Entwicklungshilfe verhindert Entwicklung

"Aid does not increase investment and growth, nor benefit the poor as measured by improvements in human development indicators, but it does increase the size of government." Peter Boone, London School of Economics

Falscher Ansatz

"No one who has seen the evidence on aid effectiveness, can honestly say that aid is currently achieving its objective." Paul Collier, Oxford University, 1997.
  • Ein Großteil der Zahlungen ging an Regierungen, die selbst das größte Entwicklungshemmnis sind, durch: zentrale Kommandowirtschaft, Verstaatlichungen, Handelsbeschränkungen, Behinderung der Berufsausübung, Nicht-Anerkennung von Eigentumsrechten, Lohn- und Preiskontrollen, staatliche Exportmonopole, Beschränkung ausländischer Privatinvestitionen.
  • Selbst wenn die Hilfe an Regierungen geht, die marktorientierte Reformen versprechen, entstehen negative Wirkungen, da dadurch der Druck von der Empfängerregierung genommen wird, die angekündigten Liberalisierungen durchzuführen. Derartige Hilfen verzögern Reformen, anstatt sie zu beschleunigen.
  • Politisierung der Wirtschaft in den Entwicklungsländern. Da die Zentralregierung durch die Entwicklungshilfe mit großen Ressourcen ausgestattet ist, nimmt der Verteilungskampf zu, zu Lasten produktiver Tätigkeiten.
  • Die "Hilfe" beruht auf einem falschen Entwicklungsmodell. Ein Land kann sich aus der Armut nur befreien, wenn eine Reihe von Bedingungen vorhanden sind, wie: Garantie des privaten Eigentums, Rechtssicherheit, Wettbewerb, offene Märkte. Die Wirtschaftssubjekte müssen das für die Entwicklung erforderliche Kapital selbst erarbeiten, durch Fleiß, Sparsamkeit und Innovationsfähigkeit. Wenn diese Bedingungen nicht gegeben sind, kann der Zufluß von Hilfsgeldern aus dem Ausland keine eigenständige Entwicklung in Gang setzen. Daß Hilfe aus dem Ausland keine notwendige Bedingung des wirtschaftlichen Aufstiegs ist, zeigt das europäische Beispiel, wo die Industrieländer ohne milde Gaben aus dem Ausland ihre heutige Spitzenstellung erreichten. Der sozialistische Einwand, daß Europa seinen Reichtum kolonialer Ausbeutung verdanke, trifft nicht zu, wie z. B. Finnland oder die Schweiz zeigen, wo das Einkommen je Einwohner weitaus höher ist, als in den ehemaligen Kolonialmächten Spanien oder Portugal.

