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Mensch, Nicht-Mensch, Untermensch

Im Buddhismus und Hinduismus gab und gibt es diese Unterscheidungen nicht. Die Einteilung in "Gläubige" und "Ungläubige", in Menschen und quasi Nicht-Menschen, deren Tötung keine Sünde ist, unter gewissen Umständen sogar gefordert wird und jenseitige Belohnung verheißt. Wenn muslimische Flüchtlinge ihre christlichen Leidensgenossen unter "Allahu akbar"-Rufen aus dem gemeinsamen Boot werfen, ist das nicht unbedingt Werbung für ihren Glauben. Unser gemeinsames Boot ist auch die Erde!

Tiere werden in Kulturen buddhistischer und hinduistischer Prägung nicht gequält und massenweise abgeschlachtet und geschächtet. Wenn man gewisse Dokumentationen sieht, in denen die Kreatur auf grausame Weise misshandelt und malträtiert wird, bevor man sie schließlich mit verachtender Respektlosigkeit metzelt, kommt einem das blanke Entsetzen. Ich kein kein Vegetarier oder Veganer, aber bei solchen Bildern kommt man ins Grübeln. Was uns ernährt, sollten wir erst recht mit Würde behandeln.

Im Judentum, Christentum und im Islam sind Tiere Sachen, und Angehörige anderer Glaubensrichtungen waren ihnen in der Vergangenheit oft gleichgestellt - nicht selten sogar darunter. Leider gilt das teilweise bis in die Gegenwart. Der Glaube an den einen Gott, der forderte, sich die Erde untertan zu machen, hat die Natur entseelt und ihrer Würde beraubt. Die „Erde“ - zu ihr gehörte letztlich auch diese Ansammlung ungläubiger Affen in Menschengestalt, die es zu unterjochen galt. „Joch“ und „Yoga“ entstammen derselben indogermanischen Wurzel. Während es bei uns darum ging, Vieh und andere, ihm gleichgestellte Menschen „einzuspannen“ und Natur zu unterjochen, wurde es im indischen Sprachraum zum Inbegriff der Selbstfindung. Der Glaube an ein christliches, besseres Jenseits hat das Diesseits erniedrigt und zu einer Geringschätzung des Lebens und der Kreatur beigetragen. Er hat weltliche Herrschaft gerechtfertigt und das Joch der Unterdrückten erträglicher gestaltet. Je schmerzlicher und beschwerlicher das irdische Dasein, desto höher der erhoffte jenseitige Lohn. Die entseelte Natur wurde "nutzbar" gemacht, ihre Kräfte in Maschinen gefangen, in deren Abhängigkeit der Mensch schließlich geriet. Es ist ein Irrtum zu glauben, die Physik hätte jemals erforscht, wie die Wirklichkeit beschaffen sei. Sie hat im Prinzip immer die Frage gestellt, wie sie sich als Maschine denken lässt. Auch die Suche nach einer alles erklärenden „Weltformel“ entspringt ursprünglich diesem Denken. Selbst menschliches Bewusstsein wird im Prinzip als Funktion einer Maschine betrachtet. Woher sonst käme der absurde, so zynisch wie lächerliche Gedanke, Computer mit Bewusstsein „ausstatten“ zu können? Womöglich auch noch mit Unbewusstem und Sexualtrieb. Alles in seine Dienste zu stellen und im Sinne flacher Nutzbarkeit auszubeuten und zu entwürdigen, ist ein Hauptmerkmal abendländischer Zivilisation. Dabei haben wir uns dem Lebendigen und Organischen - der Seele - entfremdet, und sezieren mittels naturwissenschaftlich-mathematischer Forschung gewissermaßen eine Leiche. Wir untersuchen und vermessen die Buchstaben innerhalb eines Buches und sind vom Verständnis des Inhaltes weiter entfernt, als wir es jemals waren. Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile und Er-leben an sich lässt sich nicht mit Prozessen von Eiweißmolekülen erklären. Unmittelbare Erfahrung der Ganzheit haben wir längst verlernt, weil sie nicht Sache des vergöttlichten Verstandes ist. „Selig sind die Armen im Geiste“. Das Christentum war wohl anders gemeint, als es verwirklicht wurde. Sogenannter Wohlstand, Konsum und Arbeit sind nicht in der Lage, die dadurch entstandene Leere auszufüllen und sinnstiftend zu wirken. Das Gefühl der Geborgenheit, eingebettet im ewigen Kreislauf der Natur als Mittler zwischen Mikro- und Makrokosmos, ging verloren, und wich dem Willen zur Macht. Beherrschung statt Symbiose. Kontrolle statt Integration. Konfrontation statt Kooperation. Wir sehen es in Russland und der Ukraine. Nie wurde der Westen von einer gewaltigeren Ansammlung an Unfähigkeit und seelisch-geistiger Indifferenz regiert. Ich sage das, um das Wort „Deppen“ zu vermeiden.

