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"Nabada"

Kommenden Montag findet in meiner Heimat- und Geburtsstadt Ulm wieder das alljährliche "Nabada" (schwäbisch für "Hinunterbaden"; na=hinunter, bada=baden) statt. An diesem bis ins 14.Jahrhundert zurückgehenden Stadtfeiertag, dem sogenannten "Schwörmontag", dessen Ursprung einem Streit zwischen Patriziern und Zünften um Machtverhältnisse im Ulmer Stadtparlament entstammt, legt der Oberbürgermeister einen Eid mit den Worten „Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein in allen gleichen, gemeinsamen und redlichen Dingen ohne allen Vorbehalt“ auf die Stadtverfassung aus dem Jahre 1397 ab.

Freie Reichsstädte und Subsidiarität sind der NWO  eindeutig vorzuziehen.

Das erstmals um 1800 erwähnte "Hinunterbaden" (Nabada) der Donau hatte mit diesem Tag ursprünglich nichts zu tun, sondern entstammt einer Tradition der Ulmer Jugend, im Sommer zu den Ausflugsgaststätten entlang der Donau zu schwimmen und dabei trockene Kleidung in Zubern mitzuführen. Das  "Nabada" entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer Art Karnevalsumzug auf dem Wasser, bei dem auch (über)regionale politische Themen auf die Schippe genommen werden, und wird stets an diesem "Schwörmontag" veranstaltet.

Von den Nationalsozialisten wurde dieser Brauch 1933 wieder eingeführt, nachdem er aufgrund des Verlustes der Unabhängigkeit im Jahre 1802 unterbunden worden war. Nach dem 2. Weltkrieg verzichtete der damalige Oberbürgermeister Robert Scholl (Vater der Ulmer Widerstandskämpfer Hans und Sophie Scholl) auf den Vollzug des Schwöraktes. Sein Nachfolger Theodor Pfizer setzte ihn dann wieder ein.

Es ist der einzige Tag im Jahr, an dem ich  bis zum Abwinken literweise Bier trinke; aufgrund der zahlreichen "Fress-Stände" bei den im Stadtpark "Friedrichsau" anschließend stattfindenden Feierlichkeiten, an denen regionale kulinarische Spezialitäten angeboten werden, spürt man den Alkohol aber gar nicht.

Gleichzeitig finden das "Ulmer Volksfest" und zahlreiche Events und Konzerte in der Ulmer Innenstadt und Umgebung statt. Eine Veranstaltung, die ich auch im Falle eines Auswanderns immer wieder besuchen würde.

Ich liebe die Donau, Ulm, und diesen Tag: „Ulmer Spatza, Wasserratza, hoi, hoi, hoi“.

Karneval auf dem Wasser in Ulm