"Schicksal", "Fügung", "Los"

wird in den Weltreligionen häufig kausal begründet.

Im Buddhismus und Hinduismus als Auswirkung des "Karma", und damit als eine Art Ergebnis vergangener Leben und Taten, im Islam und Christentum (bei Schicksalsschlägen) als "Strafe" oder "Prüfung" Gottes.

Dass dies bei harten Schicksalsschlägen meist empörend und am allerwenigsten tröstend wirkt, liegt nicht nur daran, dass es häufig "die Falschen" trifft, nämlich gutmütige, friedliche und lebensfrohe Personen, die keiner Fliege je etwas zu Leide getan haben, oder gar Kinder, denen durch die Bösartigkeit Erwachsener unermessliches Leid zugefügt wurde, während Psychopathen Fortuna häufig lebenslang wohlgesinnt ("wohlgesonnen") zu sein scheint.

Glück hinterfragt man nicht, für Unglück und schwere Schicksalsschläge fordert der Geist hingegen eine Erklärung, um diese Ereignisse irgendwie psychisch "integrieren" und verarbeiten zu können.

Weshalb lässt Gott das zu? Er will mich "prüfen". Oder schlechtes Karma wird vergolten. Ist das "befriedigend"? Ich halte es für empörend. Bedarf das achtjährige, von mehreren Männern vergewaltigte Kind einer solchen Prüfung? Oder die Eltern auf Kosten des Kindes? Kann es einen allmächtigen und gütigen Gott geben, der gleichzeitig so etwas zulässt?

"Gott" hat es nicht nötig zu "strafen", und auch nicht nötig zu "prüfen". Das sind menschliche Vorstellungen. Und vielleicht ist "Gott" auch nicht "allmächtig", weil auch dies eine anthropozentrische Vorstellung oder Reflexion darstellt.

Wir wissen es einfach nicht, und "Gott sei Dank" wissen wir es nicht, denn sonst wären wir tot. Das Leben ist keine Maschine, sondern Geheimnis. Nur Geheimnis ist letztlich lebendig. Das Schicksal ist der Preis des Lebens, das man mit Opfern zu besänftigen trachtet.

"Woraus aber für das Seiende das Entstehen ist, dahinein erfolgt auch ihr Vergehen gemäß der Notwendigkeit; denn sie schaffen einander Ausgleich und zahlen Buße für ihre Ungerechtigkeit nach der Ordnung der Zeit “  Diese Aussage des Vorsokratikers Anaximander (zwischen 610 und 547 vor Christus) hört sich verdammt nach Karma an.

Die Aufgabe eines (echten) Christen kann es nicht sein, über Ursache und Wirkung nachzudenken, sondern das Karma durch Liebe zu überwinden, es zu vernichten!

"Karma" - pah!