Reisebericht

Ostseeküste: Rügen - Stralsund - Zingst

Ostsee-Wochenende im April 2003

Ausgelöst durch einen Hotelgutschein (www.freedreams.de), haben wir einen Kurzurlaub auf Rügen geplant. Das ausgewählte ***Hotel "Am Rugard" in der Hauptstadt Bergen auf Rügen (www.rugard.de) ist hierfür bestens geeignet. Gelegen am 2001 aufwendig restaurierten Ernst-Moritz-Arndt-Turm (schöner Rundblick auf Rügen), direkt am Waldrand, bietet das Hotel eine zentrale Lage in ruhiger Natur. Der ideale Ausgangspunkt, um Rügen zu entdecken.
Rügen ist fast 1.000 Quadratkilometer groß und hat eine Küstenlinie von bald 600 Kilometern.

Unser erstes Ziel führt zur Hauptattraktion der Insel, dem im Nationalpark Jasmund gelegenen Königsstuhl, besser bekannt unter Kreidefelsen. Obwohl sich die 2 km lange Wanderung vom Parkplatz Hagen zum Königsstuhl, vorbei an Mooren, durch Fichten- und Buchenwälder sowie den Erlensumpf, sehr viel versprechend anhört, entschließen wir uns angesichts des unbeständigen Wetters dazu, den Pendelbus zum Königsstuhl zu nehmen. Der Königsstuhl ist eine natürliche Plattform auf einem 118 m hohen Kreidefelsen. Der Sage nach war dieser Felsen bei der Königswahl entscheidend: Wem es gelang, von der Seeseite den Felsen zu erklimmen, wurde auf einem Stuhl aus Stein zum König gekrönt. Von hier aus lässt sich ein weiter Blick auf die Kreidefelsen und das Meer genießen. Kilometerhohe Gletscher haben in der Eiszeit die riesigen Kreideblöcke aus ihrem Untergrund gerissen und quergestellt.

Über 412 Holzstufen kann man vom Köngisstuhl zum steinigen Küstenstreifen von Rügens Kreideküste heruntersteigen (sehr empfehlenswert!). Von hier aus sehen die Felsen noch gewaltiger aus. Durch Wind und Wetter verändern sich die Felsen ständig, wovon auch die vielen auf dem Boden liegenden Kreidebrocken zeugen. Wer nach so vielen Stufen noch Energie hat, sollte es nicht versäumen, weitere Stufen zur Viktoriaaussicht zu erklimmen. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf die Felsen, u.a. auf den Königsstuhl. Wir finden diesen Blick wesentlich spektakulärer, als von der Königsstuhl-Plattform, zudem wird hierfür kein Eintritt verlangt.

Als nächstes steuern wir das hoch oben im Norden liegende, sturmumbrauste Kap Arkona an. Vom Parkplatz aus kann man mit einer kleinen Bahn zum Kap fahren, wozu wir uns angesichts des nun eingetroffenen Regens auch entschließen. Zunächst gehen wir an den zwei historischen Leuchttürmen vorbei, der kleine, quadratische (und wesentlich schönere) wurde 1826/27 errichtet. Wieder heißt es Treppen hinuntersteigen, um an den Strand zu gelangen. Hier finden wir Überreste der einst gewaltigen slawischen Jaromarsburg (1168 zerstört), von der das Meer mittlerweile den größten Teil verschlungen hat. Es mag am Wetter liegen, dass wir den besonderen Reiz des Kaps nicht finden können. Da uns auch keine weiteren Sehenswürdigkeiten locken, entschließen wir uns, zum Hotel zurückzufahren und die Hotelsauna zu benutzen.

Am nächsten Tag ist das Wetter besser. Heute möchten wir die kleinen Seebäder im Südosten der Insel besichtigen. Unser Ausgangsort ist Binz, das mit ca. 6.100 Einwohnern größte und mondänste Seebad auf Rügen.
Die meisten der Hotels und Pensionen sind inzwischen liebevoll restauriert, so dass man viele nostalgische, im Stil der Bäderarchitektur hölzern verzierte Villen entdeckt, die sich u.a. an der 4 km langen Strandpromenade aufreihen. Wahrzeichen der Stadt ist das im Jugendstil elegant erbaute Kurhaus. Die wieder errichtete Seebrücke ist mit 370m die längste auf Rügen. Wir sind von dem Städtchen ganz begeistert und planen schon unseren nächsten Aufenthalt - diesmal mit Hotel in Binz.

Ein ca. 6 km langer Wanderweg führt am oberen Steilufer entlang durch die Granitz nach Sellin, was absolut lohnenswert ist. Der Weg führt durch Buchenwälder und gibt immer wieder den Blick aufs Meer frei. Ein weißer Teppich aus Buschwindröschen, für Rügens Wälder zu dieser Jahreszeit charakteristisch, bedeckt den Waldboden. Ansonsten lässt die Natur, verglichen mit Berlin, noch auf sich warten. Fehlendes Grün in den Wäldern lässt ein wenig Herbststimmung aufkommen.

