Gewalt

Wenn ich ganz spontan und ohne nachzudenken antworten müsste, wie ich den Staat empfinde, dann würde ich sagen, dass für meine ganz subjektive Wahrnehmung der Staat ein in negativer Weise väterliches und ordnendes, autoritäres und gleichzeitig aggressiv-unberechenbares Prinzip darstellt. Dasselbe gilt für alle Gruppen, die den Staat und seine Gewalt nach außen verkörpern, insbesondere auch für Polizei und Justiz.

Während früher Jugendjahre begann ich Kampfsport zu betreiben und mir Gewicht anzutrainieren, rückblickend nur deshalb, um meinen übermächtigen, körperlich starken und extrem jähzornigen Vater zu "überwinden", der die ganze Familie, bevorzugt aber meine unterwürfige und ängstliche Mutter und mich regelmäßig verprügelt hatte.

Als ich mit sechzehn das erste Mal Wirkung zeigend zurückschlug, war das ein Gefühl unglaublicher Befreiung. Seltsamerweise drehte mein Vater daraufhin nicht durch, sondern nahm es mit einem gewissen Respekt und beinahe anerkennend zur Kenntnis. Hätte er es darauf ankommen lassen, hätte ich keine Chance gehabt. Er war damals 37 und immer noch ein geübter "Starßenschläger", da er als Betreiber einer Kneipe, in der Rocker und Zuhälter die Nacht ausklingen ließen, regelmäßig "Körpereinsatz" zu zeigen gezwungen war.

Die Abneigung gegen väterliche, "verliehene"  Autorität wurde bereits in frühester Kindheit angelegt, und ich konnte auch in Schule, Bundeswehr und Beruf nur Lehrer und Vorgesetzte akzeptieren, die kraft ihrer Persönlichkeit Autoritäten waren und nicht lediglich kraft ihres Amtes oder Stellung über Autorität verfügten. Das brachte mich regelmäßig in Schwierigkeiten, die bis heute andauern. Denn es gab häufig einen Punkt, an dem ich im wahrsten Sinne des Wortes "Vor-Gesetzten" den Stinkefinger zeigte, "zurückschlug", und lieber die Konsequenzen trug als mich "unterzuordnen".

Hinsichtlich dieses Unterschieds (Autorität und "Autorität") verfügte ich stets über einen unfehlbaren Instinkt.

Staat und EU stellen nun mal keine Persönlichkeiten dar, sondern ersterer eine juristische Person und letztere eine Rechtsform "sui generis".

Mit beidem konfrontiert, hat man es nicht mehr mit Menschen zu tun, sondern mit kafkaesk anmutenden Ungeheuern, die sich Menschen als funktionale "Gattungswesen" halten, um sich zu erhalten, bzw. zu nähren.

Der Soldat, der Polizeibeamte, der Vollziehungsbeamte, der Staatsanwalt......etc. sind in ihrer Funktion keine Menschen, dürfen unter Androhung von Sanktionen und Strafe keine Menschen sein, sondern haben als "spezialisierte Zellen" einem völlig emotionslosen Gesamtorganismus zu dienen.

Den idealen, vollkommenen Staat Platos indes gibt es nicht. Er existiert nur als Idee. Der reale Staat ist immer nur Werkzeug und manchmal - schlimmer noch -Selbstzweck.

Menschen mit Emotionen, Persönlichkeit und der Fähigkeit Schmerzen zu empfinden, haben sich einem unpersönlichen, abstrakten und gefühlslosen Selbstzweck,einem Ungeheuer zu unterwerfen. Mag er nun im patriotischen, im liberalen oder im sozialistischen Gewand daherkommen.

Das Gegenteil von Staat ist (nicht kirchliches) Christentum. Das Christentum war ein versuchter "Rückgriff" auf das Leben gebärende mütterliche Prinzip. Vom Geist kommt kein Leben. Der Geist verschwindet jede Nacht im Tiefschlaf, um dem Leben Regeneration und Heilung zu ermöglichen. Der Geist verabschiedet sich häufig auch im Alter, und ehemals Intellektuelle und Literaten (siehe Walter Jens) werden wieder zu Kleinkindern.

" Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben." Johannes 10.10

Der Zeit- und Lebensdieb ist der Staat. Ihm entspringt alles "Unbehagen in der Kultur".