Zbigniew Kazimierz Brzeziński Katyn Opfer von 3.4.-19.5.1940

Zbigniew Kazimierz Brzeziński Katyn Opfer von 3.4.-19.5.1940

[[Datei:MSC 2014 Brzezinski Kleinschmidt MSC2014.jpg|mini|Zbigniew Brzeziński (2014)]]

'''Zbigniew Kazimierz Brzeziński''' ({{Audio|Zbigniew Brzeziński audio.ogg|anhören}}) [{{IPA|bʐɛˈʑĩski}}] (* [[28. März]] [[1928]] in [[Warschau]]) ist ein [[Polen|polnisch]]-[[Vereinigte Staaten|US-amerikanischer]] [[Politikwissenschaft]]ler und zählt mit [[Henry Kissinger]] und [[Samuel Phillips Huntington]] (2008 verstorben) zu den [[graue Eminenz|grauen Eminenzen]] unter den US-amerikanischen [[Geopolitik|Globalstrategen]].<ref>[http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/USA/nach-bush.html Die Welt als Schachbrett – Der neue Kalte Krieg des Obama-Beraters Zbigniew Brzezinski]</ref> Er war 1966-1968 Berater [[Lyndon B. Johnson]]s und von 1977 bis 1981 [[Nationaler Sicherheitsberater (Vereinigte Staaten)|Sicherheitsberater]] von US-Präsident [[Jimmy Carter]]. Sein Einfluss auf die Außenpolitik [[Barack Obama]]s ist umstritten. Er ist Professor für [[Außenpolitik der Vereinigten Staaten|US-amerikanische Außenpolitik]] an der [[Paul H. Nitze School of Advanced International Studies|School of Advanced International Studies (SAIS)]] der [[Johns Hopkins University]] in [[Washington, D.C.]], Berater am „[[Center for Strategic and International Studies|Zentrum für Strategische und Internationale Studien]]“ (CSIS) in Washington, D.C.<ref>http://csis.org/about-us/counselors</ref> und Autor renommierter politischer Analysen. Daneben betätigt er sich als Berater für mehrere große US-amerikanische und internationale Unternehmen.

Brzezinski gehört zur [[Realismus (Internationale Beziehungen)|realistischen Schule der Internationalen Politik]] und steht [[Geopolitik|geopolitisch]] in der Tradition [[Halford Mackinder]]s und [[Nicholas J. Spykman]]s.<ref>Sabine Feiner: Weltordnung durch US-Leadership? Die Konzeption Zbigniew K. Brzezinskis. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2001</ref><ref>http://globalengage.org/attachments/771_seiple_dissertation.pdf</ref> Parteipolitisch steht er eher den Demokraten nahe und wird oft gegen seinen konservativen „Rivalen“ Kissinger abgegrenzt, obwohl die Gemeinsamkeiten größer sind als die Unterschiede.<ref>Charles Gati: The Strategy And Statecraft of Zbigniew Brzezinski, 2013</ref>

== Leben ==

=== Herkunft und frühe Jahre ===

Brzeziński wurde 1928 in Warschau als Sohn des polnischen [[Diplomat]]en [[Tadeusz Brzeziński]] und Leonia Roman in Warschau geboren. Seine Familie, die zum polnischen Adel gehört, stammte aus [[Brzezany]] in [[Galizien]] in der [[Woiwodschaft]] [[Tarnopol]], später Ost-Polen, heute in der Ukraine. Der Name der Stadt Brzezany ist der Ursprung des Familiennamens.

Tadeusz Brzeziński war von 1931 bis 1935 in Deutschland eingesetzt. Von 1936 bis 1938 arbeitete er in der Sowjetunion während der Großen Säuberungen [[Josef Stalin]]s. 1938 wurde er nach Kanada versetzt. Wegen der [[Jalta-Konferenz]], die Polen der sowjetischen Einflusssphäre zusprach, konnte die Familie nicht sicher in ihre Heimat zurückkehren. Der Zweite Weltkrieg hatte eine nachdrückliche Wirkung auf Brzeziński, der in einem Interview feststellte, dass die außergewöhnliche Brutalität gegenüber den Polen seine Auffassung der Welt geprägt habe. Diese Erfahrung habe ihn für die Tatsache sensibilisiert, dass Weltpolitik zum großen Teil ein grundlegender Kampf ist.<ref>https://www.youtube.com/watch?v=03ApSE6mgHE</ref>

Zbigniew Brzeziński verbrachte einen Teil seiner Kindheit mit der Familie in [[Lille]] (Frankreich), [[Leipzig]] und [[Charkiw]] in der [[Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik|Ukrainischen SSR]], bevor er mit seiner Familie nach [[Montreal]] in [[Kanada]] zog.

=== Wachsender Einfluss ===

Nach dem Besuch der [[Loyola High School (Montreal)|Loyola High School]] in Montreal <ref>{{Cite news|first=Kristian |last=Gravenor |title=Zbigniew Brzezinski's Montreal recollections |url=http://coolopolis.blogspot.com/2007/02/zbigniew-brzezinskis-montreal.html |work=Coolopolis |date=2007-02-13 |accessdate=2008-08-22 }}</ref> studierte er 1945 an der [[McGill University]], um seinen Bachelor- und Master-Abschluss zu erwerben, die er 1949 und 1950 erhielt. Seine [[Master-Thesis]] untersuchte die unterschiedlichen Ethnien innerhalb der Sowjetunion.<ref name="masters">{{cite news|title="Agenda for constructive American-Chinese dialogue huge": Brzezinski |url=http://english.people.com.cn/200603/20/eng20060320_251953.html |first=Tang |last=Yong |newspaper=People's Daily Online |date=2006-03-20 |accessdate=2010-12-30}}</ref>

Brzezińskis Plan, in Großbritannien ein Studium zur Vorbereitung einer diplomatischen Karriere in Kanada aufzunehmen, schied aus, teilweise weil nur britische Staatsbürger stipendienberechtigt waren. Brzeziński promovierte daraufhin an der [[Harvard University]] bei [[Merle Fainsod]]. Seine Dissertation untersuchte die Sowjetunion und die Zusammenhänge von [[Oktoberrevolution]], [[Wladimir Iljitsch Lenin|Lenins]] Staatsmodell und der Politik [[Joseph Stalin]]s. 1953 wurde Brzeziński promoviert.

Im selben Jahr reiste er nach München und traf [[Jan Nowak-Jeziorański]], den Leiter der polnischen Abteilung von [[Radio Free Europe]].

Später arbeitete er auch mit [[Carl Joachim Friedrich|Carl J. Friedrich]] zusammen, um ein Konzept von [[Totalitarismus]] zu entwickeln. Dies half ihm 1956, die sowjetische Politik genauer und wirkungsvoller darzustellen und zu kritisieren.<ref>Gati (2013) p 208</ref>

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Für Hintergrundinformationen:

* [[Polen]]

* [[Aufstand vom Dezember 1970 in Polen]]

* [[Ungarn-Aufstand]].

</div>

Als Harvard Professor kritisierte er [[Dwight D. Eisenhower]]s und [[John Foster Dulles]]' Politik des [[Rollback-Politik|Rollback]]: Der Antagonismus werde Osteuropa stärker zur Sowjetunion drängen.<ref>Gati (2013) p xxi</ref> Der [[Aufstand vom Dezember 1970 in Polen]] mit dem [[Polnischer Oktober|Polnischen Oktober]] und der [[Ungarischer Volksaufstand|Ungarische Volksaufstand]] im Jahre 1956 bestätigten Brzezińskis Vorstellung von einer graduellen Abschwächung der sowjetischen Vorherrschaft durch die Osteuropäer. 1957 besuchte er Polen zum ersten Mal seit seiner Kindheit. Der Besuch bestätigte sein Urteil über die tiefen Spaltungen innerhalb des [[Ostblock]]s. Er entwickelte hieraus sein Programm des „peaceful engagement“.<ref>Gati (2013) p xxi</ref>, worunter er einen friedlichen Wettbewerb um Einfluss in Osteuropa verstand, den er gegen das sowjetische Verständnis „friedlicher Koexistenz“ abgrenzte.<ref>http://jhupressblog.com/2013/08/27/weighing-zbigniew-brzezinskis-legacy/</ref>

1958 wurde er US-amerikanischer Staatsbürger. Trotz jahrzehntelangen Aufenthalts in Kanada und der dortigen Anwesenheit von Familienmitgliedern wurde er niemals kanadischer Staatsbürger.

Als Brzeziński 1959 keinen Lehrstuhl in Harvard bekam, zog er nach New York City, um an der [[Columbia University]] zu lehren.<ref>Gati (2013) p 208 </ref> Hier schrieb er sein Werk ''Soviet Bloc: Unity and Conflict'', das Osteuropa seit Beginn des [[Kalter Krieg|Kalten Krieges]] thematisierte. Er war auch Hochschullehrer der zukünftigen [[Außenminister der Vereinigten Staaten|US-Außenministerin]] [[Madeleine Albright]], die wie seine Ehefrau tschechischer Abstammung ist. Er war auch Albrights Mentor während ihrer frühen Jahre in Washington.<ref>{{cite book|last=Albright | first=Madeleine |title=[[Madam Secretary]] |publisher=Hyperion |year=2003 |pages=57 }}</ref> Er wurde Mitglied des [[Council on Foreign Relations]] in New York und trat der [[Bilderberg-Konferenz]] bei.<ref>Gati (2013) p 12</ref>

Während der Präsidentenwahl 1960 war Brzeziński Berater im Wahlkampfteam [[John F. Kennedy]]s. Er drängte auf eine nicht-antagonistische Politik gegenüber osteuropäischen Regierungen. Angesichts der politischen und ökonomischen Stagnation sah er den folgenden Zerfall der Sowjetunion entlang ethnischer Bruchlinien zutreffend voraus, womit er den Ansatz seiner Master-Thesis weiter ausbaute.<ref name="masters" />

Brzeziński unterstützte die [[Entspannungspolitik]] während der folgenden Jahre. Er publizierte seine Programmschrift „Peaceful Engagement in Eastern Europe“ in ''[[Foreign Affairs]]'',<ref>{{cite journal| first=Zbigniew | last=Brzezinski | first2=William | last2=Griffith | title=Peaceful Engagement in Eastern Europe | journal=Foreign Affairs | volume=39 | issue=4 | date=Spring 1961 | pages=647}}</ref> und unterstützte eine nicht-antagonistische Politik nach der [[Kubakrise]]. Er begründete dies damit, dass diese Politik den osteuropäischen Ländern die Angst vor einem aggressiven Deutschland nehmen und außerdem Westeuropäer besänftigen könnte, die sich wegen möglicher Kompromisse der Supermächte im Sinne der [[Konferenz von Jalta]] Sorgen machten.

1964 unterstützte Brzeziński [[Lyndon B. Johnson]]s „[[Great Society|Great-Society]]“-Programm und die Gesetzesvorschläge der [[Bürgerrechtsbewegung]], während er andererseits nach [[Nikita Sergejewitsch Chruschtschow|Chruschtschows]] erzwungenem Rücktritt den völligen Verlust an Kreativität auf Seiten der politischen Führung der Sowjetunion konstatierte. Durch Vermittlung von [[Jan Nowak-Jeziorański]] traf Brzeziński mit [[Adam Michnik]] zusammen, dem damaligen Kommunisten und zukünftigen Aktivisten der polnischen Gewerkschaftsbewegung.

Brzeziński unterstützte Verbindungen mit den osteuropäischen Regierungen, warnte dabei aber vor [[Charles de Gaulle|De Gaulle]]s Vision eines „Europa vom [[Atlantik]] bis zum [[Ural]]“. Er befürwortete den [[Vietnamkrieg]]. 1966 bis 1968 diente Brzeziński als Mitglied des Planungsstabes des [[State Department]]s. Präsident Johnsons Rede zum Thema „Bridge Building“ vom 7. Oktober 1966 war das Ergebnis von Brzezińskis Einfluss.

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Für historische Hintergrundinformationen:

* [[Sechstagekrieg]]

* [[Prager Frühling]]

* [[Sozialismus]]

* [[Tet-Offensive]]

</div>

Die Ereignisse in der [[Tschechoslowakei]] verstärkten Brzezińskis kritische Einstellung zur aggressiven Haltung der Republikaner gegenüber osteuropäischen Regierungen. Seine Dienste für die Regierung Lyndon B. Johnsons während des Vietnamkrieges machte ihn zum Feind der US-amerikanischen [[Neue Linke|Neuen Linken]], obwohl er die Deeskalation des US-amerikanischen Militäreinsatzes befürwortete.

1968 unterstützte Brzeziński als Vorsitzender der außenpolitischen Arbeitsgruppe [[Hubert H. Humphrey]]s den Wahlkampf der Demokraten. Er riet Humphrey, mit einigen Punkten von Präsident Johnsons Programm zu brechen, insbesondere in der Vietnam-Frage, hinsichtlich des Nahen Ostens und der Beziehungen zur Sowjetunion.

Brzeziński forderte eine gesamteuropäische Konferenz. Diese Idee verwirklichte sich schließlich 1973 mit der [[KSZE]].<ref>Zbigniew Brzezinski: ''„Détente in the ‘70s“'' In: ''The New Republic'', 3. Januar 1970, S. 18</ref> In der Zwischenzeit wurde er zum führenden Kritiker von [[Richard Nixon|Nixons]] und [[Henry Kissinger|Kissingers]] Entspannungskonzept, ebenso wie von [[George McGovern|McGoverns]] [[Pazifismus]].<ref>Zbigniew Brzezinski, ''„Meeting Moscow's Limited Coexistence“'' In: ''The New Leader'', 51:24, 16. Dezember 1968, S. 11–13</ref>

1970 schrieb er in seinem Werk „Zwischen zwei Zeitaltern: Amerikas Rolle in der Technetronischen Ära“ (''Between Two Ages: America's Role in the Technetronic Era''), dass eine koordinierte Politik unter den Industrieländern nötig sei, um der globalen Instabilität zu begegnen, die aus der zunehmenden ökonomischen Ungleichheit entstehe. Von dieser Forderung ausgehend, gründete Brzeziński auf Initiative von [[David Rockefeller]] die [[Trilaterale Kommission]], deren Direktor er von 1973 bis 1976 wurde. Die Trilaterale Kommission ist eine Gruppe prominenter Politiker, Geschäftsleute und Universitätslehrer, hauptsächlich aus den USA, Westeuropa und Japan. Ihr Ziel war die Stärkung der Beziehungen zwischen den drei höchstentwickelten Ländern der kapitalistischen Welt. Brzeziński schlug den Gouverneur von [[Georgia]], [[Jimmy Carter]], als Mitglied vor. Brzezinski kehrte 1981 zur ''Kommission'' zurück und hatte bis 2009 eine tragende Rolle inne.<ref>[http://www.trilateral.org/go.cfm?do=Page.View&pid=9#1 Founding Members der Trilateralen Kommission]</ref>

=== Berater der Regierung Carter ===

[[Datei:Brzezinski 1977.jpg|mini|Brzeziński als Regierungsberater 1977]]

[[Jimmy Carter]] kündigte seine Kandidatur für 1976 an und bezeichnete sich selbst als „eager student“ von Brzeziński.<ref>{{cite journal | last=Brauer | first=Carl | date=1988-11-01 | title=Lost In Transition | url=http://www.theatlantic.com/magazine/archive/1988/11/lost-in-transition/307120/ | journal=The Atlantic | location=Washington, D.C. | publisher=Atlantic Media | accessdate=2014-03-27}}</ref>

Brzeziński wurde 1975 Carters wichtigster Ratgeber in außenpolitischen Fragen. Er wurde ein dezidierter Kritiker der Außenpolitik Nixons und Kissingers, die zu sehr auf Entspannungspolitik setzten, die der Sowjetunion genehm war. Er setzte statt dessen mehr auf die [[Strategic Arms Limitation Talks]], und betonte die [[Menschenrechte]], das [[Völkerrecht]] und friedliche Maßnahmen in Osteuropa. Brzeziński wurde als Antwort der Demokraten auf den republikanisch orientierten Henry Kissinger betrachtet<ref>John Maclean, „Advisers Key to Foreign Policy Views“, ''The Boston Evening Globe'' (October 5, 1976)</ref> Carter griff Ford in Debatten dadurch an, dass er die trilaterale Vision mit Fords Entspannungskonzept verglich.<ref>{{cite book|last=Vaughan | first=Patrick G. |editor-first=Leopoldo| editor-last=Nuti |title=The Crisis of Détente in Europe: From Helsinki to Gorbachev, 1975–1985 |publisher=Taylor & Francis |year=2008 |pages=11–25 |chapter=Zbigniew Brzezinski and the Helsinki Final Act |isbn=0-415-46051-4}}</ref>

Nach seinem Sieg im Jahre 1976 machte Carter Brzeziński zum Sicherheitsberater. Im selben Jahr waren in Polen größere Arbeitskämpfe ausgebrochen, die die Grundlage für die polnische Gewerkschaftsbewegung [[Solidarnosc]] bildeten. Brzeziński begann mit der Betonung der Menschenrechte in der [[Schlussakte von Helsinki]], die kurze Zeit später die [[Charta 77]] der [[Tschechoslowakei]] inspirierte<ref>Michael Getler, ''„Dissidents Challenge Prague – Tension Builds Following Demand for Freedom and Democracy“'' In: ''[[The Washington Post]]'', 21. Januar 1977</ref>

Brzeziński war an der Abfassung von Teilen der Regierungsansprache zum Amtsantritt Carters beteiligt, was seiner Absicht entsprach, den Dissidenten in der Sowjetunion eine positive Botschaft zu senden.<ref>Zbigniew Brzezinski, ''Power and Principle: Memoirs of the National Security Adviser, 1977–1981'' (New York, 1983), p. 123.</ref> Die Sowjetunion wie auch führende Politiker Westeuropas klagten, diese Art von Rhetorik widerspreche dem „Code der Entspannung“, den Nixon und Kissinger etabliert hatten.<ref>Seyom Brown, ''Faces of Power'' (New York, 1983), p. 539.</ref><ref>„Giscard, Schmidt on Détente“, ''The Washington Post'' (July 19, 1977).</ref>

Brzeziński wandte sich gegen Mitglieder der [[Demokratische Partei (Vereinigte Staaten)|Demokratischen Partei]], die seine Auffassung von Entspannung ablehnten, zu denen der Außenminister [[Cyrus Vance]] gehörte. Vance sprach sich für eine verminderte Betonung der Menschenrechte aus, um die Zustimmung der Sowjetunion zu den [[Strategic Arms Limitation Talks]] (SALT) zu gewinnen, während Brzeziński beides zur gleichen Zeit erreichen wollte. Brzeziński ordnete an, dass [[Radio Free Europe]] Leistung und Reichweite seines Programms erweitern solle, was eine provokante Umkehrung der Politik Nixons und Kissingers war.<ref>David Binder, ''„Carter Requests Funds for Big Increase in Broadcasts to Soviet Bloc“'' In: ''The New York Times'', 23. März 1977</ref> [[Helmut Schmidt]] lehnte Brzezińskis Pläne ab, er forderte sogar die Entfernung von Radio Free Europe von deutschem Boden.<ref>Brzezinski, ''Power and Principle'', p. 293.</ref>

Das State Department war von Brzezińskis Unterstützung für ostdeutsche Dissidenten beunruhigt und lehnte seinen Vorschlag ab, dass Carters erster Besuch jenseits des Atlantiks Polen gelten sollte. Carter und er besuchten [[Warschau]], sie trafen mit [[Kardinal]] [[Stefan Wyszynski]] zusammen (gegen die Bedenken des US-Botschafters in Polen). Dabei erkannten sie die Römisch-katholische Kirche als legitime Opposition gegen die kommunistische Herrschaft in Polen an.<ref>David A. Andelman, „Brzezinski and Mrs. Carter Hold Discussion with Polish Cardinal“, ''The New York Times'' (December 29, 1977).</ref>

1978 waren Brzeziński und Vance immer uneiniger hinsichtlich der Richtung der Außenpolitik Carters. Vance wollte den Stil der Entspannungspolitik von Nixon und Kissinger weiterführen, wobei der Schwerpunkt auf der Abrüstung liegen sollte. Brzeziński glaubte, dass die Entspannungspolitik die Sowjetunion in [[Angola]] und im Nahen Osten ermuntert habe. Deshalb befürwortete er die Steigerung der militärischer Stärke und eine Betonung der Menschenrechte. Vance, das State Department und die Medien kritisierten Brzeziński öffentlich dafür, dass er den Kalten Krieg wieder aufleben lassen wolle.

Brzeziński riet Carter 1978, sich der [[Volksrepublik China]] zuzuwenden und reiste nach Peking, um die Grundlage für die Normalisierung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu legen. Dies führte zu einer Lockerung der Bindungen an den langjährigen antikommunistischen Alliierten, die [[Republik China auf Taiwan]].

<div class="toccolours" style="float:right;width:175px;margin:10px;padding:10px">Historischer Hindergrund:

* [[Islamische Revolution]];

* [[Afghanistan]]

* [[Solidarnosc]]

</div>

1979 war das Jahr zweier großer, strategisch bedeutsamer Ereignisse: die Entmachtung des befreundeten Schahs des Iran [[Mohammad Reza Pahlavi]] und die sowjetische Invasion in Afghanistan. Die [[Islamische Revolution]] löste die Krise der iranischen Geiselnahme aus, die während Carters restlicher Amtszeit andauerte. Brzeziński sah die Invasion in Afghanistan voraus und schuf mit der Unterstützung [[Saudi-Arabien]]s, Pakistans, und der Volksrepublik China eine Strategie, um den Einfluss der Sowjetunion zu unterminieren. In dieser Atmosphäre der Unsicherheit führte er die USA zu einer neuen Aufrüstungsbemühung und der Entwicklung der schnellen Eingreiftruppen. Beide politischen Maßnahmen werden heute eher mit Ronald Reagan in Verbindung gebracht.

Brzeziński arbeitete unter der „lame duck“-Präsidentschaft Carters, aber ermutigt durch die Tatsache, dass die polnische Gewerkschaft seinen Stil der Auseinandersetzung mit Osteuropa bestätigt hatte, nahm er einen kompromisslosen Standpunkt gegenüber einer kurz bevorzustehen scheinenden Invasion Polens ein. Er telefonierte um Mitternacht mit Papst [[Johannes Paul II.]], dessen Besuch in Polen 1979 der Entstehung der Gewerkschaftsbewegung vorangegangen war, und warnte ihn vor. Diese Haltung der USA war ein deutlicher Wandel im Vergleich zu den früheren Reaktionen auf die sowjetischen Unterdrückungsmaßnahmen in Ungarn 1956 und in der Tschechoslowakei 1968.

1981 zeichnete President Carter Brzeziński mit der [[Presidential Medal of Freedom]] aus.

=== Tätigkeit während der Regierungen Reagan, Bush I und Clinton ===

Brzeziński war nach seiner Amtszeit besorgt wegen der inneren Spaltung der Demokratischen Partei. Seiner Meinung nach war der pazifistische („dovish“) Flügel um [[George McGovern]] dafür verantwortlich, dass die Demokraten dauerhaft zur Minorität würden.

Sein Verhältnis zur Regierung [[Ronald Reagan]]s war gemischt. Einerseits unterstützte er sie als Alternative zum Pazifismus der Demokraten, andererseits kritisierte er sie wegen übertriebener Schwarzweißmalerei bei der Beurteilung außenpolitischer Themen.

Er blieb weiter beteiligt an den Vorgängen in Polen, kritisierte 1981 die Einführung des Kriegsrechts, vor allem aber die Schicksalsergebenheit Westeuropas im Namen der Stabilität. Brzeziński beriet 1987 US-Vizepräsident [[George H. W. Bush|George Bush]] vor seiner Polenreise, die das Wiederaufleben der Gewerkschaftsbewegung unterstützte.

Während der Regierung Ronald Reagans war er 1985 Mitglied der [[Chemical warfare|Chemical Warfare]]-Kommission des Präsidenten. Von 1987 bis 1988 war er im Nationalen Sicherheitsrat des Verteidigungsministeriums in einer Kommission für „Integrierte Langzeitstrategie“ tätig. Von 1987 bis 1989 arbeitete er als Berater für das [[President's Foreign Intelligence Advisory Board]] (PIAB) das „… den Präsidenten hinsichtlich Qualität und Korrektheit der Nachrichtengewinnung berät, hinsichtlich Analyse und Einschätzungen, Spionageabwehr und anderen nachrichtendienstlichen Tätigkeiten.“<ref>[http://www.whitehouse.gov/administration/eop/piab PIAB Official Website.]</ref>

1988 war Brzeziński stellvertretender Vorsitzender der [[National Security Advisory Task Force]] George Bushs und unterstützte Bushs Präsidentschaft, was einen Bruch mit den Demokraten bedeutete. Brzeziński publizierte im selben Jahr sein Werk „Die große Niederlage“ (''The Grand Failure''), in dem er den Fehlschlag von [[Michail Sergejewitsch Gorbatschow|Michail Gorbatschows]] Reformen und das Auseinanderbrechen der Sowjetunion in den folgenden Jahrzehnten voraussagte. Er führte aus, dass es fünf Möglichkeiten für die zukünftige Entwicklung der Sowjetunion gebe: erfolgreiche Pluralisierung, anhaltende Krise, neue Stagnation, Staatsstreich durch KGB oder Militär oder den Zusammenbruch des kommunistischen Regimes. Er hielt den Zusammenbruch in dieser Phase der Entwicklung für weit unwahrscheinlicher als eine anhaltende Krise. Er prognostizierte, dass die Wahrscheinlichkeit, dass 2017 in der Sowjetunion weiterhin der Kommunismus existieren werde, nur bei etwas mehr als 50 % liege, und dass das Ende, wenn es käme, sehr wahrscheinlich turbulent ausfallen würde.

Schließlich kollabierte das System 1991 nach Moskaus scharfem Vorgehen gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen Litauens, dem Krieg um [[Bergkarabach]] in den späten 1980er Jahren sowie dem vereinzelten Blutvergießen in anderen Republiken. Dieses Ergebnis war weniger gewaltsam zustande gekommen, als Brzeziński und andere Beobachter erwartet hatten.

1989 gelang es den Kommunisten nicht, ihre Unterstützung in Polen zu mobilisieren, woraufhin die Gewerkschaft die Wahlen mit überwältigender Mehrheit gewann.

== Aufklärer der Verantwortlichen des [[Massaker von Katyn]] ==

Sein Neffe [[Matthew Brzezinski]] ist der bekannte Hintergrund Analyst von [[Benjamin Ferencz]], [[USSR1]] and [[USSR54]] nach dem [[Massaker von Katyn]] zum [[Einsatzgruppen-Prozess]].

Ausgehend von dem 1937 entwickelten Erstickungskammer [[Vergasungsauto (Duschegubka)]] vom Chef der [[NKWD-Wirtschaftsabteilung]] [[People's Commissariat for Internal Affairs Economy Department]] im Bezirk Moskau - [[Isaj Davidowitsch Berg]] - für den Entschädigungprozess Wiedergutmachung Wiederaufnahmeprozess der geschädigten [[Russki Fords]] Nachfolge Unternehmen Missbrauch Opfer Vertreter - aufgrund der [[USSR1]] und [[USSR54]] [[Trial Of The Major War Criminals Before The International Military Tribunal]],Band39, Nürenberg1949, <ref>http://www.loc.gov/rr/frd/Military_Law/pdf/NT_Vol-XXXIX.pdf</ref> Seite 261 und 290-332 Verantwortlichen um [[Alexej Tolstoi]], Nikolai Nilowitsch [[Burdenko]], [[Lev Nikolaevich Smirnov]] <ref>http://encyclopedia2.thefreedictionary.com/Lev+Smirnov</ref> und [[Ilja Grigorjewitsch Ehrenburg]] -

nach dem [[Massaker von Katyn]] - basierend auf dem Memo von [[Lawrenti Beria]] (Lavrenti Pavles dze Beria) an und unterschrieben auf der ersten Seite<ref>http://en.wikipedia.org/wiki/File:Katyn_-_decision_of_massacre_p1.jpg</ref> von Beria's Antragsurkunde von [[Josef Stalin]] aka [[Ioseb Besarionis Dze Jugashvili]] aka [[Staatsbank des Russischen Reiches]] <ref>http://en.wikipedia.org/wiki/State_Bank_of_the_Russian_Empire</ref> Geldtransport [[Überfall auf die Bank von Tiflis]] vom 26. Juni 1907 Operation Codename [[Kochba]] -

für die Exekution von über 15000 polnischen Offizieren und über 10000 Intellektuellen im [[Wald von Katyn]] und an anderen Plätzen in derSowjet Union unter Aufsicht des [[Kommissiar für Transporte in der Sowjet Union]] - [[Lasar Moissejewitsch Kaganowitsch]]<ref>http://russiapedia.rt.com/prominent-russians/leaders/lazar-kaganovich</ref> - der DAFÜR WAR gemäss ergänzender Seite zwei, drei und vier [[Datei:Katyn - berichtete [[Matthew Brzezinski]] in seinem Dossier über umfangreiche Zitate des als Hauptankläger im [[Einsatzgruppen-Prozess]] fungierenden Juden [[Benjamin Ferencz]] zu Geständnissen die unter Folter erlangt wurden:<ref>{{Netzverweis|Netzpräsenz=Washingon Post|Datum=24. Juli 2005|Autor=Matthew Brzezinski|Seitentitel=Giving Hitler Hell, S. 5|WebCite=|Abgerufen=|URL=http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2005/07/21/AR2005072101680_5.html|Zitat=I once saw DPs beat an SS man and then strap him to the steel gurney of a crematorium. They slid him in the oven, turned on the heat and took him back out. Beat him again, and put him back in until he was burnt alive. I did nothing to stop it. I suppose I could have brandished my weapon or shot in the air, but I was not inclined to do so. Does that make me an accomplice to murder?}}</ref>

:''„Einmal sah ich, wie ehemalige Häftlinge einen SS-Mann schlugen und ihn dann mit Riemen an der Stahlbahre eines Krematoriumofens festbanden. Sie schoben ihn hinein, heizten den Ofen und zogen ihn wieder hinaus. Dann schlugen sie ihn wieder und schoben ihn zurück in den Ofen, bis er bei lebendigem Leibe verbrannte. Ich tat nichts, um sie zu stoppen. Ich glaube, ich hätte mit meiner Waffe schwingen oder einen Schuß in die Luft abgeben können, aber ich war nicht geneigt, dies zu tun. Macht mich das zu einem Mordkomplizen?“''

Ferenzi, der später einer der Gründer des [[Internationaler Strafgerichtshof|Internationalen Gerichtshofes]] wurde, rechtfertigt sich damit, daß damals unter den Militärgesetzen vieles möglich war, das es heute nicht mehr wäre. Als ein weiteres Beispiel dafür, wie er Geständnisse erlangte, gab er an:<ref>{{Netzverweis|Netzpräsenz=Washingon Post|Datum=24. Juli 2005|Autor=Matthew Brzezinski|Seitentitel=Giving Hitler Hell, S. 5|WebCite=|Abgerufen=|URL=http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2005/07/21/AR2005072101680_5.html|Zitat=I'd go into a village where, say, an American pilot had parachuted and been beaten to death and line everyone one up against the wall. Then I'd say, 'Anyone who lies will be shot on the spot.' It never occurred to me that statements taken under duress would be invalid.}}</ref>

:''„Ich würde in ein Dorf gehen, wo, sagen wir, ein amerikanischer Pilot mit dem Fallschirm abgesprungen war und zu Tode geschlagen wurde, und reihte alle an einer Wand auf. Dann würde ich sagen: ‚Wer lügt, wird auf der Stelle erschossen.‘ Es kam mir nie in den Sinn, daß unter Zwang gemachte Aussagen ungültig sein könnten.“''

Am 5. März 1940 unterzeichneten die Mitglieder des Politbüros der [[KPdSU]] – [[Stalin]], [[Molotow]], [[Kaganowitsch, Lasar Moissejewitsch|Kaganowitsch]], [[Woroschilow]], [[Anastas Iwanowitsch Mikojan|Mikojan]], [[Beria]] und [[Kalinin]] – den Befehl zur Exekution von „Nationalisten und konterrevolutionären Aktivisten” in den besetzten Gebieten. Diese weite Definition ermöglichte es, neben Offizieren, Soldaten und Reservisten auch ca. 10.000 polnische Intellektuelle und Polizisten zu massakrieren. Erfaßt wurden schließlich etwa 25.700 Polen, einschließlich der Kriegsgefangenen.

Vom 3. April bis zum 19. Mai 1940 ermordete der sowjetische Geheimdienst NKWD<ref>Polen gedenkt der Opfer des Katyn-Massakers - „Die ''1940 in Katyn vom sowjetischen Geheimdienst NKWD ermordet wurden''“, Deutschlandradio Kultur, 10. November 2007</ref> 14.552 Gefangene: die größten Opfergruppen in Katyn, 6.311 aus dem Lager [[Ostaschkow]], 4.421 Mann aus [[Kozielsk]], 3.982 aus [[Starobielsk]], die in [[Charkow]] massakriert wurden sowie eine Gruppe aus dem [[Kriegsgefangenenlager]] auf einer Insel im Seligersee, in der Nähe von [[Twer]]. Die Leichen der Opfer aus Kozielsk wurden ebenfalls im Wald von Katyn vergraben.

[[Datei:Dezember_1941_-_Anders,Sikorski,Stalin.jpg|framed|right|Dezember 1941: [[Władysław Anders]], [[Władysław Sikorski]],<br/> [[Josef Stalin]]]]

Nach dem Beginn des [[Rußlandfeldzug]]es 1941 unterzeichnete der polnische Exilpräsident Sikorski am 4. Juli mit dem sowjetischen Botschafter [[Iwan Majski]] ein Abkommen über die Bildung einer polnischen Armee im Osten ([[Sikorski-Majski-Abkommen]]). Dank diesem sollte angeblich die Sowjetregierung eine Amnestie für Polen erlassen, die zwischen 1939 und 1941 in die Sowjetunion deportiert worden waren. Dazu kam es jedoch nicht. Hierzu heißt es im Gesprächsprotokoll eines Treffens im Kreml am 3. Dezember 1941:<ref>[http://katyncrime.pl/Aus,einem,Gespr%C3%A4chsprotokoll,im,Kreml,392.html vgl.: katyncrime.pl]</ref>

:General [[Władysław Sikorski]]: ''„Ich muß Ihnen mitteilen, Herr Präsident, daß Ihre Amnestieverlautbarung nicht befolgt wird. Viele unserer Leute, und zwar die wertvollsten, befinden sich heute noch in Arbeitslagern und Gefängnissen.“

:[[Stalin]] (notiert): ''„Das ist unmöglich, die Amnestie betraf doch alle, und alle Polen wurden freigelassen.“

:General Władysław Sikorski: ''„Ich habe hier eine Liste mit den Namen von etwa 4.000 Offizieren, die gewaltsam deportiert wurden und die sich gegenwärtig noch in Gefängnissen und Arbeitslagern befinden. [...] Diese Leute sind hier. Keiner von ihnen ist zurückgekehrt.“

:Stalin: ''„Das ist unmöglich. Sie werden geflohen sein.“

:General [[Władysław Anders]]: ''„Wohin hätten sie denn fliehen können?“

:Stalin: ''„Na, vielleicht in die Mandschurei.“

=== Sowjetisierung Ostpolens ===

Die [[Zweite Polnische Republik]] war seit ihrer Gründung 1918 mit Sowjetrussland verfeindet. Polen siegte im [[Polnisch-Sowjetischer Krieg|Polnisch-Sowjetischen Krieg]] (ab 1920) und erhielt 1921 im [[Friede von Riga (1921)|Frieden von Riga]] erhebliche Teile der Ukraine und Weißrusslands zurück, die es durch die [[Teilungen Polens]] ab 1772 an das [[Russisches Kaiserreich|Russische Kaiserreich]] verloren hatte. Die Sowjetunion betrachtete diese Gebiete dagegen als rechtmäßiges Gebiet Russlands und wollte die 1921 festgelegten Grenzen zu Polen revidieren. Der polnische Staatschef [[Józef Piłsudski]] erstrebte [[britisch-französische Garantieerklärung]]en und Bündnisse mit kleineren Nachbarstaaten in [[Osteuropa]], um Polens Unabhängigkeit gegen sowjetisches und deutsches Hegemoniestreben zu sichern.<ref>Jörg Zägel: ''Vergangenheitsdiskurse in der Ostseeregion 2: Die Sicht auf Krieg, Diktatur, Völkermord, Besatzung und Vertreibung in Russland, Polen und den baltischen Staaten.'' Lit Verlag, 2007, ISBN 978-3-8258-0203-5, [http://books.google.de/books?id=unDjugNBGjgC&pg=PA95 S. 95.]</ref> Polen und die Sowjetunion schlossen 1932 einen [[Nichtangriffspakt]], den sie 1934 um zehn Jahre verlängerten.

Am 24. August 1939 steckten [[Deutsches Reich 1933 bis 1945|NS-Deutschland]] und die Sowjetunion im „[[Deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt|Hitler-Stalin-Pakt]]“ ihre Interessengebiete in Osteuropa ab. In einem geheimen Zusatzprotokoll vereinbarten sie unter anderem die [[Vierte Teilung Polens|Aufteilung Polens]] „für den Fall einer territorial-politischen Umgestaltung“. Nach dem deutschen [[Polenfeldzug|Überfall auf Polen]] am 1. September 1939 besetzte die [[Rote Armee]] am 17. September ohne Kriegserklärung mit 500.000 Soldaten [[Ostpolen]], kämpfte ebenfalls gegen die polnischen Truppen und besiegelte so deren Niederlage gegen die Deutschen. Die polnische Regierung ging nach [[Rumänien]] ins Exil. Viele polnische Soldaten flohen ins Ausland oder ergaben sich und gingen in deutsche oder sowjetische [[Kriegsgefangenschaft]].<ref>Krzysztof Ruchniewicz: ''„Noch ist Polen nicht verloren“.'' Lit Verlag, 2007, ISBN 978-3-8258-0893-8, [http://books.google.de/books?id=z-tSHA4vGoYC&pg=PA43 S. 43.]</ref> Die Rote Armee machte in Ostpolen etwa 250.000 Kriegsgefangene.<ref>Klaus-Michael Mallmann, Bogdan Musial: ''Genesis des Genozids: Polen 1939–1941.'' Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004, ISBN 3-534-18096-8, S. 24.</ref>

Gemäß dem [[Deutsch-Sowjetischer Grenz- und Freundschaftsvertrag|deutsch-sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag]] vom 28. September teilten die Sieger Polen untereinander auf<ref>Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: A Crime Without Punishment.'' 2008, [http://books.google.de/books?id=SyimWfkx0-MC&pg=PA14 S. 14–20.]</ref> und zerstörten dann je auf ihre Weise gezielt den polnischen Staat, seine Verwaltungsstrukturen, Parteien und Institutionen. Beide Seiten verfolgten den Klerus und die intellektuelle Elite, wobei die Deutschen bereits Massaker an polnischen [[Juden]] verübten. Die Sowjetunion rechtfertigte ihre [[Sowjetische Besetzung Ostpolens|Besetzung Ostpolens]] als angebliche Befreiung dort lebender Ukrainer und Weißrussen von polnischer Gewaltherrschaft und legitimierte den Anschluss der besetzten Gebiete an benachbarte Sowjetrepubliken mit manipulierten Volksabstimmungen.<ref>Katrin Boeckh, Hermann Beyer-Thoma: ''Stalinismus in der Ukraine: Die Rekonstruktion des sowjetischen Systems nach dem Zweiten Weltkrieg.'' Harrassowitz, 2007, ISBN 978-3-447-05538-3, [http://books.google.de/books?id=2w8Zi_XlPoQC&pg=PA66 S. 66.]</ref> Ihre Politik zielte in ganz Osteuropa auf die Bildung von scheinbar autonomen Sowjetrepubliken mit ethnisch homogener Bevölkerung ab.<ref>Dietrich Beyrau: ''Schlachtfeld der Diktatoren. Osteuropa im Schatten von Hitler und Stalin.'' Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000, ISBN 3-525-34021-4, [http://books.google.de/books?id=aq2n2gx9nLcC&pg=PA124 S. 124.]</ref> Das NKWD verhaftete 110.000 meist polnische Bürger Ostpolens wegen „antisowjetischer“ Aktivitäten<ref>[[Włodzimierz Borodziej]]: ''Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert: Geschichte Polens im 20. Jahrhundert.'' C. H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60648-9, [http://books.google.de/books?id=-Bp59BCu3hUC&pg=PA196 S. 196.]</ref> und [[Deportation|deportierte]] von Februar 1940 bis Juni 1941 um die 320.000 Polen in sowjetische Gebiete.<ref>Die Gesamtzahl ist umstritten: Katrin Boeckh, Hermann Beyer-Thoma: ''Stalinismus in der Ukraine: Die Rekonstruktion des sowjetischen Systems nach dem Zweiten Weltkrieg.'' 2007, [http://books.google.de/books?id=2w8Zi_XlPoQC&pg=PA69 S. 69.]; Tadeusz Piotrowski: ''The Polish Deportees of World War II: Recollections of Removal to the Soviet Union and Dispersal Throughout the World.'' Mcfarland & Co, 2007, [http://books.google.de/books?id=9Kefzi0_vwIC&pg=PA4 S. 4.]</ref> Ein Befehl des Oberkommandos der Roten Armee legitimierte das Ausschalten von „[[Konterrevolutionär]]en“ jeder Nationalität oder Volkszugehörigkeit in den Grenzregionen der Sowjetunion, traf damit aber vor allem polnische Berufs- oder Reserveoffiziere, Polizisten, Beamte, Richter, Rechtsanwälte, Lehrer und Kleriker.<ref>Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: A Crime Without Punishment.'' 2008, [http://books.google.de/books?id=SyimWfkx0-MC&pg=PA23 S. 23.]</ref>

Diese Maßnahmen standen in der Tradition geheimer „nationaler Operationen“ des NKWD in der Zeit des [[Großer Terror (Sowjetunion)|Großen Terrors]] 1937–1939. Darunter war auch die mit dem NKWD-Befehl Nr. 00485 am 11. August 1937 begonnene „[[Polnische Aktion|Polnische Operation]]“ gegen angebliche Sabotage-, Spionage- und Militärorganisationen des Feindstaates Polen auf sowjetischem Boden. Unter diesem Vorwand waren in 14 Monaten 143.000 Sowjetbürger polnischer Herkunft, mit polnisch klingenden Namen oder Kontakten nach Polen verhaftet worden; 111.091 davon wurden als „liquidiert“ (ermordet) registriert.<ref>Nikita Petrov, Arsenii Roginskii: ''The Polish Operation of the NKVD, 1937-8.'' In: Barry McLoughlin, Kevin McDermott: ''Stalin's Terror: High Politics and Mass Repression in the Soviet Union.'' Palgrave, 2003, ISBN 1-4039-0119-8, S. 153–172; Zahlen [http://books.google.de/books?id=8yorTJl1QEoC&pg=PA164 S. 164.]</ref>

=== Lagersystem ===

[[Datei:Lavrenty Beria.jpg|miniatur|Lawrenti Beria (1899–1953); seit 1938 Volkskommissar (Leiter) des NKWD]]

Die Sowjetunion hatte die zweite [[Genfer Konvention]] zum Schutz von Kriegsgefangenen von 1929 nicht unterzeichnet, aber bis 1939 erklärt, sie dennoch achten zu wollen. Am 18. September 1939 unterstellte das Politbüro der KPdSU jedoch etwa 125.000 polnische Kriegsgefangene der Zuständigkeit des NKWD und entzog sie damit völkerrechtlichem Schutz.<ref>Krzysztof Ruchniewicz: ''„Noch ist Polen nicht verloren“.'' 2007, [http://books.google.de/books?id=z-tSHA4vGoYC&pg=PA45 S. 45.]</ref>

Am 19. September 1939 erließ Volkskommissar [[Lawrenti Beria]] im NKWD den Geheimbefehl 0308, eine Verwaltung und acht Lager für Kriegsgefangene einzurichten. Zum Chef der neuen Abteilung ernannte er Pjotr Soprunenko. Diesem wurden ab 1940 auch die zu Internierten umdefinierten Gefangenen unterstellt.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 49.</ref> Ab 20. September brachte das NKWD seine Gefangenen in sieben für deren Menge zu kleine und schlecht ausgerüstete Durchgangs- und Überprüfungslager. Sie mussten in Zelten, Notunterkünften oder unter freiem Himmel nächtigen, Wertgegenstände abgeben, erhielten kaum Nahrung, Wasser und medizinische Versorgung. Viele starben in den ersten Wochen an durch mangelnde Hygiene verursachten Krankheiten. Ab 1. Oktober 1939 registrierte man alle Häftlinge und notierte in Fragebögen ihre soziale Herkunft, schulische und militärische Ausbildung, Berufe, politische Parteizugehörigkeit und ihren Familienstand. Ihr Tagesablauf war minutiös geregelt, jedoch durften sie sich im Lager frei bewegen. Sie wurden politischen Indoktrinationsversuchen unterzogen und durften ihre Religion nicht ausüben.

Nach der Entlassung von etwa 42.000 Ukrainern und Weißrussen ab dem 3. Oktober 1939 und der Übergabe von etwa 43.000 Gefangenen aus westpolnischen Gebieten an die Wehrmacht ab dem 23. Oktober verblieben noch 39.600 Kriegsgefangene aus Ostpolen in NKWD-Lagern. 24.600 davon mussten in Arbeitslagern Zwangsarbeit leisten, 15.000 als besonders gefährlich eingestufte Offiziere wurden auf drei Speziallager verteilt.<ref>Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: A Crime Without Punishment.'' 2008, [http://books.google.com/books?id=SyimWfkx0-MC&pg=PA81 S. 81.]</ref> Auf Befehl Berias vom 3. Oktober kamen 5.000 meist höhere Offiziere und Generäle nach [[Koselsk]] ([[Oblast Kaluga]]), etwa 3.900 Berufssoldaten und Reserveoffiziere, darunter auch jüdische und deutschstämmige Polen, nach [[Starobilsk]] ([[Oblast Luhansk]], Ukraine) sowie etwa 6.500 Polizisten, Gendarmen, Grenzsoldaten, Angehörige der militärischen Abwehr und Gefängniswärter nach [[Ostaschkow]] auf der Insel Stolobny im nordrussischen [[Seligersee]]. In allen drei Lagern befanden sich einige Geistliche, in Ostaschkow zudem Gutsbesitzer, Juristen, Lehrer, Ärzte und Apotheker.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 56–64.</ref>

Am 8. Oktober 1939 befahl Beria, diese drei Lager nach potentiellen Agenten, Feinden der Sowjetunion, Mitgliedern nationalistischer Organisationen und [[Zionismus|Zionisten]] zu durchsuchen. Für diese Aufgabe entsandte das NKWD Geheimdienstler und Verhörspezialisten der Staatssicherheit in jedes Lager. Nachdem Lagerhäftlinge Behandlung nach der Genfer Konvention verlangt und ein Lagerkommandant vom NKWD deren Text erbeten hatte, verpflichtete Soprunenko die Lagerkommandanten, sich nur nach den NKWD-Direktiven zu richten.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 68.</ref> Am 24. November wies er darauf hin, die meisten Polen seien nach sowjetischem Recht sowjetische Bürger und nach der Gesetzeslage daher keine Kriegsgefangenen. Am 29. November machte der [[Oberster Sowjet der UdSSR|Oberste Sowjet]] alle Bewohner Ostpolens per Dekret zu sowjetischen Staatsbürgern.<ref>Włodzimierz Borodziej: ''Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert: Geschichte Polens im 20. Jahrhundert.'' München 2010, [http://books.google.de/books?id=fYdJbwiyRisC&pg=PA240 S. 240.]</ref> Zudem unterstellte der Chefankläger des höchsten sowjetischen Militärgerichts die inhaftierten Polen am 28. Januar 1940 der Gerichtsbarkeit des NKWD.<ref>Michael Parrish: ''The Lesser Terror: Soviet State Security, 1939–1953.'' Greenwood Press, 1996, ISBN 0-275-95113-8, [http://books.google.de/books?id=NDgv5ognePgC&pg=PA62&lpg=PA55 S. 55.]</ref>

Das NKWD installierte ein Spitzelsystem in den Lagern, unterteilte die Gefangenen in Kategorien wie „Volksfeind“, „Spitzel“, „Saboteur“, „Terrorist“ oder „Verschwörer“ und ließ einige dieser Gruppen näher beobachten, um „Konterrevolutionäre“ herauszufiltern. Als „Volksfeinde“ galten polnische Sozialdemokraten, [[Narodowa Demokracja|Nationaldemokraten]], Piłsudski-Anhänger, höhere Offiziersränge, russische Flüchtlinge sowie Initiatorenvon Selbsthilfegruppen und deren Teilnehmer im Lager. Die Spitzel ermittelten Personen, die religiöses Leben und Bildung unter den Gefangenen organisierten, und protokollierten patriotische, prowestliche und antisowjetische Aussagen. Sie deuteten auch unpolitische Vorträge als Deckmantel für konterrevolutionäre Tätigkeit. Wie aus ihren Berichten hervorgeht, ließen sich die Gefangenen nur zur Selbstversorgung des Lagers zwingen und waren kaum dazu bereit, bei Polens „Befreiung“ mit der Sowjetunion zusammenzuarbeiten.<ref>Krzysztof Ruchniewicz: ''„Noch ist Polen nicht verloren“.'' 2007, S. 46–[http://books.google.de/books?id=z-tSHA4vGoYC&pg=PA50 50].</ref>

Bis zum 10. Februar 1940 erhielt die „erste Sonderabteilung“ des NKWD unter Leonid Baschtakow alle Verhörergebnisse aus den Lagern. Am 20. Februar schlug Soprunenko Beria vor, 400 bis 500 ukrainische und weißrussische Schwerkranke, Invaliden, über 60-Jährige und Fachkräfte, die nicht antisowjetisch aufgefallen seien, aus Koselsk und Starobelsk zu entlassen. Beria lehnte ab.<ref>Michael Parrish: ''The Lesser Terror: Soviet State Security, 1939–1953.'' Greenwood Press, 1996, ISBN 0-275-95113-8, [http://books.google.de/books?id=NDgv5ognePgC&pg=PA62&lpg=PA56 S. 56.]</ref>

Eigens entsandte Schnellgerichte des NKWD verurteilten etwa 600 Offiziere im Lager Ostaschkow bis Mitte Februar 1940 nach Art. 58, § 13 des sowjetischen Strafgesetzbuchs zu drei bis zehn Jahren Zwangsarbeit im [[Gulag]]. Am 28. Februar forderte das NKWD per Eilboten fünf Akten von Verurteilten an, die Beria Stalin am 3. März vorlegte. Bei diesem Treffen wurde wahrscheinlich entschieden, alle Häftlinge der Speziallager durch eine zentrale [[Troika (NKWD)|Troika]] verurteilen und als Staatsfeinde ermorden zu lassen. Als Grund wird vermutet, dass Stalin Beria seinen Wunsch signalisierte, die Führungselite Polens auszuschalten, dass aber das bisherige Verfahren dafür zu zeit- und personalaufwändig erschien und sich die Mordabsicht bei nur wenigen Entscheidungsträgern besser geheim halten ließ.<ref>George Sanford: ''Katyn and the Soviet Massacre of 1940: Truth, Justice and Memory.'' 2005, [http://books.google.de/books?id=PZXvUuvfv-oC&pg=PA79 S. 79 f.]</ref>

=== Exekutionsbeschluss ===

Anfang März 1940 legte Beria Stalin einen für das [[Zentralkomitee der KPdSU]] bestimmten vierseitigen Befehlsentwurf vor. Der Text führte aus: Die in NKWD-Lagern sowie Haftanstalten der Westukraine und Weißrusslands befindlichen polnischen Offiziere, Polizisten, Spione, Angehörige nationalistischer konterrevolutionärer Parteien, Grenzverletzer und andere seien „geschworene Feinde der Sowjetmacht, hasserfüllt gegenüber der sowjetischen Ordnung“. In den NKWD-Lagern seien „14.736 ehemalige Offiziere […], ihrer Nationalität nach über 97 Prozent Polen“, in den Haftanstalten weitere 10.685 Polen und weitere 1207 ehemalige Berufsoffiziere. Eine detaillierte Liste schlüsselte diese Gesamtzahlen nach militärischen Graden, sonstigen Berufen oder Funktionen, Parteizugehörigkeiten und Sozialstatus auf.

Dem NKWD sei „vorzuschlagen“, über diese 14.700 ehemaligen Lagergefangenen und 11.000 anderen Häftlinge „in Sonderberatungen zu entscheiden und dabei die Höchststrafe – Tod durch [[Erschießung|Erschießen]] – anzuwenden“, „ohne die Inhaftierten vorzuladen, ohne … Anklage zu erheben.“  Beria schlug eine [[Troika (NKWD)|Troika]] für die „Sonderberatungen“ vor und setzte sich selbst, [[Wsewolod Merkulow]] und Leonid Baschtakow als Mitglieder ein.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 79–82; Zitate dort übersetzt.</ref>

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<gallery perrow="4" caption="Vorschlag von Lawrenti Beria an Stalin zur Exekution polnischer Offiziere – März 1940">

Katyn - decision of massacre p1.jpg|Seite 1.

Katyn - decision of massacre p2.jpg|Seite 2.

Katyn - decision of massacre p3.jpg|Seite 3.

Katyn - decision of massacre p4.jpg|Seite 4.

</gallery></small>

Am 5. März 1940 unterzeichneten die vier Politbüromitglieder Josef Stalin, [[Kliment Jefremowitsch Woroschilow]], [[Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow]] und [[Anastas Mikojan]] diesen Beschluss. Die Zustimmung von [[Lasar Moissejewitsch Kaganowitsch]] und [[Michail Iwanowitsch Kalinin]] wurde mit „Dafür“ notiert. Berias Name wurde gestrichen und durch den seines Stellvertreters [[Bogdan Kobulow]] ersetzt. Der Beschluss wurde auf die Tagesordnung des Politbüros gesetzt, das ihn am selben Tag unverändert bestätigte.

Dieser Mordbefehl gilt nach Art und Ausmaß als einzigartig: Alle sechs Unterzeichner hatten höchste, teils mehrere Staatsämter inne, so dass das Politbüro nicht eigens zusammengerufen wurde. Da das Dokument keine der sonst häufigen Spuren einer Bearbeitung Stalins trägt, gilt es als vorher mit ihm abgesprochen.<ref>George Sanford: ''Katyn and the Soviet Massacre of 1940: Truth, Justice and Memory.'' 2005, [http://books.google.de/books?id=PZXvUuvfv-oC&pg=PA78 S. 78.]</ref> Das Todesurteil für 26.000 Menschen war vorgegeben, die individuellen Urteilsgründe – erspitzelte, ungeprüfte und unprüfbare Aussagen, aus denen auf unverbesserliche, gefährliche sowjetfeindliche Einstellung gefolgert wurde – wurden der Troika nachträglich vorgelegt. Jeder Rechtsschutz für die Verurteilten fehlte.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 79 f.</ref>

Laut erhaltener Aktennotiz gab Merkulow seine Kopie „Nr. 41“ am 28. März 1940 an die Kanzlei des ZK zurück: Demnach waren trotz der Geheimhaltung mindestens 41 Personen schriftlich über den Exekutionsbeschluss informiert. Pjotr Soprunenko gehörte nach Aussage seiner Tochter dazu.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 85.</ref> Das Originaldokument wurde in einem auf Stalins Befehl eingerichteten Sonderarchiv des ZK aufbewahrt. Es befand sich in dessen Sektion 6 in einem versiegelten Umschlag im selben Ordner wie das geheime Zusatzabkommen zum Hitler-Stalin-Pakt. Da auf dem Umschlag vermerkt war, dass der spätere Staatschef [[Juri Wladimirowitsch Andropow]] ihn 1981 geöffnet hatte, nehmen Historiker, die das Dokument untersuchten, eine Einsichtnahme aller KPdSU-Generalsekretäre seit Stalin an.<ref>Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: A Crime Without Punishment.'' 2008, [http://books.google.de/books?id=SyimWfkx0-MC&pg=PA255 S. 255.]</ref>

=== Vorbereitung ===

Bei einer Konferenz in Moskau am 3. und 4. März 1940 befahl die NKWD-Zentrale den Lagerkommandeuren, die baldige Evakuierung der Lager vorzubereiten, und verbot ihnen streng, Urteile der Schnellgerichte vor dem Abtransport bekanntzugeben. Man brauche Raum für neue Kriegsgefangene aus dem sowjetischen [[Winterkrieg]] gegen Finnland (November 1939 bis März 1940). Um die Mordvorbereitungen zu kaschieren, wurde den Polen ihre Verlegung in Arbeitslager angekündigt.<ref>George Sanford: ''Katyn and the Soviet Massacre of 1940: Truth, Justice and Memory.'' 2005, [http://books.google.de/books?id=PZXvUuvfv-oC&pg=PA80 S. 80.]</ref>

Auf Befehl Berias vom 7. März 1940 wurden am 13. April etwa 60.000 Ehegatten, Kinder sowie im Haus mitlebende Eltern der zu exekutierenden 26.000 Polen nach [[Kasachstan]] deportiert.<ref>Tadeusz Piotrowski: ''The Polish Deportees of World War II: Recollections of Removal to the Soviet Union and Dispersal Throughout the World.'' Mcfarland & Co, 2007, [http://books.google.de/books?id=9Kefzi0_vwIC&pg=PA4 S. 4.]</ref> Ihre Wohnungen wurden Rotarmisten und KP-Mitgliedern zur Verfügung gestellt. Das war die zweite von vier großen Deportationen von Polen im Jahre 1940/41. Sie wurden nach Richtlinien ausgeführt, die [[Iwan Alexandrowitsch Serow]] erstellt hatte.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 41–44.</ref>

In den Tagen nach dem Mordbeschluss befahl das NKWD 15 bis 20 Beamten aus den beteiligten Regionalverwaltungen von [[Charkow]], [[Twer|Kalinin]] und Smolensk, den Staatsmassenmord so wie beschlossen streng geheim auszuführen. Bogdan Kobulow weihte unter anderem Dmitri Tokarjew, dessen Stellvertreter Wassili Pawlow und den „Kommandanten“ (Scharfrichter, Henker) Andrej Rubanow ein.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 83 f.</ref> Am 15. und 16. März 1940 befahl Soprunenko den nach Moskau vorgeladenen Lagerkommandeuren und Leitern der Spezialabteilungen in den Lagern die „Organisierung des Abtransports der Kriegsgefangenen nach ergangenem Urteil“. Dabei wurde der ganze Ablauf festgelegt: Amtliche Befehle zum Abtransport sollten den Gefangenen vor ihrer Übergabe verlesen werden. Die Übergabeorte an Wachpersonal und Transportbegleiter wurden bestimmt. Die Waggons sollten jeweils mit Gruppen aus gleichen oder benachbarten Regionen besetzt werden, um ihnen ihre Entlassung vorzutäuschen. Fragen nach dem Transportziel sollten einheitlich mit „zur Arbeit in ein anderes Lager“ beantwortet werden. Aus verlässlichen NKWD-Angehörigen wurden Truppen zur Abholung von den Zielbahnhöfen, von dort zu den Hinrichtungsplätzen, Fotografen der Exekutionen, Todesschützen, Bestatter und weitere „Liquidatoren“ bestimmt.

Ab dem 16. März 1940 war den Lagerhäftlingen jeder Briefverkehr verboten. Sonderfahrpläne für die Transportzüge wurden erstellt. Bis Ende März wurden alle Wachmannschaften detailliert eingewiesen. Ab 1. April erhielten die Lagerkommandeure die ersten schematischen Listen mit jeweils 70 bis 300 Vor- und Nachnamen, Geburtsjahr – kein Tagesdatum – und Aktennummern von Häftlingen, die sofort an die jeweilige NKWD-Stelle der Zielregion zu „verlegen“ seien. Absender und Unterzeichner waren Baschtakow oder sein Stellvertreter Arkadi Gerzowski, die die Troika-Urteile durch Listeneinträge umzusetzen hatten. Dazu erhielt die Troika zuvor entsprechende Listen aus den Lagern mit den Gefangenenakten. Die Leitung der Gesamtaktion oblag Merkulow.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 85–91.</ref>

=== Ausführung ===

[[Datei:Massacre of Katyn.png|miniatur|hochkant=1.5|Karte mit Lagern und Mordplätzen]]

Die Gefangenen wurden vom 3. April bis 19. Mai 1940 in fensterlosen Waggons an ihre Hinrichtungsorte transportiert und dort direkt ermordet. Die Gefangenen aus Koselsk kamen nach Katyn, die aus Starobelsk nach [[Charkow]] und die aus Ostaschkow nach Kalinin (heute [[Twer]]).<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2000, S. 78, 90 und 102</ref> An vorgesehenen Stellen waren zuvor mit Baggern nachts und streng geheim Gruben ausgehoben worden.

In Gnjosdowo bei Katyn mussten nach Zeugenaussagen von Überlebenden je etwa 30 Ankömmlinge vom Zug direkt in schwarz lackierte Busse mit weiß getünchten Scheiben umsteigen. Der Umsteigeplatz war von Truppen mit aufgepflanzten Bajonetten eng umstellt. Der Bus fuhr die Gefangenen an den etwa 15 km entfernten Hinrichtungsort im Wald. Dort wurden sie jeweils einzeln mit einem Genickschuss getötet, nur selten einem zweiten, bei aufgesetzter Mündung und einheitlichem Schusswinkel. Die Täter benutzten Pistolen der deutschen Marke [[Carl Walther GmbH Sportwaffen|Walther]] und bei Gustav Genschow (Karlsruhe-Durlach) hergestellte 7,65-Millimeter-Patronen, die die Sowjetunion seit 1928 in großen Mengen importiert hatte. Der ungeordneten Lage mancher Leichen zufolge wurden einige direkt am Rand der Gruben erschossen und fielen dann hinein. Vielen hatte man die Arme mit Seilschnüren auf dem Rücken gefesselt, einigen den Mantel über den Kopf gezogen, ihn um den Hals verschnürt und die Zwischenräume mit Sägemehl ausgestopft, um ihre Gegenwehr zu verhindern. Viele wiesen Knochenbrüche und vierkantige Einstiche von Bajonetten auf.<ref>Jozef Mackiewicz: ''Katyn – ungesühntes Verbrechen.'' 1949, S. 123 (gestützt auf das Polnische Weißbuch 1948).</ref>

Im NKWD-Sitz von Kalinin wurde nach Aussage Dmitri Tokarjews von 1991 jeder Häftling nach Feststellung der Personalien sofort in Handschellen gelegt und in einen schalldicht gedämmten Kellerraum geführt, wo zwei Täter seine Arme festhielten, ein dritter ihm in den Schädel schoss. Der Getötete wurde durch eine zweite Tür in ein Transportfahrzeug gelegt. Manche wurden auch dort am Rand der Gruben erschossen.

Nach den Morden eines Tages tranken die Täter Alkohol, nach Abschluss der ganzen Mordserie feierten sie ein Bankett.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 289.</ref> Die Kommandanten der geleerten Lager mussten alle Personalakten der ermordeten Häftlinge verbrennen und nur ihre Transportlisten an die NKWD-Zentrale senden.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 106 f.; 111; Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: A Crime Without Punishment.'' 2008, [http://books.google.de/books?id=SyimWfkx0-MC&pg=PA125 S. 125.]</ref>

=== Ausführende ===

[[Datei:Vasilii Mikhailovich Blokhin, Major-General, (1895 – 1955) (NKVD).jpg|miniatur|hochkant|Wassili Blochin (1895–1955), Chef des Exekutionskommandos im NKWD]]

Die für die Ausführung wichtigsten Täter nach den Entscheidern (Politbüro) und Organisatoren (Troika und NKWD-Zentralverwaltung) waren die regionalen NKWD-Behördenleiter Jemeljan Kuprijanow (Smolensk), Pjotr Sergejewitsch Safonow (Charkow) und Dmitri Tokarjew (Kalinin).<ref>George Sanford: ''Katyn and the Soviet massacre of 1940: truth, justice and memory.'' 2005, [http://books.google.de/books?id=PZXvUuvfv-oC&pg=PA112 S. 112.]</ref> Sie stellten aus ihren Untergebenen die an den Morden unmittelbar beteiligten Kraftfahrer, Baggerführer, Bestatter, Fotografen, Bewacher und Pistolenschützen zusammen. Weitere Täter gehörten zu dem Bataillon, das die Transporte begleitete, und zu lokalen NKWD-Stellen, so der Gefängnisdirektor Iwan Stelmach aus Smolensk.<ref>Michael Parrish: ''The Lesser Terror: Soviet State Security, 1939–1953.'' 1996, [http://books.google.de/books?id=NDgv5ognePgC&pg=PA57 S. 57.]</ref>

Die Moskauer NKWD-Zentrale stellte Exekutionskommandos aus Staatssicherheitsbeamten bereit, darunter die Leutnants Josif Gribow, Timofej Kuprij, Nikita Melnik und Andrej Rubanow. Ihr Leiter war der Major [[Wassili Blochin]], der selbst die meisten Häftlinge aus Ostaschkow in Kalinin erschoss. Er soll entschieden haben, 250 Personen pro Nacht zu erschießen.<ref>Michael Parrish: ''The lesser terror: Soviet state security, 1939–1953.'' Greenwood Press, 1996, ISBN 0-275-95113-8, [http://www.books.google.de/books?id=NDgv5ognePgC&pg=PA57 S. 57.]</ref> Zu den Ausführenden gehörten auch Agenten und Sonderbrigaden aus den Speziallagern, die der NKWD-Zentrale direkt unterstellt waren, Mitarbeiter der Verwaltungsabteilung für Kriegsgefangene und der Hauptverwaltung Transportwesen.

Beria hatte sie schon vor Beginn der Morde motiviert, indem er am 17. März 1940 einmal sechs und zweimal drei NKWD-Funktionäre aus den Regionalbehörden und Lagern beförderte. Sie alle wirkten nachweislich bei den Erschießungen mit. Am 26. Oktober 1940 belohnte Beria laut Aktenfund 124 namentlich genannte Täter „für die erfolgreiche Erfüllung von Sonderaufträgen“ mit einer „Geldprämie in Höhe eines Monatsgehalts“ (43 Personen) oder „800 Rubel“ (81 Personen). Andere wurden befördert. Die oberen Ränge stiegen vielfach rasch in hohe Positionen von Partei, Geheimdienst und Staatssicherheit auf und erhielten den [[Orden des Roten Sterns]].<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 92–94.</ref> Widerspruch von Tätern gegen die Morde ist nicht bekannt.

=== Die Opfer Zahlen und Orte ===

Eine von Pjotr Soprunenko unterzeichnete, bis 25. Mai 1940 erstellte Statistik zur „Liquidierung“ der „abtransportierten“ polnischen Kriegsgefangenen nannte folgende Zahlen:

* 4.609 aus [[Koselsk]],

* 3.974 aus [[Starobilsk]],

* 6.399 aus [[Ostaschkow]].

Von diesen 14.587 Personen seien 395 in das [[Lager Pawlitschew Bor]] verlegt worden. Die Statistik belegt somit 14.192 Ermordete aus den drei Lagern, erfasste aber nicht die weiteren aus Gefängnissen, Arbeitslagern und Lazaretten verschleppten Polen. In Unterlagen, die Oberleutnant Zwetuchin (einer der Mörder) befehlsgemäß am 25. November 1940 an Leonid Baschtakow sandte, fanden sich zudem 3.435 alphabetisch geordnete Namen von ermordeten Polen aus Lagern der Ukraine. Diese „ukrainische Katynliste“ wurde nach 1990 gefunden und 1994 dem Generalstaatsanwalt Polens übergeben.<ref name="Gerd Kaiser 2002">Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 124.</ref>

Eine Geheimakte der Abteilung Kriegsgefangene des NKWD vom Dezember 1943 dokumentierte abschließend die Leerung der drei Speziallager für andere Behörden. Sie beziffert polnische Militär- und Polizeiangehörige, die zwischen 1939 und 1941 an Regionalbehörden des NKWD überstellt worden seien, auf 15.131.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 132.</ref>

Der KGB-Vorsitzende [[Alexander Nikolajewitsch Schelepin]] schrieb am 3. März 1959 an Staatschef [[Nikita Sergejewitsch Chruschtschow]], aufgrund eines Beschlusses der Troika des NKWD 1940 habe man 21.857 Vertreter der polnischen [[Bourgeoisie]] erschossen, darunter

* 4.421 im Wald bei Katyn,

* 3.820 (die aus Starobelsk) bei Charkow

* 6.311 (die aus Ostaschkow) bei Kalinin,

* 7.305 aus anderen Lagern und Gefängnissen der Westukraine und Westweißrusslands.

Er schlug Chruschtschow vor, alle im NKWD archivierten Personalakten der Ermordeten zu vernichten und nur die Listen der Troika-Urteile zu bewahren.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2000, S. 354.</ref>

Bisher wurden folgende Gräber mit Mordopfern aufgefunden, die auf den Exekutionsbeschluss vom 5. März 1940 zurückgeführt werden:

* Wald bei Katyn: 4.410 bis 4.430 polnische Offiziere.

* Dorf [[Mednoje]]: rund 6.300 polnische Armee-, Polizei- und Gendarmerieoffiziere sowie einige Zivilisten. Sie wurden in einem NKWD-Keller in Kalinin ermordet.<ref>Tadeusz Kisielewski: ''Katyń. Zbrodnia i kłamstwo.'' Posen 2008, S. 74–90.</ref>

* Wald- und Parkgebiet bei [[Pjatychatky (Charkiw)]]: 3.739 bis 3.896 Offiziere, ermordet in einem NKWD-Gefängnis in Charkow.

* Waldgelände [[Kurapaty]]: 3.700 bis 4.500 Personen, ermordet wahrscheinlich im NKWD-Sitz in [[Minsk]].<ref>Tadeusz Kisielewski: ''Katyń. Zbrodnia i kłamstwo.'' Posen 2008, S. 105–113.</ref>

* Wald von [[Bykiwnja]]: vermutlich 3.435 Polen, da einige davon, die identifiziert wurden, auf der „ukrainischen Katyn-Liste“ verzeichnet waren. Es waren überwiegend Zivilisten aus einem Lager in der Ukraine. Sie wurden wahrscheinlich im NKWD-Sitz von [[Kiew]] ermordet. Das Grab wurde 2006 entdeckt.<ref>[http://derstandard.at/2545860 Der Standard, 9. August 2006: ''Gräber polnischer Soldaten in der Ukraine entdeckt''].</ref>

* Ermordet in NKWD-Gefängnissen von Lwów ([[Lemberg]]) im Juli 1941: 2.464 Polen aus Arbeitslagern.<ref name="Gerd Kaiser 2002" />

Man versucht, möglichst viele dieser und weiterer Opfer zu identifizieren. Dies erschweren mehrere Faktoren: Vollzugsakten zu 7.305 Ermordeten aus anderen Lagern und Gräber von 3.880 in Weißrussland Begrabenen wurden bisher nicht gefunden. Weißrussische Behörden halten relevante Akten dazu geheim.<ref name="Gerd Kaiser 2002" /> In Bykiwnja liegen einige polnische Mordopfer von 1940 mit Mordopfern der „Polen-Operation“ von 1937/38 in denselben Gräbern und können daher kaum voneinander unterschieden werden.<ref>Włodzimierz Borodziej: ''Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert: Geschichte Polens im 20. Jahrhundert.'' C. H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60647-2, [http://books.google.de/books?id=YDm0mew8pP0C&pg=PA197 S. 197.]</ref> Dort wird das größte Gräberfeld mit Opfern [[Stalinistische Säuberungen|stalinistischer Säuberungen]] in der Ukraine vermutet.<ref>Tadeusz Kisielewski: ''Katyń. Zbrodnia i kłamstwo.'' Posen 2008, S. 95–97.</ref>

Von den maximal 15.131 Ermordeten aus den drei Speziallagern wurden bisher mindestens 14.463 aufgefunden und größtenteils identifiziert.<ref>Siehe die Bände der Warschauer Forschungsstelle Karta/Polski Memorial unter Quellen und Dokumente im Literaturverzeichnis.</ref> Oft wird eine Gesamtzahl von 22.000 bis 23.000 damals ermordeten Polen genannt. Rund 24.000 bis 25.000 aufgefundene Tote werden auf den Exekutionsbeschluss für bis zu 26.000 Polen zurückgeführt. Hinzu kommen mindestens 7.000 von etwa 40.000 polnischen Häftlingen, die bei Flucht- oder Aufstandsversuchen, besonders nach dem deutschen Überfall im Juni 1941, ermordet wurden. Eine unbekannte Zahl kam in Arbeitslagern um.<ref>Andrzej Paczkowski: ''Polen, der Erbfeind.'' In: [[Das Schwarzbuch des Kommunismus]], München 2004, S. 405.</ref>

=== Tote von Katyn ===

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Bronisław Bohatyrewicz.PNG|Bronisław Bohaterewicz (1870–1940), General

JLewandowska.JPG|Janina Lewandowska (1908–1940), Pilotin

Józef Panaś.png|Józef Panaś (1887–1940), Militärgeistlicher

Marian Spoida.jpg|[[Marian Spoida]] (1901–1940), Fußballer

Bundesarchiv Bild 183-J15385, Katyn, Öffnung der Massengräber, Gräber polnischer Generale.jpg|Gräber polnischer Generäle

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Unter den Toten von Katyn waren die Generäle Bronisław Bohaterewicz, Henryk Minkiewicz, Mieczysław Smorawiński und Konteradmiral Ksawery Czernicki sowie etwa 1.040 höhere Offiziere und über 3.400 Unteroffiziere, darunter etwa 300 Ärzte, über 200 Piloten, mehrere hundert Richter und Anwälte, über 100 Autoren und Journalisten, 43 Beamte, 20 Universitätsprofessoren, sieben Militär- oder Ordensgeistliche und drei Großgrundbesitzer.<ref>[http://dlib.eastview.com/browse/doc/19431859 Natalia Lebedewa: ''The Tragedy of Katyn.'' International Affairs, Moskau, Juni 1990, S. 102 f.] (kostenpflichtig)</ref> Bis zu 900 von ihnen waren Juden.<ref>Frank Fox: ''Jewish Victims of the Katyn Massacre.'' In: East European Jewish Affairs 23/1 (1993), {{ISSN|1350-1674}}, S. 49–55.</ref>

Bekannte Opfer waren der Ingenieur Adolf Morawski, der Lehrer Dobiesław Jakubowicz, der Sprengstoffexperte Tadeusz Tucholski, der Militärjurist Zbigniew Przystasz, der Rittmeister Zdzisław Sheybal und die Pilotin [[Janina Lewandowska]].<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 101 f.</ref>

=== Überlebende ===

[[Datei:Berling speaking.jpg|miniatur|hochkant|Zygmunt Berling (um 1944)]]

Am 6. April 1940 befahl Merkulow, acht hohe Stabsoffiziere von der Erschießung auszunehmen, darunter Jerzy Wołkowicki, Marian Morawski und Leon Bukojemski-Nałęcz. Auf Befehl Merkulows wurden am 25. und 26. April 1940 Listen an die drei Speziallager gesandt, wonach man insgesamt 395 Personen als Informanten des NKWD oder Sympathisanten des Sowjetsystems von den Erschießungen ausnehmen und nach Pawlitschew Bor überstellen solle. Hinzu kamen einige, die man auf Eingaben von ausländischen Botschaften hin schonte oder freiließ. Andere, die zunächst für bestimmte Dienste ausgespart wurden, sandte man auf spätere Todestransporte.

