Was machen eigentlich ... meine Steuergroschen?

Autor: Gotthilf Steuerzahler

Universitätskliniken unter Druck

Liebe Leserinnen und Leser,

den 36 Universitätskliniken in Deutschland geht es schlecht, viele von ihnen schreiben rote Zahlen. Die Verantwortlichen in den Kliniken bemühen sich nach Kräften, die finanzielle Situation ihrer Häuser zu verbessern. Dabei sind längst noch nicht alle Möglichkeiten zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit ausgeschöpft worden.

Die Universitätskliniken sind zum einen für die Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses und für die medizinische Forschung zuständig. Für diese Aufgaben erhalten sie Geld vom jeweiligen Bundesland. Zum anderen sind die Universitätskliniken in der Krankenversorgung tätig, was von den Krankenkassen finanziert wird. Die verschiedenen Aufgabenbündel lassen sich hinsichtlich der Kostenzuordnung nur schwer voneinander trennen.

So hegen die staatlichen Stellen den Verdacht, sie würden - ungewollt - die Krankenkassen subventionieren; umgekehrt glauben diese, ihre für die Krankenversorgung bestimmten Gelder würden in Forschung und Lehre fließen. Welche Seite hier Recht hat, darüber gibt es keine Einigkeit. Hingegen ist sich die Fachwelt darin einig, dass das bestehende Finanzierungssystem nicht ausreicht, die Betriebskosten der Universitätskliniken zu decken. Hinzu kommt ein massiver Investitionsstau, insbesondere bei den Klinikbauten, welche heutigen Anforderungen häufig nicht mehr entsprechen.

Fallpauschalen benachteiligen die Universitätskliniken

Die schwierige finanzielle Situation der Universitätskliniken geht auf die Einführung eines neuen Vergütungssystems für die deutschen Krankenhäuser vor einigen Jahren zurück. Das Vergütungssystem basiert auf Fallpauschalen, die für alle Krankenhäuser gleich sind. Die Sonderstellung der Universitätsklinken wird in diesem System nicht berücksichtigt. Als Zentren der Spitzenmedizin haben die Universitätskliniken die Aufgabe der Innovation, das heißt sie sollen neue Methoden und Erkenntnisse in Bezug auf die Diagnose und Therapie von Krankheiten entwickeln.

Ferner sind sie Zentren der Maximalversorgung, in denen die medizinisch schwersten und komplexesten Fälle behandelt werden. Die sich in diesem Zusammenhang ergebenden, zum Teil extrem hohen Kosten werden nicht ausreichend durch die Fallpauschalen abgedeckt. Ähnliches gilt für seltene Krankheiten, die vielfach nur an Universitätsklinken behandelt werden können. Anders als sonstige Krankenhäuser können die Universitätskliniken sich nicht auf bestimmte Krankheitsbilder spezialisieren und damit ihre Kosten senken.

Operationssäle sind besonders teuer

Die Klinikleitungen haben in den letzten Jahren unter dem Druck der Fallpauschalen die Kosten ihrer Häuser reduziert. An anderer Stelle mussten sie aber steigende Aufwände hinnehmen, zum Beispiel für die Vergütung des ärztlichen Personals. Es gibt bei den Universitätskliniken aber immer noch Kostensenkungspotentiale, die noch nicht realisiert worden sind.

Ein Beispiel hierfür ist der Bereich der Operationssäle. Mit Investitionskosten von 3 Millionen Euro und jährlichen Betriebskosten (einschließlich Personal) von bis zu 1 Million Euro pro Operationssaal handelt es sich um einen besonders kostenintensiven Bereich, dessen effiziente Organisation wirtschaftlich von erheblicher Bedeutung ist. Große Universitätskliniken verfügen über dreißig und mehr Operationssäle, die überwiegend den einzelnen medizinischen Fachdisziplinen (Augenheilkunde, Herzchirurgie, Orthopädie usw.) fest zugeordnet sind.

