Jurassic Coast / Dinosaurier in England

Die Jurassic Coast zeichnet sich besonders durch ihre Felsformationen aus, in deren verschiedenen Gesteinsschichten man bis zu 190 Millionen Jahren Erdgeschichte nachvollziehen kann. Da die Felsen der gewaltigen Kraft des Wassers nicht standhalten können, dringt stetig Wasser in das Gestein ein, welches schließlich Teile der Klippen wegsprengt. Daher ist die Küstenlinie einem fortwährenden Wandel unterworfen.

Auf den Spuren der Dinosaurier

Vom Westen, wo die ältesten Gesteinsmassen vorzufinden sind, zum Osten der Juraküste hin, neigen sich die felsigen Klippen. In den einzelnen abgesprengten Felsbrocken kann man Schätze finden, für die die Juraküste ebenfalls weltberühmt ist: Fossilien. In den Millionen Jahre alten Felsen stößt man auf Ammoniten, aber auch auf Spuren größerer prähistorischer Zeitgenossen wie die der Dinosaurier. Doch das Weltnaturerbe Jurassic Coast ist nicht nur für Freunde fossiler Reliquien ein begehrter Ort. Auch unter Wasser kann man exotische Lebewesen beobachten, wie zum Beispiel Weichkorallen, die auf Grund der gemäßigten Wassertemperatur hier existieren können.Bewegt man sich von der Küste ein Stück landeinwärts, dominieren Moor- und Wiesenlandschaften, die man über diverse Wanderrouten erkunden kann. Die Einzigartigkeit der Juraküste ist jedoch darin begründet, dass solch ein kleines Stück Erde einen so unglaublich großen Einblick in die Geschichte derselben geben kann. Der Mensch erhält hier die einmalige Möglichkeit, zum Zeitreisenden zu werden.



Die Rote Küste

Aus geologischer Sicht ist die Rote Küste der älteste Teil der Jurassic Coast und liegt im Osten der Grafschaft Devon. Die Felsen sind 200 bis 250 Millionen Jahre alt und ihre rötliche Färbung ist ein Resultat des damaligen Klimas, das sehr trocken und heiß war. Das Gestein enthält Eisen, das mit anderen Mineralien reagiert und schließlich oxidiert. Auf Grund des geringen Anteils an organischen Materialien und dem niedrigen Wasserstand, bildet das Eisen rote Oxide, die die Gesteinsmassen rötlich färben. Obwohl sich das Klima über Millionen von Jahren stark geändert hat, findet man auf den Klippen keine Spuren von organischem Material, wie zum Beispiel Bäume. Die weiter unten in Wassernähe liegenden Gesteinsschichten, in denen mehr organische Masse zu finden ist, sind gräulich gefärbt, da das Wasser die roten Oxide aus den Felsen spült. Die Klimaverhältnisse, die bei der Entstehung der roten Küste maßgeblich beteiligt waren, findet man heute noch vergleichbar in Afrika in Teilen Namibias.



Auf Fossiliensuche bei Charmouth

Die Ortschaft Charmouth, die direkt an der Küste Devons liegt, ist zum einen wegen ihrer stufig geformten Steilhänge und zum anderen wegen ihres Fossilienreichtums ein attraktives Ziel für Wissenschaftler und Touristen. In den Felsformationen kann man auf Grund ihrer stufenförmigen Struktur besonders gut die verschiedenen Entwicklungsstadien der Erde ablesen. Die einzelnen Felsschichten haben sich während Jura, Trias und Kreidezeit entwickelt und liefern einen Überblick über ca. 190 Millionen Jahre Erdgeschichte. Allerdings sind Klettertouren durch die Klippen in Charmouth nicht ungefährlich, da das Gestein sehr br��chig ist.


Die untere ältere Schicht des Felsen besteht aus Ton, während die darüber liegende Sandstein enthält, der weit jünger und porös ist. Das Regenwasser dringt in den Sandstein ein, findet jedoch keinen Fließweg durch den Ton. Wenn der Druck des Wassers auf den Ton zu groß wird, brechen Stücke der Tonschicht heraus. Abrutschende Stein- und Schlammmassen haben in den letzten Jahren so viele Unfälle verursacht, dass der National Trust einen Verhaltenskodex entworfen hat, der richtiges Verhalten beim Klettern erklärt. In den Schlamm- und Steinmassen, die zum Strand gelangt sind, kann man nach Fossilien suchen. Die Klippen und der Strand bei Charmouth sind weltberühmte Plätze für Fossilienfunde, und die Aussicht auf einen interessanten Fund ist nach stürmischem Wetter am größten, da hohe Wellen den Strand gesäubert haben. Plötzlich liegen riesige Ammoniten, versteinerte Fische oder Saurierknochen am Strand, die nun nach Millionen Jahren aus dem Fels befreit worden sind. Das Sammeln von Fossilien ist auch Privatpersonen erlaubt, aber ein Regelwerk erklärt, was mit den außergewöhnlichen Fundstücken geschieht. Diese werden registriert und zu Studienzwecken weitergegeben, während man die gewöhnlichen Funde mit nach Hause nehmen kann.



Der Beerstone und seine Verarbeitung in Exeter

Das Fischerdorf Beer ist ein alter beschaulicher Ort, der seit Jahrhunderten ein Zentrum der regionalen Fischerei ist. Noch heute leben einige Familien ausschließlich von dem Verkauf der Fischwaren. Besonders beliebt sind die frisch gefangenen Krabben, die oftmals schon direkt am Strand verkauft werden. Seitdem die Jurassic Coast jedoch zum Weltnaturerbe erklärt wurde, finden immer mehr Touristen den Weg nach Beer, wodurch sich auch für die Anwohner neue Berufsfelder erschlossen haben. Doch bevor die Tourismuswelle nach Beer schwappte, war dies ein armer Ort. Es gab nur den Fischfang und die am Ortsrand gelegenen Steinbrüche, wo der beliebte Beerstone abgebaut wurde.


Beim Beerstone handelt es sich um eine spezielle Gesteinschicht, die in mitten der mächtigen Kalksteinklippen eingeschlossen ist. Schon zur Römerzeit war man sich der guten Qualität des Steins bewusst, konnte ihn aber nur unter größten Anstrengungen abbauen. Um an die verborgene Gesteinsschicht zu gelangen, wurden von der Landseite ausgehend lange Gänge in den Fels geschlagen, wodurch im Laufe der Jahrhunderte ein weitverzweigtes Höhlensystem aus Hallen und Verbindungsgängen entstanden ist, das mehr als 50 Fußballfelder misst. Wenn man die Werkzeuge betrachtet, mit denen einst die Klippen ausgehöhlt worden sind, wird offensichtlich, dass es sich dabei um eine sehr gefährliche Arbeit gehandelt haben muss, bei der tatsächlich viele Arbeiter tödlich verunglückten. Der Beerstone war so beliebt, da es sich um einen sehr harten Stein handelt, der nicht bricht und sich daher ausgezeichnet zur Herstellung von Skulpturen eignete. Eine weitere Blütezeit erlebte der Steinbruch zur Zeit des Baus der großen Kathedralen. So ist zum Beispiel die Kathedrale von Exeter, die zu den berühmtesten gotischen Bauwerken Englands zählt, zu großen Teilen aus Beerstone gefertigt worden. Wenn man die 91 Meter lange Kirche besucht und zuvor die Steinbrüche von Beer gesehen hat, ahnt man, warum der Bau mehr als hundert Jahre gedauert hat.

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