Das gesamte, teils unnütze, belastende und Lebenszeit raubende Wissen der Welt war noch nie komplexer als heutzutage. Es gibt keinen Menschen, der den Gesamtüberblick hätte. Auch nicht in wirtschaftlicher Hinsicht. Politiker müssen sich schon aus Zeitgründen auf ihre “Berater” und „Think-Tanks“ verlassen. Allein der Name ist grausam. „Denk-Panzer“ sind gegen ganzheitliches Denken gepanzert. Sie dienen Einzelinteressen. Gesetze werden von Lobbyisten diktiert, Politiker „bestimmt“. Wer gestern noch Familienminister war und keinerlei Ahnung vom Militär hatte, ist heute Verteidigungsminister und erteilt im rosa Kostümchen erfahrenen und gestandenen Generälen Anweisungen.(Wo geht das sonst?) Ökonomie gleicht mehr einer Religion als einer Wissenschaft und moderne “Scholastiker” versuchen sie mit Naturwissenschaft und Soziologie in Einklang zu bringen. Die Priester des Geldes bewahren mit allen Mitteln ihre Macht durch ihren Ablasshandel, dessen (gewaltsame) Reformation die Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges wahrscheinlich noch übertreffen dürfte. Während der Ausbildung müssen wir uns viel unnötiges, totes Wissen aneignen, uns zunehmend spezialisieren, lebenslang und fachspezifisch fortbilden, was einer polyglotten und generalistischen Sichtweise der Dinge im Wege steht, und uns zu Gunsten von Spezialisierung zunehmend verdummt, „mechanisiert“ und entmenschlicht. Humanistische Bildung im eigentlichen Sinne ist weder gefragt noch erwünscht, da sie keinen unmittelbaren mit ökonomischen Parametern zu messenden Nutzen bringt. Der Mensch an sich, seine Aufgabe in der Welt und im sozialen Miteinander tritt nicht nur in den Hintergrund, sondern weicht der zunehmenden Ökonomisierung unserer Lebensverhältnisse. Er wird zum Konsumenten und Produzenten reduziert. Zwar kann man nach einer Formel exakt den ökonomischen Wert berechnen, der dem Kauf einer Kugel Eis entspricht, weiß aber nicht, wie der Nachbar hieß,, der vergangene Woche verstarb. Manch junge Leute “daddeln” dämlich auf dem Handy herum, während sie sich unterhalten, und glauben, der römische Kriegsgott heiße “Snickers” und die SPD sei eine Eishockeymannschaft.

Ich glaube, dass bei weitem nicht alle Politiker Verräter sind, sondern häufig auch Unwissende, die dies weder sich selbst noch anderen eingestehen können und daher nur zu gerne glauben, was ihnen von “Beratern“, Meinungsmachern und sonstigen menschenflüsternden Lobbyisten aufgetischt wird. Je komplexer die Welt desto unbeherrschbarer und unregierbarer wird sie. Die Herausforderung der Zukunft muss sein, Mensch und Natur wieder in den Mittelpunkt zu stellen und die Ökonomie als Dienerin des Menschen zu sehen und nicht umgekehrt. “Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht, nicht der Mensch um des Sabbats willen.” So ist es auch mit der Ökonomie. Wir müssen die Pharisäer dieser Weltreligion und die Priester des Geldes in ihren gewaltigen Tempeln in die Schranken weisen. Das ganze System wird mit unserer Art von Arbeit aufrechterhalten. Deshalb ist auch alles sozial, was diese schafft. Was dem indischen Yogi die Askese, muss uns die Einschränkung der Arbeit sein. Trocknet den Sumpf aus! Das Paradies ist die Erde! Holt sie Euch zurück!

Ansonsten wird ein Krieg wohl unausweichlich.