Allianz "Global Wealth Report"

Den vollen Report als PDF HIER


Zusammenfassung Allianz Global Wealth Report:

Kräftiger Zuwachs der Brutto-Geldvermögen

Weltweit wuchs das Brutto-Geldvermögen der privaten Haushalte 2012 um 8,1% gegen- über dem Vorjahr. Damit lag das Wachstum deutlich über dem langfristigen, wechsel- kursbereinigten Durchschnitt (2001 bis 2012) von 4,6% pro Jahr. Rund um den Globus summierte sich der Vermögensbestand damit auf ein neues Rekordniveau von EUR 111,2 Billionen.

Wachstumstreiber war im letzten Jahr insbesondere die gute Entwicklung an den Aktienmärkten: Das in Form von Wertpa- pieren gehaltene Vermögen erreichte mit einem Plus von 10,4% das beste Ergebnis seit der Finanzkrise. Auch die Ansprüche der Privathaushalte gegenüber Versicherungen und Pensionseinrichtungen wuchsen auf globaler Ebene im Jahresverlauf 2012 kräftig, sie legten um 7,4% zu. Unter den drei großen Anlageklassen schnitten die Bankeinlagen mit 6,7% am schwächsten ab. Da aufgrund der extrem niedrigen Zinsen in vielen Län- dern kaum automatische Wertsteigerungen im Portfolio anfielen, ging dieses Wachstum vornehmlich auf „frische“ Anlagegelder zu- rück. Unverändert konnte die Anlageklasse Bankeinlagen also auch 2012 von der hohen Liquiditätspräferenz der Anleger profitieren. Dies wird auf längere Sicht noch deutlicher: Sicht-, Termin- und Spareinlagen lagen Ende 2012 um annähernd 35% über dem Niveau des Jahres 2007; der entsprechende Zuwachs bei Versicherungen und Pensionen beläuft sich dagegen auf „nur“ 19% und das globale Wertpapiervermögen liegt gegenüber 2007 sogar noch immer um 0,6% im Minus. Ent- sprechend hat sich auch die globale Vermö- gensstruktur seit der Finanzkrise verändert. Während die Wertpapierklasse 5,5 Prozent- punkte am Portfolio aller Haushalte verlor, verbuchten die Bankeinlagen kräftige Zuge- winne. Ende 2012 verteilte sich das weltweite Geldvermögen etwa zu gleichen Teilen auf Wertpapiere (36%), Bankeinlagen (32%) sowie
Versicherungen und Pensionen (30%). 


Alle Regionen deutlich im Plus

Zum starken Wachstum der Brutto-Geldver- mögen des vergangenen Jahres trugen alle Regionen bei. Am höchsten fiel dabei mit knapp 16% der Zuwachs in Asien (ex Japan) aus, gefolgt von Ozeanien, Lateinamerika und Osteuropa, die alle ebenso zweistellig wuchsen. Dank boomender Börsen erzielten auch Nordamerika und selbst das krisenge- plagte Westeuropa 2012 mit 8,3% bzw. 5,3% noch sehr ordentliche Zuwächse. Im langfris- tigen Vergleich ergibt sich jedoch ein etwas anderes Bild. Regionaler Wachstumschampi- on bleibt Osteuropa (durchschnittlich 14,7% p.a. von 2001 bis 2012), obwohl sich dort in vielen Ländern der Vermögensaufbau seit Ende 2007 teilweise erheblich verlangsamt hat. Knapp dahinter folgen Asien (ex Japan) und Lateinamerika. Dagegen bleiben die entwickelten Regionen in Nordamerika und Westeuropa mit durchschnittlichen Wachstumsraten von 4,3% bzw. 3,3% deutlich zurück.


Finanzkrise bremst Schuldenwachstum

Insgesamt kletterte die weltweite Schulden- last im Jahresverlauf 2012 um 2,9% gegenüber dem Vorjahr auf EUR 32,4 Billionen. Der Zu- wachs lag damit deutlich unter dem langfris- tigen Durchschnittswachstum von 5,5%.

Hinter diesen globalen Zahlen verbergen sich allerdings sehr unterschiedliche Entwick- lungen auf regionaler Ebene. Auch mit Blick auf die Passivseite der Vermögensbilanz sind die Haushalte in Osteuropa Wachstumsspit- zenreiter: Innerhalb der letzten zwölf Jahre erhöhten die osteuropäischen Haushalte ihre Verbindlichkeiten um durchschnittlich 25,4% pro Jahr. Parallel zum Vermögenswachstum verlangsamte sich in der Region allerdings 10 auch das Schuldenwachstum seit Ausbruch der Finanzkrise. In den anderen aufstreben den Regionen Lateinamerika und Asien (ex Japan) ist dieses Phänomen nicht zu beob- achten. Die Privathaushalte Lateinamerikas hielten das Durchschnittswachstum ihrer Schulden in den Jahren vor bzw. nach 2007 konstant bei rund 17%; in Asien (ex Japan) erhöhte sich die durchschnittliche jährliche Zuwachsrate sogar von 12,3% im Zeitraum von 2003 bis 2007 auf 15,8% von 2008 bis 2012.