Die Irrtümer der Entwicklungshelfer

  • Die Befürworter der Entwicklungshilfe behaupten, daß diese auch für die Geberländer von Vorteil sei, weil 80% der Entwicklungshilfe als Kaufaufträge wieder in die Geberländer zurückgehen. Zu diesem Argument bemerkt Peter Bauer: "To argue that aid helps the domestic economy, is like saying that a shop-keeper benefits from having his cash register burgled so long as the burglar spends part of the proceeds in his shop."
  • Nach sozialistischer Auffassung gibt es eine eindeutig abgrenzbare "Dritte Welt", die ohne Entwicklungshilfe in Armut verharren müßte. Tatsächlich gibt es keine einheitliche 3. Welt. Die Länder, die zu ihr gezählt werden, sind äußerst unterschiedlich, auch in ihrem Entwicklungsstand. Was haben Papua-Neu Guinea und Mexiko, Indonesien und Peru, Malaysia und Lesotho, Indien und Tschad, Afghanistan und Chile, miteinander gemeinsam? Das Ausmaß der Entwicklungshilfe kann die sehr unterschiedliche Entwicklung der Länder der "Dritten Welt" nicht erklären. Peter Bauer: "The West began poor and progressed without external aid. And large areas of the present Third World progressed rapidly long before foreign aid, as for instance much of South-East Asia, West Africa and Latin America."
  • Die Entwicklungshilfe soll die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes fördern, tatsächlich bewirkt sie das Gegenteil, denn sie schafft falsche Anreize. Peter Bauer: "...inflow of aid lends support to the idea that improvement in one's fortunes depends on other people, the government, the rich, one's superiors, or foreigners. Here again aid pauperizes the recipients. They are encouraged to expect success without achievement, to believe that material reward depends on windfalls... Aid promotes the delusion that a society can progress from indigence to prosperity without the intermediate stage of economic effort and achievement."
  • Nach der sozialistischen Lehre haben milde Gaben immer eine wohltätige Wirkung. Die Realität hat gezeigt, daß dies weder in armen Ländern, siehe Beispiel: Mikronesien, noch in entwickelten Ländern der Fall ist. Das israelische Institute for Advanced Strategic and Political Studies stellte 1996 fest: "Almost one-seventh of the GDP comes to Israel as charity. This has proven to be economically disastrous. It prevents reform, causes inflation, fosters waste, ruins our competitiveness and efficiency, and increases the future tax burden on our children who will have to repay the part of the aid that comes as loans."
  • In Spendenkampagnen wird behauptet, daß die Entwicklungshilfe notwendig sei, um den Ärmsten in der Dritten Welt zu helfen. Peter Bauer: "Official aid does not go to poor people, to the skeletal figures of aid propaganda. It goes instead to their rulers whose spending policies are determined by their own personal and political interests, among which the position of the poorest has very low priority. Indeed, to support rulers on the basis of the poverty of their subjects is more likely to encourage policies of impoverishment than to deter them." Von der Entwicklungshilfe profitieren in den Empfängerländern jene Gruppen, die politisch einflußreich sind, wie Beamte, Militärs, Akademiker, städtische Gewerkschaften, und natürlich die Politiker selbst.

Negatives Beispiel: Mikronesien

Dieser Archipel im Pazifik wurde 1945 Treuhandgebiet der USA. Die neue Verwaltung überschüttete ihre angeblich unmündigen Untertanen mit Wohltaten. Jeder Mikronesier hatte Anspruch auf kostenlose Kleidung, Nahrung und andere Dienste des Staates. Unter diesen Umständen gingen viele einheimische Bauern und Handwerker Konkurs, da es für ihre Waren keinen Markt mehr gab. Der Anreiz für eine Erwerbstätigkeit wurde geringer, da "Vater Staat" für alles sorgte. Es kam zu einer verhängnisvollen Spirale nach unten: je geringer die Produktivität - desto mehr "Hilfe" war erforderlich; eine Erhöhung der "Hilfe" führte aber direkt zu einer weiteren Senkung der Arbeitsleistung.

Von 1947 bis 1985 bezog Mikronesien, das 150.000 Einwohner hat, 2,4 Milliarden $ an Entwicklungshilfe. Die Agrarproduktion ging um 50% zurück und die Einfuhr von Lebensmitteln stieg um das Fünffache. Nach einigen Jahrzehnten Entwicklungshilfe waren die Mikronesier völlig von ihr abhängig geworden. Ein Einheimischer beschrieb das Problem so: "We have no technicians, no plumbers, no electricians...because the U.S.Government handed us everything and didn't ask us to do anything for ourselves."

Positives Beispiel: Hong Kong

Was ist nach der sozialistischen Entwicklungstheorie von einem Land zu erwarten, daß:

  • bezogen auf die Bevölkerungszahl sehr klein ist und deshalb die höchste Bevölkerungsdichte der Welt aufweist;
  • kaum landwirtschaftlich nutzbare Flächen hat, sondern überwiegend aus erosionsgeschädigten Hügeln besteht;
  • über keinerlei Bodenschätze verfügt und sogar einen Großteil seines Trinkwassers einführen muß;
  • seit dem 2. Weltkrieg ein starkes Wachstum seiner Einwohnerzahl zu verzeichnen hat, einerseits infolge einer hohen Geburtenrate, andererseits durch eine enorme Zuwanderung;
  • niemals Entwicklungshilfe erhalten hat und dessen Regierung jede Entwicklungsplanung ablehnte;
  • keine vom Volk gewählte Regierung hatte, sondern bis 1997 von einer ausländischen Kolonialmacht regiert wurde?