Stanisław Swianiewicz wurde erst im Wald von Katyn von den anderen Offizieren seines Transports getrennt; er konnte als einziger Überlebender der Katyn-Opfer die Vorgänge beim Einstieg in die Busse zur Exekution bezeugen. Aus Koselsk überlebten der Fähnrich Władysław Cichy, der die Fahrt bis zum nahe Katyn gelegenen Bahnhof Gnjosdowo genau beschrieb, der Oberst Tadeusz Felsztyn sowie die Priester Kamil Kantak und Zdzisław Peszkowski.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 91 f. und S. 97.</ref> Aus Starobilsk überlebten etwa [[Józef Czapski]] und [[Zygmunt Berling]].

Als Gesamtzahl werden zwischen 432 und 452 Überlebende angegeben. Deren Zeugnisse bildeten bis 1990 eine Hauptquelle zur Widerlegung der sowjetischen Geschichtsfälschung.<ref>George Sanford: ''Katyn and the Soviet Massacre of 1940: Truth, Justice and Memory.'' 2005, [http://books.google.de/books?id=PZXvUuvfv-oC&pg=PA114 S. 114 f.]</ref>

=== Suche nach den Vermissten ===

Die nach Pawlitschew Bor verlegten Überlebenden erfuhren durch Briefwechsel, dass die Angehörigen der ��brigen Offiziere seit März 1940 keine Post mehr von ihnen erhalten hatten und ihre Nachfragen bei Lagern und NKWD-Behörden nicht oder nichtssagend beantwortet wurden.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 115 f.</ref> Agenten der [[Armia Krajowa]] suchten von Juni bis Oktober 1940 in der Umgebung der Lager vergeblich nach Spuren der ehemaligen Insassen. Einige prosowjetische, unwissentlich verschonte Offiziere sprachen mit Beria und Merkulow im Oktober 1940 über den Aufbau einer polnischen Einheit in der Roten Armee und forderten, auch national gesinnte Offiziere aus Koselsk und Starobelsk aufzunehmen. Darauf habe Beria geantwortet: „Nein, diese nicht. Mit denen ist uns ein großer Fehler unterlaufen.“<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 122.</ref>

Am 18. März 1941 meldete das [[Polnisches Rotes Kreuz|Polnische Rote Kreuz]] (PCK) dem [[Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung|Internationalen Komitee vom Roten Kreuz]] (IKRK) in Genf die Vermissten und vermutete, die drei Speziallager seien aufgelöst worden.

Infolge des [[Deutsch-sowjetischer Krieg|deutschen Überfalls]] am 22. Juni 1941 erließ die Sowjetunion am 25. August 1941 eine Amnestie für alle polnischen Kriegsgefangenen und erlaubte den Aufbau einer polnischen Freiwilligenarmee auf ihrem Boden. General [[Władysław Anders]] richtete ein Büro ein, das die Namen der vermissten, auf etwa 15.000 bezifferten Polen und letztbekannten Daten zu ihnen zusammentrug. Überlebende erläuterten die Vorgänge bei der Auflösung der drei Speziallager. Das Büro stellte auch anhand früherer NKWD-Mitteilungen und Rückmeldungen aus Polen fest, dass deren Insassen nicht vor März 1940 entlassen und nicht an die Wehrmacht überstellt worden sein konnten.

Es folgten Anfragen von Regierungsvertretern. Der polnische Botschafter in Moskau, Stanisław Kot, übergab der Sowjetunion im September 1941 Belege, dass in sowjetischen Lagern seit der Amnestie immer noch Polen gefangen gehalten wurden, ihnen Kontaktaufnahme zur polnischen Botschaft verweigert und keine Angaben erfolgten, wer freigelassen wurde. Dass das NKWD angeblich keine Namenslisten der Vermissten hatte, obwohl seine akribische Buchführung bekannt war, beunruhigte die Polen besonders. Außenminister Molotow erklärte ihr Fehlen mit Transport- und Verwaltungsproblemen. Der stellvertretende Außenminister [[Andrei Januarjewitsch Wyschinski]] dagegen behauptete ohne Nachweise, sie seien alle freigelassen worden. Für Details sei er nicht zuständig. Stalin antwortete seinem Besucher [[Władysław Sikorski]] am 3. Dezember 1941, die vermissten Polen seien wohl in die [[Mandschurei]] geflohen. In den offiziellen Gesprächsprotokollen ließ die Sowjetunion alle Dialoge über die Vermissten aus.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 136–146.</ref>

Am 18. März 1942 erklärte Stalin General Anders, die Vermissten könnten sich in deutschen Lagern befinden. Die Rote Armee hätte nur Polen inhaftiert, die den Deutschen dienten. Am 8. Mai 1942 verbot die sowjetische Zensurbehörde der polnischen Botschaft, die baldige Freilassung der Vermissten anzukündigen, sowie alle Suchanzeigen von Familienangehörigen. Auf insgesamt 50 offizielle Nachfragen erhielten die Polen keine oder nur hinhaltende, vage und widersprüchliche Antworten, etwa dass die Vermissten ins Ausland geflohen, auf dem Heimweg zerstreut worden und gestorben seien. Die Polen vermuteten zwar ihren Tod, verdächtigten die Sowjetunion aber bis 1943 keines Verbrechens.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 147–156 und S. 174.</ref>

=== Entdeckung des Massakers ===

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<gallery perrow="2" caption="Fotografien aus dem „Amtlichen Material der Massenmorde zu Katyn“, April 1943">

Katyn Massacre - Mass Graves.jpg|Öffnung der Massengräber

Katyn massacre 1.jpg|Exhumierung der Leichen

</gallery></small>

Im Verlauf des deutsch-sowjetischen Krieges eroberte die deutsche [[Heeresgruppe Mitte]] Ende Juli 1941 die Region Smolensk. Polnische Zwangsarbeiter der [[Organisation Todt]] stießen im Wald von Katyn auf Menschenknochen, gruben einige Leichen in polnischen Uniformen aus und stellten ein Birkenkreuz bei der Fundstelle auf. Soldaten des im November 1941 nachgerückten Nachrichtenregiments 537 hörten von Dorfbewohnern, auf dem „Ziegenberg“ habe man Menschen erschossen. Sie meldeten dies im Herbst 1942 ergebnislos ihren Vorgesetzten. Oberstleutnant Friedrich Ahrens fand im Januar 1943 beim Birkenkreuz Knochen und vermutete eine Kriegsgräberstätte.

Im Februar 1943 entdeckten Wehrmachtssoldaten, namentlich von Gersdorff als I c in der Stabsabteilung der [[Heeresgruppe Mitte]], im Wald von Kozy Gory bei Katyn Massengräber mit den Leichen tausender polnischer Offiziere, die nach Aussagen der einheimischen Bevölkerung im Frühjahr 1940 ermordet worden waren.

Nach Frühlingsbeginn zog er den führenden deutschen Gerichtsmediziner [[Gerhard Buhtz]] hinzu. Dieser veranlasste am 29. März eine Probegrabung in einem von sieben flachen, mit jungen Kiefern oder Fichten bepflanzten Hügeln des Waldes, bei der man Leichen fand. Ab April mussten sowjetische Kriegsgefangene und Dorfbewohner die Massengräber öffnen: Dabei wurden Hunderte übereinander geschichtete Leichen in polnischen Uniformen sichtbar.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 156–160.</ref>

[[Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda|Propagandaminister]] [[Joseph Goebbels]] erfuhr am 9. April 1943 von den Funden. Er beschloss sofort, die Leichen polnischen Intellektuellen zu zeigen, um durch deren Berichte das Bündnis von Polen und Russen gegen NS-Deutschland zu zerstören. Frühere Versuche dazu waren gescheitert, weil man behauptete Gräuel von sowjetischer Seite dem Ausland nicht beweisen konnte.<ref>Thymian Bussemer: ''Propaganda: Konzepte und Theorien. Mit einem einführenden Vorwort von Peter Glotz.'' Vs Verlag, Münster 2008, [http://books.google.de/books?id=SuxjEbAttlsC&pg=PA186 S. 186 f.]</ref> Er ließ eine siebenköpfige Delegation sowie einige Kriegsgefangene aus dem besetzten Polen nach Katyn fliegen, die die Gräber vom 10. bis 14. April besichtigten und die [[polnische Exilregierung]] in London informierten. Sie weigerten sich jedoch, die deutschen Angaben in Polen zu verbreiten.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 171 f.</ref>

Am 13. April 1943 meldete das [[Deutsches Nachrichtenbüro|Deutsche Nachrichtenbüro]] im Rundfunk, deutsche Soldaten hätten im Wald von Katyn „mehr als 10.000“ Leichen polnischer Offiziere gefunden, die unbezweifelbar im Mai 1940 vom NKWD ermordet worden seien.<ref>{{Der Spiegel |ID=43063788 |Titel=Ostblock/Katyn: Ein schrecklicher Mißgriff |Jahr=1956 |Nr=34 |Datum=1956-08-22 |Seiten=28-29}}</ref>

Die [[Großdeutscher Rundfunk|reichsdeutschen Rundfunkmeldungen]] vom 13. April 1943 über die Funde veranlaßten die Polnische Exilregierung in London, eine internationale Untersuchung durch das [[Internationales Komitee vom Roten Kreuz|Internationale Komitee vom Roten Kreuz]] ([[IKRK]]) in [[Genf]] zu beantragen. Gegen dieses Vorhaben wehrte sich das Sowjet-Regime heftig und brach unter dem Vorwurf einer „Komplizenschaft mit [[Adolf Hitler|Hitler]]” jeden Kontakt zu polnischen Exilanten ab, was auch die sogenannte „Anti-Hitler-Koalition” belastete. Bis dahin hatte die polnische Exilregierung nicht eine Antwort auf ca. 50 offizielle Anfragen zum Verbleib ihrer Militärgefangenen erhalten.

Polens Exilregierung verlangte am 15. April Aufklärung des Verbrechens von der Sowjetunion und kündigte an, beim IKRK eine Untersuchung der Funde zu beantragen. Von Goebbels veranlasst, beantragte das [[Deutsches Rotes Kreuz|DRK]] am 17. April eine solche Untersuchung beim IKRK; kurz darauf ging auch der Antrag der Exilpolen ein. Am 23. April bot das IKRK eine neutrale Katyn-Kommission an, falls die sowjetische Regierung zustimme. Diese lehnte ab, stellte Polens Exilregierung am 24. April ein Ultimatum, ihren Antrag zurückzuziehen, und brach die Beziehungen zu ihr am 25. April ab.

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Katyn massacre 8.jpg|Fundstücke aus den Gräbern: Schulterstücke, Geldscheine

Bundesarchiv Bild 183-B23992, Katyn, Öffnung der Massengräber, polnische Dienstmarke.jpg|Dienstmarken

Bundesarchiv Bild 183-J21206, Katyn, Öffnung der Massengräber, polnische Rot-Kreuz-Mitarbeiter.jpg|Gutachter des Polnischen Roten Kreuzes

</gallery></small>

Um die deutschen Angaben trotz der Absage des IKRK international bestätigen zu lassen, lud Goebbels zwölf [[Pathologie|Pathologen]] aus Staaten ein, die bis auf die Schweiz mit Deutschland verbündet, von ihm besetzt oder abhängig waren: Reimond Speleers (Belgien), Marko Antonow Markow (Bulgarien), [[Helge Tramsen]] (Dänemark), Arne Saxen (Finnland), Vincenzo Palmieri (Italien), Eduard Miloslavić (Kroatien), Herman Maximilien de Burlet (Niederlande), Alexandru Birkle (Rumänien), [[François Naville]] (Schweiz), František Šubík (Slowakei), [[Ferenc Orsós]] (Ungarn), František Hájek ([[Protektorat Böhmen und Mähren]]). Vom 28. bis 30. April 1943 besuchten diese den Fundort, inspizierten die aufgedeckten Massengräber und obduzierten einige unter ihrer Aufsicht exhumierte Leichen, um Todesursachen und Todesdatum festzustellen. Ferner ließ Goebbels die Gräber je zwei britischen und US-amerikanischen Kriegsgefangenen vorführen, die ihren Regierungen später davon berichteten.

[[Datei:Bundesarchiv Bild 183-J14110, Katyn, Öffnung der Massengräber, Abschlussbericht.jpg|miniatur|Ferenc Orsós (links) übergibt den Abschlussbericht an Leonardo Conti (rechts; in der Mitte Reimond Speleers). Berlin, 4. Mai 1943]]

Die Kommission übergab ihren Abschlussbericht am 4. Mai 1943 an Reichsgesundheitsführer [[Leonardo Conti (Arzt)|Leonardo Conti]], der ihn als amtliches Gutachten herausgab. Als Indizien nannte es Aussagen von Einwohnern Katyns für Gefangenentransporte, Tagebucheinträge bis 9. April 1940, den Verwesungszustand von bis dahin 925 exhumierten Leichen, ihre Winterkleidung, fehlende Mückenstiche, vierstrahlige Stichverletzungen durch Bajonette, Jahresringe der Bäume auf den Gräbern und einheitliche Genickschüsse. Das Gutachten folgerte:„Aus den Zeugenaussagen, den bei den Leichen gefundenen Briefschaften, Tagebüchern, Zeitungen usw. ergibt sich, dass die Erschießungen in den Monaten März und April 1940 stattgefunden haben.“<ref>Zitiert nach Brigitte Esser: ''Die Chronik des Zweiten Weltkriegs.'' München 1994, ISBN 3-570-14339-2, S. 228.</ref> Da die Sowjetunion das Gebiet damals militärisch besetzt hatte, sei die sowjetische Geheimpolizei [[Gossudarstwennoje Polititscheskoje Uprawlenije|GPU]] für das Massaker verantwortlich.<ref>Friedemann Bedürftig (Hrsg.): ''Chronik des Zweiten Weltkriegs.'' Chronik Verlag, 2004, [http://books.google.de/books?id=Y3wFMlgitBIC&pg=PA278 S. 278.]; zur Benutzung durch NS-Propaganda siehe Friedrich Herber: ''Gerichtsmedizin unterm Hakenkreuz.'' Leipzig 2002, S. 305–313.</ref>

Auch Vertreter des Polnischen Roten Kreuzes, darunter getarnte Mitglieder des polnischen Widerstands, besuchten Katyn, überprüften den Befund der Gerichtsgutachter und bestätigten ihn als zutreffend.<ref name="KH Janßen">Karl-Heinz Janßen: [http://www.zeit.de/1988/30/katyn-kampf-gegen-die-luege/komplettansicht ''Katyn: Kampf gegen die Lüge.''] In: ''Die Zeit.'' 22. Juli 1988.</ref> Bis zum 7. Juni 1943 gruben sie 4143 Leichen aus, von denen man 2815 identifizierte. Dann ließen die Deutschen die Exhumierungen einstellen.<ref>Thymian Bussemer: ''Propaganda: Konzepte und Theorien. Mit einem einführenden Vorwort von Peter Glotz.'' Vs Verlag, Münster 2008, [http://books.google.de/books?id=SuxjEbAttlsC&pg=PA188 S. 188.] und S. 186, Anm. 380.</ref>

=== Untersuchungen Anfang 1943 ===

{{Bildausschnitt|Breite=250|Bildbreite=260|Bild:Bundesarchiv Bild 183-J21040, Katyn, Öffnung der Massengräber, polnische Rot-Kreuz-Mitarbeiter.jpg|Öffnung der Massengräber bei Katyn im April 1943 in Anwesenheit polnischer Rot-Kreuz-Mitarbeiter}}

Den Fall Katyn nutzte die deutsche Regierung für ihre Propaganda gegen die Sowjetunion. Berlin veranstaltete direkt nach dem Fund eine öffentliche Exhumierung durch eine kompetente internationale Untersuchungskommission von 12 namhaften Gerichtsmedizinern, darunter Vertreter der polnischen Exilanten und des polnischen Roten Kreuzes. Diese Kommission aus Gerichtsmedizinern aus elf europäischen Staaten (Belgien, Bulgarien, Finnland, Frankreich, Italien, Kroatien, Niederlande, Rumänien, Schweden, Slowakei, Ungarn) begutachtete zwischen dem 28. und 30. April 1943 die bereits aufgedeckten Massengräber und grub exemplarisch weitere Leichen aus dem Boden, auch um das Todesdatum zweifelsfrei festzustellen.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz hatte aufgrund der Proteste der Sowjetunion seine Mitarbeit verweigert.

In einem gemeinsamen Beschluß veröffentlichte die Kommission ihre Expertise zum Todesdatum, in der sie u.a. zum übereinstimmenden und unwidersprochenen Schluß kam, daß selbiges aufgrund der Feststellungen der Gerichtsmediziner und der bei den Leichen gefundenen Papiere und Briefe, die alle zum selben Zeitpunkt abbrachen, im Frühjahr 1940 gelegen haben muß.

Der Deutsche Verlag publizierte 1943 die Ergebnisse als amtliches Gutachten. Darin heißt es:

:''„Die Leichen wiesen als Todesursache ausschließlich Genickschüsse auf. Aus den Zeugenaussagen, den bei den Leichen gefundenen Briefschaften, Tagebüchern, Zeitungen usw. ergibt sich, daß die Erschießungen in den Monaten März und April 1940 stattgefunden haben. (...)”''

Weil sich die Massengräber auf einem Gebiet befanden, das von Frühjahr 1940 bis Juni 1941 von der Sowjetunion besetzt war, war die Täterschaft für alle an der Untersuchung Beteiligten klar.

International wurde das Ansehen des Kriegsgegners Sowjetunion dadurch geschwächt. Im Rahmen der Besatzungspolitik in den polnischen Gebieten sollte dem lokalen Widerstand klargemacht werden, daß die Sowjetunion als Bündnispartner ausschied und es sollte der eigenen Bevölkerung die Bestialität des [[Bolschewismus]] weiter vor Augen geführt werden.

<gallery widths="400" heights="300" perrow="3">

Bild:Saarbrücker Zeitung vom 4. Mai 1943, S. 1 - Katyn.jpg|<center>Die Saarbrücker Zeitung vom 4. Mai 1943(!)</center>

</gallery>

Polens Exilregierung hatte am 14. April 1943 von General [[Stefan Rowecki]], später auch von Sozialfürsorgedirektor Edmund Seyfried, dem Kriegsgefangenen Stefan Mossor und PCK-Delegationsleiter Kazimierz Skarżyński zunehmend exakte, unabhängig von den Deutschen erstellte Berichte aus Katyn erhalten. Sie nannten die deutsche Opferzahl von über 10.000 übertrieben, überschätzten sie anfangs aber ihrerseits auf 8.000.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 172.</ref> Gerichtsmediziner Marian Wodziński stellte die bis 3. Juni 1943 ermittelten Fakten und Indizien fest:

* 4.143 Personen seien in Reihen mit dem Gesicht nach unten in acht, davon sieben benachbarten Massengräbern, bestattet worden.

* Laut mitgetragenen Impfzeugnissen und Tagebuchnotizen handle es sich um polnische Offiziere aus dem Lager Koselsk.

* Die meisten Opfer seien anhand der bei ihnen gefundenen Gegenstände identifizierbar.

* Ihr Transportweg von Koselsk über Smolensk und Gnjosdowo bis zum Wald von Katyn sei aus ihren Notizen, besonders denen von ''Adam Solski'', klar ersichtlich.

* Die winterlichen Holzschuhe der Toten in Grab 1 gegenüber den Sommeruniformen derer in Grab 8, Zeitungsausschnitte und Tagebuchnotizen belegten, dass die Gräber zwischen Mitte März und Anfang Mai 1940 angelegt und gefüllt worden seien.

* Russische Zeugen (''Parfeon Kiseljow'', ''Sacharow'') hätten damals Ankünfte polnischer Offiziere in Gnjosdowo beobachtet und Schreie und Schüsse im Wald gehört.

* Nahegelegene, etwa fünf bis 15 Jahre ältere Gräber mit auf dieselbe Weise erschossenen Russen belegten einen seit langem genutzten Hinrichtungsort.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 176–181.</ref>

Hinzu kamen die Ergebnisse des Suchbüros von General Anders mit Namenslisten der Vermissten, Berichte von überlebenden polnischen Offizieren über die drei Lager, die dortigen Verhöre, über Auflösung und Abtransport sowie Beobachtungen von schwedischen und spanischen Journalisten, die Katyn 1943 besuchen durften, und Protokolle der sowjetischen Antworten auf polnische Nachfragen.

Eine im Dezember 1944 in London gegründete Kommission trug diese Informationen zusammen. Ihr Bericht vermied eine Schuldzuweisung, legte aber anhand der präzise dargestellten Fakten die NKWD-Täterschaft nahe. Henryk Szymański übergab eine Frühfassung davon am 30. April 1943 an das [[Counter Intelligence Corps]] der USA und im Nürnberger Prozess 1946 an Verteidiger Otto Stahmer und Hauptankläger [[Robert H. Jackson]]. 1948 erschien eine erweiterte Fassung in London, die als vielfach übersetztes und neu aufgelegtes „Polnisches Weißbuch“ zur Hauptquelle der historischen Forschung wurde.<ref name="Claudia Weber" />

Auch Owen O’Malley, britischer Botschafter bei Polens Exilregierung, sammelte Aussagen derer, die Katyn 1943 inspiziert hatten. In seinem Bericht vom 24. Mai 1943 warnte er Außenminister [[Anthony Eden]]: Die sowjetische Täterschaft sei fast unbezweifelbar, und ihr Verschweigen könne die Berufung des Westens auf moralische Werte untergraben. Großbritanniens Regierung hielt ihr Wissen jedoch geheim, um die Allianz mit der Sowjetunion nicht zu gefährden, und hinderte bis zum Kriegsende auch die Exilpolen daran, es zu veröffentlichen. Das wurde 1972 nach Freigabe von Akten des ''Foreign Office'' bekannt.<ref>Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: A Crime Without Punishment.'' 2008, [http://books.google.de/books?id=SyimWfkx0-MC&pg=PA333 S. 333.]; [http://www.time.com/time/magazine/article/0,9171,877879,00.html ''Poland: Death in Katyn Forest.''] In: ''Time.'' 17. Juli 1972.</ref>

In den USA fragten Journalisten bis 1945 kaum nach den Tätern von Katyn, sondern nur nach den Folgen für das Kriegsbündnis. Nur William L. Wight betonte in einem Aufsatz, die Winterkleidung der Opfer, die sie auch nach sowjetischer Darstellung trugen, widerspreche dem angeblichen Todeszeitpunkt im Sommer 1941. Ferner sei unerklärlich, dass die Sowjetunion vor der deutschen Invasion jahrelang nichts über den Aufenthaltsort der vermissten Polen gewusst haben wollte. Ihre vorgelegten Beweise für die deutsche Schuld ließen nur eine Frage offen: Wenn die Deutschen die Polen 1941 gefangen hätten, warum habe die Sowjetunion die polnische Exilregierung dann nicht sofort darüber informiert?<ref>William L. Wight: ''Report on the Russians.'' The Reader’s Digest, Dezember 1944/ Januar 1945.</ref> Das Medienecho darauf war negativ, da die meisten US-Bürger den Krieg bald beenden und keinen neuen Konflikt mit der Sowjetunion wollten.<ref>Louis Robert Coatney: [http://www.ibiblio.org/pub/academic/history/marshall/military/wwii/special.studies/katyn.massacre/katynlrc.txt ''The Katyn Massacre: An Assessment of its Significance as a public and historical issue in the United States and Great Britain, 1940–1993.''] Dezember 1993.</ref>

=== General Sikorski verlangt Untersuchung und wird ermordet ===

[[Datei:Wladyslaw Sikorski 2.jpg|miniatur|hochkant|Władysław Eugeniusz Sikorski, Chef der polnischen Exilregierung, um 1942]]

Polens Exilregierung hatte am 25. Februar 1943 erklärt, sie werde keine Veränderungen ihrer Ostgrenze nach dem Krieg akzeptieren. Nach der deutschen Bekanntgabe des Massakers bei Katyn suchte sie keine Kontakte mehr zu Vertretern der Sowjetunion; auch die Westalliierten blieben zunächst passiv.

Das fast zeitgleiche Eintreffen der Anträge Polens und Deutschlands beim IKRK nutzte Stalin für seine Ziele: Er warf Polens Exilregierung ein abgestimmtes Vorgehen mit den Deutschen gegen die Sowjetunion vor und verlangte am 24. April 1943 ultimativ, ihre Forderung nach sowjetischer Aufklärung des Massakers von Katyn zurückzunehmen und die Deutschen dafür verantwortlich zu machen. Um die Anti-Hitler-Koalition zu bewahren, drängte der britische Premier [[Winston Churchill]] General Sikorski, auf die öffentliche Aufklärung zu verzichten. Dieser erklärte sich dazu bereit, Polens Antrag beim IKRK zurückzuziehen. Obwohl Churchill dies Stalin am selben Tag übermittelte, brach Stalin am 25. April 1943 die Beziehungen zur polnischen Exilregierung ab. Damit isolierte er diese in der Anti-Hitler-Koalition und stellte die Weichen für ein kommunistisches Nachkriegspolen ohne Rücksicht auf westliche Interessen.<ref>Jochen Laufer: ''Pax Sovietica: Stalin, die Westmächte und die deutsche Frage 1941–1945.'' 2009, ISBN 978-3-412-20416-7, [http://books.google.de/books?id=dtquTqysvqgC&pg=PA309 S. 309.]</ref>

Daraufhin einigten sich die seit Oktober 1939 entstandenen polnischen Widerstandsgruppen wie auch die Vertreter vier demokratischer Exilparteien rasch auf das gemeinsame Nachkriegsziel eines nichtkommunistischen, unabhängigen Polens mit der im Frieden von Riga 1921 vereinbarten Ostgrenze. Im August 1943 schlossen sie eine Zusammenarbeit mit der Sowjetunion, den polnischen Kommunisten und rechtsnationalen Parteien Polens aus. Dagegen bildeten polnische Kommunisten den [[Związek Patriotów Polskich|Bund Polnischer Patrioten]], den Stalin nun als politischen Partner für ein Nachkriegspolen zwischen Oder und [[Curzon-Linie]] unterstützte.<ref>Klaus Zernack: ''Polen und Rußland. Zwei Wege in der europäischen Geschichte.'' Propyläen, 1994, ISBN 3-549-05471-8, S. 455–457.</ref>

Seit [[Władysław Sikorski|General Sikorski]] bei einem Flugzeugabsturz am 4. Juli 1943 starb, wurde ein Attentat auf ihn wegen seiner beharrlichen Forderung nach Aufklärung des Verbrechens von Katyn vermutet.<ref>George Sanford: ''Katyn and the Soviet massacre of 1940: truth, justice and memory.'' 2005, S. 193; Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: A Crime Without Punishment.'' 2008, S. 495.</ref> Nach einer 2008 im Auftrag Polens durchgeführten gerichtsmedizinischen Untersuchung seiner exhumierten Leiche starb er an den durch den Absturz verursachten inneren Verletzungen. Der Bericht ließ offen, ob die Notlandung das Ergebnis von Sabotage gewesen oder durch den Piloten gezielt herbeigeführt worden ist.<ref>[http://www.faz.net/artikel/C30189/doch-ein-mord-aus-staatsraeson-30496127.html Rainer Blasius (FAZ, 2. September 2011): ''Doch ein Mord aus Staatsräson? Rolf Hochhuth soll polnischer Staatsanwältin helfen, den Tod von General Sikorski aufzuklären.'']</ref> Der Verdacht richtet sich sowohl gegen den sowjetischen Diktator Josef Stalin als auch gegen den damaligen britischen Premier Winston Churchill. Es lag im Interesse Großbritanniens, die [[Anti-Hitler-Koalition|britisch-sowjetische Kriegsallianz]] aufrechtzuerhalten und einen deutsch-sowjetischen Separatfrieden zu verhindern.

Seit 1948 erschienen polnischsprachige Berichte über Katyn in den USA. 1949 bat Charles Rozmarek, Präsident des 1944 gegründeten ''Polish American Congress'', den US-Botschafter der [[Vereinte Nationen|UNO]] [[Warren Austin]] vergeblich, dort eine unparteiische Untersuchung des Massakers zu verlangen. Der Journalist [[Julius Epstein (Autor)|Julius Epstein]] erreichte mit einem Artikel über Katyn, dass der Abgeordnete [[Ray J. Madden]] im September 1949 im [[Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten]] eine neue Untersuchung des Massakers durch das IKRK beantragte. Erst nach Berichten, dass US-Soldaten im [[Koreakrieg]] wie die Mordopfer von Katyn mit Genickschüssen exekutiert worden seien, stimmte eine Mehrheit für Maddens Resolution.<ref>Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: A Crime Without Punishment.'' 2008, [http://books.google.de/books?id=SyimWfkx0-MC&pg=PA235 S. 235.]–237.</ref>

Eine daraufhin eingesetzte Kommission unter [[Arthur Bliss Lane]] sollte die Verantwortlichen für das Massaker feststellen und klären, ob US-Regierungsbeamte Akten dazu unterdrückt hatten. Sie befragte 81 Zeugen, darunter Überlebende aus den NKWD-Lagern und fünf Gerichtsmediziner der Katyn-Kommission von 1943, untersuchte hunderte Fundstücke aus den Gräbern und über 100 eingereichte schriftliche Aussagen. Die US-Regierung bat die Sowjetunion um Teilnahme und Übergabe von Dokumenten. Diese lehnte dies als beleidigende Provokation ab und übersandte nur den Burdenko-Bericht. Der Abschlussbericht vom 22. Dezember 1952 bekräftigte, dass die Beweislage für sowjetische Täter eindeutig sei. Viele, auch bundesdeutsche, Medienberichte machten sich diese Darstellung zu eigen.<ref>{{Der Spiegel |ID=21048446 |Titel=Katyn – ein Verbrechen der Sowjets |Jahr=1952 |Nr=1 |Datum=1952-01-02 |Seiten=17-19}} [http://www.zeit.de/1952/34/zeitspiegel Die Zeit Nr. 34, 21. August 1952: ''Zeitspiegel''].</ref>

Der Bericht kritisierte in der damaligen [[McCarthy-Ära]] politisches Versagen der früheren US-Regierung: Mit Rücksicht auf das Kriegsbündnis und den erwünschten Aufbau einer Armee von Exilpolen auf sowjetischem Boden habe US-Präsident Roosevelt keinen Druck auf die Sowjetunion ausgeübt, den Verbleib der polnischen Offiziere aufzuklären, und selbst nicht an ihre Schuld geglaubt. Die Sowjetunion habe das Massaker bereits im Blick auf die Nachkriegszeit verübt, da die polnische Militärelite den Aufbau eines kommunistischen Satellitenstaates in Polen verhindert hätte. Die Kommission deckte Versuche auf, Tatsachen über Katyn zu unterdrücken: So hatte Roosevelt Botschafter [[George Howard Earle]] 1944 beauftragt, Informationen über Katyn zu sammeln, ihm dann aber verboten, das Ergebnis zu veröffentlichen, und ihn versetzt. Das Außenministerium hatte den Bericht des US-Offiziers John van Vliet über seinen Besuch Katyns 1945 als streng geheim eingestuft; er verschwand dann aus den Akten des [[Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten|US-Verteidigungsministeriums]]. Als Grund wurde vermutet, dass seine Brisanz den damals verhandelten Eintritt der Sowjetunion in die UNO nicht gefährden sollte.<ref>[http://russianhistory.orgfree.com/katynmassakern/katynreport1952.pdf ''The Katyn Forest Massacre: Final Report'' (22. Dezember 1952)]; dazu [http://www.electronicmuseum.ca/Poland-WW2/katyn_memorial_wall/madden_committee/witnesses_testimonies/epstein_julius.html Julius Epstein: ''Select Committee on the Katyn Forest Massacre'' (Madden Committee) (Witnesses Accounts; November 14, 1952 – Washington, D.C.)]</ref> Die Kommission empfahl, „die Sowjetunion über die UNO vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu bringen.“ Doch am 18. Juni 1953 lehnte der Auswärtige Ausschuss Maddens Antrag ab, den Fall Katyn weiter im Repräsentantenhaus zu behandeln, und ließ den Kommissionsbericht archivieren.<ref>Franz Kadell: ''Katyn – Das zweifache Trauma der Polen.'' 2011, S. 156 f.</ref>

[[Datei:Tehran Conference, 1943.jpg|miniatur|hochkant=1.2|Stalin, Roosevelt und Churchill auf der Terrasse der sowjetischen Botschaft in Teheran]]

Bei der alliierten [[Konferenz von Teheran]] (November 1943) gaben US-Präsident [[Franklin D. Roosevelt]] und der britische Premier Winston Churchill Stalins Wunsch nach, seine aufgrund des Hitler-Stalin-Pakts eroberten Gebiete in Ostpolen zu behalten, und beschlossen die [[Westverschiebung Polens]]. Die Aufklärung des Massenmords von Katyn wurde als Hindernis für diese Einigung betrachtet.<ref>George Sanford: ''Katyn and the Soviet massacre of 1940: truth, justice and memory.'' [http://books.google.de/books?id=PZXvUuvfv-oC&pg=PA173 S. 173.]</ref> Beim [[Warschauer Aufstand]] 1944 befahl Stalin der Roten Armee, nicht einzugreifen. Erst nach dem Sieg der Wehrmacht ließ er sowjetische Truppen einrücken und überlebende polnische Widerstandskämpfer verhaften. Historiker erklären dies mit Stalins Ziel eines kommunistischen Polens nach dem Krieg.<ref>Jost Dülffer: ''Europa im Ost-West-Konflikt 1945–1991.'' Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2004, [http://books.google.de/books?id=f6TE6uyK0uMC&pg=PA137 S. 137.]</ref>

=== Untersuchungen Ende 1943 und Sowjet-Propaganda ===

[[Bild:Burdenko_(Mitte_mit_Brille)_in_Katyn.jpg|rechts|miniatur|350px|[[Burdenko]] (Mitte mit Brille) betrachtet in Katyn die Überreste der sowjet-bolschewistischen Mordopfer um diese Tat anschließend der deutschen Wehrmacht unterzujubeln]]

Ende 1943, nach der Zurückdrängung der Wehrmacht, ließ die Sowjetunion das Massaker angeblich durch die „[[Außerordentliche Staatliche Kommission|Sonderkommission]] zur Feststellung und Untersuchung derUmstände der Erschießung von polnischen kriegsgefangenen Offizieren im Katyner Wald durch die deutschen faschistischen Eindringlinge” unter Vorsitz des Chefchirurgen der Roten Armee, [[Burdenko]], untersuchen. Die Kommission, der neben dem Schriftsteller [[Alexej Tolstoi]] auch der Metropolit von Kiew und Galizien, Nikolai, der Vorsitzende des ''Allslawischen Komitees'', Gundorow, der Vorsitzende des Exekutivkomitees des ''Gesellschaftverbandes des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds'', Kolesnikow, sowie der Volkskommissar für Aufklärung der ''RSFSR'',Potemkin, angehörten, produzierte einen Bericht, der später als Beweisdokument [[USSR-054]] beim ersten [[Nürnberger Prozeß]] eingeführt wurde.<ref>Eine deutsche Übersetzung von USSR-054 ist abgedruckt in: ''Trial Of The Major War Criminals Before The International Military Tribunal', Band 39, Nürenberg 1949, S. 290-332 ([http://www.loc.gov/rr/frd/Military_Law/pdf/NT_Vol-XXXIX.pdf PDF])</ref>

Dieses Dokument behauptet, die „sowjetischen Experten” hätten bei den exhumierten Ermordeten verschiedene Gegenstände mit Zeitangaben wie November 1940, März 1941 oder Juni 1941 gefunden, was beweise, daß die Exekutionen von den sogenannten „Deutschfaschisten” durchgeführt wurden. Diese Behauptung wurde von der stalinistischen [[KPD/ML]] noch 1979 als ernstgemeintes Argument vorgebracht.

Burdenko und Nikolai, die der vorgeblichen „[[Außerordentliche Staatliche Kommission|Untersuchungskommission]]“ angehörten bzw. vorsaßen und das erwiesenermaßen erlogene „Beweisdokument“ 054-USSR unterschrieben, waren außerdem Mitglieder der „Außerordentlichen Kommission“, die das [[Konzentrationslager Auschwitz]] untersuchte und einen Bericht produzierte, der als Beweisdokument [[USSR-008]] vor dem [[Nürnberger Prozeß]] eingeführt wurde und der in der Folge von vielen Geschichtsschreibern, wie bspw. [[Raul Hilberg]],<ref>{{Buch|Autor=Raul Hilberg|Autor2=|Herausgeber=|Titel=The Destruction of the European Jews|Band=|Verlag=Yale University Press|Verlagsort=|Jahr=2003|Auflage=3|Auflage-Kommentar=|Seite=1049|ISBN=0300095929|Google_ID=HinIpmliz2MC|Archive=|PDF=|HTML=}}</ref> [[William L. Shirer]] oder [[Jean-Claude Pressac]], benutzt wurde, um das vorherrschende Bild über das Lager Auschwitz zu zeichnen.<ref>''Trial Of The Major War Criminals Before The International Military Tribunal', Band 39, Nürenberg 1949, S. 261 ([http://www.loc.gov/rr/frd/Military_Law/pdf/NT_Vol-XXXIX.pdf PDF])</ref>

Am 15. April 1943 erklärten [[Radio Moskau]] und die [[Prawda]], Goebbels verbreite Lügen, um ein eigenes Verbrechen zu vertuschen. Die polnischen Kriegsgefangenen seien im Sommer 1941 bei Bauarbeiten gemeinsam mit sowjetischen Bürgern den „deutschfaschistischen Mördern“ in die Hände gefallen. Diese hätten archäologische Ausgrabungen bei Gnjosdowo verschwiegen.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 172 f.</ref>

Nach der Rückeroberung von Smolensk im September 1943 sollte eine Sonderkommission den „Tatbestand der Erschießung kriegsgefangener polnischer Offiziere durch die faschistischen deutschen Okkupanten“ untersuchen. Zum achtköpfigen Leitungsgremium unter [[Nikolai Nilowitsch Burdenko]], dem Chefchirurgen der Roten Armee, gehörten Jefim Smirnow (sowjetisches Rotes Kreuz), [[Wladimir Petrowitsch Potjomkin]] (Volkskommissar für Bildung), der Schriftsteller [[Alexei Nikolajewitsch Tolstoi]] und der Metropolit [[Nikolai (Metropolit)|Nikolai]]. Fünf sowjetische Gerichtsmediziner, sechs Militärsanitäter und unbekannte NKWD-Beamte sollten ihnen zuarbeiten; ausländische Experten fehlten.

Der Kommissionsbericht folgerte aus anonymen Zeugenaussagen und Gutachten, ein deutscher „Stab des 537. Baubataillons“ habe die Polen im Herbst 1941 erschießen lassen. Um dieses Verbrechen zu vertuschen und der Sowjetunion unterzuschieben, hätten die Deutschen

* Russen zu Falschaussagen bestochen,

* von anderswo geholte Leichen in die geöffneten Gräber gelegt,

* 500 russische Kriegsgefangene gezwungen, Dokumente und Beweise aus der Kleidung der Leichen zu entfernen,

* diese dann erschossen, und zwar auf dieselbe Weise wie die Polen per Genickschuss mit Maschinenpistolen mit deutscher Munition, Kaliber 7,65.

Gerichtsmedizinisch sei erwiesen, dass man Polen wie Sowjetbürger im Herbst 1941 erschossen habe. Dies zeige der Verwesungszustand von 925 exhumierten Leichen, den man mit anderen exhumierten, zwei Jahre alten Leichen aus Smolensk verglichen habe. Dieser Befund werde durch Fundstücke bestätigt: Die meisten Taschen und Futterale der Uniformen seien aufgerissen oder -geschnitten gewesen, um Beweise gegen Fälschungen auszutauschen. Einige habe man jedoch übersehen: Darin hätten sich Briefe mit Daten zwischen 20. November 1940 und 20. Juni 1941 gefunden.

Die Gerichtsmediziner sollen die Leichen vom 16. bis 23. Januar 1944 untersucht haben; der Kommissionsbericht erschien am 24. Januar. Daher nimmt man an, dass nur wenige, schon exhumierte Leichen untersucht wurden. Direkte Belege für die angegebene Gesamtzahl von 11.000 Opfern, den Straßenbau der Polen bis Juli 1941 und ihre Erschießung durch Deutsche fehlten. Ein wortgleicher Bericht Merkulows und seines Stellvertreters über ihren Katynbesuch im Januar 1944 legt nahe, dass sie auch den „Burdenko-Bericht“ selbst verfassten oder überarbeiteten. Auf diese Geschichtsfälschung griffen spätere sowjetische Regierungen immer wieder zurück; sie blieb bis 1990 die offizielle sowjetische Version zu Katyn.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 213–221.</ref>

In einem [[Schauprozess]] in der [[Sowjetische Besatzungszone|SBZ]] wurde elf angeklagten Wehrmachtsoffizieren unter anderem das Massaker von Katyn vorgeworfen. Acht davon wurden aus anderen Gründen zum Tod verurteilt und hingerichtet. Der Angeklagte Arno Dühre wurde zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Er soll laut sowjetischen Propagandaberichten die „ungeheuerliche Bluttat der Faschisten im Walde von Katyn“ beobachtet und zugegeben haben, dass dort 15.000 bis 20.000 Polen, Russen und Juden ermordet worden seien.<ref>Jörg Osterloh, Clemens Vollnhals: ''NS-Prozesse und deutsche Öffentlichkeit: Besatzungszeit, frühe Bundesrepublik und DDR.'' Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, ISBN 978-3-525-36921-0, [http://books.google.de/books?id=ig0WPEryDwsC&pg=PA160&lpg=PA160#v=onepage&q&f=false S. 160 f.]</ref>

Der sowjetische Generalstaatsanwalt Konstantin Gorshenin ließ im Sommer 1945 alle erreichbaren Polen festnehmen, die Katyn 1943 besichtigt hatten. Manche wie Edmund Seyfried wurden als Kollaborateure des NS-Regimes inhaftiert, obwohl sie 1943 keine Täter benannt, sondern nur Leichen obduziert und identifiziert hatten. Der Krakauer Staatsanwalt Roman Martini war an ihren Verhören beteiligt, weil er im Auftrag des polnischen Justizministeriums Material für einen Prozess zu Katyn sammelte. Westliche Medien berichteten mit teils fehlerhaften Angaben, er habe nur Belege für die Täterschaft des NKWD gefunden. Martini wurde am 12. März 1946, angeblich nach Übergabe seines Berichts, von zwei Ukrainern ermordet. Sie wurden gefasst, konnten aber aus unbekanntem Grund aus ihrer Haft fliehen. Ein sowjetischer Auftragsmord wegen Martinis Katyn-Untersuchung oder ein polnischer wegen seiner Kollaboration mit der Sowjetunion wurden vermutet.<ref>{{Der Spiegel |ID=43063788 |Titel=Ostblock/Katyn: Ein schrecklicher Mißgriff |Jahr=1956 |Nr=34 |Datum=1956-08-22 |Seiten=28-29}} Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 225 f.; Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: a crime without punishment.'' 2008, [http://books.google.de/books?id=SyimWfkx0-MC&pg=PA233&lpg=PA233 S. 233 f.]</ref>

Am 30. Dezember 1945 berichtete die sowjetische Nachrichtenagentur TASS und Anfang 1946 die von der britischen Militärbehörde herausgegebene Zeitung „Nordwest-Nachrichten”, daß zehn deutsche Kriegsgefangene von der sowjetischen Justiz für die Massaker bei Katyn verurteilt wurden. Sieben wurden mit dem Tode „bestraft” und drei zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.

Im [[Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher]] 1945–1946 legte die Sowjetunion das Massaker von Katyn dem „Baubataillon 537“ der Wehrmacht zur Last. Der sowjetische Ankläger [[Roman Andrejewitsch Rudenko]] war laut Zeugenaussagen im Jahre 1990 bei Erschießungen von Polen im Jahre 1940 in Charkow anwesend. Die Anklage sollte der Jurist Nikolai Sorja vorbereiten; er wurde am 24. Mai 1946 tot aufgefunden, seine Unterlagen blieben verschwunden.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 224.</ref> Britische Diplomaten verlangten im Vorfeld Verzicht auf den Anklagepunkt Katyn, da sie fürchteten, eine Beweisaufnahme werde die Sowjetunion belasten und so den Gesamtprozess gefährden. Die polnische Exilregierung übergab ihre Informationen über die Ermordeten, später „Polnisches Weißbuch“ genannt, dem Chefankläger und dem deutschen Verteidiger.<ref>George Sanford: ''Katyn and the Soviet massacre of 1940: Truth, Justice and Memory.'' 2005, [http://books.google.de/books?id=PZXvUuvfv-oC&pg=PA176 S. 176.]</ref>

Art. 21 des [[Londoner Statut]]s ließ Dokumente über bereits von alliierten Regierungen untersuchte deutsche Kriegsverbrechen als nicht zu verhandelnde Beweise zu. Demgemäß reichten die sowjetischen Ankläger den Burdenko-Bericht, der das Massaker von Katyn als konsequent realisierte „deutsch-faschistische“ „Politik der physischen Ausrottung der slawischen Völker“ einordnete,<ref>zitiert in der [http://www.zeno.org/Geschichte/M/Der+N%C3%BCrnberger+Proze%C3%9F/Hauptverhandlungen/Neunundf%C3%BCnfzigster+Tag.+Donnerstag,+14.+Februar+1946/Nachmittagssitzung ''Nachmittagssitzung 14. Februar 1946''].</ref> als Beweismaterial ein.<ref>Dokument 054-USSR abgedruckt in IMT: ''Der Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher…'' Band XXXIX, fotomech. Nachdr. München 1989, ISBN 3-7735-2528-1, S. 290–332.</ref> Damit erhöhten sie ihre Erstangabe von 925 auf 11.000 Mordopfer. Gegen ihren Protest wertete der [[Internationaler Militärgerichtshof|Internationale Militärgerichtshof]] die vorgelegten Beweise als unzureichend und ließ daher je drei Zeugen für Verteidigung und Anklage zu. In der Verhandlung vom 1. und 2. Juli 1946<ref>[http://www.zeno.org/Geschichte/M/Der+N%C3%BCrnberger+Proze%C3%9F/Hauptverhandlungen/Einhundertachtundsechzigster+Tag.+Montag,+1.+Juli+1946 Zeno.org: ''Nürnberger Prozess, 168. Tag, 1. Juli 1946''] (weitere Sitzungen siehe dort)</ref> berichtete Friedrich Ahrens von russischen Zeugen der Erschießungen im Wald von Katyn. Reinhard von Eichborn und Eugen Oberhäuser bestätigten, dass Ahrens erst Monate nach dem angeblichen Mordzeitpunkt in Katyn eingetroffen war und Soldaten seines Nachrichtenregiments niemand hätten unbemerkt erschießen können. Boris Basilewski, Bürgermeister von Smolensk, bestätigte, dass im Wald bei Katyn vor 1941 sowjetische Geheimpolizei einquartiert war. Marko Antonow Markow, der 1943 zur Ärztekommission in Katyn gehört hatte, gab nun an, er sei zur Unterschrift unter deren Bericht genötigt worden und habe bei seiner Einzelautopsie den Herbst 1941 als Todeszeitpunkt festgestellt. Er bestätigte aber Winterkleidung der Mordopfer.<ref>Whitney R. Harris, Christoph Safferling, Ulrike Seeberger: ''Tyrannen vor Gericht: Das Verfahren gegen die deutschen Hauptkriegsverbrecher nach dem Zweiten Weltkrieg in Nürnberg 1945–1946.'' Berlin 2008, [http://books.google.de/books?id=Du6toNAYemQC&pg=PA247 S. 247.]–253.</ref> Der Anklagepunkt Katyn wurde daraufhin aus Mangel an Beweisen fallengelassen und im Urteil nicht erwähnt. Anders als sonst erhob Rudenko dagegen keinen Einspruch.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 228.</ref>

=== Katyn im Nürnberger Siegertribunal ab 1946 ===

Im Winter 1945/46 fand im damaligen Leningrad ein Prozeß gegen mehrere deutsche Offiziere statt, denen man das Massaker in Katyn im April/Mai anhängte. Bei dieser Prozeß-Farce wurden folgende Offiziere der Wehrmacht zum Tode durch den Strang verurteilt: [[Karl Hermann Strüffling]], [[Heinrich Remmlinger]], [[Ernst Böhm]], [[Eduard Sonnenfeld]], [[Herbard Janike]], [[Erwin Skotki]], [[Ernst Gehrer]]. 20 bzw. 15 Jahre Zwangsarbeit erhielten in diesem „Prozeß“: [[Erich Paul Vogel]], [[Franz Wiese]], [[Arno Diere]].

Auch vor dem [[Nürnberger Tribunal]] warfen die Sowjets ihre Verbrechen den reichsdeutschen Angeklagten vor.<ref>Nürnberger Tribunal: 168. Tag, 1. Juli 1946 & 169. Tag, 2. Juli 1946:<br>en: ''Nuremberg Trial Proceedings'', 1947, Vol. 17, [http://avalon.law.yale.edu/imt/07-01-46.asp S. 274][http://avalon.law.yale.edu/imt/07-02-46.asp -383]<br>de: ''Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Gerichtshof Nürnberg''. Nürnberg 1947, Bd. 17, [http://www.zeno.org/Geschichte/M/Der+Nürnberger+Prozeß/Hauptverhandlungen/Einhundertachtundsechzigster+Tag.+Montag,+1.+Juli+1946/Vormittagssitzung S. 301][http://www.zeno.org/Geschichte/M/Der+Nürnberger+Prozeß/Hauptverhandlungen/Einhundertneunundsechzigster+Tag.+Dienstag,+2.+Juli+1946/Nachmittagssitzung -421]</ref> Dabei trug sich folgender Dialog zwischen Otto Strahmer, dem Verteidiger Görings, und Boris Bazilevsky, der gerade als Zeuge der Anklage die Deutschen belastet hatte, zu:<ref>Nürnberger Tribunal: 168. Tag, 1. Juli 1946, Vormittagssitzung:<br>en: ''Nuremberg Trial Proceedings'', 1947, Vol. 17, [http://avalon.law.yale.edu/imt/07-01-46.asp S. 327-328]<br>de: ''Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Gerichtshof Nürnberg''. Nürnberg 1947, Bd. 17, [http://www.zeno.org/Geschichte/M/Der+Nürnberger+Prozeß/Hauptverhandlungen/Einhundertachtundsechzigster+Tag.+Montag,+1.+Juli+1946/Nachmittagssitzung S. 358-359]</ref>

{| class="wikitable" style="border:0px;margin-left:35px;padding:5px;background-color:transparent"

|-

|style="border:0px;vertical-align:top"| Dr. Stahmer:

|style="border:0px;vertical-align:top"| ''„Herr Zeuge! Sie haben Ihre Aussagen vor der Pause vorgelesen, wenn ich recht beobachtet habe. Ist das richtig?“

|-

|style="border:0px;vertical-align:top"| Bazilevsky:

|style="border:0px;vertical-align:top"| ''„Ich habe nichts vorgelesen. Ich habe nur einen Plan dieses Gerichtsraumes in der Hand.“

|-

|style="border:0px;vertical-align:top"| Dr. Stahmer:

|style="border:0px;vertical-align:top"| ''„Es sah so aus, als ob Sie die Antworten vorgelesen haben. Wie erklären Sie denn, daß der Dolmetscher schon Ihre Antwort in Händen hatte?“

|-

|style="border:0px;vertical-align:top"| Bazilevsky:

|style="border:0px;vertical-align:top"| ''„Ich weiß nicht, wieso die Dolmetscher meine Antworten im voraus in Händen haben konnten. Meine Aussagen vor der Untersuchungskommission, das heißt die beim Vorverhör abgegebenen, sind jedoch bekannt.“

|}

Die sowjetischen Ankläger stellten vor dem [[Nürnberger Tribunal]] zweifelsfrei fest, daß die ''„deutsche Wehrmacht die polnischen Offiziere im Wald von Katyn ermordet hatte”'':<ref>Nürnberger Tribunal: 59. Tag. Donnerstag, 14. Februar 1946, Nachmittagssitzung:<br/>''Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Gerichtshof Nürnberg''. Nürnberg 1947, Bd. 7, [http://www.zeno.org/Geschichte/M/Der+N%C3%BCrnberger+Proze%C3%9F/Hauptverhandlungen/Neunundf%C3%BCnfzigster+Tag.+Donnerstag,+14.+Februar+1946/Nachmittagssitzung S. 472]</ref>

<blockquote>''Die Schlußfolgerungen, die aus den Zeugenaussagen und aus dem gerichtsmedizinischen Gutachten über die Erschießungen der kriegsgefangenen Polen durch die Deutschen im Herbst 1941 gezogen wurden, werden durch die in den Gräbern von Katyn aufgefundenen Beweisstücke und Dokumente in vollem Umfange bestätigt. (...) Indem die deutsch-faschistischen Eindringlinge die polnischen Kriegsgefangenen im Wald von Katyn erschossen, führten sie folgerichtig ihre Politik der physischen Ausrottung der slawischen Völker durch.''</blockquote>

1947 wurde der deutsche SS-Obersturmbannführer [[Günter Hundt]] in Düsseldorf als „Katyn-Henker entlarvt”, so die Lizenzzeitung „Abendblatt”.<ref>Liz. Nr. 117, am 5. Juni 1947</ref>

Die osteuropäischen Wissenschaftler, die an der Erstuntersuchung der Leichen beteiligt gewesen waren, und deren Heimatländer nach dem Krieg unter sowjetische Herrschaft gerieten, sahen sich bald Drohungen und Nötigungen der roten Machthaber ausgesetzt und wurden gezwungen, ihre Gutachten als „von den Deutschen erpreßt“ hinzustellen und zu widerrufen.

1969 bauten sowjetische Behörden im weißrussischen Dorf [[Chatyn]] eine [[Nationale Gedenkstätte der Republik Belarus]] für weißrussische Opfer deutscher Kriegsverbrechen. Die Wahl dieses Ortes mit dem ähnlichen Namen deuteten westliche Beobachter als Versuch, das Massaker von Katyn vergessen zu machen.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 416 f.; George Sanford: ''Katyn and the Soviet massacre of 1940: truth, justice and memory.'' 2005, [http://books.google.de/books?id=PZXvUuvfv-oC&pg=PA220 S. 220.]</ref> In den 1970er Jahren versuchte die Sowjetunion immer wieder, westliche Medienberichte über Katyn durch diplomatischen Protest zu verhindern und als Fortsetzung der Goebbels-Propaganda abzuwehren. Zugleich wurde jeder Hinweis auf Katyn aus sowjetischen Geschichtsbüchern und Enzyklopädien getilgt.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 446 f.</ref>

In der [[Deutsche Demokratische Republik|DDR]] wurden Einwände gegen die offizielle Version als „faschistische Hetze“ verfolgt.<ref>Rudolf Walther: [http://www.zeit.de/2007/47/P-Katyn ''Das Verbrechen von Katyn.''] In: ''Die Zeit.'' 18. November 2007.</ref> Die [[Informationskontrolle|Pressezensur]] in der DDR regelte die Sprache der Medien zu Katyn bis ins Detail: Die Aussage „erschossen von den Nazis“ sei erlaubt, Datierung vor August 1941 sei verboten, polnische Häftlinge der Sowjetunion dürften nicht „Gefangene“ genannt werden.<ref>Gilbert-Hanno Gornig: ''Äußerungsfreiheit und Informationsfreiheit als Menschenrechte.'' Duncker & Humblot, 1988, ISBN 3-428-06540-9, [http://books.google.de/books?id=IpTtYwq-GXwC&pg=PA753 S. 753.]</ref>

Noch 1976 gelang es der Sowjetunion durch scharfen Protest, die Teilnahme britischer Regierungsmitglieder an der Einweihung eines Katyn-Denkmals auf dem Londoner Friedhof Gunnersbury zu verhindern. Wie bereits zuvor in Kriegszeiten gehorchte in England ein verantwortungsloser politischer Opportunismus den Vertuschungsbemühungen der Täter. Obwohl der Regierung bereits seit 1943 die Untersuchungsergebnisse einer kompetenten internationalen Kommission vorlagen, hieß es in einer offiziellen Stellungsnahme: ''„Es konnte niemals zur Zufriedenheit der Regierung Ihrer Majestät bewiesen werden, wer dafür verantwortlich war.”''<ref>Frankfurter Allgemeine Zeitung 18. September 1976, S. 1.:<br>„It has never been proved to Her Majesty´s Government´s satisfaction who was responsible.“</ref>

Bis 1989 war das sowjetische Bestreben, dieses eigene Kriegsverbrechen den Deutschen anzulasten, erfolgreich. Dies wurde zudem von linksgerichteten Politikern und Medien auch in Deutschland unterstützt, wobei, wie in der Sowjetunion üblich, jede Wahrheitsklärung als „Neonazismus” und „Revisionismus” diffamiert wurde. Von den deutschen Berufsbüßern wurden noch bis ins Jahr 1990 Bußwallfahrten nach Katyn organisiert, um gerade diesem ''„grauenhaften Verbrechen der deutschen Wehrmacht ein ewiges Schuldbekenntnis entgegenzustellen”''.<ref>[http://globalfire.tv/nj/05de/zeitgeschichte/katyn_luege.htm in: National Journalo.Die Katyn-Lüge. BRD-Exportschlager: Vergangenheitsbewältigung]</ref>

Im „Geschichts“unterricht der [[DDR]] wurde das Massaker der Wehrmacht angelastet. Einwände wurden als „faschistische Hetze” verfolgt.

Das polnische [[Institut für Nationales Gedenken]] veranlasste 2008 eine gerichtsmedizinische Untersuchung seiner exhumierten Leiche. Sie ergab, dass er an den durch den Absturz verursachten inneren Verletzungen gestorben war.<ref>[http://news.bbc.co.uk/2/hi/europe/7858923.stm ''No evidence Polish hero murdered.''] In: ''BBC News.'' 29. Januar 2009, Abgerufen am 4. November 2011.</ref> Angebliche Aussagen verstorbener Zeugen für einen Auftragsmord sind unbelegt.<ref>Rainer Blasius: [http://www.faz.net/-gpf-6mk4w ''Doch ein Mord aus Staatsräson? Rolf Hochhuth soll polnischer Staatsanwältin helfen, den Tod von General Sikorski aufzuklären.''] In: ''FAZ.'' 2. September 2011.</ref>

Im September 2012 veröffentlichte das US-Nationalarchiv die Berichte von John van Vliet und Donald B. Stewart, die Katyn als deutsche Kriegsgefangene im Mai 1943 besuchen durften. Sie hielten sowjetische Täter wegen der Verwesung der Leichen und Tagebuchdaten für erwiesen. Roosevelt war früh darüber informiert, ließ entsprechende Hinweise aber unterdrücken. US-Regierungen beharrten also wider besseres Wissen bis 1990 darauf, die sowjetische Schuld am Massaker sei nicht eindeutig bewiesen.<ref>Vanessa Gera und Randy Herschaft (Associated Press, 10. September 2012): [http://bigstory.ap.org/article/ap-exclusive-memos-show-us-hushed-soviet-crime ''Memos Show US Hushed Up Soviet Crime.'']; Der Spiegel, 12. September 2012: [http://www.spiegel.de/einestages/massaker-von-katyn-national-archives-gibt-neue-dokumente-frei-a-947719.html ''US-Nationalarchiv gibt geheime Dokumente zu Katyn frei'']</ref>

Polnische Emigranten hielten die Erinnerung an Katyn im Westen wach. Der Historiker Józef Mackiewicz, der Katyn 1943 auf deutsche Einladung besucht hatte,<ref>John Neubauer, Borbála Zsuzsanna Török: ''The Exile and Return of Writers from East-Central Europe: A Compendium.'' Walter de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-021773-5, [http://books.google.de/books?id=j2PmEIYMsHUC&pg=PA33 S. 33.]</ref> benannte 1949 in seinem Buch offen die sowjetische Schuld.<ref name="Lit">siehe Literaturverzeichnis.</ref> Der Politikwissenschaftler Janusz Zawodny beschrieb in seinem Standardwerk ''Death in the Forest'' 1962 den Weg der Ermordeten und die Propagandakampagnen danach. Er benannte die sowjetische Geheimpolizei als Täter, deren Regierung als Auftraggeber, und kritisierte die Haltung der Westalliierten im Nürnberger Prozess als Kapitulation der Moral vor der [[Realpolitik]]. 1965 erschien die englische Übersetzung des polnischen Weißbuchs. Auch der britische Autor Louis FitzGibbon vertrat 1971 die sowjetische Schuld an Katyn und setzte sich für ein Katyn-Denkmal in London ein.<ref name="Lit" /> Nur wenige westliche Autoren (Gabriel Kolko, Peter M. Irons) bezweifelten eine sowjetische Täterschaft.<ref>John Earl Haynes, Harvey Klehr: ''In Denial: Historians, Communism & Espionage.'' Encounter Books, 2005, ISBN 1-59403-088-X, [http://books.google.de/books?id=fBSbKS1FlegC&pg=PA20 S. 20.]; [http://archive.frontpagemag.com/Printable.aspx?ArtId=22479 Jamie Glazov (8. August 2000): ''The Lies of Katyn.'']</ref> Der konservative Abgeordnete Lord St. Oswald erreichte eine Debatte über Katyn am 17. Juli 1971 im [[House of Lords]].<ref>Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: A Crime Without Punishment.'' 2008, [http://books.google.de/books?id=SyimWfkx0-MC&pg=PA242 S. 242.]</ref> Großbritanniens Regierung lehnte es jedoch ab, von der Sowjetunion Aufklärung und Strafverfolgung der Täter zu fordern, weil es ohne Beweis für einen Tötungsbefehl „legitime Restzweifel“ an ihrer Schuld gebe. Diese Haltung blieb bis 1990 bestehen.<ref name="Claudia Weber">Claudia Weber: [http://www.zeithistorische-forschungen.de/site/40209108/default.aspx#pgfId-1036706 ''„Too closely identified with Dr. Goebbels“: Die Massenerschießungen von Katyn in der Geschichte des Zweiten Weltkriegs und des Kalten Kriegs.'']</ref>

Erst seit der [[Glasnost]]-Politik Michail Gorbatschows konnten Bürger im Ostblock das Dogma der deutschen Täterschaft zu Katyn öffentlich in Frage stellen. Seit 1985 verlangten die Polen, unterstützt von westlichen Medien und Politikern, von der Sowjetunion verstärkt Aufklärung über das Massaker. Auf Vorschlag von General [[Wojciech Jaruzelski]], der sich damit Sympathie in Polen erhoffte, wurde im Mai 1987 eine Kommission aus polnischen und sowjetischen kommunistischen Parteihistorikern eingesetzt. Die polnischen Mitglieder unter Leitung von Jarema Maciszewski legten beim Gründungstreffen einen Schriftsatz vor, der die Ungereimtheiten des Burdenko-Berichts herausstellte, und forderten Einsicht in dessen Ausgangsmaterialien. Da sie keinen Zugang zu zentralen sowjetischen Staatsarchiven erhielten und die sowjetischen Historiker unter Leitung von Georgi Smirnow den Burdenko-Bericht nicht wissenschaftlich überprüfen wollten oder durften, blieben Kommissionstreffen im März und November 1988 ergebnislos.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 363.</ref>

Am 22. März 1989 schlugen der sowjetische Außenminister [[Eduard Schewardnadse]], Gorbatschow-Berater [[Valentin Michailowitsch Falin]] und KGB-Chef [[Wladimir Alexandrowitsch Krjutschkow]] dem Politbüro intern vor, das Verbrechen des NKWD offiziell zuzugeben. Ein dazu erstellter interner KGB-Bericht vom April sprach erstmals von 12.000 polnischen Offizieren, die unbekannte sowjetische Täter ermordet hätten, so dass nur ein Teil davon in Katyn beerdigt worden sein könne.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 369 f.</ref>

Im Mai 1989 widerlegten die polnischen Historiker in der Kommission den Burdenko-Bericht von 1944 und machten erstmals das NKWD für die Ermordung der Häftlinge von Koselsk in Katyn und zudem derer von Starobelsk und Ostaschkow verantwortlich, deren Massengräber mangels Archivzugang noch unauffindbar waren. Nachdem im Juni 1989 Polens erste nichtkommunistische Regierung unter [[Tadeusz Mazowiecki]] durch die erste freie Wahl des Senats und den folgenden Frontenwechsel einiger Blockparteien im Sejm zustande kam,<ref>[[Norman Davies]]: ''Im Herzen Europas. Geschichte Polens.'' 4. Auflage. Beck, München 2006, [http://books.google.de/books?id=0-OHg7imb80C&pg=PA428 S. 428.]</ref> erhöhten die polnischen Medien den Druck auf die Sowjetunion zur Freigabe der Archivalien. Am 19. August 1989 veröffentlichte eine polnische Zeitschrift das Gutachten der polnischen Mitglieder der inzwischen aufgelösten Historikerkommission zum Burdenko-Bericht. Es wurde breit diskutiert.<ref>Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: A Crime Without Punishment.'' 2008, [http://books.google.de/books?id=SyimWfkx0-MC&pg=PA248 S. 248 f.]</ref>

Nach dem Gräberfeld Kuropaty bei Minsk im Juni 1988 fand die sowjetische Stiftung [[Memorial]] bis Oktober 1989 weitere Massengräber der Stalin-Ära, darunter 4500 sowjetische Opfer, die seit 1935 in Katyn begraben worden waren.<ref>{{Der Spiegel |ID=13496603 |Titel=300000 Tote im Goldbergwerk: Die Opfer Stalins liegen noch in Rußlands Erde |Jahr=1989 |Nr=40 |Datum=1989-10-02 |Seiten=200-201}}</ref> Daraufhin verlangte Polens Generalstaatsanwalt von seinem sowjetischen Kollegen, noch lebende Täter zu ermitteln, um Entschädigungsansprüche Polens zu bestimmen. Am 1. November 1989 durften Opferangehörige erstmals Katyn besuchen. Ihr Begleiter, der aus Polen stammende US-Diplomat [[Zbigniew Brzeziński]], forderte im sowjetischen Fernsehen ein sowjetisches Schuldeingeständnis als Basis einer Versöhnung mit Polen.

Am 22. März 1990 ordnete der Staatsanwalt von Charkow eine Untersuchung weiterer frisch entdeckter Massengräber an. Das Zentralkomitee der KPdSU verbot russischen Historikern, die die offizielle Version zu Katyn bezweifelten, den Abdruck ihrer Zeitungsartikel. Am 25. März 1990 gab die russische Historikerin Natalia Lebedewa in der Wochenzeitung [[Moskowskije Nowosti]] neue Aktenfunde bekannt, die die Schuld des NKWD belegten. Sie umging die Zensur, indem sie zuvor die Druckerlaubnis von Politbüromitglied [[Alexander Nikolajewitsch Jakowlew]] einholte.<ref>[http://en.rian.ru/analysis/20100412/158536574.html ''Katyn: A difficult road to the truth.''] auf: ''Ria/Nowosti.'' 12. April 2010.</ref> Das Zentralkomitee erwog daraufhin ein Reise- und Zugangsverbot zu Staatsarchiven für sie, das aber nach Gorbatschows Erklärung vom 13. April 1990 unterblieb.<ref>Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: A Crime Without Punishment.'' 2008, S. 252.</ref>

1981 hatte der [[Central Intelligence Agency|CIA]]-Offizier Robert G. Poirier originale [[Luftbildfotografie]]n von 17 Flügen der [[Luftwaffe (Wehrmacht)|Luftwaffe]] über die Gegend von Katyn von 1941 bis 1944 analysiert. Sie zeigten keine Eingriffe in das Landschaftsbild während der deutschen Besetzung, aber davor und nach der sowjetischen Rückeroberung im Herbst 1943. Auch Bulldozer, die Gräber planierten, und Personen, die Körper umhertrugen, waren darauf erkennbar. Sein Artikel blieb unbeachtet. Der Kunsthistoriker Wacław Maliszewski las ihn 1990 und fand die Originalfotografien deutscher Aufklärungsflüge über Katyn, Charkow und Mednoje im [[National Archives and Records Administration|Nationalarchiv der USA]]. Er sammelte Zeugenaussagen aus der Gegend und schickte seinen Forschungsbericht an Polens Justizministerium. Dieses entsandte ab Mai 1991 Staatsanwälte nach Charkow und Mednoje, die dort mit Hilfe ortsansässiger Zeugen die bisher unbekannten Massengräber fanden, darunter auch das im Wald von Pjatychatky.<ref>Benjamin B. Fischer: [https://www.cia.gov/library/center-for-the-study-of-intelligence/csi-publications/csi-studies/studies/winter99-00/art6.html ''The Katyn Controversy: Stalin's Killing Field.'']</ref>

[[Datei:Gorbachev (cropped).jpg|miniatur|hochkant|Michail Gorbatschow (1985)]]

In der [[Volksrepublik Polen]] wurde das Massaker von Katyn tabuisiert und durfte öffentlich nicht thematisiert werden. Inoffiziell versuchten manche polnische Kommunisten jedoch (vergeblich), Aufklärung zu erreichen: so [[Edward Gierek]] seit 1970.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 447.</ref> Auf dem [[XX. Parteitag der KPdSU]] im Februar 1956 erwähnte der sowjetische Parteichef Nikita Chruschtschow Katyn unter den Verbrechen Stalins nicht. Ende 1956 soll er dem neuen polnischen Parteichef [[Władysław Gomułka]] laut polnischen Zeitzeugen vorgeschlagen haben, sowjetische Schuld für Katyn in einer geplanten Rede in Moskau zuzugeben, um den Konflikt um Katyn zu lösen. Gomułka habe dies mit Verweis auf unkalkulierbare Folgen in Polen abgelehnt.<ref>Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: A Crime Without Punishment.'' 2008, [http://books.google.de/books?id=SyimWfkx0-MC&pg=PA240 S. 240.]; George Sanford: ''Katyn and the Soviet massacre of 1940: truth, justice and memory.'' 2005, S. 209.</ref>

Der polnische Historiker [[Włodzimierz Borodziej]] urteilte 2010:<ref>Włodzimierz Borodziej: ''Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert: Geschichte Polens im 20. Jahrhundert.'' München 2010, S. 197 f.</ref>

{{Zitat|Kein anderes Ereignis aus der ‚ersten Sowjetzeit‘ übte aber einen so starken Einfluss auf die nachfolgende polnische Geschichte aus wie der Massenmord an polnischen Offizieren, der durch den Namen ‚Katyn‘ symbolisiert wird. […] Im Zeichen des Kalten Krieges wurde der Massenmord, den die Sowjets bis zum Ende ihres Imperiums den Deutschen anlasteten, zu einem Symbol stalinistischer Gewaltherrschaft.}}

Bis heute (2013) blieb die lückenlose Aufklärung der Vorgänge unmöglich, weil Akten vernichtet oder manipuliert wurden und unter Verschluß gehalten werden.<ref>[http://www.arte.tv/de/woche/244,broadcastingNum=1268126,day=7,week=26,year=2011.html Churchills Verrat an Polen], [[arte]], 1. Juli 2011</ref> Laut der am 1. Juli 2011 bei Arte ausgestrahlten Produktion ''[[Churchills Verrat an Polen]]'' gebe es kaum Zweifel: der Absturz sei ein Anschlag – von Stalin initiiert und von Churchill geduldet.

=== Anerkennung der Schuld am Massaker durch die Sowjetunion und Rußland ===

Nach einem halben Jahrhundert der Lüge gestand [[Gorbatschow]] schließlich am 13. April 1990 die sowjetische Alleinschuld an Katyn offiziell ein. Dem polnischen Präsidenten [[Jaruzelski]] übergab er Kartons mit Dokumenten, die, so Gorbatschow, ''„indirekt, aber in überzeugender Weise“'' bewiesen, daß der sowjetische Geheimdienst im Herbst 1940 tausende polnische Offiziere im Wald von Katyn tötete. Damit hatte die Sowjetregierung erstmals offiziell und öffentlich die Verantwortung für dieses lange geleugnete Massaker übernommen.<ref>[[The New York Times]], 14. April 1990: [http://www.nytimes.com/1990/04/14/world/upheaval-in-the-east-gorbachev-hands-over-katyn-papers.html ''Upheaval in the East; Gorbachev Hands Over Katyn Papers'']</ref>

Dennoch veröffentlichte das „Wojenno-Istoritscheski Schurnal” 1990/91 eine Artikelserie, welche erneut die Version verbreitete, die Deutschen seien die Täter gewesen.

Am 13. April 1990 übergab Gorbatschow seinem Staatsbesucher Jaruzelski die originalen Exekutionslisten des NKWD und erklärte über die [[ITAR-TASS]] am selben Tag:<ref>Franz Kadell: ''Katyn – Das zweifache Trauma der Polen.'' 2011, S. 188.</ref>

{{Zitat|Die sowjetische Seite bringt ihr tief empfundenes Bedauern im Zusammenhang mit der Katyner Tragödie zum Ausdruck. Es handelt sich dabei um eines der schwersten Verbrechen des [[Stalinismus]].}}

Fast alle annähernd 15.000 verschwundenen polnischen Gefangenen seien 1940 dem NKWD übergeben worden und dann in dessen Listen nicht mehr aufgetaucht. Beria und Merkulow seien für das Massaker von Katyn verantwortlich.<ref>Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: A Crime Without Punishment.'' 2008, [http://books.google.de/books?id=SyimWfkx0-MC&pg=PA253 S. 253.]</ref> Dass diese Erklärung Stalin und das Politbüro nicht erwähnte, deuten manche Historiker als letzten Versuch, die Schuld der Staatsführung zu vertuschen.<ref>Michael Parrish: ''The lesser terror: Soviet state security, 1939–1953.'' 1996, [http://books.google.de/books?id=NDgv5ognePgC&pg=PA65 S. 65.]</ref>

Gorbatschow übergab [[Boris Nikolajewitsch Jelzin]] den originalen Exekutionsbeschluss vom 5. März 1940 beim Machtwechsel am 23. Dezember 1991. Er gab später an, das Dokument in jenem Monat erstmals gesehen zu haben. Waleri Boldin, Leiter des geheimen Sonderarchivs der KPdSU, öffnete den versiegelten Umschlag laut Notiz darauf im April 1989; nach seiner Angabe geschah dies im Auftrag Gorbatschows vor dessen Polenbesuch im Juli 1989. Das gesuchte Dokument wurde der Historikerkommission demnach mindestens zwei Jahre lang vorenthalten.

Gegen die Bekanntgabe und ihre Folgen protestierten Teile des sowjetischen Militärs und die Kommunistische Partei Russlands (KPR). Diese versuchte, die in der [[Duma]] diskutierte Freigabe weiterer NKWD-Dokumente aus dem Geheimarchiv ihrer Vorgängerpartei mit einer Verfassungsklage aufzuhalten. Jelzin ließ die wichtigsten Beweisdokumente für die staatliche Anordnung des Massenmords von 1940 daher veröffentlichen. Sein Chefarchivar übergab sie am 14. Oktober 1992 an Polens Präsidenten [[Lech Wałęsa]].<ref>Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: A Crime Without Punishment.'' 2008, [http://books.google.de/books?id=SyimWfkx0-MC&pg=PA254 S. 254.]–256.</ref> Jelzin entschuldigte sich 1993 bei den Opferangehörigen mit den Worten: „Vergebt uns, wenn ihr könnt.“<ref>[http://www.dw-world.de/dw/article/0,,5439327,00.html ''Versöhnungsgeste am Ort eines Massenmordes.''] auf: ''Deutsche Welle.'' 7. April 2010.</ref>

Was Präsident Gorbatschow noch unterlassen hatte, holte der russische Präsident [[Jelzin]] im Oktober 1992 nach: Er überließ Polen die Akte von 1940, mit der [[Kaganowitsch, Lasar Moissejewitsch|Kaganowitsch]], [[Stalin]], [[Beria]] und andere die Morde von Katyn am 5. März 1940 angeordnet hatten.<ref>''Der Brockhaus in fünf Bänden'', 8. Auflage, 1993, ISBN 3765316385, Stichwort ''Katyn''</ref>

<small>

<gallery perrow="4" caption="Faksimile des von Stalin, Voroshilov, Molotov, Mikoyan sowie, am Rande, von Kalinin und Kaganovich unterschriebenen Befehls vom 5. März 1940">

Katyn - decision of massacre p1.jpg|Seite 1.