Viele Operationssäle könnten eingespart werden

Untersuchungen haben ergeben, dass bei einigen Universitätskliniken Operationssäle vorhanden waren, die nicht oder nur gelegentlich genutzt wurden. Jedoch fallen auch für nicht genutzte Operationssäle Kosten an, zum Beispiel für Instandhaltungs-, Wartungs-, Hygiene- und Reinigungsmaßnahmen, die zur Aufrechterhaltung der Betriebsbereitschaft erforderlich sind. Das Vorhalten solcher Operationssäle ist unwirtschaftlich, sie sollten stillgelegt und die Raumressourcen für andere Zwecke genutzt werden.

Die Auslastung der übrigen Operationssäle war häufig unbefriedigend. Vielfach waren sie nur zu zwei Dritteln oder noch weniger ausgelastet. Bei einem verbesserten Management des OP-Bereichs könnten die operativen Eingriffe auf eine geringere Zahl von Operationsräumen konzentriert und diese damit besser ausgelastet werden. Dazu müsste die starre Zuordnung der OP-Säle zu einzelnen Fachdisziplinen aufgegeben werden. Im Ergebnis könnten dann weitere Operationsräume eingespart werden.

Die Abläufe in den OP-Räumen könnten optimiert werden

Die Nutzung der verbleibenden Operationssäle könnte durch eine Reihe von organisatorischen Maßnahmen weiter gesteigert werden. Vielfach werden die Operationspläne sehr kurzfristig (erst am Vortag der Operation) aufgestellt. Die Erfahrung zeigt, dass eine Wochenplanung zweckmäßiger ist, um vorausschauend für eine bessere Auslastung der zur Verfügung stehenden Raumressourcen zu sorgen. Leerlaufzeiten, unter anderem wegen Wartens auf den Anästhesisten bzw. Operateur könnten vermieden werden, ebenso zu lange Vorbereitungs- und Wechselzeiten. Teilweise kommt es zu Wechselzeiten von bis zu 90 Minuten zwischen den Operationen, während bei einer effizienten Organisation die Wechselzeiten nicht länger als 30 bis 35 Minuten dauern.

Die Universitätskliniken wollen die Kosten des OP-Bereichs senken

Den Universitätskliniken ist bewusst, dass sie die Wirtschaftlichkeit im OP-Bereich verbessern müssen. An einigen Standorten wurden Operationssäle stillgelegt und die Raumressourcen einer anderen Verwendung zugeführt. Nahezu überall sind Bestrebungen festzustellen, die Auslastung der Operationssäle zu erhöhen und ein zentrales Operations-Management einzuführen. Vielfach ist inzwischen die interdisziplinäre Nutzung von Operationssälen üblich geworden. Beim Neubau von Operationsräumen erhalten ablauforganisatorische Gesichtspunkte ein größeres Gewicht.

Das Finanzierungssystem muss geändert werden

Die geschilderten Entwicklungen sind erfreulich. Alle internen Maßnahmen zur Kostensenkung dürften aber nicht ausreichen, um die finanzielle Krise der Universitätskliniken zu beenden. Um wirklich Abhilfe zu schaffen, muss das Finanzierungssystem geändert werden, und zwar dahingehend, dass es den kostenintensiven Besonderheiten der Universitätskliniken Rechnung trägt. Wenn dies nicht geschieht, liebe Leserinnen und Leser, ist die Leistungsfähigkeit der deutschen Hochschulmedizin in Gefahr, sagt voller Sorge

Ihr

Gotthilf Steuerzahler

Dieser Text stammt aus dem kostenlosen Newsletter Claus Vogt Marktkommentar.

Claus Vogt, der ausgewiesene Finanzmarktexperte, ist zusammen mit Roland Leuschel Chefredakteur des kritischen, unabhängigen und konträren Börsenbriefs Krisensicher Investieren.

2004 schrieb er ebenfalls zusammen mit Roland Leuschel das Buch "Das Greenspan Dossier" und die „Inflationsfalle“. Mehr zu Claus Vogt finden Sie hier.