Nach der sozialistischen Lehre müßten alle Bewohner dieses Landes schon längst verhungert sein. Doch das Gegenteil davon ist eingetreten. Das kleine Land wurde zu einem der größten Exporteure der Welt. Viele entwickelte Staaten fühlten sich der neuen Konkurrenz nicht gewachsen und errichteten Handelsschranken gegen Einfuhren aus Hong Kong. Die Realeinkommen sind dort während der letzten Jahrzehnte stark gestiegen. Das Lohnniveau ist nur geringfügig niedriger als in Japan.

Wie war dieser Erfolg möglich? Hong Kong hat viele Empfehlungen aus dem liberalen Lehrbuch befolgt:

  • kaum Eingriffe des Staates in die Wirtschaft, geringe Regulierungsdichte;
  • niedrige Steuern und ausgeglichener Staatshaushalt;
  • keine staatlichen Subventionen, Gleichbehandlung aller Unternehmen;
  • freie Ein- und Ausfuhr von Waren und Dienstleistungen;
  • unbeschränkter Kapitaltransfer in beide Richtungen.

Hong Kong zeigt, daß ein starker Bevölkerungszuwachs keineswegs ein Entwicklungshindernis sein muß. Peter Bauer stellt dazu fest: "Hong Kong bears out that population increase is not an obstacle to progress, that suitably motivated people are assets not liabilities, agents of progress as well as its beneficiaries."

Es ist bemerkenswert, daß der Aufschwung Hong Kongs in einer Situation erfolgte, die von politischer Unfreiheit und wirtschaftlicher Freiheit gekennzeichnet war. Die britische Kolonialmacht hat erst kurz vor der Übergabe Hong Kongs an China die Wahl eines repräsentativen Parlaments zugelassen. Peter Bauer verweist mit Recht darauf, daß diese Besonderheit der politischen Rahmenbedingungen weitreichende Folgen hatte: "The absence of election promises, together with an open economy and limited government, have much reduced the prizes of political activity and hence the interest in organizing pressure groups."

Zwischen wirtschaftlicher und politischer Freiheit gibt es keinen eindeutigen Zusammenhang. Einerseits gilt: wenn die wirtschaftliche Freiheit eingeschränkt wird, kann die politische Freiheit nicht erhalten bleiben und geht schrittweise verloren, wie Friedrich von Hayek in Der Weg in die Knechtschaft nachgewiesen hat. Andererseits ist es möglich, eine weitgehende wirtschaftliche Freiheit in einem System relativer politischer Unfreiheit zu haben.

"The relation between political and economic freedom is complex and by no means unilateral." Milton Friedman

"Hong Kong should remind us that a non-elective government can be more limited than an elected one; and that for most ordinary people it is arguably more important whether government is limited or unlimited than whether it is elective or non-elective." Peter Bauer

Handel statt Hilfe

Wer den Entwicklungsländern helfen will, muß ihnen freien Zugang zu den Märkten der entwickelten Staaten gewähren, indem man alle Einfuhrzölle und Mengenbeschränkungen für Importwaren abschafft. Nur der Freihandel gewährleistet eine nachhaltige Einkommenssteigerung der Armen, siehe unsere Seite über Globalisierung.

