogar einmal rund um die Insel gehen.

Zunächst passieren wir den Playa del Ingles, einen der schwarzen kleinen Strände von Valle Gran Rey, schon etwas abseits vom Ort gelegen, umgeben von Felsen, die steil ins Meer fallen.

In einer Schlucht zieht sich der Küstenort Alojera bis hinunter ans Meer - aber dies ist weit und breit auch die einzige menschliche Ansiedlung.

Je weiter nördlich wir die Küste entlang fahren, desto stärker wird der Wellengang. Das Boot liegt schwer in der See, und die Passagiere werden nun aufgefordert, das obere Deck zu verlassen, auf dem unteren Deck Platz zu nehmen, um so die Balance zu sichern.

Als eine gespaltene Klippe ragt jetzt einer der Felsen ins Meer - und als wir diesen Felsen passiert haben, erblicken wir schließlich die "Organos", die "Orgelpfeifen". Tatsächlich handelt es sich um einen steilen Küstenfelsen, dessen Oberfläche durch Wetter und Wasser in Falten gelegt wurde, die nun wie runde Orgelpfeifen aussehen. Warum gerade hier und nur hier der Stein zu dieser Form geschliffen wurde - das ist leider nicht zu erfahren.

Wir fahren wieder zurück nach Süden, an Valle Gran Rey vorbei, passieren La Dama, das hoch über dem Meer auf einem Felsplateau liegt. Oben auf dem Berg wachsen Bananen; die Felder werden mit Mauern vor dem Wind geschützt.

Es scheint, als seien hier an der Südküste die Berge flacher, und immer wieder sieht man auch in größerer Entfernung einsame Häuser in den Schluchten oder auf einem Felskamm stehen. An den Küstenfelsen nisten Möwen - und vielerorts hat die Brandung tiefe Höhlen in das Gestein gegraben.

Zwischen La Dama und Playa Santiago liegt in einer kleinen Bucht eine verlassene Ortschaft, offensichtlich eine ehemalige Fischfabrik, eingeschlossen von Bergen, nur mit dem Boot erreichbar. Vor den Ruinen ankern wir, nehmen hier an Bord unser Mittagessen ein.

Dann laufen wir Playa Santiago an, ein kleiner Ort, der aber gerade eine rege Bautätigkeit entfaltet. Die Häuser sind strahlend weiß, sehen gediegen aus, und etwas abseits auf einem Felsen liegt das einzige Luxushotel der Insel. Im Osten kann man den Teide, den höchsten Berg Teneriffas (und ganz Spaniens) in seiner ganzen Pracht bewundern.

Nun kehren wir um, fahren zurück nach Valle Gran Rey, wo wir kurz vor 18 Uhr in Vueltas an Land gehen.

Montag, 23. November 1998: Vor La Dama: Delfin-Tour

Pünktlich um 10 Uhr sticht unser kleines Motorboot mit insgesamt sechs Passagieren an Bord (Preis pro Person: 3750 Pesetas) zum Whalewatching in See. Wir nehmen Kurs in südöstlicher Richtung, kreuzen schon bald vor La Dama.

Nun, aus größerer Entfernung als gestern, sehen wir nicht nur die Mauern, die schützend um die Bananenfelder auf den Felsen angelegt sind, wir sehen die ganzen Felder, die das Felsplateau völlig bedecken. Das Grün der Plantagen hebt sich deutlich ab von dem Rot und dem Grau, den vorherrschenden Farben des Gesteins. Und natürlich sieht man wieder in größerer Entfernung den Teide, dessen Gipfel nun über eine Wolkendecke hinausragt.

Etwa eine Stunde müssten wir hinausfahren, wenn wir, ohne Garantie, auf Delfine stoßen wollen, hatte der Bootsführer bei der Abfahrt in Vueltas erklärt. Die Wahrscheinlichkeit, auch tatsächlich Delfine zu sehen, läge ungefähr bei 65 Prozent - und nun sind wir erst 45 Minuten unterwegs, und er will bereits die ersten Delfine ausgemacht haben. Allerdings: Was er aus der Entfernung für Delfine hielt, war ein Schwarm fliegender Fische, wie wir sie bereits gestern bei unserer Tour mit der "Tina" häufiger gesehen haben.

Noch weitere eineinhalb Stunden kreuzen wir auf See, immer wieder aufgeschreckt vom Ausruf unseres Bootsführers, in der Ferne wären Delfine. Dann setzen wir uns in die entsprechende Richtung in Bewegung - und ich sehe nichts als das Spiel der Wellen.

Tatsächlich ist es für das ungeübte Auge auch gar nicht so leicht, die schnellen Tiere auszumachen. Allzu leicht hält man voller Hoffnung einen dunklen Fleck im Wasser für einen großen Fisch, vielleicht sogar für einen Delfin oder einen Wal, um dann festzustellen, dass es doch nur ein Lichtspiel in den Wellen und der Strömung war.

Aber dann sehen wir doch, vielleicht 30 Meter vor unserem Bug, einen schwarzen Delfin bei seinem Sprung über die Wellen. Einige Meter hoch fliegt das Tier über das Wasser, um dann wieder ins Meer einzutauchen. Und es ist nicht allein! Eine ganze Delfinschule, vielleicht 20 oder 30 Tiere, tummeln sich in einiger Entfernung längsseits, bahnen sich in kurzen Sprüngen ihren Weg durch das Wasser.

Es sind Streifendelfine, scheue Tiere, die sofort verschwinden würden, wenn wir uns weiter näherten, klärt uns der Bootsführer vom "Club de Mar" auf. Warum sich diese überaus schnellen Tiere - Verfolgung unmöglich - so völlig anders verhalten als die Fleckendelfine, die sogar um die Boote herumschwimmen, das wisse Gott allein.

Doch die zutraulichen Fleckendelfine lassen sich heute nicht blicken, und so beobachten wir aus gehöriger Entfernung ihre gestreiften Vettern beim Ritt durch die Wellen, bis wir schließlich umdrehen und kurz vor 15 Uhr im Hafen von Vueltas einlaufen.

Am Nachmittag buchen wir im Reisebüro "Payco", im Ortsteil La Playa gelegen, die Hin- und Rückfahrttickets für unseren geplanten Abstecher nach El Hierro am kommenden Samstag - und für den kommenden Tag eine Tour in den Nationalpark.

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