Katyn - decision of massacre p2.jpg|Seite 2.

Katyn - decision of massacre p3.jpg|Seite 3.

Katyn - decision of massacre p4.jpg|Seite 4.

</gallery></small>

Unter Putin wurden die Opfer der Mordserie von 1940 offiziell weiterhin nicht als Opfer des stalinistischen Terrors anerkannt und einige Akten dazu zurückgehalten. Dmitri Tokarjew wurde 2008 in einer Jubiläumsschrift des russischen [[FSB (Geheimdienst)]] ohne Hinweis auf seine Teilnahme an den Morden von 1940 zum Helden der Nation stilisiert.<ref>Irian Borodan: ''The New Nobility.'' Perseus Running Press, 2010, ISBN 978-1-58648-802-4, [http://www.books.google.de/books?id=9eqxJFlEHIwC&pg=PA100 S. 100.]</ref> Am 28. April 2010 ließ Präsident [[Dmitri Anatoljewitsch Medwedew]] sieben seit 1992 veröffentlichte Dokumente auf die staatliche Internetseite ''Rusarchiv'' stellen: Nun könne jeder sehen, wer die Befehle zur Ermordung gab, und dass Russland seine Lektion aus der Geschichte lernen müsse.<ref>[http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,691914,00.html ''Moskau stellt Akten zu Katyn-Massaker ins Internet.''] In: ''Der Spiegel.'' 28. April 2010.</ref> Dies werteten russische Historiker und Menschenrechtler als notwendigen Schritt zur Abwehr eines russischen [[Geschichtsrevisionismus]].<ref>[http://de.rian.ru/world/20100429/126118653.html ''Katyn-Massaker: Blutspur führt ins Geheimarchiv.'']auf: ''RIA/Novosti.'' 29. April 2010.</ref>

So bestritten sowjetische Militärzeitschriften bis Ende 1991 sowjetische Täter oder polnische Opfer in Katyn.<ref>Zaur T. Gasimov: ''Militär schreibt Geschichte. Instrumentalisierung der Geschichte durch das Militär in der Volksrepublik Polen und in der Sowjetunion 1981–1991.'' LIT Verlag, 2009, ISBN 978-3-643-10001-6, [http://books.google.com/books?id=wTWE4P9N3aIC&pg=PA103 S. 103.]</ref> 1995 schrieb Juri Muchin einen antipolnischen Artikel in der ''Prawda'', 1997 W. Filatow, Chefredakteur eines militärhistorischen Journals, in der Zeitschrift ''Sowjetskaja Rossija''.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 414 f.</ref> Seit 1991 behaupteten manche russischen Historiker, im polnisch-sowjetischen Krieg von 1920 seien zehntausende russische Kriegsgefangene in polnischen Lagern umgekommen. Diese „Anti-Katyn“ genannte These löste eine Debatte unter polnischen und russischen Historikern aus. In deren Verlauf wurde die Zahl von etwa 18.000 russischen Seuchenopfern bestätigt, aber widerlegt, dass man sie absichtlich umkommen ließ, da die Seuchen zugleich auch Polen trafen.<ref>Krzysztof Komorowski, Witold Rawski: ''Anti-Katyń: Soviet prisoners of war in Poland: facts and myths.'' Ministry of National Defense, Military Bureau of Historical Research, 2006, ISBN 83-919435-9-3.</ref> Putin nannte Katyn-Opfer und an Krankheiten verstorbene russische Soldaten jedoch 2009 erneut in einem Atemzug.<ref>[http://sunday.niedziela.pl/artykul.php?dz=spoleczenstwo&id_art=00307 ''Cold war on remembrance.''] In: ''Niedziela.'' 23/2011.</ref> Die KPR forderte 2010 eine neue Untersuchung zu Katyn und anderen Morden von 1940, obwohl russische und polnische Historiker inzwischen eine Fülle von Beweisen aufgedeckt, gesammelt und publiziert hatten.<ref>[http://www.aktuell.ru/russland/news/kommunisten_schieben_katyn_erneut_nazis_in_die_schuhe_28080.html ''Kommunisten schieben Katyn erneut Nazis in die Schuhe.''] In: ''Russland aktuell.'' 20. Oktober 2010.</ref>

In zwei Schulbüchern von 2002 und 2003 für den regulären Geschichtsunterricht in Russland (9. Klasse) fehlen die Folgen der sowjetischen Besetzung Ostpolens und das Stichwort ''Katyn'' im Autorentext. Eins der Bücher führt jedoch im Quellenteil ein NKWD-Dokument zu Katyn auf. Das andere, von Putin 2007 empfohlene Buch rechtfertigt die stalinistischen Säuberungen der 1930er Jahre und Besetzungen im Gefolge des Hitler-Stalin-Pakts mit sowjetischen Argumentationsmustern als militärisch notwendig, ohne Hinweis auf das Leiden der besetzten Völker.<ref>Robert Maier: ''Fedor von Bock und Frau Petrowa. Wie deutsche und russische Schulbuchautoren Wissen und Einstellungen zum Zweiten Weltkrieg vermitteln.'' In: Horst Möller, Aleksandr Cubar'jan (Hrsg.): ''Mitteilungen der Gemeinsamen Kommission für die Erforschung der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen: Band 4.'' Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2010, ISBN 978-3-486-59080-7, [http://www.books.google.de/books?id=JUAiQcev8CAC&pg=PA91 S. 91.]-94</ref>

Die am 26. November 2010 verabschiedete Erklärung der Duma „Über die Katyn-Tragödie und ihre Opfer“ bekräftigte nochmals, dass „dieses Verbrechen auf direkte Weisung von Stalin und anderen Vertretern der sowjetischen Führungsspitze begangen wurde“. Die Initiatoren betonten, man müsse das ganze sowjetische Staatssystem, nicht nur Einzelne verantwortlich machen. Dies wurde in Russland und Polen als weiterer Schritt zur Versöhnung begrüßt.<ref>RiaNowosti, 24. November 2010: [http://de.rian.ru/politics/20101124/257731696.html ''Tragödie von Katyn soll Völker Polens und Russlands näher bringen - Staatsduma'']; [http://de.rian.ru/politics/20101126/257748962.html RiaNovosti, 26. November 2010: ''Russland und Polen vor Aussöhnung: Duma will Katyn-Verbrechen anerkennen – „Wremja Nowostej“'']; [http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,731391,00.html Der Spiegel, 26. November 2010: ''Duma verurteilt Massaker an Tausenden Polen.'']</ref>

[[Datei:RIAN archive 897469 Handover of Katyn forest massacre materials to Poland.jpg|miniatur|Unterlagen des russischen Generalstaatsanwaltes zum Massaker, die 2011 an Polen übergeben wurden.]]

Bisher weigert sich die russische Regierung um Präsident [[Wladimir Putin|Putin]] jedoch, die Opfer des Massakers von Katyn offiziell als Opfer des stalinistischen Terrors anzuerkennen. Langjährige Ermittlungen der obersten russischen Militärstaatsanwaltschaft wurden 2004 unter dem Vorwand der Verjährung eingestellt.

Nach sowjetischen Dokumenten fanden dabei 21.857 Menschen den Tod, nach Angaben Polens waren es ca. 30.000 Personen, laut Brockhaus rund 25.000. Für das Verbrechen verantwortlich war die gesamte damalige bolschewistische Staats- und Parteiführung der Sowjetunion.

:''„Die Historikerin und Mitarbeiterin des Instituts für allgemeine Geschichte der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, Natalja Lebedjewa, hatte im Sonderarchiv der Hauptarchivverwaltung der UdSSR und im Zentralen Staatlichen Archiv der Sowjetarmee die entsprechenden Dokumente entdeckt. Datiert mit März 1941 sind die Dokumente unterschrieben vom berüchtigten [[Lawrentij Berija]], Volkskommissar für innere Angelegenheiten der UdSSR.“<ref>[http://vho.org/D/dsisis/34.html vgl.: Joachim Nolywaika: Die Sieger im Schatten ihrer Schuld. Recht auf Wahrheit und Gerechtigkeit für Deutschland, XII. „Katyn" und andere Massenmorde]</ref>

Ende Juli 2006 wurde vom polnischen Archäologen Andrzej Koła im Wald von [[Bykownia]] bei [[Kiew]] ein weiteres Massengrab mit polnischen Opfern des NKWD entdeckt, in dem 3.435 bislang vermißte Opfer des Massakers vermutet werden. Genauere Untersuchungen dauern an. Am gleichen Ort sind in über hundert Massengräbern eine große Anzahl Leichen kommunistischer Mordtaten beigesetzt.

Zu den vielen polnischen Intellektuellen, die das NKWD im Zuge des Massakers liquidiert hatte, gehörten auch die beiden bekannten Mathematiker [[Marcinkiewicz]] und [[Kaczmarz]]. Auch der Vater des polnischen Filmregisseurs [[Wajda]] wurde im Katyn-Massaker ermordet, was zu dem Film ''Katyn'' führte, der 2007 erschien.

=== Geschichtliche Einordnung ===

Die Forschung zu Katyn konzentriert sich seit 1990 auf die möglichst exakte Aufklärung der Massenmorde von 1940, die durch politische Öffnung, Dokumenten- und Grabfunde möglich wurde. Polnische Historiker hatten bis 1990 alle maßgebenden Werke zu Katyn verfasst; seit 1990 arbeiten polnische und russische Wissenschaftler eng zusammen und gaben die wichtigsten Neuausgaben zu Opfern, Verlauf und Tätern gemeinsam heraus.<ref name="Lit" />

Die Verbrechen von 1940 gelten als Teil der stalinistischen Eroberungs-, Gleichschaltungs- und Vernichtungspolitik in Osteuropa, die der Hitler-Stalin-Pakt wesentlich ermöglichte. Historiker wie [[Michael Parrish]] betonen, dass Stalin und seine ergebenen Helfer die gesamte militärische und intellektuelle Elite Polens auslöschen wollten und dies nur durch Beteiligung aller bürokratischen Ebenen durchführbar war. Parrish beschrieb die aufeinander folgenden Maßnahmen als tödliches Gefälle, mit denen das NKWD die Häftlinge vollständig isolierte, entrechtete und der Auslöschung auslieferte.<ref>Michael Parrish: ''The lesser terror: Soviet state security, 1939–1953.'' 1996, [http://books.google.de/books?id=NDgv5ognePgC&pg=PA53 S. 53.]–55.</ref> Als Ursachen werden diskutiert:

* eine starke antipolnische Haltung Stalins und ein Rachemotiv seit den sowjetischen Gebietsverlusten im polnisch-sowjetischen Krieg, an dem viele der Ermordeten teilgenommen hatten;

* die in der politischen Führung der Sowjetunion verbreitete Vorstellung eines von verbündeten äußeren und inneren Feinden belagerten Staates;

* die verbreitete antisowjetische Haltung von Polen, die aus den sowjetisch besetzten Gebieten stammten;

* die sowjetischen Erfahrungen mit der [[Zwangskollektivierung]] und der „großen Säuberung“ 1937/38, in der sich ein Verfolgungsmechanismus herausbildete und weitere Verfolgungswellen in den Grenzgebieten schon vorbereitet wurden.<ref>Krzysztof Ruchniewicz: ''„Noch ist Polen nicht verloren“.'' 2007, [http://books.google.de/books?id=z-tSHA4vGoYC&pg=PA52 S. 52.]</ref>

Die Zeitschrift „[[Der Spiegel]]“ schrieb bereits im Januar 1952 (!) die Wahrheit unter der Überschrift: ''Katyn - Ein Verbrechen der Sowjets''.<ref>{{Spiegel|ID=d-21048446|Nr=1|J=1952|Titel=Katyn - Ein Verbrechen der Sowjets|M=1|T=2|S=17}}</ref> Dennoch stellten, trotz erdrückender Indizien für die sowjetische Täterschaft, selbst westliche Geschichtsschreiber bis in die 1980er Jahre hinein die Moskauer Version gleichberechtigt neben der tatsächlichen dar.

Bereits am 26. Juli 1956 erging ein Brief von sechs VS-amerikanischen Kongreßabgeordneten an [[Chruschtschow]]. In diesem bis dahin in der Geschichte des VS-amerikanischen Kongresses beispiellosen Vorgang wandten sich die Abgeordneten an den Machthaber eines fremden Staates, um ihn aufzufordern, die Schuld seines Regimes an dem Verbrechen des Katyner Massenmordes endlich zuzugeben.<ref>[http://www.zeit.de/1956/39/brief-an-chruschtschow/seite-1 Der Brief an Chruschtschow, in: Zeit online, 27.09.1956]</ref> Der Brief beginnt mit den Worten:

:''„Die unterzeichneten ehemaligen Mitglieder des amerikanischen Kongreß-Ausschusses zur Untersuchung des Katyner Massenmordes erlauben sich hiermit, Sie zu fragen, warum Sie Stalins und Berijas Schuld an dem Katyner Massenmord von 4243 [es waren tatsächlich etwa 25.000 Mordopfer] polnischen Offizieren im Frühjahr 1940, dem Massenmord, der das größte militärische Verbrechen der Neuzeit darstellt, noch nicht zugegeben haben.“

Noch im Jahr 1985 ließ die polnische Regierung unter Jaruzelski ein Kreuz mit der Aufschrift „Den polnischen Soldaten, Opfern des Hitler-Faschismus, die in der Erde von Katyn ruhen“ aufstellen.

Das Verbrechen belastet bis heute das russisch-polnische Verhältnis. Die Polen verlangen hartnäckig, daß die ehemaligen sowjetischen Täter zur Verantwortung gezogen werden, sofern diese noch am Leben sind. Dazu forderten sie von der BRD die Katyn-Untersuchungsberichte sowie die dazugehörigen Fotos an, welche die nationalsozialistische Staatsführung zur Aufklärung des Verbrechens hatte anfertigen lassen.

1989 machte Zbigniew Kazimierz Brzeziński deshalb eine Rundreise durch Russland und besuchte die Gedenkstätte für das [[Massaker von Katyn]]. Damit bot sich ihm die Gelegenheit, die sowjetische Regierung zur Anerkennung der wahren Umstände des Massakers aufzufordern, wofür er in der Diplomatischen Akademie in Moskau stehenden Beifall erhielt. Zehn Tage später fiel die [[Berliner Mauer]] und die von der Sowjetunion gestützten Regierungen in Osteuropa begannen zu wanken.

[[George Sanford]] wertet folgende, bisweilen vertretene Einzelthesen als abwegig: Stalin und das NKWD hätten mit der Mordserie bereits die polnische Exilregierung entmachten oder Hitler einen Gefallen tun wollen; das NKWD habe die Morde mit der [[Geheime Staatspolizei|Gestapo]] gemeinsam geplant. Dagegen verwies Sanford auf die erhaltenen NKWD-Dokumente: Danach deuteten die Täter die konstante Weigerung der Polen, mit der Sowjetunion zusammenzuarbeiten, und ihre Immunität gegenüber sowjetischen Indoktrinationsversuchen als todeswürdigen Affront. Sie ordneten die Offiziere zudem dem polnischen Adel (poln. ''pańska Polska'') zu, den sie als feindliche, gefährliche und darum endgültig zu vernichtende [[soziale Klasse]] einstuften. Umstritten ist, ob das Ausmaß dieser Mordserie im Rahmen sowjetischer Gewaltpolitik gegen andere Nationen und Ethnien eine Besonderheit oder typische Normalität darstellt.<ref>George Sanford: ''Katyn and the Soviet massacre of 1940: Truth, Justice and Memory.'' 2005, [http://books.google.de/books?id=PZXvUuvfv-oC&pg=PA84 S. 84.]–86.</ref> Claudia Weber zufolge waren die Massenmorde „Berijas erste Gewaltaktion als uneingeschränkter Herrscher des NKWD und ein Loyalitäts- und Gefolgschaftsbeweis an Stalin.“ Die Bedeutung dieser Tatsache für den Mordbeschluss und die Rolle des „Täternetzwerks“ im NKWD für die weitere Vertuschung von Katyn seien nicht genug erforscht.<ref>Claudia Weber: [http://www.h-net.org/reviews/showrev.php?id=21136 ''G. Sanford: Katyn and the Soviet Massacre of 1940.''] (Rezension für H-Soz-u-Kult, September 2007)</ref>

Viele Historiker deuten die Mordserie von 1940 im Kontext vorheriger und weiterer stalinistischer Massenverbrechen an Polen als [[Völkermord]] im Sinne der [[Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes|Völkermordkonvention]] von 1951.<ref>Beispiele: Natalia Lebedewa: ''Katyn: Prestuplenie Protiv Chelovechestva.'' („Katyn: Ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.) 2. Auflage. Moskau 1996, Vorwort; Wojciech Materski: ''Kremlin versus Poland 1939–1945: documents from the Soviet archives.'' Institute of Political Studies, Polish Academy of Sciences, 1996, ISBN 83-8675911-9, S. 6; Tadeusz Piotrowski: ''Poland's Holocaust: Ethnic Strife, Collaboration with Occupying Forces and Genocide in the Second Republic, 1918–1947.'' Mcfarland & Co, 2007, ISBN 978-0-7864-2913-4, [http://books.google.de/books?hl=de&lr=&id=NBbnrEMswbUC&oi=fnd&pg=PA32 S. 32.]; [[Norman M. Naimark]]: ''Stalin's genocides'', Princeton University Press, 2010, ISBN 978-0-691-14784-0, [http://books.google.de/books?id=F3UwF1eqb0AC&pg=PA92 S. 92.] (deutsch: ''Stalin und der Genozid. Aus dem Amerikanischen von Kurt Baudisch.'' Suhrkamp Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-518-42201-4, S. 96); [http://www.guardian.co.uk/world/2010/apr/17/smolensk-crash-katyn-accident-of-history Neal Ascherson (The Guardian, 17. April 2010): ''An accident of history'']; Piotr Zając: ''Prześladowania ludności narodowości polskiej na terenie Wołynia w latach 1939–1945 – ocena karnoprawna zdarzeń w oparciu o ustalenia śledztwa OKŚZpNP w Lublinie.'' In: [http://ipn.gov.pl/download.php?s=1&id=19295 ''Zbrodnie przeszłości. Opracowania i materiały prokuratorów IPN.'' t. 2: ''Ludobójstwo.''] red. Radosław Ignatiew, Antoni Kura, Warszawa 2008, S. 34–49; Witold Kulesza (Instytut Pamięci Narodowej, Hrsg.): [http://www.ipn.gov.pl/download.php?s=1&id=29674 ''Zbrodnia Katyńska jako akt ludobójstwa (geneza pojęcia).''] (polnisch; abgerufen am 30. Oktober 2011)</ref> Einige halten diesen Begriff für unpassend und sprechen stattdessen von „Klassensäuberung��� oder „Soziozid“.<ref>Franz Kadell: ''Die Katyn Lüge. Geschichte einer Manipulation: Fakten, Dokumente und Zeugen.'' 1991, S. 7; Victor Zaslavsky: ''Klassensäuberung: das Massaker von Katyn.'' Bonn 2008.</ref>

Ein weiteres Forschungsthema ist die jahrzehntelange Propagandalüge im Osten und der Umgang damit im Westen, bei dem „Katyn“ zu einer Chiffre für den Konflikt zwischen Moral und Realpolitik wurde. Gerd Kaiser urteilte 2002, es gehe dabei „immer zugespitzter um die Frage, ob eine grundlegend neue und gerechte Gesellschaftsordnung mit ‚Leichen im Keller‘ möglich ist.“<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 410.</ref>

Im August 2012 wurden von den VSA neue Dokumente über das sowjet-bolschewistische Verbrechen an Polen übergeben. Nach Meinung des polnischen Geschichtswissenschaftlers [[Wojciech Materski]] können die freigegebenen Archivmaterialien die Version bestätigen, wonach VS-Präsident [[Franklin Roosevelt]] von der Unschuld der deutschen [[Wehrmacht]] an der Massenerschießung von Polen gewußt, jedoch öffentlich das Gegenteil behauptet hatte. Roosevelt hatte offensichtlich Angst, daß Stalin die antideutsche Koalition verlassen würde, wenn die Wahrheit bekannt würde.<ref>[http://de.rian.ru/politics/20120824/264257829.html rian.ru: Katyn-Massaker 1940: USA übergeben Archivdokumente an Polen, (24.8.2012)]</ref><ref>[http://rt.com/news/katyn-massacre-documents-usa-816/ WWII massacre: Memos show US cover-up of Stalin’s Katyn slaughter] Bericht von ''Russia Today'' vom 10. September 2012, abgerufen am 12. September 2012</ref>

Weitere Massengräber sowjet-bolschewistischer Verbrechen finden sich in [[Bykownia]] und [[Kuropaty]] mit mindestens einer halben Million verscharrter Leichen.

=== Prozesse ===

Ein Strafverfahren gegen Täter der Mordserie von 1940 hat nie stattgefunden. Auch eine Entschädigung der Opfer unterblieb. Die Haupttäter Beria und Merkulow wurden 1953 aus anderen Gründen hingerichtet; Blochin starb 1955. Zwar nahm das Oberste Militärgericht Russlands im Herbst 1990 Ermittlungen auf und befragte unter anderen Pjotr Soprunenko und Dmitri Tokarjew. Am 21. September 2004 stellte es das Verfahren jedoch ergebnislos ein und erklärte die meisten Ermittlungsakten für geheim. Das Gericht führte die Taten auf Machtmissbrauch einiger NKWD-Leiter zurück und schloss damit sowohl das sowjetische Politbüro als auch die ausführenden Täter aus dem Kreis der Verantwortlichen aus. Es erkannte nur anonyme Massenexekutionen, aber keine namentlich bekannten Mordopfer an.<ref>Alexander Guryanov: [http://law.case.edu/lectures/files/2010-2011/20110204_Guryanov-Current_Status_Katyn_Case.pdf ''Current Status of Katyn Case in Russia''] (2010, PDF; 86 kB) (“Memorial” Society, Moscow)</ref> Der Oberstaatsanwalt des Gerichts, Alexander Sawenko, erklärte am 11. März 2005, es sei nur der Tod von 1803 Insassen der drei Speziallager erwiesen, davon seien nur 22 identifiziert worden. Daher handele es sich nicht um einen Völkermord.<ref>[http://nachrichten.ru/rupol0010/morenews.php?iditem=5040 ''Tragödie von Katyn keine Folge des Genozids.''] auf: ''Russland.RU'' 11. März 2005.</ref>

Polens damaliger Staatspräsident [[Lech Kaczyński]] unterstützte 2008 einen Gesetzentwurf seiner Partei, das Verbrechen als Völkermord einzustufen, um eine [[Verjährung]] auszuschließen und damit eine Rehabilitierung der Opfer zu ermöglichen.<ref>Thomas Urban: [http://www.sueddeutsche.de/politik/massaker-im-zweiten-weltkrieg-angehoerige-der-katyn-opfer-duerfen-hoffen-1.195125 ''Massaker im Zweiten Weltkrieg: Angehörige der Katyn-Opfer dürfen hoffen.''] In: ''Süddeutsche Zeitung.'' 12. Juni 2008.</ref> Der Vorstoß fand jedoch 2009 im polnischen [[Sejm]] keine Mehrheit. Dieser stufte Katyn als „[[Kriegsverbrechen]] mit Merkmalen eines Völkermords“ ein.<ref>[http://www.20min.ch/ausland/dossier/weltkrieg/story/Russische-Kriegsverbrechen-verurteilt-15404640 ''Russische Kriegsverbrechen verurteilt.''] auf: ''20min.ch'', 23. September 2009; Biuro Prasowe Kancelarii Sejmu: [http://isap.sejm.gov.pl/DetailsServlet?id=WMP20090470684 ''Uchwała Sejmu Rzeczypospolitej Polskiej z dnia 15 lipca 2009 r. w sprawie tragicznego losu Polaków na Kresach Wschodnich.'']</ref> Das Oberste Gericht Russlands bestätigte im Januar 2009 das Urteil des Obersten Militärgerichts von 2004.<ref>[http://www.seiten.faz-archiv.de/faz/20090130/fd1200901302134872.html ''Keine Ermittlungen zu Massenmord in Katyn.''] In: ''FAZ.'' 30. Januar 2009. (kostenpflichtig)</ref>

Stalins Enkel Jewgenij Dschugaschwili prozessierte 2009 erfolglos vor einem Moskauer Gericht gegen die Zeitung ''[[Nowaja Gaseta]]'', die mit einer Beilage der russischen Menschenrechtsvereinigung ''Memorial'' an Stalins Verbrechen, darunter seinen Mordbefehl für Katyn, erinnert hatte.<ref>[http://www.aktuell.ru/russland/panorama/stalins_ehre_enkel_verklagt_die_%E2%80%9Enowaja_gazeta%E2%80%9C_2839.html ''Stalins Ehre: Enkel verklagt die „Nowaja Gazeta“.''] auf: ''Russland aktuell.'' 8. Oktober 2009; [http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,654992,00.html ''„Nowaja Gaseta“: Gericht weist Klage von Stalin-Enkel zurück.''] In: ''Der Spiegel.'' 13. Oktober 2010.</ref>

Auf Antrag von ''Memorial'' stufte das Oberste Gericht Russlands die Geheimhaltung der Katyn-Akten im April 2010 als gesetzeswidrig ein.<ref>[http://www.welt.de/die-welt/politik/article7283104/Oberstes-Gericht-Verschluss-der-Katyn-Akten-gesetzeswidrig.html ''Oberstes Gericht: Verschluss der Katyn-Akten gesetzeswidrig.''] In: ''Die Welt.'' 22. April 2010; [http://russland.ru/rupol0010/morenews.php?iditem=22296 ''Urteil zu Aufarbeitung des Massakers von Katyn in Russland.''] In: ''Russland.RU.'' 22. April 2010.</ref> Am 9. Mai 2010 übergab Medwedew Polen einen Teil der Akten (67 Bände) des vierzehnjährigen Prozesses, auch um künftigen Geschichtsfälschungen vorzubeugen.<ref>[http://en.rian.ru/russia/20100509/158936509.html ''Russia hands over volumes of Katyn massacre case to Poland.''] auf: ''Ria Novosti.'' 9. Mai 2010.</ref> Ende Mai 2010 wies das Oberste Militärgericht Russlands eine Klage von ''Memorial'', das 2004 eingestellte Verfahren wieder aufzunehmen, wegen Verjährung endgültig ab.<ref>[http://www.faz.net/aktuell/politik/keine-ermittlungen-zu-morden-von-katyn-1980465.html ''Keine Ermittlungen zu Morden von Katyn.''] In: ''FAZ.'' 31. Mai 2010.</ref>

Franz Kadell urteilte 2011: „…der bis 2010 hingezogenen wirksam in Szene gesetzten Veröffentlichung einzelner Dokumente steht der willkürlich anmutende Wechsel von Öffnung und Schließung der staatlichen Archive gegenüber. Darüber hinaus haben es die russischen Staatsanwaltschaften und Gerichte bis heute verstanden, die Täter mehr zu schützen als zu verfolgen. Nie hat es eine Anklage gegeben. Der ‚Fall Katyn‘ […] zeigt, wie stark die Stalin-Zeit im gegenwärtigen Russland nachwirkt.“<ref>Franz Kadell: ''Katyn – Das zweifache Trauma der Polen.'' 2011, S. 7 f.</ref>

Am 19. November 2007 und am 24. Mai 2009 hatten fünfzehn Angehörige von Mordopfern beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eine Klage eingereicht: Russland habe entgegen Artikel 2 der [[Europäische Menschenrechtskonvention|EMRK]] keine ausreichenden strafrechtlichen Ermittlungen zum Tod ihrer Angehörigen durchgeführt und sie gegen Artikel 3 EMRK inhuman und erniedrigend behandelt. Der Staat Polen trat dem Prozess im Mai 2010 als Drittkläger bei. Am 5. Juli 2011 nahm der Gerichtshof die Klage zur Verhandlung an.<ref>[http://cmiskp.echr.coe.int/tkp197/view.asp?action=html&documentId=888266&portal=hbkm&source=externalbydocnumber&table=F69A27FD8FB86142BF01C1166DEA398649 Zulassungsentscheidung des ECHR, 5. Juli 2011]</ref> Am 6. Oktober 2011 führte er eine öffentliche Anhörung dazu durch.<ref>[http://www.codex-online.com/codex/contents.nsf/WPrintArticles/D7F353648A1AAD6AC225792200490657/$file/Chamber+hearing+Janowiec+and+Others+v.+Russia+06.10.11.pdf ''Chamber hearing concerning complaints about inadequate investigation into Katyń massacre.''] In: ''ECHR.'' 171 (2011) 6. Oktober 2011, (PDF; 142 kB)</ref> Am 22. Oktober 2011 erklärte sich Russlands Außenminister [[Sergei Wiktorowitsch Lawrow]] bereit, sich außergerichtlich mit Polen über eine Rehabilitierung der Opfer zu einigen. Dem russischen Historiker Nikita Pietrow (''Memorial'') zufolge wollte Russlands Regierung die namentliche Rehabilitation einzelner Opfer vermeiden, um Entschädigungsansprüche von Opferangehörigen auszuschließen.<ref>[http://www.n-tv.de/politik/Moskau-zeigt-Entgegenkommen-article4592316.html ''Rehabilitierung der Katyn-Opfer: Moskau zeigt Entgegenkommen.''] auf: ''NTV.'' 22. Oktober 2011.</ref>

Am 16. April 2012 urteilte der Gerichtshof: Wegen des [[Rückwirkung]]sverbots könne man die russische Behandlung der Taten von 1940 nicht beurteilen, die zu lange zurücklägen. Doch der Umgang der sowjetischen und anschließend der russischen Behörden mit zehn der 15 Kläger, die direkte Angehörige von Mordopfern sind, sei menschenrechtswidrig gewesen. Ihnen sei seit der russischen Unterzeichnung der Menschenrechtskonvention 1998 kein Zugang zu Untersuchungsmaterial gestattet worden. Sie seien nicht in die Untersuchung eingebunden worden, und Russland habe die Gründe für deren Einstellung im Jahr 2004 vor ihnen geheim gehalten. Das russische Militärgericht habe mit der Annahme, die Getöteten könnten aus den sowjetischen Lagern geflohen oder zu Recht zum Tod verurteilt worden sein, die Umstände des Massakers bewusst verschleiert und mangelnde Menschlichkeit gegenüber den Opferangehörigen gezeigt. Russland habe auch gegen Artikel 38 der EMRK verstoßen, indem es dem Gerichtshof die Akten zur Einstellung der Ermittlungen im Jahr 2004 vorenthalten habe.<ref>[http://cmiskp.echr.coe.int/tkp197/view.asp?action=html&documentId=906163&portal=hbkm&source=externalbydocnumber&table=F69A27FD8FB86142BF01C1166DEA398649 ''Case of Janowiec and others v. Russia (Applications nos. 55508/07 and 29520/09): Judgment. Strasbourg 16. April 2012'']</ref> Am 16. April 2012 verurteilte eine kleine Kammer des Gerichtshofs Russland deshalb zunächst wegen „menschenunwürdiger Behandlung der Angehörigen“ und unzureichender Zusammenarbeit der russischen Justiz, die ihm Einsicht in Ermittlungsakten verweigert hatte.<ref>[http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-04/russland-katyn-urteil Zeit, 16. April 2012: ''Menschenrechte Russland wegen Katyn-Massakers verurteilt'']</ref>

Am 13. Oktober 2013 hob die Große Kammer des EGMR dieses Urteil großenteils auf: 1998, als Russland der EMRK beitrat, sei die Ermordung der Kriegsgefangenen bereits eine „nachgewiesene historische Tatsache“ gewesen, so dass den Angehörigen das Schicksal der Opfer nicht ungewiss gewesen sei. Daher sei die Einstellung strafrechtlicher Ermittlungen zu den Massenmorden durch die russische Justiz nicht als „unmenschliche Behandlung“ der Opferangehörigen zu beurteilen und begründe keinen Anspruch auf Entschädigungen. Die seit 2004 fehlende Zusammenarbeit der russischen Justiz mit dem EGMR verurteilte dieser weiterhin.<ref>Die Zeit, 21. Oktober 2013: [http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-10/katyn-menschenrechte-gerichtshof-russland ''Katyn-Angehörige scheitern mit Klage gegen Russland'']</ref>

=== Gefälschte Bildunterschriften ===

Mit der Verbreitung [[Wikipedia]]s nehmen geschichtsfälschende Darstellungen per Bildunterschrift oder Bildbeschreibung auf ''Wikimedia Commons'' (Wikipedias Medienplattform) zu. Dort werden die Bildbeschreibungen gezielt verwendet, um linke Haßpropaganda und geschichtsverfälschende Lügen in Umlauf setzen zu können. Als Beispiel sei hier die vom [[Bundesarchiv]] übernommene falsche Beschreibung eines Bildes zum bolschewistischen Massenmord in Katyn erwähnt:<ref>[http://commons.wikimedia.org/w/index.php?title=File%3ABundesarchiv_Bild_183-J21040%2C_Katyn%2C_%C3%96ffnung_der_Massengr%C3%A4ber%2C_polnische_Rot-Kreuz-Mitarbeiter.jpg&diff=28234157&oldid=16755036 geschichtsverfälschende Bildbeschreibungen in der Wikimedia]</ref>

:''„Im April 1943 starten die deutschen Faschisten die antisowjetische Propaganda über den Massenmord im Katyner Wald, 15 klm nw. von Smolensk, wo sie Massengräber mit ca. 11.000 ermordeten kriegsgefangenen Polen als Greueltaten der Sowjets erklärten. (Die Außerordentliche Staatliche Kommission unter Leitung des Akademikers Burdenko stellte in ihrem Untersuchungsbericht vom 24.01.1944 fest, daß die Ermordungen nicht wie die Faschisten behauptet hatten, im Frühjahr 1940 sondern erst im Herbst 1941, also von den Faschisten selbst, stattgefunden haben.) U.B.z: eine Delegation des polnischen Roten Kreuzes nimmt Einsicht in die bei den Ermordeten gefundenen Papiere, mit denen die deutschen Faschisten den Sowjets die Greueltaten zuschoben. April 1943“''

Drei Tage nach Entfernung dieser Bildbeschreibung wurde sie erneut hinzugefügt.<ref>[http://commons.wikimedia.org/w/index.php?title=File%3ABundesarchiv_Bild_183-J21040%2C_Katyn%2C_%C3%96ffnung_der_Massengr%C3%A4ber%2C_polnische_Rot-Kreuz-Mitarbeiter.jpg&action=historysubmit&diff=28410611&oldid=28234157 wiederholte Einfügung geschichtsverfälschender Bildbeschreibungen in der Wikimedia]</ref>

=== Gedenken ===

[[Datei:Katowice - Pomnik na pl. Andrzeja.JPG|miniatur|Katyn-Denkmal in [[Katowice]], Polen]]

[[Datei:Katyn Memorial Cannock.jpg|miniatur|links|Katyn Memorial Cannock Chase]]

[[Datei:Toronto-katyn-memorial.jpg|miniatur|hochkant|Katyn-Memorial Toronto]]

Da öffentliches Gedenken an Katyn das sowjetische Geschichtsbild angriff, war es in der Volksrepublik Polen bis 1988 nur illegal, in Katyn gar nicht möglich. Daher entstanden in einigen westlichen Staaten stellvertretend Katyn-Denkmäler, etwa in [[Cannock Chase]], [[Staffordshire]], Vereinigtes Königreich (1979), [[Toronto]], Kanada (1980), [[Johannesburg]], Südafrika (1981), [[Doylestown (Pennsylvania, Bucks County)]], Bergen, New Jersey (1991), [[Baltimore]] und [[Adelaide]], Australien (2000) sowie [[Stockholm]], Schweden.<ref>[http://newsvote.bbc.co.uk/mpapps/pagetools/print/news.bbc.co.uk/local/stoke/hi/people_and_places/religion_and_ethics/newsid_8692000/8692627.stm?ad=1 Cannock Chase]; [http://www.polishheritage.ca/news_detail.aspx?news_page_id=4&news_id=332 Toronto]; [http://katyn.org.au/katynj.html Johannesburg]; [http://www.flickr.com/photos/sheenachi/196231906/ Doylestown]; [http://www.highbeam.com/doc/1P1-22588833.html Bergen]; [http://www.katynbaltimore.com/foundation.html Baltimore]; [http://katyn.org.au/adelaide.html Adelaide]; [http://www.thenews.pl/1/10/Artykul/24940,Katyn-memorial-vandalised-in-Sweden Stockholm].</ref>

Ein [[Obelisk]] mit eingraviertem Schriftzug „Katyn 1940“ und einem in Stacheldraht gefangenen polnischen Adler<ref>[http://www.ww2museums.com/article/8938/Katyn-Memorial-London.htm ''Katyn Memorial London.'']</ref> durfte 1976 nach fünfjährigem Konflikt weder im Stadtzentrum von [[London]] noch im Stadtteil [[Chelsea (London)|Chelsea]], aber auf dem ''Gunnersbury Cemetery'' in [[London Borough of Hounslow]] aufgestellt werden.<ref name="Claudia Weber" />

Seit 1980 legten Polen Kränze und Blumen auf ein symbolisches Katyngrab auf dem [[Powązki-Friedhof]] in [[Warschau]]. Dort versammelten sich im Sommer 1981 täglich Hunderte oder Tausende, um Kerzen für die Opfer anzuzünden. Am 31. Juli 1981 stellten Anhänger der [[Solidarność]] dort heimlich ein Kreuz mit der Aufschrift „Katyn – 1940“ auf.<ref>Ost-Europa, Band 40, Ausgaben 1-3: ''Der Fall Katyn in den polnischen Medien.'' Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde, Deutsche Verlags-Anstalt, 1990, S. A-95</ref> In der folgenden Nacht entfernten unbekannte Funktionäre des [[Służba Bezpieczeństwa|polnischen Staatssicherheitsdienstes]] das Kreuz.<ref>[http://ipn.gov.pl/__data/assets/pdf_file/0016/61027/1-23264.pdf IPN Zbrodnia Katyńska. Materiały dla ucznia. Kraków/Warszawa 2010] (PDF; 2,6 MB), S. 11, 17.</ref> Ein als Aufsteller Verdächtigter wurde zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Jedoch wurden weiter an dieser Stelle Kränze für die Opfer von Katyn abgelegt. 1985 ließ die polnische Führung unter Jaruzelski dort 1985 ihrerseits ein Kreuz mit der Aufschrift „Den polnischen Soldaten, Opfern des Hitler-Faschismus, die in der Erde von Katyn ruhen“ aufstellen. 1988 wurde diese Aufschrift abgeschliffen, das erste Kreuz wurde 1989 wiedergefunden und am selben Platz wieder aufgestellt.<ref>Martin Schaubs: ''Streitfall Katyn: die Wahrnehmung des Massakers in der sowjetrussischen, polnischen und westdeutschen Öffentlichkeit, 1980–2000.'' Tectum Verlag, 2008, ISBN 978-3-8288-9805-9, S. 29–35;{{Der Spiegel |ID=13512777 |Titel=Zusatz: Hitler. Ein Denkmal, das die Polen besänftigen sollte, fordert ihren Protest heraus |Jahr=1985 |Nr=16 |Datum=1985-04-15 |Seiten=153-155}}</ref>

Erst der politische Wandel in Polen und der Sowjetunion seit 1985 ermöglichte eine würdige Bestattung der bei Katyn Ermordeten und ein öffentliches, auch gemeinsames polnisch-russisches Gedenken an sie. Damit verlor Katyn allmählich seine Bedeutung als antisowjetisches Fanal und wurde zum Ort persönlicher Trauer.<ref>Rudolf Jaworski: ''Alte und neue Gedächtnisorte in Osteuropa nach dem Sturz des Kommunismus.'' In: [[Thomas Stamm-Kuhlmann]], Jürgen Elvert, [[Birgit Aschmann]]: ''Geschichtsbilder: Festschrift für Michael Salewski zum 65. Geburtstag.'' Franz Steiner Verlag, Wiesbaden 2003, ISBN 3-515-08252-2, [http://books.google.de/books?id=Q6QwRr2ic-4C&pg=RA1-PA638 S. 638.]</ref> Das 1993 eröffnete [[Katyń-Museum Warschau]], eine Nebenstelle des [[Muzeum Wojska Polskiego]], enthält vor allem die bei ihnen gefundenen persönlichen Gegenstände, ihre Namen, biografische Skizzen und Fotografien von Ausgrabungen.<ref>Zdzisław Sawicki (Hrsg.): ''The Katyn Museum: division of the Polish Military Museum in Warsaw: guide.'' 2004, ISBN 83-8662282-2.</ref> Polen erklärte den 13. April, an dem das Massaker der Welt bekannt und an dem es von der Sowjetunion eingestanden wurde, zum Gedenktag an die Katyn-Opfer.<ref>[http://www2.polskieradio.pl/zagranica/il/news/print.aspx?id=106120 ''Poland marks International Katyn Genocide Memorial Day.''] In: ''Polskie Radio.'' 10. April 2009.</ref> Am 22. Februar 1994 schlossen Russland und Polen ein Abkommen über die Gräber und Gedenkorte der Opfer von Krieg und Repression.<ref>Pim den Boer, Heinz Duchhardt, [[Georg Kreis]], Wolfgang Schmale: ''Europäische Erinnerungsorte 2: Das Haus Europa.'' Oldenbourg, München 2011, ISBN 978-3-486-70419-8, [http://books.google.de/books?id=DNKaEuTHP4gC&pg=PA485 S. 485.]</ref> Die russischen Behörden erleichterten polnischen Opferverbänden den Zugang zu Katyn. 1999 bis 2000 gestalteten beide Seiten gemeinsam den [[Soldatenfriedhof Katyn]] neu. Er umfasst auch russische Opfer des Stalinismus und soll so zur Versöhnung von Polen und Russen beitragen.<ref>Rudolf Jaworski: ''Alte und neue Gedächtnisorte in Osteuropa nach dem Sturz des Kommunismus.'' In: Thomas Stamm-Kuhlmann, Jürgen Elvert, [[Birgit Aschmann]]: ''Geschichtsbilder: Festschrift für Michael Salewski zum 65. Geburtstag.'' Wiesbaden 2003, [http://books.google.de/books?id=Q6QwRr2ic-4C&pg=RA1-PA639 S. 639.]</ref> So erklärte Polens Premierminister [[Jerzy Buzek]] zum 60. Jahrestag des Massakers im polnischen Fernsehen, Katyn solle ein Symbol der gemeinsamen Erinnerung und Verpflichtung werden, einen schwierigen Teil der eigenen Geschichte zu bewältigen, zum Segen der eigenen Zukunft, der Stärkung freundlicher Gefühle zwischen Polen und Russen und des Aufbaus freundschaftlicher Beziehungen zwischen beiden Staaten.<ref>Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: A Crime Without Punishment.'' 2008, [http://books.google.de/books?id=SyimWfkx0-MC&pg=PA353 S. 353.] und S. 536, Anm. 413.</ref>

Der Regisseur [[Andrzej Wajda]], dessen Vater, Hauptmann Jakub Wajda, 1940 in Charkow ermordet worden war,<ref>Andrzej Wajda: ''Kino i reszta świata. Autobiografie.'' Wydawn, Znak, 2000, ISBN 83-7006-987-8, S. 29; {{Der Spiegel |ID=66886641 |Titel=Opfer spielten keine Rolle. Der polnische Regisseur Andrzej Wajda über seinen Film „Das Massaker von Katyn“, das Schicksal seines Vaters und das Leben mit der Lüge während der kommunistischen Herrschaft |Autor=Christian Neef, Jan Puhl |Jahr=2009 |Nr=38 |Datum=2009-09-14 |Seiten=162-164}}</ref> leistete 2007 mit dem ersten polnischen Film zum Thema – [[Das Massaker von Katyn]] – einen Beitrag zum internationalen Gedenken an das Verbrechen und an dessen jahrzehntelange Verleugnung.<ref>Martin Aust: ''Polen und Russland im Streit um die Ukraine: Konkurrierende Erinnerungen an die Kriege des 17. Jahrhunderts 1934–2006.'' Harrassowitz, 2009, ISBN 978-3-447-05927-5, [http://www.books.google.de/books?id=IFqYoath80QC&pg=PA278 S. 278.]; Gabriella Elina Imposti: ''„God's Playground“: Poland and the Second World War in Wajda's Cinema.'' In: Elena Lamberti, Vita Fortunati: ''Memories and Representations of War: The Case of World War I and World War II.'' Rodopi, 2009, [http://books.google.de/books?id=wNuadsYyq2EC&pg=PA235 S. 235.]</ref>

Am 7. April 2010 begingen die Ministerpräsidenten Polens und Russlands den 70. Jahrestag des Massakers auf dem Friedhof von Katyn erstmals gemeinsam. Am 10. April 2010 starben Staatspräsident [[Lech Kaczyński]] und 95 Polen, darunter Vertreter der „Familien von Katyn“, bei der Anreise zu einer weiteren Gedenkveranstaltung beim [[Flugzeugabsturz bei Smolensk]]. Die Trauer über ihren Tod ließ Polen und Russen zusammenrücken. Das Moskauer Staatsfernsehen strahlte erstmals Wajdas Film aus. Das verbesserte die Kenntnis vieler Russen, die noch der sowjetischen Propagandalüge über Katyn geglaubt hatten.<ref>Joachim von Putkamer: ''Russland und das östliche Europa.'' In: Wlodzimierz Borodziej, Joachim von Puttkamer (Hrsg.): ''Europa und sein Osten: Geschichtskulturelle Herausforderungen.'' Oldenbourg, München 2012, ISBN 978-3-486-71593-4, [http://books.google.de/books?id=TFJfCCf45z0C&pg=PA164 S. 164.]</ref> Der russische Abschlussbericht zu den Absturzursachen vom Januar 2011 verursachte jedoch neue Spannungen zwischen den Regierungen beider Staaten.<ref>[http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,739425,00.html ''Absturz von Smolensk: Polen fordern Neufassung des Crash-Berichts.''] In: ''Der Spiegel.'' 13. Januar 2011.</ref>

Der Präsident der russischen Stiftung ''Memorial'', [[Arseni Borissowitsch Roginski]], beschrieb am 22. April 2010 die bestehenden Probleme des gemeinsamen Gedenkens: Während Polen eine Opferrolle und den Widerstand überbetonten, sei russisches Gedenken konfus und selektiv. Die Erinnerung an Katyn sei ein notwendiger und noch immer unzureichend wahrgenommener Anstoß zum russischen Gedenken an die ganze Stalinzeit:<ref>[http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/die_russen_muessen_das_boese_reflektieren_1.5506188.html ''„Die Russen müssen das Böse reflektieren.“ Der Präsident von „Memorial“, über die russisch-polnische Erinnerungskultur.''] auf: ''NZZ.'' 22. April 2010.</ref>

{{Zitat|Wir müssen die Untersuchungen zu diesem Verbrechen, die 2004 eingestellt wurden, wieder aufnehmen. Wir müssen ohne Ausnahme alle Archivmaterialien der Öffentlichkeit zugänglich machen. Wir müssen ein juristisches Urteil über das Verbrechen von Katyn fällen. Wir müssen alle Opfer rehabilitieren. […] Es müssen die Normen des Völkerrechts angewendet werden: Katyn ist ein [[Verbrechen gegen die Menschlichkeit]] oder ein Kriegsverbrechen. Man muss alle Namen offen nennen, angefangen mit Stalin.}}

Franz Kadell betonte 2011: Weil die Deutschen Nachbarn der Polen seien, sei es wichtig für sie, zu wissen, dass das Gedenken an Katyn für Polen eine „sakrale nationale Angelegenheit“ sei.<ref>Franz Kadell: ''Katyn – Das zweifache Trauma der Polen.'' 2011, S. 7.</ref>

Am 15. Juli 2012 weihte Patriarch [[Kyrill I.]] eine neu erbaute [[Russisch-Orthodoxe Kirche]] in Katyn ein, die zur Aussöhnung zwischen Polen und Russen beitragen soll.<ref>[http://www.mdz-moskau.eu/eingotteshausfuerkatyn/ ''Ein Gotteshaus für Katyn.''] In: ''Moskauer Deutsche Zeitung.'' 4. August 2012.</ref>

[[Strobe Talbott]], einer von Brzezińskis langjährigen Kritikern, führte für das [[TIME]]-Magazin ein Interview mit Brzeziński unter dem Titel ''Rechtfertigung eines Hardliners''.<ref>http://content.time.com/time/magazine/article/0,9171,959391,00.html</ref>

1990 warnte Brzeziński vor einer Euphorie wegen des Endes des Kalten Krieges. Er lehnte öffentlich den Einsatz im [[Zweiter Golfkrieg|Zweiten Golfkrieg]] ab, weil die USA so das internationale Wohlwollen verspielte, das es durch den Sieg über die Sowjetunion gewonnen hatte und starken Widerwillen in der gesamten arabischen Welt auslösen könnte. Er führte diese Sicht der Dinge in seinem Werk „Außer Kontrolle“ (1992) weiter aus.

Besonders kritisch sah Brzeziński das Zögern der Regierung [[Bill Clinton]]s, gegen die serbische Armee im Bosnischen Krieg zu intervenieren.<ref>[http://findarticles.com/p/articles/mi_m1571/is_n32_v11/ai_17210365/ Brzezinski on isolation: former National Security Advisor Zbigniew Brezinski warns of the failures of Clinton foreign policy], Insight on the News, 21. August 1995</ref> Er sprach sich auch gegen den ersten Tschetschenienkrieg Russlands aus und bildete das [[American Committee for Peace in Chechnya]]. Beunruhigt über ein mögliches Wiedererstarken Russlands, sah er den Amtsantritt [[Wladimir Wladimirowitsch Putin|Wladimir Putins]] nach [[Boris Nikolajewitsch Jelzin|Boris Jelzin]] mit Misstrauen. Aus diesem Grund wurde er einer der stärksten Befürworter der Erweiterung der NATO.

Er trat auch für die Bombardierung Serbiens 1999 während des [[Kosovo-Krieg]]es ein.<ref>[http://www.charlierose.com/view/interview/4378 A conversation about Kosovo with Zbigniew Brzezinski] Charlie Rose, 25 March 1999</ref>

== Tätigkeiten während der Präsidentschaften Bush II und Obama ==

Nach dem 11. September 2001 wurde Brzeziński für seine Rolle bei der Bildung des Netzwerkes der afghanischen [[Taliban]] kritisiert.

;Krieg gegen den Terror

Brzeziński war ein prominenter Gegner des Kriegs gegen den Terror von [[George W. Bush]]. 2004 schrieb er sein Werk „Die Wahl“ (''The Choice''), die das Thema von ''The Grand Chessboard'' erweiterte, aber Bushs Außenpolitik scharf kritisierte. Er verteidigte das Buch ''[[The Israel Lobby and U.S. Foreign Policy]]'' der Politikwissenschaftler [[John J. Mearsheimer]] und [[Stephen M. Walt]] (2006) und war ein prononcierter Kritiker der Invasion des Irak des Jahres 2003<ref name="YnetSept2007">[http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3449954,00.html Obama advisor raises concerns], Ynet, September 15, 2007.</ref>

;Präsidentschaft Obamas 2007

Im August 2007 unterstützte Brzeziński die Wahl [[Barack Obama]]s. Er stellte fest, Obama erkenne, „dass Amerikas Rolle in der Welt ein neues Gesicht, eine neue Richtung und eine neue Definition braucht“<ref>Alec MacGillis, [http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2007/08/24/AR2007082402127.html Brzezinski Backs Obama], Washington Post, August 25, 2007.</ref> – und bemerkte: „Was mir an Obama gefällt ist, dass er versteht, dass wir in einer völlig anderen Welt leben, in der wir uns auf eine Vielfalt von Menschen und Kulturen einstellen müssen“.<ref>Eric Walberg, [http://weekly.ahram.org.eg/2008/907/in3.htm The real power behind the throne-to-be], Al-Ahram, July 24–30, 2008.</ref>

Im September 2007 präsentierte Obama Brzeziński während einer Rede über den Irakkrieg als „einen unserer bedeutendsten Denker“, aber einige israelfreundliche Kommentatoren stellten seine Kritik an der israelischen Lobby in den USA in Frage.<ref name=YnetSept2007/> In einem Interview im September 2009 mit ''[[The Daily Beast]]'', antwortete Brzeziński auf die Frage, wie nachdrücklich Obama darauf bestehen sollte, dass Israel keinen Luftangriff auf den Iran unternehmen solle, „Wir sind eigentlich keine machtlosen kleinen Babys. Sie müssen über unseren Luftraum im Irak fliegen. Werden wir nur dasitzen und zuschauen?“<ref>Gerald Posner, [http://www.thedailybeast.com/blogs-and-stories/2009-09-18/how-obama-flubbed-his-missile-message/full/ How Obama Flubbed His Missile Message], The Daily Beast, undated.</ref> Dies wurde von einigen Unterstützern Israels als Befürwortung des Abschusses israelischer Flugzeuge durch die USA interpretiert, um einen Angriff auf den Iran zu verhindern.<ref>[http://jta.org/news/article/2009/09/21/1008006/brzezinski-us-must-deny-israel-airspace-to-attack-iran Brzezinski: U.S. must deny Israel airspace], Jewish Telegraphic Agency, September 21, 2009.</ref><ref>Jake Tapper, [http://blogs.abcnews.com/politicalpunch/2009/09/zbig-brzezinski-obama-administration-should-tell-israel-us-will-attack-israeli-jets-if-they-try-to-a.html Zbig Brzezinski: Obama Administration Should Tell Israel U.S. Will Attack Israeli Jets if They Try to Attack Iran], ABC News, September 20, 2009.</ref>

;Militärintervention in Libyen 2011

2011 unterstützte Brzeziński die [[Militärintervention]] in [[Libyen]], wobei er die Nichtintervention als „moralisch zweifelhaft“ und „politisch fragwürdig“ bezeichnete.<ref>[http://www.pbs.org/newshour/bb/world/jan-june11/overview_03-21.html PBS: Turmoil in Arab World: Deepening Divisions or Turning a New Page?]</ref>

;Syrien 2013

In einem Interview mit der Zeitschrift [[The National Interest]] vom 24. Juni 2013 kritisierte Brzezinski die Syrien-Politik Obamas hart: "Ende 2011 brachen die Unruhen in Syrien aus; das war eine Folge der Dürre; zwei despotische Regierungen im Nahen Osten schürten diese Unruhen an, nämlich Saudi-Arabien und Katar. US-Präsident Obama unterstützte daraufhin die Unruhen und kündigte plötzlich an, dass Assad gehen müsse; dafür habe Obama offensichtlich keine Vorbereitungen getroffen....War das eine strategische Politik? Warum wurde plötzlich entschieden, Syrien zu destabilisieren und letztlich die Regierung dort zu stürzen? Wurde die US-amerikanische Bevölkerung darüber aufgeklärt?" Er kritisierte insbesondere den Einsatz der CIA und ihren ehemaligen Direktor [[David Petraeus]].<ref>{{Internetquelle |url=http://nationalinterest.org/commentary/brzezinski-the-syria-crisis-8636 |titel=Brzezinski on the Syria Crisis, An interview with the former national-security adviser on the U.S. role |werk=[[The National Interest]] |datum=2013-06-24 |zugriff=2014-07-08}}</ref><ref>{{Internetquelle |url=http://www.nytimes.com/2013/03/25/world/middleeast/arms-airlift-to-syrian-rebels-expands-with-cia-aid.html |titel=Arms Airlift to Syria Rebels Expands, With Aid From C.I.A. |autor=C. J. Chivers und Eric Schmitt |werk=[[The New York Times]] |datum=2013-03-24 |zugriff=2014-07-08}}</ref>

;Ukraine-Krise 2014

Zbigniew Brzezinski betonte im Februar 2014, "ohne die Ukraine könne Russland nie wieder Supermacht werden. Erst in diesem Kontext wird der erbitterte politische Kampf Russlands um die Ukraine verständlich."<ref>[http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-02/ukraine-klitschko-jazenjuk-berlin ''Was Putin mit der Ukraine vorhat''], Die Zeit, 17. Februar 2014</ref>

Am 3. März 2014, zwischen der Absetzung [[Wiktor Janukowytsch]]s und dem Krim-Referendum, verfasste Brzenzinski einen [[Gastkommentar]] für die Washington Post: „Was ist zu tun? Putins Aggression in der Ukraine braucht eine Antwort“<ref name=brzukr>{{Internetquelle |url=http://www.washingtonpost.com/opinions/zbigniew-brzezinski-after-putins-aggression-in-ukraine-the-west-must-be-ready-to-respond/2014/03/03/25b3f928-a2f5-11e3-84d4-e59b1709222c_story.html |werk=Washington Post |titel=What is to be done? Putin’s aggression in Ukraine needs a response |autor=Zbigniew Brzezinski |datum=2014-03-03 |zugriff=2014-07-08}}</ref> Er verglich Putins „gangsterhafte Taktik“ und „kaum getarnte Invasion“ der Krim mit [[Adolf Hitler]]s Besetzung des [[Sudetenland]]s 1938 und charakterisierte Putin als einen Cartoon-[[Benito Mussolini|Mussolini]], er hielt aber kurz davor zurück, einen Kriegseintritt der USA zu empfehlen. Stattdessen empfahl er, die [[NATO]] solle in Hochalarm versetzt werden und „Kalkulationsfehler verhüten“. Andererseits stellte er ausdrücklich fest, Russland müsse versichert werden, dass der Westen die Ukraine nicht in die NATO hineinziehen oder gegen Russland einstimmen wolle. („The West should reassure Russia that it is not seeking to draw Ukraine into NATO or to turn it against Russia.“) <ref name=brzukr/>

Er nannte die folgende Intervention Russlands in der Ostukraine ebenfalls als "kaum verschleiert".<ref>[http://www.washingtonpost.com/opinions/zbigniew-brzezinski-putins-three-choices-on-ukraine/2014/07/08/ba1e62ae-0620-11e4-a0dd-f2b22a257353_story.html ''Putin’s three choices on Ukraine''], The Washington Post, 8. Juli 2014</ref>

;Pakistan

Als Sicherheitsberater von Jimmy Carter (1977–1981) erwarb Brzeziński sich den Ruf eines „[[Hardliner]]s“ bezüglich seiner Politik gegenüber der [[Sowjetunion]]. Er befürwortete die Unterstützung der [[Fundamentalismus|fundamentalistischen]] [[Mudschahid]]in in [[Pakistan]] und [[Afghanistan]], unter anderem durch massive finanzielle Unterstützung der vom [[Inter-Services Intelligence|pakistanischen Geheimdienst]] geleiteten Trainingslager durch die [[Central Intelligence Agency|CIA]] und den britischen [[Secret Intelligence Service|MI6]].

;China

Brzeziński trieb die Entwicklung politischer Beziehungen zwischen den USA und der [[Volksrepublik China]] voran und befürwortete eine neue Übereinkunft zur [[Aufrüstung|Rüstungskontrolle]] mit Moskau. Außerdem teilte er die Ansicht des Präsidenten, dass die Vereinigten Staaten anstelle von Alleingängen diplomatisch eine Politik der internationalen [[Kooperation]] betreiben sollten.

Seit 2006 tritt Brzeziński als Kritiker der US-Politik gegenüber dem [[Atomprogramm des Iran]] und im [[Irakkrieg]] hervor. Brzeziński ist der Meinung, dass die Strategie der USA gescheitert sei.<ref>{{Internetquelle |url=http://www.zeit.de/2007/03/Brzezinski?page=all |titel=Manche wollen Krieg in Iran |werk=[[Die Zeit]] |datum=2007-01-11 |autor=Kleine-Brockhoff |zugriff=2014-07-08}}</ref>

;Iran

Anfang 2007 warnte er davor, die USA würden einen Vorwand suchen, um gegen den Iran einen Krieg zu initiieren.<ref>[http://www.wsws.org/de/2007/feb2007/brze-f03.shtml Barry Grey:''Zbigniew Brzezinski lässt politische Bombe platzen'', World Socialist Web Site, 3. Februar 2007]</ref>

=== Tittytainment ===

Von ihm soll auch der Begriff des „[[Tittytainment]]“ stammen, der besagt, dass in Zukunft 80 % der – dann arbeitslosen – Weltbevölkerung durch eine moderne Form von Brot und Spielen bei Laune gehalten werden müsse.

=== Persönliches ===

Brzeziński ist mit der tschechisch-amerikanischen Bildhauerin [[Emilie Benes|Emilie Benes Brzezinski|Emilie Anna Benešová]] verheiratet, einer Großnichte des ehem. tschechoslowakischen Staatspräsidenten und Verfasser der [[Beneš-Dekrete]] Nr. 5/1945, Nr. 12/1945, Nr. 33/1945, Nr. 71/1945 und Nr. 108/1945 und Mitgründer der nationalistischen tschechischen anti-[[Österreich-Ungarn|österreichische]]n Separatistenorganisation ''[[Česká maffie]]'' („Maffia“) [[Edvard Beneš]]. Sie haben drei Kinder, Militär Experte [[Ian Brzezinski|Ian Joseph Brzezinski]], [[Mark Brzezinski]]und [[Mika Brzezinski|Mika]]. Mika ist Moderatorin beim US-amerikanischen Nachrichtensender [[MSNBC]]. [[Mark Brzezinski]] ist Diplomat und seit 2011 US-Botschafter in Schweden. [[Ian Brzezinski]] ist Experte für Außenpolitik und Militärfragen. Er war Deputy Assistant Secretary of Defense in der Regierung Bush (2001-2005). Ian ist auch Leiter der [[Brzezinski Group]], LLC in Alexandria, Virginia, einer Beratungsfirma für internationale Kunden im Finanz-, Energie- und Verteidigungssektor.<ref>http://www.linkedin.com/pub/ian-brzezinski/59/509/b37</ref> Der Schriftsteller [[Matthew Brzezinski]] ist Neffe Brzezinskis.

== Brzezińskis Politik während des Afghanistan-Konflikts: die "Russland-Falle" ==

Brzezińskis Politik hatte das Ziel, die radikalen [[Islamismus|islamistischen]] und [[Antikommunismus|antikommunistischen]] Kräfte Afghanistans, also gerade auch die fundamentalistischen [[Mudschahid]]in, zu stärken, um die [[Säkularismus|säkulare]], [[Kommunismus|kommunistisch]] ausgerichtete Regierung zu stürzen.

Seit dem 5. Dezember 1978 hatte die prosowjetische Regierung der [[Demokratische Volkspartei Afghanistans|Demokratischen Volkspartei Afghanistans]] einen „Freundschafts- und Beistandspakt“ mit der Sowjetunion, wonach die afghanische Regierung sowjetische Hilfe in Anspruch nehmen könne, wenn sie in Gefahr ist. Zwischen dem 17. März 1979 und dem 12. Dezember 1979 hatte die Regierung unter dem Staats- und Regierungschef [[Hafizullah Amin]] 21 Mal um Militärhilfe der Sowjetunion gebeten, da sie sich immer mehr von den fundamentalistisch-islamistischen Kräften unter Druck gesetzt sah.

Gemäß der offiziellen US-amerikanischen Version der Geschichte begann die Unterstützung derMudschahidin durch die CIA erst im Laufe des Jahres 1980, also ''nach'' dem Eingreifen der [[Rote Armee|sowjetischen Armee]] in Afghanistan am 24. Dezember 1979. Laut einem Interview Brzezińskis mit der französischen Zeitschrift „Le Nouvel Observateur“ vom Januar 1998 setzte die US-amerikanische Unterstützung der fundamentalistischenMudschahidin dagegen schon am 3. Juli 1979 ein, also fast ein halbes Jahr vor der [[Invasion (Militär)|Invasion]]. Präsident Carter unterschrieb an diesem Tag die erste Direktive für eine geheime Unterstützung der Mudschahidin. Brzezinski bestätigte in seinem Interview die gleichlautende Darstellung des CIA-Präsidenten [[Robert Gates]].<ref>Robert Gates: From the Shadows. The Ultimate Insider's Story of Five Presidents and How They Won the Cold War. Simon & Schuster, New York 1997. ISBN 0-684-81081-6</ref> Brzeziński war bewusst, dass diese Aktionen das Risiko für eine militärische [[Intervention (Politik)|Intervention]] der Sowjets erheblich erhöhen würden.<ref>http://www.counterpunch.org/1998/01/15/how-jimmy-carter-and-i-started-the-mujahideen/ Alexander Cockburn And Jeffrey St. Clair:Zbigniew Brzezinski:How Jimmy Carter and I Started the Mujahideen, Cournterpunch, 15. Januar 1998, abgerufen am 21. Dezember 2014 "Nach der offiziellen Version der Geschichte begann die CIA-Hilfe für die Mudschaheddin im Jahr 1980, das heisst,nachdem die sowjetische Armee in Afghanistan am 24. Dezember 1979 einmarschiert ist. Aber die Realität, heimlich verschwiegen bis heute, war völlig anders: In der Tat, es war am 3. Juli 1979, dass Präsident Carter die erste Direktive für eine geheime Hilfe für die Gegner des pro-sowjetischen Regimes in Kabul unterzeichnete. Und am selben Tag schrieb ich eine Notiz an den Präsidenten, in dem ich ihm erklärte, dass meiner Meinung nach diese Hilfe eine sowjetische Militärintervention auslösen würde."

</ref>

:Zbigniew Brzeziński: „Diese [[verdeckte Operation]] war eine hervorragende Idee. Sie bewirkte, dass die Russen in die afghanische Falle tappten […]. Am Tag, an dem die Russen offiziell die Grenze überschritten, schrieb ich Präsident Carter: Jetzt haben wir die Möglichkeit, der UdSSR ihren Vietnamkrieg zu liefern. Und tatsächlich sah sich Moskau während der folgenden zehn Jahre gezwungen, einen Krieg zu führen, den sich die Regierung nicht leisten konnte, was wiederum die Demoralisierung und schließlich den Zusammenbruch des sowjetischen Herrschaftsgebiets zur Folge hatte“.<ref>http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=9839</ref> (Zitiert nach dem kanadischen [[Globalisierungskritik]]er Prof. [[Michel Chossudovsky]])

== Politikwissenschaftliche Werke ==

=== Totalitäre Diktatur und Autokratie1956 ===

In der Untersuchung „Totalitarian Dictatorship and Autocracy“ entwickelte Brzeziński 1956 zusammen mit [[Carl Joachim Friedrich]] ein für die Politikwissenschaft noch heute wichtiges Modell des [[Totalitarismus]]: Totalitäre Regime seien etwas grundsätzlich Neues und Gleichartiges. Ziel sei die totale Kontrolle, die durch eine alle wichtigen Lebensbereiche umfassende Ideologie gekennzeichnet sei und eine neue Gesellschaft erschaffen wolle. Eine einzige hierarchisch organisierte Partei besitze die gesamte politische Macht und werde von einem Diktator angeführt. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung sei politisch aktiv und hänge der Ideologie wirklich an. Ein Terrorsystem kontrolliere Bevölkerung und Partei. Eine Geheimpolizei bekämpfe tatsächliche und potientielle Feinde. Die Massenkommunikation sei monopolisiert. Die Wirtschaft werde bürokratisch kontrolliert und gelenkt.

=== Zwischen zwei Zeitaltern, Amerikas Rolle in der technetronischen Ära 1970 ===

„Between two ages: America's Role in the Technetronic Era“ (1970) war eine der frühesten Darstellungen des Wandels in Kommunikation und Computertechnik, der später mit dem Begriff Globalisierung verbunden wurde. Brzeziński sagte in diesem Bereich eine Rivalität zwischen den Supermächten voraus. Das System der Sowjetunion sei aber ökonomisch wie politisch zu schwach, um sich an die neue technologische Umwelt anzupassen und werde folglich untergehen. Das „technetronische System“, das in den USA zur Vollendung geführt werde, wird als weltbeherrschend angesehen. Dabei sieht Brzeziński menschheitsgefährdende Entwicklungen voraus.

{{Zitat|Das Technetronische Zeitalter lässt allmählich eine kontrollierte Gesellschaft entstehen. Eine solche Gesellschaft wird von einer hemmungslosen Elite unabhängig von traditionellen Werten geprägt werden. In Kürze wird es möglich sein, jeden Bürger fast ununterbrochen zu überwachen und vollständige Datensammlungen auch mit persönlichen Informationen über jeden Bürger anzulegen und zu aktualisieren. Diese Dateien werden durch die Behörden unmittelbar abrufbar sein.}}

{{Zitat|In der technetronischen Gesellschaft geht die Entwicklung in Richtung einer Aggregation der individuellen Unterstützung von Millionen unkoordinierter Bürger, leicht beeinflussbar durch magnetische und attraktive Persönlichkeiten, die die neuesten Kommunikationstechniken anwenden, um Gefühle zu manipulieren und Gedanken zu kontrollieren.}}

=== Das gescheiterte Experiment: der Untergang des kommunistischen Systems 1989 ===

„The Grand Failure“ (1989) will einen umfassenden Überblick über alle Formen des Kommunismus bieten, konzentriert sich aber auf die Gorbatschow-Ära. Brzeziński sagt voraus, dass Gorbatschows Politik der wirtschaftlichen Dezentralisierung zur Lockerung der sozialen Kontrolle und schließlich zum politischen Pluralismus führen werde. Der Leninismus werde aufgegeben. Die erfolgreiche Pluralisierung der Sowjetunion erscheint Brzezinski aber weniger wahrscheinlich als langwierige innenpolitische Krisen, eine Rückkehr zur [[Leonid Iljitsch Breschnew|Breschnew]]-Stagnation, ein Putsch von Militär oder KGB oder die Zersplitterung der Sowjetunion entlang nationalistischer Linien.

=== Die einzige Weltmacht 1997 ===

In seinem Buch ''[[Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft|Die einzige Weltmacht]]'' (1997) begründet Brzeziński die [[Geopolitik|geopolitische]] Strategie, die die USA als – nach dem [[Geschichte der Sowjetunion#Auflösung der Sowjetunion|Zusammenbruch der Sowjetunion]] – erste, einzige und letzte Weltmacht seiner Meinung nach einschlagen sollten: den eurasischen Kontinent unter ihrer Kontrolle zu halten und rivalisierende Bestrebungen zu verhindern, die die Machtstellung der USA gefährden könnten:<ref>Zbigniew Brzeziński: Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft. 8. Auflage. S. Fischer Verlag, 2004 (übersetzt von Angelika Beck), ISBN 978-3596143580, Einleitung 1997 S.14/15</ref> {{Zitat|Inwieweit die USA ihre globale Vormachtstellung geltend machen können, hängt aber davon ab, wie ein weltweit engagiertes Amerika mit den komplexen Machtverhältnissen auf dem eurasischen Kontinent fertig wird — und ob es dort das Aufkommen einer dominierenden, gegnerischen Macht verhindern kann. (...) US-Amerikanische Politik sollte letzten Endes von der Vision einer besseren Welt getragen sein: der Vision, im Einklang mit langfristigen Trends sowie den fundamentalen Interessen der Menschheit eine auf wirksame Zusammenarbeit beruhende Weltgemeinschaft zu gestalten. Aber bis es soweit ist, lautet das Gebot, keinen eurasischen Herausforderer aufkommen zu lassen, der den eurasischen Kontinent unter seine Herrschaft bringen und damit auch für Amerika eine Bedrohung darstellen könnte. Ziel dieses Buches ist es deshalb, im Hinblick auf Eurasien eine umfassende und in sich geschlossene Geostrategie zu entwerfen.}}

[[Datei:Weltweite militärische Präsenz der Vereinigten Staaten.png|mini|Die weltweite militärische Präsenz der Vereinigten Staaten stellt einen Faktor für ihren Status als Supermacht dar.]]

Brzeziński sieht den Status der USA nicht als erstrebenswertes Ziel, sondern als Faktum. Dieser Zustand wird durch verschiedene Faktoren wie die weltweite Militärpräsenz, das wirtschaftliche Potential, den technologischen Vorsprung sowie eine weltweite Affinität zur amerikanischen Kultur dargestellt. Diesen Vorsprung gelte es – allerdings nicht als Selbstzweck – zu wahren, um die globale Stabilität zu erhalten. Das Ziel sollte sein, mögliche Konkurrenten so lange auf Distanz zu halten, bis ein weltweites Regelwerk etabliert und institutionalisiert ist und bevor die eigene Macht im Schwinden begriffen sein wird. Letztendlich werden die Vereinigten Staaten die „letzte und einzige wirkliche Supermacht“ gewesen sein.<ref name="RezFAZ">{{Internetquelle| autor=Volker Rühe|url=http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/2.1715/rezension-sachbuch-stabilitaet-durch-ein-neues-gleichgewicht-11316072.html| titel=Stabilität durch ein neues Gleichgewicht| werk=Frankfurter Allgemeine Zeitung| datum=1997-11-06| zugriff=2013-12-11}}</ref>

Hauptschauplatz der Auseinandersetzungen wird Brzezińskis Meinung nach [[Eurasien]] sein. Alle potentiellen Herausforderer der USA kämen aus dem Raum zwischen [[Lissabon]] und [[Wladiwostok]]. Einen großen Teil des Buches nimmt eine umfassende Analyse der Region ein.<ref name="RezFAZ"/>

Daraus entwickelt er verschiedene Handlungsempfehlungen für die Vereinigten Staaten. So soll eine deutsch-französische Führungsrolle in der [[Europäische Union|Europäischen Union]] gefördert werden, um deren [[EU-Erweiterung 2004|Erweiterung]] zu festigen. [[Russland]] solle ermutigt werden, seine eigene Rolle eindeutig im Sinne einer demokratischen und westlichen Orientierung zu definieren. Dadurch soll eine [[Balkanisierung]] in Zentralasien verhindert und ein verstärktes Sicherheits- und Stabilitätsbewusstsein in der Region etabliert werden. Außerdem müsse mit der [[Volksrepublik China]] ein Konsens gefunden werden, der nicht zu Lasten [[Japan]]s geht, das Brzeziński als hauptsächlichen Verbündeten – aber nicht als Regionalmacht – sieht.<ref name="RezFAZ"/>

[[Volker Rühe]] sieht in seiner Rezension das Ziel Brzezińskis darin, ein weltweites Regelwerk zu etablieren und zu institutionalisieren, bevor die eigene Macht im Schwinden begriffen ist.<ref name="RezFAZ" />

=== Die zweite Chance 2007 ===

In „[[Second Chance: Three Presidents and the Crisis of American Superpower]]“ schreibt Brzeziński über die vorhergehenden 15 Jahre der US-amerikanischen Außenpolitik, in denen die USA, aus dem Kalten Krieg als Sieger hervorgegangen, die einzige Supermacht war. Er stellt dar, wie die letzten drei Präsidenten, [[George H. W. Bush]], [[Bill Clinton]] und [[George W. Bush]] ihre Führungsrolle verwirklichten und ihre Macht als Führer einer unangreifbaren Weltmacht ausübten. Das Buch beginnt mit einem Abriss der Geschichte des Kalten Kriegs. Der Sturz des sowjetischen Systems wird nicht als das Werk allein [[Ronald Reagan]]s betrachtet, sondern als Ergebnis der Politik dreier Präsidenten im Zusammenhang internationaler Ereignisse.

