Sie arbeiten ständig und das Selbst! Auf dem „Designerstrich“ in Berlin.

Dann sind sie vermutlich Selbstständig und ich brauch ihnen nicht zu Erklären was das bedeutet. Falls sie dann noch zu denen gehören, die gerade mal so über die Runden kommen, wissen sie wie schwierig es ist, in Deutschland ein Honorar zu bekommen von dehnen man tatsächlich leben kann.

Der Normalverbraucher hat sich auf chinesische Preise eingeschossen. Für Holzarbeit stellt Ikea das Höchstmaß der finanziellen Gefühle dar und in Sachen Kleidung ist es wohl H&M. Irgendwie glaubt der Normalo, ein Selbstständiger kann mit diesen Preisen mithalten. Dafür vergisst er dann gern mal, das die Näherinnen am Existenzminimum, gnadenlos ausgebeutet werden, damit die H&M Sachen so schön preiswert sind. Eine nicht ganz neue Gewohnheit ist es, den Preis mit-zu-nennen. „Hat nur sieben Euro gekostet“, soll darüber hinweghelfen das der Hosenkauf nicht notwendig war. Aber sieben Euro, das ist ja fast nichts! Eben, genau das ist das Problem. Das Kleidungsstück steht in keinem Verhältnis mehr, zu seinem Wert. Rohstoffe, Arbeit und Transportwege werden durch Ausbeutung entwertet. Das dadurch entstandene Leid, wird bagatellisiert und mit in Kauf genommen. Nicht aber in Haftung und Verantwortung.
Ist ja auch weit weg, die Welt der Billigarbeiter. Für mich nicht ganz so weit weg!
Da erwartet Frau Sabina, das ich Ihr einen langen exklusiven Rock für zwanzig Euro nähe, wo der Stoff schon dreißig kostet. Oft sind den Kunden schon das reine Material zu teuer, ohne Arbeitszeit. Natürlich sollen Änderungen inklusive sein und selbstverständlich hat man ewig Zeit für den Kunden. Am besten man fährt noch kostenlos hin und bringt das Teil, damit der Kunde noch Gelegenheit hat zu jammern, es wäre vielleicht woanders vielleicht billiger gewesen.

In der Grafik ist es ebenso. Jeder brauch eine Website, möchte am liebsten aber nur zwei Hundert Euro ausgeben. Ja, Fotos sind bereits vorhanden, die kann man doch so nehmen oder? Nein, kann man nicht. Auch hier steckt der Teufel im Detail. Verzogene, gelb stichige, verpixelte Fotos kriegt man auch in Photoshop, mit viel Arbeit nur erträglich und nicht brillant. Schon gar nicht mit zwei, drei Mausklicks.
„Ich möchte die Filmillustration, jetzt doch als Logo haben!“ Sagt meine Auftraggeberin, nachdem ich schon 3 Tage an einem Minifilm gearbeitet habe, für stolze 200 Euro. Sie regt sich furchtbar darüber aus, das daß Logo nicht mit im Preis drin sein kann, weil wir über ein Logo noch gar nicht gesprochen, hatten.
Und überhaupt sollte sich die Filmfigur, jetzt doch ganz anders bewegen. Ihr Freund Christoff würde das für 50 Euro machen, nur hat er keine Zeit. „Nein wirklich?“, Anderen in Suppe spucken und sich aus dem Staub machen, das hab ich gern. Inzwischen sind wir auf dem „Designerstrich“ angekommen. Fantastisch viel Arbeit, für exzessiv wenig Geld. Mit Auftraggebern die nicht wissen was sie erwarten können, in der Realität.
Nein, es geht nicht alles mit einem Mausklick. Tatsächlich braucht man eine konkrete Absprache, einen Plan und eine Menge Knowhow.
Wie kommt dieses Missverhältnis von Erwartungshaltung und Realität zustande? Eben durch das verzerrte Preis-Wert Verhältnis importierter Ausbeuterware. Umgeben von tollen Sachen, die kaum etwas kosten, hat sich eine totale Schieflage ergeben. Und ich rutsche mit!
Was machst du auch da unten auf dem „Designerstrich“ , sage ich mir und denke zurück an die Zeit als ich Verlag festangestellt war. Auch gut bezahlt, damals!
Einfach nicht schwanger werden! Am besten überhaupt nicht in irgendeine Notlage kommen. Die Menschen riechen das, drücken dich im Preis runter, bis es kracht.

Ich bin jetzt mal total fies und stell mir vor was passieren würde, wenn die notleidenden indischen Näherinnen, nicht brav in Indien sterben würden. Wenn all diese Frauen, die sich in ihrer Not das leben genommen haben, in der Badewanne der Europäer rumschwimmen würden. Im Mittelmeer, umgeben von rumtreibenden Billigklamotten und Färbemitteln. Als I-Tüpfelchen noch die Pestizide und Pilzmittelchen. Dann wäre Indien nicht mehr so weit weg! Und was in der eigenen Badewanne liegt, damit muss man sich zwangsläufig beschäftigen.

Es gibt nichts umsonst, einer bezahlt immer den vollen Preis. Der Normalo hier hat noch nicht gemerkt, was für eine unangenehme Plage er geworden ist. Kaum auszuhalten, so ein Geisteszustand.