PecuniaOlet

Die Fettnäpfchen der Fachkräfte

Amerikaner aller sozialen Schichten legen sich beim Abspielen ihrer Nationalhymne die Hand auf die Brust. In amerikanischen Kinos der in Deutschland stationierten GI´s wurde sie vor jeder Vorführung gespielt, und alle standen auf. Fährt man heute auf deutschen Straßen, sieht man häufig eine große rote Flagge mit Mondstern an der Heckscheibe meist getunter BMW´s, aus dessen Inneren laute, orientalische Musik heult. Auch russische Flaggen sind nicht selten. Das ist völlig normal, und würde sich ein Deutscher daran stören, wäre er sehr schnell in der rassistischen oder in der Nazi-Schublade und müsste sich kluge Belehrungen über seine Unartigkeit anhören, insbesondere dann, wenn er sich beim Abspielen seiner Nationalhymne auch noch die Hand an die Brust legte.

Bei den "indigenen" Deutschen ist das nämlich etwas ganz anderes: Man stelle sich vor, Opa führe mit seinem dicken Daimler in die Türkei, die Heckscheibe in voller Breite schwarz-rot-gold beflaggt, und das Gejaule der Kastelruther Spatzen heulte dröhnend und mit maximalen Dezibels den verdutzten Demirels draußen um die Ohren. Da würde dann auch der Sonnenbrand in den Gesichtern deutscher Touristen aus Scham einen dunkleren Teint annehmen. Und wenn dann gar noch der Alois Grantlhuber mit zünftiger Seppelhose und stachelig weißen Waden samt Kopfbedeckung mit Gamsbart ausstiege, um mit seiner Zenzi mal schnell den Basar zu besuchen, die mit feschem Dirndl und nicht mehr ganz so feschem, dafür umso üppigerem Dekollete um Alis Melonen feilschte, diesen unfreiwillig in die ihrigen tief blicken lassend, dann wäre wohl auch der Gleichmut der Einheimischen auf die Probe gestellt.

Wenn bei uns hingegen vormittags um zehn eine Menschenmenge grimmig dreinblickender Rauschebärte in Pumphosen und Gebetskäppchen samt holder, vollverpackter und gespenstisch anmutender Weiblichkeit vor der Praxis des muslimischen Kinderarztes, Beschneiders und Internisten wartet, die sich mal eben eine durch die Verwandtschaft vermittelte und von der Solidargemeinschaft bezahlte Behandlung gönnt, ist es bereits verdächtig, dies mit irritiertem Blick zu quittieren, und es meldet sich sofort der innere, durch jahrzehntelange Erziehung aktivierte Toleranzwächter.

Mühsam müssen deutsche Eltern häufig ihren Kindern die bereits in der Grundschule verhunzte Sprache - nicht selten durch teuren Nachhilfeunterricht -  wieder abgewöhnen, und die Rechtschreibung ist, seit beim Lesen- und Schreibenlernen die sogenannte „Anlauttabelle“ verwendet wird, eine einzige Katastrophe. In den Schulkantinen gibt es überwiegend Putenfleisch aus billigster Massenproduktion, und das Niveau wird oftmals Migrantenkindern mit extrem schlechten Deutschkenntnissen angepasst. Spätestens im 6. Schuljahr mussten wir sämtliche Wortarten und Satzglieder von der Interjektion bis zum Lokaladverbiale aus dem ff bestimmen können. Heute haben damit selbst angehende Germanistikstudenten ihre Probleme und halten eine „Interjektion“ nicht selten für eine Spritze.

Der Durchschnittsdeutsche passt sich (in der Regel) respektvoll Gepflogenheiten und Sitten im Ausland an, was sich auch gehört und von gewissem Stil zeugt. Hält er sich dort über einen längeren Zeitraum auf, bezahlt ihm der Arbeitgeber häufig einen Kurs, um "Fettnäpfchen" und Unhöflichkeit aus Unwissenheit zu vermeiden. Im Inland haben sich aber andere anzupassen. Zum Fremdschämen sind die Maßnahmen des Wahlkampfes der FDP in Bremen. „Niemand ist anbetungswürdig außer Allah und Muhammad ist sein Gesandter.“ Echt jetzt? Liberaler geht’s ja nicht!

Wenn dann dieses Geschleime und Angebiedere Widerstand weckt, ist das ganz schnell mangelnde Toleranz und schlimmstenfalls Rassismus. Keine mit Anstand und Respekt versehene deutsche Frau käme jemals auf die Idee, sich an öffentlichen Stränden islamischer Länder barbusig zu zeigen. Dass aber auch die Ganzkörperverschleierung eine Beleidigung für westliche Augen und Werte sein könnte, fällt niemandem ein. „Westliche Religion“ ist Freiheit. Vor allem auch die der Frau. Es käme aber keiner auf die Idee, die vollständige Verhüllung der Frau als Beleidigung westlicher Werte zu bezeichnen. Ganz ehrlich: Wenn ich eine Frau in Burka sehe, bin ich peinlich berührt, und weiß nicht, ob ich hinsehen soll, oder so tun, als nähme ich sie gar nicht wahr (vielleicht bin ich ja innerlich beleidigt, und merke es nur nicht). Wenn dann Kinder rufen: „Guck mal, ein Geist“, spricht das für sich." 

Wie blöd würde man schauen, wenn eine papua-neuguineische Fachkraft aus religiösen Gründen nicht auf seinen Penisköcher verzichten wollte. Das kann man nicht vergleichen? Aber Hallo, wo bleibt die Gleichheit und Toleranz?

Der europäische Durchschnittsbürger kann nichts für die Ausbeutung vieler muslimischer Länder und profitiert auch nicht davon. Er hat es aber in der Regel gelernt, anderen Kulturen und Religionen mit Respekt zu begegnen und entsprechend Anstand zu zeigen.

Und genau dieses – Respekt und Anstand gegenüber ihrem „Gastland“ – fehlt vielen Immigranten muslimischer Länder. Allerdings nicht allen. Diese fallen nur nicht so auf  - und das liegt an ihrer Natur.

Religion und Herkunft können auch auf obszöne und aufdringliche, so geschmack- wie stillose Weise zelebriert werden.

Tausend buddhistische Mönche würden hingegen nur Leute stören, die eine Aversion gegen Orange oder Gelb hätten.