Er unterscheidet in seiner Darstellung zwei Sichtweisen der Welt, die der Globalisierungsbefürworter und die der Neokonservativen.

In den drei ersten Kapiteln stellt er die Präsidenten und ihr außenpolitisches Team vor. Er erörtert die Ereignisse und Menschen, die die Außenpolitik formten. Dabei stellt er drei Hauptfaktoren in den Mittelpunkt: die Atlantische Allianz, die Nichtverbreitung von Atomwaffen und den Palästinakonflikt. Daneben diskutiert er die Umweltpolitik, den entstehenden südamerikanischen Nationalismus und den Aufstieg Chinas und Indiens.

In den Kapiteln „Die Erbsünde“ (Bush I), „Die Ohnmacht guter Absichten“ (Clinton) und „Katastrophaler Führungsstil“ (Bush II) vergleicht er die Präsidenten und ihre Entscheidungen.

Er kritisiert Bush I und Clinton und bewertet sie ähnlich negativ, aber mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Er ist am strengsten mit der Regierung Bush II, besonders hinsichtlich der Behandlung der Allianz, des Mittleren Ostens und der Umweltpolitik.

Im Kapitel „Nach 2008“ fordert Brzeziński, dass der kommende Präsident die Atlantische Allianz stärken müsse. Er müsse den Lobbyismus reformieren, Führungsstärke im Nahen Osten beweisen, in erster Linie gegenüber Israel, den Konsens in der Umweltpolitik stärken und eine Strategie für China als entstehende Weltmacht und Machtfaktor im Nahen Osten formulieren.

Er spricht die Warnung aus, dass die USA nach 2008 zwar eine zweite Chance bekommen würden, dass es danach aber zweifellos keine dritte Chance geben werde.

=== Strategic Vision: America and the Crisis of Global Power 2012 ===

In „[[Strategic Vision: America and the Crisis of Global Power]]“ stellt Brzezinski seine geopolitische Vision für die USA vor, mit der sie die Herausforderungen der geänderten weltpolitischen Lage bewältigen kann, die durch Machtdiffusion gekennzeichnet ist. In vier Kapiteln setzt Brzezinski sich mit vier Fragenkomplexen auseinander:

1. Welche Konsequenzen hat die Machtverlagerung vom Westen nach Osten und wie wird dies von der neuen Tatsache einer politisch wachen Menschheit beeinflusst?

2. Warum sinkt die Attraktivität der USA in der Welt? Wie verhängnisvoll sind die Symptome des inneren und internationalen Niedergangs der USA? Wie kam es dazu, dass die USA ihre einzigartigen Möglichkeiten nach dem friedlichen Ende des Kalten Kriegs vergeudet hat? Welche Kraft zur Erneuerung hat die USA und welche Neuorientierung der Geopolitik ist notwendig, um Amerikas Rolle in der Welt wieder mit neuem Leben zu erfüllen?

3. Was wären die wahrscheinlichen geopolitischen Folgen eines weiteren Niedergangs der USA bis 2025? Wer wären die beinahe unmittelbaren Opfer? Welche Auswirkungen hätte dies auf die Probleme im Weltmaßstab im 21. Jahrhundert? Könnte China bis 2025 die beherrschende Rolle der USA in der Weltpolitik übernehmen?

4. Welche langfristigen geopolitischen Ziele sollte sich eine wiedererstarkende USA für die Zeit nach 2025 setzen? Wie könnte die USA mit den traditionellen europäischen Alliierten die Türkei und Russland einbeziehen, um einen noch größeren und stärkeren Westen aufzubauen? Wie könnte die USA gleichzeitig im Osten ein Gleichgewicht zwischen dem Bedürfnis nach engerer Zusammenarbeit mit China erreichen und der Tatsache, dass eine konstruktive Politik weder chinazentriert sein sollte noch Verwicklungen in Konflikte Asiens nach sich ziehen sollte?

== Vergleich mit Henry Kissinger ==

Brzezinski wird oft mit [[Henry Kissinger]] verglichen. Unterschiede zeigen sich hauptsächlich in der Phase des Kalten Krieges. Während Kissinger eher eine Status-quo-Politik verfolgte und eine Machtbalance anstrebte, wollte Brzezinski das sowjetische System unterminieren, dem er aufgrund der kommunistischen Ideologie und Unfreiheit keine inhärente Stabilität zutraute. Daher trat Brzezinski für die Einhaltung der Menschenrechte ein und unterstützten Dissidenten, während Kissinger dies eher für destabilisierend hielt. Brzezinski hatte als Experte für die Sowjetunion stärkeren Einblick in die Schwächen des kommunistischen Systems und erkannte die nationalistischen Spannungen hinter der Einheitsfassade. Mit seiner Unterstützung für die polnische Gewerkschaftsbewegung nutzte er diese Spannungen und verstärkte sie, was schließlich zum Auseinanderbrechen der Sowjetunion führte.<ref>Shlomo Avineri, Vorwort in Zbig, the man who cracked the-Kremlin</ref>

== Ehrungen ==

[[Datei:Zbigniew Brzezinski gru2010.jpg|mini|links|160px|Brzeziński 2010]]

1963 wählte ihn die [[United States Chamber of Commerce|US-Handelskammer]] zu einem von Amerikas zehn hervorragendsten Männern (''One of America’s Ten Outstanding Men''). 1969 wurde er Ehrenmitglied der „American Academy of Arts and Sciences“. 1981 erhielt er die [[Presidential Medal of Freedom]] für seine Rolle bei der Normalisierung des politischen Verhältnisses zwischen der [[Volksrepublik China]] und den USA sowie für seinen Beitrag zu den [[Menschenrechte]]n und zur nationalen Sicherheitspolitik der Vereinigten Staaten. Für seine Beiträge zur Wiedererlangung der [[Unabhängigkeit (Politik)|Unabhängigkeit]] Polens erhielt er 1995 den „[[Orden vom Weißen Adler]]“, Polens höchste zivile Auszeichnung. 1998 wurde er Ehrenbürger von Lemberg, 2002 [[Liste der Ehrenbürger von Danzig|von Danzig]] und 2003 [[Ehrenbürger von Vilnius|von Vilnius]].

Akademische Ehrendoktorwürden empfing er von den Hochschulen [[Georgetown University]], Williams College, Fordham University, College of Holy Cross, Alliance College, the Catholic University of Dublin und der [[Universität Warschau]].

Weitere Auszeichnungen sind die „Centennial Medal of the Graduate School of Arts and Sciences“ der Harvard University, der „Hubert Humphry Award for Public Service“ der American Political Science Association und der „U Thant Award“. Darüber hinaus ist Brzeziński Ehrenmitglied diverser Stiftungen, darunter der [[Solomon R. Guggenheim Foundation|Guggenheim-Stiftung]] und der [[Ford Foundation|Ford-Stiftung]].

== Schriften ==

* ''Between two ages: America´s Role in the Technetronic Eara.'' The Viking Press, New York 1970, ISBN 978-0140043143.

* ''Power and Principle: Memoirs of the National Security Adviser 1977–1981.'' Farrar, New York 1983.

* ''The Grand Failure: The Birth and Death of Communism in the Twentieth Century.'' Ch. Scribner, New York 1989, ISBN 0-684-19034-6 (deutsch: ''Das gescheiterte Experiment: Der Untergang des kommunistischen Systems.'' Ueberreuter-Sachbuch, Wien 1989, ISBN 3-8000-3320-8).

* ''Out of Control: Global Turmoil on the Eve of the 21st Century'', Charles Scribner's Sons, New York 1993, ISBN 0-684-19630-1.

* ''The Grand Chessboard: American Primacy and Its Geostrategic Imperatives''. Basic Books, New York 1997, ISBN 0-465-02725-3 (deutsch: ''[[Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft|Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft.]]'' Beltz Quadriga, Weinheim 1997, ISBN 3-88679-303-6).

* ''The Choice: Global Domination or Global Leadership.'' Basic Books, New York 2004, ISBN 0-465-00801-1.

* ''Strategic Vision: America and the Crisis of Global Power.'' Basic Books, New York 2012, ISBN 978-0-465-02954-9.

== Literatur ==

* Sabine Feiner: ''Weltordnung durch US-Leadership? : die Konzeption Zbigniew K. Brzezinskis'', Wiesbaden : Westdeutscher Verlag 2000, ISBN 3-531-13521-X.

* Hauke Ritz: [http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2012/juli/warum-der-westen-russland-braucht Warum der Westen Russland braucht - Die erstaunliche Wandlung des Zbigniew Brzezinski] In: ''Blätter für deutsche und internationale Politik'', 07/2012, S. 89-98.

* {{Munzinger|00000010170|Zbigniew Brzezinski||in: ''Internationales Biographisches Archiv'' 02/2003 vom 30. Dezember 2002}}

* Zbig: The Strategy and Statecraft of Zbigniew Brzezinski, herausgegeben von Charles Gati, Johns Hopkins University Press, 2013. EAN: 9781421409764

* Zbig: The Man Who Cracked the Kremlin von Andrzej Lubowski, Open Road Distribution 2013. ISBN 9781480461307

* {{Buch|Autor=|Autor2=|Herausgeber=Auswärtiges Amt|Titel=Amtliches Material zum Massenmord von Katyn|Band=|Verlag=Deutscher Verlag|Verlagsort=Berlin|Jahr=1943|Auflage=|Auflage-Kommentar=|Seite=|ISBN=|Google_ID=|Archive=|PDF=|HTML=http://katyn.ru/index.php?go=Pages&in=view&id=831&page=0}}

*''Der Massenmord im Walde von Katyn — Ein Tatsachenbericht auf Grund amtlicher Unterlagen''

*Fritz Becker: ''Stalins Blutspur durch Europa, Partner des Westens 1933-45'' ([http://www.versandbuchhandelscriptorium.com/angebot/1517stal.html Klappentext])

*Thymian Bussemer: ''Das internationale Rote Kreuz und die NS-Kriegspropaganda: der Fall Katyn.'' In: Vorgänge. Jg. 39/2000, H. 3, S. 81–89

*John P. Fox: ''Der Fall Katyn und die Propaganda des NS-Regimes.'' In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. (30) 1982, S. 462–499

*Gerd Kaiser: ''Katyn. Das Staatsverbrechen — das Staatsgeheimnis.'' Aufbau Taschenbuchverlag, Berlin 2002, ISBN 3746680786. – Fortführung der Arbeit Madajczyks unter Einbeziehung weiterer Quellen aus russischen Archiven. ([http://www.versandbuchhandelscriptorium.com/angebot/0378katy.html Klappentext])

*[[Josef Mackiewicz]]: ''Katyn — ungesühntes Verbrechen''. Zürich 1949 / Frankfurt a.M. 1983

*Czeslaw Madajczyk: ''Die Okkupationspolitik Nazideutschlands in Polen 1939–1945.'' Köln 1988.

*Czeslaw Madajczyk: ''Das Drama von Katyn.'' Dietz Verlag 1991, ISBN 3320016687. – Die erste wissenschaftliche Arbeit über Katyn durch den bedeutenden polnischen Historiker.

*George Sanford: ''The Katyn Massacre and Polish-Soviet Relations, 1941–43.'' In: Journal of Contemporary History 41/2006, S. 95–111.

*Manfred Vasold: Katyn. In: [[Wolfgang Benz]]: ''Legenden, Lügen, Vorurteile.'' München, dtv 1995, S.115ff.

*Victor Zaslavsky: ''Klassensäuberung. Das Massaker von Katyn.'' Aus dem Italienischen von Rita Seuss; Wagenbach Verlag, 2007

* Franz Kadell: ''Die Katyn-Lüge, Geschichte einer Manipulation, Fakten, Dokumente und Zeugen'' ([http://www.versandbuchhandelscriptorium.com/angebot/2612katy.html Klappentext])

* [[Mark Weber]], [http://www.ihr.org/other/goebbels2011weber.html ''Goebbels and World War II Propaganda'']

== Weblinks ==

{{Commonscat}}

{{Wikiquote|Zbigniew Brzezinski|Zbigniew Brzeziński|lang=en}}

* {{DNB-Portal|118516442}}

* [http://www.stern.de/politik/ausland/560430.html Interview mit Zbigniew Brzeziński: „Ein nuklearer Iran wäre nicht gefährlicher als Israel“]

*[http://verbotenesarchiv.wordpress.com/2012/11/18/streng-geheim-massaker-von-katyn-archive-belegen-dass-die-usa-die-udssr-deckten/ Streng geheim – Massaker von Katyn: Archive belegen, daß die USA die UdSSR deckten] Artikel von Tancrède Lenormand (13. September 2012)

*[http://globalfire.tv/nj/05de/zeitgeschichte/katyn_luege.htm Die Katyn-Lüge]

*[http://globalfire.tv/nj/07de/zeitgeschichte/katyn_luege.htm Das Reich des Bösen ist dort, wo Lüge und Menschenverachtung herrschen]

*[http://katyn.org.au/naziphotos.html Fotos vom Massenmord]

*[http://web.archive.org/web/20080516002732/http://histor.ws/seppdepp/047.htm Sepp Depp: Sowjetisches Massaker an polnischen Kriegsgefangenen, Katynwald 1940]

*[[Leo Thenn]]: [http://www.die-wahrheit-fuer-deutschland.de/OffBfSschmidt.htm Offener Brief an Altkanzler Helmut Schmidt]

{{Umerziehungsliteratur|

*[http://www.zeithistorische-forschungen.de/site/40209108/default.aspx Weber, Claudia: „Too closely identified with Dr. Goebbels“. Die Massenerschießungen von Katyn in der Geschichte des Zweiten Weltkriegs und des Kalten Kriegs. In: Zeithistorische Forschungen. Heft 1 (2011).]

== Einzelnachweise ==

<references/>

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{{Personendaten

|NAME=Brzeziński, Zbigniew

|ALTERNATIVNAMEN=Brzeziński, Zbigniew Kazimierz (vollständiger Name)

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[[Datei:MSC 2014 Brzezinski Kleinschmidt MSC2014.jpg|mini|Zbigniew Brzeziński (2014)]]

'''Zbigniew Kazimierz Brzeziński''' ({{Audio|Zbigniew Brzeziński audio.ogg|anhören}}) [{{IPA|bʐɛˈʑĩski}}] (* [[28. März]] [[1928]] in [[Warschau]]) ist ein [[Polen|polnisch]]-[[Vereinigte Staaten|US-amerikanischer]] [[Politikwissenschaft]]ler und zählt mit [[Henry Kissinger]] und [[Samuel Phillips Huntington]] (2008 verstorben) zu den [[graue Eminenz|grauen Eminenzen]] unter den US-amerikanischen [[Geopolitik|Globalstrategen]].<ref>[http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/USA/nach-bush.html Die Welt als Schachbrett – Der neue Kalte Krieg des Obama-Beraters Zbigniew Brzezinski]</ref> Er war 1966-1968 Berater [[Lyndon B. Johnson]]s und von 1977 bis 1981 [[Nationaler Sicherheitsberater (Vereinigte Staaten)|Sicherheitsberater]] von US-Präsident [[Jimmy Carter]]. Sein Einfluss auf die Außenpolitik [[Barack Obama]]s ist umstritten. Er ist Professor für [[Außenpolitik der Vereinigten Staaten|US-amerikanische Außenpolitik]] an der [[Paul H. Nitze School of Advanced International Studies|School of Advanced International Studies (SAIS)]] der [[Johns Hopkins University]] in [[Washington, D.C.]], Berater am „[[Center for Strategic and International Studies|Zentrum für Strategische und Internationale Studien]]“ (CSIS) in Washington, D.C.<ref>http://csis.org/about-us/counselors</ref> und Autor renommierter politischer Analysen. Daneben betätigt er sich als Berater für mehrere große US-amerikanische und internationale Unternehmen.

Brzezinski gehört zur [[Realismus (Internationale Beziehungen)|realistischen Schule der Internationalen Politik]] und steht [[Geopolitik|geopolitisch]] in der Tradition [[Halford Mackinder]]s und [[Nicholas J. Spykman]]s.<ref>Sabine Feiner: Weltordnung durch US-Leadership? Die Konzeption Zbigniew K. Brzezinskis. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2001</ref><ref>http://globalengage.org/attachments/771_seiple_dissertation.pdf</ref> Parteipolitisch steht er eher den Demokraten nahe und wird oft gegen seinen konservativen „Rivalen“ Kissinger abgegrenzt, obwohl die Gemeinsamkeiten größer sind als die Unterschiede.<ref>Charles Gati: The Strategy And Statecraft of Zbigniew Brzezinski, 2013</ref>

== Leben ==

=== Herkunft und frühe Jahre ===

Brzeziński wurde 1928 in Warschau als Sohn des polnischen [[Diplomat]]en [[Tadeusz Brzeziński]] und Leonia Roman in Warschau geboren. Seine Familie, die zum polnischen Adel gehört, stammte aus [[Brzezany]] in [[Galizien]] in der [[Woiwodschaft]] [[Tarnopol]], später Ost-Polen, heute in der Ukraine. Der Name der Stadt Brzezany ist der Ursprung des Familiennamens.

Tadeusz Brzeziński war von 1931 bis 1935 in Deutschland eingesetzt. Von 1936 bis 1938 arbeitete er in der Sowjetunion während der Großen Säuberungen [[Josef Stalin]]s. 1938 wurde er nach Kanada versetzt. Wegen der [[Jalta-Konferenz]], die Polen der sowjetischen Einflusssphäre zusprach, konnte die Familie nicht sicher in ihre Heimat zurückkehren. Der Zweite Weltkrieg hatte eine nachdrückliche Wirkung auf Brzeziński, der in einem Interview feststellte, dass die außergewöhnliche Brutalität gegenüber den Polen seine Auffassung der Welt geprägt habe. Diese Erfahrung habe ihn für die Tatsache sensibilisiert, dass Weltpolitik zum großen Teil ein grundlegender Kampf ist.<ref>https://www.youtube.com/watch?v=03ApSE6mgHE</ref>

Zbigniew Brzeziński verbrachte einen Teil seiner Kindheit mit der Familie in [[Lille]] (Frankreich), [[Leipzig]] und [[Charkiw]] in der [[Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik|Ukrainischen SSR]], bevor er mit seiner Familie nach [[Montreal]] in [[Kanada]] zog.

=== Wachsender Einfluss ===

Nach dem Besuch der [[Loyola High School (Montreal)|Loyola High School]] in Montreal <ref>{{Cite news|first=Kristian |last=Gravenor |title=Zbigniew Brzezinski's Montreal recollections |url=http://coolopolis.blogspot.com/2007/02/zbigniew-brzezinskis-montreal.html |work=Coolopolis |date=2007-02-13 |accessdate=2008-08-22 }}</ref> studierte er 1945 an der [[McGill University]], um seinen Bachelor- und Master-Abschluss zu erwerben, die er 1949 und 1950 erhielt. Seine [[Master-Thesis]] untersuchte die unterschiedlichen Ethnien innerhalb der Sowjetunion.<ref name="masters">{{cite news|title="Agenda for constructive American-Chinese dialogue huge": Brzezinski |url=http://english.people.com.cn/200603/20/eng20060320_251953.html |first=Tang |last=Yong |newspaper=People's Daily Online |date=2006-03-20 |accessdate=2010-12-30}}</ref>

Brzezińskis Plan, in Großbritannien ein Studium zur Vorbereitung einer diplomatischen Karriere in Kanada aufzunehmen, schied aus, teilweise weil nur britische Staatsbürger stipendienberechtigt waren. Brzeziński promovierte daraufhin an der [[Harvard University]] bei [[Merle Fainsod]]. Seine Dissertation untersuchte die Sowjetunion und die Zusammenhänge von [[Oktoberrevolution]], [[Wladimir Iljitsch Lenin|Lenins]] Staatsmodell und der Politik [[Joseph Stalin]]s. 1953 wurde Brzeziński promoviert.

Im selben Jahr reiste er nach München und traf [[Jan Nowak-Jeziorański]], den Leiter der polnischen Abteilung von [[Radio Free Europe]].

Später arbeitete er auch mit [[Carl Joachim Friedrich|Carl J. Friedrich]] zusammen, um ein Konzept von [[Totalitarismus]] zu entwickeln. Dies half ihm 1956, die sowjetische Politik genauer und wirkungsvoller darzustellen und zu kritisieren.<ref>Gati (2013) p 208</ref>

<div class="toccolours" style="float:right;width:175px;margin: 0 10px 10px;padding:10px">

Für Hintergrundinformationen:

* [[Polen]]

* [[Aufstand vom Dezember 1970 in Polen]]

* [[Ungarn-Aufstand]].

</div>

Als Harvard Professor kritisierte er [[Dwight D. Eisenhower]]s und [[John Foster Dulles]]' Politik des [[Rollback-Politik|Rollback]]: Der Antagonismus werde Osteuropa stärker zur Sowjetunion drängen.<ref>Gati (2013) p xxi</ref> Der [[Aufstand vom Dezember 1970 in Polen]] mit dem [[Polnischer Oktober|Polnischen Oktober]] und der [[Ungarischer Volksaufstand|Ungarische Volksaufstand]] im Jahre 1956 bestätigten Brzezińskis Vorstellung von einer graduellen Abschwächung der sowjetischen Vorherrschaft durch die Osteuropäer. 1957 besuchte er Polen zum ersten Mal seit seiner Kindheit. Der Besuch bestätigte sein Urteil über die tiefen Spaltungen innerhalb des [[Ostblock]]s. Er entwickelte hieraus sein Programm des „peaceful engagement“.<ref>Gati (2013) p xxi</ref>, worunter er einen friedlichen Wettbewerb um Einfluss in Osteuropa verstand, den er gegen das sowjetische Verständnis „friedlicher Koexistenz“ abgrenzte.<ref>http://jhupressblog.com/2013/08/27/weighing-zbigniew-brzezinskis-legacy/</ref>

1958 wurde er US-amerikanischer Staatsbürger. Trotz jahrzehntelangen Aufenthalts in Kanada und der dortigen Anwesenheit von Familienmitgliedern wurde er niemals kanadischer Staatsbürger.

Als Brzeziński 1959 keinen Lehrstuhl in Harvard bekam, zog er nach New York City, um an der [[Columbia University]] zu lehren.<ref>Gati (2013) p 208 </ref> Hier schrieb er sein Werk ''Soviet Bloc: Unity and Conflict'', das Osteuropa seit Beginn des [[Kalter Krieg|Kalten Krieges]] thematisierte. Er war auch Hochschullehrer der zukünftigen [[Außenminister der Vereinigten Staaten|US-Außenministerin]] [[Madeleine Albright]], die wie seine Ehefrau tschechischer Abstammung ist. Er war auch Albrights Mentor während ihrer frühen Jahre in Washington.<ref>{{cite book|last=Albright | first=Madeleine |title=[[Madam Secretary]] |publisher=Hyperion |year=2003 |pages=57 }}</ref> Er wurde Mitglied des [[Council on Foreign Relations]] in New York und trat der [[Bilderberg-Konferenz]] bei.<ref>Gati (2013) p 12</ref>

Während der Präsidentenwahl 1960 war Brzeziński Berater im Wahlkampfteam [[John F. Kennedy]]s. Er drängte auf eine nicht-antagonistische Politik gegenüber osteuropäischen Regierungen. Angesichts der politischen und ökonomischen Stagnation sah er den folgenden Zerfall der Sowjetunion entlang ethnischer Bruchlinien zutreffend voraus, womit er den Ansatz seiner Master-Thesis weiter ausbaute.<ref name="masters" />

Brzeziński unterstützte die [[Entspannungspolitik]] während der folgenden Jahre. Er publizierte seine Programmschrift „Peaceful Engagement in Eastern Europe“ in ''[[Foreign Affairs]]'',<ref>{{cite journal| first=Zbigniew | last=Brzezinski | first2=William | last2=Griffith | title=Peaceful Engagement in Eastern Europe | journal=Foreign Affairs | volume=39 | issue=4 | date=Spring 1961 | pages=647}}</ref> und unterstützte eine nicht-antagonistische Politik nach der [[Kubakrise]]. Er begründete dies damit, dass diese Politik den osteuropäischen Ländern die Angst vor einem aggressiven Deutschland nehmen und außerdem Westeuropäer besänftigen könnte, die sich wegen möglicher Kompromisse der Supermächte im Sinne der [[Konferenz von Jalta]] Sorgen machten.

1964 unterstützte Brzeziński [[Lyndon B. Johnson]]s „[[Great Society|Great-Society]]“-Programm und die Gesetzesvorschläge der [[Bürgerrechtsbewegung]], während er andererseits nach [[Nikita Sergejewitsch Chruschtschow|Chruschtschows]] erzwungenem Rücktritt den völligen Verlust an Kreativität auf Seiten der politischen Führung der Sowjetunion konstatierte. Durch Vermittlung von [[Jan Nowak-Jeziorański]] traf Brzeziński mit [[Adam Michnik]] zusammen, dem damaligen Kommunisten und zukünftigen Aktivisten der polnischen Gewerkschaftsbewegung.

Brzeziński unterstützte Verbindungen mit den osteuropäischen Regierungen, warnte dabei aber vor [[Charles de Gaulle|De Gaulle]]s Vision eines „Europa vom [[Atlantik]] bis zum [[Ural]]“. Er befürwortete den [[Vietnamkrieg]]. 1966 bis 1968 diente Brzeziński als Mitglied des Planungsstabes des [[State Department]]s. Präsident Johnsons Rede zum Thema „Bridge Building“ vom 7. Oktober 1966 war das Ergebnis von Brzezińskis Einfluss.

<div class="toccolours" style="float:right;width:175px;margin: 0 10px 10px;padding:10px">

Für historische Hintergrundinformationen:

* [[Sechstagekrieg]]

* [[Prager Frühling]]

* [[Sozialismus]]

* [[Tet-Offensive]]

</div>

Die Ereignisse in der [[Tschechoslowakei]] verstärkten Brzezińskis kritische Einstellung zur aggressiven Haltung der Republikaner gegenüber osteuropäischen Regierungen. Seine Dienste für die Regierung Lyndon B. Johnsons während des Vietnamkrieges machte ihn zum Feind der US-amerikanischen [[Neue Linke|Neuen Linken]], obwohl er die Deeskalation des US-amerikanischen Militäreinsatzes befürwortete.

1968 unterstützte Brzeziński als Vorsitzender der außenpolitischen Arbeitsgruppe [[Hubert H. Humphrey]]s den Wahlkampf der Demokraten. Er riet Humphrey, mit einigen Punkten von Präsident Johnsons Programm zu brechen, insbesondere in der Vietnam-Frage, hinsichtlich des Nahen Ostens und der Beziehungen zur Sowjetunion.

Brzeziński forderte eine gesamteuropäische Konferenz. Diese Idee verwirklichte sich schließlich 1973 mit der [[KSZE]].<ref>Zbigniew Brzezinski: ''„Détente in the ‘70s“'' In: ''The New Republic'', 3. Januar 1970, S. 18</ref> In der Zwischenzeit wurde er zum führenden Kritiker von [[Richard Nixon|Nixons]] und [[Henry Kissinger|Kissingers]] Entspannungskonzept, ebenso wie von [[George McGovern|McGoverns]] [[Pazifismus]].<ref>Zbigniew Brzezinski, ''„Meeting Moscow's Limited Coexistence“'' In: ''The New Leader'', 51:24, 16. Dezember 1968, S. 11–13</ref>

1970 schrieb er in seinem Werk „Zwischen zwei Zeitaltern: Amerikas Rolle in der Technetronischen Ära“ (''Between Two Ages: America's Role in the Technetronic Era''), dass eine koordinierte Politik unter den Industrieländern nötig sei, um der globalen Instabilität zu begegnen, die aus der zunehmenden ökonomischen Ungleichheit entstehe. Von dieser Forderung ausgehend, gründete Brzeziński auf Initiative von [[David Rockefeller]] die [[Trilaterale Kommission]], deren Direktor er von 1973 bis 1976 wurde. Die Trilaterale Kommission ist eine Gruppe prominenter Politiker, Geschäftsleute und Universitätslehrer, hauptsächlich aus den USA, Westeuropa und Japan. Ihr Ziel war die Stärkung der Beziehungen zwischen den drei höchstentwickelten Ländern der kapitalistischen Welt. Brzeziński schlug den Gouverneur von [[Georgia]], [[Jimmy Carter]], als Mitglied vor. Brzezinski kehrte 1981 zur ''Kommission'' zurück und hatte bis 2009 eine tragende Rolle inne.<ref>[http://www.trilateral.org/go.cfm?do=Page.View&pid=9#1 Founding Members der Trilateralen Kommission]</ref>

=== Berater der Regierung Carter ===

[[Datei:Brzezinski 1977.jpg|mini|Brzeziński als Regierungsberater 1977]]

[[Jimmy Carter]] kündigte seine Kandidatur für 1976 an und bezeichnete sich selbst als „eager student“ von Brzeziński.<ref>{{cite journal | last=Brauer | first=Carl | date=1988-11-01 | title=Lost In Transition | url=http://www.theatlantic.com/magazine/archive/1988/11/lost-in-transition/307120/ | journal=The Atlantic | location=Washington, D.C. | publisher=Atlantic Media | accessdate=2014-03-27}}</ref>

Brzeziński wurde 1975 Carters wichtigster Ratgeber in außenpolitischen Fragen. Er wurde ein dezidierter Kritiker der Außenpolitik Nixons und Kissingers, die zu sehr auf Entspannungspolitik setzten, die der Sowjetunion genehm war. Er setzte statt dessen mehr auf die [[Strategic Arms Limitation Talks]], und betonte die [[Menschenrechte]], das [[Völkerrecht]] und friedliche Maßnahmen in Osteuropa. Brzeziński wurde als Antwort der Demokraten auf den republikanisch orientierten Henry Kissinger betrachtet<ref>John Maclean, „Advisers Key to Foreign Policy Views“, ''The Boston Evening Globe'' (October 5, 1976)</ref> Carter griff Ford in Debatten dadurch an, dass er die trilaterale Vision mit Fords Entspannungskonzept verglich.<ref>{{cite book|last=Vaughan | first=Patrick G. |editor-first=Leopoldo| editor-last=Nuti |title=The Crisis of Détente in Europe: From Helsinki to Gorbachev, 1975–1985 |publisher=Taylor & Francis |year=2008 |pages=11–25 |chapter=Zbigniew Brzezinski and the Helsinki Final Act |isbn=0-415-46051-4}}</ref>

Nach seinem Sieg im Jahre 1976 machte Carter Brzeziński zum Sicherheitsberater. Im selben Jahr waren in Polen größere Arbeitskämpfe ausgebrochen, die die Grundlage für die polnische Gewerkschaftsbewegung [[Solidarnosc]] bildeten. Brzeziński begann mit der Betonung der Menschenrechte in der [[Schlussakte von Helsinki]], die kurze Zeit später die [[Charta 77]] der [[Tschechoslowakei]] inspirierte<ref>Michael Getler, ''„Dissidents Challenge Prague – Tension Builds Following Demand for Freedom and Democracy“'' In: ''[[The Washington Post]]'', 21. Januar 1977</ref>

Brzeziński war an der Abfassung von Teilen der Regierungsansprache zum Amtsantritt Carters beteiligt, was seiner Absicht entsprach, den Dissidenten in der Sowjetunion eine positive Botschaft zu senden.<ref>Zbigniew Brzezinski, ''Power and Principle: Memoirs of the National Security Adviser, 1977–1981'' (New York, 1983), p. 123.</ref> Die Sowjetunion wie auch führende Politiker Westeuropas klagten, diese Art von Rhetorik widerspreche dem „Code der Entspannung“, den Nixon und Kissinger etabliert hatten.<ref>Seyom Brown, ''Faces of Power'' (New York, 1983), p. 539.</ref><ref>„Giscard, Schmidt on Détente“, ''The Washington Post'' (July 19, 1977).</ref>

Brzeziński wandte sich gegen Mitglieder der [[Demokratische Partei (Vereinigte Staaten)|Demokratischen Partei]], die seine Auffassung von Entspannung ablehnten, zu denen der Außenminister [[Cyrus Vance]] gehörte. Vance sprach sich für eine verminderte Betonung der Menschenrechte aus, um die Zustimmung der Sowjetunion zu den [[Strategic Arms Limitation Talks]] (SALT) zu gewinnen, während Brzeziński beides zur gleichen Zeit erreichen wollte. Brzeziński ordnete an, dass [[Radio Free Europe]] Leistung und Reichweite seines Programms erweitern solle, was eine provokante Umkehrung der Politik Nixons und Kissingers war.<ref>David Binder, ''„Carter Requests Funds for Big Increase in Broadcasts to Soviet Bloc“'' In: ''The New York Times'', 23. März 1977</ref> [[Helmut Schmidt]] lehnte Brzezińskis Pläne ab, er forderte sogar die Entfernung von Radio Free Europe von deutschem Boden.<ref>Brzezinski, ''Power and Principle'', p. 293.</ref>

Das State Department war von Brzezińskis Unterstützung für ostdeutsche Dissidenten beunruhigt und lehnte seinen Vorschlag ab, dass Carters erster Besuch jenseits des Atlantiks Polen gelten sollte. Carter und er besuchten [[Warschau]], sie trafen mit [[Kardinal]] [[Stefan Wyszynski]] zusammen (gegen die Bedenken des US-Botschafters in Polen). Dabei erkannten sie die Römisch-katholische Kirche als legitime Opposition gegen die kommunistische Herrschaft in Polen an.<ref>David A. Andelman, „Brzezinski and Mrs. Carter Hold Discussion with Polish Cardinal“, ''The New York Times'' (December 29, 1977).</ref>

1978 waren Brzeziński und Vance immer uneiniger hinsichtlich der Richtung der Außenpolitik Carters. Vance wollte den Stil der Entspannungspolitik von Nixon und Kissinger weiterführen, wobei der Schwerpunkt auf der Abrüstung liegen sollte. Brzeziński glaubte, dass die Entspannungspolitik die Sowjetunion in [[Angola]] und im Nahen Osten ermuntert habe. Deshalb befürwortete er die Steigerung der militärischer Stärke und eine Betonung der Menschenrechte. Vance, das State Department und die Medien kritisierten Brzeziński öffentlich dafür, dass er den Kalten Krieg wieder aufleben lassen wolle.

Brzeziński riet Carter 1978, sich der [[Volksrepublik China]] zuzuwenden und reiste nach Peking, um die Grundlage für die Normalisierung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu legen. Dies führte zu einer Lockerung der Bindungen an den langjährigen antikommunistischen Alliierten, die [[Republik China auf Taiwan]].

<div class="toccolours" style="float:right;width:175px;margin:10px;padding:10px">Historischer Hindergrund:

* [[Islamische Revolution]];

* [[Afghanistan]]

* [[Solidarnosc]]

</div>

1979 war das Jahr zweier großer, strategisch bedeutsamer Ereignisse: die Entmachtung des befreundeten Schahs des Iran [[Mohammad Reza Pahlavi]] und die sowjetische Invasion in Afghanistan. Die [[Islamische Revolution]] löste die Krise der iranischen Geiselnahme aus, die während Carters restlicher Amtszeit andauerte. Brzeziński sah die Invasion in Afghanistan voraus und schuf mit der Unterstützung [[Saudi-Arabien]]s, Pakistans, und der Volksrepublik China eine Strategie, um den Einfluss der Sowjetunion zu unterminieren. In dieser Atmosphäre der Unsicherheit führte er die USA zu einer neuen Aufrüstungsbemühung und der Entwicklung der schnellen Eingreiftruppen. Beide politischen Maßnahmen werden heute eher mit Ronald Reagan in Verbindung gebracht.

Brzeziński arbeitete unter der „lame duck“-Präsidentschaft Carters, aber ermutigt durch die Tatsache, dass die polnische Gewerkschaft seinen Stil der Auseinandersetzung mit Osteuropa bestätigt hatte, nahm er einen kompromisslosen Standpunkt gegenüber einer kurz bevorzustehen scheinenden Invasion Polens ein. Er telefonierte um Mitternacht mit Papst [[Johannes Paul II.]], dessen Besuch in Polen 1979 der Entstehung der Gewerkschaftsbewegung vorangegangen war, und warnte ihn vor. Diese Haltung der USA war ein deutlicher Wandel im Vergleich zu den früheren Reaktionen auf die sowjetischen Unterdrückungsmaßnahmen in Ungarn 1956 und in der Tschechoslowakei 1968.

1981 zeichnete President Carter Brzeziński mit der [[Presidential Medal of Freedom]] aus.

=== Tätigkeit während der Regierungen Reagan, Bush I und Clinton ===

Brzeziński war nach seiner Amtszeit besorgt wegen der inneren Spaltung der Demokratischen Partei. Seiner Meinung nach war der pazifistische („dovish“) Flügel um [[George McGovern]] dafür verantwortlich, dass die Demokraten dauerhaft zur Minorität würden.

Sein Verhältnis zur Regierung [[Ronald Reagan]]s war gemischt. Einerseits unterstützte er sie als Alternative zum Pazifismus der Demokraten, andererseits kritisierte er sie wegen übertriebener Schwarzweißmalerei bei der Beurteilung außenpolitischer Themen.

Er blieb weiter beteiligt an den Vorgängen in Polen, kritisierte 1981 die Einführung des Kriegsrechts, vor allem aber die Schicksalsergebenheit Westeuropas im Namen der Stabilität. Brzeziński beriet 1987 US-Vizepräsident [[George H. W. Bush|George Bush]] vor seiner Polenreise, die das Wiederaufleben der Gewerkschaftsbewegung unterstützte.

Während der Regierung Ronald Reagans war er 1985 Mitglied der [[Chemical warfare|Chemical Warfare]]-Kommission des Präsidenten. Von 1987 bis 1988 war er im Nationalen Sicherheitsrat des Verteidigungsministeriums in einer Kommission für „Integrierte Langzeitstrategie“ tätig. Von 1987 bis 1989 arbeitete er als Berater für das [[President's Foreign Intelligence Advisory Board]] (PIAB) das „… den Präsidenten hinsichtlich Qualität und Korrektheit der Nachrichtengewinnung berät, hinsichtlich Analyse und Einschätzungen, Spionageabwehr und anderen nachrichtendienstlichen Tätigkeiten.“<ref>[http://www.whitehouse.gov/administration/eop/piab PIAB Official Website.]</ref>

1988 war Brzeziński stellvertretender Vorsitzender der [[National Security Advisory Task Force]] George Bushs und unterstützte Bushs Präsidentschaft, was einen Bruch mit den Demokraten bedeutete. Brzeziński publizierte im selben Jahr sein Werk „Die große Niederlage“ (''The Grand Failure''), in dem er den Fehlschlag von [[Michail Sergejewitsch Gorbatschow|Michail Gorbatschows]] Reformen und das Auseinanderbrechen der Sowjetunion in den folgenden Jahrzehnten voraussagte. Er führte aus, dass es fünf Möglichkeiten für die zukünftige Entwicklung der Sowjetunion gebe: erfolgreiche Pluralisierung, anhaltende Krise, neue Stagnation, Staatsstreich durch KGB oder Militär oder den Zusammenbruch des kommunistischen Regimes. Er hielt den Zusammenbruch in dieser Phase der Entwicklung für weit unwahrscheinlicher als eine anhaltende Krise. Er prognostizierte, dass die Wahrscheinlichkeit, dass 2017 in der Sowjetunion weiterhin der Kommunismus existieren werde, nur bei etwas mehr als 50 % liege, und dass das Ende, wenn es käme, sehr wahrscheinlich turbulent ausfallen würde.

Schließlich kollabierte das System 1991 nach Moskaus scharfem Vorgehen gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen Litauens, dem Krieg um [[Bergkarabach]] in den späten 1980er Jahren sowie dem vereinzelten Blutvergießen in anderen Republiken. Dieses Ergebnis war weniger gewaltsam zustande gekommen, als Brzeziński und andere Beobachter erwartet hatten.

1989 gelang es den Kommunisten nicht, ihre Unterstützung in Polen zu mobilisieren, woraufhin die Gewerkschaft die Wahlen mit überwältigender Mehrheit gewann.

== Aufklärer der Verantwortlichen des [[Massaker von Katyn]] ==

Sein Neffe [[Matthew Brzezinski]] ist der bekannte Hintergrund Analyst von [[Benjamin Ferencz]], [[USSR1]] and [[USSR54]] nach dem [[Massaker von Katyn]] zum [[Einsatzgruppen-Prozess]].

Ausgehend von dem 1937 entwickelten Erstickungskammer [[Vergasungsauto (Duschegubka)]] vom Chef der [[NKWD-Wirtschaftsabteilung]] [[People's Commissariat for Internal Affairs Economy Department]] im Bezirk Moskau - [[Isaj Davidowitsch Berg]] - für den Entschädigungprozess Wiedergutmachung Wiederaufnahmeprozess der geschädigten [[Russki Fords]] Nachfolge Unternehmen Missbrauch Opfer Vertreter - aufgrund der [[USSR1]] und [[USSR54]] [[Trial Of The Major War Criminals Before The International Military Tribunal]],Band39, Nürenberg1949, <ref>http://www.loc.gov/rr/frd/Military_Law/pdf/NT_Vol-XXXIX.pdf</ref> Seite 261 und 290-332 Verantwortlichen um [[Alexej Tolstoi]], Nikolai Nilowitsch [[Burdenko]], [[Lev Nikolaevich Smirnov]] <ref>http://encyclopedia2.thefreedictionary.com/Lev+Smirnov</ref> und [[Ilja Grigorjewitsch Ehrenburg]] -

nach dem [[Massaker von Katyn]] - basierend auf dem Memo von [[Lawrenti Beria]] (Lavrenti Pavles dze Beria) an und unterschrieben auf der ersten Seite<ref>http://en.wikipedia.org/wiki/File:Katyn_-_decision_of_massacre_p1.jpg</ref> <ref>[[:en:File:Katyn - decision of massacre p1.jpg]]</ref> von Beria's Antragsurkunde von [[Josef Stalin]] aka [[Ioseb Besarionis Dze Jugashvili]] aka [[Staatsbank des Russischen Reiches]] <ref>http://en.wikipedia.org/wiki/State_Bank_of_the_Russian_Empire</ref> Geldtransport [[Überfall auf die Bank von Tiflis]] vom 26. Juni 1907 Operation Codename [[Kochba]] -

für die Exekution von über 15000 polnischen Offizieren und über 10000 Intellektuellen im [[Wald von Katyn]] und an anderen Plätzen in derSowjet Union unter Aufsicht des [[Kommissiar für Transporte in der Sowjet Union]] - [[Lasar Moissejewitsch Kaganowitsch]]<ref>http://russiapedia.rt.com/prominent-russians/leaders/lazar-kaganovich</ref> - der DAFÜR WAR gemäss ergänzender Seite zwei [[Datei:Katyn - decision of massacre p2.jpg|mini|Notatka Ławrentina Berii do Józefa Stalina z propozycją wymordowania polskich jeńców - kolorowy skan z oryginalnego dokumentu]], drei [[Datei:Katyn - decision of massacre p3.jpg|mini|Notatka Ławrentina Berii do Józefa Stalina z propozycją wymordowania polskich jeńców - kolorowy skan z oryginalnego dokumentu.]]> und vier [[Datei:Katyn - decision of massacre p4.jpg|mini|Notatka Ławrentina Berii do Józefa Stalina z propozycją wymordowania polskich jeńców - kolorowy skan z oryginalnego dokumentu.]] -

berichtete [[Matthew Brzezinski]] in seinem Dossier über umfangreiche Zitate des als Hauptankläger im [[Einsatzgruppen-Prozess]] fungierenden Juden [[Benjamin Ferencz]] zu Geständnissen die unter Folter erlangt wurden:<ref>{{Netzverweis|Netzpräsenz=Washingon Post|Datum=24. Juli 2005|Autor=Matthew Brzezinski|Seitentitel=Giving Hitler Hell, S. 5|WebCite=|Abgerufen=|URL=http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2005/07/21/AR2005072101680_5.html|Zitat=I once saw DPs beat an SS man and then strap him to the steel gurney of a crematorium. They slid him in the oven, turned on the heat and took him back out. Beat him again, and put him back in until he was burnt alive. I did nothing to stop it. I suppose I could have brandished my weapon or shot in the air, but I was not inclined to do so. Does that make me an accomplice to murder?}}</ref>

:''„Einmal sah ich, wie ehemalige Häftlinge einen SS-Mann schlugen und ihn dann mit Riemen an der Stahlbahre eines Krematoriumofens festbanden. Sie schoben ihn hinein, heizten den Ofen und zogen ihn wieder hinaus. Dann schlugen sie ihn wieder und schoben ihn zurück in den Ofen, bis er bei lebendigem Leibe verbrannte. Ich tat nichts, um sie zu stoppen. Ich glaube, ich hätte mit meiner Waffe schwingen oder einen Schuß in die Luft abgeben können, aber ich war nicht geneigt, dies zu tun. Macht mich das zu einem Mordkomplizen?“''

Ferenzi, der später einer der Gründer des [[Internationaler Strafgerichtshof|Internationalen Gerichtshofes]] wurde, rechtfertigt sich damit, daß damals unter den Militärgesetzen vieles möglich war, das es heute nicht mehr wäre. Als ein weiteres Beispiel dafür, wie er Geständnisse erlangte, gab er an:<ref>{{Netzverweis|Netzpräsenz=Washingon Post|Datum=24. Juli 2005|Autor=Matthew Brzezinski|Seitentitel=Giving Hitler Hell, S. 5|WebCite=|Abgerufen=|URL=http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2005/07/21/AR2005072101680_5.html|Zitat=I'd go into a village where, say, an American pilot had parachuted and been beaten to death and line everyone one up against the wall. Then I'd say, 'Anyone who lies will be shot on the spot.' It never occurred to me that statements taken under duress would be invalid.}}</ref>

:''„Ich würde in ein Dorf gehen, wo, sagen wir, ein amerikanischer Pilot mit dem Fallschirm abgesprungen war und zu Tode geschlagen wurde, und reihte alle an einer Wand auf. Dann würde ich sagen: ‚Wer lügt, wird auf der Stelle erschossen.‘ Es kam mir nie in den Sinn, daß unter Zwang gemachte Aussagen ungültig sein könnten.“''

1989 machte Zbigniew Kazimierz Brzeziński eine Rundreise durch Russland und besuchte die Gedenkstätte für das [[Massaker von Katyn]]. Damit bot sich ihm die Gelegenheit, die sowjetische Regierung zur Anerkennung der wahren Umstände des Massakers aufzufordern, wofür er in der Diplomatischen Akademie in Moskau stehenden Beifall erhielt. Zehn Tage später fiel die [[Berliner Mauer]] und die von der Sowjetunion gestützten Regierungen in Osteuropa begannen zu wanken.

[[Strobe Talbott]], einer von Brzezińskis langjährigen Kritikern, führte für das [[TIME]]-Magazin ein Interview mit Brzeziński unter dem Titel ''Rechtfertigung eines Hardliners''.<ref>http://content.time.com/time/magazine/article/0,9171,959391,00.html</ref>

1990 warnte Brzeziński vor einer Euphorie wegen des Endes des Kalten Krieges. Er lehnte öffentlich den Einsatz im [[Zweiter Golfkrieg|Zweiten Golfkrieg]] ab, weil die USA so das internationale Wohlwollen verspielte, das es durch den Sieg über die Sowjetunion gewonnen hatte und starken Widerwillen in der gesamten arabischen Welt auslösen könnte. Er führte diese Sicht der Dinge in seinem Werk „Außer Kontrolle“ (1992) weiter aus.

Besonders kritisch sah Brzeziński das Zögern der Regierung [[Bill Clinton]]s, gegen die serbische Armee im Bosnischen Krieg zu intervenieren.<ref>[http://findarticles.com/p/articles/mi_m1571/is_n32_v11/ai_17210365/ Brzezinski on isolation: former National Security Advisor Zbigniew Brezinski warns of the failures of Clinton foreign policy], Insight on the News, 21. August 1995</ref> Er sprach sich auch gegen den ersten Tschetschenienkrieg Russlands aus und bildete das [[American Committee for Peace in Chechnya]]. Beunruhigt über ein mögliches Wiedererstarken Russlands, sah er den Amtsantritt [[Wladimir Wladimirowitsch Putin|Wladimir Putins]] nach [[Boris Nikolajewitsch Jelzin|Boris Jelzin]] mit Misstrauen. Aus diesem Grund wurde er einer der stärksten Befürworter der Erweiterung der NATO.

Er trat auch für die Bombardierung Serbiens 1999 während des [[Kosovo-Krieg]]es ein.<ref>[http://www.charlierose.com/view/interview/4378 A conversation about Kosovo with Zbigniew Brzezinski] Charlie Rose, 25 March 1999</ref>

=== Tätigkeiten während der Präsidentschaften Bush II und Obama ===

Nach dem 11. September 2001 wurde Brzeziński für seine Rolle bei der Bildung des Netzwerkes der afghanischen [[Taliban]] kritisiert.

;Krieg gegen den Terror

Brzeziński war ein prominenter Gegner des Kriegs gegen den Terror von [[George W. Bush]]. 2004 schrieb er sein Werk „Die Wahl“ (''The Choice''), die das Thema von ''The Grand Chessboard'' erweiterte, aber Bushs Außenpolitik scharf kritisierte. Er verteidigte das Buch ''[[The Israel Lobby and U.S. Foreign Policy]]'' der Politikwissenschaftler [[John J. Mearsheimer]] und [[Stephen M. Walt]] (2006) und war ein prononcierter Kritiker der Invasion des Irak des Jahres 2003<ref name="YnetSept2007">[http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3449954,00.html Obama advisor raises concerns], Ynet, September 15, 2007.</ref>

;Präsidentschaft Obamas 2007

Im August 2007 unterstützte Brzeziński die Wahl [[Barack Obama]]s. Er stellte fest, Obama erkenne, „dass Amerikas Rolle in der Welt ein neues Gesicht, eine neue Richtung und eine neue Definition braucht“<ref>Alec MacGillis, [http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2007/08/24/AR2007082402127.html Brzezinski Backs Obama], Washington Post, August 25, 2007.</ref> – und bemerkte: „Was mir an Obama gefällt ist, dass er versteht, dass wir in einer völlig anderen Welt leben, in der wir uns auf eine Vielfalt von Menschen und Kulturen einstellen müssen“.<ref>Eric Walberg, [http://weekly.ahram.org.eg/2008/907/in3.htm The real power behind the throne-to-be], Al-Ahram, July 24–30, 2008.</ref>

Im September 2007 präsentierte Obama Brzeziński während einer Rede über den Irakkrieg als „einen unserer bedeutendsten Denker“, aber einige israelfreundliche Kommentatoren stellten seine Kritik an der israelischen Lobby in den USA in Frage.<ref name=YnetSept2007/> In einem Interview im September 2009 mit ''[[The Daily Beast]]'', antwortete Brzeziński auf die Frage, wie nachdrücklich Obama darauf bestehen sollte, dass Israel keinen Luftangriff auf den Iran unternehmen solle, „Wir sind eigentlich keine machtlosen kleinen Babys. Sie müssen über unseren Luftraum im Irak fliegen. Werden wir nur dasitzen und zuschauen?“<ref>Gerald Posner, [http://www.thedailybeast.com/blogs-and-stories/2009-09-18/how-obama-flubbed-his-missile-message/full/ How Obama Flubbed His Missile Message], The Daily Beast, undated.</ref> Dies wurde von einigen Unterstützern Israels als Befürwortung des Abschusses israelischer Flugzeuge durch die USA interpretiert, um einen Angriff auf den Iran zu verhindern.<ref>[http://jta.org/news/article/2009/09/21/1008006/brzezinski-us-must-deny-israel-airspace-to-attack-iran Brzezinski: U.S. must deny Israel airspace], Jewish Telegraphic Agency, September 21, 2009.</ref><ref>Jake Tapper, [http://blogs.abcnews.com/politicalpunch/2009/09/zbig-brzezinski-obama-administration-should-tell-israel-us-will-attack-israeli-jets-if-they-try-to-a.html Zbig Brzezinski: Obama Administration Should Tell Israel U.S. Will Attack Israeli Jets if They Try to Attack Iran], ABC News, September 20, 2009.</ref>

;Militärintervention in Libyen 2011

2011 unterstützte Brzeziński die [[Militärintervention]] in [[Libyen]], wobei er die Nichtintervention als „moralisch zweifelhaft“ und „politisch fragwürdig“ bezeichnete.<ref>[http://www.pbs.org/newshour/bb/world/jan-june11/overview_03-21.html PBS: Turmoil in Arab World: Deepening Divisions or Turning a New Page?]</ref>

;Syrien 2013

In einem Interview mit der Zeitschrift [[The National Interest]] vom 24. Juni 2013 kritisierte Brzezinski die Syrien-Politik Obamas hart: "Ende 2011 brachen die Unruhen in Syrien aus; das war eine Folge der Dürre; zwei despotische Regierungen im Nahen Osten schürten diese Unruhen an, nämlich Saudi-Arabien und Katar. US-Präsident Obama unterstützte daraufhin die Unruhen und kündigte plötzlich an, dass Assad gehen müsse; dafür habe Obama offensichtlich keine Vorbereitungen getroffen....War das eine strategische Politik? Warum wurde plötzlich entschieden, Syrien zu destabilisieren und letztlich die Regierung dort zu stürzen? Wurde die US-amerikanische Bevölkerung darüber aufgeklärt?" Er kritisierte insbesondere den Einsatz der CIA und ihren ehemaligen Direktor [[David Petraeus]].<ref>{{Internetquelle |url=http://nationalinterest.org/commentary/brzezinski-the-syria-crisis-8636 |titel=Brzezinski on the Syria Crisis, An interview with the former national-security adviser on the U.S. role |werk=[[The National Interest]] |datum=2013-06-24 |zugriff=2014-07-08}}</ref><ref>{{Internetquelle |url=http://www.nytimes.com/2013/03/25/world/middleeast/arms-airlift-to-syrian-rebels-expands-with-cia-aid.html |titel=Arms Airlift to Syria Rebels Expands, With Aid From C.I.A. |autor=C. J. Chivers und Eric Schmitt |werk=[[The New York Times]] |datum=2013-03-24 |zugriff=2014-07-08}}</ref>

;Ukraine-Krise 2014

Zbigniew Brzezinski betonte im Februar 2014, "ohne die Ukraine könne Russland nie wieder Supermacht werden. Erst in diesem Kontext wird der erbitterte politische Kampf Russlands um die Ukraine verständlich."<ref>[http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-02/ukraine-klitschko-jazenjuk-berlin ''Was Putin mit der Ukraine vorhat''], Die Zeit, 17. Februar 2014</ref>

Am 3. März 2014, zwischen der Absetzung [[Wiktor Janukowytsch]]s und dem Krim-Referendum, verfasste Brzenzinski einen [[Gastkommentar]] für die Washington Post: „Was ist zu tun? Putins Aggression in der Ukraine braucht eine Antwort“<ref name=brzukr>{{Internetquelle |url=http://www.washingtonpost.com/opinions/zbigniew-brzezinski-after-putins-aggression-in-ukraine-the-west-must-be-ready-to-respond/2014/03/03/25b3f928-a2f5-11e3-84d4-e59b1709222c_story.html |werk=Washington Post |titel=What is to be done? Putin’s aggression in Ukraine needs a response |autor=Zbigniew Brzezinski |datum=2014-03-03 |zugriff=2014-07-08}}</ref> Er verglich Putins „gangsterhafte Taktik“ und „kaum getarnte Invasion“ der Krim mit [[Adolf Hitler]]s Besetzung des [[Sudetenland]]s 1938 und charakterisierte Putin als einen Cartoon-[[Benito Mussolini|Mussolini]], er hielt aber kurz davor zurück, einen Kriegseintritt der USA zu empfehlen. Stattdessen empfahl er, die [[NATO]] solle in Hochalarm versetzt werden und „Kalkulationsfehler verhüten“. Andererseits stellte er ausdrücklich fest, Russland müsse versichert werden, dass der Westen die Ukraine nicht in die NATO hineinziehen oder gegen Russland einstimmen wolle. („The West should reassure Russia that it is not seeking to draw Ukraine into NATO or to turn it against Russia.“) <ref name=brzukr/>

Er nannte die folgende Intervention Russlands in der Ostukraine ebenfalls als "kaum verschleiert".<ref>[http://www.washingtonpost.com/opinions/zbigniew-brzezinski-putins-three-choices-on-ukraine/2014/07/08/ba1e62ae-0620-11e4-a0dd-f2b22a257353_story.html ''Putin’s three choices on Ukraine''], The Washington Post, 8. Juli 2014</ref>

;Pakistan

Als Sicherheitsberater von Jimmy Carter (1977–1981) erwarb Brzeziński sich den Ruf eines „[[Hardliner]]s“ bezüglich seiner Politik gegenüber der [[Sowjetunion]]. Er befürwortete die Unterstützung der [[Fundamentalismus|fundamentalistischen]] [[Mudschahid]]in in [[Pakistan]] und [[Afghanistan]], unter anderem durch massive finanzielle Unterstützung der vom [[Inter-Services Intelligence|pakistanischen Geheimdienst]] geleiteten Trainingslager durch die [[Central Intelligence Agency|CIA]] und den britischen [[Secret Intelligence Service|MI6]].

;China

Brzeziński trieb die Entwicklung politischer Beziehungen zwischen den USA und der [[Volksrepublik China]] voran und befürwortete eine neue Übereinkunft zur [[Aufrüstung|Rüstungskontrolle]] mit Moskau. Außerdem teilte er die Ansicht des Präsidenten, dass die Vereinigten Staaten anstelle von Alleingängen diplomatisch eine Politik der internationalen [[Kooperation]] betreiben sollten.

Seit 2006 tritt Brzeziński als Kritiker der US-Politik gegenüber dem [[Atomprogramm des Iran]] und im [[Irakkrieg]] hervor. Brzeziński ist der Meinung, dass die Strategie der USA gescheitert sei.<ref>{{Internetquelle |url=http://www.zeit.de/2007/03/Brzezinski?page=all |titel=Manche wollen Krieg in Iran |werk=[[Die Zeit]] |datum=2007-01-11 |autor=Kleine-Brockhoff |zugriff=2014-07-08}}</ref>

;Iran

Anfang 2007 warnte er davor, die USA würden einen Vorwand suchen, um gegen den Iran einen Krieg zu initiieren.<ref>[http://www.wsws.org/de/2007/feb2007/brze-f03.shtml Barry Grey:''Zbigniew Brzezinski lässt politische Bombe platzen'', World Socialist Web Site, 3. Februar 2007]</ref>

=== Tittytainment ===

Von ihm soll auch der Begriff des „[[Tittytainment]]“ stammen, der besagt, dass in Zukunft 80 % der – dann arbeitslosen – Weltbevölkerung durch eine moderne Form von Brot und Spielen bei Laune gehalten werden müsse.

=== Persönliches ===

Brzeziński ist mit der tschechisch-amerikanischen Bildhauerin [[Emilie Benes|Emilie Benes Brzezinski|Emilie Anna Benešová]] verheiratet, einer Großnichte des ehem. tschechoslowakischen Staatspräsidenten und Verfasser der [[Beneš-Dekrete]] Nr. 5/1945, Nr. 12/1945, Nr. 33/1945, Nr. 71/1945 und Nr. 108/1945 und Mitgründer der nationalistischen tschechischen anti-[[Österreich-Ungarn|österreichische]]n Separatistenorganisation ''[[Česká maffie]]'' („Maffia“) [[Edvard Beneš]]. Sie haben drei Kinder, Militär Experte [[Ian Brzezinski|Ian Joseph Brzezinski]], [[Mark Brzezinski]]und [[Mika Brzezinski|Mika]]. Mika ist Moderatorin beim US-amerikanischen Nachrichtensender [[MSNBC]]. [[Mark Brzezinski]] ist Diplomat und seit 2011 US-Botschafter in Schweden. [[Ian Brzezinski]] ist Experte für Außenpolitik und Militärfragen. Er war Deputy Assistant Secretary of Defense in der Regierung Bush (2001-2005). Ian ist auch Leiter der [[Brzezinski Group]], LLC in Alexandria, Virginia, einer Beratungsfirma für internationale Kunden im Finanz-, Energie- und Verteidigungssektor.<ref>http://www.linkedin.com/pub/ian-brzezinski/59/509/b37</ref> Der Schriftsteller [[Matthew Brzezinski]] ist Neffe Brzezinskis.

== Brzezińskis Politik während des Afghanistan-Konflikts: die "Russland-Falle" ==

Brzezińskis Politik hatte das Ziel, die radikalen [[Islamismus|islamistischen]] und [[Antikommunismus|antikommunistischen]] Kräfte Afghanistans, also gerade auch die fundamentalistischen [[Mudschahid]]in, zu stärken, um die [[Säkularismus|säkulare]], [[Kommunismus|kommunistisch]] ausgerichtete Regierung zu stürzen.

Seit dem 5. Dezember 1978 hatte die prosowjetische Regierung der [[Demokratische Volkspartei Afghanistans|Demokratischen Volkspartei Afghanistans]] einen „Freundschafts- und Beistandspakt“ mit der Sowjetunion, wonach die afghanische Regierung sowjetische Hilfe in Anspruch nehmen könne, wenn sie in Gefahr ist. Zwischen dem 17. März 1979 und dem 12. Dezember 1979 hatte die Regierung unter dem Staats- und Regierungschef [[Hafizullah Amin]] 21 Mal um Militärhilfe der Sowjetunion gebeten, da sie sich immer mehr von den fundamentalistisch-islamistischen Kräften unter Druck gesetzt sah.

Gemäß der offiziellen US-amerikanischen Version der Geschichte begann die Unterstützung derMudschahidin durch die CIA erst im Laufe des Jahres 1980, also ''nach'' dem Eingreifen der [[Rote Armee|sowjetischen Armee]] in Afghanistan am 24. Dezember 1979. Laut einem Interview Brzezińskis mit der französischen Zeitschrift „Le Nouvel Observateur“ vom Januar 1998 setzte die US-amerikanische Unterstützung der fundamentalistischenMudschahidin dagegen schon am 3. Juli 1979 ein, also fast ein halbes Jahr vor der [[Invasion (Militär)|Invasion]]. Präsident Carter unterschrieb an diesem Tag die erste Direktive für eine geheime Unterstützung der Mudschahidin. Brzezinski bestätigte in seinem Interview die gleichlautende Darstellung des CIA-Präsidenten [[Robert Gates]].<ref>Robert Gates: From the Shadows. The Ultimate Insider's Story of Five Presidents and How They Won the Cold War. Simon & Schuster, New York 1997. ISBN 0-684-81081-6</ref> Brzeziński war bewusst, dass diese Aktionen das Risiko für eine militärische [[Intervention (Politik)|Intervention]] der Sowjets erheblich erhöhen würden.<ref>http://www.counterpunch.org/1998/01/15/how-jimmy-carter-and-i-started-the-mujahideen/ Alexander Cockburn And Jeffrey St. Clair:Zbigniew Brzezinski:How Jimmy Carter and I Started the Mujahideen, Cournterpunch, 15. Januar 1998, abgerufen am 21. Dezember 2014 "Nach der offiziellen Version der Geschichte begann die CIA-Hilfe für die Mudschaheddin im Jahr 1980, das heisst,nachdem die sowjetische Armee in Afghanistan am 24. Dezember 1979 einmarschiert ist. Aber die Realität, heimlich verschwiegen bis heute, war völlig anders: In der Tat, es war am 3. Juli 1979, dass Präsident Carter die erste Direktive für eine geheime Hilfe für die Gegner des pro-sowjetischen Regimes in Kabul unterzeichnete. Und am selben Tag schrieb ich eine Notiz an den Präsidenten, in dem ich ihm erklärte, dass meiner Meinung nach diese Hilfe eine sowjetische Militärintervention auslösen würde."

</ref>

:Zbigniew Brzeziński: „Diese [[verdeckte Operation]] war eine hervorragende Idee. Sie bewirkte, dass die Russen in die afghanische Falle tappten […]. Am Tag, an dem die Russen offiziell die Grenze überschritten, schrieb ich Präsident Carter: Jetzt haben wir die Möglichkeit, der UdSSR ihren Vietnamkrieg zu liefern. Und tatsächlich sah sich Moskau während der folgenden zehn Jahre gezwungen, einen Krieg zu führen, den sich die Regierung nicht leisten konnte, was wiederum die Demoralisierung und schließlich den Zusammenbruch des sowjetischen Herrschaftsgebiets zur Folge hatte“.<ref>http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=9839</ref> (Zitiert nach dem kanadischen [[Globalisierungskritik]]er Prof. [[Michel Chossudovsky]])

== Politikwissenschaftliche Werke ==

=== Totalitäre Diktatur und Autokratie1956 ===

In der Untersuchung „Totalitarian Dictatorship and Autocracy“ entwickelte Brzeziński 1956 zusammen mit [[Carl Joachim Friedrich]] ein für die Politikwissenschaft noch heute wichtiges Modell des [[Totalitarismus]]: Totalitäre Regime seien etwas grundsätzlich Neues und Gleichartiges. Ziel sei die totale Kontrolle, die durch eine alle wichtigen Lebensbereiche umfassende Ideologie gekennzeichnet sei und eine neue Gesellschaft erschaffen wolle. Eine einzige hierarchisch organisierte Partei besitze die gesamte politische Macht und werde von einem Diktator angeführt. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung sei politisch aktiv und hänge der Ideologie wirklich an. Ein Terrorsystem kontrolliere Bevölkerung und Partei. Eine Geheimpolizei bekämpfe tatsächliche und potientielle Feinde. Die Massenkommunikation sei monopolisiert. Die Wirtschaft werde bürokratisch kontrolliert und gelenkt.

=== Zwischen zwei Zeitaltern, Amerikas Rolle in der technetronischen Ära 1970 ===

„Between two ages: America's Role in the Technetronic Era“ (1970) war eine der frühesten Darstellungen des Wandels in Kommunikation und Computertechnik, der später mit dem Begriff Globalisierung verbunden wurde. Brzeziński sagte in diesem Bereich eine Rivalität zwischen den Supermächten voraus. Das System der Sowjetunion sei aber ökonomisch wie politisch zu schwach, um sich an die neue technologische Umwelt anzupassen und werde folglich untergehen. Das „technetronische System“, das in den USA zur Vollendung geführt werde, wird als weltbeherrschend angesehen. Dabei sieht Brzeziński menschheitsgefährdende Entwicklungen voraus.

{{Zitat|Das Technetronische Zeitalter lässt allmählich eine kontrollierte Gesellschaft entstehen. Eine solche Gesellschaft wird von einer hemmungslosen Elite unabhängig von traditionellen Werten geprägt werden. In Kürze wird es möglich sein, jeden Bürger fast ununterbrochen zu überwachen und vollständige Datensammlungen auch mit persönlichen Informationen über jeden Bürger anzulegen und zu aktualisieren. Diese Dateien werden durch die Behörden unmittelbar abrufbar sein.}}

{{Zitat|In der technetronischen Gesellschaft geht die Entwicklung in Richtung einer Aggregation der individuellen Unterstützung von Millionen unkoordinierter Bürger, leicht beeinflussbar durch magnetische und attraktive Persönlichkeiten, die die neuesten Kommunikationstechniken anwenden, um Gefühle zu manipulieren und Gedanken zu kontrollieren.}}

=== Das gescheiterte Experiment: der Untergang des kommunistischen Systems 1989 ===

„The Grand Failure“ (1989) will einen umfassenden Überblick über alle Formen des Kommunismus bieten, konzentriert sich aber auf die Gorbatschow-Ära. Brzeziński sagt voraus, dass Gorbatschows Politik der wirtschaftlichen Dezentralisierung zur Lockerung der sozialen Kontrolle und schließlich zum politischen Pluralismus führen werde. Der Leninismus werde aufgegeben. Die erfolgreiche Pluralisierung der Sowjetunion erscheint Brzezinski aber weniger wahrscheinlich als langwierige innenpolitische Krisen, eine Rückkehr zur [[Leonid Iljitsch Breschnew|Breschnew]]-Stagnation, ein Putsch von Militär oder KGB oder die Zersplitterung der Sowjetunion entlang nationalistischer Linien.

=== Die einzige Weltmacht 1997 ===

In seinem Buch ''[[Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft|Die einzige Weltmacht]]'' (1997) begründet Brzeziński die [[Geopolitik|geopolitische]] Strategie, die die USA als – nach dem [[Geschichte der Sowjetunion#Auflösung der Sowjetunion|Zusammenbruch der Sowjetunion]] – erste, einzige und letzte Weltmacht seiner Meinung nach einschlagen sollten: den eurasischen Kontinent unter ihrer Kontrolle zu halten und rivalisierende Bestrebungen zu verhindern, die die Machtstellung der USA gefährden könnten:<ref>Zbigniew Brzeziński: Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft. 8. Auflage. S. Fischer Verlag, 2004 (übersetzt von Angelika Beck), ISBN 978-3596143580, Einleitung 1997 S.14/15</ref> {{Zitat|Inwieweit die USA ihre globale Vormachtstellung geltend machen können, hängt aber davon ab, wie ein weltweit engagiertes Amerika mit den komplexen Machtverhältnissen auf dem eurasischen Kontinent fertig wird — und ob es dort das Aufkommen einer dominierenden, gegnerischen Macht verhindern kann. (...) US-Amerikanische Politik sollte letzten Endes von der Vision einer besseren Welt getragen sein: der Vision, im Einklang mit langfristigen Trends sowie den fundamentalen Interessen der Menschheit eine auf wirksame Zusammenarbeit beruhende Weltgemeinschaft zu gestalten. Aber bis es soweit ist, lautet das Gebot, keinen eurasischen Herausforderer aufkommen zu lassen, der den eurasischen Kontinent unter seine Herrschaft bringen und damit auch für Amerika eine Bedrohung darstellen könnte. Ziel dieses Buches ist es deshalb, im Hinblick auf Eurasien eine umfassende und in sich geschlossene Geostrategie zu entwerfen.}}

[[Datei:Weltweite militärische Präsenz der Vereinigten Staaten.png|mini|Die weltweite militärische Präsenz der Vereinigten Staaten stellt einen Faktor für ihren Status als Supermacht dar.]]

Brzeziński sieht den Status der USA nicht als erstrebenswertes Ziel, sondern als Faktum. Dieser Zustand wird durch verschiedene Faktoren wie die weltweite Militärpräsenz, das wirtschaftliche Potential, den technologischen Vorsprung sowie eine weltweite Affinität zur amerikanischen Kultur dargestellt. Diesen Vorsprung gelte es – allerdings nicht als Selbstzweck – zu wahren, um die globale Stabilität zu erhalten. Das Ziel sollte sein, mögliche Konkurrenten so lange auf Distanz zu halten, bis ein weltweites Regelwerk etabliert und institutionalisiert ist und bevor die eigene Macht im Schwinden begriffen sein wird. Letztendlich werden die Vereinigten Staaten die „letzte und einzige wirkliche Supermacht“ gewesen sein.<ref name="RezFAZ">{{Internetquelle| autor=Volker Rühe|url=http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/2.1715/rezension-sachbuch-stabilitaet-durch-ein-neues-gleichgewicht-11316072.html| titel=Stabilität durch ein neues Gleichgewicht| werk=Frankfurter Allgemeine Zeitung| datum=1997-11-06| zugriff=2013-12-11}}</ref>

Hauptschauplatz der Auseinandersetzungen wird Brzezińskis Meinung nach [[Eurasien]] sein. Alle potentiellen Herausforderer der USA kämen aus dem Raum zwischen [[Lissabon]] und [[Wladiwostok]]. Einen großen Teil des Buches nimmt eine umfassende Analyse der Region ein.<ref name="RezFAZ"/>

Daraus entwickelt er verschiedene Handlungsempfehlungen für die Vereinigten Staaten. So soll eine deutsch-französische Führungsrolle in der [[Europäische Union|Europäischen Union]] gefördert werden, um deren [[EU-Erweiterung 2004|Erweiterung]] zu festigen. [[Russland]] solle ermutigt werden, seine eigene Rolle eindeutig im Sinne einer demokratischen und westlichen Orientierung zu definieren. Dadurch soll eine [[Balkanisierung]] in Zentralasien verhindert und ein verstärktes Sicherheits- und Stabilitätsbewusstsein in der Region etabliert werden. Außerdem müsse mit der [[Volksrepublik China]] ein Konsens gefunden werden, der nicht zu Lasten [[Japan]]s geht, das Brzeziński als hauptsächlichen Verbündeten – aber nicht als Regionalmacht – sieht.<ref name="RezFAZ"/>

[[Volker Rühe]] sieht in seiner Rezension das Ziel Brzezińskis darin, ein weltweites Regelwerk zu etablieren und zu institutionalisieren, bevor die eigene Macht im Schwinden begriffen ist.<ref name="RezFAZ" />

=== Die zweite Chance 2007 ===

In „[[Second Chance: Three Presidents and the Crisis of American Superpower]]“ schreibt Brzeziński über die vorhergehenden 15 Jahre der US-amerikanischen Außenpolitik, in denen die USA, aus dem Kalten Krieg als Sieger hervorgegangen, die einzige Supermacht war. Er stellt dar, wie die letzten drei Präsidenten, [[George H. W. Bush]], [[Bill Clinton]] und [[George W. Bush]] ihre Führungsrolle verwirklichten und ihre Macht als Führer einer unangreifbaren Weltmacht ausübten. Das Buch beginnt mit einem Abriss der Geschichte des Kalten Kriegs. Der Sturz des sowjetischen Systems wird nicht als das Werk allein [[Ronald Reagan]]s betrachtet, sondern als Ergebnis der Politik dreier Präsidenten im Zusammenhang internationaler Ereignisse.

Er unterscheidet in seiner Darstellung zwei Sichtweisen der Welt, die der Globalisierungsbefürworter und die der Neokonservativen.

In den drei ersten Kapiteln stellt er die Präsidenten und ihr außenpolitisches Team vor. Er erörtert die Ereignisse und Menschen, die die Außenpolitik formten. Dabei stellt er drei Hauptfaktoren in den Mittelpunkt: die Atlantische Allianz, die Nichtverbreitung von Atomwaffen und den Palästinakonflikt. Daneben diskutiert er die Umweltpolitik, den entstehenden südamerikanischen Nationalismus und den Aufstieg Chinas und Indiens.

In den Kapiteln „Die Erbsünde“ (Bush I), „Die Ohnmacht guter Absichten“ (Clinton) und „Katastrophaler Führungsstil“ (Bush II) vergleicht er die Präsidenten und ihre Entscheidungen.

Er kritisiert Bush I und Clinton und bewertet sie ähnlich negativ, aber mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Er ist am strengsten mit der Regierung Bush II, besonders hinsichtlich der Behandlung der Allianz, des Mittleren Ostens und der Umweltpolitik.

Im Kapitel „Nach 2008“ fordert Brzeziński, dass der kommende Präsident die Atlantische Allianz stärken müsse. Er müsse den Lobbyismus reformieren, Führungsstärke im Nahen Osten beweisen, in erster Linie gegenüber Israel, den Konsens in der Umweltpolitik stärken und eine Strategie für China als entstehende Weltmacht und Machtfaktor im Nahen Osten formulieren.

Er spricht die Warnung aus, dass die USA nach 2008 zwar eine zweite Chance bekommen würden, dass es danach aber zweifellos keine dritte Chance geben werde.