Einen signifikanten Rückgang des Schulden- wachstums erzielten hingegen die Privat- haushalte, die in den reicheren Regionen
der Welt leben. Vor allem die US-Haushalte drosselten ihre Kreditnachfrage enorm:

Seit 2007 gingen die privaten Verbindlich- keiten im Durchschnitt um 0,4% jährlich zurück – auch dank Zahlungsausfällen und Abschreibungen auf Hypothekenkredite. In Westeuropa verlangsamte sich das Schul- denwachstum auf zuletzt nur noch nur 0,9% p.a. Dank dieser Schuldendisziplin belief sich die private Schuldenstandsquote, d.h. das Verhältnis der Verbindlichkeiten zur nominalen Wirtschaftsleistung, Ende 2012 weltweit auf knapp 66%; dies sind etwa sechs Prozentpunkte unter dem Spitzenwert aus dem Jahr 2009.


Netto-Geldvermögen wächst wieder schneller als das Brutto-Geldvermögen

Aus der Differenz von Brutto-Geldvermögen und Verbindlichkeiten errechnet sich das Netto-Geldvermögen, das Ende vergangenen Jahres einen Stand von EUR 78,8 Billionen weltweit erreichte. Mit einem Plus von

10,4% war dessen Wachstum 2012 höher als das des Brutto-Geldvermögens – im

langfristigen Vergleich eher die Ausnahme: Angesichts der Schuldendynamik in der Vergangenheit hinkt das Wachstum des Netto-Geldvermögens (+4,2% p.a. seit 2001) dem Durchschnittswachstum des Brutto- Geldvermögens (+4,6% p.a.) immer noch hin- terher. In Pro-Kopf-Rechnung reduziert sich das langfristige Durchschnittswachstum des Netto-Geldvermögens sogar um beina- he einen Prozentpunkt auf 3,3% p.a. – vor dem Hintergrund einer durchschnittlichen globalen Inflationsrate von 3,0% im Zeitraum von 2001 bis 2012 eine eher enttäuschende Bilanz. Real konnten die Sparer, die mit einer immer schnelleren Abfolge von Wirtschafts-, Finanz- und Schuldenkrisen konfrontiert werden, im globalen Durchschnitt und nach Berücksichtigung ihrer Verbindlichkeiten damit keine nennenswerten Vermögenszuwächse erzielen.


2012 erstmals alle Regionen wieder über dem Vorkrisenniveau

Das durchschnittliche Netto-Geldvermögen pro Kopf betrug Ende 2012 weltweit EUR 16.240 – mit den bekannten großen regiona- len Unterschieden. Die reichsten Haushalte leben in Nordamerika, wo das Netto-Geld- vermögen Ende 2012 bei durchschnittlich EUR 97.330 pro Kopf lag. Auf der anderen Seite der Skala steht Osteuropa, wo das Pro- Kopf-Vermögen – trotz der beeindruckenden Entwicklung in der Vergangenheit – nur EUR 2.600 betrug. Aus dem Kreis der wohlhaben- den Regionen rangiert Westeuropa an letzter Stelle, auf dem alten Kontinent beziffert sich das Pro-Kopf-Vermögen im Durchschnitt auf EUR 44.780. Die Haushalte Lateinamerikas und Asiens (ex Japan) liegen mit EUR 3.640 und EUR 3.650 pro Kopf beinahe gleichauf.

Trotz der hohen Schuldendynamik erzielten die aufstrebenden Länder in Asien,

Osteuropa und Lateinamerika auch bei der Entwicklung der Netto-Geldvermögen pro Kopf seit der Jahrtausendwende zweistellige Zuwachsraten. Nordamerika und Westeu- ropa verzeichneten dagegen mit 3,0% p.a. bzw. 1,8% p.a. nur ein bescheidenes Vermö- genswachstum. Immerhin lag aber 2012 das Netto-Geldvermögen pro Kopf erstmals wieder in allen Regionen über dem früheren Höchststand des Jahres 2007.


Niedrigzinsen verändern das Sparverhalten

Die extrem niedrigen Zinsen stellen vor allem für die Sparer in den USA und der Eurozone eine Belastung dar. Der Vergleich mit der Vermögenssituation der privaten Haushalte in Japan – die noch „vertrauter“ mit Niedrigzinsen sind – ist dabei sehr auf- schlussreich.

