Proteste gegen Gaza-Krieg: Kein Fußbreit für Antisemitismus und Islamophobie



In die aktuelle Debatte um antisemitisch geprägte Proteste gegen den Gaza-Krieg mischen sich zunehmend islamophobe Töne. Die Piratenpartei nimmt dies zum Anlass, deutlich zu machen, dass der Protest gegen einen erneuten Antisemitismus in Deutschland kein Freifahrtschein für islamophobe Hetze sein darf.

So Ali Utlu, Attaché der türkischen Piratenpartei in Deutschland und selbst in einer muslimisch geprägten Familie aufgewachsen:

»Aktuell mache ich mir große Sorgen. Es werden nicht nur wieder antisemitische Parolen auf Demos geduldet, sondern in der Kritik an den antisemitischen Protesten wird zunehmend auch wieder islamophobe Hetze hoffähig gemacht. Muslimische Mitbürger werden immer öfter offen oder versteckt angegriffen – in Worten und leider auch in Taten. Die Angriffe treffen Menschen unabhängig von ihrer Herkunft und reduzieren sie pauschal auf ihre Religion.

Der Islam und die Kulturen, in denen er vorwiegend praktiziert wird, sind so divers wie es auch das Christentum ist. Insbesondere dürfen Angehörige einer Religionsgemeinschaft nicht für Aktionen und Äußerungen einiger Radikaler in Sippenhaft genommen werden. Wir dürfen einer als Islamkritik getarnten Islamophobie keinen Raum geben. Wir dürfen aber auch nicht den Islam als Religion selbst zu einem Fremdkörper oder einem Integrationshindernis abstempeln. Das ist ein Schlag ins Gesicht jedes Muslims - nicht nur in Deutschland.

Wir Piraten positionieren uns klar gegen jede Form von Islamophobie. Wir stehen für eine bunte Gesellschaft, in der sich jeder frei entfalten und seine Religion frei im Rahmen unseres Grundgesetzes ausüben kann. Niemand darf aufgrund seines Glaubens vorverurteilt werden. Wir wollen ein besseres Miteinander, das von Respekt geprägt ist und zu dem der Austausch in unserer kulturellen Vielfalt gehört. Islamophobie darf sich nicht festsetzen und menschenfeindliches Gedankengut nicht in der Gesellschaft toleriert werden. Jeder Einzelne und die Medien in besonderem Maße haben hier eine große Verantwortung. Sie sollten das Miteinander durch Aufklärung unterstützen, anstatt Vorurteile zu verbreiten und so der Diskriminierung den Boden zu bereiten.«

Marina Weisband, ehemalige politische Geschäftsführerin der Piratenpartei, ergänzt:

»Es darf nicht passieren, dass vor dem Hintergrund des Gaza-Konflikts in Deutschland die eine Minderheit gegen die andere ausgespielt wird. Gerade im friedlichen Deutschland ist es vielmehr unsere Pflicht, Akzeptanz zu leben.«

Externer Veranstaltungshinweis:
Die muslimische Community in Deutschland bietet in jedem Jahr am 3. Oktober die Möglichkeit, sie am Tag der offenen Moschee kennenzulernen. Bürger haben die Gelegenheit, über Konfessionen hinweg Muslimen vor Ort zu begegnen und sich zu informieren. [1]

Quellen:
[1] http://www.tagderoffenenmoschee.de/