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Die "Verschwörungstheorie"- ein moderner Mythos?

Der Begriff „Mythos“ (altgriechisch für „Wort, Rede, Erzählung, Geschichte“..etc.) wird in der Gegenwart nicht selten mit der Bedeutung von Phantasie, Einbildung oder gar (harmloser) Lüge konnotiert.

Der ursprüngliche Mythos war als Ausdruck genuiner Welterfahrung Nährboden und Triebfeder einer jeden Kultur. Er beanspruchte daher unbedingte Wahrheit, prägte neben Denken und Sprache auch religiöse Vorstellungen und Riten, erklärte die Welt und wies dem Menschen seinen Platz im Kosmos zu.

Erst in einer späten Phase der Kultur, wenn ihr eigentlicher Zenit bereits überschritten war und sie in einer Hinwendung zu Vernunft und Skepsis damit begann, ihre eigenen Voraussetzungen zu hinterfragen, wurde mit der „Götterdämmerung“ und dem Zertrümmern alter Werte jenes eingeleitet, was wir heute „Zivilisation“ nennen.

Diese Wende wurde in der Antike durch das Auftreten Sokrates (469 v. Chr.), im alten Indien durch Buddha (563 v.Chr.) und in China durch Konfuzius (551 v. Chr.) verkörpert, deren Erscheinen in der Geschichte eine bemerkenswerte „Gleichzeitigkeit“ aufweist.

Es ist jedoch keineswegs so, dass diese Abwendung vom Mythos, die sich zunächst nur in den Städten und in den Köpfen einiger weniger vollzog, während er im gemeinen Volk – vorzugsweise auf dem Land – noch lange erhalten blieb, zu einer Unabhängigkeit und Emanzipation des Denkens führte, die sich völlig losgelöst vom Ursprung vollzog. Ein Beispiel dafür ist die „Dogmatik“ in den Wissenschaften. Die Griechen hätten in ihrer dem Mythos entlehnten, statischen und körperhaften Natursicht, niemals die Zahl „Null“ als solche akzeptiert, so wenig wie irrationale Zahlen oder Infinitesimalrechnung. Auch in Medizin, Ökonomie und Physik lassen sich Einflüsse ursprünglicher Mythen nicht verleugnen.

Was ist dem Mythos nun aber mit der „modernen Verschwörungstheorie“ gemein?

Der Mensch sucht nach wie vor nach Erklärungen seines Daseins und dessen Bedingungen. Wie dem Mythos des Sündenfalls und der Vertreibung aus dem Paradies wohl das Gefühl vorausging, dass mit dem Menschen etwas nicht stimmt, so geht jeder sogenannten „Verschwörungstheorie“ ein Unbehagen in der jeweiligen Kultur voran, das aktuelle Mißstände mit der Existenz im Verborgenen wirkender „mythischer“ Mächte zu erklären trachtet. In den seltensten Fällen werden Mißstände und gefühltes Unrecht einfach ohne weitere Erklärung hingenommen. Bei spektakulären Morden von Politikern und anderen einflussreichen Personen kommt dann nicht selten noch das Moment der Spannung und des kriminalistischen Spürsinns hinzu, der auch das Krimi-Genre so erfolgreich macht. Der Unterschied indes ist: Krimis werden erfunden und von meist einem Autoren geschrieben - sogenannte Verschwörungstheorien aber entstehen wie ein Mythos und drängen sich aufgrund vieler Indizien geradezu auf. Ich gehe jedoch davon aus, dass auch gewisse Verschwörungstheorien von Einzelpersonen erfunden und in die Welt gesetzt werden. Möglicherweise sogar von „Think-Tanks“. Dabei handelt es sich jedoch bevorzugt um jene eher hanebüchener Natur, wie z.Bsp. die Behauptung, dass Michele Obama eigentlich ein Mann sei oder einige Mitglieder der amerikanischen Regierung außerirdischer Herkunft wären. Dies trägt dazu bei, andere "Verschwörungstheorien" mit eventuellem Wahrheitsgehalt und die „Truther-Szene“ im allgemeinen der Lächerlichkeit preiszugeben und ad absurdum zu führen, um kritische Geister zu distanzieren und eine breitere Identifikation zu vermeiden. Das ist aber selbstverständlich nur eine Verschwörungstheorie meinerseits.

Die Verlogenheit der Mainstream-Medien, das Leaking und die Tatsache, dass sich viele vermeintlicher „Verschwörungstheorien“ zwischenzeitlich als wahr und erwiesen herausgestellt haben, sowie eine Unmenge verifizierter „False-Flag-Operationen“ und Publikationen amerikanischer Militärstrategen wie Thomas Barnett, führten letzten Endes dazu, dass gerade kritische Geister und keineswegs kranke und sozial isolierte, wie es eine Studie der Uni Münster weismachen wollte, zwischenzeitlich alles und jedes hinterfragen, bevor sie sich eine endgültige Meinung bilden, was wiederum von weniger kritischen Geistern in arrogant abfälliger Weise „verschwörungstheoretisch“ belächelt wird.

Eine „Verschwörungstheorie“ ist deshalb einem Mythos vergleichbar, weil sie entsteht, "geboren" wird, ja sich bisweilen geradezu aufdrängt und Phänomene zeitgenössischer Geschichte außerhalb der offiziellen Darstellung zu erklären trachtet. Sie wird zunächst nicht schriftlich fixiert und entsteht aus dem Volksbewusstsein heraus. Ich selbst habe mich lange gegen manche "Verschwörungstheorien" gewehrt, weil ich der Welt nicht ganz so viel Niedertracht zutrauen wollte und nach Gründen ihrer Ablehnung suchte. Diese Gründe musste man jedoch nicht selten geradezu wie einen "deus ex machina" herbeizaubern oder -wünschen, während jene, welche die "Verschwörungstheorie" bekräftigten, sich geradezu aufdrängten. Das beweist selbstverständlich noch nicht ihre Wahrheit, spricht jedoch in vielen Fällen für sich.

Sie bleibt so lange Theorie, bis sie sich als richtig oder falsch herausgestellt hat und wer dies als „falsch“, „widerlegt“ oder gar „krank“ bezeichnet, ist selbst den „Verschwörungstheoretikern“ zuzurechnen. Jemanden zu denunzieren und der Lächerlichkeit preiszugeben, ohne selbst Fakten und Beweise auf den Tisch zu legen, macht dasselbe, was er seinem Gegner vorwirft – und meist sind seine Indizien schwächer. Wenn ich als Gegenargument zum tragischen Tod Uwe Barschels höre, „dass Untersuchungsergebnisse längst einen Selbstmord beweisen“, dann kann ich nur müde darüber lächeln, obwohl es nicht zum Lächeln ist. Was sind das für Argumente? Und bessere haben die meist keine! Das wäre in etwa so, wie wenn ich auf die Frage meines Beitrags "Wohin geht unser gemeinsam erarbeitetes Volksvermögen"  http://homment.com/LFw8v8QcJ8 in einer Talkshow die Antwort bekäme: " Es gilt längst als erwiesen, dass das Leben teurer wurde, Sie Verschwörungstheorethiker!"

Fazit: Eine Verschwörungstheorie ist ein Volksmythos, der uns die Welt bisweilen besser erklärt als der Mainstream: Denn an jedem Mythos ist letzten Ende was Wahres dran!