Die Landbevölkerung

war immer die letzte, die einen neuen Glauben annahm, und sich ihm meist nicht ohne Zwang und Gewaltanwendung unterwarf.

Die ursprüngliche Bedeutung des Adjektivs "pagan" ("heidnisch") heißt daher auch "vom Lande stammend".

In abgelegenen Dörfern bestimmter Regionen ist daher bis heute bei älteren Leuten ein heidnischer "Aberglaube" anzutreffen.

Der Geist eines neuen Weltbildes wurde stets in den vom Lande abhängigen Städten geboren, Land- und Stadtbevölkerung verachteten sich in der Regel gegenseitig, und die Städter hassten die "Landeier" aufgrund ihrer Abhängigkeit von Landerzeugnissen und ihres eigenen "fortschrittlicheren", zivilisierteren Geistes.

Wie das Christentum in früheren Zeiten hat auch der Einzug politischer Korrektheit und Toleranz auf dem Land mehr Widerstand zu erwarten, und die "Bekehrungsversuche" gestalten sich schwieriger.

Auf dem Lande zeigt man sich erd- und heimatverbundener, begegnet Fremdem und Neuem mit erhöhter Skepsis und ist in der Regel unabhängiger, was die Versorgung anbelangt, daher weniger "erpressbar". Globale Interessen und "Buntheit" sind dem Lande eher suspekt.

Noch nie hat sich eine neue Weltreligion oder Ideologie auf dem Lande entwickelt und sich von dort in die Städte ausgebreitet. Es war immer umgekehrt und mit erheblicher Zeitverzögerung.

Die Menschen vom Land wollen im Wesentlichen "ihre Ruhe", der typische Stadtmensch Dynamik und Veränderung. Im Guten wie im Schlechten. Was dabei im eigentlichen Sinne "gut" (lebensbejahend) und "schlecht" (lebensverneinend) bedeutet, ist jedoch dem Städter häufig nicht bewusst, und wird seitens der "Landeier" oft instinktiv besser erkannt. Die Oberschichten der Großstädter unterschiedlicher Nationen ähneln sich, und fühlen sich in Großstädten des Auslandes wie zu Hause. Weder müssten sie "integriert" werden noch existieren allzu große Hürden in weltanschaulicher oder religiöser Hinsicht. Die meisten sind Agnostiker oder Atheisten und legen Wert auf Komfort und Flexibilität.

Die Arschkarte der Globalisierung gezogen haben die in Vorstädten oder Ghettos wohnenden Arbeiter, Angestellten und Arbeitslosen. Sie sind weder den "Landeiern" noch den typischen Städtern zuzurechnen und bergen das größte Konfliktpotential, verfügen über die geringste Selbstbestimmung und Unabhängigkeit, stellen jedoch mit ihrer Subkultur und teils "eigenen Gesetzen der Straße" das eigentliche Substrat des Kapitalismus und Bankstertums dar. Aus diesen allein rührt revolutionäres Potential, weshalb sie in Konfessionen, Ethnien und nationale Gruppen gespalten werden, die sich gegenseitig bekämpfen sollen.