Der kleinere Badeort Sellin liegt am nördlichen Ende der Deutschen Alleenstraße, idyllisch eingebettet in der Granitz, einem großen Waldgebiet. Auch hier prägen Villen im Stil der Bäderarchitektur das hübsche Ostseebad. Wahrzeichen ist die Seebrücke, auf der wir uns in dem schönen Restaurant-Cafe bei Kaffee und Kuchen nach der Wanderung erst einmal stärken. Sellin hat einen 2,6 km langen, feinen Sandstrand mit Steilküste,an dem wir noch etwas entlang laufen, bevor wir unseren Rückweg nach Binz antreten. Da wir die Strecke nicht zurück laufen möchten, kundschaften wir die Alternativen aus. Auf den Bus müssten wir (am heutigen Sonntag) knapp eine Stunde warten, mit der Fähre sieht es noch schlechter aus, also lassen wir uns ein Taxi rufen. Auf der Fahrt haben wir einen schönen Blick auf das Jagdschloss Granitz, das mitten im Wald liegt.

Zurück in Binz fahren wir mit dem Auto weiter nach Prora und erleben eine absolute Überraschung. Die viereinhalb kilometerlange, sechs Stockwerke hohe Häuserwand, die die Ostseeküste entlang von Binz bis fast nach Mukran reicht ist einfach unglaublich. Diese monströse Häuserschlange sollte einst 20.000 "Kraft-durch-Freude"-Urlauber zur Erholung dienen. Die Urlaubszimmer waren praktisch geplant: zweieinhalb mal fünf Meter groß, zwei (Krankenhaus-)Betten, Tisch und Sofa, im Vorraum Waschbecken und Einbauschrank. Für Familien oder Gruppen konnten Zimmer zusammengelegt werden. Alle Fenster sind aufs Meer gerichtet.

Doch dass 1935 unter Hitler begonnene Großprojekt war noch ein Rohbau, als der Zweite Weltkrieg begann und wurde nie fertiggestellt. Nach dem Krieg wurde der Rohbaukomplex teilweise als Steinbruch missbraucht und später wurde ein Teil von der DDR als Militärstandort ausgebaut. Heute haben sich einige Museen und Galerien hier niedergelassen. Die Zukunft des "Koloss von Prora" ist noch ungewiss, da die Kosten für die Unterhaltung immens sind.

Sehenswert ist der als Ruine ausgeschilderte, halb verfallene Überrest einer Häuserreihe. Diese könnte der Steinbruch gewesen sein. Es stehen noch einige Mauerreste, den Zwischenwänden wurden die Steine entnommen, so dass man in den blauen Himmel gucken kann. Teilweise sind ganze Dächer hinabgestürzt und liegen, grün bewachsen, auf dem Boden.

Einen ersten, positiven Eindruck von Rügen konnten wir in den zwei Tagen gewinnen. Heute geht es, mit einigen eingeplanten Zwischenstopps, zurück nach Berlin.

Vom Rügendamm aus genießen wir bereits einen schönen Blick auf Stralsund. Das historische Zentrum wurde nach der Wende aufwändig saniert und kontrastiert mit grauen, dem Verfall preisgegebenen Häusern, für die die Fördermittel nicht gereicht haben. Am Alten Markt findet man schöne Beispiele hanseatischer Backsteinbauten. Dominiert wird der Platz von der Schaufassade des Rathauses sowie der Nikolaikirche. Zahlreiche Kunstschätze, u.a. eine astronomische Uhr und der Bergenfahrer-Altar, beherbergt die im Innenraum ungewöhnlich farbenfroh gestaltete Kirche (absolut sehenswert!). Der Aufstieg auf den Marienkirchturm (345 Stufen) ist mühsam aber sehr lohnenswert. Von hier oben hat man einen wunderbaren Blick über Stralsund.

Einen weiteren Abstecher machen wir nach Zingst. Die Inseln Fischland, Darß und Zingst sind zu einer Halbinselkette zusammengewachsen, im allgemeinen Sprachgebrauch nur als "der Darß" bezeichnet. Hier gibt es keine mondäne Bädertradition, denn dafür ist es hier zu einsam und abgelegen. Nur eine einzige Straße führt über die fast 55 km lange Halbinsel, die eine Boddenkette vom Festland trennt. Auf einem Holzsteg genießen wir erst einmal frischen Fisch mit Blick auf den Bodden. Das kleine Städtchen ist mit vielen reedgedeckten Häusern sehr einladend. Ein schönes Urlaubsziel für ausgiebige Strandspaziergänge und Fahrradtouren. Der Strand (feinster Sandstrand) ist einige Kilometer lang und lädt uns zu einem kleinen Gang ein.


Resümierend können wir sagen, dass wir nun (bislang Nordsee-verwöhnt) auch Gefallen an der Ostsee gefunden haben und sicherlich künftig häufiger hierher kommen werden.

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