=== Strategic Vision: America and the Crisis of Global Power 2012 ===

In „[[Strategic Vision: America and the Crisis of Global Power]]“ stellt Brzezinski seine geopolitische Vision für die USA vor, mit der sie die Herausforderungen der geänderten weltpolitischen Lage bewältigen kann, die durch Machtdiffusion gekennzeichnet ist. In vier Kapiteln setzt Brzezinski sich mit vier Fragenkomplexen auseinander:

1. Welche Konsequenzen hat die Machtverlagerung vom Westen nach Osten und wie wird dies von der neuen Tatsache einer politisch wachen Menschheit beeinflusst?

2. Warum sinkt die Attraktivität der USA in der Welt? Wie verhängnisvoll sind die Symptome des inneren und internationalen Niedergangs der USA? Wie kam es dazu, dass die USA ihre einzigartigen Möglichkeiten nach dem friedlichen Ende des Kalten Kriegs vergeudet hat? Welche Kraft zur Erneuerung hat die USA und welche Neuorientierung der Geopolitik ist notwendig, um Amerikas Rolle in der Welt wieder mit neuem Leben zu erfüllen?

3. Was wären die wahrscheinlichen geopolitischen Folgen eines weiteren Niedergangs der USA bis 2025? Wer wären die beinahe unmittelbaren Opfer? Welche Auswirkungen hätte dies auf die Probleme im Weltmaßstab im 21. Jahrhundert? Könnte China bis 2025 die beherrschende Rolle der USA in der Weltpolitik übernehmen?

4. Welche langfristigen geopolitischen Ziele sollte sich eine wiedererstarkende USA für die Zeit nach 2025 setzen? Wie könnte die USA mit den traditionellen europäischen Alliierten die Türkei und Russland einbeziehen, um einen noch größeren und stärkeren Westen aufzubauen? Wie könnte die USA gleichzeitig im Osten ein Gleichgewicht zwischen dem Bedürfnis nach engerer Zusammenarbeit mit China erreichen und der Tatsache, dass eine konstruktive Politik weder chinazentriert sein sollte noch Verwicklungen in Konflikte Asiens nach sich ziehen sollte?

== Vergleich mit Henry Kissinger ==

Brzezinski wird oft mit [[Henry Kissinger]] verglichen. Unterschiede zeigen sich hauptsächlich in der Phase des Kalten Krieges. Während Kissinger eher eine Status-quo-Politik verfolgte und eine Machtbalance anstrebte, wollte Brzezinski das sowjetische System unterminieren, dem er aufgrund der kommunistischen Ideologie und Unfreiheit keine inhärente Stabilität zutraute. Daher trat Brzezinski für die Einhaltung der Menschenrechte ein und unterstützten Dissidenten, während Kissinger dies eher für destabilisierend hielt. Brzezinski hatte als Experte für die Sowjetunion stärkeren Einblick in die Schwächen des kommunistischen Systems und erkannte die nationalistischen Spannungen hinter der Einheitsfassade. Mit seiner Unterstützung für die polnische Gewerkschaftsbewegung nutzte er diese Spannungen und verstärkte sie, was schließlich zum Auseinanderbrechen der Sowjetunion führte.<ref>Shlomo Avineri, Vorwort in Zbig, the man who cracked the-Kremlin</ref>

== Ehrungen ==

[[Datei:Zbigniew Brzezinski gru2010.jpg|mini|links|160px|Brzeziński 2010]]

1963 wählte ihn die [[United States Chamber of Commerce|US-Handelskammer]] zu einem von Amerikas zehn hervorragendsten Männern (''One of America’s Ten Outstanding Men''). 1969 wurde er Ehrenmitglied der „American Academy of Arts and Sciences“. 1981 erhielt er die [[Presidential Medal of Freedom]] für seine Rolle bei der Normalisierung des politischen Verhältnisses zwischen der [[Volksrepublik China]] und den USA sowie für seinen Beitrag zu den [[Menschenrechte]]n und zur nationalen Sicherheitspolitik der Vereinigten Staaten. Für seine Beiträge zur Wiedererlangung der [[Unabhängigkeit (Politik)|Unabhängigkeit]] Polens erhielt er 1995 den „[[Orden vom Weißen Adler]]“, Polens höchste zivile Auszeichnung. 1998 wurde er Ehrenbürger von Lemberg, 2002 [[Liste der Ehrenbürger von Danzig|von Danzig]] und 2003 [[Ehrenbürger von Vilnius|von Vilnius]].

Akademische Ehrendoktorwürden empfing er von den Hochschulen [[Georgetown University]], Williams College, Fordham University, College of Holy Cross, Alliance College, the Catholic University of Dublin und der [[Universität Warschau]].

Weitere Auszeichnungen sind die „Centennial Medal of the Graduate School of Arts and Sciences“ der Harvard University, der „Hubert Humphry Award for Public Service“ der American Political Science Association und der „U Thant Award“. Darüber hinaus ist Brzeziński Ehrenmitglied diverser Stiftungen, darunter der [[Solomon R. Guggenheim Foundation|Guggenheim-Stiftung]] und der [[Ford Foundation|Ford-Stiftung]].

== Schriften ==

* ''Between two ages: America´s Role in the Technetronic Eara.'' The Viking Press, New York 1970, ISBN 978-0140043143.

* ''Power and Principle: Memoirs of the National Security Adviser 1977–1981.'' Farrar, New York 1983.

* ''The Grand Failure: The Birth and Death of Communism in the Twentieth Century.'' Ch. Scribner, New York 1989, ISBN 0-684-19034-6 (deutsch: ''Das gescheiterte Experiment: Der Untergang des kommunistischen Systems.'' Ueberreuter-Sachbuch, Wien 1989, ISBN 3-8000-3320-8).

* ''Out of Control: Global Turmoil on the Eve of the 21st Century'', Charles Scribner's Sons, New York 1993, ISBN 0-684-19630-1.

* ''The Grand Chessboard: American Primacy and Its Geostrategic Imperatives''. Basic Books, New York 1997, ISBN 0-465-02725-3 (deutsch: ''[[Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft|Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft.]]'' Beltz Quadriga, Weinheim 1997, ISBN 3-88679-303-6).

* ''The Choice: Global Domination or Global Leadership.'' Basic Books, New York 2004, ISBN 0-465-00801-1.

* ''Strategic Vision: America and the Crisis of Global Power.'' Basic Books, New York 2012, ISBN 978-0-465-02954-9.

== Literatur ==

* Sabine Feiner: ''Weltordnung durch US-Leadership? : die Konzeption Zbigniew K. Brzezinskis'', Wiesbaden : Westdeutscher Verlag 2000, ISBN 3-531-13521-X.

* Hauke Ritz: [http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2012/juli/warum-der-westen-russland-braucht Warum der Westen Russland braucht - Die erstaunliche Wandlung des Zbigniew Brzezinski] In: ''Blätter für deutsche und internationale Politik'', 07/2012, S. 89-98.

* {{Munzinger|00000010170|Zbigniew Brzezinski||in: ''Internationales Biographisches Archiv'' 02/2003 vom 30. Dezember 2002}}

* Zbig: The Strategy and Statecraft of Zbigniew Brzezinski, herausgegeben von Charles Gati, Johns Hopkins University Press, 2013. EAN: 9781421409764

* Zbig: The Man Who Cracked the Kremlin von Andrzej Lubowski, Open Road Distribution 2013. ISBN 9781480461307

== Weblinks ==

{{Commonscat}}

{{Wikiquote|Zbigniew Brzezinski|Zbigniew Brzeziński|lang=en}}

* {{DNB-Portal|118516442}}

* [http://www.stern.de/politik/ausland/560430.html Interview mit Zbigniew Brzeziński: „Ein nuklearer Iran wäre nicht gefährlicher als Israel“]

== Einzelnachweise ==

<references/>

{{Navigationsleiste Nationale Sicherheitsberater der USA}}

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[[Kategorie:Nationaler Sicherheitsberater (Vereinigte Staaten)]]

[[Kategorie:Person des Kalten Krieges]]

[[Kategorie:Politischer Berater]]

[[Kategorie:Politikwissenschaftler]]

[[Kategorie:Hochschullehrer (Johns Hopkins University)]]

[[Kategorie:Träger der Presidential Medal of Freedom]]

[[Kategorie:Träger des Weißen Adlerordens]]

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[[Kategorie:Träger des Tomáš-Garrigue-Masaryk-Ordens (1. Klasse)]]

[[Kategorie:Träger des Verdienstordens der Republik Ungarn (Komtur mit Stern)]]

[[Kategorie:Träger des Sterns von Rumänien (Großoffizier)]]

[[Kategorie:Träger des litauischen Großfürst-Gediminas-Ordens (Großkreuz)]]

[[Kategorie:Träger des Ordens des Fürsten Jaroslaw des Weisen (III. Klasse)]]

[[Kategorie:Ehrenbürger von Vilnius]]

[[Kategorie:Ehrenbürger von Krakau]]

[[Kategorie:Ehrenbürger von Danzig]]

[[Kategorie:Ehrenbürger von Przemyśl]]

[[Kategorie:Ehrenbürger von Lemberg]]

[[Kategorie:Ehrendoktor der Universität Vilnius]]

[[Kategorie:Ehrendoktor der Universität Warschau]]

[[Kategorie:Ehrendoktor der Georgetown University]]

[[Kategorie:Person (Warschau)]]

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[[Kategorie:Geboren 1928]]

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{{Personendaten

|NAME=Brzeziński, Zbigniew

|ALTERNATIVNAMEN=Brzeziński, Zbigniew Kazimierz (vollständiger Name)

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[[Datei:MSC 2014 Brzezinski Kleinschmidt MSC2014.jpg|mini|Zbigniew Brzeziński (2014)]]

'''Zbigniew Kazimierz Brzeziński''' ({{Audio|Zbigniew Brzeziński audio.ogg|anhören}}) [{{IPA|bʐɛˈʑĩski}}] (* [[28. März]] [[1928]] in [[Warschau]]) ist ein [[Polen|polnisch]]-[[Vereinigte Staaten|US-amerikanischer]] [[Politikwissenschaft]]ler und zählt mit [[Henry Kissinger]] und [[Samuel Phillips Huntington]] (2008 verstorben) zu den [[graue Eminenz|grauen Eminenzen]] unter den US-amerikanischen [[Geopolitik|Globalstrategen]].<ref>[http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/USA/nach-bush.html Die Welt als Schachbrett – Der neue Kalte Krieg des Obama-Beraters Zbigniew Brzezinski]</ref> Er war 1966-1968 Berater [[Lyndon B. Johnson]]s und von 1977 bis 1981 [[Nationaler Sicherheitsberater (Vereinigte Staaten)|Sicherheitsberater]] von US-Präsident [[Jimmy Carter]]. Sein Einfluss auf die Außenpolitik [[Barack Obama]]s ist umstritten. Er ist Professor für [[Außenpolitik der Vereinigten Staaten|US-amerikanische Außenpolitik]] an der [[Paul H. Nitze School of Advanced International Studies|School of Advanced International Studies (SAIS)]] der [[Johns Hopkins University]] in [[Washington, D.C.]], Berater am „[[Center for Strategic and International Studies|Zentrum für Strategische und Internationale Studien]]“ (CSIS) in Washington, D.C.<ref>http://csis.org/about-us/counselors</ref> und Autor renommierter politischer Analysen. Daneben betätigt er sich als Berater für mehrere große US-amerikanische und internationale Unternehmen.

Brzezinski gehört zur [[Realismus (Internationale Beziehungen)|realistischen Schule der Internationalen Politik]] und steht [[Geopolitik|geopolitisch]] in der Tradition [[Halford Mackinder]]s und [[Nicholas J. Spykman]]s.<ref>Sabine Feiner: Weltordnung durch US-Leadership? Die Konzeption Zbigniew K. Brzezinskis. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2001</ref><ref>http://globalengage.org/attachments/771_seiple_dissertation.pdf</ref> Parteipolitisch steht er eher den Demokraten nahe und wird oft gegen seinen konservativen „Rivalen“ Kissinger abgegrenzt, obwohl die Gemeinsamkeiten größer sind als die Unterschiede.<ref>Charles Gati: The Strategy And Statecraft of Zbigniew Brzezinski, 2013</ref>

== Leben ==

=== Herkunft und frühe Jahre ===

Brzeziński wurde 1928 in Warschau als Sohn des polnischen [[Diplomat]]en [[Tadeusz Brzeziński]] und Leonia Roman in Warschau geboren. Seine Familie, die zum polnischen Adel gehört, stammte aus [[Brzezany]] in [[Galizien]] in der [[Woiwodschaft]] [[Tarnopol]], später Ost-Polen, heute in der Ukraine. Der Name der Stadt Brzezany ist der Ursprung des Familiennamens.

Tadeusz Brzeziński war von 1931 bis 1935 in Deutschland eingesetzt. Von 1936 bis 1938 arbeitete er in der Sowjetunion während der Großen Säuberungen [[Josef Stalin]]s. 1938 wurde er nach Kanada versetzt. Wegen der [[Jalta-Konferenz]], die Polen der sowjetischen Einflusssphäre zusprach, konnte die Familie nicht sicher in ihre Heimat zurückkehren. Der Zweite Weltkrieg hatte eine nachdrückliche Wirkung auf Brzeziński, der in einem Interview feststellte, dass die außergewöhnliche Brutalität gegenüber den Polen seine Auffassung der Welt geprägt habe. Diese Erfahrung habe ihn für die Tatsache sensibilisiert, dass Weltpolitik zum großen Teil ein grundlegender Kampf ist.<ref>https://www.youtube.com/watch?v=03ApSE6mgHE</ref>

Zbigniew Brzeziński verbrachte einen Teil seiner Kindheit mit der Familie in [[Lille]] (Frankreich), [[Leipzig]] und [[Charkiw]] in der [[Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik|Ukrainischen SSR]], bevor er mit seiner Familie nach [[Montreal]] in [[Kanada]] zog.

=== Wachsender Einfluss ===

Nach dem Besuch der [[Loyola High School (Montreal)|Loyola High School]] in Montreal <ref>{{Cite news|first=Kristian |last=Gravenor |title=Zbigniew Brzezinski's Montreal recollections |url=http://coolopolis.blogspot.com/2007/02/zbigniew-brzezinskis-montreal.html |work=Coolopolis |date=2007-02-13 |accessdate=2008-08-22 }}</ref> studierte er 1945 an der [[McGill University]], um seinen Bachelor- und Master-Abschluss zu erwerben, die er 1949 und 1950 erhielt. Seine [[Master-Thesis]] untersuchte die unterschiedlichen Ethnien innerhalb der Sowjetunion.<ref name="masters">{{cite news|title="Agenda for constructive American-Chinese dialogue huge": Brzezinski |url=http://english.people.com.cn/200603/20/eng20060320_251953.html |first=Tang |last=Yong |newspaper=People's Daily Online |date=2006-03-20 |accessdate=2010-12-30}}</ref>

Brzezińskis Plan, in Großbritannien ein Studium zur Vorbereitung einer diplomatischen Karriere in Kanada aufzunehmen, schied aus, teilweise weil nur britische Staatsbürger stipendienberechtigt waren. Brzeziński promovierte daraufhin an der [[Harvard University]] bei [[Merle Fainsod]]. Seine Dissertation untersuchte die Sowjetunion und die Zusammenhänge von [[Oktoberrevolution]], [[Wladimir Iljitsch Lenin|Lenins]] Staatsmodell und der Politik [[Joseph Stalin]]s. 1953 wurde Brzeziński promoviert.

Im selben Jahr reiste er nach München und traf [[Jan Nowak-Jeziorański]], den Leiter der polnischen Abteilung von [[Radio Free Europe]].

Später arbeitete er auch mit [[Carl Joachim Friedrich|Carl J. Friedrich]] zusammen, um ein Konzept von [[Totalitarismus]] zu entwickeln. Dies half ihm 1956, die sowjetische Politik genauer und wirkungsvoller darzustellen und zu kritisieren.<ref>Gati (2013) p 208</ref>

<div class="toccolours" style="float:right;width:175px;margin: 0 10px 10px;padding:10px">

Für Hintergrundinformationen:

* [[Polen]]

* [[Aufstand vom Dezember 1970 in Polen]]

* [[Ungarn-Aufstand]].

</div>

Als Harvard Professor kritisierte er [[Dwight D. Eisenhower]]s und [[John Foster Dulles]]' Politik des [[Rollback-Politik|Rollback]]: Der Antagonismus werde Osteuropa stärker zur Sowjetunion drängen.<ref>Gati (2013) p xxi</ref> Der [[Aufstand vom Dezember 1970 in Polen]] mit dem [[Polnischer Oktober|Polnischen Oktober]] und der [[Ungarischer Volksaufstand|Ungarische Volksaufstand]] im Jahre 1956 bestätigten Brzezińskis Vorstellung von einer graduellen Abschwächung der sowjetischen Vorherrschaft durch die Osteuropäer. 1957 besuchte er Polen zum ersten Mal seit seiner Kindheit. Der Besuch bestätigte sein Urteil über die tiefen Spaltungen innerhalb des [[Ostblock]]s. Er entwickelte hieraus sein Programm des „peaceful engagement“.<ref>Gati (2013) p xxi</ref>, worunter er einen friedlichen Wettbewerb um Einfluss in Osteuropa verstand, den er gegen das sowjetische Verständnis „friedlicher Koexistenz“ abgrenzte.<ref>http://jhupressblog.com/2013/08/27/weighing-zbigniew-brzezinskis-legacy/</ref>

1958 wurde er US-amerikanischer Staatsbürger. Trotz jahrzehntelangen Aufenthalts in Kanada und der dortigen Anwesenheit von Familienmitgliedern wurde er niemals kanadischer Staatsbürger.

Als Brzeziński 1959 keinen Lehrstuhl in Harvard bekam, zog er nach New York City, um an der [[Columbia University]] zu lehren.<ref>Gati (2013) p 208 </ref> Hier schrieb er sein Werk ''Soviet Bloc: Unity and Conflict'', das Osteuropa seit Beginn des [[Kalter Krieg|Kalten Krieges]] thematisierte. Er war auch Hochschullehrer der zukünftigen [[Außenminister der Vereinigten Staaten|US-Außenministerin]] [[Madeleine Albright]], die wie seine Ehefrau tschechischer Abstammung ist. Er war auch Albrights Mentor während ihrer frühen Jahre in Washington.<ref>{{cite book|last=Albright | first=Madeleine |title=[[Madam Secretary]] |publisher=Hyperion |year=2003 |pages=57 }}</ref> Er wurde Mitglied des [[Council on Foreign Relations]] in New York und trat der [[Bilderberg-Konferenz]] bei.<ref>Gati (2013) p 12</ref>

Während der Präsidentenwahl 1960 war Brzeziński Berater im Wahlkampfteam [[John F. Kennedy]]s. Er drängte auf eine nicht-antagonistische Politik gegenüber osteuropäischen Regierungen. Angesichts der politischen und ökonomischen Stagnation sah er den folgenden Zerfall der Sowjetunion entlang ethnischer Bruchlinien zutreffend voraus, womit er den Ansatz seiner Master-Thesis weiter ausbaute.<ref name="masters" />

Brzeziński unterstützte die [[Entspannungspolitik]] während der folgenden Jahre. Er publizierte seine Programmschrift „Peaceful Engagement in Eastern Europe“ in ''[[Foreign Affairs]]'',<ref>{{cite journal| first=Zbigniew | last=Brzezinski | first2=William | last2=Griffith | title=Peaceful Engagement in Eastern Europe | journal=Foreign Affairs | volume=39 | issue=4 | date=Spring 1961 | pages=647}}</ref> und unterstützte eine nicht-antagonistische Politik nach der [[Kubakrise]]. Er begründete dies damit, dass diese Politik den osteuropäischen Ländern die Angst vor einem aggressiven Deutschland nehmen und außerdem Westeuropäer besänftigen könnte, die sich wegen möglicher Kompromisse der Supermächte im Sinne der [[Konferenz von Jalta]] Sorgen machten.

1964 unterstützte Brzeziński [[Lyndon B. Johnson]]s „[[Great Society|Great-Society]]“-Programm und die Gesetzesvorschläge der [[Bürgerrechtsbewegung]], während er andererseits nach [[Nikita Sergejewitsch Chruschtschow|Chruschtschows]] erzwungenem Rücktritt den völligen Verlust an Kreativität auf Seiten der politischen Führung der Sowjetunion konstatierte. Durch Vermittlung von [[Jan Nowak-Jeziorański]] traf Brzeziński mit [[Adam Michnik]] zusammen, dem damaligen Kommunisten und zukünftigen Aktivisten der polnischen Gewerkschaftsbewegung.

Brzeziński unterstützte Verbindungen mit den osteuropäischen Regierungen, warnte dabei aber vor [[Charles de Gaulle|De Gaulle]]s Vision eines „Europa vom [[Atlantik]] bis zum [[Ural]]“. Er befürwortete den [[Vietnamkrieg]]. 1966 bis 1968 diente Brzeziński als Mitglied des Planungsstabes des [[State Department]]s. Präsident Johnsons Rede zum Thema „Bridge Building“ vom 7. Oktober 1966 war das Ergebnis von Brzezińskis Einfluss.

<div class="toccolours" style="float:right;width:175px;margin: 0 10px 10px;padding:10px">

Für historische Hintergrundinformationen:

* [[Sechstagekrieg]]

* [[Prager Frühling]]

* [[Sozialismus]]

* [[Tet-Offensive]]

</div>

Die Ereignisse in der [[Tschechoslowakei]] verstärkten Brzezińskis kritische Einstellung zur aggressiven Haltung der Republikaner gegenüber osteuropäischen Regierungen. Seine Dienste für die Regierung Lyndon B. Johnsons während des Vietnamkrieges machte ihn zum Feind der US-amerikanischen [[Neue Linke|Neuen Linken]], obwohl er die Deeskalation des US-amerikanischen Militäreinsatzes befürwortete.

1968 unterstützte Brzezi��ski als Vorsitzender der außenpolitischen Arbeitsgruppe [[Hubert H. Humphrey]]s den Wahlkampf der Demokraten. Er riet Humphrey, mit einigen Punkten von Präsident Johnsons Programm zu brechen, insbesondere in der Vietnam-Frage, hinsichtlich des Nahen Ostens und der Beziehungen zur Sowjetunion.

Brzeziński forderte eine gesamteuropäische Konferenz. Diese Idee verwirklichte sich schließlich 1973 mit der [[KSZE]].<ref>Zbigniew Brzezinski: ''„Détente in the ‘70s“'' In: ''The New Republic'', 3. Januar 1970, S. 18</ref> In der Zwischenzeit wurde er zum führenden Kritiker von [[Richard Nixon|Nixons]] und [[Henry Kissinger|Kissingers]] Entspannungskonzept, ebenso wie von [[George McGovern|McGoverns]] [[Pazifismus]].<ref>Zbigniew Brzezinski, ''„Meeting Moscow's Limited Coexistence“'' In: ''The New Leader'', 51:24, 16. Dezember 1968, S. 11–13</ref>

1970 schrieb er in seinem Werk „Zwischen zwei Zeitaltern: Amerikas Rolle in der Technetronischen Ära“ (''Between Two Ages: America's Role in the Technetronic Era''), dass eine koordinierte Politik unter den Industrieländern nötig sei, um der globalen Instabilität zu begegnen, die aus der zunehmenden ökonomischen Ungleichheit entstehe. Von dieser Forderung ausgehend, gründete Brzeziński auf Initiative von [[David Rockefeller]] die [[Trilaterale Kommission]], deren Direktor er von 1973 bis 1976 wurde. Die Trilaterale Kommission ist eine Gruppe prominenter Politiker, Geschäftsleute und Universitätslehrer, hauptsächlich aus den USA, Westeuropa und Japan. Ihr Ziel war die Stärkung der Beziehungen zwischen den drei höchstentwickelten Ländern der kapitalistischen Welt. Brzeziński schlug den Gouverneur von [[Georgia]], [[Jimmy Carter]], als Mitglied vor. Brzezinski kehrte 1981 zur ''Kommission'' zurück und hatte bis 2009 eine tragende Rolle inne.<ref>[http://www.trilateral.org/go.cfm?do=Page.View&pid=9#1 Founding Members der Trilateralen Kommission]</ref>

=== Berater der Regierung Carter ===

[[Datei:Brzezinski 1977.jpg|mini|Brzeziński als Regierungsberater 1977]]

[[Jimmy Carter]] kündigte seine Kandidatur für 1976 an und bezeichnete sich selbst als „eager student“ von Brzeziński.<ref>{{cite journal | last=Brauer | first=Carl | date=1988-11-01 | title=Lost In Transition | url=http://www.theatlantic.com/magazine/archive/1988/11/lost-in-transition/307120/ | journal=The Atlantic | location=Washington, D.C. | publisher=Atlantic Media | accessdate=2014-03-27}}</ref>

Brzeziński wurde 1975 Carters wichtigster Ratgeber in außenpolitischen Fragen. Er wurde ein dezidierter Kritiker der Außenpolitik Nixons und Kissingers, die zu sehr auf Entspannungspolitik setzten, die der Sowjetunion genehm war. Er setzte statt dessen mehr auf die [[Strategic Arms Limitation Talks]], und betonte die [[Menschenrechte]], das [[Völkerrecht]] und friedliche Maßnahmen in Osteuropa. Brzeziński wurde als Antwort der Demokraten auf den republikanisch orientierten Henry Kissinger betrachtet<ref>John Maclean, „Advisers Key to Foreign Policy Views“, ''The Boston Evening Globe'' (October 5, 1976)</ref> Carter griff Ford in Debatten dadurch an, dass er die trilaterale Vision mit Fords Entspannungskonzept verglich.<ref>{{cite book|last=Vaughan | first=Patrick G. |editor-first=Leopoldo| editor-last=Nuti |title=The Crisis of Détente in Europe: From Helsinki to Gorbachev, 1975–1985 |publisher=Taylor & Francis |year=2008 |pages=11–25 |chapter=Zbigniew Brzezinski and the Helsinki Final Act |isbn=0-415-46051-4}}</ref>

Nach seinem Sieg im Jahre 1976 machte Carter Brzeziński zum Sicherheitsberater. Im selben Jahr waren in Polen größere Arbeitskämpfe ausgebrochen, die die Grundlage für die polnische Gewerkschaftsbewegung [[Solidarnosc]] bildeten. Brzeziński begann mit der Betonung der Menschenrechte in der [[Schlussakte von Helsinki]], die kurze Zeit später die [[Charta 77]] der [[Tschechoslowakei]] inspirierte<ref>Michael Getler, ''„Dissidents Challenge Prague – Tension Builds Following Demand for Freedom and Democracy“'' In: ''[[The Washington Post]]'', 21. Januar 1977</ref>

Brzeziński war an der Abfassung von Teilen der Regierungsansprache zum Amtsantritt Carters beteiligt, was seiner Absicht entsprach, den Dissidenten in der Sowjetunion eine positive Botschaft zu senden.<ref>Zbigniew Brzezinski, ''Power and Principle: Memoirs of the National Security Adviser, 1977–1981'' (New York, 1983), p. 123.</ref> Die Sowjetunion wie auch führende Politiker Westeuropas klagten, diese Art von Rhetorik widerspreche dem „Code der Entspannung“, den Nixon und Kissinger etabliert hatten.<ref>Seyom Brown, ''Faces of Power'' (New York, 1983), p. 539.</ref><ref>„Giscard, Schmidt on Détente“, ''The Washington Post'' (July 19, 1977).</ref>

Brzeziński wandte sich gegen Mitglieder der [[Demokratische Partei (Vereinigte Staaten)|Demokratischen Partei]], die seine Auffassung von Entspannung ablehnten, zu denen der Außenminister [[Cyrus Vance]] gehörte. Vance sprach sich für eine verminderte Betonung der Menschenrechte aus, um die Zustimmung der Sowjetunion zu den [[Strategic Arms Limitation Talks]] (SALT) zu gewinnen, während Brzeziński beides zur gleichen Zeit erreichen wollte. Brzeziński ordnete an, dass [[Radio Free Europe]] Leistung und Reichweite seines Programms erweitern solle, was eine provokante Umkehrung der Politik Nixons und Kissingers war.<ref>David Binder, ''„Carter Requests Funds for Big Increase in Broadcasts to Soviet Bloc“'' In: ''The New York Times'', 23. März 1977</ref> [[Helmut Schmidt]] lehnte Brzezińskis Pläne ab, er forderte sogar die Entfernung von Radio Free Europe von deutschem Boden.<ref>Brzezinski, ''Power and Principle'', p. 293.</ref>

Das State Department war von Brzezińskis Unterstützung für ostdeutsche Dissidenten beunruhigt und lehnte seinen Vorschlag ab, dass Carters erster Besuch jenseits des Atlantiks Polen gelten sollte. Carter und er besuchten [[Warschau]], sie trafen mit [[Kardinal]] [[Stefan Wyszynski]] zusammen (gegen die Bedenken des US-Botschafters in Polen). Dabei erkannten sie die Römisch-katholische Kirche als legitime Opposition gegen die kommunistische Herrschaft in Polen an.<ref>David A. Andelman, „Brzezinski and Mrs. Carter Hold Discussion with Polish Cardinal“, ''The New York Times'' (December 29, 1977).</ref>

1978 waren Brzeziński und Vance immer uneiniger hinsichtlich der Richtung der Außenpolitik Carters. Vance wollte den Stil der Entspannungspolitik von Nixon und Kissinger weiterführen, wobei der Schwerpunkt auf der Abrüstung liegen sollte. Brzeziński glaubte, dass die Entspannungspolitik die Sowjetunion in [[Angola]] und im Nahen Osten ermuntert habe. Deshalb befürwortete er die Steigerung der militärischer Stärke und eine Betonung der Menschenrechte. Vance, das State Department und die Medien kritisierten Brzeziński öffentlich dafür, dass er den Kalten Krieg wieder aufleben lassen wolle.

Brzeziński riet Carter 1978, sich der [[Volksrepublik China]] zuzuwenden und reiste nach Peking, um die Grundlage für die Normalisierung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu legen. Dies führte zu einer Lockerung der Bindungen an den langjährigen antikommunistischen Alliierten, die [[Republik China auf Taiwan]].

<div class="toccolours" style="float:right;width:175px;margin:10px;padding:10px">Historischer Hindergrund:

* [[Islamische Revolution]];

* [[Afghanistan]]

* [[Solidarnosc]]

</div>

1979 war das Jahr zweier großer, strategisch bedeutsamer Ereignisse: die Entmachtung des befreundeten Schahs des Iran [[Mohammad Reza Pahlavi]] und die sowjetische Invasion in Afghanistan. Die [[Islamische Revolution]] löste die Krise der iranischen Geiselnahme aus, die während Carters restlicher Amtszeit andauerte. Brzeziński sah die Invasion in Afghanistan voraus und schuf mit der Unterstützung [[Saudi-Arabien]]s, Pakistans, und der Volksrepublik China eine Strategie, um den Einfluss der Sowjetunion zu unterminieren. In dieser Atmosphäre der Unsicherheit führte er die USA zu einer neuen Aufrüstungsbemühung und der Entwicklung der schnellen Eingreiftruppen. Beide politischen Maßnahmen werden heute eher mit Ronald Reagan in Verbindung gebracht.

Brzeziński arbeitete unter der „lame duck“-Präsidentschaft Carters, aber ermutigt durch die Tatsache, dass die polnische Gewerkschaft seinen Stil der Auseinandersetzung mit Osteuropa bestätigt hatte, nahm er einen kompromisslosen Standpunkt gegenüber einer kurz bevorzustehen scheinenden Invasion Polens ein. Er telefonierte um Mitternacht mit Papst [[Johannes Paul II.]], dessen Besuch in Polen 1979 der Entstehung der Gewerkschaftsbewegung vorangegangen war, und warnte ihn vor. Diese Haltung der USA war ein deutlicher Wandel im Vergleich zu den früheren Reaktionen auf die sowjetischen Unterdrückungsmaßnahmen in Ungarn 1956 und in der Tschechoslowakei 1968.

1981 zeichnete President Carter Brzeziński mit der [[Presidential Medal of Freedom]] aus.

=== Tätigkeit während der Regierungen Reagan, Bush I und Clinton ===

Brzeziński war nach seiner Amtszeit besorgt wegen der inneren Spaltung der Demokratischen Partei. Seiner Meinung nach war der pazifistische („dovish“) Flügel um [[George McGovern]] dafür verantwortlich, dass die Demokraten dauerhaft zur Minorität würden.

Sein Verhältnis zur Regierung [[Ronald Reagan]]s war gemischt. Einerseits unterstützte er sie als Alternative zum Pazifismus der Demokraten, andererseits kritisierte er sie wegen übertriebener Schwarzweißmalerei bei der Beurteilung außenpolitischer Themen.

Er blieb weiter beteiligt an den Vorgängen in Polen, kritisierte 1981 die Einführung des Kriegsrechts, vor allem aber die Schicksalsergebenheit Westeuropas im Namen der Stabilität. Brzeziński beriet 1987 US-Vizepräsident [[George H. W. Bush|George Bush]] vor seiner Polenreise, die das Wiederaufleben der Gewerkschaftsbewegung unterstützte.

Während der Regierung Ronald Reagans war er 1985 Mitglied der [[Chemical warfare|Chemical Warfare]]-Kommission des Präsidenten. Von 1987 bis 1988 war er im Nationalen Sicherheitsrat des Verteidigungsministeriums in einer Kommission für „Integrierte Langzeitstrategie“ tätig. Von 1987 bis 1989 arbeitete er als Berater für das [[President's Foreign Intelligence Advisory Board]] (PIAB) das „… den Präsidenten hinsichtlich Qualität und Korrektheit der Nachrichtengewinnung berät, hinsichtlich Analyse und Einschätzungen, Spionageabwehr und anderen nachrichtendienstlichen Tätigkeiten.“<ref>[http://www.whitehouse.gov/administration/eop/piab PIAB Official Website.]</ref>

1988 war Brzeziński stellvertretender Vorsitzender der [[National Security Advisory Task Force]] George Bushs und unterstützte Bushs Präsidentschaft, was einen Bruch mit den Demokraten bedeutete. Brzeziński publizierte im selben Jahr sein Werk „Die große Niederlage“ (''The Grand Failure''), in dem er den Fehlschlag von [[Michail Sergejewitsch Gorbatschow|Michail Gorbatschows]] Reformen und das Auseinanderbrechen der Sowjetunion in den folgenden Jahrzehnten voraussagte. Er führte aus, dass es fünf Möglichkeiten für die zukünftige Entwicklung der Sowjetunion gebe: erfolgreiche Pluralisierung, anhaltende Krise, neue Stagnation, Staatsstreich durch KGB oder Militär oder den Zusammenbruch des kommunistischen Regimes. Er hielt den Zusammenbruch in dieser Phase der Entwicklung für weit unwahrscheinlicher als eine anhaltende Krise. Er prognostizierte, dass die Wahrscheinlichkeit, dass 2017 in der Sowjetunion weiterhin der Kommunismus existieren werde, nur bei etwas mehr als 50 % liege, und dass das Ende, wenn es käme, sehr wahrscheinlich turbulent ausfallen würde.

Schließlich kollabierte das System 1991 nach Moskaus scharfem Vorgehen gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen Litauens, dem Krieg um [[Bergkarabach]] in den späten 1980er Jahren sowie dem vereinzelten Blutvergießen in anderen Republiken. Dieses Ergebnis war weniger gewaltsam zustande gekommen, als Brzeziński und andere Beobachter erwartet hatten.

1989 gelang es den Kommunisten nicht, ihre Unterstützung in Polen zu mobilisieren, woraufhin die Gewerkschaft die Wahlen mit überwältigender Mehrheit gewann.

== Aufklärer der Verantwortlichen des [[Massaker von Katyn]] ==

Sein Neffe [[Matthew Brzezinski]] ist der bekannte Hintergrund Analyst von [[Benjamin Ferencz]], [[USSR1]] and [[USSR54]] nach dem [[Massaker von Katyn]] zum [[Einsatzgruppen-Prozess]].

Ausgehend von dem 1937 entwickelten Erstickungskammer [[Vergasungsauto (Duschegubka)]] vom Chef der [[NKWD-Wirtschaftsabteilung]] [[People's Commissariat for Internal Affairs Economy Department]] im Bezirk Moskau - [[Isaj Davidowitsch Berg]] - für den Entschädigungprozess Wiedergutmachung Wiederaufnahmeprozess der geschädigten [[Russki Fords]] Nachfolge Unternehmen Missbrauch Opfer Vertreter - aufgrund der [[USSR1]] und [[USSR54]] [[Trial Of The Major War Criminals Before The International Military Tribunal]],Band39, Nürenberg1949, <ref>http://www.loc.gov/rr/frd/Military_Law/pdf/NT_Vol-XXXIX.pdf</ref> Seite 261 und 290-332 Verantwortlichen um [[Alexej Tolstoi]], Nikolai Nilowitsch [[Burdenko]], [[Lev Nikolaevich Smirnov]] <ref>http://encyclopedia2.thefreedictionary.com/Lev+Smirnov</ref> und [[Ilja Grigorjewitsch Ehrenburg]] -

nach dem [[Massaker von Katyn]] - basierend auf dem Memo von [[Lawrenti Beria]] (Lavrenti Pavles dze Beria) an und unterschrieben auf der ersten Seite<ref>http://en.wikipedia.org/wiki/File:Katyn_-_decision_of_massacre_p1.jpg</ref> <ref>[[:en:File:Katyn - decision of massacre p1.jpg]]</ref> von Beria's Antragsurkunde von [[Josef Stalin]] aka [[Ioseb Besarionis Dze Jugashvili]] aka [[Staatsbank des Russischen Reiches]] <ref>http://en.wikipedia.org/wiki/State_Bank_of_the_Russian_Empire</ref> Geldtransport [[Überfall auf die Bank von Tiflis]] vom 26. Juni 1907 Operation Codename [[Kochba]] -

für die Exekution von über 15000 polnischen Offizieren und über 10000 Intellektuellen im [[Wald von Katyn]] und an anderen Plätzen in derSowjet Union unter Aufsicht des [[Kommissiar für Transporte in der Sowjet Union]] - [[Lasar Moissejewitsch Kaganowitsch]]<ref>http://russiapedia.rt.com/prominent-russians/leaders/lazar-kaganovich</ref> - der DAFÜR WAR gemäss ergänzender Seite zwei [[Datei:Katyn - decision of massacre p2.jpg|mini|Notatka Ławrentina Berii do Józefa Stalina z propozycją wymordowania polskich jeńców - kolorowy skan z oryginalnego dokumentu]], drei [[Datei:Katyn - decision of massacre p3.jpg|mini|Notatka Ławrentina Berii do Józefa Stalina z propozycją wymordowania polskich jeńców - kolorowy skan z oryginalnego dokumentu.]]> und vier [[Datei:Katyn - decision of massacre p4.jpg|mini|Notatka Ławrentina Berii do Józefa Stalina z propozycją wymordowania polskich jeńców - kolorowy skan z oryginalnego dokumentu.]] -

berichtete [[Matthew Brzezinski]] in seinem Dossier über umfangreiche Zitate des als Hauptankläger im [[Einsatzgruppen-Prozess]] fungierenden Juden [[Benjamin Ferencz]] zu Geständnissen die unter Folter erlangt wurden:<ref>{{Netzverweis|Netzpräsenz=Washingon Post|Datum=24. Juli 2005|Autor=Matthew Brzezinski|Seitentitel=Giving Hitler Hell, S. 5|WebCite=|Abgerufen=|URL=http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2005/07/21/AR2005072101680_5.html|Zitat=I once saw DPs beat an SS man and then strap him to the steel gurney of a crematorium. They slid him in the oven, turned on the heat and took him back out. Beat him again, and put him back in until he was burnt alive. I did nothing to stop it. I suppose I could have brandished my weapon or shot in the air, but I was not inclined to do so. Does that make me an accomplice to murder?}}</ref>

:''„Einmal sah ich, wie ehemalige Häftlinge einen SS-Mann schlugen und ihn dann mit Riemen an der Stahlbahre eines Krematoriumofens festbanden. Sie schoben ihn hinein, heizten den Ofen und zogen ihn wieder hinaus. Dann schlugen sie ihn wieder und schoben ihn zurück in den Ofen, bis er bei lebendigem Leibe verbrannte. Ich tat nichts, um sie zu stoppen. Ich glaube, ich hätte mit meiner Waffe schwingen oder einen Schuß in die Luft abgeben können, aber ich war nicht geneigt, dies zu tun. Macht mich das zu einem Mordkomplizen?“''

Ferenzi, der später einer der Gründer des [[Internationaler Strafgerichtshof|Internationalen Gerichtshofes]] wurde, rechtfertigt sich damit, daß damals unter den Militärgesetzen vieles möglich war, das es heute nicht mehr wäre. Als ein weiteres Beispiel dafür, wie er Geständnisse erlangte, gab er an:<ref>{{Netzverweis|Netzpräsenz=Washingon Post|Datum=24. Juli 2005|Autor=Matthew Brzezinski|Seitentitel=Giving Hitler Hell, S. 5|WebCite=|Abgerufen=|URL=http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2005/07/21/AR2005072101680_5.html|Zitat=I'd go into a village where, say, an American pilot had parachuted and been beaten to death and line everyone one up against the wall. Then I'd say, 'Anyone who lies will be shot on the spot.' It never occurred to me that statements taken under duress would be invalid.}}</ref>

:''„Ich würde in ein Dorf gehen, wo, sagen wir, ein amerikanischer Pilot mit dem Fallschirm abgesprungen war und zu Tode geschlagen wurde, und reihte alle an einer Wand auf. Dann würde ich sagen: ‚Wer lügt, wird auf der Stelle erschossen.‘ Es kam mir nie in den Sinn, daß unter Zwang gemachte Aussagen ungültig sein könnten.“''

Am 5. März 1940 unterzeichneten die Mitglieder des Politbüros der [[KPdSU]] – [[Stalin]], [[Molotow]], [[Kaganowitsch, Lasar Moissejewitsch|Kaganowitsch]], [[Woroschilow]], [[Anastas Iwanowitsch Mikojan|Mikojan]], [[Beria]] und [[Kalinin]] – den Befehl zur Exekution von „Nationalisten und konterrevolutionären Aktivisten” in den besetzten Gebieten. Diese weite Definition ermöglichte es, neben Offizieren, Soldaten und Reservisten auch ca. 10.000 polnische Intellektuelle und Polizisten zu massakrieren. Erfaßt wurden schließlich etwa 25.700 Polen, einschließlich der Kriegsgefangenen.

Vom 3. April bis zum 19. Mai 1940 ermordete der sowjetische Geheimdienst NKWD<ref>Polen gedenkt der Opfer des Katyn-Massakers - „Die ''1940 in Katyn vom sowjetischen Geheimdienst NKWD ermordet wurden''“, Deutschlandradio Kultur, 10. November 2007</ref> 14.552 Gefangene: die größten Opfergruppen in Katyn, 6.311 aus dem Lager [[Ostaschkow]], 4.421 Mann aus [[Kozielsk]], 3.982 aus [[Starobielsk]], die in [[Charkow]] massakriert wurden sowie eine Gruppe aus dem [[Kriegsgefangenenlager]] auf einer Insel im Seligersee, in der Nähe von [[Twer]]. Die Leichen der Opfer aus Kozielsk wurden ebenfalls im Wald von Katyn vergraben.

[[Datei:Dezember_1941_-_Anders,Sikorski,Stalin.jpg|framed|right|Dezember 1941: [[Władysław Anders]], [[Władysław Sikorski]],<br/> [[Josef Stalin]]]]

Nach dem Beginn des [[Rußlandfeldzug]]es 1941 unterzeichnete der polnische Exilpräsident Sikorski am 4. Juli mit dem sowjetischen Botschafter [[Iwan Majski]] ein Abkommen über die Bildung einer polnischen Armee im Osten ([[Sikorski-Majski-Abkommen]]). Dank diesem sollte angeblich die Sowjetregierung eine Amnestie für Polen erlassen, die zwischen 1939 und 1941 in die Sowjetunion deportiert worden waren. Dazu kam es jedoch nicht. Hierzu heißt es im Gesprächsprotokoll eines Treffens im Kreml am 3. Dezember 1941:<ref>[http://katyncrime.pl/Aus,einem,Gespr%C3%A4chsprotokoll,im,Kreml,392.html vgl.: katyncrime.pl]</ref>

:General [[Władysław Sikorski]]: ''„Ich muß Ihnen mitteilen, Herr Präsident, daß Ihre Amnestieverlautbarung nicht befolgt wird. Viele unserer Leute, und zwar die wertvollsten, befinden sich heute noch in Arbeitslagern und Gefängnissen.“

:[[Stalin]] (notiert): ''„Das ist unmöglich, die Amnestie betraf doch alle, und alle Polen wurden freigelassen.“

:General Władysław Sikorski: ''„Ich habe hier eine Liste mit den Namen von etwa 4.000 Offizieren, die gewaltsam deportiert wurden und die sich gegenwärtig noch in Gefängnissen und Arbeitslagern befinden. [...] Diese Leute sind hier. Keiner von ihnen ist zurückgekehrt.“

:Stalin: ''���Das ist unmöglich. Sie werden geflohen sein.“

:General [[Władysław Anders]]: ''„Wohin hätten sie denn fliehen können?“

:Stalin: ''„Na, vielleicht in die Mandschurei.“

=== Entdeckung des Massakers ===

Im Februar 1943 entdeckten Wehrmachtssoldaten, namentlich von Gersdorff als I c in der Stabsabteilung der [[Heeresgruppe Mitte]], im Wald von Kozy Gory bei Katyn Massengräber mit den Leichen tausender polnischer Offiziere, die nach Aussagen der einheimischen Bevölkerung im Frühjahr 1940 ermordet worden waren.

Die [[Großdeutscher Rundfunk|reichsdeutschen Rundfunkmeldungen]] vom 13. April 1943 über die Funde veranlaßten die Polnische Exilregierung in London, eine internationale Untersuchung durch das [[Internationales Komitee vom Roten Kreuz|Internationale Komitee vom Roten Kreuz]] ([[IKRK]]) in [[Genf]] zu beantragen. Gegen dieses Vorhaben wehrte sich das Sowjet-Regime heftig und brach unter dem Vorwurf einer „Komplizenschaft mit [[Adolf Hitler|Hitler]]” jeden Kontakt zu polnischen Exilanten ab, was auch die sogenannte „Anti-Hitler-Koalition” belastete. Bis dahin hatte die polnische Exilregierung nicht eine Antwort auf ca. 50 offizielle Anfragen zum Verbleib ihrer Militärgefangenen erhalten.

=== Untersuchungen Anfang 1943 ===

{{Bildausschnitt|Breite=250|Bildbreite=260|Bild:Bundesarchiv Bild 183-J21040, Katyn, Öffnung der Massengräber, polnische Rot-Kreuz-Mitarbeiter.jpg|Öffnung der Massengräber bei Katyn im April 1943 in Anwesenheit polnischer Rot-Kreuz-Mitarbeiter}}

Den Fall Katyn nutzte die deutsche Regierung für ihre Propaganda gegen die Sowjetunion. Berlin veranstaltete direkt nach dem Fund eine öffentliche Exhumierung durch eine kompetente internationale Untersuchungskommission von 12 namhaften Gerichtsmedizinern, darunter Vertreter der polnischen Exilanten und des polnischen Roten Kreuzes. Diese Kommission aus Gerichtsmedizinern aus elf europäischen Staaten (Belgien, Bulgarien, Finnland, Frankreich, Italien, Kroatien, Niederlande, Rumänien, Schweden, Slowakei, Ungarn) begutachtete zwischen dem 28. und 30. April 1943 die bereits aufgedeckten Massengräber und grub exemplarisch weitere Leichen aus dem Boden, auch um das Todesdatum zweifelsfrei festzustellen.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz hatte aufgrund der Proteste der Sowjetunion seine Mitarbeit verweigert.

In einem gemeinsamen Beschluß veröffentlichte die Kommission ihre Expertise zum Todesdatum, in der sie u.a. zum übereinstimmenden und unwidersprochenen Schluß kam, daß selbiges aufgrund der Feststellungen der Gerichtsmediziner und der bei den Leichen gefundenen Papiere und Briefe, die alle zum selben Zeitpunkt abbrachen, im Frühjahr 1940 gelegen haben muß.

Der Deutsche Verlag publizierte 1943 die Ergebnisse als amtliches Gutachten. Darin heißt es:

:''„Die Leichen wiesen als Todesursache ausschließlich Genickschüsse auf. Aus den Zeugenaussagen, den bei den Leichen gefundenen Briefschaften, Tagebüchern, Zeitungen usw. ergibt sich, daß die Erschießungen in den Monaten März und April 1940 stattgefunden haben. (...)”''

Weil sich die Massengräber auf einem Gebiet befanden, das von Frühjahr 1940 bis Juni 1941 von der Sowjetunion besetzt war, war die Täterschaft für alle an der Untersuchung Beteiligten klar.

International wurde das Ansehen des Kriegsgegners Sowjetunion dadurch geschwächt. Im Rahmen der Besatzungspolitik in den polnischen Gebieten sollte dem lokalen Widerstand klargemacht werden, daß die Sowjetunion als Bündnispartner ausschied und es sollte der eigenen Bevölkerung die Bestialität des [[Bolschewismus]] weiter vor Augen geführt werden.

<gallery widths="400" heights="300" perrow="3">

Bild:Saarbrücker Zeitung vom 4. Mai 1943, S. 1 - Katyn.jpg|<center>Die Saarbrücker Zeitung vom 4. Mai 1943(!)</center>

</gallery>

=== General Sikorski verlangt Untersuchung und wird ermordet ===

Seit [[Władysław Sikorski|General Sikorski]] bei einem Flugzeugabsturz am 4. Juli 1943 starb, wurde ein Attentat auf ihn wegen seiner beharrlichen Forderung nach Aufklärung des Verbrechens von Katyn vermutet.<ref>George Sanford: ''Katyn and the Soviet massacre of 1940: truth, justice and memory.'' 2005, S. 193; Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: A Crime Without Punishment.'' 2008, S. 495.</ref> Nach einer 2008 im Auftrag Polens durchgeführten gerichtsmedizinischen Untersuchung seiner exhumierten Leiche starb er an den durch den Absturz verursachten inneren Verletzungen. Der Bericht ließ offen, ob die Notlandung das Ergebnis von Sabotage gewesen oder durch den Piloten gezielt herbeigeführt worden ist.<ref>[http://www.faz.net/artikel/C30189/doch-ein-mord-aus-staatsraeson-30496127.html Rainer Blasius (FAZ, 2. September 2011): ''Doch ein Mord aus Staatsräson? Rolf Hochhuth soll polnischer Staatsanwältin helfen, den Tod von General Sikorski aufzuklären.'']</ref> Der Verdacht richtet sich sowohl gegen den sowjetischen Diktator Josef Stalin als auch gegen den damaligen britischen Premier Winston Churchill. Es lag im Interesse Großbritanniens, die [[Anti-Hitler-Koalition|britisch-sowjetische Kriegsallianz]] aufrechtzuerhalten und einen deutsch-sowjetischen Separatfrieden zu verhindern. Bis heute (2013) blieb die lückenlose Aufklärung der Vorgänge unmöglich, weil Akten vernichtet oder manipuliert wurden und unter Verschluß gehalten werden.<ref>[http://www.arte.tv/de/woche/244,broadcastingNum=1268126,day=7,week=26,year=2011.html Churchills Verrat an Polen], [[arte]], 1. Juli 2011</ref> Laut der am 1. Juli 2011 bei Arte ausgestrahlten Produktion ''[[Churchills Verrat an Polen]]'' gebe es kaum Zweifel: der Absturz sei ein Anschlag – von Stalin initiiert und von Churchill geduldet.

=== Untersuchungen Ende 1943 und Sowjet-Propaganda ===

[[Bild:Burdenko_(Mitte_mit_Brille)_in_Katyn.jpg|rechts|miniatur|350px|[[Burdenko]] (Mitte mit Brille) betrachtet in Katyn die Überreste der sowjet-bolschewistischen Mordopfer um diese Tat anschließend der deutschen Wehrmacht unterzujubeln]]

Ende 1943, nach der Zurückdrängung der Wehrmacht, ließ die Sowjetunion das Massaker angeblich durch die „[[Außerordentliche Staatliche Kommission|Sonderkommission]] zur Feststellung und Untersuchung derUmstände der Erschießung von polnischen kriegsgefangenen Offizieren im Katyner Wald durch die deutschen faschistischen Eindringlinge” unter Vorsitz des Chefchirurgen der Roten Armee, [[Burdenko]], untersuchen. Die Kommission, der neben dem Schriftsteller [[Alexej Tolstoi]] auch der Metropolit von Kiew und Galizien, Nikolai, der Vorsitzende des ''Allslawischen Komitees'', Gundorow, der Vorsitzende des Exekutivkomitees des ''Gesellschaftverbandes des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds'', Kolesnikow, sowie der Volkskommissar für Aufklärung der ''RSFSR'',Potemkin, angehörten, produzierte einen Bericht, der später als Beweisdokument [[USSR-054]] beim ersten [[Nürnberger Prozeß]] eingeführt wurde.<ref>Eine deutsche Übersetzung von USSR-054 ist abgedruckt in: ''Trial Of The Major War Criminals Before The International Military Tribunal', Band 39, Nürenberg 1949, S. 290-332 ([http://www.loc.gov/rr/frd/Military_Law/pdf/NT_Vol-XXXIX.pdf PDF])</ref>

Dieses Dokument behauptet, die „sowjetischen Experten” hätten bei den exhumierten Ermordeten verschiedene Gegenstände mit Zeitangaben wie November 1940, März 1941 oder Juni 1941 gefunden, was beweise, daß die Exekutionen von den sogenannten „Deutschfaschisten” durchgeführt wurden. Diese Behauptung wurde von der stalinistischen [[KPD/ML]] noch 1979 als ernstgemeintes Argument vorgebracht.

Am 30. Dezember 1945 berichtete die sowjetische Nachrichtenagentur TASS und Anfang 1946 die von der britischen Militärbehörde herausgegebene Zeitung „Nordwest-Nachrichten”, daß zehn deutsche Kriegsgefangene von der sowjetischen Justiz für die Massaker bei Katyn verurteilt wurden. Sieben wurden mit dem Tode „bestraft” und drei zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.

Burdenko und Nikolai, die der vorgeblichen „[[Außerordentliche Staatliche Kommission|Untersuchungskommission]]“ angehörten bzw. vorsaßen und das erwiesenermaßen erlogene „Beweisdokument“ 054-USSR unterschrieben, waren außerdem Mitglieder der „Außerordentlichen Kommission“, die das [[Konzentrationslager Auschwitz]] untersuchte und einen Bericht produzierte, der als Beweisdokument [[USSR-008]] vor dem [[Nürnberger Prozeß]] eingeführt wurde und der in der Folge von vielen Geschichtsschreibern, wie bspw. [[Raul Hilberg]],<ref>{{Buch|Autor=Raul Hilberg|Autor2=|Herausgeber=|Titel=The Destruction of the European Jews|Band=|Verlag=Yale University Press|Verlagsort=|Jahr=2003|Auflage=3|Auflage-Kommentar=|Seite=1049|ISBN=0300095929|Google_ID=HinIpmliz2MC|Archive=|PDF=|HTML=}}</ref> [[William L. Shirer]] oder [[Jean-Claude Pressac]], benutzt wurde, um das vorherrschende Bild über das Lager Auschwitz zu zeichnen.<ref>''Trial Of The Major War Criminals Before The International Military Tribunal', Band 39, Nürenberg 1949, S. 261 ([http://www.loc.gov/rr/frd/Military_Law/pdf/NT_Vol-XXXIX.pdf PDF])</ref>

=== Katyn im Nürnberger Siegertribunal ab 1946 ===

Im Winter 1945/46 fand im damaligen Leningrad ein Prozeß gegen mehrere deutsche Offiziere statt, denen man das Massaker in Katyn im April/Mai anhängte. Bei dieser Prozeß-Farce wurden folgende Offiziere der Wehrmacht zum Tode durch den Strang verurteilt: [[Karl Hermann Strüffling]], [[Heinrich Remmlinger]], [[Ernst Böhm]], [[Eduard Sonnenfeld]], [[Herbard Janike]], [[Erwin Skotki]], [[Ernst Gehrer]]. 20 bzw. 15 Jahre Zwangsarbeit erhielten in diesem „Prozeß“: [[Erich Paul Vogel]], [[Franz Wiese]], [[Arno Diere]].

Auch vor dem [[Nürnberger Tribunal]] warfen die Sowjets ihre Verbrechen den reichsdeutschen Angeklagten vor.<ref>Nürnberger Tribunal: 168. Tag, 1. Juli 1946 & 169. Tag, 2. Juli 1946:<br>en: ''Nuremberg Trial Proceedings'', 1947, Vol. 17, [http://avalon.law.yale.edu/imt/07-01-46.asp S. 274][http://avalon.law.yale.edu/imt/07-02-46.asp -383]<br>de: ''Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Gerichtshof Nürnberg''. Nürnberg 1947, Bd. 17, [http://www.zeno.org/Geschichte/M/Der+Nürnberger+Prozeß/Hauptverhandlungen/Einhundertachtundsechzigster+Tag.+Montag,+1.+Juli+1946/Vormittagssitzung S. 301][http://www.zeno.org/Geschichte/M/Der+Nürnberger+Prozeß/Hauptverhandlungen/Einhundertneunundsechzigster+Tag.+Dienstag,+2.+Juli+1946/Nachmittagssitzung -421]</ref> Dabei trug sich folgender Dialog zwischen Otto Strahmer, dem Verteidiger Görings, und Boris Bazilevsky, der gerade als Zeuge der Anklage die Deutschen belastet hatte, zu:<ref>Nürnberger Tribunal: 168. Tag, 1. Juli 1946, Vormittagssitzung:<br>en: ''Nuremberg Trial Proceedings'', 1947, Vol. 17, [http://avalon.law.yale.edu/imt/07-01-46.asp S. 327-328]<br>de: ''Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Gerichtshof Nürnberg''. Nürnberg 1947, Bd. 17, [http://www.zeno.org/Geschichte/M/Der+Nürnberger+Prozeß/Hauptverhandlungen/Einhundertachtundsechzigster+Tag.+Montag,+1.+Juli+1946/Nachmittagssitzung S. 358-359]</ref>

{| class="wikitable" style="border:0px;margin-left:35px;padding:5px;background-color:transparent"

|-

|style="border:0px;vertical-align:top"| Dr. Stahmer:

|style="border:0px;vertical-align:top"| ''„Herr Zeuge! Sie haben Ihre Aussagen vor der Pause vorgelesen, wenn ich recht beobachtet habe. Ist das richtig?“

|-

|style="border:0px;vertical-align:top"| Bazilevsky:

|style="border:0px;vertical-align:top"| ''„Ich habe nichts vorgelesen. Ich habe nur einen Plan dieses Gerichtsraumes in der Hand.“

|-

|style="border:0px;vertical-align:top"| Dr. Stahmer:

|style="border:0px;vertical-align:top"| ''„Es sah so aus, als ob Sie die Antworten vorgelesen haben. Wie erklären Sie denn, daß der Dolmetscher schon Ihre Antwort in Händen hatte?“

|-

|style="border:0px;vertical-align:top"| Bazilevsky:

|style="border:0px;vertical-align:top"| ''„Ich weiß nicht, wieso die Dolmetscher meine Antworten im voraus in Händen haben konnten. Meine Aussagen vor der Untersuchungskommission, das heißt die beim Vorverhör abgegebenen, sind jedoch bekannt.“

|}

Die sowjetischen Ankläger stellten vor dem [[Nürnberger Tribunal]] zweifelsfrei fest, daß die ''„deutsche Wehrmacht die polnischen Offiziere im Wald von Katyn ermordet hatte”'':<ref>Nürnberger Tribunal: 59. Tag. Donnerstag, 14. Februar 1946, Nachmittagssitzung:<br/>''Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Gerichtshof Nürnberg''. Nürnberg 1947, Bd. 7, [http://www.zeno.org/Geschichte/M/Der+N%C3%BCrnberger+Proze%C3%9F/Hauptverhandlungen/Neunundf%C3%BCnfzigster+Tag.+Donnerstag,+14.+Februar+1946/Nachmittagssitzung S. 472]</ref>

<blockquote>''Die Schlußfolgerungen, die aus den Zeugenaussagen und aus dem gerichtsmedizinischen Gutachten über die Erschießungen der kriegsgefangenen Polen durch die Deutschen im Herbst 1941 gezogen wurden, werden durch die in den Gräbern von Katyn aufgefundenen Beweisstücke und Dokumente in vollem Umfange bestätigt. (...) Indem die deutsch-faschistischen Eindringlinge die polnischen Kriegsgefangenen im Wald von Katyn erschossen, führten sie folgerichtig ihre Politik der physischen Ausrottung der slawischen Völker durch.''</blockquote>

1947 wurde der deutsche SS-Obersturmbannführer [[Günter Hundt]] in Düsseldorf als „Katyn-Henker entlarvt”, so die Lizenzzeitung „Abendblatt”.<ref>Liz. Nr. 117, am 5. Juni 1947</ref>

Die osteuropäischen Wissenschaftler, die an der Erstuntersuchung der Leichen beteiligt gewesen waren, und deren Heimatländer nach dem Krieg unter sowjetische Herrschaft gerieten, sahen sich bald Drohungen und Nötigungen der roten Machthaber ausgesetzt und wurden gezwungen, ihre Gutachten als „von den Deutschen erpreßt“ hinzustellen und zu widerrufen.

Noch 1976 gelang es der Sowjetunion durch scharfen Protest, die Teilnahme britischer Regierungsmitglieder an der Einweihung eines Katyn-Denkmals auf dem Londoner Friedhof Gunnersbury zu verhindern. Wie bereits zuvor in Kriegszeiten gehorchte in England ein verantwortungsloser politischer Opportunismus den Vertuschungsbemühungen der Täter. Obwohl der Regierung bereits seit 1943 die Untersuchungsergebnisse einer kompetenten internationalen Kommission vorlagen, hieß es in einer offiziellen Stellungsnahme: ''„Es konnte niemals zur Zufriedenheit der Regierung Ihrer Majestät bewiesen werden, wer dafür verantwortlich war.”''<ref>Frankfurter Allgemeine Zeitung 18. September 1976, S. 1.:<br>„It has never been proved to Her Majesty´s Government´s satisfaction who was responsible.“</ref>

Bis 1989 war das sowjetische Bestreben, dieses eigene Kriegsverbrechen den Deutschen anzulasten, erfolgreich. Dies wurde zudem von linksgerichteten Politikern und Medien auch in Deutschland unterstützt, wobei, wie in der Sowjetunion üblich, jede Wahrheitsklärung als „Neonazismus” und „Revisionismus” diffamiert wurde. Von den deutschen Berufsbüßern wurden noch bis ins Jahr 1990 Bußwallfahrten nach Katyn organisiert, um gerade diesem ''„grauenhaften Verbrechen der deutschen Wehrmacht ein ewiges Schuldbekenntnis entgegenzustellen”''.<ref>[http://globalfire.tv/nj/05de/zeitgeschichte/katyn_luege.htm in: National Journalo.Die Katyn-Lüge. BRD-Exportschlager: Vergangenheitsbewältigung]</ref>

Im „Geschichts“unterricht der [[DDR]] wurde das Massaker der Wehrmacht angelastet. Einwände wurden als „faschistische Hetze” verfolgt.

=== Anerkennung der Schuld am Massaker durch die Sowjetunion und Rußland ===

Nach einem halben Jahrhundert der Lüge gestand [[Gorbatschow]] schließlich am 13. April 1990 die sowjetische Alleinschuld an Katyn offiziell ein. Dem polnischen Präsidenten [[Jaruzelski]] übergab er Kartons mit Dokumenten, die, so Gorbatschow, ''„indirekt, aber in überzeugender Weise“'' bewiesen, daß der sowjetische Geheimdienst im Herbst 1940 tausende polnische Offiziere im Wald von Katyn tötete. Damit hatte die Sowjetregierung erstmals offiziell und öffentlich die Verantwortung für dieses lange geleugnete Massaker übernommen.<ref>[[The New York Times]], 14. April 1990: [http://www.nytimes.com/1990/04/14/world/upheaval-in-the-east-gorbachev-hands-over-katyn-papers.html ''Upheaval in the East; Gorbachev Hands Over Katyn Papers'']</ref>

Dennoch veröffentlichte das „Wojenno-Istoritscheski Schurnal” 1990/91 eine Artikelserie, welche erneut die Version verbreitete, die Deutschen seien die Täter gewesen.

Was Präsident Gorbatschow noch unterlassen hatte, holte der russische Präsident [[Jelzin]] im Oktober 1992 nach: Er überließ Polen die Akte von 1940, mit der [[Kaganowitsch, Lasar Moissejewitsch|Kaganowitsch]], [[Stalin]], [[Beria]] und andere die Morde von Katyn am 5. März 1940 angeordnet hatten.<ref>''Der Brockhaus in fünf Bänden'', 8. Auflage, 1993, ISBN 3765316385, Stichwort ''Katyn''</ref>

<center><gallery perrow="4" widths="190" heights="240" caption="Faksimile des von Stalin, Voroshilov, Molotov, Mikoyan sowie, am Rande, von Kalinin und Kaganovich unterschriebenen Befehls vom 5. März 1940">

Datei:Befehl für das Massaker von Katyn - Seite 1 v. 4.jpg|<center>Seite 1</center>

Datei:Befehl für das Massaker von Katyn - Seite 2 v. 4.jpg|<center>Seite 2</center>

Datei:Befehl für das Massaker von Katyn - Seite 3 v. 4.jpg|<center>Seite 3</center>

Datei:Befehl für das Massaker von Katyn - Seite 4 v. 4.jpg|<center>Seite 4</center>

</gallery></center>

Bisher weigert sich die russische Regierung um Präsident [[Wladimir Putin|Putin]] jedoch, die Opfer des Massakers von Katyn offiziell als Opfer des stalinistischen Terrors anzuerkennen. Langjährige Ermittlungen der obersten russischen Militärstaatsanwaltschaft wurden 2004 unter dem Vorwand der Verjährung eingestellt.

Nach sowjetischen Dokumenten fanden dabei 21.857 Menschen den Tod, nach Angaben Polens waren es ca. 30.000 Personen, laut Brockhaus rund 25.000. Für das Verbrechen verantwortlich war die gesamte damalige bolschewistische Staats- und Parteiführung der Sowjetunion.

:''„Die Historikerin und Mitarbeiterin des Instituts für allgemeine Geschichte der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, Natalja Lebedjewa, hatte im Sonderarchiv der Hauptarchivverwaltung der UdSSR und im Zentralen Staatlichen Archiv der Sowjetarmee die entsprechenden Dokumente entdeckt. Datiert mit März 1941 sind die Dokumente unterschrieben vom berüchtigten [[Lawrentij Berija]], Volkskommissar für innere Angelegenheiten der UdSSR.“<ref>

Ende Juli 2006 wurde vom polnischen Archäologen Andrzej Koła im Wald von [[Bykownia]] bei [[Kiew]] ein weiteres Massengrab mit polnischen Opfern des NKWD entdeckt, in dem 3.435 bislang vermißte Opfer des Massakers vermutet werden. Genauere Untersuchungen dauern an. Am gleichen Ort sind in über hundert Massengräbern eine große Anzahl Leichen kommunistischer Mordtaten beigesetzt.

Zu den vielen polnischen Intellektuellen, die das NKWD im Zuge des Massakers liquidiert hatte, gehörten auch die beiden bekannten Mathematiker [[Marcinkiewicz]] und [[Kaczmarz]]. Auch der Vater des polnischen Filmregisseurs [[Wajda]] wurde im Katyn-Massaker ermordet, was zu dem Film ''Katyn'' führte, der 2007 erschien.

=== Geschichtliche Einordnung ===

Die Zeitschrift „[[Der Spiegel]]“ schrieb bereits im Januar 1952 (!) die Wahrheit unter der Überschrift: ''Katyn - Ein Verbrechen der Sowjets''.<ref>{{Spiegel|ID=d-21048446|Nr=1|J=1952|Titel=Katyn - Ein Verbrechen der Sowjets|M=1|T=2|S=17}}</ref> Dennoch stellten, trotz erdrückender Indizien für die sowjetische Täterschaft, selbst westliche Geschichtsschreiber bis in die 1980er Jahre hinein die Moskauer Version gleichberechtigt neben der tatsächlichen dar.

Bereits am 26. Juli 1956 erging ein Brief von sechs VS-amerikanischen Kongreßabgeordneten an [[Chruschtschow]]. In diesem bis dahin in der Geschichte des VS-amerikanischen Kongresses beispiellosen Vorgang wandten sich die Abgeordneten an den Machthaber eines fremden Staates, um ihn aufzufordern, die Schuld seines Regimes an dem Verbrechen des Katyner Massenmordes endlich zuzugeben.<ref>[http://www.zeit.de/1956/39/brief-an-chruschtschow/seite-1 Der Brief an Chruschtschow, in: Zeit online, 27.09.1956]</ref> Der Brief beginnt mit den Worten:

:''„Die unterzeichneten ehemaligen Mitglieder des amerikanischen Kongreß-Ausschusses zur Untersuchung des Katyner Massenmordes erlauben sich hiermit, Sie zu fragen, warum Sie Stalins und Berijas Schuld an dem Katyner Massenmord von 4243 [es waren tatsächlich etwa 25.000 Mordopfer] polnischen Offizieren im Frühjahr 1940, dem Massenmord, der das größte militärische Verbrechen der Neuzeit darstellt, noch nicht zugegeben haben.“

Noch im Jahr 1985 ließ die polnische Regierung unter Jaruzelski ein Kreuz mit der Aufschrift „Den polnischen Soldaten, Opfern des Hitler-Faschismus, die in der Erde von Katyn ruhen“ aufstellen.

Das Verbrechen belastet bis heute das russisch-polnische Verhältnis. Die Polen verlangen hartnäckig, daß die ehemaligen sowjetischen Täter zur Verantwortung gezogen werden, sofern diese noch am Leben sind. Dazu forderten sie von der BRD die Katyn-Untersuchungsberichte sowie die dazugehörigen Fotos an, welche die nationalsozialistische Staatsführung zur Aufklärung des Verbrechens hatte anfertigen lassen.

1989 machte Zbigniew Kazimierz Brzeziński deshalb eine Rundreise durch Russland und besuchte die Gedenkstätte für das [[Massaker von Katyn]]. Damit bot sich ihm die Gelegenheit, die sowjetische Regierung zur Anerkennung der wahren Umstände des Massakers aufzufordern, wofür er in der Diplomatischen Akademie in Moskau stehenden Beifall erhielt. Zehn Tage später fiel die [[Berliner Mauer]] und die von der Sowjetunion gestützten Regierungen in Osteuropa begannen zu wanken.

Im August 2012 wurden von den VSA neue Dokumente über das sowjet-bolschewistische Verbrechen an Polen übergeben. Nach Meinung des polnischen Geschichtswissenschaftlers [[Wojciech Materski]] können die freigegebenen Archivmaterialien die Version bestätigen, wonach VS-Präsident [[Franklin Roosevelt]] von der Unschuld der deutschen [[Wehrmacht]] an der Massenerschießung von Polen gewußt, jedoch öffentlich das Gegenteil behauptet hatte. Roosevelt hatte offensichtlich Angst, daß Stalin die antideutsche Koalition verlassen würde, wenn die Wahrheit bekannt würde.<ref>[http://de.rian.ru/politics/20120824/264257829.html rian.ru: Katyn-Massaker 1940: USA übergeben Archivdokumente an Polen, (24.8.2012)]</ref><ref>[http://rt.com/news/katyn-massacre-documents-usa-816/ WWII massacre: Memos show US cover-up of Stalin’s Katyn slaughter] Bericht von ''Russia Today'' vom 10. September 2012, abgerufen am 12. September 2012</ref>

Weitere Massengräber sowjet-bolschewistischer Verbrechen finden sich in [[Bykownia]] und [[Kuropaty]] mit mindestens einer halben Million verscharrter Leichen.

=== Gefälschte Bildunterschriften ===

Mit der Verbreitung [[Wikipedia]]s nehmen geschichtsfälschende Darstellungen per Bildunterschrift oder Bildbeschreibung auf ''Wikimedia Commons'' (Wikipedias Medienplattform) zu. Dort werden die Bildbeschreibungen gezielt verwendet, um linke Haßpropaganda und geschichtsverfälschende Lügen in Umlauf setzen zu können. Als Beispiel sei hier die vom [[Bundesarchiv]] übernommene falsche Beschreibung eines Bildes zum bolschewistischen Massenmord in Katyn erwähnt:<ref>[http://commons.wikimedia.org/w/index.php?title=File%3ABundesarchiv_Bild_183-J21040%2C_Katyn%2C_%C3%96ffnung_der_Massengr%C3%A4ber%2C_polnische_Rot-Kreuz-Mitarbeiter.jpg&diff=28234157&oldid=16755036 geschichtsverfälschende Bildbeschreibungen in der Wikimedia]</ref>

:''„Im April 1943 starten die deutschen Faschisten die antisowjetische Propaganda über den Massenmord im Katyner Wald, 15 klm nw. von Smolensk, wo sie Massengräber mit ca. 11.000 ermordeten kriegsgefangenen Polen als Greueltaten der Sowjets erklärten. (Die Außerordentliche Staatliche Kommission unter Leitung des Akademikers Burdenko stellte in ihrem Untersuchungsbericht vom 24.01.1944 fest, daß die Ermordungen nicht wie die Faschisten behauptet hatten, im Frühjahr 1940 sondern erst im Herbst 1941, also von den Faschisten selbst, stattgefunden haben.) U.B.z: eine Delegation des polnischen Roten Kreuzes nimmt Einsicht in die bei den Ermordeten gefundenen Papiere, mit denen die deutschen Faschisten den Sowjets die Greueltaten zuschoben. April 1943“''

Drei Tage nach Entfernung dieser Bildbeschreibung wurde sie erneut hinzugefügt.<ref>[http://commons.wikimedia.org/w/index.php?title=File%3ABundesarchiv_Bild_183-J21040%2C_Katyn%2C_%C3%96ffnung_der_Massengr%C3%A4ber%2C_polnische_Rot-Kreuz-Mitarbeiter.jpg&action=historysubmit&diff=28410611&oldid=28234157 wiederholte Einfügung geschichtsverfälschender Bildbeschreibungen in der Wikimedia]</ref>

[[Strobe Talbott]], einer von Brzezińskis langjährigen Kritikern, führte für das [[TIME]]-Magazin ein Interview mit Brzeziński unter dem Titel ''Rechtfertigung eines Hardliners''.<ref>http://content.time.com/time/magazine/article/0,9171,959391,00.html</ref>

1990 warnte Brzeziński vor einer Euphorie wegen des Endes des Kalten Krieges. Er lehnte öffentlich den Einsatz im [[Zweiter Golfkrieg|Zweiten Golfkrieg]] ab, weil die USA so das internationale Wohlwollen verspielte, das es durch den Sieg über die Sowjetunion gewonnen hatte und starken Widerwillen in der gesamten arabischen Welt auslösen könnte. Er führte diese Sicht der Dinge in seinem Werk „Außer Kontrolle“ (1992) weiter aus.

Besonders kritisch sah Brzeziński das Zögern der Regierung [[Bill Clinton]]s, gegen die serbische Armee im Bosnischen Krieg zu intervenieren.<ref>[http://findarticles.com/p/articles/mi_m1571/is_n32_v11/ai_17210365/ Brzezinski on isolation: former National Security Advisor Zbigniew Brezinski warns of the failures of Clinton foreign policy], Insight on the News, 21. August 1995</ref> Er sprach sich auch gegen den ersten Tschetschenienkrieg Russlands aus und bildete das [[American Committee for Peace in Chechnya]]. Beunruhigt über ein mögliches Wiedererstarken Russlands, sah er den Amtsantritt [[Wladimir Wladimirowitsch Putin|Wladimir Putins]] nach [[Boris Nikolajewitsch Jelzin|Boris Jelzin]] mit Misstrauen. Aus diesem Grund wurde er einer der stärksten Befürworter der Erweiterung der NATO.

