Eine Kritik der parasoziologischen Vernunft

Neurescheinungen bei UVK zur Sozialkritik im Dienst neoliberalistischen Denkens und zur Managementberatung im neoliberalen Kapitalismus



Torsten Mayerhauserspricht in seinem Buch »Eine Kritik der parasoziologischen Vernunft« (UVK) von »parasoziologischen« Gesellschaftsdiagnosen, die – ähnlich wie die Soziologie selbst – die Gesellschaft/das Soziale problematisieren. Diese sind ganz allgemein für die Genese der modernen Gesellschaft entscheidende Referenz- und Konfliktgrößen. Heutzutage stellt sich Sozialkritik jedoch immer häufiger in den Dienst einer neoliberalistischen Gouvernementalität, indem sie genau solche Angstbilder generiert, die sich unter den Bedingungen ihrer Medialisierung auf effektive Weise mit dem Leitbild des unternehmerischen Selbst verbinden (lassen).

Mayerhauser fragt nach jenem bilddiskursiven Raster, das es erlaubt, überhaupt etwas als gesellschaftliches Problem sehen zu können: Was verraten diese als »neu« vermarkteten Sozialkritiken über ihre ureigenen gesellschaftlichen Möglichkeitsbedingungen? Welche Macht-Wissens-Effekte lassen sich beschreiben? Er berücksichtigt in seiner Arbeit neben genuin soziologischen Elaboraten journalistische Print- oder TV-Beiträge ebenso wie Kommissionsberichte, PR-Maßnahmen oder Stücke der Politikberatung.


<big>Eine Kritik der parasoziologischen Vernunft</big>
Sozialkritik im Dienst neoliberalistischen Denkens

2013, 360 Seiten

ISBN 978-3-86764-424-2
42,00 € (D) / 43,20 € (AT)
UVK Verlagsgesellschaft mbH

Erscheint im August 2013.

Managementberatung ist im Laufe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum integralen Bestandteil der Unternehmensführung geworden. Sie legitimiert Management­entscheidungen, gilt als Ausweis von Führungsqualität und ist wichtiger Kontext der Wissensproduktion sowie der Ausbildung von Führungskräften.Christian Schmidt-Wellenburguntersucht in seinem Buch »Die Regierung des Unternehmens« (UVK) den spektakulären Aufstieg der Management­beratung am Beispiel des US-amerikanischen Kontexts.

Die Studie beschäftigt sich mit der diskursiven Konstruktion des Unternehmens und seiner Führung. Sie zeigt, wie sich Management­beratung mit fortschreitender Verankerung einer neoliberalen Gouvernementalität des Unternehmens zur wichtigen Regierungstechnik erhebt; ein Prozess, der mit dem Verlust der Dominanz patriarchaler und bürokratisch-disziplinärer Führungsvorstellungen einhergeht. Management wird im Verlauf dieses Prozesses von einer Institution zur Problemlösung zum endlos beratbaren Projekt, während die Beratung sich selbst eine prominente Position verschafft. Die Studie erläutert die praktische Produktion der Veränderungen im Feld des Managements, rekonstruiert die zentralen Weichenstellungen und legt die Genealogie der Management­beratung offen.

In einer abschließenden Reflexion expliziert der Autor die theoretischen Grundlagen der Untersuchung und skizziert in Auseinandersetzung mit praxistheoretischen Argumenten Bourdieus und Foucaults eine Theorie des sozialen Wandels. Methodologie und Heuristik dieser Studie können so für andere Anwendungsfelder fruchtbar gemacht werden.