In der Theorie ist die Reaktion auf niedrige Zinsen recht einfach: Sinken die Renditen, verlangsamt sich damit automatisch
der Vermögensaufbau, folglich müssen die Sparanstrengungen erhöht werden, um dasselbe Sparergebnis zu erzielen. Die Praxis sieht jedoch anders aus: Von erhöhten Spar- leistungen, um den scharfen Zinsrückgang zu kompensieren, kann nirgendwo die Rede sein. Während die Vermögensbildung in den USA und Japan zumindest nominal wieder die Werte der Vorkrisenjahre erreicht, gehen die Sparleistungen im Euroraum weiter kon- tinuierlich zurück. Auch wenn diese Reakti- on zum Teil auf das schwierige wirtschaftli- che Umfeld zurückzuführen ist, scheint der geringere Ertrag ihrer Sparleistungen die Sparer zudem auch in eine Art „Sparresigna- tion“ zu versetzen.

Darüber hinaus entwickeln die Sparer in Zeiten extrem niedriger Zinsen offenbar eine hohe Liquiditätspräferenz, d.h. der Großteil

der frischen Spargelder fließt in Bankeinlagen. Deren Anteil an der Geldvermögensbildung ist in den Krisenjahren markant nach 11 oben geschnellt. Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre flossen in der Eurozone mehr als die Hälfte der „frischen“ Spargelder den
Banken zu, in den USA sogar zwei Drittel. Die langfristigen Folgen der Niedrigzinsen für den Vermögensaufbau werden durch diese
Form der Sparzurückhaltung und des Attentismus noch verstärkt.


Japanische Verhältnisse?

Beim Wachstum der Geldvermögen herr- schen daher schon beinahe japanische Verhältnisse, zumindest in der längerfristi- gen Betrachtung: Das jährliche Wachstum der Brutto-Geldvermögen pro Kopf bewegte sich im Durchschnitt zwischen 0% (Japan) und 1,1% (Euroraum). Im vergleichbaren Zeitraum vor der Krise war diese Bandbrei- te hingegen viel größer: von 1,6% in Japan bis 10,3% in den USA. Bei der Entwicklung der Netto-Geldvermögen (pro Kopf) ist die Konvergenz sogar noch ausgeprägter: Keine Region überschreitet beim durchschnitt- lichen Jahreswachstum die 1%-Marke. In Abwandlung des berühmten Tolstoi’schen Ausspruchs ließe sich also sagen, dass alle unglücklichen Sparer einander gleichen. Aber nicht nur die Entwicklung der durch- schnittlichen Geldvermögen wird durch Krise und Niedrigzinsen in Mitleidenschaft gezogen. Auch die Verteilung der Vermögen verändert sich – zum Schlechteren: In den USA und im Euroraum ist die Zahl der Mit- glieder der globalen Vermögensoberklasse („high wealth“) sowohl absolut als auch re- lativ (Anteil an der jeweiligen Gesamtbevöl- kerung) zurückgegangen; in Japan herrschte Stagnation. Auf der anderen Seite leben in allen drei Regionen heute mehr Menschen, die zur globalen „low wealth“ Klasse gerech-


net werden müssen: im Euroraum und den USA jeweils etwa 30% der Bevölkerung, in 12 Japan etwa 10%. Die größeren Vermögensunterschiede in den USA und der Eurozone lassen dabei befürchten, dass die „soziale Halbwertszeit“ der Nullzinspolitik dort weitaus kürzer bemessen sein dürfte als im immer noch relativ egalitären Japan.


Zwischen Reich und Arm liegen Welten

In diesem Bericht teilen wir die untersuch- ten Länder erstmals in Quintile ein, um die globale Vermögensverteilung nach Ländern noch genauer analysieren zu können. Das erste Quintil umfasst dabei die 20% der untersuchten Länder, in denen das Netto- Geldvermögen pro Kopf am niedrigsten ist; das fünfte Quintil dementsprechend die 20% mit dem höchsten Netto-Geldvermögen pro Kopf.

Die absoluten Vermögensunterschiede zwischen den reichsten und ärmsten Ländern sind noch immer gewaltig. Während sich das durchschnittliche Netto-Geldvermögen pro Kopf im fünften Quintil auf EUR 87.200 beläuft, sind es im ersten Quintil nur EUR 1.100. Diese Vermögenskluft ist in den letzten Jahren sogar noch größer geworden, zumin- dest in absoluten Zahlen; relativ betrachtet ist die globale Ungleichheit dagegen deutlich zurückgegangen: Der „Ungleichheitsfaktor“ (Pro-Kopf-Geldvermögen des fünften Quintils als Vielfaches des im ersten Quintil) ist von 197 auf 79 gefallen. Darin spiegelt sich die unterschiedliche Wachstumsgeschwin- digkeit der Vermögen wider. Die ärmeren Länder (erstes und zweites Quintil) konnten seit Jahrtausendbeginn im Durchschnitt jährlich zweistellige Wachstumsraten erzielen.