Er trat auch für die Bombardierung Serbiens 1999 während des [[Kosovo-Krieg]]es ein.<ref>[http://www.charlierose.com/view/interview/4378 A conversation about Kosovo with Zbigniew Brzezinski] Charlie Rose, 25 March 1999</ref>

== Tätigkeiten während der Präsidentschaften Bush II und Obama ==

Nach dem 11. September 2001 wurde Brzeziński für seine Rolle bei der Bildung des Netzwerkes der afghanischen [[Taliban]] kritisiert.

;Krieg gegen den Terror

Brzeziński war ein prominenter Gegner des Kriegs gegen den Terror von [[George W. Bush]]. 2004 schrieb er sein Werk „Die Wahl“ (''The Choice''), die das Thema von ''The Grand Chessboard'' erweiterte, aber Bushs Außenpolitik scharf kritisierte. Er verteidigte das Buch ''[[The Israel Lobby and U.S. Foreign Policy]]'' der Politikwissenschaftler [[John J. Mearsheimer]] und [[Stephen M. Walt]] (2006) und war ein prononcierter Kritiker der Invasion des Irak des Jahres 2003<ref name="YnetSept2007">[http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3449954,00.html Obama advisor raises concerns], Ynet, September 15, 2007.</ref>

;Präsidentschaft Obamas 2007

Im August 2007 unterstützte Brzeziński die Wahl [[Barack Obama]]s. Er stellte fest, Obama erkenne, „dass Amerikas Rolle in der Welt ein neues Gesicht, eine neue Richtung und eine neue Definition braucht“<ref>Alec MacGillis, [http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2007/08/24/AR2007082402127.html Brzezinski Backs Obama], Washington Post, August 25, 2007.</ref> – und bemerkte: „Was mir an Obama gefällt ist, dass er versteht, dass wir in einer völlig anderen Welt leben, in der wir uns auf eine Vielfalt von Menschen und Kulturen einstellen müssen“.<ref>Eric Walberg, [http://weekly.ahram.org.eg/2008/907/in3.htm The real power behind the throne-to-be], Al-Ahram, July 24–30, 2008.</ref>

Im September 2007 präsentierte Obama Brzeziński während einer Rede über den Irakkrieg als „einen unserer bedeutendsten Denker“, aber einige israelfreundliche Kommentatoren stellten seine Kritik an der israelischen Lobby in den USA in Frage.<ref name=YnetSept2007/> In einem Interview im September 2009 mit ''[[The Daily Beast]]'', antwortete Brzeziński auf die Frage, wie nachdrücklich Obama darauf bestehen sollte, dass Israel keinen Luftangriff auf den Iran unternehmen solle, „Wir sind eigentlich keine machtlosen kleinen Babys. Sie müssen über unseren Luftraum im Irak fliegen. Werden wir nur dasitzen und zuschauen?“<ref>Gerald Posner, [http://www.thedailybeast.com/blogs-and-stories/2009-09-18/how-obama-flubbed-his-missile-message/full/ How Obama Flubbed His Missile Message], The Daily Beast, undated.</ref> Dies wurde von einigen Unterstützern Israels als Befürwortung des Abschusses israelischer Flugzeuge durch die USA interpretiert, um einen Angriff auf den Iran zu verhindern.<ref>[http://jta.org/news/article/2009/09/21/1008006/brzezinski-us-must-deny-israel-airspace-to-attack-iran Brzezinski: U.S. must deny Israel airspace], Jewish Telegraphic Agency, September 21, 2009.</ref><ref>Jake Tapper, [http://blogs.abcnews.com/politicalpunch/2009/09/zbig-brzezinski-obama-administration-should-tell-israel-us-will-attack-israeli-jets-if-they-try-to-a.html Zbig Brzezinski: Obama Administration Should Tell Israel U.S. Will Attack Israeli Jets if They Try to Attack Iran], ABC News, September 20, 2009.</ref>

;Militärintervention in Libyen 2011

2011 unterstützte Brzeziński die [[Militärintervention]] in [[Libyen]], wobei er die Nichtintervention als „moralisch zweifelhaft“ und „politisch fragwürdig“ bezeichnete.<ref>[http://www.pbs.org/newshour/bb/world/jan-june11/overview_03-21.html PBS: Turmoil in Arab World: Deepening Divisions or Turning a New Page?]</ref>

;Syrien 2013

In einem Interview mit der Zeitschrift [[The National Interest]] vom 24. Juni 2013 kritisierte Brzezinski die Syrien-Politik Obamas hart: "Ende 2011 brachen die Unruhen in Syrien aus; das war eine Folge der Dürre; zwei despotische Regierungen im Nahen Osten schürten diese Unruhen an, nämlich Saudi-Arabien und Katar. US-Präsident Obama unterstützte daraufhin die Unruhen und kündigte plötzlich an, dass Assad gehen müsse; dafür habe Obama offensichtlich keine Vorbereitungen getroffen....War das eine strategische Politik? Warum wurde plötzlich entschieden, Syrien zu destabilisieren und letztlich die Regierung dort zu stürzen? Wurde die US-amerikanische Bevölkerung darüber aufgeklärt?" Er kritisierte insbesondere den Einsatz der CIA und ihren ehemaligen Direktor [[David Petraeus]].<ref>{{Internetquelle |url=http://nationalinterest.org/commentary/brzezinski-the-syria-crisis-8636 |titel=Brzezinski on the Syria Crisis, An interview with the former national-security adviser on the U.S. role |werk=[[The National Interest]] |datum=2013-06-24 |zugriff=2014-07-08}}</ref><ref>{{Internetquelle |url=http://www.nytimes.com/2013/03/25/world/middleeast/arms-airlift-to-syrian-rebels-expands-with-cia-aid.html |titel=Arms Airlift to Syria Rebels Expands, With Aid From C.I.A. |autor=C. J. Chivers und Eric Schmitt |werk=[[The New York Times]] |datum=2013-03-24 |zugriff=2014-07-08}}</ref>

;Ukraine-Krise 2014

Zbigniew Brzezinski betonte im Februar 2014, "ohne die Ukraine könne Russland nie wieder Supermacht werden. Erst in diesem Kontext wird der erbitterte politische Kampf Russlands um die Ukraine verständlich."<ref>[http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-02/ukraine-klitschko-jazenjuk-berlin ''Was Putin mit der Ukraine vorhat''], Die Zeit, 17. Februar 2014</ref>

Am 3. März 2014, zwischen der Absetzung [[Wiktor Janukowytsch]]s und dem Krim-Referendum, verfasste Brzenzinski einen [[Gastkommentar]] für die Washington Post: „Was ist zu tun? Putins Aggression in der Ukraine braucht eine Antwort“<ref name=brzukr>{{Internetquelle |url=http://www.washingtonpost.com/opinions/zbigniew-brzezinski-after-putins-aggression-in-ukraine-the-west-must-be-ready-to-respond/2014/03/03/25b3f928-a2f5-11e3-84d4-e59b1709222c_story.html |werk=Washington Post |titel=What is to be done? Putin’s aggression in Ukraine needs a response |autor=Zbigniew Brzezinski |datum=2014-03-03 |zugriff=2014-07-08}}</ref> Er verglich Putins „gangsterhafte Taktik“ und „kaum getarnte Invasion“ der Krim mit [[Adolf Hitler]]s Besetzung des [[Sudetenland]]s 1938 und charakterisierte Putin als einen Cartoon-[[Benito Mussolini|Mussolini]], er hielt aber kurz davor zurück, einen Kriegseintritt der USA zu empfehlen. Stattdessen empfahl er, die [[NATO]] solle in Hochalarm versetzt werden und „Kalkulationsfehler verhüten“. Andererseits stellte er ausdrücklich fest, Russland müsse versichert werden, dass der Westen die Ukraine nicht in die NATO hineinziehen oder gegen Russland einstimmen wolle. („The West should reassure Russia that it is not seeking to draw Ukraine into NATO or to turn it against Russia.“) <ref name=brzukr/>

Er nannte die folgende Intervention Russlands in der Ostukraine ebenfalls als "kaum verschleiert".<ref>[http://www.washingtonpost.com/opinions/zbigniew-brzezinski-putins-three-choices-on-ukraine/2014/07/08/ba1e62ae-0620-11e4-a0dd-f2b22a257353_story.html ''Putin’s three choices on Ukraine''], The Washington Post, 8. Juli 2014</ref>

;Pakistan

Als Sicherheitsberater von Jimmy Carter (1977–1981) erwarb Brzeziński sich den Ruf eines „[[Hardliner]]s“ bezüglich seiner Politik gegenüber der [[Sowjetunion]]. Er befürwortete die Unterstützung der [[Fundamentalismus|fundamentalistischen]] [[Mudschahid]]in in [[Pakistan]] und [[Afghanistan]], unter anderem durch massive finanzielle Unterstützung der vom [[Inter-Services Intelligence|pakistanischen Geheimdienst]] geleiteten Trainingslager durch die [[Central Intelligence Agency|CIA]] und den britischen [[Secret Intelligence Service|MI6]].

;China

Brzeziński trieb die Entwicklung politischer Beziehungen zwischen den USA und der [[Volksrepublik China]] voran und befürwortete eine neue Übereinkunft zur [[Aufrüstung|Rüstungskontrolle]] mit Moskau. Außerdem teilte er die Ansicht des Präsidenten, dass die Vereinigten Staaten anstelle von Alleingängen diplomatisch eine Politik der internationalen [[Kooperation]] betreiben sollten.

Seit 2006 tritt Brzeziński als Kritiker der US-Politik gegenüber dem [[Atomprogramm des Iran]] und im [[Irakkrieg]] hervor. Brzeziński ist der Meinung, dass die Strategie der USA gescheitert sei.<ref>{{Internetquelle |url=http://www.zeit.de/2007/03/Brzezinski?page=all |titel=Manche wollen Krieg in Iran |werk=[[Die Zeit]] |datum=2007-01-11 |autor=Kleine-Brockhoff |zugriff=2014-07-08}}</ref>

;Iran

Anfang 2007 warnte er davor, die USA würden einen Vorwand suchen, um gegen den Iran einen Krieg zu initiieren.<ref>[http://www.wsws.org/de/2007/feb2007/brze-f03.shtml Barry Grey:''Zbigniew Brzezinski lässt politische Bombe platzen'', World Socialist Web Site, 3. Februar 2007]</ref>

=== Tittytainment ===

Von ihm soll auch der Begriff des „[[Tittytainment]]“ stammen, der besagt, dass in Zukunft 80 % der – dann arbeitslosen – Weltbevölkerung durch eine moderne Form von Brot und Spielen bei Laune gehalten werden müsse.

=== Persönliches ===

Brzeziński ist mit der tschechisch-amerikanischen Bildhauerin [[Emilie Benes|Emilie Benes Brzezinski|Emilie Anna Benešová]] verheiratet, einer Großnichte des ehem. tschechoslowakischen Staatspräsidenten und Verfasser der [[Beneš-Dekrete]] Nr. 5/1945, Nr. 12/1945, Nr. 33/1945, Nr. 71/1945 und Nr. 108/1945 und Mitgründer der nationalistischen tschechischen anti-[[Österreich-Ungarn|österreichische]]n Separatistenorganisation ''[[Česká maffie]]'' („Maffia“) [[Edvard Beneš]]. Sie haben drei Kinder, Militär Experte [[Ian Brzezinski|Ian Joseph Brzezinski]], [[Mark Brzezinski]]und [[Mika Brzezinski|Mika]]. Mika ist Moderatorin beim US-amerikanischen Nachrichtensender [[MSNBC]]. [[Mark Brzezinski]] ist Diplomat und seit 2011 US-Botschafter in Schweden. [[Ian Brzezinski]] ist Experte für Außenpolitik und Militärfragen. Er war Deputy Assistant Secretary of Defense in der Regierung Bush (2001-2005). Ian ist auch Leiter der [[Brzezinski Group]], LLC in Alexandria, Virginia, einer Beratungsfirma für internationale Kunden im Finanz-, Energie- und Verteidigungssektor.<ref>http://www.linkedin.com/pub/ian-brzezinski/59/509/b37</ref> Der Schriftsteller [[Matthew Brzezinski]] ist Neffe Brzezinskis.

== Brzezińskis Politik während des Afghanistan-Konflikts: die "Russland-Falle" ==

Brzezińskis Politik hatte das Ziel, die radikalen [[Islamismus|islamistischen]] und [[Antikommunismus|antikommunistischen]] Kräfte Afghanistans, also gerade auch die fundamentalistischen [[Mudschahid]]in, zu stärken, um die [[Säkularismus|säkulare]], [[Kommunismus|kommunistisch]] ausgerichtete Regierung zu stürzen.

Seit dem 5. Dezember 1978 hatte die prosowjetische Regierung der [[Demokratische Volkspartei Afghanistans|Demokratischen Volkspartei Afghanistans]] einen „Freundschafts- und Beistandspakt“ mit der Sowjetunion, wonach die afghanische Regierung sowjetische Hilfe in Anspruch nehmen könne, wenn sie in Gefahr ist. Zwischen dem 17. März 1979 und dem 12. Dezember 1979 hatte die Regierung unter dem Staats- und Regierungschef [[Hafizullah Amin]] 21 Mal um Militärhilfe der Sowjetunion gebeten, da sie sich immer mehr von den fundamentalistisch-islamistischen Kräften unter Druck gesetzt sah.

Gemäß der offiziellen US-amerikanischen Version der Geschichte begann die Unterstützung derMudschahidin durch die CIA erst im Laufe des Jahres 1980, also ''nach'' dem Eingreifen der [[Rote Armee|sowjetischen Armee]] in Afghanistan am 24. Dezember 1979. Laut einem Interview Brzezińskis mit der französischen Zeitschrift „Le Nouvel Observateur“ vom Januar 1998 setzte die US-amerikanische Unterstützung der fundamentalistischenMudschahidin dagegen schon am 3. Juli 1979 ein, also fast ein halbes Jahr vor der [[Invasion (Militär)|Invasion]]. Präsident Carter unterschrieb an diesem Tag die erste Direktive für eine geheime Unterstützung der Mudschahidin. Brzezinski bestätigte in seinem Interview die gleichlautende Darstellung des CIA-Präsidenten [[Robert Gates]].<ref>Robert Gates: From the Shadows. The Ultimate Insider's Story of Five Presidents and How They Won the Cold War. Simon & Schuster, New York 1997. ISBN 0-684-81081-6</ref> Brzeziński war bewusst, dass diese Aktionen das Risiko für eine militärische [[Intervention (Politik)|Intervention]] der Sowjets erheblich erhöhen würden.<ref>http://www.counterpunch.org/1998/01/15/how-jimmy-carter-and-i-started-the-mujahideen/ Alexander Cockburn And Jeffrey St. Clair:Zbigniew Brzezinski:How Jimmy Carter and I Started the Mujahideen, Cournterpunch, 15. Januar 1998, abgerufen am 21. Dezember 2014 "Nach der offiziellen Version der Geschichte begann die CIA-Hilfe für die Mudschaheddin im Jahr 1980, das heisst,nachdem die sowjetische Armee in Afghanistan am 24. Dezember 1979 einmarschiert ist. Aber die Realität, heimlich verschwiegen bis heute, war völlig anders: In der Tat, es war am 3. Juli 1979, dass Präsident Carter die erste Direktive für eine geheime Hilfe für die Gegner des pro-sowjetischen Regimes in Kabul unterzeichnete. Und am selben Tag schrieb ich eine Notiz an den Präsidenten, in dem ich ihm erklärte, dass meiner Meinung nach diese Hilfe eine sowjetische Militärintervention auslösen würde."

</ref>

:Zbigniew Brzeziński: „Diese [[verdeckte Operation]] war eine hervorragende Idee. Sie bewirkte, dass die Russen in die afghanische Falle tappten […]. Am Tag, an dem die Russen offiziell die Grenze überschritten, schrieb ich Präsident Carter: Jetzt haben wir die Möglichkeit, der UdSSR ihren Vietnamkrieg zu liefern. Und tatsächlich sah sich Moskau während der folgenden zehn Jahre gezwungen, einen Krieg zu führen, den sich die Regierung nicht leisten konnte, was wiederum die Demoralisierung und schließlich den Zusammenbruch des sowjetischen Herrschaftsgebiets zur Folge hatte“.<ref>http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=9839</ref> (Zitiert nach dem kanadischen [[Globalisierungskritik]]er Prof. [[Michel Chossudovsky]])

== Politikwissenschaftliche Werke ==

=== Totalitäre Diktatur und Autokratie1956 ===

In der Untersuchung „Totalitarian Dictatorship and Autocracy“ entwickelte Brzeziński 1956 zusammen mit [[Carl Joachim Friedrich]] ein für die Politikwissenschaft noch heute wichtiges Modell des [[Totalitarismus]]: Totalitäre Regime seien etwas grundsätzlich Neues und Gleichartiges. Ziel sei die totale Kontrolle, die durch eine alle wichtigen Lebensbereiche umfassende Ideologie gekennzeichnet sei und eine neue Gesellschaft erschaffen wolle. Eine einzige hierarchisch organisierte Partei besitze die gesamte politische Macht und werde von einem Diktator angeführt. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung sei politisch aktiv und hänge der Ideologie wirklich an. Ein Terrorsystem kontrolliere Bevölkerung und Partei. Eine Geheimpolizei bekämpfe tatsächliche und potientielle Feinde. Die Massenkommunikation sei monopolisiert. Die Wirtschaft werde bürokratisch kontrolliert und gelenkt.

=== Zwischen zwei Zeitaltern, Amerikas Rolle in der technetronischen Ära 1970 ===

„Between two ages: America's Role in the Technetronic Era“ (1970) war eine der frühesten Darstellungen des Wandels in Kommunikation und Computertechnik, der später mit dem Begriff Globalisierung verbunden wurde. Brzeziński sagte in diesem Bereich eine Rivalität zwischen den Supermächten voraus. Das System der Sowjetunion sei aber ökonomisch wie politisch zu schwach, um sich an die neue technologische Umwelt anzupassen und werde folglich untergehen. Das „technetronische System“, das in den USA zur Vollendung geführt werde, wird als weltbeherrschend angesehen. Dabei sieht Brzeziński menschheitsgefährdende Entwicklungen voraus.

{{Zitat|Das Technetronische Zeitalter lässt allmählich eine kontrollierte Gesellschaft entstehen. Eine solche Gesellschaft wird von einer hemmungslosen Elite unabhängig von traditionellen Werten geprägt werden. In Kürze wird es möglich sein, jeden Bürger fast ununterbrochen zu überwachen und vollständige Datensammlungen auch mit persönlichen Informationen über jeden Bürger anzulegen und zu aktualisieren. Diese Dateien werden durch die Behörden unmittelbar abrufbar sein.}}

{{Zitat|In der technetronischen Gesellschaft geht die Entwicklung in Richtung einer Aggregation der individuellen Unterstützung von Millionen unkoordinierter Bürger, leicht beeinflussbar durch magnetische und attraktive Persönlichkeiten, die die neuesten Kommunikationstechniken anwenden, um Gefühle zu manipulieren und Gedanken zu kontrollieren.}}

=== Das gescheiterte Experiment: der Untergang des kommunistischen Systems 1989 ===

„The Grand Failure“ (1989) will einen umfassenden Überblick über alle Formen des Kommunismus bieten, konzentriert sich aber auf die Gorbatschow-Ära. Brzeziński sagt voraus, dass Gorbatschows Politik der wirtschaftlichen Dezentralisierung zur Lockerung der sozialen Kontrolle und schließlich zum politischen Pluralismus führen werde. Der Leninismus werde aufgegeben. Die erfolgreiche Pluralisierung der Sowjetunion erscheint Brzezinski aber weniger wahrscheinlich als langwierige innenpolitische Krisen, eine Rückkehr zur [[Leonid Iljitsch Breschnew|Breschnew]]-Stagnation, ein Putsch von Militär oder KGB oder die Zersplitterung der Sowjetunion entlang nationalistischer Linien.

=== Die einzige Weltmacht 1997 ===

In seinem Buch ''[[Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft|Die einzige Weltmacht]]'' (1997) begründet Brzeziński die [[Geopolitik|geopolitische]] Strategie, die die USA als – nach dem [[Geschichte der Sowjetunion#Auflösung der Sowjetunion|Zusammenbruch der Sowjetunion]] – erste, einzige und letzte Weltmacht seiner Meinung nach einschlagen sollten: den eurasischen Kontinent unter ihrer Kontrolle zu halten und rivalisierende Bestrebungen zu verhindern, die die Machtstellung der USA gefährden könnten:<ref>Zbigniew Brzeziński: Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft. 8. Auflage. S. Fischer Verlag, 2004 (übersetzt von Angelika Beck), ISBN 978-3596143580, Einleitung 1997 S.14/15</ref> {{Zitat|Inwieweit die USA ihre globale Vormachtstellung geltend machen können, hängt aber davon ab, wie ein weltweit engagiertes Amerika mit den komplexen Machtverhältnissen auf dem eurasischen Kontinent fertig wird — und ob es dort das Aufkommen einer dominierenden, gegnerischen Macht verhindern kann. (...) US-Amerikanische Politik sollte letzten Endes von der Vision einer besseren Welt getragen sein: der Vision, im Einklang mit langfristigen Trends sowie den fundamentalen Interessen der Menschheit eine auf wirksame Zusammenarbeit beruhende Weltgemeinschaft zu gestalten. Aber bis es soweit ist, lautet das Gebot, keinen eurasischen Herausforderer aufkommen zu lassen, der den eurasischen Kontinent unter seine Herrschaft bringen und damit auch für Amerika eine Bedrohung darstellen könnte. Ziel dieses Buches ist es deshalb, im Hinblick auf Eurasien eine umfassende und in sich geschlossene Geostrategie zu entwerfen.}}

[[Datei:Weltweite militärische Präsenz der Vereinigten Staaten.png|mini|Die weltweite militärische Präsenz der Vereinigten Staaten stellt einen Faktor für ihren Status als Supermacht dar.]]

Brzeziński sieht den Status der USA nicht als erstrebenswertes Ziel, sondern als Faktum. Dieser Zustand wird durch verschiedene Faktoren wie die weltweite Militärpräsenz, das wirtschaftliche Potential, den technologischen Vorsprung sowie eine weltweite Affinität zur amerikanischen Kultur dargestellt. Diesen Vorsprung gelte es – allerdings nicht als Selbstzweck – zu wahren, um die globale Stabilität zu erhalten. Das Ziel sollte sein, mögliche Konkurrenten so lange auf Distanz zu halten, bis ein weltweites Regelwerk etabliert und institutionalisiert ist und bevor die eigene Macht im Schwinden begriffen sein wird. Letztendlich werden die Vereinigten Staaten die „letzte und einzige wirkliche Supermacht“ gewesen sein.<ref name="RezFAZ">{{Internetquelle| autor=Volker Rühe|url=http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/2.1715/rezension-sachbuch-stabilitaet-durch-ein-neues-gleichgewicht-11316072.html| titel=Stabilität durch ein neues Gleichgewicht| werk=Frankfurter Allgemeine Zeitung| datum=1997-11-06| zugriff=2013-12-11}}</ref>

Hauptschauplatz der Auseinandersetzungen wird Brzezińskis Meinung nach [[Eurasien]] sein. Alle potentiellen Herausforderer der USA kämen aus dem Raum zwischen [[Lissabon]] und [[Wladiwostok]]. Einen großen Teil des Buches nimmt eine umfassende Analyse der Region ein.<ref name="RezFAZ"/>

Daraus entwickelt er verschiedene Handlungsempfehlungen für die Vereinigten Staaten. So soll eine deutsch-französische Führungsrolle in der [[Europäische Union|Europäischen Union]] gefördert werden, um deren [[EU-Erweiterung 2004|Erweiterung]] zu festigen. [[Russland]] solle ermutigt werden, seine eigene Rolle eindeutig im Sinne einer demokratischen und westlichen Orientierung zu definieren. Dadurch soll eine [[Balkanisierung]] in Zentralasien verhindert und ein verstärktes Sicherheits- und Stabilitätsbewusstsein in der Region etabliert werden. Außerdem müsse mit der [[Volksrepublik China]] ein Konsens gefunden werden, der nicht zu Lasten [[Japan]]s geht, das Brzeziński als hauptsächlichen Verbündeten – aber nicht als Regionalmacht – sieht.<ref name="RezFAZ"/>

[[Volker Rühe]] sieht in seiner Rezension das Ziel Brzezińskis darin, ein weltweites Regelwerk zu etablieren und zu institutionalisieren, bevor die eigene Macht im Schwinden begriffen ist.<ref name="RezFAZ" />

=== Die zweite Chance 2007 ===

In „[[Second Chance: Three Presidents and the Crisis of American Superpower]]“ schreibt Brzeziński über die vorhergehenden 15 Jahre der US-amerikanischen Außenpolitik, in denen die USA, aus dem Kalten Krieg als Sieger hervorgegangen, die einzige Supermacht war. Er stellt dar, wie die letzten drei Präsidenten, [[George H. W. Bush]], [[Bill Clinton]] und [[George W. Bush]] ihre Führungsrolle verwirklichten und ihre Macht als Führer einer unangreifbaren Weltmacht ausübten. Das Buch beginnt mit einem Abriss der Geschichte des Kalten Kriegs. Der Sturz des sowjetischen Systems wird nicht als das Werk allein [[Ronald Reagan]]s betrachtet, sondern als Ergebnis der Politik dreier Präsidenten im Zusammenhang internationaler Ereignisse.

Er unterscheidet in seiner Darstellung zwei Sichtweisen der Welt, die der Globalisierungsbefürworter und die der Neokonservativen.

In den drei ersten Kapiteln stellt er die Präsidenten und ihr außenpolitisches Team vor. Er erörtert die Ereignisse und Menschen, die die Außenpolitik formten. Dabei stellt er drei Hauptfaktoren in den Mittelpunkt: die Atlantische Allianz, die Nichtverbreitung von Atomwaffen und den Palästinakonflikt. Daneben diskutiert er die Umweltpolitik, den entstehenden südamerikanischen Nationalismus und den Aufstieg Chinas und Indiens.

In den Kapiteln „Die Erbsünde“ (Bush I), „Die Ohnmacht guter Absichten“ (Clinton) und „Katastrophaler Führungsstil“ (Bush II) vergleicht er die Präsidenten und ihre Entscheidungen.

Er kritisiert Bush I und Clinton und bewertet sie ähnlich negativ, aber mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Er ist am strengsten mit der Regierung Bush II, besonders hinsichtlich der Behandlung der Allianz, des Mittleren Ostens und der Umweltpolitik.

Im Kapitel „Nach 2008“ fordert Brzeziński, dass der kommende Präsident die Atlantische Allianz stärken müsse. Er müsse den Lobbyismus reformieren, Führungsstärke im Nahen Osten beweisen, in erster Linie gegenüber Israel, den Konsens in der Umweltpolitik stärken und eine Strategie für China als entstehende Weltmacht und Machtfaktor im Nahen Osten formulieren.

Er spricht die Warnung aus, dass die USA nach 2008 zwar eine zweite Chance bekommen würden, dass es danach aber zweifellos keine dritte Chance geben werde.

=== Strategic Vision: America and the Crisis of Global Power 2012 ===

In „[[Strategic Vision: America and the Crisis of Global Power]]“ stellt Brzezinski seine geopolitische Vision für die USA vor, mit der sie die Herausforderungen der geänderten weltpolitischen Lage bewältigen kann, die durch Machtdiffusion gekennzeichnet ist. In vier Kapiteln setzt Brzezinski sich mit vier Fragenkomplexen auseinander:

1. Welche Konsequenzen hat die Machtverlagerung vom Westen nach Osten und wie wird dies von der neuen Tatsache einer politisch wachen Menschheit beeinflusst?

2. Warum sinkt die Attraktivität der USA in der Welt? Wie verhängnisvoll sind die Symptome des inneren und internationalen Niedergangs der USA? Wie kam es dazu, dass die USA ihre einzigartigen Möglichkeiten nach dem friedlichen Ende des Kalten Kriegs vergeudet hat? Welche Kraft zur Erneuerung hat die USA und welche Neuorientierung der Geopolitik ist notwendig, um Amerikas Rolle in der Welt wieder mit neuem Leben zu erfüllen?

3. Was wären die wahrscheinlichen geopolitischen Folgen eines weiteren Niedergangs der USA bis 2025? Wer wären die beinahe unmittelbaren Opfer? Welche Auswirkungen hätte dies auf die Probleme im Weltmaßstab im 21. Jahrhundert? Könnte China bis 2025 die beherrschende Rolle der USA in der Weltpolitik übernehmen?

4. Welche langfristigen geopolitischen Ziele sollte sich eine wiedererstarkende USA für die Zeit nach 2025 setzen? Wie könnte die USA mit den traditionellen europäischen Alliierten die Türkei und Russland einbeziehen, um einen noch größeren und stärkeren Westen aufzubauen? Wie könnte die USA gleichzeitig im Osten ein Gleichgewicht zwischen dem Bedürfnis nach engerer Zusammenarbeit mit China erreichen und der Tatsache, dass eine konstruktive Politik weder chinazentriert sein sollte noch Verwicklungen in Konflikte Asiens nach sich ziehen sollte?

== Vergleich mit Henry Kissinger ==

Brzezinski wird oft mit [[Henry Kissinger]] verglichen. Unterschiede zeigen sich hauptsächlich in der Phase des Kalten Krieges. Während Kissinger eher eine Status-quo-Politik verfolgte und eine Machtbalance anstrebte, wollte Brzezinski das sowjetische System unterminieren, dem er aufgrund der kommunistischen Ideologie und Unfreiheit keine inhärente Stabilität zutraute. Daher trat Brzezinski für die Einhaltung der Menschenrechte ein und unterstützten Dissidenten, während Kissinger dies eher für destabilisierend hielt. Brzezinski hatte als Experte für die Sowjetunion stärkeren Einblick in die Schwächen des kommunistischen Systems und erkannte die nationalistischen Spannungen hinter der Einheitsfassade. Mit seiner Unterstützung für die polnische Gewerkschaftsbewegung nutzte er diese Spannungen und verstärkte sie, was schließlich zum Auseinanderbrechen der Sowjetunion führte.<ref>Shlomo Avineri, Vorwort in Zbig, the man who cracked the-Kremlin</ref>

== Ehrungen ==

[[Datei:Zbigniew Brzezinski gru2010.jpg|mini|links|160px|Brzeziński 2010]]

1963 wählte ihn die [[United States Chamber of Commerce|US-Handelskammer]] zu einem von Amerikas zehn hervorragendsten Männern (''One of America’s Ten Outstanding Men''). 1969 wurde er Ehrenmitglied der „American Academy of Arts and Sciences“. 1981 erhielt er die [[Presidential Medal of Freedom]] für seine Rolle bei der Normalisierung des politischen Verhältnisses zwischen der [[Volksrepublik China]] und den USA sowie für seinen Beitrag zu den [[Menschenrechte]]n und zur nationalen Sicherheitspolitik der Vereinigten Staaten. Für seine Beiträge zur Wiedererlangung der [[Unabhängigkeit (Politik)|Unabhängigkeit]] Polens erhielt er 1995 den „[[Orden vom Weißen Adler]]“, Polens höchste zivile Auszeichnung. 1998 wurde er Ehrenbürger von Lemberg, 2002 [[Liste der Ehrenbürger von Danzig|von Danzig]] und 2003 [[Ehrenbürger von Vilnius|von Vilnius]].

Akademische Ehrendoktorwürden empfing er von den Hochschulen [[Georgetown University]], Williams College, Fordham University, College of Holy Cross, Alliance College, the Catholic University of Dublin und der [[Universität Warschau]].

Weitere Auszeichnungen sind die „Centennial Medal of the Graduate School of Arts and Sciences“ der Harvard University, der „Hubert Humphry Award for Public Service“ der American Political Science Association und der „U Thant Award“. Darüber hinaus ist Brzeziński Ehrenmitglied diverser Stiftungen, darunter der [[Solomon R. Guggenheim Foundation|Guggenheim-Stiftung]] und der [[Ford Foundation|Ford-Stiftung]].

== Schriften ==

* ''Between two ages: America´s Role in the Technetronic Eara.'' The Viking Press, New York 1970, ISBN 978-0140043143.

* ''Power and Principle: Memoirs of the National Security Adviser 1977–1981.'' Farrar, New York 1983.

* ''The Grand Failure: The Birth and Death of Communism in the Twentieth Century.'' Ch. Scribner, New York 1989, ISBN 0-684-19034-6 (deutsch: ''Das gescheiterte Experiment: Der Untergang des kommunistischen Systems.'' Ueberreuter-Sachbuch, Wien 1989, ISBN 3-8000-3320-8).

* ''Out of Control: Global Turmoil on the Eve of the 21st Century'', Charles Scribner's Sons, New York 1993, ISBN 0-684-19630-1.

* ''The Grand Chessboard: American Primacy and Its Geostrategic Imperatives''. Basic Books, New York 1997, ISBN 0-465-02725-3 (deutsch: ''[[Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft|Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft.]]'' Beltz Quadriga, Weinheim 1997, ISBN 3-88679-303-6).

* ''The Choice: Global Domination or Global Leadership.'' Basic Books, New York 2004, ISBN 0-465-00801-1.

* ''Strategic Vision: America and the Crisis of Global Power.'' Basic Books, New York 2012, ISBN 978-0-465-02954-9.

== Literatur ==

* Sabine Feiner: ''Weltordnung durch US-Leadership? : die Konzeption Zbigniew K. Brzezinskis'', Wiesbaden : Westdeutscher Verlag 2000, ISBN 3-531-13521-X.

* Hauke Ritz: [http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2012/juli/warum-der-westen-russland-braucht Warum der Westen Russland braucht - Die erstaunliche Wandlung des Zbigniew Brzezinski] In: ''Blätter für deutsche und internationale Politik'', 07/2012, S. 89-98.

* {{Munzinger|00000010170|Zbigniew Brzezinski||in: ''Internationales Biographisches Archiv'' 02/2003 vom 30. Dezember 2002}}

* Zbig: The Strategy and Statecraft of Zbigniew Brzezinski, herausgegeben von Charles Gati, Johns Hopkins University Press, 2013. EAN: 9781421409764

* Zbig: The Man Who Cracked the Kremlin von Andrzej Lubowski, Open Road Distribution 2013. ISBN 9781480461307

* {{Buch|Autor=|Autor2=|Herausgeber=Auswärtiges Amt|Titel=Amtliches Material zum Massenmord von Katyn|Band=|Verlag=Deutscher Verlag|Verlagsort=Berlin|Jahr=1943|Auflage=|Auflage-Kommentar=|Seite=|ISBN=|Google_ID=|Archive=|PDF=|HTML=http://katyn.ru/index.php?go=Pages&in=view&id=831&page=0}}

*''Der Massenmord im Walde von Katyn — Ein Tatsachenbericht auf Grund amtlicher Unterlagen''

*Fritz Becker: ''Stalins Blutspur durch Europa, Partner des Westens 1933-45'' ([http://www.versandbuchhandelscriptorium.com/angebot/1517stal.html Klappentext])

*Thymian Bussemer: ''Das internationale Rote Kreuz und die NS-Kriegspropaganda: der Fall Katyn.'' In: Vorgänge. Jg. 39/2000, H. 3, S. 81–89

*John P. Fox: ''Der Fall Katyn und die Propaganda des NS-Regimes.'' In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. (30) 1982, S. 462–499

*Gerd Kaiser: ''Katyn. Das Staatsverbrechen — das Staatsgeheimnis.'' Aufbau Taschenbuchverlag, Berlin 2002, ISBN 3746680786. – Fortführung der Arbeit Madajczyks unter Einbeziehung weiterer Quellen aus russischen Archiven. ([http://www.versandbuchhandelscriptorium.com/angebot/0378katy.html Klappentext])

*[[Josef Mackiewicz]]: ''Katyn — ungesühntes Verbrechen''. Zürich 1949 / Frankfurt a.M. 1983

*Czeslaw Madajczyk: ''Die Okkupationspolitik Nazideutschlands in Polen 1939–1945.'' Köln 1988.

*Czeslaw Madajczyk: ''Das Drama von Katyn.'' Dietz Verlag 1991, ISBN 3320016687. – Die erste wissenschaftliche Arbeit über Katyn durch den bedeutenden polnischen Historiker.

*George Sanford: ''The Katyn Massacre and Polish-Soviet Relations, 1941–43.'' In: Journal of Contemporary History 41/2006, S. 95–111.

*Manfred Vasold: Katyn. In: [[Wolfgang Benz]]: ''Legenden, Lügen, Vorurteile.'' München, dtv 1995, S.115ff.

*Victor Zaslavsky: ''Klassensäuberung. Das Massaker von Katyn.'' Aus dem Italienischen von Rita Seuss; Wagenbach Verlag, 2007

* Franz Kadell: ''Die Katyn-Lüge, Geschichte einer Manipulation, Fakten, Dokumente und Zeugen'' ([http://www.versandbuchhandelscriptorium.com/angebot/2612katy.html Klappentext])

* [[Mark Weber]], [http://www.ihr.org/other/goebbels2011weber.html ''Goebbels and World War II Propaganda'']

== Weblinks ==

{{Commonscat}}

{{Wikiquote|Zbigniew Brzezinski|Zbigniew Brzeziński|lang=en}}

* {{DNB-Portal|118516442}}

* [http://www.stern.de/politik/ausland/560430.html Interview mit Zbigniew Brzeziński: „Ein nuklearer Iran wäre nicht gefährlicher als Israel“]

*[http://verbotenesarchiv.wordpress.com/2012/11/18/streng-geheim-massaker-von-katyn-archive-belegen-dass-die-usa-die-udssr-deckten/ Streng geheim – Massaker von Katyn: Archive belegen, daß die USA die UdSSR deckten] Artikel von Tancrède Lenormand (13. September 2012)

*[http://globalfire.tv/nj/05de/zeitgeschichte/katyn_luege.htm Die Katyn-Lüge]

*[http://globalfire.tv/nj/07de/zeitgeschichte/katyn_luege.htm Das Reich des Bösen ist dort, wo Lüge und Menschenverachtung herrschen]

*[http://katyn.org.au/naziphotos.html Fotos vom Massenmord]

*[http://web.archive.org/web/20080516002732/http://histor.ws/seppdepp/047.htm Sepp Depp: Sowjetisches Massaker an polnischen Kriegsgefangenen, Katynwald 1940]

*[[Leo Thenn]]: [http://www.die-wahrheit-fuer-deutschland.de/OffBfSschmidt.htm Offener Brief an Altkanzler Helmut Schmidt]

{{Umerziehungsliteratur|

*[http://www.zeithistorische-forschungen.de/site/40209108/default.aspx Weber, Claudia: „Too closely identified with Dr. Goebbels“. Die Massenerschießungen von Katyn in der Geschichte des Zweiten Weltkriegs und des Kalten Kriegs. In: Zeithistorische Forschungen. Heft 1 (2011).]

== Einzelnachweise ==

<references/>

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{{Personendaten

|NAME=Brzeziński, Zbigniew

|ALTERNATIVNAMEN=Brzeziński, Zbigniew Kazimierz (vollständiger Name)

|KURZBESCHREIBUNG=polnisch-US-amerikanischer Politikwissenschaftler

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[[Datei:MSC 2014 Brzezinski Kleinschmidt MSC2014.jpg|mini|Zbigniew Brzeziński (2014)]]

'''Zbigniew Kazimierz Brzeziński''' ({{Audio|Zbigniew Brzeziński audio.ogg|anhören}}) [{{IPA|bʐɛˈʑĩski}}] (* [[28. März]] [[1928]] in [[Warschau]]) ist ein [[Polen|polnisch]]-[[Vereinigte Staaten|US-amerikanischer]] [[Politikwissenschaft]]ler und zählt mit [[Henry Kissinger]] und [[Samuel Phillips Huntington]] (2008 verstorben) zu den [[graue Eminenz|grauen Eminenzen]] unter den US-amerikanischen [[Geopolitik|Globalstrategen]].<ref>[http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/USA/nach-bush.html Die Welt als Schachbrett – Der neue Kalte Krieg des Obama-Beraters Zbigniew Brzezinski]</ref> Er war 1966-1968 Berater [[Lyndon B. Johnson]]s und von 1977 bis 1981 [[Nationaler Sicherheitsberater (Vereinigte Staaten)|Sicherheitsberater]] von US-Präsident [[Jimmy Carter]]. Sein Einfluss auf die Außenpolitik [[Barack Obama]]s ist umstritten. Er ist Professor für [[Außenpolitik der Vereinigten Staaten|US-amerikanische Außenpolitik]] an der [[Paul H. Nitze School of Advanced International Studies|School of Advanced International Studies (SAIS)]] der [[Johns Hopkins University]] in [[Washington, D.C.]], Berater am „[[Center for Strategic and International Studies|Zentrum für Strategische und Internationale Studien]]“ (CSIS) in Washington, D.C.<ref>http://csis.org/about-us/counselors</ref> und Autor renommierter politischer Analysen. Daneben betätigt er sich als Berater für mehrere große US-amerikanische und internationale Unternehmen.

Brzezinski gehört zur [[Realismus (Internationale Beziehungen)|realistischen Schule der Internationalen Politik]] und steht [[Geopolitik|geopolitisch]] in der Tradition [[Halford Mackinder]]s und [[Nicholas J. Spykman]]s.<ref>Sabine Feiner: Weltordnung durch US-Leadership? Die Konzeption Zbigniew K. Brzezinskis. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2001</ref><ref>http://globalengage.org/attachments/771_seiple_dissertation.pdf</ref> Parteipolitisch steht er eher den Demokraten nahe und wird oft gegen seinen konservativen „Rivalen“ Kissinger abgegrenzt, obwohl die Gemeinsamkeiten größer sind als die Unterschiede.<ref>Charles Gati: The Strategy And Statecraft of Zbigniew Brzezinski, 2013</ref>

== Leben ==

=== Herkunft und frühe Jahre ===

Brzeziński wurde 1928 in Warschau als Sohn des polnischen [[Diplomat]]en [[Tadeusz Brzeziński]] und Leonia Roman in Warschau geboren. Seine Familie, die zum polnischen Adel gehört, stammte aus [[Brzezany]] in [[Galizien]] in der [[Woiwodschaft]] [[Tarnopol]], später Ost-Polen, heute in der Ukraine. Der Name der Stadt Brzezany ist der Ursprung des Familiennamens.

Tadeusz Brzeziński war von 1931 bis 1935 in Deutschland eingesetzt. Von 1936 bis 1938 arbeitete er in der Sowjetunion während der Großen Säuberungen [[Josef Stalin]]s. 1938 wurde er nach Kanada versetzt. Wegen der [[Jalta-Konferenz]], die Polen der sowjetischen Einflusssphäre zusprach, konnte die Familie nicht sicher in ihre Heimat zurückkehren. Der Zweite Weltkrieg hatte eine nachdrückliche Wirkung auf Brzeziński, der in einem Interview feststellte, dass die außergewöhnliche Brutalität gegenüber den Polen seine Auffassung der Welt geprägt habe. Diese Erfahrung habe ihn für die Tatsache sensibilisiert, dass Weltpolitik zum großen Teil ein grundlegender Kampf ist.<ref>https://www.youtube.com/watch?v=03ApSE6mgHE</ref>

Zbigniew Brzeziński verbrachte einen Teil seiner Kindheit mit der Familie in [[Lille]] (Frankreich), [[Leipzig]] und [[Charkiw]] in der [[Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik|Ukrainischen SSR]], bevor er mit seiner Familie nach [[Montreal]] in [[Kanada]] zog.

=== Wachsender Einfluss ===

Nach dem Besuch der [[Loyola High School (Montreal)|Loyola High School]] in Montreal <ref>{{Cite news|first=Kristian |last=Gravenor |title=Zbigniew Brzezinski's Montreal recollections |url=http://coolopolis.blogspot.com/2007/02/zbigniew-brzezinskis-montreal.html |work=Coolopolis |date=2007-02-13 |accessdate=2008-08-22 }}</ref> studierte er 1945 an der [[McGill University]], um seinen Bachelor- und Master-Abschluss zu erwerben, die er 1949 und 1950 erhielt. Seine [[Master-Thesis]] untersuchte die unterschiedlichen Ethnien innerhalb der Sowjetunion.<ref name="masters">{{cite news|title="Agenda for constructive American-Chinese dialogue huge": Brzezinski |url=http://english.people.com.cn/200603/20/eng20060320_251953.html |first=Tang |last=Yong |newspaper=People's Daily Online |date=2006-03-20 |accessdate=2010-12-30}}</ref>

Brzezińskis Plan, in Großbritannien ein Studium zur Vorbereitung einer diplomatischen Karriere in Kanada aufzunehmen, schied aus, teilweise weil nur britische Staatsbürger stipendienberechtigt waren. Brzeziński promovierte daraufhin an der [[Harvard University]] bei [[Merle Fainsod]]. Seine Dissertation untersuchte die Sowjetunion und die Zusammenhänge von [[Oktoberrevolution]], [[Wladimir Iljitsch Lenin|Lenins]] Staatsmodell und der Politik [[Joseph Stalin]]s. 1953 wurde Brzeziński promoviert.

Im selben Jahr reiste er nach München und traf [[Jan Nowak-Jeziorański]], den Leiter der polnischen Abteilung von [[Radio Free Europe]].

Später arbeitete er auch mit [[Carl Joachim Friedrich|Carl J. Friedrich]] zusammen, um ein Konzept von [[Totalitarismus]] zu entwickeln. Dies half ihm 1956, die sowjetische Politik genauer und wirkungsvoller darzustellen und zu kritisieren.<ref>Gati (2013) p 208</ref>

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Für Hintergrundinformationen:

* [[Polen]]

* [[Aufstand vom Dezember 1970 in Polen]]

* [[Ungarn-Aufstand]].

</div>

Als Harvard Professor kritisierte er [[Dwight D. Eisenhower]]s und [[John Foster Dulles]]' Politik des [[Rollback-Politik|Rollback]]: Der Antagonismus werde Osteuropa stärker zur Sowjetunion drängen.<ref>Gati (2013) p xxi</ref> Der [[Aufstand vom Dezember 1970 in Polen]] mit dem [[Polnischer Oktober|Polnischen Oktober]] und der [[Ungarischer Volksaufstand|Ungarische Volksaufstand]] im Jahre 1956 bestätigten Brzezińskis Vorstellung von einer graduellen Abschwächung der sowjetischen Vorherrschaft durch die Osteuropäer. 1957 besuchte er Polen zum ersten Mal seit seiner Kindheit. Der Besuch bestätigte sein Urteil über die tiefen Spaltungen innerhalb des [[Ostblock]]s. Er entwickelte hieraus sein Programm des „peaceful engagement“.<ref>Gati (2013) p xxi</ref>, worunter er einen friedlichen Wettbewerb um Einfluss in Osteuropa verstand, den er gegen das sowjetische Verständnis „friedlicher Koexistenz“ abgrenzte.<ref>http://jhupressblog.com/2013/08/27/weighing-zbigniew-brzezinskis-legacy/</ref>

1958 wurde er US-amerikanischer Staatsbürger. Trotz jahrzehntelangen Aufenthalts in Kanada und der dortigen Anwesenheit von Familienmitgliedern wurde er niemals kanadischer Staatsbürger.

Als Brzeziński 1959 keinen Lehrstuhl in Harvard bekam, zog er nach New York City, um an der [[Columbia University]] zu lehren.<ref>Gati (2013) p 208 </ref> Hier schrieb er sein Werk ''Soviet Bloc: Unity and Conflict'', das Osteuropa seit Beginn des [[Kalter Krieg|Kalten Krieges]] thematisierte. Er war auch Hochschullehrer der zukünftigen [[Außenminister der Vereinigten Staaten|US-Außenministerin]] [[Madeleine Albright]], die wie seine Ehefrau tschechischer Abstammung ist. Er war auch Albrights Mentor während ihrer frühen Jahre in Washington.<ref>{{cite book|last=Albright | first=Madeleine |title=[[Madam Secretary]] |publisher=Hyperion |year=2003 |pages=57 }}</ref> Er wurde Mitglied des [[Council on Foreign Relations]] in New York und trat der [[Bilderberg-Konferenz]] bei.<ref>Gati (2013) p 12</ref>

Während der Präsidentenwahl 1960 war Brzeziński Berater im Wahlkampfteam [[John F. Kennedy]]s. Er drängte auf eine nicht-antagonistische Politik gegenüber osteuropäischen Regierungen. Angesichts der politischen und ökonomischen Stagnation sah er den folgenden Zerfall der Sowjetunion entlang ethnischer Bruchlinien zutreffend voraus, womit er den Ansatz seiner Master-Thesis weiter ausbaute.<ref name="masters" />

Brzeziński unterstützte die [[Entspannungspolitik]] während der folgenden Jahre. Er publizierte seine Programmschrift „Peaceful Engagement in Eastern Europe“ in ''[[Foreign Affairs]]'',<ref>{{cite journal| first=Zbigniew | last=Brzezinski | first2=William | last2=Griffith | title=Peaceful Engagement in Eastern Europe | journal=Foreign Affairs | volume=39 | issue=4 | date=Spring 1961 | pages=647}}</ref> und unterstützte eine nicht-antagonistische Politik nach der [[Kubakrise]]. Er begründete dies damit, dass diese Politik den osteuropäischen Ländern die Angst vor einem aggressiven Deutschland nehmen und außerdem Westeuropäer besänftigen könnte, die sich wegen möglicher Kompromisse der Supermächte im Sinne der [[Konferenz von Jalta]] Sorgen machten.

1964 unterstützte Brzeziński [[Lyndon B. Johnson]]s „[[Great Society|Great-Society]]“-Programm und die Gesetzesvorschläge der [[Bürgerrechtsbewegung]], während er andererseits nach [[Nikita Sergejewitsch Chruschtschow|Chruschtschows]] erzwungenem Rücktritt den völligen Verlust an Kreativität auf Seiten der politischen Führung der Sowjetunion konstatierte. Durch Vermittlung von [[Jan Nowak-Jeziorański]] traf Brzeziński mit [[Adam Michnik]] zusammen, dem damaligen Kommunisten und zukünftigen Aktivisten der polnischen Gewerkschaftsbewegung.

Brzeziński unterstützte Verbindungen mit den osteuropäischen Regierungen, warnte dabei aber vor [[Charles de Gaulle|De Gaulle]]s Vision eines „Europa vom [[Atlantik]] bis zum [[Ural]]“. Er befürwortete den [[Vietnamkrieg]]. 1966 bis 1968 diente Brzeziński als Mitglied des Planungsstabes des [[State Department]]s. Präsident Johnsons Rede zum Thema „Bridge Building“ vom 7. Oktober 1966 war das Ergebnis von Brzezińskis Einfluss.

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Für historische Hintergrundinformationen:

* [[Sechstagekrieg]]

* [[Prager Frühling]]

* [[Sozialismus]]

* [[Tet-Offensive]]

</div>

Die Ereignisse in der [[Tschechoslowakei]] verstärkten Brzezińskis kritische Einstellung zur aggressiven Haltung der Republikaner gegenüber osteuropäischen Regierungen. Seine Dienste für die Regierung Lyndon B. Johnsons während des Vietnamkrieges machte ihn zum Feind der US-amerikanischen [[Neue Linke|Neuen Linken]], obwohl er die Deeskalation des US-amerikanischen Militäreinsatzes befürwortete.

1968 unterstützte Brzeziński als Vorsitzender der außenpolitischen Arbeitsgruppe [[Hubert H. Humphrey]]s den Wahlkampf der Demokraten. Er riet Humphrey, mit einigen Punkten von Präsident Johnsons Programm zu brechen, insbesondere in der Vietnam-Frage, hinsichtlich des Nahen Ostens und der Beziehungen zur Sowjetunion.

Brzeziński forderte eine gesamteuropäische Konferenz. Diese Idee verwirklichte sich schließlich 1973 mit der [[KSZE]].<ref>Zbigniew Brzezinski: ''„Détente in the ‘70s“'' In: ''The New Republic'', 3. Januar 1970, S. 18</ref> In der Zwischenzeit wurde er zum führenden Kritiker von [[Richard Nixon|Nixons]] und [[Henry Kissinger|Kissingers]] Entspannungskonzept, ebenso wie von [[George McGovern|McGoverns]] [[Pazifismus]].<ref>Zbigniew Brzezinski, ''„Meeting Moscow's Limited Coexistence“'' In: ''The New Leader'', 51:24, 16. Dezember 1968, S. 11–13</ref>

1970 schrieb er in seinem Werk „Zwischen zwei Zeitaltern: Amerikas Rolle in der Technetronischen Ära“ (''Between Two Ages: America's Role in the Technetronic Era''), dass eine koordinierte Politik unter den Industrieländern nötig sei, um der globalen Instabilität zu begegnen, die aus der zunehmenden ökonomischen Ungleichheit entstehe. Von dieser Forderung ausgehend, gründete Brzeziński auf Initiative von [[David Rockefeller]] die [[Trilaterale Kommission]], deren Direktor er von 1973 bis 1976 wurde. Die Trilaterale Kommission ist eine Gruppe prominenter Politiker, Geschäftsleute und Universitätslehrer, hauptsächlich aus den USA, Westeuropa und Japan. Ihr Ziel war die Stärkung der Beziehungen zwischen den drei höchstentwickelten Ländern der kapitalistischen Welt. Brzeziński schlug den Gouverneur von [[Georgia]], [[Jimmy Carter]], als Mitglied vor. Brzezinski kehrte 1981 zur ''Kommission'' zurück und hatte bis 2009 eine tragende Rolle inne.<ref>[http://www.trilateral.org/go.cfm?do=Page.View&pid=9#1 Founding Members der Trilateralen Kommission]</ref>

=== Berater der Regierung Carter ===

[[Datei:Brzezinski 1977.jpg|mini|Brzeziński als Regierungsberater 1977]]

[[Jimmy Carter]] kündigte seine Kandidatur für 1976 an und bezeichnete sich selbst als „eager student“ von Brzeziński.<ref>{{cite journal | last=Brauer | first=Carl | date=1988-11-01 | title=Lost In Transition | url=http://www.theatlantic.com/magazine/archive/1988/11/lost-in-transition/307120/ | journal=The Atlantic | location=Washington, D.C. | publisher=Atlantic Media | accessdate=2014-03-27}}</ref>

Brzeziński wurde 1975 Carters wichtigster Ratgeber in außenpolitischen Fragen. Er wurde ein dezidierter Kritiker der Außenpolitik Nixons und Kissingers, die zu sehr auf Entspannungspolitik setzten, die der Sowjetunion genehm war. Er setzte statt dessen mehr auf die [[Strategic Arms Limitation Talks]], und betonte die [[Menschenrechte]], das [[Völkerrecht]] und friedliche Maßnahmen in Osteuropa. Brzeziński wurde als Antwort der Demokraten auf den republikanisch orientierten Henry Kissinger betrachtet<ref>John Maclean, „Advisers Key to Foreign Policy Views“, ''The Boston Evening Globe'' (October 5, 1976)</ref> Carter griff Ford in Debatten dadurch an, dass er die trilaterale Vision mit Fords Entspannungskonzept verglich.<ref>{{cite book|last=Vaughan | first=Patrick G. |editor-first=Leopoldo| editor-last=Nuti |title=The Crisis of Détente in Europe: From Helsinki to Gorbachev, 1975–1985 |publisher=Taylor & Francis |year=2008 |pages=11–25 |chapter=Zbigniew Brzezinski and the Helsinki Final Act |isbn=0-415-46051-4}}</ref>

Nach seinem Sieg im Jahre 1976 machte Carter Brzeziński zum Sicherheitsberater. Im selben Jahr waren in Polen größere Arbeitskämpfe ausgebrochen, die die Grundlage für die polnische Gewerkschaftsbewegung [[Solidarnosc]] bildeten. Brzeziński begann mit der Betonung der Menschenrechte in der [[Schlussakte von Helsinki]], die kurze Zeit später die [[Charta 77]] der [[Tschechoslowakei]] inspirierte<ref>Michael Getler, ''„Dissidents Challenge Prague – Tension Builds Following Demand for Freedom and Democracy“'' In: ''[[The Washington Post]]'', 21. Januar 1977</ref>

Brzeziński war an der Abfassung von Teilen der Regierungsansprache zum Amtsantritt Carters beteiligt, was seiner Absicht entsprach, den Dissidenten in der Sowjetunion eine positive Botschaft zu senden.<ref>Zbigniew Brzezinski, ''Power and Principle: Memoirs of the National Security Adviser, 1977–1981'' (New York, 1983), p. 123.</ref> Die Sowjetunion wie auch führende Politiker Westeuropas klagten, diese Art von Rhetorik widerspreche dem „Code der Entspannung“, den Nixon und Kissinger etabliert hatten.<ref>Seyom Brown, ''Faces of Power'' (New York, 1983), p. 539.</ref><ref>„Giscard, Schmidt on Détente“, ''The Washington Post'' (July 19, 1977).</ref>

Brzeziński wandte sich gegen Mitglieder der [[Demokratische Partei (Vereinigte Staaten)|Demokratischen Partei]], die seine Auffassung von Entspannung ablehnten, zu denen der Außenminister [[Cyrus Vance]] gehörte. Vance sprach sich für eine verminderte Betonung der Menschenrechte aus, um die Zustimmung der Sowjetunion zu den [[Strategic Arms Limitation Talks]] (SALT) zu gewinnen, während Brzeziński beides zur gleichen Zeit erreichen wollte. Brzeziński ordnete an, dass [[Radio Free Europe]] Leistung und Reichweite seines Programms erweitern solle, was eine provokante Umkehrung der Politik Nixons und Kissingers war.<ref>David Binder, ''„Carter Requests Funds for Big Increase in Broadcasts to Soviet Bloc“'' In: ''The New York Times'', 23. März 1977</ref> [[Helmut Schmidt]] lehnte Brzezińskis Pläne ab, er forderte sogar die Entfernung von Radio Free Europe von deutschem Boden.<ref>Brzezinski, ''Power and Principle'', p. 293.</ref>

Das State Department war von Brzezińskis Unterstützung für ostdeutsche Dissidenten beunruhigt und lehnte seinen Vorschlag ab, dass Carters erster Besuch jenseits des Atlantiks Polen gelten sollte. Carter und er besuchten [[Warschau]], sie trafen mit [[Kardinal]] [[Stefan Wyszynski]] zusammen (gegen die Bedenken des US-Botschafters in Polen). Dabei erkannten sie die Römisch-katholische Kirche als legitime Opposition gegen die kommunistische Herrschaft in Polen an.<ref>David A. Andelman, „Brzezinski and Mrs. Carter Hold Discussion with Polish Cardinal“, ''The New York Times'' (December 29, 1977).</ref>

1978 waren Brzeziński und Vance immer uneiniger hinsichtlich der Richtung der Außenpolitik Carters. Vance wollte den Stil der Entspannungspolitik von Nixon und Kissinger weiterführen, wobei der Schwerpunkt auf der Abrüstung liegen sollte. Brzeziński glaubte, dass die Entspannungspolitik die Sowjetunion in [[Angola]] und im Nahen Osten ermuntert habe. Deshalb befürwortete er die Steigerung der militärischer Stärke und eine Betonung der Menschenrechte. Vance, das State Department und die Medien kritisierten Brzeziński öffentlich dafür, dass er den Kalten Krieg wieder aufleben lassen wolle.

Brzeziński riet Carter 1978, sich der [[Volksrepublik China]] zuzuwenden und reiste nach Peking, um die Grundlage für die Normalisierung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu legen. Dies führte zu einer Lockerung der Bindungen an den langjährigen antikommunistischen Alliierten, die [[Republik China auf Taiwan]].

<div class="toccolours" style="float:right;width:175px;margin:10px;padding:10px">Historischer Hindergrund:

* [[Islamische Revolution]];

* [[Afghanistan]]

* [[Solidarnosc]]

</div>

1979 war das Jahr zweier großer, strategisch bedeutsamer Ereignisse: die Entmachtung des befreundeten Schahs des Iran [[Mohammad Reza Pahlavi]] und die sowjetische Invasion in Afghanistan. Die [[Islamische Revolution]] löste die Krise der iranischen Geiselnahme aus, die während Carters restlicher Amtszeit andauerte. Brzeziński sah die Invasion in Afghanistan voraus und schuf mit der Unterstützung [[Saudi-Arabien]]s, Pakistans, und der Volksrepublik China eine Strategie, um den Einfluss der Sowjetunion zu unterminieren. In dieser Atmosphäre der Unsicherheit führte er die USA zu einer neuen Aufrüstungsbemühung und der Entwicklung der schnellen Eingreiftruppen. Beide politischen Maßnahmen werden heute eher mit Ronald Reagan in Verbindung gebracht.

Brzeziński arbeitete unter der „lame duck“-Präsidentschaft Carters, aber ermutigt durch die Tatsache, dass die polnische Gewerkschaft seinen Stil der Auseinandersetzung mit Osteuropa bestätigt hatte, nahm er einen kompromisslosen Standpunkt gegenüber einer kurz bevorzustehen scheinenden Invasion Polens ein. Er telefonierte um Mitternacht mit Papst [[Johannes Paul II.]], dessen Besuch in Polen 1979 der Entstehung der Gewerkschaftsbewegung vorangegangen war, und warnte ihn vor. Diese Haltung der USA war ein deutlicher Wandel im Vergleich zu den früheren Reaktionen auf die sowjetischen Unterdrückungsmaßnahmen in Ungarn 1956 und in der Tschechoslowakei 1968.

1981 zeichnete President Carter Brzeziński mit der [[Presidential Medal of Freedom]] aus.

=== Tätigkeit während der Regierungen Reagan, Bush I und Clinton ===

Brzeziński war nach seiner Amtszeit besorgt wegen der inneren Spaltung der Demokratischen Partei. Seiner Meinung nach war der pazifistische („dovish“) Flügel um [[George McGovern]] dafür verantwortlich, dass die Demokraten dauerhaft zur Minorität würden.

Sein Verhältnis zur Regierung [[Ronald Reagan]]s war gemischt. Einerseits unterstützte er sie als Alternative zum Pazifismus der Demokraten, andererseits kritisierte er sie wegen übertriebener Schwarzweißmalerei bei der Beurteilung außenpolitischer Themen.

Er blieb weiter beteiligt an den Vorgängen in Polen, kritisierte 1981 die Einführung des Kriegsrechts, vor allem aber die Schicksalsergebenheit Westeuropas im Namen der Stabilität. Brzeziński beriet 1987 US-Vizepräsident [[George H. W. Bush|George Bush]] vor seiner Polenreise, die das Wiederaufleben der Gewerkschaftsbewegung unterstützte.

Während der Regierung Ronald Reagans war er 1985 Mitglied der [[Chemical warfare|Chemical Warfare]]-Kommission des Präsidenten. Von 1987 bis 1988 war er im Nationalen Sicherheitsrat des Verteidigungsministeriums in einer Kommission für „Integrierte Langzeitstrategie“ tätig. Von 1987 bis 1989 arbeitete er als Berater für das [[President's Foreign Intelligence Advisory Board]] (PIAB) das „… den Präsidenten hinsichtlich Qualität und Korrektheit der Nachrichtengewinnung berät, hinsichtlich Analyse und Einschätzungen, Spionageabwehr und anderen nachrichtendienstlichen Tätigkeiten.“<ref>[http://www.whitehouse.gov/administration/eop/piab PIAB Official Website.]</ref>

1988 war Brzeziński stellvertretender Vorsitzender der [[National Security Advisory Task Force]] George Bushs und unterstützte Bushs Präsidentschaft, was einen Bruch mit den Demokraten bedeutete. Brzeziński publizierte im selben Jahr sein Werk „Die große Niederlage“ (''The Grand Failure''), in dem er den Fehlschlag von [[Michail Sergejewitsch Gorbatschow|Michail Gorbatschows]] Reformen und das Auseinanderbrechen der Sowjetunion in den folgenden Jahrzehnten voraussagte. Er führte aus, dass es fünf Möglichkeiten für die zukünftige Entwicklung der Sowjetunion gebe: erfolgreiche Pluralisierung, anhaltende Krise, neue Stagnation, Staatsstreich durch KGB oder Militär oder den Zusammenbruch des kommunistischen Regimes. Er hielt den Zusammenbruch in dieser Phase der Entwicklung für weit unwahrscheinlicher als eine anhaltende Krise. Er prognostizierte, dass die Wahrscheinlichkeit, dass 2017 in der Sowjetunion weiterhin der Kommunismus existieren werde, nur bei etwas mehr als 50 % liege, und dass das Ende, wenn es käme, sehr wahrscheinlich turbulent ausfallen würde.

Schließlich kollabierte das System 1991 nach Moskaus scharfem Vorgehen gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen Litauens, dem Krieg um [[Bergkarabach]] in den späten 1980er Jahren sowie dem vereinzelten Blutvergießen in anderen Republiken. Dieses Ergebnis war weniger gewaltsam zustande gekommen, als Brzeziński und andere Beobachter erwartet hatten.

1989 gelang es den Kommunisten nicht, ihre Unterstützung in Polen zu mobilisieren, woraufhin die Gewerkschaft die Wahlen mit überwältigender Mehrheit gewann.

== Aufklärer der Verantwortlichen des [[Massaker von Katyn]] ==

Sein Neffe [[Matthew Brzezinski]] ist der bekannte Hintergrund Analyst von [[Benjamin Ferencz]], [[USSR1]] and [[USSR54]] nach dem [[Massaker von Katyn]] zum [[Einsatzgruppen-Prozess]].

Ausgehend von dem 1937 entwickelten Erstickungskammer [[Vergasungsauto (Duschegubka)]] vom Chef der [[NKWD-Wirtschaftsabteilung]] [[People's Commissariat for Internal Affairs Economy Department]] im Bezirk Moskau - [[Isaj Davidowitsch Berg]] - für den Entschädigungprozess Wiedergutmachung Wiederaufnahmeprozess der geschädigten [[Russki Fords]] Nachfolge Unternehmen Missbrauch Opfer Vertreter - aufgrund der [[USSR1]] und [[USSR54]] [[Trial Of The Major War Criminals Before The International Military Tribunal]],Band39, Nürenberg1949, <ref>http://www.loc.gov/rr/frd/Military_Law/pdf/NT_Vol-XXXIX.pdf</ref> Seite 261 und 290-332 Verantwortlichen um [[Alexej Tolstoi]], Nikolai Nilowitsch [[Burdenko]], [[Lev Nikolaevich Smirnov]] <ref>http://encyclopedia2.thefreedictionary.com/Lev+Smirnov</ref> und [[Ilja Grigorjewitsch Ehrenburg]] -

nach dem [[Massaker von Katyn]] - basierend auf dem Memo von [[Lawrenti Beria]] (Lavrenti Pavles dze Beria) an und unterschrieben auf der ersten Seite<ref>http://en.wikipedia.org/wiki/File:Katyn_-_decision_of_massacre_p1.jpg</ref> <ref>[[:en:File:Katyn - decision of massacre p1.jpg]]</ref> von Beria's Antragsurkunde von [[Josef Stalin]] aka [[Ioseb Besarionis Dze Jugashvili]] aka [[Staatsbank des Russischen Reiches]] <ref>http://en.wikipedia.org/wiki/State_Bank_of_the_Russian_Empire</ref> Geldtransport [[Überfall auf die Bank von Tiflis]] vom 26. Juni 1907 Operation Codename [[Kochba]] -

für die Exekution von über 15000 polnischen Offizieren und über 10000 Intellektuellen im [[Wald von Katyn]] und an anderen Plätzen in derSowjet Union unter Aufsicht des [[Kommissiar für Transporte in der Sowjet Union]] - [[Lasar Moissejewitsch Kaganowitsch]]<ref>http://russiapedia.rt.com/prominent-russians/leaders/lazar-kaganovich</ref> - der DAFÜR WAR gemäss ergänzender Seite zwei [[Datei:Katyn - decision of massacre p2.jpg|mini|Notatka Ławrentina Berii do Józefa Stalina z propozycją wymordowania polskich jeńców - kolorowy skan z oryginalnego dokumentu]], drei [[Datei:Katyn - decision of massacre p3.jpg|mini|Notatka Ławrentina Berii do Józefa Stalina z propozycją wymordowania polskich jeńców - kolorowy skan z oryginalnego dokumentu.]]> und vier [[Datei:Katyn - decision of massacre p4.jpg|mini|Notatka Ławrentina Berii do Józefa Stalina z propozycją wymordowania polskich jeńców - kolorowy skan z oryginalnego dokumentu.]] -

berichtete [[Matthew Brzezinski]] in seinem Dossier über umfangreiche Zitate des als Hauptankläger im [[Einsatzgruppen-Prozess]] fungierenden Juden [[Benjamin Ferencz]] zu Geständnissen die unter Folter erlangt wurden:<ref>{{Netzverweis|Netzpräsenz=Washingon Post|Datum=24. Juli 2005|Autor=Matthew Brzezinski|Seitentitel=Giving Hitler Hell, S. 5|WebCite=|Abgerufen=|URL=http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2005/07/21/AR2005072101680_5.html|Zitat=I once saw DPs beat an SS man and then strap him to the steel gurney of a crematorium. They slid him in the oven, turned on the heat and took him back out. Beat him again, and put him back in until he was burnt alive. I did nothing to stop it. I suppose I could have brandished my weapon or shot in the air, but I was not inclined to do so. Does that make me an accomplice to murder?}}</ref>

:''„Einmal sah ich, wie ehemalige Häftlinge einen SS-Mann schlugen und ihn dann mit Riemen an der Stahlbahre eines Krematoriumofens festbanden. Sie schoben ihn hinein, heizten den Ofen und zogen ihn wieder hinaus. Dann schlugen sie ihn wieder und schoben ihn zurück in den Ofen, bis er bei lebendigem Leibe verbrannte. Ich tat nichts, um sie zu stoppen. Ich glaube, ich hätte mit meiner Waffe schwingen oder einen Schuß in die Luft abgeben können, aber ich war nicht geneigt, dies zu tun. Macht mich das zu einem Mordkomplizen?“''

Ferenzi, der später einer der Gründer des [[Internationaler Strafgerichtshof|Internationalen Gerichtshofes]] wurde, rechtfertigt sich damit, daß damals unter den Militärgesetzen vieles möglich war, das es heute nicht mehr wäre. Als ein weiteres Beispiel dafür, wie er Geständnisse erlangte, gab er an:<ref>{{Netzverweis|Netzpräsenz=Washingon Post|Datum=24. Juli 2005|Autor=Matthew Brzezinski|Seitentitel=Giving Hitler Hell, S. 5|WebCite=|Abgerufen=|URL=http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2005/07/21/AR2005072101680_5.html|Zitat=I'd go into a village where, say, an American pilot had parachuted and been beaten to death and line everyone one up against the wall. Then I'd say, 'Anyone who lies will be shot on the spot.' It never occurred to me that statements taken under duress would be invalid.}}</ref>

:''„Ich würde in ein Dorf gehen, wo, sagen wir, ein amerikanischer Pilot mit dem Fallschirm abgesprungen war und zu Tode geschlagen wurde, und reihte alle an einer Wand auf. Dann würde ich sagen: ‚Wer lügt, wird auf der Stelle erschossen.‘ Es kam mir nie in den Sinn, daß unter Zwang gemachte Aussagen ungültig sein könnten.“''

Am 5. März 1940 unterzeichneten die Mitglieder des Politbüros der [[KPdSU]] – [[Stalin]], [[Molotow]], [[Kaganowitsch, Lasar Moissejewitsch|Kaganowitsch]], [[Woroschilow]], [[Anastas Iwanowitsch Mikojan|Mikojan]], [[Beria]] und [[Kalinin]] – den Befehl zur Exekution von „Nationalisten und konterrevolutionären Aktivisten” in den besetzten Gebieten. Diese weite Definition ermöglichte es, neben Offizieren, Soldaten und Reservisten auch ca. 10.000 polnische Intellektuelle und Polizisten zu massakrieren. Erfaßt wurden schließlich etwa 25.700 Polen, einschließlich der Kriegsgefangenen.

Vom 3. April bis zum 19. Mai 1940 ermordete der sowjetische Geheimdienst NKWD<ref>Polen gedenkt der Opfer des Katyn-Massakers - „Die ''1940 in Katyn vom sowjetischen Geheimdienst NKWD ermordet wurden''“, Deutschlandradio Kultur, 10. November 2007</ref> 14.552 Gefangene: die größten Opfergruppen in Katyn, 6.311 aus dem Lager [[Ostaschkow]], 4.421 Mann aus [[Kozielsk]], 3.982 aus [[Starobielsk]], die in [[Charkow]] massakriert wurden sowie eine Gruppe aus dem [[Kriegsgefangenenlager]] auf einer Insel im Seligersee, in der Nähe von [[Twer]]. Die Leichen der Opfer aus Kozielsk wurden ebenfalls im Wald von Katyn vergraben.

[[Datei:Dezember_1941_-_Anders,Sikorski,Stalin.jpg|framed|right|Dezember 1941: [[Władysław Anders]], [[Władysław Sikorski]],<br/> [[Josef Stalin]]]]

Nach dem Beginn des [[Rußlandfeldzug]]es 1941 unterzeichnete der polnische Exilpräsident Sikorski am 4. Juli mit dem sowjetischen Botschafter [[Iwan Majski]] ein Abkommen über die Bildung einer polnischen Armee im Osten ([[Sikorski-Majski-Abkommen]]). Dank diesem sollte angeblich die Sowjetregierung eine Amnestie für Polen erlassen, die zwischen 1939 und 1941 in die Sowjetunion deportiert worden waren. Dazu kam es jedoch nicht. Hierzu heißt es im Gesprächsprotokoll eines Treffens im Kreml am 3. Dezember 1941:<ref>[http://katyncrime.pl/Aus,einem,Gespr%C3%A4chsprotokoll,im,Kreml,392.html vgl.: katyncrime.pl]</ref>

:General [[Władysław Sikorski]]: ''„Ich muß Ihnen mitteilen, Herr Präsident, daß Ihre Amnestieverlautbarung nicht befolgt wird. Viele unserer Leute, und zwar die wertvollsten, befinden sich heute noch in Arbeitslagern und Gefängnissen.“

:[[Stalin]] (notiert): ''„Das ist unmöglich, die Amnestie betraf doch alle, und alle Polen wurden freigelassen.“

:General Władysław Sikorski: ''„Ich habe hier eine Liste mit den Namen von etwa 4.000 Offizieren, die gewaltsam deportiert wurden und die sich gegenwärtig noch in Gefängnissen und Arbeitslagern befinden. [...] Diese Leute sind hier. Keiner von ihnen ist zurückgekehrt.“

:Stalin: ''„Das ist unmöglich. Sie werden geflohen sein.“

:General [[Władysław Anders]]: ''„Wohin hätten sie denn fliehen können?“

:Stalin: ''„Na, vielleicht in die Mandschurei.“

=== Entdeckung des Massakers ===

Im Februar 1943 entdeckten Wehrmachtssoldaten, namentlich von Gersdorff als I c in der Stabsabteilung der [[Heeresgruppe Mitte]], im Wald von Kozy Gory bei Katyn Massengräber mit den Leichen tausender polnischer Offiziere, die nach Aussagen der einheimischen Bevölkerung im Frühjahr 1940 ermordet worden waren.

