US-Wissenschaftler haben entscheidendes Moment der Entstehung des Menschen rekonstruiert



Ein besserer Eisenstoffwechsel gehörte zu den entscheidenden Veränderungen bei der Entstehung des Homo sapiens. Dieses entscheidende Moment, berichtet die Wochenzeitung DIE ZEIT in ihrer aktuellen Ausgabe, haben US-amerikanische Wissenschaftler jetzt rekonstruiert.

Die Untersuchungen der Wissenschaftler hatten ergeben, dass vor 282 000 Jahren eine einzelne Erbanlage plötzlich zu einer komplexen Genfamilie hochkopiert wurde. Die Erhöhung der Kopien des sogenannten BolA2-Gens dürfte es dem zu dieser Zeit gerade entstehenden Homo sapiens ermöglicht haben, mehr Eisen aus seiner Nahrung zu gewinnen und zu speichern. Ähnliche genetische Mechanismen der Vervielfältigung von Erbanlagen vermuten Forscher auch hinter der Vergrößerung des menschlichen Gehirns und seiner kognitiven Leistung, berichtet das Blatt weiter.

Nach Meinung der US-Forscher erklärt der genetische Mechanismus, mit dem der Evolutionssprung zum modernen Menschen gelang, zugleich auch genetische Formen von Behinderung. Die Ausweitung der Genkopien geschehe in bestimmten instabilen Regionen des menschlichen Erbguts. In einzelnen Fällen könnte es bei der Fortpflanzung dort auch wieder zu großen Verlusten an Erbsubstanz kommen, die zu Behinderungen führt. Es gibt in der Evolution „nichts umsonst“, erklärt Evan Eichler, der Leiter des Forschungsteams von der University of Washington in Seattle. Was der menschlichen Spezies insgesamt genützt habe, gehe nun zu Lasten einzelner behinderter Menschen.