Dadurch ist auch das Stück vom Kuchen, das sich die ärmeren Länder sichern können, deutlich größer geworden – der Löwenanteil liegt aber immer noch bei den Ländern des fünften Quintils, deren Haushalte knapp 70% des privaten Geldvermögens weltweit halten. Im Jahr 2000 lag dieser Anteil aber sogar noch fast 16 Prozentpunkte höher. Auffal- lend ist dabei, dass der Anteil der reichsten Länder am globalen Vermögen deutlich über ihrem Anteil an der globalen Wirtschafts- leistung liegt. In der Vermögensverteilung dürfte die „alte“ Weltordnung noch weit länger Bestand haben als mit Blick auf die aktuelle Wirtschaftsleistung.


Globale Vermögensmittelklasse wächst und wird asiatischer

Noch aufschlussreicher als die Analyse der Vermögensverteilung nach Ländern ist die Untersuchung der innerstaatlichen Vermögensverteilung. Denn nicht Staaten, sondern deren Bürger sind arm oder reich, steigen in der Vermögensleiter auf oder ab. Dazu definieren wir wie in den Vorjahren globale Vermögensschichten. Die globale Vermögensmittelschicht („middle wealth“), ausgehend vom weltweiten durchschnittli- chen Netto-Geldvermögen pro Kopf, umfasst dabei 2012 alle Personen mit einem Vermö- gen zwischen EUR 4.900 und EUR 29.200. Nach dieser Untergliederung lebten 2012 rund 860 Millionen Menschen mit mittlerem Netto-Geldvermögen in den von uns untersuchten Ländern. Dies sind annähernd 140 Millionen Menschen mehr als noch im Jahr davor. Der Löwenanteil dieses Zuwachses geht dabei – neben dem allgemeinen Bevölkerungswachstum – auf China zurück. Insgesamt zählen damit im Jahr 2012 18% (Vorjahr 15%) der gesamten Weltbevölkerung zur globalen Vermögensmittelklasse. Die Dynamik, mit der sich die globale Mittelschicht

entwickelt, war dabei nicht nur im letzten Jahr bemerkenswert. In den letzten zwölf Jahren haben vor allem die Schwellenländer enorm aufgeholt: Seit Jahrtausendbeginn hat sich die Bevölkerung, die im globalen Maß- stab über ein mittleres Vermögen verfügt, in Osteuropa und Lateinamerika verdoppelt, in Asien (ex Japan) sogar beinahe verzehnfacht. Das Gesicht der globalen Vermögensmittel- klasse hat sich dadurch grundlegend gewan- delt: Im Jahr 2000 kamen deren Mitglieder noch zu knapp 60% aus Nordamerika oder Westeuropa, heute dagegen kommt jeder Zweite aus Asien, Tendenz weiter steigend. Der Anteil Nordamerikas und Westeuropas ist im Gegensatz auf unter 30% gefallen.

„Absteiger“ in den reicheren Ländern

Aber das rapide Wachstum der Mittelschicht ist nicht für alle eine Erfolgsgeschichte, denn es gibt dabei nicht nur Aufsteiger. Gerade
in den reicheren Ländern, in denen die Verschuldung in den letzten Jahren enorm angestiegen ist und deren Geldvermögen in der Krise gelitten hat, gibt es heute weniger Menschen mit hohem Vermögen („high wealth“) als noch zu Beginn des Jahrtau- sends. Insgesamt ist diese „Vermögensober- klasse“ in den letzten Jahren in Westeuropa um knapp 20 Millionen, in Nordamerika um gut 13 Millionen Menschen geschrumpft. Die Entwicklung in der Vermögensklasse „low wealth“ verlief spiegelbildlich: In vielen Entwicklungsländern in Asien, Lateiname- rika und Osteuropa ist diese Klasse – entge- gen dem allgemeinen Bevölkerungstrend

– deutlich kleiner geworden; der Rückgang fiel dabei in China mit über 300 Millionen Menschen mit Abstand am kräftigsten aus. In Westeuropa und Nordamerika ist dagegen die Zahl der Personen, deren Netto-Geldver- mögen unter EUR 4.900 liegt, um 67 Millio- nen Menschen überproportional gestiegen.

Insgesamt umfasst damit die „low wealth“ Klasse heute 3.550 Millionen Menschen; Ihr Bevölkerungsanteil ist in den 13 letzten zwölf Jahren um acht Prozentpunkte auf 73% gefallen.