Der frühe "Bud Spencer" - Russe und mein Seelenverwnadter

"Bakunin lehnt den Staat und allgemein alle Formen institutionalisierter und zentralisierter Autorität ab, weil diese dem Leben der Individuen fremde bzw.äusserliche Gesetze und Befehle auferlegen.Diesen künstlichen Gesetzen, die die Freiheit des Einzelnen absichtlich einschränken, stellt Bakunin in Anlehnung an Baruch Spinoza die Naturgesetzegegenüber, denen sich alle Individuen beugen müssen und die somit auch keine Einschränkung der Freiheit des Einzelnen bedeuten. Gleichzeitig unterscheidet Bakunin zwischen der künstlichen Autorität auf der einen Seite, wie z. B. beim Staat und bei anderen Herrschaftssystemen, und einernatürlichen Autorität auf der anderen Seite, die die Unterwerfung des Individuums unter die Naturgesetze beschreibt, gegen die Bakunin nichts einzuwenden hat. Die künstliche Autorität entsteht in gesellschaftlichen Prozessen durch Macht, besondere Fähigkeiten, Wissensvorsprung und religiöse Vorgaben und wird Individuen „mit dem Recht der Kraft, willkürlich; sei es heuchlerisch, im Namen irgendeiner Religion oder metaphysischen Doktrin; sei es endlich kraft jener Fiktion, jener demokratischen Lüge, die man das allgemeine Stimmrecht heißt“ aufgezwungen. „Man folgt den Gesetzen bzw. Befehlen dieser Autorität nicht, weil sie vernünftig sind oder aus einer inneren Notwendigkeit, sondern nur, weil man dazu durch äussere Gewalt, egal ob göttlicher oder menschlicher Natur, gezwungen wird.“ „In jedem Fall ist es jedoch eine Anmaßung, weil niemand das Leben eines anderen zu dessen Nutzen regeln kann und auch niemand eine solche Führung braucht. Doch Bakunin lehnt nicht jede Form künstlicher Autoritätab, sondern akzeptiert die Autorität des Wissenden, die sogenannte epistemologische Autorität, wenn diese auf Wechselseitigkeit und Freiwilligkeit basiert Bakunin beschreibt das in Gott und der Staat ausführlich:

„Folgt hieraus, daß ich jede Autorität verwerfe? Dieser Gedanke liegt mir fern. Wenn es sich um Stiefel handelt, wende ich mich an die Autorität des Schusters; handelt es sich um ein Haus, einen Kanal oder eine Eisenbahn, so befrage ich die Autorität des Architekten oder des Ingenieurs. […] Aber ich erkenne keine unfehlbare Autorität an, selbst nicht in ganz speziellen Fragen; folglich, welche Achtung ich auch immer für die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit einer Person habe, setze ich in niemanden unbedingten Glauben. Ein solcher Glaube wäre verhängnisvoll für meine Vernunft, meine Freiheit und den Erfolg meines Unternehmens, er würde mich sofort in einen dummen Sklaven und ein Werkzeug des Willens und der Interessen anderer verwandeln. Wenn ich mich vor der Autorität von Spezialisten beuge und bereit bin, ihren Angaben und selbst ihrer Leitung in gewissem Grade und, solange es mir notwendig erscheint, zu folgen, tue ich das, weil diese Autorität mir von niemand aufgezwungen ist, nicht von den Menschen und nicht von Gott. […] Ich neige mich vor der Autorität von Spezialisten, weil sie mir von meiner eigenen Vernunft auferlegt wird. Ich bin mir bewußt, daß ich nur einen sehr kleinen Teil der menschlichen Wissenschaft in allen Einzelheiten und positiven Entwicklungen umfassen kann. Die größte Intelligenz genügt nicht, alles zu umfassen. Daraus folgt für die Wissenschaft wie für die Industrie die Notwendigkeit der Arbeitsteilung und Vereinigung. Ich empfange und ich gebe, so ist das menschliche Leben. Jeder ist abwechselnd leitende Autorität oder Geleiteter. Es gibt also keine stetige und feststehende Autorität, sondern einen beständigen Wechsel von gegenseitiger Autorität und Unterordnung, die vorübergehend und vor allem freiwillig ist.“

– Michail Bakunin: Gott und der Staat."

https://de.wikipedia.org/wiki/Michail_Alexandrowitsch_Bakunin#Freiheit_und_Autorit.C3.A4t