PecuniaOlet

Die Rückkehr des Turbokapitalismus

Zunächst einmal: Es gab auch verantwortungsvolle "Kapitalisten" (wo der Begriff eigentlich nicht zutrifft), die nach dem Grundsatz "Eigentum verpflichtet" sich sowohl fair und respektvoll gegenüber ihren Mitarbeitern verhielten als auch als Mäzene der Gesellschaft bedeutende Dienste erwiesen. Das ist heute jedoch zunehmend weder möglich noch Sitte und "Stil", was meiner Meinung nach in erster Linie am Primat der Hochfinanz liegt.

Der Kapitalismus beruht auf dem Unrecht (oder dem "Recht des Stärkeren") eines vorangegangenen Landraubes, durch den Entzug weiter Bevölkerungskreise von der Möglichkeit zur ausreichenden Selbstversorgung bzw. Subsistenzwirtschaft mit geringen Überschüssen. Daran trugen die ersten Kapitalisten selbstverständlich weitgehend nicht die Schuld, konnten sich diesen Umstand allerdings entsprechend zunutze machen.

Der Kapitalismus im klassischen Sinne (nicht die "freie Marktwirtschaft") benötigte einen Überschuss durch Landflucht "freigesetzten" Menschenmaterials an Arbeitskräften. Der Begriff "Menschenmaterial" ist hier nicht zynisch gemeint, sondern trifft durchaus das von vielen Kapitalisten subjektiv wahrgenommene Menschenbild, die sich auch nicht scheuten, Kinder zu Gunsten ihres Profits zu Tode arbeiten zu lassen.

Wären zu Beginn der Industriealisierung nicht in die Städte drängende Lohnsklaven im Überfluss vorhanden gewesen, hätte sich auch kein Kapitalismus entwickeln können, ein Umstand, der nur wenige Zeit vorher noch zu einem blühenden Sklavenhandel in den Kolonien geführt hatte. Denn ein Mangel an Arbeitern treibt bekanntlich die Löhne nach oben, vermindert den Profit und stärkt die Macht und den Wohlstand der Lohnsklaven, bis sie keine mehr sind, sondern ein gesünderes und ausgewogeneres Verhältnis an Macht zu harmonischeren gesellschaftlichen Zuständen geführt hätte. Ein Anwachsen der Weltbevölkerung kann den Kapitalisten also nur von Vorteil sein, weshalb sie mangels des Bevölkerungswachstums in den eigenen Ländern gerne Bürgern bevölkerungsreicher Staaten das Leben durch Kriege und Terror versauen, um sie in die "freien" und unter ihrer Lizenz stehenden Demokratien zu locken bzw. zu treiben, was gleichzeitig natürlich auch Synergien durch die Gewinne der Rüstungsindustrie, die Realisierung geopolitischer Ziele und die Stärkung der eigenen Währung bewirkt.

Noch bis in die Neunziger Jahre gab es regelmäßig Statements und Studien von Experten, wonach sich bis in unsere heutige Zeit aufgrund der zu erwartenden Produktivitätssteigerung (die auch eintraf) die durchschnittliche Wochenarbeitszeit eines Arbeiters oder Angestellten auf etwa  15-20 Stunden verringern würde. In Wirklichkeit wird nun aber die Rente mit 85 diskutiert, Menschen sollen wieder zunehmend die Arbeit von Maschinen übernehmen, Frauen müssen zum Familieneinkommen vermehrt ihren Beitrag leisten, und die Zeitarbeit erfuhr ( besonders in Deutschland) eine ungeahnte Blüte. Die Zahl der US-Dollar Milliardäre stieg derweil von 140 im Jahre 1987 auf 1826 im Jahr 2015 http://de.statista.com/statistik/daten/studie/2200..., deren ungeheure Vermögen nichts als die Schulden der anderen sind, während alleine 12 Millionen Menschen im "reichen" Deutschland als arm gelten.

Das heißt: Irgend etwas stimmt nicht mit dem hochgelobten Kapitalismus, in dem die Gier aller und der Konkurrenzkampf von jedem gegen jeden Wohlstand für alle schaffen soll.

Was in den nächsten Jahren ansteht, wird diese Kluft noch verstärken. Die schon von Oswald Spengler im "Untergang des Abendlandes" prognostizierte Pflicht zur Arbeit bei drohender und vollzogener Enteignung haben wir in Deutschland ja gewissermaßen durch die Agenda 2010 bereits realisiert. Für "Menschenmaterial" wird gerade gesorgt. Der im Grunde "kapitalismusfeindliche" (im Wege stehende) Mittelstand wird durch TTIP und letzten Endes auch durch eine Überlastung der Sozialsysteme zusehends ausgeblutet. 

Dabei liegt alle Macht im Volk. Der Kapitalismus verfügt über Atomwaffen. Wir (hoffentlich noch) über Herz!