Die [[Großdeutscher Rundfunk|reichsdeutschen Rundfunkmeldungen]] vom 13. April 1943 über die Funde veranlaßten die Polnische Exilregierung in London, eine internationale Untersuchung durch das [[Internationales Komitee vom Roten Kreuz|Internationale Komitee vom Roten Kreuz]] ([[IKRK]]) in [[Genf]] zu beantragen. Gegen dieses Vorhaben wehrte sich das Sowjet-Regime heftig und brach unter dem Vorwurf einer „Komplizenschaft mit [[Adolf Hitler|Hitler]]” jeden Kontakt zu polnischen Exilanten ab, was auch die sogenannte „Anti-Hitler-Koalition” belastete. Bis dahin hatte die polnische Exilregierung nicht eine Antwort auf ca. 50 offizielle Anfragen zum Verbleib ihrer Militärgefangenen erhalten.

=== Untersuchungen Anfang 1943 ===

{{Bildausschnitt|Breite=250|Bildbreite=260|Bild:Bundesarchiv Bild 183-J21040, Katyn, Öffnung der Massengräber, polnische Rot-Kreuz-Mitarbeiter.jpg|Öffnung der Massengräber bei Katyn im April 1943 in Anwesenheit polnischer Rot-Kreuz-Mitarbeiter}}

Den Fall Katyn nutzte die deutsche Regierung für ihre Propaganda gegen die Sowjetunion. Berlin veranstaltete direkt nach dem Fund eine öffentliche Exhumierung durch eine kompetente internationale Untersuchungskommission von 12 namhaften Gerichtsmedizinern, darunter Vertreter der polnischen Exilanten und des polnischen Roten Kreuzes. Diese Kommission aus Gerichtsmedizinern aus elf europäischen Staaten (Belgien, Bulgarien, Finnland, Frankreich, Italien, Kroatien, Niederlande, Rumänien, Schweden, Slowakei, Ungarn) begutachtete zwischen dem 28. und 30. April 1943 die bereits aufgedeckten Massengräber und grub exemplarisch weitere Leichen aus dem Boden, auch um das Todesdatum zweifelsfrei festzustellen.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz hatte aufgrund der Proteste der Sowjetunion seine Mitarbeit verweigert.

In einem gemeinsamen Beschluß veröffentlichte die Kommission ihre Expertise zum Todesdatum, in der sie u.a. zum übereinstimmenden und unwidersprochenen Schluß kam, daß selbiges aufgrund der Feststellungen der Gerichtsmediziner und der bei den Leichen gefundenen Papiere und Briefe, die alle zum selben Zeitpunkt abbrachen, im Frühjahr 1940 gelegen haben muß.

Der Deutsche Verlag publizierte 1943 die Ergebnisse als amtliches Gutachten. Darin heißt es:

:''„Die Leichen wiesen als Todesursache ausschließlich Genickschüsse auf. Aus den Zeugenaussagen, den bei den Leichen gefundenen Briefschaften, Tagebüchern, Zeitungen usw. ergibt sich, daß die Erschießungen in den Monaten März und April 1940 stattgefunden haben. (...)”''

Weil sich die Massengräber auf einem Gebiet befanden, das von Frühjahr 1940 bis Juni 1941 von der Sowjetunion besetzt war, war die Täterschaft für alle an der Untersuchung Beteiligten klar.

International wurde das Ansehen des Kriegsgegners Sowjetunion dadurch geschwächt. Im Rahmen der Besatzungspolitik in den polnischen Gebieten sollte dem lokalen Widerstand klargemacht werden, daß die Sowjetunion als Bündnispartner ausschied und es sollte der eigenen Bevölkerung die Bestialität des [[Bolschewismus]] weiter vor Augen geführt werden.

<gallery widths="400" heights="300" perrow="3">

Bild:Saarbrücker Zeitung vom 4. Mai 1943, S. 1 - Katyn.jpg|<center>Die Saarbrücker Zeitung vom 4. Mai 1943(!)</center>

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Polens Exilregierung hatte am 14. April 1943 von General [[Stefan Rowecki]], später auch von Sozialfürsorgedirektor Edmund Seyfried, dem Kriegsgefangenen Stefan Mossor und PCK-Delegationsleiter Kazimierz Skarżyński zunehmend exakte, unabhängig von den Deutschen erstellte Berichte aus Katyn erhalten. Sie nannten die deutsche Opferzahl von über 10.000 übertrieben, überschätzten sie anfangs aber ihrerseits auf 8.000.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 172.</ref> Gerichtsmediziner Marian Wodziński stellte die bis 3. Juni 1943 ermittelten Fakten und Indizien fest:

* 4.143 Personen seien in Reihen mit dem Gesicht nach unten in acht, davon sieben benachbarten Massengräbern, bestattet worden.

* Laut mitgetragenen Impfzeugnissen und Tagebuchnotizen handle es sich um polnische Offiziere aus dem Lager Koselsk.

* Die meisten Opfer seien anhand der bei ihnen gefundenen Gegenstände identifizierbar.

* Ihr Transportweg von Koselsk über Smolensk und Gnjosdowo bis zum Wald von Katyn sei aus ihren Notizen, besonders denen von ''Adam Solski'', klar ersichtlich.

* Die winterlichen Holzschuhe der Toten in Grab 1 gegenüber den Sommeruniformen derer in Grab 8, Zeitungsausschnitte und Tagebuchnotizen belegten, dass die Gräber zwischen Mitte März und Anfang Mai 1940 angelegt und gefüllt worden seien.

* Russische Zeugen (''Parfeon Kiseljow'', ''Sacharow'') hätten damals Ankünfte polnischer Offiziere in Gnjosdowo beobachtet und Schreie und Schüsse im Wald gehört.

* Nahegelegene, etwa fünf bis 15 Jahre ältere Gräber mit auf dieselbe Weise erschossenen Russen belegten einen seit langem genutzten Hinrichtungsort.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 176–181.</ref>

Hinzu kamen die Ergebnisse des Suchbüros von General Anders mit Namenslisten der Vermissten, Berichte von überlebenden polnischen Offizieren über die drei Lager, die dortigen Verhöre, über Auflösung und Abtransport sowie Beobachtungen von schwedischen und spanischen Journalisten, die Katyn 1943 besuchen durften, und Protokolle der sowjetischen Antworten auf polnische Nachfragen.

Eine im Dezember 1944 in London gegründete Kommission trug diese Informationen zusammen. Ihr Bericht vermied eine Schuldzuweisung, legte aber anhand der präzise dargestellten Fakten die NKWD-Täterschaft nahe. Henryk Szymański übergab eine Frühfassung davon am 30. April 1943 an das [[Counter Intelligence Corps]] der USA und im Nürnberger Prozess 1946 an Verteidiger Otto Stahmer und Hauptankläger [[Robert H. Jackson]]. 1948 erschien eine erweiterte Fassung in London, die als vielfach übersetztes und neu aufgelegtes „Polnisches Weißbuch“ zur Hauptquelle der historischen Forschung wurde.<ref name="Claudia Weber" />

Auch Owen O’Malley, britischer Botschafter bei Polens Exilregierung, sammelte Aussagen derer, die Katyn 1943 inspiziert hatten. In seinem Bericht vom 24. Mai 1943 warnte er Außenminister [[Anthony Eden]]: Die sowjetische Täterschaft sei fast unbezweifelbar, und ihr Verschweigen könne die Berufung des Westens auf moralische Werte untergraben. Großbritanniens Regierung hielt ihr Wissen jedoch geheim, um die Allianz mit der Sowjetunion nicht zu gefährden, und hinderte bis zum Kriegsende auch die Exilpolen daran, es zu veröffentlichen. Das wurde 1972 nach Freigabe von Akten des ''Foreign Office'' bekannt.<ref>Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: A Crime Without Punishment.'' 2008, [http://books.google.de/books?id=SyimWfkx0-MC&pg=PA333 S. 333.]; [http://www.time.com/time/magazine/article/0,9171,877879,00.html ''Poland: Death in Katyn Forest.''] In: ''Time.'' 17. Juli 1972.</ref>

In den USA fragten Journalisten bis 1945 kaum nach den Tätern von Katyn, sondern nur nach den Folgen für das Kriegsbündnis. Nur William L. Wight betonte in einem Aufsatz, die Winterkleidung der Opfer, die sie auch nach sowjetischer Darstellung trugen, widerspreche dem angeblichen Todeszeitpunkt im Sommer 1941. Ferner sei unerklärlich, dass die Sowjetunion vor der deutschen Invasion jahrelang nichts über den Aufenthaltsort der vermissten Polen gewusst haben wollte. Ihre vorgelegten Beweise für die deutsche Schuld ließen nur eine Frage offen: Wenn die Deutschen die Polen 1941 gefangen hätten, warum habe die Sowjetunion die polnische Exilregierung dann nicht sofort darüber informiert?<ref>William L. Wight: ''Report on the Russians.'' The Reader’s Digest, Dezember 1944/ Januar 1945.</ref> Das Medienecho darauf war negativ, da die meisten US-Bürger den Krieg bald beenden und keinen neuen Konflikt mit der Sowjetunion wollten.<ref>Louis Robert Coatney: [http://www.ibiblio.org/pub/academic/history/marshall/military/wwii/special.studies/katyn.massacre/katynlrc.txt ''The Katyn Massacre: An Assessment of its Significance as a public and historical issue in the United States and Great Britain, 1940–1993.''] Dezember 1993.</ref>

=== General Sikorski verlangt Untersuchung und wird ermordet ===

[[Datei:Wladyslaw Sikorski 2.jpg|miniatur|hochkant|Władysław Eugeniusz Sikorski, Chef der polnischen Exilregierung, um 1942]]

Polens Exilregierung hatte am 25. Februar 1943 erklärt, sie werde keine Veränderungen ihrer Ostgrenze nach dem Krieg akzeptieren. Nach der deutschen Bekanntgabe des Massakers bei Katyn suchte sie keine Kontakte mehr zu Vertretern der Sowjetunion; auch die Westalliierten blieben zunächst passiv.

Das fast zeitgleiche Eintreffen der Anträge Polens und Deutschlands beim IKRK nutzte Stalin für seine Ziele: Er warf Polens Exilregierung ein abgestimmtes Vorgehen mit den Deutschen gegen die Sowjetunion vor und verlangte am 24. April 1943 ultimativ, ihre Forderung nach sowjetischer Aufklärung des Massakers von Katyn zurückzunehmen und die Deutschen dafür verantwortlich zu machen. Um die Anti-Hitler-Koalition zu bewahren, drängte der britische Premier [[Winston Churchill]] General Sikorski, auf die öffentliche Aufklärung zu verzichten. Dieser erklärte sich dazu bereit, Polens Antrag beim IKRK zurückzuziehen. Obwohl Churchill dies Stalin am selben Tag übermittelte, brach Stalin am 25. April 1943 die Beziehungen zur polnischen Exilregierung ab. Damit isolierte er diese in der Anti-Hitler-Koalition und stellte die Weichen für ein kommunistisches Nachkriegspolen ohne Rücksicht auf westliche Interessen.<ref>Jochen Laufer: ''Pax Sovietica: Stalin, die Westmächte und die deutsche Frage 1941–1945.'' 2009, ISBN 978-3-412-20416-7, [http://books.google.de/books?id=dtquTqysvqgC&pg=PA309 S. 309.]</ref>

Daraufhin einigten sich die seit Oktober 1939 entstandenen polnischen Widerstandsgruppen wie auch die Vertreter vier demokratischer Exilparteien rasch auf das gemeinsame Nachkriegsziel eines nichtkommunistischen, unabhängigen Polens mit der im Frieden von Riga 1921 vereinbarten Ostgrenze. Im August 1943 schlossen sie eine Zusammenarbeit mit der Sowjetunion, den polnischen Kommunisten und rechtsnationalen Parteien Polens aus. Dagegen bildeten polnische Kommunisten den [[Związek Patriotów Polskich|Bund Polnischer Patrioten]], den Stalin nun als politischen Partner für ein Nachkriegspolen zwischen Oder und [[Curzon-Linie]] unterstützte.<ref>Klaus Zernack: ''Polen und Rußland. Zwei Wege in der europäischen Geschichte.'' Propyläen, 1994, ISBN 3-549-05471-8, S. 455–457.</ref>

Seit [[Władysław Sikorski|General Sikorski]] bei einem Flugzeugabsturz am 4. Juli 1943 starb, wurde ein Attentat auf ihn wegen seiner beharrlichen Forderung nach Aufklärung des Verbrechens von Katyn vermutet.<ref>George Sanford: ''Katyn and the Soviet massacre of 1940: truth, justice and memory.'' 2005, S. 193; Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: A Crime Without Punishment.'' 2008, S. 495.</ref> Nach einer 2008 im Auftrag Polens durchgeführten gerichtsmedizinischen Untersuchung seiner exhumierten Leiche starb er an den durch den Absturz verursachten inneren Verletzungen. Der Bericht ließ offen, ob die Notlandung das Ergebnis von Sabotage gewesen oder durch den Piloten gezielt herbeigeführt worden ist.<ref>[http://www.faz.net/artikel/C30189/doch-ein-mord-aus-staatsraeson-30496127.html Rainer Blasius (FAZ, 2. September 2011): ''Doch ein Mord aus Staatsräson? Rolf Hochhuth soll polnischer Staatsanwältin helfen, den Tod von General Sikorski aufzuklären.'']</ref> Der Verdacht richtet sich sowohl gegen den sowjetischen Diktator Josef Stalin als auch gegen den damaligen britischen Premier Winston Churchill. Es lag im Interesse Großbritanniens, die [[Anti-Hitler-Koalition|britisch-sowjetische Kriegsallianz]] aufrechtzuerhalten und einen deutsch-sowjetischen Separatfrieden zu verhindern.

Seit 1948 erschienen polnischsprachige Berichte über Katyn in den USA. 1949 bat Charles Rozmarek, Präsident des 1944 gegründeten ''Polish American Congress'', den US-Botschafter der [[Vereinte Nationen|UNO]] [[Warren Austin]] vergeblich, dort eine unparteiische Untersuchung des Massakers zu verlangen. Der Journalist [[Julius Epstein (Autor)|Julius Epstein]] erreichte mit einem Artikel über Katyn, dass der Abgeordnete [[Ray J. Madden]] im September 1949 im [[Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten]] eine neue Untersuchung des Massakers durch das IKRK beantragte. Erst nach Berichten, dass US-Soldaten im [[Koreakrieg]] wie die Mordopfer von Katyn mit Genickschüssen exekutiert worden seien, stimmte eine Mehrheit für Maddens Resolution.<ref>Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: A Crime Without Punishment.'' 2008, [http://books.google.de/books?id=SyimWfkx0-MC&pg=PA235 S. 235.]–237.</ref>

Eine daraufhin eingesetzte Kommission unter [[Arthur Bliss Lane]] sollte die Verantwortlichen für das Massaker feststellen und klären, ob US-Regierungsbeamte Akten dazu unterdrückt hatten. Sie befragte 81 Zeugen, darunter Überlebende aus den NKWD-Lagern und fünf Gerichtsmediziner der Katyn-Kommission von 1943, untersuchte hunderte Fundstücke aus den Gräbern und über 100 eingereichte schriftliche Aussagen. Die US-Regierung bat die Sowjetunion um Teilnahme und Übergabe von Dokumenten. Diese lehnte dies als beleidigende Provokation ab und übersandte nur den Burdenko-Bericht. Der Abschlussbericht vom 22. Dezember 1952 bekräftigte, dass die Beweislage für sowjetische Täter eindeutig sei. Viele, auch bundesdeutsche, Medienberichte machten sich diese Darstellung zu eigen.<ref>{{Der Spiegel |ID=21048446 |Titel=Katyn – ein Verbrechen der Sowjets |Jahr=1952 |Nr=1 |Datum=1952-01-02 |Seiten=17-19}} [http://www.zeit.de/1952/34/zeitspiegel Die Zeit Nr. 34, 21. August 1952: ''Zeitspiegel''].</ref>

Der Bericht kritisierte in der damaligen [[McCarthy-Ära]] politisches Versagen der früheren US-Regierung: Mit Rücksicht auf das Kriegsbündnis und den erwünschten Aufbau einer Armee von Exilpolen auf sowjetischem Boden habe US-Präsident Roosevelt keinen Druck auf die Sowjetunion ausgeübt, den Verbleib der polnischen Offiziere aufzuklären, und selbst nicht an ihre Schuld geglaubt. Die Sowjetunion habe das Massaker bereits im Blick auf die Nachkriegszeit verübt, da die polnische Militärelite den Aufbau eines kommunistischen Satellitenstaates in Polen verhindert hätte. Die Kommission deckte Versuche auf, Tatsachen über Katyn zu unterdrücken: So hatte Roosevelt Botschafter [[George Howard Earle]] 1944 beauftragt, Informationen über Katyn zu sammeln, ihm dann aber verboten, das Ergebnis zu veröffentlichen, und ihn versetzt. Das Außenministerium hatte den Bericht des US-Offiziers John van Vliet über seinen Besuch Katyns 1945 als streng geheim eingestuft; er verschwand dann aus den Akten des [[Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten|US-Verteidigungsministeriums]]. Als Grund wurde vermutet, dass seine Brisanz den damals verhandelten Eintritt der Sowjetunion in die UNO nicht gefährden sollte.<ref>[http://russianhistory.orgfree.com/katynmassakern/katynreport1952.pdf ''The Katyn Forest Massacre: Final Report'' (22. Dezember 1952)]; dazu [http://www.electronicmuseum.ca/Poland-WW2/katyn_memorial_wall/madden_committee/witnesses_testimonies/epstein_julius.html Julius Epstein: ''Select Committee on the Katyn Forest Massacre'' (Madden Committee) (Witnesses Accounts; November 14, 1952 – Washington, D.C.)]</ref> Die Kommission empfahl, „die Sowjetunion über die UNO vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu bringen.“ Doch am 18. Juni 1953 lehnte der Auswärtige Ausschuss Maddens Antrag ab, den Fall Katyn weiter im Repräsentantenhaus zu behandeln, und ließ den Kommissionsbericht archivieren.<ref>Franz Kadell: ''Katyn – Das zweifache Trauma der Polen.'' 2011, S. 156 f.</ref>

[[Datei:Tehran Conference, 1943.jpg|miniatur|hochkant=1.2|Stalin, Roosevelt und Churchill auf der Terrasse der sowjetischen Botschaft in Teheran]]

Bei der alliierten [[Konferenz von Teheran]] (November 1943) gaben US-Präsident [[Franklin D. Roosevelt]] und der britische Premier Winston Churchill Stalins Wunsch nach, seine aufgrund des Hitler-Stalin-Pakts eroberten Gebiete in Ostpolen zu behalten, und beschlossen die [[Westverschiebung Polens]]. Die Aufklärung des Massenmords von Katyn wurde als Hindernis für diese Einigung betrachtet.<ref>George Sanford: ''Katyn and the Soviet massacre of 1940: truth, justice and memory.'' [http://books.google.de/books?id=PZXvUuvfv-oC&pg=PA173 S. 173.]</ref> Beim [[Warschauer Aufstand]] 1944 befahl Stalin der Roten Armee, nicht einzugreifen. Erst nach dem Sieg der Wehrmacht ließ er sowjetische Truppen einrücken und überlebende polnische Widerstandskämpfer verhaften. Historiker erklären dies mit Stalins Ziel eines kommunistischen Polens nach dem Krieg.<ref>Jost Dülffer: ''Europa im Ost-West-Konflikt 1945–1991.'' Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2004, [http://books.google.de/books?id=f6TE6uyK0uMC&pg=PA137 S. 137.]</ref>

=== Untersuchungen Ende 1943 und Sowjet-Propaganda ===

[[Bild:Burdenko_(Mitte_mit_Brille)_in_Katyn.jpg|rechts|miniatur|350px|[[Burdenko]] (Mitte mit Brille) betrachtet in Katyn die Überreste der sowjet-bolschewistischen Mordopfer um diese Tat anschließend der deutschen Wehrmacht unterzujubeln]]

Ende 1943, nach der Zurückdrängung der Wehrmacht, ließ die Sowjetunion das Massaker angeblich durch die „[[Außerordentliche Staatliche Kommission|Sonderkommission]] zur Feststellung und Untersuchung derUmstände der Erschießung von polnischen kriegsgefangenen Offizieren im Katyner Wald durch die deutschen faschistischen Eindringlinge” unter Vorsitz des Chefchirurgen der Roten Armee, [[Burdenko]], untersuchen. Die Kommission, der neben dem Schriftsteller [[Alexej Tolstoi]] auch der Metropolit von Kiew und Galizien, Nikolai, der Vorsitzende des ''Allslawischen Komitees'', Gundorow, der Vorsitzende des Exekutivkomitees des ''Gesellschaftverbandes des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds'', Kolesnikow, sowie der Volkskommissar für Aufklärung der ''RSFSR'',Potemkin, angehörten, produzierte einen Bericht, der später als Beweisdokument [[USSR-054]] beim ersten [[Nürnberger Prozeß]] eingeführt wurde.<ref>Eine deutsche Übersetzung von USSR-054 ist abgedruckt in: ''Trial Of The Major War Criminals Before The International Military Tribunal', Band 39, Nürenberg 1949, S. 290-332 ([http://www.loc.gov/rr/frd/Military_Law/pdf/NT_Vol-XXXIX.pdf PDF])</ref>

Dieses Dokument behauptet, die „sowjetischen Experten” hätten bei den exhumierten Ermordeten verschiedene Gegenstände mit Zeitangaben wie November 1940, März 1941 oder Juni 1941 gefunden, was beweise, daß die Exekutionen von den sogenannten „Deutschfaschisten” durchgeführt wurden. Diese Behauptung wurde von der stalinistischen [[KPD/ML]] noch 1979 als ernstgemeintes Argument vorgebracht.

Burdenko und Nikolai, die der vorgeblichen „[[Außerordentliche Staatliche Kommission|Untersuchungskommission]]“ angehörten bzw. vorsaßen und das erwiesenermaßen erlogene „Beweisdokument“ 054-USSR unterschrieben, waren außerdem Mitglieder der „Außerordentlichen Kommission“, die das [[Konzentrationslager Auschwitz]] untersuchte und einen Bericht produzierte, der als Beweisdokument [[USSR-008]] vor dem [[Nürnberger Prozeß]] eingeführt wurde und der in der Folge von vielen Geschichtsschreibern, wie bspw. [[Raul Hilberg]],<ref>{{Buch|Autor=Raul Hilberg|Autor2=|Herausgeber=|Titel=The Destruction of the European Jews|Band=|Verlag=Yale University Press|Verlagsort=|Jahr=2003|Auflage=3|Auflage-Kommentar=|Seite=1049|ISBN=0300095929|Google_ID=HinIpmliz2MC|Archive=|PDF=|HTML=}}</ref> [[William L. Shirer]] oder [[Jean-Claude Pressac]], benutzt wurde, um das vorherrschende Bild über das Lager Auschwitz zu zeichnen.<ref>''Trial Of The Major War Criminals Before The International Military Tribunal', Band 39, Nürenberg 1949, S. 261 ([http://www.loc.gov/rr/frd/Military_Law/pdf/NT_Vol-XXXIX.pdf PDF])</ref>

Am 15. April 1943 erklärten [[Radio Moskau]] und die [[Prawda]], Goebbels verbreite Lügen, um ein eigenes Verbrechen zu vertuschen. Die polnischen Kriegsgefangenen seien im Sommer 1941 bei Bauarbeiten gemeinsam mit sowjetischen Bürgern den „deutschfaschistischen Mördern“ in die Hände gefallen. Diese hätten archäologische Ausgrabungen bei Gnjosdowo verschwiegen.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 172 f.</ref>

Nach der Rückeroberung von Smolensk im September 1943 sollte eine Sonderkommission den „Tatbestand der Erschießung kriegsgefangener polnischer Offiziere durch die faschistischen deutschen Okkupanten“ untersuchen. Zum achtköpfigen Leitungsgremium unter [[Nikolai Nilowitsch Burdenko]], dem Chefchirurgen der Roten Armee, gehörten Jefim Smirnow (sowjetisches Rotes Kreuz), [[Wladimir Petrowitsch Potjomkin]] (Volkskommissar für Bildung), der Schriftsteller [[Alexei Nikolajewitsch Tolstoi]] und der Metropolit [[Nikolai (Metropolit)|Nikolai]]. Fünf sowjetische Gerichtsmediziner, sechs Militärsanitäter und unbekannte NKWD-Beamte sollten ihnen zuarbeiten; ausländische Experten fehlten.

Der Kommissionsbericht folgerte aus anonymen Zeugenaussagen und Gutachten, ein deutscher „Stab des 537. Baubataillons“ habe die Polen im Herbst 1941 erschießen lassen. Um dieses Verbrechen zu vertuschen und der Sowjetunion unterzuschieben, hätten die Deutschen

* Russen zu Falschaussagen bestochen,

* von anderswo geholte Leichen in die geöffneten Gräber gelegt,

* 500 russische Kriegsgefangene gezwungen, Dokumente und Beweise aus der Kleidung der Leichen zu entfernen,

* diese dann erschossen, und zwar auf dieselbe Weise wie die Polen per Genickschuss mit Maschinenpistolen mit deutscher Munition, Kaliber 7,65.

Gerichtsmedizinisch sei erwiesen, dass man Polen wie Sowjetbürger im Herbst 1941 erschossen habe. Dies zeige der Verwesungszustand von 925 exhumierten Leichen, den man mit anderen exhumierten, zwei Jahre alten Leichen aus Smolensk verglichen habe. Dieser Befund werde durch Fundstücke bestätigt: Die meisten Taschen und Futterale der Uniformen seien aufgerissen oder -geschnitten gewesen, um Beweise gegen Fälschungen auszutauschen. Einige habe man jedoch übersehen: Darin hätten sich Briefe mit Daten zwischen 20. November 1940 und 20. Juni 1941 gefunden.

Die Gerichtsmediziner sollen die Leichen vom 16. bis 23. Januar 1944 untersucht haben; der Kommissionsbericht erschien am 24. Januar. Daher nimmt man an, dass nur wenige, schon exhumierte Leichen untersucht wurden. Direkte Belege für die angegebene Gesamtzahl von 11.000 Opfern, den Straßenbau der Polen bis Juli 1941 und ihre Erschießung durch Deutsche fehlten. Ein wortgleicher Bericht Merkulows und seines Stellvertreters über ihren Katynbesuch im Januar 1944 legt nahe, dass sie auch den „Burdenko-Bericht“ selbst verfassten oder überarbeiteten. Auf diese Geschichtsfälschung griffen spätere sowjetische Regierungen immer wieder zurück; sie blieb bis 1990 die offizielle sowjetische Version zu Katyn.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 213–221.</ref>

In einem [[Schauprozess]] in der [[Sowjetische Besatzungszone|SBZ]] wurde elf angeklagten Wehrmachtsoffizieren unter anderem das Massaker von Katyn vorgeworfen. Acht davon wurden aus anderen Gründen zum Tod verurteilt und hingerichtet. Der Angeklagte Arno Dühre wurde zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Er soll laut sowjetischen Propagandaberichten die „ungeheuerliche Bluttat der Faschisten im Walde von Katyn“ beobachtet und zugegeben haben, dass dort 15.000 bis 20.000 Polen, Russen und Juden ermordet worden seien.<ref>Jörg Osterloh, Clemens Vollnhals: ''NS-Prozesse und deutsche Öffentlichkeit: Besatzungszeit, frühe Bundesrepublik und DDR.'' Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, ISBN 978-3-525-36921-0, [http://books.google.de/books?id=ig0WPEryDwsC&pg=PA160&lpg=PA160#v=onepage&q&f=false S. 160 f.]</ref>

Der sowjetische Generalstaatsanwalt Konstantin Gorshenin ließ im Sommer 1945 alle erreichbaren Polen festnehmen, die Katyn 1943 besichtigt hatten. Manche wie Edmund Seyfried wurden als Kollaborateure des NS-Regimes inhaftiert, obwohl sie 1943 keine Täter benannt, sondern nur Leichen obduziert und identifiziert hatten. Der Krakauer Staatsanwalt Roman Martini war an ihren Verhören beteiligt, weil er im Auftrag des polnischen Justizministeriums Material für einen Prozess zu Katyn sammelte. Westliche Medien berichteten mit teils fehlerhaften Angaben, er habe nur Belege für die Täterschaft des NKWD gefunden. Martini wurde am 12. März 1946, angeblich nach Übergabe seines Berichts, von zwei Ukrainern ermordet. Sie wurden gefasst, konnten aber aus unbekanntem Grund aus ihrer Haft fliehen. Ein sowjetischer Auftragsmord wegen Martinis Katyn-Untersuchung oder ein polnischer wegen seiner Kollaboration mit der Sowjetunion wurden vermutet.<ref>{{Der Spiegel |ID=43063788 |Titel=Ostblock/Katyn: Ein schrecklicher Mißgriff |Jahr=1956 |Nr=34 |Datum=1956-08-22 |Seiten=28-29}} Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 225 f.; Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: a crime without punishment.'' 2008, [http://books.google.de/books?id=SyimWfkx0-MC&pg=PA233&lpg=PA233 S. 233 f.]</ref>

Am 30. Dezember 1945 berichtete die sowjetische Nachrichtenagentur TASS und Anfang 1946 die von der britischen Militärbehörde herausgegebene Zeitung „Nordwest-Nachrichten”, daß zehn deutsche Kriegsgefangene von der sowjetischen Justiz für die Massaker bei Katyn verurteilt wurden. Sieben wurden mit dem Tode „bestraft” und drei zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.

Im [[Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher]] 1945–1946 legte die Sowjetunion das Massaker von Katyn dem „Baubataillon 537“ der Wehrmacht zur Last. Der sowjetische Ankläger [[Roman Andrejewitsch Rudenko]] war laut Zeugenaussagen im Jahre 1990 bei Erschießungen von Polen im Jahre 1940 in Charkow anwesend. Die Anklage sollte der Jurist Nikolai Sorja vorbereiten; er wurde am 24. Mai 1946 tot aufgefunden, seine Unterlagen blieben verschwunden.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 224.</ref> Britische Diplomaten verlangten im Vorfeld Verzicht auf den Anklagepunkt Katyn, da sie fürchteten, eine Beweisaufnahme werde die Sowjetunion belasten und so den Gesamtprozess gefährden. Die polnische Exilregierung übergab ihre Informationen über die Ermordeten, später „Polnisches Weißbuch“ genannt, dem Chefankläger und dem deutschen Verteidiger.<ref>George Sanford: ''Katyn and the Soviet massacre of 1940: Truth, Justice and Memory.'' 2005, [http://books.google.de/books?id=PZXvUuvfv-oC&pg=PA176 S. 176.]</ref>

Art. 21 des [[Londoner Statut]]s ließ Dokumente über bereits von alliierten Regierungen untersuchte deutsche Kriegsverbrechen als nicht zu verhandelnde Beweise zu. Demgemäß reichten die sowjetischen Ankläger den Burdenko-Bericht, der das Massaker von Katyn als konsequent realisierte „deutsch-faschistische“ „Politik der physischen Ausrottung der slawischen Völker“ einordnete,<ref>zitiert in der [http://www.zeno.org/Geschichte/M/Der+N%C3%BCrnberger+Proze%C3%9F/Hauptverhandlungen/Neunundf%C3%BCnfzigster+Tag.+Donnerstag,+14.+Februar+1946/Nachmittagssitzung ''Nachmittagssitzung 14. Februar 1946''].</ref> als Beweismaterial ein.<ref>Dokument 054-USSR abgedruckt in IMT: ''Der Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher…'' Band XXXIX, fotomech. Nachdr. München 1989, ISBN 3-7735-2528-1, S. 290–332.</ref> Damit erhöhten sie ihre Erstangabe von 925 auf 11.000 Mordopfer. Gegen ihren Protest wertete der [[Internationaler Militärgerichtshof|Internationale Militärgerichtshof]] die vorgelegten Beweise als unzureichend und ließ daher je drei Zeugen für Verteidigung und Anklage zu. In der Verhandlung vom 1. und 2. Juli 1946<ref>[http://www.zeno.org/Geschichte/M/Der+N%C3%BCrnberger+Proze%C3%9F/Hauptverhandlungen/Einhundertachtundsechzigster+Tag.+Montag,+1.+Juli+1946 Zeno.org: ''Nürnberger Prozess, 168. Tag, 1. Juli 1946''] (weitere Sitzungen siehe dort)</ref> berichtete Friedrich Ahrens von russischen Zeugen der Erschießungen im Wald von Katyn. Reinhard von Eichborn und Eugen Oberhäuser bestätigten, dass Ahrens erst Monate nach dem angeblichen Mordzeitpunkt in Katyn eingetroffen war und Soldaten seines Nachrichtenregiments niemand hätten unbemerkt erschießen können. Boris Basilewski, Bürgermeister von Smolensk, bestätigte, dass im Wald bei Katyn vor 1941 sowjetische Geheimpolizei einquartiert war. Marko Antonow Markow, der 1943 zur Ärztekommission in Katyn gehört hatte, gab nun an, er sei zur Unterschrift unter deren Bericht genötigt worden und habe bei seiner Einzelautopsie den Herbst 1941 als Todeszeitpunkt festgestellt. Er bestätigte aber Winterkleidung der Mordopfer.<ref>Whitney R. Harris, Christoph Safferling, Ulrike Seeberger: ''Tyrannen vor Gericht: Das Verfahren gegen die deutschen Hauptkriegsverbrecher nach dem Zweiten Weltkrieg in Nürnberg 1945–1946.'' Berlin 2008, [http://books.google.de/books?id=Du6toNAYemQC&pg=PA247 S. 247.]–253.</ref> Der Anklagepunkt Katyn wurde daraufhin aus Mangel an Beweisen fallengelassen und im Urteil nicht erwähnt. Anders als sonst erhob Rudenko dagegen keinen Einspruch.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 228.</ref>

=== Katyn im Nürnberger Siegertribunal ab 1946 ===

Im Winter 1945/46 fand im damaligen Leningrad ein Prozeß gegen mehrere deutsche Offiziere statt, denen man das Massaker in Katyn im April/Mai anhängte. Bei dieser Prozeß-Farce wurden folgende Offiziere der Wehrmacht zum Tode durch den Strang verurteilt: [[Karl Hermann Strüffling]], [[Heinrich Remmlinger]], [[Ernst Böhm]], [[Eduard Sonnenfeld]], [[Herbard Janike]], [[Erwin Skotki]], [[Ernst Gehrer]]. 20 bzw. 15 Jahre Zwangsarbeit erhielten in diesem „Prozeß“: [[Erich Paul Vogel]], [[Franz Wiese]], [[Arno Diere]].

Auch vor dem [[Nürnberger Tribunal]] warfen die Sowjets ihre Verbrechen den reichsdeutschen Angeklagten vor.<ref>Nürnberger Tribunal: 168. Tag, 1. Juli 1946 & 169. Tag, 2. Juli 1946:<br>en: ''Nuremberg Trial Proceedings'', 1947, Vol. 17, [http://avalon.law.yale.edu/imt/07-01-46.asp S. 274][http://avalon.law.yale.edu/imt/07-02-46.asp -383]<br>de: ''Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Gerichtshof Nürnberg''. Nürnberg 1947, Bd. 17, [http://www.zeno.org/Geschichte/M/Der+Nürnberger+Prozeß/Hauptverhandlungen/Einhundertachtundsechzigster+Tag.+Montag,+1.+Juli+1946/Vormittagssitzung S. 301][http://www.zeno.org/Geschichte/M/Der+Nürnberger+Prozeß/Hauptverhandlungen/Einhundertneunundsechzigster+Tag.+Dienstag,+2.+Juli+1946/Nachmittagssitzung -421]</ref> Dabei trug sich folgender Dialog zwischen Otto Strahmer, dem Verteidiger Görings, und Boris Bazilevsky, der gerade als Zeuge der Anklage die Deutschen belastet hatte, zu:<ref>Nürnberger Tribunal: 168. Tag, 1. Juli 1946, Vormittagssitzung:<br>en: ''Nuremberg Trial Proceedings'', 1947, Vol. 17, [http://avalon.law.yale.edu/imt/07-01-46.asp S. 327-328]<br>de: ''Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Gerichtshof Nürnberg''. Nürnberg 1947, Bd. 17, [http://www.zeno.org/Geschichte/M/Der+Nürnberger+Prozeß/Hauptverhandlungen/Einhundertachtundsechzigster+Tag.+Montag,+1.+Juli+1946/Nachmittagssitzung S. 358-359]</ref>

{| class="wikitable" style="border:0px;margin-left:35px;padding:5px;background-color:transparent"

|-

|style="border:0px;vertical-align:top"| Dr. Stahmer:

|style="border:0px;vertical-align:top"| ''„Herr Zeuge! Sie haben Ihre Aussagen vor der Pause vorgelesen, wenn ich recht beobachtet habe. Ist das richtig?“

|-

|style="border:0px;vertical-align:top"| Bazilevsky:

|style="border:0px;vertical-align:top"| ''„Ich habe nichts vorgelesen. Ich habe nur einen Plan dieses Gerichtsraumes in der Hand.“

|-

|style="border:0px;vertical-align:top"| Dr. Stahmer:

|style="border:0px;vertical-align:top"| ''„Es sah so aus, als ob Sie die Antworten vorgelesen haben. Wie erklären Sie denn, daß der Dolmetscher schon Ihre Antwort in Händen hatte?“

|-

|style="border:0px;vertical-align:top"| Bazilevsky:

|style="border:0px;vertical-align:top"| ''„Ich weiß nicht, wieso die Dolmetscher meine Antworten im voraus in Händen haben konnten. Meine Aussagen vor der Untersuchungskommission, das heißt die beim Vorverhör abgegebenen, sind jedoch bekannt.“

|}

Die sowjetischen Ankläger stellten vor dem [[Nürnberger Tribunal]] zweifelsfrei fest, daß die ''„deutsche Wehrmacht die polnischen Offiziere im Wald von Katyn ermordet hatte”'':<ref>Nürnberger Tribunal: 59. Tag. Donnerstag, 14. Februar 1946, Nachmittagssitzung:<br/>''Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Gerichtshof Nürnberg''. Nürnberg 1947, Bd. 7, [http://www.zeno.org/Geschichte/M/Der+N%C3%BCrnberger+Proze%C3%9F/Hauptverhandlungen/Neunundf%C3%BCnfzigster+Tag.+Donnerstag,+14.+Februar+1946/Nachmittagssitzung S. 472]</ref>

<blockquote>''Die Schlußfolgerungen, die aus den Zeugenaussagen und aus dem gerichtsmedizinischen Gutachten über die Erschießungen der kriegsgefangenen Polen durch die Deutschen im Herbst 1941 gezogen wurden, werden durch die in den Gräbern von Katyn aufgefundenen Beweisstücke und Dokumente in vollem Umfange bestätigt. (...) Indem die deutsch-faschistischen Eindringlinge die polnischen Kriegsgefangenen im Wald von Katyn erschossen, führten sie folgerichtig ihre Politik der physischen Ausrottung der slawischen Völker durch.''</blockquote>

1947 wurde der deutsche SS-Obersturmbannführer [[Günter Hundt]] in Düsseldorf als „Katyn-Henker entlarvt”, so die Lizenzzeitung „Abendblatt”.<ref>Liz. Nr. 117, am 5. Juni 1947</ref>

Die osteuropäischen Wissenschaftler, die an der Erstuntersuchung der Leichen beteiligt gewesen waren, und deren Heimatländer nach dem Krieg unter sowjetische Herrschaft gerieten, sahen sich bald Drohungen und Nötigungen der roten Machthaber ausgesetzt und wurden gezwungen, ihre Gutachten als „von den Deutschen erpreßt“ hinzustellen und zu widerrufen.

1969 bauten sowjetische Behörden im weißrussischen Dorf [[Chatyn]] eine [[Nationale Gedenkstätte der Republik Belarus]] für weißrussische Opfer deutscher Kriegsverbrechen. Die Wahl dieses Ortes mit dem ähnlichen Namen deuteten westliche Beobachter als Versuch, das Massaker von Katyn vergessen zu machen.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 416 f.; George Sanford: ''Katyn and the Soviet massacre of 1940: truth, justice and memory.'' 2005, [http://books.google.de/books?id=PZXvUuvfv-oC&pg=PA220 S. 220.]</ref> In den 1970er Jahren versuchte die Sowjetunion immer wieder, westliche Medienberichte über Katyn durch diplomatischen Protest zu verhindern und als Fortsetzung der Goebbels-Propaganda abzuwehren. Zugleich wurde jeder Hinweis auf Katyn aus sowjetischen Geschichtsbüchern und Enzyklopädien getilgt.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 446 f.</ref>

In der [[Deutsche Demokratische Republik|DDR]] wurden Einwände gegen die offizielle Version als „faschistische Hetze“ verfolgt.<ref>Rudolf Walther: [http://www.zeit.de/2007/47/P-Katyn ''Das Verbrechen von Katyn.''] In: ''Die Zeit.'' 18. November 2007.</ref> Die [[Informationskontrolle|Pressezensur]] in der DDR regelte die Sprache der Medien zu Katyn bis ins Detail: Die Aussage „erschossen von den Nazis“ sei erlaubt, Datierung vor August 1941 sei verboten, polnische Häftlinge der Sowjetunion dürften nicht „Gefangene“ genannt werden.<ref>Gilbert-Hanno Gornig: ''Äußerungsfreiheit und Informationsfreiheit als Menschenrechte.'' Duncker & Humblot, 1988, ISBN 3-428-06540-9, [http://books.google.de/books?id=IpTtYwq-GXwC&pg=PA753 S. 753.]</ref>

Noch 1976 gelang es der Sowjetunion durch scharfen Protest, die Teilnahme britischer Regierungsmitglieder an der Einweihung eines Katyn-Denkmals auf dem Londoner Friedhof Gunnersbury zu verhindern. Wie bereits zuvor in Kriegszeiten gehorchte in England ein verantwortungsloser politischer Opportunismus den Vertuschungsbemühungen der Täter. Obwohl der Regierung bereits seit 1943 die Untersuchungsergebnisse einer kompetenten internationalen Kommission vorlagen, hieß es in einer offiziellen Stellungsnahme: ''„Es konnte niemals zur Zufriedenheit der Regierung Ihrer Majestät bewiesen werden, wer dafür verantwortlich war.”''<ref>Frankfurter Allgemeine Zeitung 18. September 1976, S. 1.:<br>„It has never been proved to Her Majesty´s Government´s satisfaction who was responsible.“</ref>

Bis 1989 war das sowjetische Bestreben, dieses eigene Kriegsverbrechen den Deutschen anzulasten, erfolgreich. Dies wurde zudem von linksgerichteten Politikern und Medien auch in Deutschland unterstützt, wobei, wie in der Sowjetunion üblich, jede Wahrheitsklärung als „Neonazismus” und „Revisionismus” diffamiert wurde. Von den deutschen Berufsbüßern wurden noch bis ins Jahr 1990 Bußwallfahrten nach Katyn organisiert, um gerade diesem ''„grauenhaften Verbrechen der deutschen Wehrmacht ein ewiges Schuldbekenntnis entgegenzustellen”''.<ref>[http://globalfire.tv/nj/05de/zeitgeschichte/katyn_luege.htm in: National Journalo.Die Katyn-Lüge. BRD-Exportschlager: Vergangenheitsbewältigung]</ref>

Im „Geschichts“unterricht der [[DDR]] wurde das Massaker der Wehrmacht angelastet. Einwände wurden als „faschistische Hetze” verfolgt.

Das polnische [[Institut für Nationales Gedenken]] veranlasste 2008 eine gerichtsmedizinische Untersuchung seiner exhumierten Leiche. Sie ergab, dass er an den durch den Absturz verursachten inneren Verletzungen gestorben war.<ref>[http://news.bbc.co.uk/2/hi/europe/7858923.stm ''No evidence Polish hero murdered.''] In: ''BBC News.'' 29. Januar 2009, Abgerufen am 4. November 2011.</ref> Angebliche Aussagen verstorbener Zeugen für einen Auftragsmord sind unbelegt.<ref>Rainer Blasius: [http://www.faz.net/-gpf-6mk4w ''Doch ein Mord aus Staatsräson? Rolf Hochhuth soll polnischer Staatsanwältin helfen, den Tod von General Sikorski aufzuklären.''] In: ''FAZ.'' 2. September 2011.</ref>

Im September 2012 veröffentlichte das US-Nationalarchiv die Berichte von John van Vliet und Donald B. Stewart, die Katyn als deutsche Kriegsgefangene im Mai 1943 besuchen durften. Sie hielten sowjetische Täter wegen der Verwesung der Leichen und Tagebuchdaten für erwiesen. Roosevelt war früh darüber informiert, ließ entsprechende Hinweise aber unterdrücken. US-Regierungen beharrten also wider besseres Wissen bis 1990 darauf, die sowjetische Schuld am Massaker sei nicht eindeutig bewiesen.<ref>Vanessa Gera und Randy Herschaft (Associated Press, 10. September 2012): [http://bigstory.ap.org/article/ap-exclusive-memos-show-us-hushed-soviet-crime ''Memos Show US Hushed Up Soviet Crime.'']; Der Spiegel, 12. September 2012: [http://www.spiegel.de/einestages/massaker-von-katyn-national-archives-gibt-neue-dokumente-frei-a-947719.html ''US-Nationalarchiv gibt geheime Dokumente zu Katyn frei'']</ref>

Polnische Emigranten hielten die Erinnerung an Katyn im Westen wach. Der Historiker Józef Mackiewicz, der Katyn 1943 auf deutsche Einladung besucht hatte,<ref>John Neubauer, Borbála Zsuzsanna Török: ''The Exile and Return of Writers from East-Central Europe: A Compendium.'' Walter de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-021773-5, [http://books.google.de/books?id=j2PmEIYMsHUC&pg=PA33 S. 33.]</ref> benannte 1949 in seinem Buch offen die sowjetische Schuld.<ref name="Lit">siehe Literaturverzeichnis.</ref> Der Politikwissenschaftler Janusz Zawodny beschrieb in seinem Standardwerk ''Death in the Forest'' 1962 den Weg der Ermordeten und die Propagandakampagnen danach. Er benannte die sowjetische Geheimpolizei als Täter, deren Regierung als Auftraggeber, und kritisierte die Haltung der Westalliierten im Nürnberger Prozess als Kapitulation der Moral vor der [[Realpolitik]]. 1965 erschien die englische Übersetzung des polnischen Weißbuchs. Auch der britische Autor Louis FitzGibbon vertrat 1971 die sowjetische Schuld an Katyn und setzte sich für ein Katyn-Denkmal in London ein.<ref name="Lit" /> Nur wenige westliche Autoren (Gabriel Kolko, Peter M. Irons) bezweifelten eine sowjetische Täterschaft.<ref>John Earl Haynes, Harvey Klehr: ''In Denial: Historians, Communism & Espionage.'' Encounter Books, 2005, ISBN 1-59403-088-X, [http://books.google.de/books?id=fBSbKS1FlegC&pg=PA20 S. 20.]; [http://archive.frontpagemag.com/Printable.aspx?ArtId=22479 Jamie Glazov (8. August 2000): ''The Lies of Katyn.'']</ref> Der konservative Abgeordnete Lord St. Oswald erreichte eine Debatte über Katyn am 17. Juli 1971 im [[House of Lords]].<ref>Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: A Crime Without Punishment.'' 2008, [http://books.google.de/books?id=SyimWfkx0-MC&pg=PA242 S. 242.]</ref> Großbritanniens Regierung lehnte es jedoch ab, von der Sowjetunion Aufklärung und Strafverfolgung der Täter zu fordern, weil es ohne Beweis für einen Tötungsbefehl „legitime Restzweifel“ an ihrer Schuld gebe. Diese Haltung blieb bis 1990 bestehen.<ref name="Claudia Weber">Claudia Weber: [http://www.zeithistorische-forschungen.de/site/40209108/default.aspx#pgfId-1036706 ''„Too closely identified with Dr. Goebbels“: Die Massenerschießungen von Katyn in der Geschichte des Zweiten Weltkriegs und des Kalten Kriegs.'']</ref>

Erst seit der [[Glasnost]]-Politik Michail Gorbatschows konnten Bürger im Ostblock das Dogma der deutschen Täterschaft zu Katyn öffentlich in Frage stellen. Seit 1985 verlangten die Polen, unterstützt von westlichen Medien und Politikern, von der Sowjetunion verstärkt Aufklärung über das Massaker. Auf Vorschlag von General [[Wojciech Jaruzelski]], der sich damit Sympathie in Polen erhoffte, wurde im Mai 1987 eine Kommission aus polnischen und sowjetischen kommunistischen Parteihistorikern eingesetzt. Die polnischen Mitglieder unter Leitung von Jarema Maciszewski legten beim Gründungstreffen einen Schriftsatz vor, der die Ungereimtheiten des Burdenko-Berichts herausstellte, und forderten Einsicht in dessen Ausgangsmaterialien. Da sie keinen Zugang zu zentralen sowjetischen Staatsarchiven erhielten und die sowjetischen Historiker unter Leitung von Georgi Smirnow den Burdenko-Bericht nicht wissenschaftlich überprüfen wollten oder durften, blieben Kommissionstreffen im März und November 1988 ergebnislos.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 363.</ref>

Am 22. März 1989 schlugen der sowjetische Außenminister [[Eduard Schewardnadse]], Gorbatschow-Berater [[Valentin Michailowitsch Falin]] und KGB-Chef [[Wladimir Alexandrowitsch Krjutschkow]] dem Politbüro intern vor, das Verbrechen des NKWD offiziell zuzugeben. Ein dazu erstellter interner KGB-Bericht vom April sprach erstmals von 12.000 polnischen Offizieren, die unbekannte sowjetische Täter ermordet hätten, so dass nur ein Teil davon in Katyn beerdigt worden sein könne.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 369 f.</ref>

Im Mai 1989 widerlegten die polnischen Historiker in der Kommission den Burdenko-Bericht von 1944 und machten erstmals das NKWD für die Ermordung der Häftlinge von Koselsk in Katyn und zudem derer von Starobelsk und Ostaschkow verantwortlich, deren Massengräber mangels Archivzugang noch unauffindbar waren. Nachdem im Juni 1989 Polens erste nichtkommunistische Regierung unter [[Tadeusz Mazowiecki]] durch die erste freie Wahl des Senats und den folgenden Frontenwechsel einiger Blockparteien im Sejm zustande kam,<ref>[[Norman Davies]]: ''Im Herzen Europas. Geschichte Polens.'' 4. Auflage. Beck, München 2006, [http://books.google.de/books?id=0-OHg7imb80C&pg=PA428 S. 428.]</ref> erhöhten die polnischen Medien den Druck auf die Sowjetunion zur Freigabe der Archivalien. Am 19. August 1989 veröffentlichte eine polnische Zeitschrift das Gutachten der polnischen Mitglieder der inzwischen aufgelösten Historikerkommission zum Burdenko-Bericht. Es wurde breit diskutiert.<ref>Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: A Crime Without Punishment.'' 2008, [http://books.google.de/books?id=SyimWfkx0-MC&pg=PA248 S. 248 f.]</ref>

Nach dem Gräberfeld Kuropaty bei Minsk im Juni 1988 fand die sowjetische Stiftung [[Memorial]] bis Oktober 1989 weitere Massengräber der Stalin-Ära, darunter 4500 sowjetische Opfer, die seit 1935 in Katyn begraben worden waren.<ref>{{Der Spiegel |ID=13496603 |Titel=300000 Tote im Goldbergwerk: Die Opfer Stalins liegen noch in Rußlands Erde |Jahr=1989 |Nr=40 |Datum=1989-10-02 |Seiten=200-201}}</ref> Daraufhin verlangte Polens Generalstaatsanwalt von seinem sowjetischen Kollegen, noch lebende Täter zu ermitteln, um Entschädigungsansprüche Polens zu bestimmen. Am 1. November 1989 durften Opferangehörige erstmals Katyn besuchen. Ihr Begleiter, der aus Polen stammende US-Diplomat [[Zbigniew Brzeziński]], forderte im sowjetischen Fernsehen ein sowjetisches Schuldeingeständnis als Basis einer Versöhnung mit Polen.

Am 22. März 1990 ordnete der Staatsanwalt von Charkow eine Untersuchung weiterer frisch entdeckter Massengräber an. Das Zentralkomitee der KPdSU verbot russischen Historikern, die die offizielle Version zu Katyn bezweifelten, den Abdruck ihrer Zeitungsartikel. Am 25. März 1990 gab die russische Historikerin Natalia Lebedewa in der Wochenzeitung [[Moskowskije Nowosti]] neue Aktenfunde bekannt, die die Schuld des NKWD belegten. Sie umging die Zensur, indem sie zuvor die Druckerlaubnis von Politbüromitglied [[Alexander Nikolajewitsch Jakowlew]] einholte.<ref>[http://en.rian.ru/analysis/20100412/158536574.html ''Katyn: A difficult road to the truth.''] auf: ''Ria/Nowosti.'' 12. April 2010.</ref> Das Zentralkomitee erwog daraufhin ein Reise- und Zugangsverbot zu Staatsarchiven für sie, das aber nach Gorbatschows Erklärung vom 13. April 1990 unterblieb.<ref>Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: A Crime Without Punishment.'' 2008, S. 252.</ref>

1981 hatte der [[Central Intelligence Agency|CIA]]-Offizier Robert G. Poirier originale [[Luftbildfotografie]]n von 17 Flügen der [[Luftwaffe (Wehrmacht)|Luftwaffe]] über die Gegend von Katyn von 1941 bis 1944 analysiert. Sie zeigten keine Eingriffe in das Landschaftsbild während der deutschen Besetzung, aber davor und nach der sowjetischen Rückeroberung im Herbst 1943. Auch Bulldozer, die Gräber planierten, und Personen, die Körper umhertrugen, waren darauf erkennbar. Sein Artikel blieb unbeachtet. Der Kunsthistoriker Wacław Maliszewski las ihn 1990 und fand die Originalfotografien deutscher Aufklärungsflüge über Katyn, Charkow und Mednoje im [[National Archives and Records Administration|Nationalarchiv der USA]]. Er sammelte Zeugenaussagen aus der Gegend und schickte seinen Forschungsbericht an Polens Justizministerium. Dieses entsandte ab Mai 1991 Staatsanwälte nach Charkow und Mednoje, die dort mit Hilfe ortsansässiger Zeugen die bisher unbekannten Massengräber fanden, darunter auch das im Wald von Pjatychatky.<ref>Benjamin B. Fischer: [https://www.cia.gov/library/center-for-the-study-of-intelligence/csi-publications/csi-studies/studies/winter99-00/art6.html ''The Katyn Controversy: Stalin's Killing Field.'']</ref>

[[Datei:Gorbachev (cropped).jpg|miniatur|hochkant|Michail Gorbatschow (1985)]]

In der [[Volksrepublik Polen]] wurde das Massaker von Katyn tabuisiert und durfte öffentlich nicht thematisiert werden. Inoffiziell versuchten manche polnische Kommunisten jedoch (vergeblich), Aufklärung zu erreichen: so [[Edward Gierek]] seit 1970.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 447.</ref> Auf dem [[XX. Parteitag der KPdSU]] im Februar 1956 erwähnte der sowjetische Parteichef Nikita Chruschtschow Katyn unter den Verbrechen Stalins nicht. Ende 1956 soll er dem neuen polnischen Parteichef [[Władysław Gomułka]] laut polnischen Zeitzeugen vorgeschlagen haben, sowjetische Schuld für Katyn in einer geplanten Rede in Moskau zuzugeben, um den Konflikt um Katyn zu lösen. Gomułka habe dies mit Verweis auf unkalkulierbare Folgen in Polen abgelehnt.<ref>Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: A Crime Without Punishment.'' 2008, [http://books.google.de/books?id=SyimWfkx0-MC&pg=PA240 S. 240.]; George Sanford: ''Katyn and the Soviet massacre of 1940: truth, justice and memory.'' 2005, S. 209.</ref>

Der polnische Historiker [[Włodzimierz Borodziej]] urteilte 2010:<ref>Włodzimierz Borodziej: ''Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert: Geschichte Polens im 20. Jahrhundert.'' München 2010, S. 197 f.</ref>

{{Zitat|Kein anderes Ereignis aus der ‚ersten Sowjetzeit‘ übte aber einen so starken Einfluss auf die nachfolgende polnische Geschichte aus wie der Massenmord an polnischen Offizieren, der durch den Namen ‚Katyn‘ symbolisiert wird. […] Im Zeichen des Kalten Krieges wurde der Massenmord, den die Sowjets bis zum Ende ihres Imperiums den Deutschen anlasteten, zu einem Symbol stalinistischer Gewaltherrschaft.}}

Bis heute (2013) blieb die lückenlose Aufklärung der Vorgänge unmöglich, weil Akten vernichtet oder manipuliert wurden und unter Verschluß gehalten werden.<ref>[http://www.arte.tv/de/woche/244,broadcastingNum=1268126,day=7,week=26,year=2011.html Churchills Verrat an Polen], [[arte]], 1. Juli 2011</ref> Laut der am 1. Juli 2011 bei Arte ausgestrahlten Produktion ''[[Churchills Verrat an Polen]]'' gebe es kaum Zweifel: der Absturz sei ein Anschlag – von Stalin initiiert und von Churchill geduldet.

=== Anerkennung der Schuld am Massaker durch die Sowjetunion und Rußland ===

Nach einem halben Jahrhundert der Lüge gestand [[Gorbatschow]] schließlich am 13. April 1990 die sowjetische Alleinschuld an Katyn offiziell ein. Dem polnischen Präsidenten [[Jaruzelski]] übergab er Kartons mit Dokumenten, die, so Gorbatschow, ''„indirekt, aber in überzeugender Weise“'' bewiesen, daß der sowjetische Geheimdienst im Herbst 1940 tausende polnische Offiziere im Wald von Katyn tötete. Damit hatte die Sowjetregierung erstmals offiziell und öffentlich die Verantwortung für dieses lange geleugnete Massaker übernommen.<ref>[[The New York Times]], 14. April 1990: [http://www.nytimes.com/1990/04/14/world/upheaval-in-the-east-gorbachev-hands-over-katyn-papers.html ''Upheaval in the East; Gorbachev Hands Over Katyn Papers'']</ref>

Dennoch veröffentlichte das „Wojenno-Istoritscheski Schurnal” 1990/91 eine Artikelserie, welche erneut die Version verbreitete, die Deutschen seien die Täter gewesen.

Am 13. April 1990 übergab Gorbatschow seinem Staatsbesucher Jaruzelski die originalen Exekutionslisten des NKWD und erklärte über die [[ITAR-TASS]] am selben Tag:<ref>Franz Kadell: ''Katyn – Das zweifache Trauma der Polen.'' 2011, S. 188.</ref>

{{Zitat|Die sowjetische Seite bringt ihr tief empfundenes Bedauern im Zusammenhang mit der Katyner Tragödie zum Ausdruck. Es handelt sich dabei um eines der schwersten Verbrechen des [[Stalinismus]].}}

Fast alle annähernd 15.000 verschwundenen polnischen Gefangenen seien 1940 dem NKWD übergeben worden und dann in dessen Listen nicht mehr aufgetaucht. Beria und Merkulow seien für das Massaker von Katyn verantwortlich.<ref>Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: A Crime Without Punishment.'' 2008, [http://books.google.de/books?id=SyimWfkx0-MC&pg=PA253 S. 253.]</ref> Dass diese Erklärung Stalin und das Politbüro nicht erwähnte, deuten manche Historiker als letzten Versuch, die Schuld der Staatsführung zu vertuschen.<ref>Michael Parrish: ''The lesser terror: Soviet state security, 1939–1953.'' 1996, [http://books.google.de/books?id=NDgv5ognePgC&pg=PA65 S. 65.]</ref>

Gorbatschow übergab [[Boris Nikolajewitsch Jelzin]] den originalen Exekutionsbeschluss vom 5. März 1940 beim Machtwechsel am 23. Dezember 1991. Er gab später an, das Dokument in jenem Monat erstmals gesehen zu haben. Waleri Boldin, Leiter des geheimen Sonderarchivs der KPdSU, öffnete den versiegelten Umschlag laut Notiz darauf im April 1989; nach seiner Angabe geschah dies im Auftrag Gorbatschows vor dessen Polenbesuch im Juli 1989. Das gesuchte Dokument wurde der Historikerkommission demnach mindestens zwei Jahre lang vorenthalten.

Gegen die Bekanntgabe und ihre Folgen protestierten Teile des sowjetischen Militärs und die Kommunistische Partei Russlands (KPR). Diese versuchte, die in der [[Duma]] diskutierte Freigabe weiterer NKWD-Dokumente aus dem Geheimarchiv ihrer Vorgängerpartei mit einer Verfassungsklage aufzuhalten. Jelzin ließ die wichtigsten Beweisdokumente für die staatliche Anordnung des Massenmords von 1940 daher veröffentlichen. Sein Chefarchivar übergab sie am 14. Oktober 1992 an Polens Präsidenten [[Lech Wałęsa]].<ref>Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: A Crime Without Punishment.'' 2008, [http://books.google.de/books?id=SyimWfkx0-MC&pg=PA254 S. 254.]–256.</ref> Jelzin entschuldigte sich 1993 bei den Opferangehörigen mit den Worten: „Vergebt uns, wenn ihr könnt.“<ref>[http://www.dw-world.de/dw/article/0,,5439327,00.html ''Versöhnungsgeste am Ort eines Massenmordes.''] auf: ''Deutsche Welle.'' 7. April 2010.</ref>

Was Präsident Gorbatschow noch unterlassen hatte, holte der russische Präsident [[Jelzin]] im Oktober 1992 nach: Er überließ Polen die Akte von 1940, mit der [[Kaganowitsch, Lasar Moissejewitsch|Kaganowitsch]], [[Stalin]], [[Beria]] und andere die Morde von Katyn am 5. März 1940 angeordnet hatten.<ref>''Der Brockhaus in fünf Bänden'', 8. Auflage, 1993, ISBN 3765316385, Stichwort ''Katyn''</ref>

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<gallery perrow="4" caption="Faksimile des von Stalin, Voroshilov, Molotov, Mikoyan sowie, am Rande, von Kalinin und Kaganovich unterschriebenen Befehls vom 5. März 1940">

Katyn - decision of massacre p1.jpg|Seite 1.

Katyn - decision of massacre p2.jpg|Seite 2.

Katyn - decision of massacre p3.jpg|Seite 3.

Katyn - decision of massacre p4.jpg|Seite 4.

</gallery></small>

Unter Putin wurden die Opfer der Mordserie von 1940 offiziell weiterhin nicht als Opfer des stalinistischen Terrors anerkannt und einige Akten dazu zurückgehalten. Dmitri Tokarjew wurde 2008 in einer Jubiläumsschrift des russischen [[FSB (Geheimdienst)]] ohne Hinweis auf seine Teilnahme an den Morden von 1940 zum Helden der Nation stilisiert.<ref>Irian Borodan: ''The New Nobility.'' Perseus Running Press, 2010, ISBN 978-1-58648-802-4, [http://www.books.google.de/books?id=9eqxJFlEHIwC&pg=PA100 S. 100.]</ref> Am 28. April 2010 ließ Präsident [[Dmitri Anatoljewitsch Medwedew]] sieben seit 1992 veröffentlichte Dokumente auf die staatliche Internetseite ''Rusarchiv'' stellen: Nun könne jeder sehen, wer die Befehle zur Ermordung gab, und dass Russland seine Lektion aus der Geschichte lernen müsse.<ref>[http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,691914,00.html ''Moskau stellt Akten zu Katyn-Massaker ins Internet.''] In: ''Der Spiegel.'' 28. April 2010.</ref> Dies werteten russische Historiker und Menschenrechtler als notwendigen Schritt zur Abwehr eines russischen [[Geschichtsrevisionismus]].<ref>[http://de.rian.ru/world/20100429/126118653.html ''Katyn-Massaker: Blutspur führt ins Geheimarchiv.'']auf: ''RIA/Novosti.'' 29. April 2010.</ref>

So bestritten sowjetische Militärzeitschriften bis Ende 1991 sowjetische Täter oder polnische Opfer in Katyn.<ref>Zaur T. Gasimov: ''Militär schreibt Geschichte. Instrumentalisierung der Geschichte durch das Militär in der Volksrepublik Polen und in der Sowjetunion 1981–1991.'' LIT Verlag, 2009, ISBN 978-3-643-10001-6, [http://books.google.com/books?id=wTWE4P9N3aIC&pg=PA103 S. 103.]</ref> 1995 schrieb Juri Muchin einen antipolnischen Artikel in der ''Prawda'', 1997 W. Filatow, Chefredakteur eines militärhistorischen Journals, in der Zeitschrift ''Sowjetskaja Rossija''.<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 414 f.</ref> Seit 1991 behaupteten manche russischen Historiker, im polnisch-sowjetischen Krieg von 1920 seien zehntausende russische Kriegsgefangene in polnischen Lagern umgekommen. Diese „Anti-Katyn“ genannte These löste eine Debatte unter polnischen und russischen Historikern aus. In deren Verlauf wurde die Zahl von etwa 18.000 russischen Seuchenopfern bestätigt, aber widerlegt, dass man sie absichtlich umkommen ließ, da die Seuchen zugleich auch Polen trafen.<ref>Krzysztof Komorowski, Witold Rawski: ''Anti-Katyń: Soviet prisoners of war in Poland: facts and myths.'' Ministry of National Defense, Military Bureau of Historical Research, 2006, ISBN 83-919435-9-3.</ref> Putin nannte Katyn-Opfer und an Krankheiten verstorbene russische Soldaten jedoch 2009 erneut in einem Atemzug.<ref>[http://sunday.niedziela.pl/artykul.php?dz=spoleczenstwo&id_art=00307 ''Cold war on remembrance.''] In: ''Niedziela.'' 23/2011.</ref> Die KPR forderte 2010 eine neue Untersuchung zu Katyn und anderen Morden von 1940, obwohl russische und polnische Historiker inzwischen eine Fülle von Beweisen aufgedeckt, gesammelt und publiziert hatten.<ref>[http://www.aktuell.ru/russland/news/kommunisten_schieben_katyn_erneut_nazis_in_die_schuhe_28080.html ''Kommunisten schieben Katyn erneut Nazis in die Schuhe.''] In: ''Russland aktuell.'' 20. Oktober 2010.</ref>

In zwei Schulbüchern von 2002 und 2003 für den regulären Geschichtsunterricht in Russland (9. Klasse) fehlen die Folgen der sowjetischen Besetzung Ostpolens und das Stichwort ''Katyn'' im Autorentext. Eins der Bücher führt jedoch im Quellenteil ein NKWD-Dokument zu Katyn auf. Das andere, von Putin 2007 empfohlene Buch rechtfertigt die stalinistischen Säuberungen der 1930er Jahre und Besetzungen im Gefolge des Hitler-Stalin-Pakts mit sowjetischen Argumentationsmustern als militärisch notwendig, ohne Hinweis auf das Leiden der besetzten Völker.<ref>Robert Maier: ''Fedor von Bock und Frau Petrowa. Wie deutsche und russische Schulbuchautoren Wissen und Einstellungen zum Zweiten Weltkrieg vermitteln.'' In: Horst Möller, Aleksandr Cubar'jan (Hrsg.): ''Mitteilungen der Gemeinsamen Kommission für die Erforschung der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen: Band 4.'' Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2010, ISBN 978-3-486-59080-7, [http://www.books.google.de/books?id=JUAiQcev8CAC&pg=PA91 S. 91.]-94</ref>

Die am 26. November 2010 verabschiedete Erklärung der Duma „Über die Katyn-Tragödie und ihre Opfer“ bekräftigte nochmals, dass „dieses Verbrechen auf direkte Weisung von Stalin und anderen Vertretern der sowjetischen Führungsspitze begangen wurde“. Die Initiatoren betonten, man müsse das ganze sowjetische Staatssystem, nicht nur Einzelne verantwortlich machen. Dies wurde in Russland und Polen als weiterer Schritt zur Versöhnung begrüßt.<ref>RiaNowosti, 24. November 2010: [http://de.rian.ru/politics/20101124/257731696.html ''Tragödie von Katyn soll Völker Polens und Russlands näher bringen - Staatsduma'']; [http://de.rian.ru/politics/20101126/257748962.html RiaNovosti, 26. November 2010: ''Russland und Polen vor Aussöhnung: Duma will Katyn-Verbrechen anerkennen – „Wremja Nowostej“'']; [http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,731391,00.html Der Spiegel, 26. November 2010: ''Duma verurteilt Massaker an Tausenden Polen.'']</ref>

[[Datei:RIAN archive 897469 Handover of Katyn forest massacre materials to Poland.jpg|miniatur|Unterlagen des russischen Generalstaatsanwaltes zum Massaker, die 2011 an Polen übergeben wurden.]]

Bisher weigert sich die russische Regierung um Präsident [[Wladimir Putin|Putin]] jedoch, die Opfer des Massakers von Katyn offiziell als Opfer des stalinistischen Terrors anzuerkennen. Langjährige Ermittlungen der obersten russischen Militärstaatsanwaltschaft wurden 2004 unter dem Vorwand der Verjährung eingestellt.

Nach sowjetischen Dokumenten fanden dabei 21.857 Menschen den Tod, nach Angaben Polens waren es ca. 30.000 Personen, laut Brockhaus rund 25.000. Für das Verbrechen verantwortlich war die gesamte damalige bolschewistische Staats- und Parteiführung der Sowjetunion.

:''„Die Historikerin und Mitarbeiterin des Instituts für allgemeine Geschichte der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, Natalja Lebedjewa, hatte im Sonderarchiv der Hauptarchivverwaltung der UdSSR und im Zentralen Staatlichen Archiv der Sowjetarmee die entsprechenden Dokumente entdeckt. Datiert mit März 1941 sind die Dokumente unterschrieben vom berüchtigten [[Lawrentij Berija]], Volkskommissar für innere Angelegenheiten der UdSSR.“<ref>[http://vho.org/D/dsisis/34.html vgl.: Joachim Nolywaika: Die Sieger im Schatten ihrer Schuld. Recht auf Wahrheit und Gerechtigkeit für Deutschland, XII. „Katyn" und andere Massenmorde]</ref>

Ende Juli 2006 wurde vom polnischen Archäologen Andrzej Koła im Wald von [[Bykownia]] bei [[Kiew]] ein weiteres Massengrab mit polnischen Opfern des NKWD entdeckt, in dem 3.435 bislang vermißte Opfer des Massakers vermutet werden. Genauere Untersuchungen dauern an. Am gleichen Ort sind in über hundert Massengräbern eine große Anzahl Leichen kommunistischer Mordtaten beigesetzt.

Zu den vielen polnischen Intellektuellen, die das NKWD im Zuge des Massakers liquidiert hatte, gehörten auch die beiden bekannten Mathematiker [[Marcinkiewicz]] und [[Kaczmarz]]. Auch der Vater des polnischen Filmregisseurs [[Wajda]] wurde im Katyn-Massaker ermordet, was zu dem Film ''Katyn'' führte, der 2007 erschien.

=== Geschichtliche Einordnung ===

Die Forschung zu Katyn konzentriert sich seit 1990 auf die möglichst exakte Aufklärung der Massenmorde von 1940, die durch politische Öffnung, Dokumenten- und Grabfunde möglich wurde. Polnische Historiker hatten bis 1990 alle maßgebenden Werke zu Katyn verfasst; seit 1990 arbeiten polnische und russische Wissenschaftler eng zusammen und gaben die wichtigsten Neuausgaben zu Opfern, Verlauf und Tätern gemeinsam heraus.<ref name="Lit" />

Die Verbrechen von 1940 gelten als Teil der stalinistischen Eroberungs-, Gleichschaltungs- und Vernichtungspolitik in Osteuropa, die der Hitler-Stalin-Pakt wesentlich ermöglichte. Historiker wie [[Michael Parrish]] betonen, dass Stalin und seine ergebenen Helfer die gesamte militärische und intellektuelle Elite Polens auslöschen wollten und dies nur durch Beteiligung aller bürokratischen Ebenen durchführbar war. Parrish beschrieb die aufeinander folgenden Maßnahmen als tödliches Gefälle, mit denen das NKWD die Häftlinge vollständig isolierte, entrechtete und der Auslöschung auslieferte.<ref>Michael Parrish: ''The lesser terror: Soviet state security, 1939–1953.'' 1996, [http://books.google.de/books?id=NDgv5ognePgC&pg=PA53 S. 53.]–55.</ref> Als Ursachen werden diskutiert:

* eine starke antipolnische Haltung Stalins und ein Rachemotiv seit den sowjetischen Gebietsverlusten im polnisch-sowjetischen Krieg, an dem viele der Ermordeten teilgenommen hatten;

* die in der politischen Führung der Sowjetunion verbreitete Vorstellung eines von verbündeten äußeren und inneren Feinden belagerten Staates;

* die verbreitete antisowjetische Haltung von Polen, die aus den sowjetisch besetzten Gebieten stammten;

* die sowjetischen Erfahrungen mit der [[Zwangskollektivierung]] und der „großen Säuberung“ 1937/38, in der sich ein Verfolgungsmechanismus herausbildete und weitere Verfolgungswellen in den Grenzgebieten schon vorbereitet wurden.<ref>Krzysztof Ruchniewicz: ''„Noch ist Polen nicht verloren“.'' 2007, [http://books.google.de/books?id=z-tSHA4vGoYC&pg=PA52 S. 52.]</ref>

Die Zeitschrift „[[Der Spiegel]]“ schrieb bereits im Januar 1952 (!) die Wahrheit unter der Überschrift: ''Katyn - Ein Verbrechen der Sowjets''.<ref>{{Spiegel|ID=d-21048446|Nr=1|J=1952|Titel=Katyn - Ein Verbrechen der Sowjets|M=1|T=2|S=17}}</ref> Dennoch stellten, trotz erdrückender Indizien für die sowjetische Täterschaft, selbst westliche Geschichtsschreiber bis in die 1980er Jahre hinein die Moskauer Version gleichberechtigt neben der tatsächlichen dar.

Bereits am 26. Juli 1956 erging ein Brief von sechs VS-amerikanischen Kongreßabgeordneten an [[Chruschtschow]]. In diesem bis dahin in der Geschichte des VS-amerikanischen Kongresses beispiellosen Vorgang wandten sich die Abgeordneten an den Machthaber eines fremden Staates, um ihn aufzufordern, die Schuld seines Regimes an dem Verbrechen des Katyner Massenmordes endlich zuzugeben.<ref>[http://www.zeit.de/1956/39/brief-an-chruschtschow/seite-1 Der Brief an Chruschtschow, in: Zeit online, 27.09.1956]</ref> Der Brief beginnt mit den Worten:

:''„Die unterzeichneten ehemaligen Mitglieder des amerikanischen Kongreß-Ausschusses zur Untersuchung des Katyner Massenmordes erlauben sich hiermit, Sie zu fragen, warum Sie Stalins und Berijas Schuld an dem Katyner Massenmord von 4243 [es waren tatsächlich etwa 25.000 Mordopfer] polnischen Offizieren im Frühjahr 1940, dem Massenmord, der das größte militärische Verbrechen der Neuzeit darstellt, noch nicht zugegeben haben.“

Noch im Jahr 1985 ließ die polnische Regierung unter Jaruzelski ein Kreuz mit der Aufschrift „Den polnischen Soldaten, Opfern des Hitler-Faschismus, die in der Erde von Katyn ruhen“ aufstellen.

Das Verbrechen belastet bis heute das russisch-polnische Verhältnis. Die Polen verlangen hartnäckig, daß die ehemaligen sowjetischen Täter zur Verantwortung gezogen werden, sofern diese noch am Leben sind. Dazu forderten sie von der BRD die Katyn-Untersuchungsberichte sowie die dazugehörigen Fotos an, welche die nationalsozialistische Staatsführung zur Aufklärung des Verbrechens hatte anfertigen lassen.