Die sogenannte Entwicklungshilfe nutzt nur den Helfern, schadet aber denen, für die sie angeblich gedacht ist. Folgende Rückbaumaßnahmen sind erforderlich:

  • Abschaffung des Entwicklungshilfeministeriums und seiner nachgeordneten Organisationen. Statt dessen bedingungslose Öffnung des heimischen Marktes für Produkte und Dienstleistungen der Entwicklungsländer. Gerade in den Wirtschaftsbereichen, wo die Entwicklungsländer besonders leistungsfähig sind, wie Landwirtschaft oder Textilindustrie, schotten sich die Geberstaaten durch Zölle und Mengenbeschränkungen ab. Ein freier Handel würde es der "Dritten Welt" ermöglichen, sich selbst zu helfen.
  • Einstellung aller "Hilfs"-Zahlungen an die Entwicklungsländer. Deutschland hat im Jahr 2000 für Entwicklungshilfe 0,27% seines BNP aufgewandt, das sind 5 Milliarden US-Dollar. Die OECD-Länder gaben in 2000 rund 54 Milliarden Dollar an Entwicklungshilfe. Im selben Jahr subventionierten die OECD-Staaten die eigene Landwirtschaft mit 245 Milliarden Dollar. Diese Prioritätensetzung zeigt den Stellenwert der angeblich so hilfsbedürftigen Entwicklungsländer bei der politischen Klasse. Offensichtlich glauben die Politiker nicht an ihre eigene Propaganda.
  • Austritt aus der Weltbank. Diese Institution wurde 1944 geschaffen, um Infrastrukturprojekte zu finanzieren, für die kein privates Kapital gewonnen werden konnte. Die Erfahrung hat gezeigt, daß die geförderten Vorhaben eine so geringe Effizienz aufweisen, daß die Investitionen nach rationalen Kriterien nicht gerechtfertigt sind.
  • Keine Kreditbürgschaften und andere Hilfsmaßnahmen für heimische Privatunternehmen, die Handel mit Entwicklungsländern treiben. Das ist Unternehmens-Wohlfart, die nur einige inländische Empfänger begünstigt.
  • Kein Schuldenerlaß für die Entwicklungsländer. Diese häufig erhobene Forderung ist ein Eingeständnis, daß die bisherige Entwicklungspolitik völlig versagt hat. Wenn Schulden nicht zurückgezahlt werden können, dann ist das ein Beweis dafür, daß die geliehenen Gelder nicht produktiv angelegt wurden. Jeder Schuldenerlaß würde die korrekten Kreditnehmer bestrafen, die säumigen Zahler belohnen. Peter Bauer sagt dazu: "Any difficulty in servicing the debts is clear evidence that the capital was supplied to governments who have wasted resources they received, or who refuse to honour their obligations. Debt cancellation thus favours the incompetent, the improvident and the dishonest."
  • Keine staatliche Unterstützung privater Hilfsorganisationen. Massive staatliche Zahlungen würden den Charakter dieser karitativen Institutionen ändern. Peter Bauer: "...voluntary charity for helping the poor in the Third World, though greatly preferable to official aid, also needs to be administered with considerable care... If it is envisaged as a long-term process of giving out alms rather than as disaster relief, it can easily lead to permanent pauperization. It is also likely to encourage feelings of superiority in the donors and of dependence in the recipients." Manche private Einrichtungen, wie die Grameen Bank in Bangladesh, die seit den 70er Jahren Kleinstkredite von insgesamt 1,5 Milliarden $ an private Mini-Unternehmen gewährt hat und dabei eine Rückzahlungsrate von 98% vorweisen kann, benötigen keine staatlichen Unterstützungen.
"Most rich nations use their foreign aid budgets mainly to employ their own people and to sell their own goods, with poverty reduction as an afterthought... Aid-funding projects create massive bureaucracies, which quickly become corrupt and inefficient, incurring huge losses... Aid money still goes to expand government spending, often acting against the interests of the market economy... Foreign aid becomes a kind of charity for the powerful while the poor get poorer." Muhammed Yunus, Gründer der Grameen Bank

Literaturhinweis

Bauer, Peter: Equality, the Third World and economic delusion. Harvard University Press, Cambridge, Massachusetts, 1981. ISBN 0-674-25986-6.