PecuniaOlet

Unendliche Geschichten

Als ich heute Morgen den Sonnenaufgang sah, musste ich an die Azteken denken.

Ihre ganze Macht beruhte im Grunde darauf, dass ihre Priester dafür zuständig waren, den täglichen Lauf der Sonne zu sichern. Dafür wurden immer wieder Menschenopfer gefordert, auch Kinder und Sklaven benachbarter Völker, denen man lebendigen Leibes durch einen Schnitt im Bauchraum das noch pochende Herz heraus riss.

Die Azteken ("Mexica") erfreuten sich aufgrund ihrer Aggressivität bei den benachbarten und tributpflichtigen Völkern nicht gerade höchster Beliebtheit, eine Tatsache, die den Spaniern ihre Eroberungen erleichterte, und den ohnehin bevorstehenden Untergang dieser mesoamerikanischen Zivilisation beschleunigte.

Hätte die damalige Bevölkerung gewusst, dass die Sonne auch ohne Zutun ihrer "Eliten" und Opfern der Bevölkerung täglich wieder aufgegangen wäre, wäre den Herrschenden die Grundlage ihrer Macht entzogen gewesen.

Wir mögen das heute nicht verstehen, im Grunde verhalten wir uns aber genauso. Auch wir lassen uns Geschichten erzählen, dass die Welt zusammenbricht, wenn beispielsweise Banken und Euro nicht gerettet werden, oder dass "die Russen kommen". Auch wir lassen uns zu Opfern nötigen oder ziehen für einen perversen Aberglauben der Herrschenden in den Krieg.

Die Macht der Herrschenden beruht auf dem Erzählen von Geschichten. Das war schon immer so. Wurden sie von der Masse nicht mehr geglaubt, war es stets vorbei mit der Macht. Da half dann auch kein Teeren und Federn, kein Rädern und Strecken mehr.

Auch die USA werden auf ihre "Spanier" treffen.