1989 machte Zbigniew Kazimierz Brzeziński deshalb eine Rundreise durch Russland und besuchte die Gedenkstätte für das [[Massaker von Katyn]]. Damit bot sich ihm die Gelegenheit, die sowjetische Regierung zur Anerkennung der wahren Umstände des Massakers aufzufordern, wofür er in der Diplomatischen Akademie in Moskau stehenden Beifall erhielt. Zehn Tage später fiel die [[Berliner Mauer]] und die von der Sowjetunion gestützten Regierungen in Osteuropa begannen zu wanken.

[[George Sanford]] wertet folgende, bisweilen vertretene Einzelthesen als abwegig: Stalin und das NKWD hätten mit der Mordserie bereits die polnische Exilregierung entmachten oder Hitler einen Gefallen tun wollen; das NKWD habe die Morde mit der [[Geheime Staatspolizei|Gestapo]] gemeinsam geplant. Dagegen verwies Sanford auf die erhaltenen NKWD-Dokumente: Danach deuteten die Täter die konstante Weigerung der Polen, mit der Sowjetunion zusammenzuarbeiten, und ihre Immunität gegenüber sowjetischen Indoktrinationsversuchen als todeswürdigen Affront. Sie ordneten die Offiziere zudem dem polnischen Adel (poln. ''pańska Polska'') zu, den sie als feindliche, gefährliche und darum endgültig zu vernichtende [[soziale Klasse]] einstuften. Umstritten ist, ob das Ausmaß dieser Mordserie im Rahmen sowjetischer Gewaltpolitik gegen andere Nationen und Ethnien eine Besonderheit oder typische Normalität darstellt.<ref>George Sanford: ''Katyn and the Soviet massacre of 1940: Truth, Justice and Memory.'' 2005, [http://books.google.de/books?id=PZXvUuvfv-oC&pg=PA84 S. 84.]–86.</ref> Claudia Weber zufolge waren die Massenmorde „Berijas erste Gewaltaktion als uneingeschränkter Herrscher des NKWD und ein Loyalitäts- und Gefolgschaftsbeweis an Stalin.“ Die Bedeutung dieser Tatsache für den Mordbeschluss und die Rolle des „Täternetzwerks“ im NKWD für die weitere Vertuschung von Katyn seien nicht genug erforscht.<ref>Claudia Weber: [http://www.h-net.org/reviews/showrev.php?id=21136 ''G. Sanford: Katyn and the Soviet Massacre of 1940.''] (Rezension für H-Soz-u-Kult, September 2007)</ref>

Viele Historiker deuten die Mordserie von 1940 im Kontext vorheriger und weiterer stalinistischer Massenverbrechen an Polen als [[Völkermord]] im Sinne der [[Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes|Völkermordkonvention]] von 1951.<ref>Beispiele: Natalia Lebedewa: ''Katyn: Prestuplenie Protiv Chelovechestva.'' („Katyn: Ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.) 2. Auflage. Moskau 1996, Vorwort; Wojciech Materski: ''Kremlin versus Poland 1939–1945: documents from the Soviet archives.'' Institute of Political Studies, Polish Academy of Sciences, 1996, ISBN 83-8675911-9, S. 6; Tadeusz Piotrowski: ''Poland's Holocaust: Ethnic Strife, Collaboration with Occupying Forces and Genocide in the Second Republic, 1918–1947.'' Mcfarland & Co, 2007, ISBN 978-0-7864-2913-4, [http://books.google.de/books?hl=de&lr=&id=NBbnrEMswbUC&oi=fnd&pg=PA32 S. 32.]; [[Norman M. Naimark]]: ''Stalin's genocides'', Princeton University Press, 2010, ISBN 978-0-691-14784-0, [http://books.google.de/books?id=F3UwF1eqb0AC&pg=PA92 S. 92.] (deutsch: ''Stalin und der Genozid. Aus dem Amerikanischen von Kurt Baudisch.'' Suhrkamp Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-518-42201-4, S. 96); [http://www.guardian.co.uk/world/2010/apr/17/smolensk-crash-katyn-accident-of-history Neal Ascherson (The Guardian, 17. April 2010): ''An accident of history'']; Piotr Zając: ''Prześladowania ludności narodowości polskiej na terenie Wołynia w latach 1939–1945 – ocena karnoprawna zdarzeń w oparciu o ustalenia śledztwa OKŚZpNP w Lublinie.'' In: [http://ipn.gov.pl/download.php?s=1&id=19295 ''Zbrodnie przeszłości. Opracowania i materiały prokuratorów IPN.'' t. 2: ''Ludobójstwo.''] red. Radosław Ignatiew, Antoni Kura, Warszawa 2008, S. 34–49; Witold Kulesza (Instytut Pamięci Narodowej, Hrsg.): [http://www.ipn.gov.pl/download.php?s=1&id=29674 ''Zbrodnia Katyńska jako akt ludobójstwa (geneza pojęcia).''] (polnisch; abgerufen am 30. Oktober 2011)</ref> Einige halten diesen Begriff für unpassend und sprechen stattdessen von „Klassensäuberung“ oder „Soziozid“.<ref>Franz Kadell: ''Die Katyn Lüge. Geschichte einer Manipulation: Fakten, Dokumente und Zeugen.'' 1991, S. 7; Victor Zaslavsky: ''Klassensäuberung: das Massaker von Katyn.'' Bonn 2008.</ref>

Ein weiteres Forschungsthema ist die jahrzehntelange Propagandalüge im Osten und der Umgang damit im Westen, bei dem „Katyn“ zu einer Chiffre für den Konflikt zwischen Moral und Realpolitik wurde. Gerd Kaiser urteilte 2002, es gehe dabei „immer zugespitzter um die Frage, ob eine grundlegend neue und gerechte Gesellschaftsordnung mit ‚Leichen im Keller‘ möglich ist.“<ref>Gerd Kaiser: ''Katyn.'' 2002, S. 410.</ref>

Im August 2012 wurden von den VSA neue Dokumente über das sowjet-bolschewistische Verbrechen an Polen übergeben. Nach Meinung des polnischen Geschichtswissenschaftlers [[Wojciech Materski]] können die freigegebenen Archivmaterialien die Version bestätigen, wonach VS-Präsident [[Franklin Roosevelt]] von der Unschuld der deutschen [[Wehrmacht]] an der Massenerschießung von Polen gewußt, jedoch öffentlich das Gegenteil behauptet hatte. Roosevelt hatte offensichtlich Angst, daß Stalin die antideutsche Koalition verlassen würde, wenn die Wahrheit bekannt würde.<ref>[http://de.rian.ru/politics/20120824/264257829.html rian.ru: Katyn-Massaker 1940: USA übergeben Archivdokumente an Polen, (24.8.2012)]</ref><ref>[http://rt.com/news/katyn-massacre-documents-usa-816/ WWII massacre: Memos show US cover-up of Stalin’s Katyn slaughter] Bericht von ''Russia Today'' vom 10. September 2012, abgerufen am 12. September 2012</ref>

Weitere Massengräber sowjet-bolschewistischer Verbrechen finden sich in [[Bykownia]] und [[Kuropaty]] mit mindestens einer halben Million verscharrter Leichen.

=== Prozesse ===

Ein Strafverfahren gegen Täter der Mordserie von 1940 hat nie stattgefunden. Auch eine Entschädigung der Opfer unterblieb. Die Haupttäter Beria und Merkulow wurden 1953 aus anderen Gründen hingerichtet; Blochin starb 1955. Zwar nahm das Oberste Militärgericht Russlands im Herbst 1990 Ermittlungen auf und befragte unter anderen Pjotr Soprunenko und Dmitri Tokarjew. Am 21. September 2004 stellte es das Verfahren jedoch ergebnislos ein und erklärte die meisten Ermittlungsakten für geheim. Das Gericht führte die Taten auf Machtmissbrauch einiger NKWD-Leiter zurück und schloss damit sowohl das sowjetische Politbüro als auch die ausführenden Täter aus dem Kreis der Verantwortlichen aus. Es erkannte nur anonyme Massenexekutionen, aber keine namentlich bekannten Mordopfer an.<ref>Alexander Guryanov: [http://law.case.edu/lectures/files/2010-2011/20110204_Guryanov-Current_Status_Katyn_Case.pdf ''Current Status of Katyn Case in Russia''] (2010, PDF; 86 kB) (“Memorial” Society, Moscow)</ref> Der Oberstaatsanwalt des Gerichts, Alexander Sawenko, erklärte am 11. März 2005, es sei nur der Tod von 1803 Insassen der drei Speziallager erwiesen, davon seien nur 22 identifiziert worden. Daher handele es sich nicht um einen Völkermord.<ref>[http://nachrichten.ru/rupol0010/morenews.php?iditem=5040 ''Trag��die von Katyn keine Folge des Genozids.''] auf: ''Russland.RU'' 11. März 2005.</ref>

Polens damaliger Staatspräsident [[Lech Kaczyński]] unterstützte 2008 einen Gesetzentwurf seiner Partei, das Verbrechen als Völkermord einzustufen, um eine [[Verjährung]] auszuschließen und damit eine Rehabilitierung der Opfer zu ermöglichen.<ref>Thomas Urban: [http://www.sueddeutsche.de/politik/massaker-im-zweiten-weltkrieg-angehoerige-der-katyn-opfer-duerfen-hoffen-1.195125 ''Massaker im Zweiten Weltkrieg: Angehörige der Katyn-Opfer dürfen hoffen.''] In: ''Süddeutsche Zeitung.'' 12. Juni 2008.</ref> Der Vorstoß fand jedoch 2009 im polnischen [[Sejm]] keine Mehrheit. Dieser stufte Katyn als „[[Kriegsverbrechen]] mit Merkmalen eines Völkermords“ ein.<ref>[http://www.20min.ch/ausland/dossier/weltkrieg/story/Russische-Kriegsverbrechen-verurteilt-15404640 ''Russische Kriegsverbrechen verurteilt.''] auf: ''20min.ch'', 23. September 2009; Biuro Prasowe Kancelarii Sejmu: [http://isap.sejm.gov.pl/DetailsServlet?id=WMP20090470684 ''Uchwała Sejmu Rzeczypospolitej Polskiej z dnia 15 lipca 2009 r. w sprawie tragicznego losu Polaków na Kresach Wschodnich.'']</ref> Das Oberste Gericht Russlands bestätigte im Januar 2009 das Urteil des Obersten Militärgerichts von 2004.<ref>[http://www.seiten.faz-archiv.de/faz/20090130/fd1200901302134872.html ''Keine Ermittlungen zu Massenmord in Katyn.''] In: ''FAZ.'' 30. Januar 2009. (kostenpflichtig)</ref>

Stalins Enkel Jewgenij Dschugaschwili prozessierte 2009 erfolglos vor einem Moskauer Gericht gegen die Zeitung ''[[Nowaja Gaseta]]'', die mit einer Beilage der russischen Menschenrechtsvereinigung ''Memorial'' an Stalins Verbrechen, darunter seinen Mordbefehl für Katyn, erinnert hatte.<ref>[http://www.aktuell.ru/russland/panorama/stalins_ehre_enkel_verklagt_die_%E2%80%9Enowaja_gazeta%E2%80%9C_2839.html ''Stalins Ehre: Enkel verklagt die „Nowaja Gazeta“.''] auf: ''Russland aktuell.'' 8. Oktober 2009; [http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,654992,00.html ''„Nowaja Gaseta“: Gericht weist Klage von Stalin-Enkel zurück.''] In: ''Der Spiegel.'' 13. Oktober 2010.</ref>

Auf Antrag von ''Memorial'' stufte das Oberste Gericht Russlands die Geheimhaltung der Katyn-Akten im April 2010 als gesetzeswidrig ein.<ref>[http://www.welt.de/die-welt/politik/article7283104/Oberstes-Gericht-Verschluss-der-Katyn-Akten-gesetzeswidrig.html ''Oberstes Gericht: Verschluss der Katyn-Akten gesetzeswidrig.''] In: ''Die Welt.'' 22. April 2010; [http://russland.ru/rupol0010/morenews.php?iditem=22296 ''Urteil zu Aufarbeitung des Massakers von Katyn in Russland.''] In: ''Russland.RU.'' 22. April 2010.</ref> Am 9. Mai 2010 übergab Medwedew Polen einen Teil der Akten (67 Bände) des vierzehnjährigen Prozesses, auch um künftigen Geschichtsfälschungen vorzubeugen.<ref>[http://en.rian.ru/russia/20100509/158936509.html ''Russia hands over volumes of Katyn massacre case to Poland.''] auf: ''Ria Novosti.'' 9. Mai 2010.</ref> Ende Mai 2010 wies das Oberste Militärgericht Russlands eine Klage von ''Memorial'', das 2004 eingestellte Verfahren wieder aufzunehmen, wegen Verjährung endgültig ab.<ref>[http://www.faz.net/aktuell/politik/keine-ermittlungen-zu-morden-von-katyn-1980465.html ''Keine Ermittlungen zu Morden von Katyn.''] In: ''FAZ.'' 31. Mai 2010.</ref>

Franz Kadell urteilte 2011: „…der bis 2010 hingezogenen wirksam in Szene gesetzten Veröffentlichung einzelner Dokumente steht der willkürlich anmutende Wechsel von Öffnung und Schließung der staatlichen Archive gegenüber. Darüber hinaus haben es die russischen Staatsanwaltschaften und Gerichte bis heute verstanden, die Täter mehr zu schützen als zu verfolgen. Nie hat es eine Anklage gegeben. Der ‚Fall Katyn‘ […] zeigt, wie stark die Stalin-Zeit im gegenwärtigen Russland nachwirkt.“<ref>Franz Kadell: ''Katyn – Das zweifache Trauma der Polen.'' 2011, S. 7 f.</ref>

Am 19. November 2007 und am 24. Mai 2009 hatten fünfzehn Angehörige von Mordopfern beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eine Klage eingereicht: Russland habe entgegen Artikel 2 der [[Europäische Menschenrechtskonvention|EMRK]] keine ausreichenden strafrechtlichen Ermittlungen zum Tod ihrer Angehörigen durchgeführt und sie gegen Artikel 3 EMRK inhuman und erniedrigend behandelt. Der Staat Polen trat dem Prozess im Mai 2010 als Drittkläger bei. Am 5. Juli 2011 nahm der Gerichtshof die Klage zur Verhandlung an.<ref>[http://cmiskp.echr.coe.int/tkp197/view.asp?action=html&documentId=888266&portal=hbkm&source=externalbydocnumber&table=F69A27FD8FB86142BF01C1166DEA398649 Zulassungsentscheidung des ECHR, 5. Juli 2011]</ref> Am 6. Oktober 2011 führte er eine öffentliche Anhörung dazu durch.<ref>[http://www.codex-online.com/codex/contents.nsf/WPrintArticles/D7F353648A1AAD6AC225792200490657/$file/Chamber+hearing+Janowiec+and+Others+v.+Russia+06.10.11.pdf ''Chamber hearing concerning complaints about inadequate investigation into Katyń massacre.''] In: ''ECHR.'' 171 (2011) 6. Oktober 2011, (PDF; 142 kB)</ref> Am 22. Oktober 2011 erklärte sich Russlands Außenminister [[Sergei Wiktorowitsch Lawrow]] bereit, sich außergerichtlich mit Polen über eine Rehabilitierung der Opfer zu einigen. Dem russischen Historiker Nikita Pietrow (''Memorial'') zufolge wollte Russlands Regierung die namentliche Rehabilitation einzelner Opfer vermeiden, um Entschädigungsansprüche von Opferangehörigen auszuschließen.<ref>[http://www.n-tv.de/politik/Moskau-zeigt-Entgegenkommen-article4592316.html ''Rehabilitierung der Katyn-Opfer: Moskau zeigt Entgegenkommen.''] auf: ''NTV.'' 22. Oktober 2011.</ref>

Am 16. April 2012 urteilte der Gerichtshof: Wegen des [[Rückwirkung]]sverbots könne man die russische Behandlung der Taten von 1940 nicht beurteilen, die zu lange zurücklägen. Doch der Umgang der sowjetischen und anschließend der russischen Behörden mit zehn der 15 Kläger, die direkte Angehörige von Mordopfern sind, sei menschenrechtswidrig gewesen. Ihnen sei seit der russischen Unterzeichnung der Menschenrechtskonvention 1998 kein Zugang zu Untersuchungsmaterial gestattet worden. Sie seien nicht in die Untersuchung eingebunden worden, und Russland habe die Gründe für deren Einstellung im Jahr 2004 vor ihnen geheim gehalten. Das russische Militärgericht habe mit der Annahme, die Getöteten könnten aus den sowjetischen Lagern geflohen oder zu Recht zum Tod verurteilt worden sein, die Umstände des Massakers bewusst verschleiert und mangelnde Menschlichkeit gegenüber den Opferangehörigen gezeigt. Russland habe auch gegen Artikel 38 der EMRK verstoßen, indem es dem Gerichtshof die Akten zur Einstellung der Ermittlungen im Jahr 2004 vorenthalten habe.<ref>[http://cmiskp.echr.coe.int/tkp197/view.asp?action=html&documentId=906163&portal=hbkm&source=externalbydocnumber&table=F69A27FD8FB86142BF01C1166DEA398649 ''Case of Janowiec and others v. Russia (Applications nos. 55508/07 and 29520/09): Judgment. Strasbourg 16. April 2012'']</ref> Am 16. April 2012 verurteilte eine kleine Kammer des Gerichtshofs Russland deshalb zunächst wegen „menschenunwürdiger Behandlung der Angehörigen“ und unzureichender Zusammenarbeit der russischen Justiz, die ihm Einsicht in Ermittlungsakten verweigert hatte.<ref>[http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-04/russland-katyn-urteil Zeit, 16. April 2012: ''Menschenrechte Russland wegen Katyn-Massakers verurteilt'']</ref>

Am 13. Oktober 2013 hob die Große Kammer des EGMR dieses Urteil großenteils auf: 1998, als Russland der EMRK beitrat, sei die Ermordung der Kriegsgefangenen bereits eine „nachgewiesene historische Tatsache“ gewesen, so dass den Angehörigen das Schicksal der Opfer nicht ungewiss gewesen sei. Daher sei die Einstellung strafrechtlicher Ermittlungen zu den Massenmorden durch die russische Justiz nicht als „unmenschliche Behandlung“ der Opferangehörigen zu beurteilen und begründe keinen Anspruch auf Entschädigungen. Die seit 2004 fehlende Zusammenarbeit der russischen Justiz mit dem EGMR verurteilte dieser weiterhin.<ref>Die Zeit, 21. Oktober 2013: [http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-10/katyn-menschenrechte-gerichtshof-russland ''Katyn-Angehörige scheitern mit Klage gegen Russland'']</ref>

=== Gefälschte Bildunterschriften ===

Mit der Verbreitung [[Wikipedia]]s nehmen geschichtsfälschende Darstellungen per Bildunterschrift oder Bildbeschreibung auf ''Wikimedia Commons'' (Wikipedias Medienplattform) zu. Dort werden die Bildbeschreibungen gezielt verwendet, um linke Haßpropaganda und geschichtsverfälschende Lügen in Umlauf setzen zu können. Als Beispiel sei hier die vom [[Bundesarchiv]] übernommene falsche Beschreibung eines Bildes zum bolschewistischen Massenmord in Katyn erwähnt:<ref>[http://commons.wikimedia.org/w/index.php?title=File%3ABundesarchiv_Bild_183-J21040%2C_Katyn%2C_%C3%96ffnung_der_Massengr%C3%A4ber%2C_polnische_Rot-Kreuz-Mitarbeiter.jpg&diff=28234157&oldid=16755036 geschichtsverfälschende Bildbeschreibungen in der Wikimedia]</ref>

:''„Im April 1943 starten die deutschen Faschisten die antisowjetische Propaganda über den Massenmord im Katyner Wald, 15 klm nw. von Smolensk, wo sie Massengräber mit ca. 11.000 ermordeten kriegsgefangenen Polen als Greueltaten der Sowjets erklärten. (Die Außerordentliche Staatliche Kommission unter Leitung des Akademikers Burdenko stellte in ihrem Untersuchungsbericht vom 24.01.1944 fest, daß die Ermordungen nicht wie die Faschisten behauptet hatten, im Frühjahr 1940 sondern erst im Herbst 1941, also von den Faschisten selbst, stattgefunden haben.) U.B.z: eine Delegation des polnischen Roten Kreuzes nimmt Einsicht in die bei den Ermordeten gefundenen Papiere, mit denen die deutschen Faschisten den Sowjets die Greueltaten zuschoben. April 1943“''

Drei Tage nach Entfernung dieser Bildbeschreibung wurde sie erneut hinzugefügt.<ref>[http://commons.wikimedia.org/w/index.php?title=File%3ABundesarchiv_Bild_183-J21040%2C_Katyn%2C_%C3%96ffnung_der_Massengr%C3%A4ber%2C_polnische_Rot-Kreuz-Mitarbeiter.jpg&action=historysubmit&diff=28410611&oldid=28234157 wiederholte Einfügung geschichtsverfälschender Bildbeschreibungen in der Wikimedia]</ref>

=== Gedenken ===

[[Datei:Katowice - Pomnik na pl. Andrzeja.JPG|miniatur|Katyn-Denkmal in [[Katowice]], Polen]]

[[Datei:Katyn Memorial Cannock.jpg|miniatur|links|Katyn Memorial Cannock Chase]]

[[Datei:Toronto-katyn-memorial.jpg|miniatur|hochkant|Katyn-Memorial Toronto]]

Da öffentliches Gedenken an Katyn das sowjetische Geschichtsbild angriff, war es in der Volksrepublik Polen bis 1988 nur illegal, in Katyn gar nicht möglich. Daher entstanden in einigen westlichen Staaten stellvertretend Katyn-Denkmäler, etwa in [[Cannock Chase]], [[Staffordshire]], Vereinigtes Königreich (1979), [[Toronto]], Kanada (1980), [[Johannesburg]], Südafrika (1981), [[Doylestown (Pennsylvania, Bucks County)]], Bergen, New Jersey (1991), [[Baltimore]] und [[Adelaide]], Australien (2000) sowie [[Stockholm]], Schweden.<ref>[http://newsvote.bbc.co.uk/mpapps/pagetools/print/news.bbc.co.uk/local/stoke/hi/people_and_places/religion_and_ethics/newsid_8692000/8692627.stm?ad=1 Cannock Chase]; [http://www.polishheritage.ca/news_detail.aspx?news_page_id=4&news_id=332 Toronto]; [http://katyn.org.au/katynj.html Johannesburg]; [http://www.flickr.com/photos/sheenachi/196231906/ Doylestown]; [http://www.highbeam.com/doc/1P1-22588833.html Bergen]; [http://www.katynbaltimore.com/foundation.html Baltimore]; [http://katyn.org.au/adelaide.html Adelaide]; [http://www.thenews.pl/1/10/Artykul/24940,Katyn-memorial-vandalised-in-Sweden Stockholm].</ref>

Ein [[Obelisk]] mit eingraviertem Schriftzug „Katyn 1940“ und einem in Stacheldraht gefangenen polnischen Adler<ref>[http://www.ww2museums.com/article/8938/Katyn-Memorial-London.htm ''Katyn Memorial London.'']</ref> durfte 1976 nach fünfjährigem Konflikt weder im Stadtzentrum von [[London]] noch im Stadtteil [[Chelsea (London)|Chelsea]], aber auf dem ''Gunnersbury Cemetery'' in [[London Borough of Hounslow]] aufgestellt werden.<ref name="Claudia Weber" />

Seit 1980 legten Polen Kränze und Blumen auf ein symbolisches Katyngrab auf dem [[Powązki-Friedhof]] in [[Warschau]]. Dort versammelten sich im Sommer 1981 täglich Hunderte oder Tausende, um Kerzen für die Opfer anzuzünden. Am 31. Juli 1981 stellten Anhänger der [[Solidarność]] dort heimlich ein Kreuz mit der Aufschrift „Katyn – 1940“ auf.<ref>Ost-Europa, Band 40, Ausgaben 1-3: ''Der Fall Katyn in den polnischen Medien.'' Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde, Deutsche Verlags-Anstalt, 1990, S. A-95</ref> In der folgenden Nacht entfernten unbekannte Funktionäre des [[Służba Bezpieczeństwa|polnischen Staatssicherheitsdienstes]] das Kreuz.<ref>[http://ipn.gov.pl/__data/assets/pdf_file/0016/61027/1-23264.pdf IPN Zbrodnia Katyńska. Materiały dla ucznia. Kraków/Warszawa 2010] (PDF; 2,6 MB), S. 11, 17.</ref> Ein als Aufsteller Verdächtigter wurde zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Jedoch wurden weiter an dieser Stelle Kränze für die Opfer von Katyn abgelegt. 1985 ließ die polnische Führung unter Jaruzelski dort 1985 ihrerseits ein Kreuz mit der Aufschrift „Den polnischen Soldaten, Opfern des Hitler-Faschismus, die in der Erde von Katyn ruhen“ aufstellen. 1988 wurde diese Aufschrift abgeschliffen, das erste Kreuz wurde 1989 wiedergefunden und am selben Platz wieder aufgestellt.<ref>Martin Schaubs: ''Streitfall Katyn: die Wahrnehmung des Massakers in der sowjetrussischen, polnischen und westdeutschen Öffentlichkeit, 1980–2000.'' Tectum Verlag, 2008, ISBN 978-3-8288-9805-9, S. 29–35;{{Der Spiegel |ID=13512777 |Titel=Zusatz: Hitler. Ein Denkmal, das die Polen besänftigen sollte, fordert ihren Protest heraus |Jahr=1985 |Nr=16 |Datum=1985-04-15 |Seiten=153-155}}</ref>

Erst der politische Wandel in Polen und der Sowjetunion seit 1985 ermöglichte eine würdige Bestattung der bei Katyn Ermordeten und ein öffentliches, auch gemeinsames polnisch-russisches Gedenken an sie. Damit verlor Katyn allmählich seine Bedeutung als antisowjetisches Fanal und wurde zum Ort persönlicher Trauer.<ref>Rudolf Jaworski: ''Alte und neue Gedächtnisorte in Osteuropa nach dem Sturz des Kommunismus.'' In: [[Thomas Stamm-Kuhlmann]], Jürgen Elvert, [[Birgit Aschmann]]: ''Geschichtsbilder: Festschrift für Michael Salewski zum 65. Geburtstag.'' Franz Steiner Verlag, Wiesbaden 2003, ISBN 3-515-08252-2, [http://books.google.de/books?id=Q6QwRr2ic-4C&pg=RA1-PA638 S. 638.]</ref> Das 1993 eröffnete [[Katyń-Museum Warschau]], eine Nebenstelle des [[Muzeum Wojska Polskiego]], enthält vor allem die bei ihnen gefundenen persönlichen Gegenstände, ihre Namen, biografische Skizzen und Fotografien von Ausgrabungen.<ref>Zdzisław Sawicki (Hrsg.): ''The Katyn Museum: division of the Polish Military Museum in Warsaw: guide.'' 2004, ISBN 83-8662282-2.</ref> Polen erklärte den 13. April, an dem das Massaker der Welt bekannt und an dem es von der Sowjetunion eingestanden wurde, zum Gedenktag an die Katyn-Opfer.<ref>[http://www2.polskieradio.pl/zagranica/il/news/print.aspx?id=106120 ''Poland marks International Katyn Genocide Memorial Day.''] In: ''Polskie Radio.'' 10. April 2009.</ref> Am 22. Februar 1994 schlossen Russland und Polen ein Abkommen über die Gräber und Gedenkorte der Opfer von Krieg und Repression.<ref>Pim den Boer, Heinz Duchhardt, [[Georg Kreis]], Wolfgang Schmale: ''Europäische Erinnerungsorte 2: Das Haus Europa.'' Oldenbourg, München 2011, ISBN 978-3-486-70419-8, [http://books.google.de/books?id=DNKaEuTHP4gC&pg=PA485 S. 485.]</ref> Die russischen Behörden erleichterten polnischen Opferverbänden den Zugang zu Katyn. 1999 bis 2000 gestalteten beide Seiten gemeinsam den [[Soldatenfriedhof Katyn]] neu. Er umfasst auch russische Opfer des Stalinismus und soll so zur Versöhnung von Polen und Russen beitragen.<ref>Rudolf Jaworski: ''Alte und neue Gedächtnisorte in Osteuropa nach dem Sturz des Kommunismus.'' In: Thomas Stamm-Kuhlmann, Jürgen Elvert, [[Birgit Aschmann]]: ''Geschichtsbilder: Festschrift für Michael Salewski zum 65. Geburtstag.'' Wiesbaden 2003, [http://books.google.de/books?id=Q6QwRr2ic-4C&pg=RA1-PA639 S. 639.]</ref> So erklärte Polens Premierminister [[Jerzy Buzek]] zum 60. Jahrestag des Massakers im polnischen Fernsehen, Katyn solle ein Symbol der gemeinsamen Erinnerung und Verpflichtung werden, einen schwierigen Teil der eigenen Geschichte zu bewältigen, zum Segen der eigenen Zukunft, der Stärkung freundlicher Gefühle zwischen Polen und Russen und des Aufbaus freundschaftlicher Beziehungen zwischen beiden Staaten.<ref>Cienciala, Lebedewa, Materski: ''Katyn: A Crime Without Punishment.'' 2008, [http://books.google.de/books?id=SyimWfkx0-MC&pg=PA353 S. 353.] und S. 536, Anm. 413.</ref>

Der Regisseur [[Andrzej Wajda]], dessen Vater, Hauptmann Jakub Wajda, 1940 in Charkow ermordet worden war,<ref>Andrzej Wajda: ''Kino i reszta świata. Autobiografie.'' Wydawn, Znak, 2000, ISBN 83-7006-987-8, S. 29; {{Der Spiegel |ID=66886641 |Titel=Opfer spielten keine Rolle. Der polnische Regisseur Andrzej Wajda über seinen Film „Das Massaker von Katyn“, das Schicksal seines Vaters und das Leben mit der Lüge während der kommunistischen Herrschaft |Autor=Christian Neef, Jan Puhl |Jahr=2009 |Nr=38 |Datum=2009-09-14 |Seiten=162-164}}</ref> leistete 2007 mit dem ersten polnischen Film zum Thema – [[Das Massaker von Katyn]] – einen Beitrag zum internationalen Gedenken an das Verbrechen und an dessen jahrzehntelange Verleugnung.<ref>Martin Aust: ''Polen und Russland im Streit um die Ukraine: Konkurrierende Erinnerungen an die Kriege des 17. Jahrhunderts 1934–2006.'' Harrassowitz, 2009, ISBN 978-3-447-05927-5, [http://www.books.google.de/books?id=IFqYoath80QC&pg=PA278 S. 278.]; Gabriella Elina Imposti: ''„God's Playground“: Poland and the Second World War in Wajda's Cinema.'' In: Elena Lamberti, Vita Fortunati: ''Memories and Representations of War: The Case of World War I and World War II.'' Rodopi, 2009, [http://books.google.de/books?id=wNuadsYyq2EC&pg=PA235 S. 235.]</ref>

Am 7. April 2010 begingen die Ministerpräsidenten Polens und Russlands den 70. Jahrestag des Massakers auf dem Friedhof von Katyn erstmals gemeinsam. Am 10. April 2010 starben Staatspräsident [[Lech Kaczyński]] und 95 Polen, darunter Vertreter der „Familien von Katyn“, bei der Anreise zu einer weiteren Gedenkveranstaltung beim [[Flugzeugabsturz bei Smolensk]]. Die Trauer über ihren Tod ließ Polen und Russen zusammenrücken. Das Moskauer Staatsfernsehen strahlte erstmals Wajdas Film aus. Das verbesserte die Kenntnis vieler Russen, die noch der sowjetischen Propagandalüge über Katyn geglaubt hatten.<ref>Joachim von Putkamer: ''Russland und das östliche Europa.'' In: Wlodzimierz Borodziej, Joachim von Puttkamer (Hrsg.): ''Europa und sein Osten: Geschichtskulturelle Herausforderungen.'' Oldenbourg, München 2012, ISBN 978-3-486-71593-4, [http://books.google.de/books?id=TFJfCCf45z0C&pg=PA164 S. 164.]</ref> Der russische Abschlussbericht zu den Absturzursachen vom Januar 2011 verursachte jedoch neue Spannungen zwischen den Regierungen beider Staaten.<ref>[http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,739425,00.html ''Absturz von Smolensk: Polen fordern Neufassung des Crash-Berichts.''] In: ''Der Spiegel.'' 13. Januar 2011.</ref>

Der Präsident der russischen Stiftung ''Memorial'', [[Arseni Borissowitsch Roginski]], beschrieb am 22. April 2010 die bestehenden Probleme des gemeinsamen Gedenkens: Während Polen eine Opferrolle und den Widerstand überbetonten, sei russisches Gedenken konfus und selektiv. Die Erinnerung an Katyn sei ein notwendiger und noch immer unzureichend wahrgenommener Anstoß zum russischen Gedenken an die ganze Stalinzeit:<ref>[http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/die_russen_muessen_das_boese_reflektieren_1.5506188.html ''„Die Russen müssen das Böse reflektieren.“ Der Präsident von „Memorial“, über die russisch-polnische Erinnerungskultur.''] auf: ''NZZ.'' 22. April 2010.</ref>

{{Zitat|Wir müssen die Untersuchungen zu diesem Verbrechen, die 2004 eingestellt wurden, wieder aufnehmen. Wir müssen ohne Ausnahme alle Archivmaterialien der Öffentlichkeit zugänglich machen. Wir müssen ein juristisches Urteil über das Verbrechen von Katyn fällen. Wir müssen alle Opfer rehabilitieren. […] Es müssen die Normen des Völkerrechts angewendet werden: Katyn ist ein [[Verbrechen gegen die Menschlichkeit]] oder ein Kriegsverbrechen. Man muss alle Namen offen nennen, angefangen mit Stalin.}}

Franz Kadell betonte 2011: Weil die Deutschen Nachbarn der Polen seien, sei es wichtig für sie, zu wissen, dass das Gedenken an Katyn für Polen eine „sakrale nationale Angelegenheit“ sei.<ref>Franz Kadell: ''Katyn – Das zweifache Trauma der Polen.'' 2011, S. 7.</ref>

Am 15. Juli 2012 weihte Patriarch [[Kyrill I.]] eine neu erbaute [[Russisch-Orthodoxe Kirche]] in Katyn ein, die zur Aussöhnung zwischen Polen und Russen beitragen soll.<ref>[http://www.mdz-moskau.eu/eingotteshausfuerkatyn/ ''Ein Gotteshaus für Katyn.''] In: ''Moskauer Deutsche Zeitung.'' 4. August 2012.</ref>

[[Strobe Talbott]], einer von Brzezińskis langjährigen Kritikern, führte für das [[TIME]]-Magazin ein Interview mit Brzeziński unter dem Titel ''Rechtfertigung eines Hardliners''.<ref>http://content.time.com/time/magazine/article/0,9171,959391,00.html</ref>

1990 warnte Brzeziński vor einer Euphorie wegen des Endes des Kalten Krieges. Er lehnte öffentlich den Einsatz im [[Zweiter Golfkrieg|Zweiten Golfkrieg]] ab, weil die USA so das internationale Wohlwollen verspielte, das es durch den Sieg über die Sowjetunion gewonnen hatte und starken Widerwillen in der gesamten arabischen Welt auslösen könnte. Er führte diese Sicht der Dinge in seinem Werk „Außer Kontrolle“ (1992) weiter aus.

Besonders kritisch sah Brzeziński das Zögern der Regierung [[Bill Clinton]]s, gegen die serbische Armee im Bosnischen Krieg zu intervenieren.<ref>[http://findarticles.com/p/articles/mi_m1571/is_n32_v11/ai_17210365/ Brzezinski on isolation: former National Security Advisor Zbigniew Brezinski warns of the failures of Clinton foreign policy], Insight on the News, 21. August 1995</ref> Er sprach sich auch gegen den ersten Tschetschenienkrieg Russlands aus und bildete das [[American Committee for Peace in Chechnya]]. Beunruhigt über ein mögliches Wiedererstarken Russlands, sah er den Amtsantritt [[Wladimir Wladimirowitsch Putin|Wladimir Putins]] nach [[Boris Nikolajewitsch Jelzin|Boris Jelzin]] mit Misstrauen. Aus diesem Grund wurde er einer der stärksten Befürworter der Erweiterung der NATO.

Er trat auch für die Bombardierung Serbiens 1999 während des [[Kosovo-Krieg]]es ein.<ref>[http://www.charlierose.com/view/interview/4378 A conversation about Kosovo with Zbigniew Brzezinski] Charlie Rose, 25 March 1999</ref>

== Tätigkeiten während der Präsidentschaften Bush II und Obama ==

Nach dem 11. September 2001 wurde Brzeziński für seine Rolle bei der Bildung des Netzwerkes der afghanischen [[Taliban]] kritisiert.

;Krieg gegen den Terror

Brzeziński war ein prominenter Gegner des Kriegs gegen den Terror von [[George W. Bush]]. 2004 schrieb er sein Werk „Die Wahl“ (''The Choice''), die das Thema von ''The Grand Chessboard'' erweiterte, aber Bushs Außenpolitik scharf kritisierte. Er verteidigte das Buch ''[[The Israel Lobby and U.S. Foreign Policy]]'' der Politikwissenschaftler [[John J. Mearsheimer]] und [[Stephen M. Walt]] (2006) und war ein prononcierter Kritiker der Invasion des Irak des Jahres 2003<ref name="YnetSept2007">[http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3449954,00.html Obama advisor raises concerns], Ynet, September 15, 2007.</ref>

;Präsidentschaft Obamas 2007

Im August 2007 unterstützte Brzeziński die Wahl [[Barack Obama]]s. Er stellte fest, Obama erkenne, „dass Amerikas Rolle in der Welt ein neues Gesicht, eine neue Richtung und eine neue Definition braucht“<ref>Alec MacGillis, [http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2007/08/24/AR2007082402127.html Brzezinski Backs Obama], Washington Post, August 25, 2007.</ref> – und bemerkte: „Was mir an Obama gefällt ist, dass er versteht, dass wir in einer völlig anderen Welt leben, in der wir uns auf eine Vielfalt von Menschen und Kulturen einstellen müssen“.<ref>Eric Walberg, [http://weekly.ahram.org.eg/2008/907/in3.htm The real power behind the throne-to-be], Al-Ahram, July 24–30, 2008.</ref>

Im September 2007 präsentierte Obama Brzeziński während einer Rede über den Irakkrieg als „einen unserer bedeutendsten Denker“, aber einige israelfreundliche Kommentatoren stellten seine Kritik an der israelischen Lobby in den USA in Frage.<ref name=YnetSept2007/> In einem Interview im September 2009 mit ''[[The Daily Beast]]'', antwortete Brzeziński auf die Frage, wie nachdrücklich Obama darauf bestehen sollte, dass Israel keinen Luftangriff auf den Iran unternehmen solle, „Wir sind eigentlich keine machtlosen kleinen Babys. Sie müssen über unseren Luftraum im Irak fliegen. Werden wir nur dasitzen und zuschauen?“<ref>Gerald Posner, [http://www.thedailybeast.com/blogs-and-stories/2009-09-18/how-obama-flubbed-his-missile-message/full/ How Obama Flubbed His Missile Message], The Daily Beast, undated.</ref> Dies wurde von einigen Unterstützern Israels als Befürwortung des Abschusses israelischer Flugzeuge durch die USA interpretiert, um einen Angriff auf den Iran zu verhindern.<ref>[http://jta.org/news/article/2009/09/21/1008006/brzezinski-us-must-deny-israel-airspace-to-attack-iran Brzezinski: U.S. must deny Israel airspace], Jewish Telegraphic Agency, September 21, 2009.</ref><ref>Jake Tapper, [http://blogs.abcnews.com/politicalpunch/2009/09/zbig-brzezinski-obama-administration-should-tell-israel-us-will-attack-israeli-jets-if-they-try-to-a.html Zbig Brzezinski: Obama Administration Should Tell Israel U.S. Will Attack Israeli Jets if They Try to Attack Iran], ABC News, September 20, 2009.</ref>

;Militärintervention in Libyen 2011

2011 unterstützte Brzeziński die [[Militärintervention]] in [[Libyen]], wobei er die Nichtintervention als „moralisch zweifelhaft“ und „politisch fragwürdig“ bezeichnete.<ref>[http://www.pbs.org/newshour/bb/world/jan-june11/overview_03-21.html PBS: Turmoil in Arab World: Deepening Divisions or Turning a New Page?]</ref>

;Syrien 2013

In einem Interview mit der Zeitschrift [[The National Interest]] vom 24. Juni 2013 kritisierte Brzezinski die Syrien-Politik Obamas hart: "Ende 2011 brachen die Unruhen in Syrien aus; das war eine Folge der Dürre; zwei despotische Regierungen im Nahen Osten schürten diese Unruhen an, nämlich Saudi-Arabien und Katar. US-Präsident Obama unterstützte daraufhin die Unruhen und kündigte plötzlich an, dass Assad gehen müsse; dafür habe Obama offensichtlich keine Vorbereitungen getroffen....War das eine strategische Politik? Warum wurde plötzlich entschieden, Syrien zu destabilisieren und letztlich die Regierung dort zu stürzen? Wurde die US-amerikanische Bevölkerung darüber aufgeklärt?" Er kritisierte insbesondere den Einsatz der CIA und ihren ehemaligen Direktor [[David Petraeus]].<ref>{{Internetquelle |url=http://nationalinterest.org/commentary/brzezinski-the-syria-crisis-8636 |titel=Brzezinski on the Syria Crisis, An interview with the former national-security adviser on the U.S. role |werk=[[The National Interest]] |datum=2013-06-24 |zugriff=2014-07-08}}</ref><ref>{{Internetquelle |url=http://www.nytimes.com/2013/03/25/world/middleeast/arms-airlift-to-syrian-rebels-expands-with-cia-aid.html |titel=Arms Airlift to Syria Rebels Expands, With Aid From C.I.A. |autor=C. J. Chivers und Eric Schmitt |werk=[[The New York Times]] |datum=2013-03-24 |zugriff=2014-07-08}}</ref>

;Ukraine-Krise 2014

Zbigniew Brzezinski betonte im Februar 2014, "ohne die Ukraine könne Russland nie wieder Supermacht werden. Erst in diesem Kontext wird der erbitterte politische Kampf Russlands um die Ukraine verständlich."<ref>[http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-02/ukraine-klitschko-jazenjuk-berlin ''Was Putin mit der Ukraine vorhat''], Die Zeit, 17. Februar 2014</ref>

Am 3. März 2014, zwischen der Absetzung [[Wiktor Janukowytsch]]s und dem Krim-Referendum, verfasste Brzenzinski einen [[Gastkommentar]] für die Washington Post: „Was ist zu tun? Putins Aggression in der Ukraine braucht eine Antwort“<ref name=brzukr>{{Internetquelle |url=http://www.washingtonpost.com/opinions/zbigniew-brzezinski-after-putins-aggression-in-ukraine-the-west-must-be-ready-to-respond/2014/03/03/25b3f928-a2f5-11e3-84d4-e59b1709222c_story.html |werk=Washington Post |titel=What is to be done? Putin’s aggression in Ukraine needs a response |autor=Zbigniew Brzezinski |datum=2014-03-03 |zugriff=2014-07-08}}</ref> Er verglich Putins „gangsterhafte Taktik“ und „kaum getarnte Invasion“ der Krim mit [[Adolf Hitler]]s Besetzung des [[Sudetenland]]s 1938 und charakterisierte Putin als einen Cartoon-[[Benito Mussolini|Mussolini]], er hielt aber kurz davor zurück, einen Kriegseintritt der USA zu empfehlen. Stattdessen empfahl er, die [[NATO]] solle in Hochalarm versetzt werden und „Kalkulationsfehler verhüten“. Andererseits stellte er ausdrücklich fest, Russland müsse versichert werden, dass der Westen die Ukraine nicht in die NATO hineinziehen oder gegen Russland einstimmen wolle. („The West should reassure Russia that it is not seeking to draw Ukraine into NATO or to turn it against Russia.“) <ref name=brzukr/>

Er nannte die folgende Intervention Russlands in der Ostukraine ebenfalls als "kaum verschleiert".<ref>[http://www.washingtonpost.com/opinions/zbigniew-brzezinski-putins-three-choices-on-ukraine/2014/07/08/ba1e62ae-0620-11e4-a0dd-f2b22a257353_story.html ''Putin’s three choices on Ukraine''], The Washington Post, 8. Juli 2014</ref>

;Pakistan

Als Sicherheitsberater von Jimmy Carter (1977–1981) erwarb Brzeziński sich den Ruf eines „[[Hardliner]]s“ bezüglich seiner Politik gegenüber der [[Sowjetunion]]. Er befürwortete die Unterstützung der [[Fundamentalismus|fundamentalistischen]] [[Mudschahid]]in in [[Pakistan]] und [[Afghanistan]], unter anderem durch massive finanzielle Unterstützung der vom [[Inter-Services Intelligence|pakistanischen Geheimdienst]] geleiteten Trainingslager durch die [[Central Intelligence Agency|CIA]] und den britischen [[Secret Intelligence Service|MI6]].

;China

Brzeziński trieb die Entwicklung politischer Beziehungen zwischen den USA und der [[Volksrepublik China]] voran und befürwortete eine neue Übereinkunft zur [[Aufrüstung|Rüstungskontrolle]] mit Moskau. Außerdem teilte er die Ansicht des Präsidenten, dass die Vereinigten Staaten anstelle von Alleingängen diplomatisch eine Politik der internationalen [[Kooperation]] betreiben sollten.

Seit 2006 tritt Brzeziński als Kritiker der US-Politik gegenüber dem [[Atomprogramm des Iran]] und im [[Irakkrieg]] hervor. Brzeziński ist der Meinung, dass die Strategie der USA gescheitert sei.<ref>{{Internetquelle |url=http://www.zeit.de/2007/03/Brzezinski?page=all |titel=Manche wollen Krieg in Iran |werk=[[Die Zeit]] |datum=2007-01-11 |autor=Kleine-Brockhoff |zugriff=2014-07-08}}</ref>

;Iran

Anfang 2007 warnte er davor, die USA würden einen Vorwand suchen, um gegen den Iran einen Krieg zu initiieren.<ref>[http://www.wsws.org/de/2007/feb2007/brze-f03.shtml Barry Grey:''Zbigniew Brzezinski lässt politische Bombe platzen'', World Socialist Web Site, 3. Februar 2007]</ref>

=== Tittytainment ===

Von ihm soll auch der Begriff des „[[Tittytainment]]“ stammen, der besagt, dass in Zukunft 80 % der – dann arbeitslosen – Weltbevölkerung durch eine moderne Form von Brot und Spielen bei Laune gehalten werden müsse.

=== Persönliches ===

Brzeziński ist mit der tschechisch-amerikanischen Bildhauerin [[Emilie Benes|Emilie Benes Brzezinski|Emilie Anna Benešová]] verheiratet, einer Großnichte des ehem. tschechoslowakischen Staatspräsidenten und Verfasser der [[Beneš-Dekrete]] Nr. 5/1945, Nr. 12/1945, Nr. 33/1945, Nr. 71/1945 und Nr. 108/1945 und Mitgründer der nationalistischen tschechischen anti-[[Österreich-Ungarn|österreichische]]n Separatistenorganisation ''[[Česká maffie]]'' („Maffia“) [[Edvard Beneš]]. Sie haben drei Kinder, Militär Experte [[Ian Brzezinski|Ian Joseph Brzezinski]], [[Mark Brzezinski]]und [[Mika Brzezinski|Mika]]. Mika ist Moderatorin beim US-amerikanischen Nachrichtensender [[MSNBC]]. [[Mark Brzezinski]] ist Diplomat und seit 2011 US-Botschafter in Schweden. [[Ian Brzezinski]] ist Experte für Außenpolitik und Militärfragen. Er war Deputy Assistant Secretary of Defense in der Regierung Bush (2001-2005). Ian ist auch Leiter der [[Brzezinski Group]], LLC in Alexandria, Virginia, einer Beratungsfirma für internationale Kunden im Finanz-, Energie- und Verteidigungssektor.<ref>http://www.linkedin.com/pub/ian-brzezinski/59/509/b37</ref> Der Schriftsteller [[Matthew Brzezinski]] ist Neffe Brzezinskis.

== Brzezińskis Politik während des Afghanistan-Konflikts: die "Russland-Falle" ==

Brzezińskis Politik hatte das Ziel, die radikalen [[Islamismus|islamistischen]] und [[Antikommunismus|antikommunistischen]] Kräfte Afghanistans, also gerade auch die fundamentalistischen [[Mudschahid]]in, zu stärken, um die [[Säkularismus|säkulare]], [[Kommunismus|kommunistisch]] ausgerichtete Regierung zu stürzen.

Seit dem 5. Dezember 1978 hatte die prosowjetische Regierung der [[Demokratische Volkspartei Afghanistans|Demokratischen Volkspartei Afghanistans]] einen „Freundschafts- und Beistandspakt“ mit der Sowjetunion, wonach die afghanische Regierung sowjetische Hilfe in Anspruch nehmen könne, wenn sie in Gefahr ist. Zwischen dem 17. März 1979 und dem 12. Dezember 1979 hatte die Regierung unter dem Staats- und Regierungschef [[Hafizullah Amin]] 21 Mal um Militärhilfe der Sowjetunion gebeten, da sie sich immer mehr von den fundamentalistisch-islamistischen Kräften unter Druck gesetzt sah.

Gemäß der offiziellen US-amerikanischen Version der Geschichte begann die Unterstützung derMudschahidin durch die CIA erst im Laufe des Jahres 1980, also ''nach'' dem Eingreifen der [[Rote Armee|sowjetischen Armee]] in Afghanistan am 24. Dezember 1979. Laut einem Interview Brzezińskis mit der französischen Zeitschrift „Le Nouvel Observateur“ vom Januar 1998 setzte die US-amerikanische Unterstützung der fundamentalistischenMudschahidin dagegen schon am 3. Juli 1979 ein, also fast ein halbes Jahr vor der [[Invasion (Militär)|Invasion]]. Präsident Carter unterschrieb an diesem Tag die erste Direktive für eine geheime Unterstützung der Mudschahidin. Brzezinski bestätigte in seinem Interview die gleichlautende Darstellung des CIA-Präsidenten [[Robert Gates]].<ref>Robert Gates: From the Shadows. The Ultimate Insider's Story of Five Presidents and How They Won the Cold War. Simon & Schuster, New York 1997. ISBN 0-684-81081-6</ref> Brzeziński war bewusst, dass diese Aktionen das Risiko für eine militärische [[Intervention (Politik)|Intervention]] der Sowjets erheblich erhöhen würden.<ref>http://www.counterpunch.org/1998/01/15/how-jimmy-carter-and-i-started-the-mujahideen/ Alexander Cockburn And Jeffrey St. Clair:Zbigniew Brzezinski:How Jimmy Carter and I Started the Mujahideen, Cournterpunch, 15. Januar 1998, abgerufen am 21. Dezember 2014 "Nach der offiziellen Version der Geschichte begann die CIA-Hilfe für die Mudschaheddin im Jahr 1980, das heisst,nachdem die sowjetische Armee in Afghanistan am 24. Dezember 1979 einmarschiert ist. Aber die Realität, heimlich verschwiegen bis heute, war völlig anders: In der Tat, es war am 3. Juli 1979, dass Präsident Carter die erste Direktive für eine geheime Hilfe für die Gegner des pro-sowjetischen Regimes in Kabul unterzeichnete. Und am selben Tag schrieb ich eine Notiz an den Präsidenten, in dem ich ihm erklärte, dass meiner Meinung nach diese Hilfe eine sowjetische Militärintervention auslösen würde."

</ref>

:Zbigniew Brzeziński: „Diese [[verdeckte Operation]] war eine hervorragende Idee. Sie bewirkte, dass die Russen in die afghanische Falle tappten […]. Am Tag, an dem die Russen offiziell die Grenze überschritten, schrieb ich Präsident Carter: Jetzt haben wir die Möglichkeit, der UdSSR ihren Vietnamkrieg zu liefern. Und tatsächlich sah sich Moskau während der folgenden zehn Jahre gezwungen, einen Krieg zu führen, den sich die Regierung nicht leisten konnte, was wiederum die Demoralisierung und schließlich den Zusammenbruch des sowjetischen Herrschaftsgebiets zur Folge hatte“.<ref>http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=9839</ref> (Zitiert nach dem kanadischen [[Globalisierungskritik]]er Prof. [[Michel Chossudovsky]])

== Politikwissenschaftliche Werke ==

=== Totalitäre Diktatur und Autokratie1956 ===

In der Untersuchung „Totalitarian Dictatorship and Autocracy“ entwickelte Brzeziński 1956 zusammen mit [[Carl Joachim Friedrich]] ein für die Politikwissenschaft noch heute wichtiges Modell des [[Totalitarismus]]: Totalitäre Regime seien etwas grundsätzlich Neues und Gleichartiges. Ziel sei die totale Kontrolle, die durch eine alle wichtigen Lebensbereiche umfassende Ideologie gekennzeichnet sei und eine neue Gesellschaft erschaffen wolle. Eine einzige hierarchisch organisierte Partei besitze die gesamte politische Macht und werde von einem Diktator angeführt. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung sei politisch aktiv und hänge der Ideologie wirklich an. Ein Terrorsystem kontrolliere Bevölkerung und Partei. Eine Geheimpolizei bekämpfe tatsächliche und potientielle Feinde. Die Massenkommunikation sei monopolisiert. Die Wirtschaft werde bürokratisch kontrolliert und gelenkt.

=== Zwischen zwei Zeitaltern, Amerikas Rolle in der technetronischen Ära 1970 ===

„Between two ages: America's Role in the Technetronic Era“ (1970) war eine der frühesten Darstellungen des Wandels in Kommunikation und Computertechnik, der später mit dem Begriff Globalisierung verbunden wurde. Brzeziński sagte in diesem Bereich eine Rivalität zwischen den Supermächten voraus. Das System der Sowjetunion sei aber ökonomisch wie politisch zu schwach, um sich an die neue technologische Umwelt anzupassen und werde folglich untergehen. Das „technetronische System“, das in den USA zur Vollendung geführt werde, wird als weltbeherrschend angesehen. Dabei sieht Brzeziński menschheitsgefährdende Entwicklungen voraus.

{{Zitat|Das Technetronische Zeitalter lässt allmählich eine kontrollierte Gesellschaft entstehen. Eine solche Gesellschaft wird von einer hemmungslosen Elite unabhängig von traditionellen Werten geprägt werden. In Kürze wird es möglich sein, jeden Bürger fast ununterbrochen zu überwachen und vollständige Datensammlungen auch mit persönlichen Informationen über jeden Bürger anzulegen und zu aktualisieren. Diese Dateien werden durch die Behörden unmittelbar abrufbar sein.}}

{{Zitat|In der technetronischen Gesellschaft geht die Entwicklung in Richtung einer Aggregation der individuellen Unterstützung von Millionen unkoordinierter Bürger, leicht beeinflussbar durch magnetische und attraktive Persönlichkeiten, die die neuesten Kommunikationstechniken anwenden, um Gefühle zu manipulieren und Gedanken zu kontrollieren.}}

=== Das gescheiterte Experiment: der Untergang des kommunistischen Systems 1989 ===

„The Grand Failure“ (1989) will einen umfassenden Überblick über alle Formen des Kommunismus bieten, konzentriert sich aber auf die Gorbatschow-Ära. Brzeziński sagt voraus, dass Gorbatschows Politik der wirtschaftlichen Dezentralisierung zur Lockerung der sozialen Kontrolle und schließlich zum politischen Pluralismus führen werde. Der Leninismus werde aufgegeben. Die erfolgreiche Pluralisierung der Sowjetunion erscheint Brzezinski aber weniger wahrscheinlich als langwierige innenpolitische Krisen, eine Rückkehr zur [[Leonid Iljitsch Breschnew|Breschnew]]-Stagnation, ein Putsch von Militär oder KGB oder die Zersplitterung der Sowjetunion entlang nationalistischer Linien.

=== Die einzige Weltmacht 1997 ===

In seinem Buch ''[[Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft|Die einzige Weltmacht]]'' (1997) begründet Brzeziński die [[Geopolitik|geopolitische]] Strategie, die die USA als – nach dem [[Geschichte der Sowjetunion#Auflösung der Sowjetunion|Zusammenbruch der Sowjetunion]] – erste, einzige und letzte Weltmacht seiner Meinung nach einschlagen sollten: den eurasischen Kontinent unter ihrer Kontrolle zu halten und rivalisierende Bestrebungen zu verhindern, die die Machtstellung der USA gefährden könnten:<ref>Zbigniew Brzeziński: Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft. 8. Auflage. S. Fischer Verlag, 2004 (übersetzt von Angelika Beck), ISBN 978-3596143580, Einleitung 1997 S.14/15</ref> {{Zitat|Inwieweit die USA ihre globale Vormachtstellung geltend machen können, hängt aber davon ab, wie ein weltweit engagiertes Amerika mit den komplexen Machtverhältnissen auf dem eurasischen Kontinent fertig wird — und ob es dort das Aufkommen einer dominierenden, gegnerischen Macht verhindern kann. (...) US-Amerikanische Politik sollte letzten Endes von der Vision einer besseren Welt getragen sein: der Vision, im Einklang mit langfristigen Trends sowie den fundamentalen Interessen der Menschheit eine auf wirksame Zusammenarbeit beruhende Weltgemeinschaft zu gestalten. Aber bis es soweit ist, lautet das Gebot, keinen eurasischen Herausforderer aufkommen zu lassen, der den eurasischen Kontinent unter seine Herrschaft bringen und damit auch für Amerika eine Bedrohung darstellen könnte. Ziel dieses Buches ist es deshalb, im Hinblick auf Eurasien eine umfassende und in sich geschlossene Geostrategie zu entwerfen.}}

[[Datei:Weltweite militärische Präsenz der Vereinigten Staaten.png|mini|Die weltweite militärische Präsenz der Vereinigten Staaten stellt einen Faktor für ihren Status als Supermacht dar.]]

Brzeziński sieht den Status der USA nicht als erstrebenswertes Ziel, sondern als Faktum. Dieser Zustand wird durch verschiedene Faktoren wie die weltweite Militärpräsenz, das wirtschaftliche Potential, den technologischen Vorsprung sowie eine weltweite Affinität zur amerikanischen Kultur dargestellt. Diesen Vorsprung gelte es – allerdings nicht als Selbstzweck – zu wahren, um die globale Stabilität zu erhalten. Das Ziel sollte sein, mögliche Konkurrenten so lange auf Distanz zu halten, bis ein weltweites Regelwerk etabliert und institutionalisiert ist und bevor die eigene Macht im Schwinden begriffen sein wird. Letztendlich werden die Vereinigten Staaten die „letzte und einzige wirkliche Supermacht“ gewesen sein.<ref name="RezFAZ">{{Internetquelle| autor=Volker Rühe|url=http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/2.1715/rezension-sachbuch-stabilitaet-durch-ein-neues-gleichgewicht-11316072.html| titel=Stabilität durch ein neues Gleichgewicht| werk=Frankfurter Allgemeine Zeitung| datum=1997-11-06| zugriff=2013-12-11}}</ref>

Hauptschauplatz der Auseinandersetzungen wird Brzezińskis Meinung nach [[Eurasien]] sein. Alle potentiellen Herausforderer der USA kämen aus dem Raum zwischen [[Lissabon]] und [[Wladiwostok]]. Einen großen Teil des Buches nimmt eine umfassende Analyse der Region ein.<ref name="RezFAZ"/>

Daraus entwickelt er verschiedene Handlungsempfehlungen für die Vereinigten Staaten. So soll eine deutsch-französische Führungsrolle in der [[Europäische Union|Europäischen Union]] gefördert werden, um deren [[EU-Erweiterung 2004|Erweiterung]] zu festigen. [[Russland]] solle ermutigt werden, seine eigene Rolle eindeutig im Sinne einer demokratischen und westlichen Orientierung zu definieren. Dadurch soll eine [[Balkanisierung]] in Zentralasien verhindert und ein verstärktes Sicherheits- und Stabilitätsbewusstsein in der Region etabliert werden. Außerdem müsse mit der [[Volksrepublik China]] ein Konsens gefunden werden, der nicht zu Lasten [[Japan]]s geht, das Brzeziński als hauptsächlichen Verbündeten – aber nicht als Regionalmacht – sieht.<ref name="RezFAZ"/>

[[Volker Rühe]] sieht in seiner Rezension das Ziel Brzezińskis darin, ein weltweites Regelwerk zu etablieren und zu institutionalisieren, bevor die eigene Macht im Schwinden begriffen ist.<ref name="RezFAZ" />

=== Die zweite Chance 2007 ===

In „[[Second Chance: Three Presidents and the Crisis of American Superpower]]“ schreibt Brzeziński über die vorhergehenden 15 Jahre der US-amerikanischen Außenpolitik, in denen die USA, aus dem Kalten Krieg als Sieger hervorgegangen, die einzige Supermacht war. Er stellt dar, wie die letzten drei Präsidenten, [[George H. W. Bush]], [[Bill Clinton]] und [[George W. Bush]] ihre Führungsrolle verwirklichten und ihre Macht als Führer einer unangreifbaren Weltmacht ausübten. Das Buch beginnt mit einem Abriss der Geschichte des Kalten Kriegs. Der Sturz des sowjetischen Systems wird nicht als das Werk allein [[Ronald Reagan]]s betrachtet, sondern als Ergebnis der Politik dreier Präsidenten im Zusammenhang internationaler Ereignisse.

Er unterscheidet in seiner Darstellung zwei Sichtweisen der Welt, die der Globalisierungsbefürworter und die der Neokonservativen.

In den drei ersten Kapiteln stellt er die Präsidenten und ihr außenpolitisches Team vor. Er erörtert die Ereignisse und Menschen, die die Außenpolitik formten. Dabei stellt er drei Hauptfaktoren in den Mittelpunkt: die Atlantische Allianz, die Nichtverbreitung von Atomwaffen und den Palästinakonflikt. Daneben diskutiert er die Umweltpolitik, den entstehenden südamerikanischen Nationalismus und den Aufstieg Chinas und Indiens.

In den Kapiteln „Die Erbsünde“ (Bush I), „Die Ohnmacht guter Absichten“ (Clinton) und „Katastrophaler Führungsstil“ (Bush II) vergleicht er die Präsidenten und ihre Entscheidungen.

Er kritisiert Bush I und Clinton und bewertet sie ähnlich negativ, aber mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Er ist am strengsten mit der Regierung Bush II, besonders hinsichtlich der Behandlung der Allianz, des Mittleren Ostens und der Umweltpolitik.

Im Kapitel „Nach 2008“ fordert Brzeziński, dass der kommende Präsident die Atlantische Allianz stärken müsse. Er müsse den Lobbyismus reformieren, Führungsstärke im Nahen Osten beweisen, in erster Linie gegenüber Israel, den Konsens in der Umweltpolitik stärken und eine Strategie für China als entstehende Weltmacht und Machtfaktor im Nahen Osten formulieren.

Er spricht die Warnung aus, dass die USA nach 2008 zwar eine zweite Chance bekommen würden, dass es danach aber zweifellos keine dritte Chance geben werde.

=== Strategic Vision: America and the Crisis of Global Power 2012 ===

In „[[Strategic Vision: America and the Crisis of Global Power]]“ stellt Brzezinski seine geopolitische Vision für die USA vor, mit der sie die Herausforderungen der geänderten weltpolitischen Lage bewältigen kann, die durch Machtdiffusion gekennzeichnet ist. In vier Kapiteln setzt Brzezinski sich mit vier Fragenkomplexen auseinander:

1. Welche Konsequenzen hat die Machtverlagerung vom Westen nach Osten und wie wird dies von der neuen Tatsache einer politisch wachen Menschheit beeinflusst?

2. Warum sinkt die Attraktivität der USA in der Welt? Wie verhängnisvoll sind die Symptome des inneren und internationalen Niedergangs der USA? Wie kam es dazu, dass die USA ihre einzigartigen Möglichkeiten nach dem friedlichen Ende des Kalten Kriegs vergeudet hat? Welche Kraft zur Erneuerung hat die USA und welche Neuorientierung der Geopolitik ist notwendig, um Amerikas Rolle in der Welt wieder mit neuem Leben zu erfüllen?

3. Was wären die wahrscheinlichen geopolitischen Folgen eines weiteren Niedergangs der USA bis 2025? Wer wären die beinahe unmittelbaren Opfer? Welche Auswirkungen hätte dies auf die Probleme im Weltmaßstab im 21. Jahrhundert? Könnte China bis 2025 die beherrschende Rolle der USA in der Weltpolitik übernehmen?

4. Welche langfristigen geopolitischen Ziele sollte sich eine wiedererstarkende USA für die Zeit nach 2025 setzen? Wie könnte die USA mit den traditionellen europäischen Alliierten die Türkei und Russland einbeziehen, um einen noch größeren und stärkeren Westen aufzubauen? Wie könnte die USA gleichzeitig im Osten ein Gleichgewicht zwischen dem Bedürfnis nach engerer Zusammenarbeit mit China erreichen und der Tatsache, dass eine konstruktive Politik weder chinazentriert sein sollte noch Verwicklungen in Konflikte Asiens nach sich ziehen sollte?

== Vergleich mit Henry Kissinger ==

Brzezinski wird oft mit [[Henry Kissinger]] verglichen. Unterschiede zeigen sich hauptsächlich in der Phase des Kalten Krieges. Während Kissinger eher eine Status-quo-Politik verfolgte und eine Machtbalance anstrebte, wollte Brzezinski das sowjetische System unterminieren, dem er aufgrund der kommunistischen Ideologie und Unfreiheit keine inhärente Stabilität zutraute. Daher trat Brzezinski für die Einhaltung der Menschenrechte ein und unterstützten Dissidenten, während Kissinger dies eher für destabilisierend hielt. Brzezinski hatte als Experte für die Sowjetunion stärkeren Einblick in die Schwächen des kommunistischen Systems und erkannte die nationalistischen Spannungen hinter der Einheitsfassade. Mit seiner Unterstützung für die polnische Gewerkschaftsbewegung nutzte er diese Spannungen und verstärkte sie, was schließlich zum Auseinanderbrechen der Sowjetunion führte.<ref>Shlomo Avineri, Vorwort in Zbig, the man who cracked the-Kremlin</ref>

== Ehrungen ==

[[Datei:Zbigniew Brzezinski gru2010.jpg|mini|links|160px|Brzeziński 2010]]

1963 wählte ihn die [[United States Chamber of Commerce|US-Handelskammer]] zu einem von Amerikas zehn hervorragendsten Männern (''One of America’s Ten Outstanding Men''). 1969 wurde er Ehrenmitglied der „American Academy of Arts and Sciences“. 1981 erhielt er die [[Presidential Medal of Freedom]] für seine Rolle bei der Normalisierung des politischen Verhältnisses zwischen der [[Volksrepublik China]] und den USA sowie für seinen Beitrag zu den [[Menschenrechte]]n und zur nationalen Sicherheitspolitik der Vereinigten Staaten. Für seine Beiträge zur Wiedererlangung der [[Unabhängigkeit (Politik)|Unabhängigkeit]] Polens erhielt er 1995 den „[[Orden vom Weißen Adler]]“, Polens höchste zivile Auszeichnung. 1998 wurde er Ehrenbürger von Lemberg, 2002 [[Liste der Ehrenbürger von Danzig|von Danzig]] und 2003 [[Ehrenbürger von Vilnius|von Vilnius]].

Akademische Ehrendoktorwürden empfing er von den Hochschulen [[Georgetown University]], Williams College, Fordham University, College of Holy Cross, Alliance College, the Catholic University of Dublin und der [[Universität Warschau]].

Weitere Auszeichnungen sind die „Centennial Medal of the Graduate School of Arts and Sciences“ der Harvard University, der „Hubert Humphry Award for Public Service“ der American Political Science Association und der „U Thant Award“. Darüber hinaus ist Brzeziński Ehrenmitglied diverser Stiftungen, darunter der [[Solomon R. Guggenheim Foundation|Guggenheim-Stiftung]] und der [[Ford Foundation|Ford-Stiftung]].

== Schriften ==

* ''Between two ages: America´s Role in the Technetronic Eara.'' The Viking Press, New York 1970, ISBN 978-0140043143.

* ''Power and Principle: Memoirs of the National Security Adviser 1977–1981.'' Farrar, New York 1983.

* ''The Grand Failure: The Birth and Death of Communism in the Twentieth Century.'' Ch. Scribner, New York 1989, ISBN 0-684-19034-6 (deutsch: ''Das gescheiterte Experiment: Der Untergang des kommunistischen Systems.'' Ueberreuter-Sachbuch, Wien 1989, ISBN 3-8000-3320-8).

* ''Out of Control: Global Turmoil on the Eve of the 21st Century'', Charles Scribner's Sons, New York 1993, ISBN 0-684-19630-1.

* ''The Grand Chessboard: American Primacy and Its Geostrategic Imperatives''. Basic Books, New York 1997, ISBN 0-465-02725-3 (deutsch: ''[[Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft|Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft.]]'' Beltz Quadriga, Weinheim 1997, ISBN 3-88679-303-6).

* ''The Choice: Global Domination or Global Leadership.'' Basic Books, New York 2004, ISBN 0-465-00801-1.

* ''Strategic Vision: America and the Crisis of Global Power.'' Basic Books, New York 2012, ISBN 978-0-465-02954-9.

== Literatur ==

* Sabine Feiner: ''Weltordnung durch US-Leadership? : die Konzeption Zbigniew K. Brzezinskis'', Wiesbaden : Westdeutscher Verlag 2000, ISBN 3-531-13521-X.

* Hauke Ritz: [http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2012/juli/warum-der-westen-russland-braucht Warum der Westen Russland braucht - Die erstaunliche Wandlung des Zbigniew Brzezinski] In: ''Blätter für deutsche und internationale Politik'', 07/2012, S. 89-98.

* {{Munzinger|00000010170|Zbigniew Brzezinski||in: ''Internationales Biographisches Archiv'' 02/2003 vom 30. Dezember 2002}}

* Zbig: The Strategy and Statecraft of Zbigniew Brzezinski, herausgegeben von Charles Gati, Johns Hopkins University Press, 2013. EAN: 9781421409764

* Zbig: The Man Who Cracked the Kremlin von Andrzej Lubowski, Open Road Distribution 2013. ISBN 9781480461307

* {{Buch|Autor=|Autor2=|Herausgeber=Auswärtiges Amt|Titel=Amtliches Material zum Massenmord von Katyn|Band=|Verlag=Deutscher Verlag|Verlagsort=Berlin|Jahr=1943|Auflage=|Auflage-Kommentar=|Seite=|ISBN=|Google_ID=|Archive=|PDF=|HTML=http://katyn.ru/index.php?go=Pages&in=view&id=831&page=0}}

*''Der Massenmord im Walde von Katyn — Ein Tatsachenbericht auf Grund amtlicher Unterlagen''

*Fritz Becker: ''Stalins Blutspur durch Europa, Partner des Westens 1933-45'' ([http://www.versandbuchhandelscriptorium.com/angebot/1517stal.html Klappentext])

*Thymian Bussemer: ''Das internationale Rote Kreuz und die NS-Kriegspropaganda: der Fall Katyn.'' In: Vorgänge. Jg. 39/2000, H. 3, S. 81–89

*John P. Fox: ''Der Fall Katyn und die Propaganda des NS-Regimes.'' In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. (30) 1982, S. 462–499

*Gerd Kaiser: ''Katyn. Das Staatsverbrechen — das Staatsgeheimnis.'' Aufbau Taschenbuchverlag, Berlin 2002, ISBN 3746680786. – Fortführung der Arbeit Madajczyks unter Einbeziehung weiterer Quellen aus russischen Archiven. ([http://www.versandbuchhandelscriptorium.com/angebot/0378katy.html Klappentext])

*[[Josef Mackiewicz]]: ''Katyn — ungesühntes Verbrechen''. Zürich 1949 / Frankfurt a.M. 1983

*Czeslaw Madajczyk: ''Die Okkupationspolitik Nazideutschlands in Polen 1939–1945.'' Köln 1988.

*Czeslaw Madajczyk: ''Das Drama von Katyn.'' Dietz Verlag 1991, ISBN 3320016687. – Die erste wissenschaftliche Arbeit über Katyn durch den bedeutenden polnischen Historiker.

*George Sanford: ''The Katyn Massacre and Polish-Soviet Relations, 1941–43.'' In: Journal of Contemporary History 41/2006, S. 95–111.

*Manfred Vasold: Katyn. In: [[Wolfgang Benz]]: ''Legenden, Lügen, Vorurteile.'' München, dtv 1995, S.115ff.

*Victor Zaslavsky: ''Klassensäuberung. Das Massaker von Katyn.'' Aus dem Italienischen von Rita Seuss; Wagenbach Verlag, 2007

* Franz Kadell: ''Die Katyn-Lüge, Geschichte einer Manipulation, Fakten, Dokumente und Zeugen'' ([http://www.versandbuchhandelscriptorium.com/angebot/2612katy.html Klappentext])

* [[Mark Weber]], [http://www.ihr.org/other/goebbels2011weber.html ''Goebbels and World War II Propaganda'']

== Weblinks ==

{{Commonscat}}

{{Wikiquote|Zbigniew Brzezinski|Zbigniew Brzeziński|lang=en}}

* {{DNB-Portal|118516442}}

* [http://www.stern.de/politik/ausland/560430.html Interview mit Zbigniew Brzeziński: „Ein nuklearer Iran wäre nicht gefährlicher als Israel“]

*[http://verbotenesarchiv.wordpress.com/2012/11/18/streng-geheim-massaker-von-katyn-archive-belegen-dass-die-usa-die-udssr-deckten/ Streng geheim – Massaker von Katyn: Archive belegen, daß die USA die UdSSR deckten] Artikel von Tancrède Lenormand (13. September 2012)

*[http://globalfire.tv/nj/05de/zeitgeschichte/katyn_luege.htm Die Katyn-Lüge]

*[http://globalfire.tv/nj/07de/zeitgeschichte/katyn_luege.htm Das Reich des Bösen ist dort, wo Lüge und Menschenverachtung herrschen]

*[http://katyn.org.au/naziphotos.html Fotos vom Massenmord]

*[http://web.archive.org/web/20080516002732/http://histor.ws/seppdepp/047.htm Sepp Depp: Sowjetisches Massaker an polnischen Kriegsgefangenen, Katynwald 1940]

*[[Leo Thenn]]: [http://www.die-wahrheit-fuer-deutschland.de/OffBfSschmidt.htm Offener Brief an Altkanzler Helmut Schmidt]

{{Umerziehungsliteratur|

*[http://www.zeithistorische-forschungen.de/site/40209108/default.aspx Weber, Claudia: „Too closely identified with Dr. Goebbels“. Die Massenerschießungen von Katyn in der Geschichte des Zweiten Weltkriegs und des Kalten Kriegs. In: Zeithistorische Forschungen. Heft 1 (2011).]

== Einzelnachweise ==

<references/>

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{{Personendaten

|NAME=Brzeziński, Zbigniew

|ALTERNATIVNAMEN=Brzeziński, Zbigniew Kazimierz (vollständiger Name)

|KURZBESCHREIBUNG=polnisch-US-amerikanischer Politikwissenschaftler

|GEBURTSDATUM=28. März 1928

|GEBURTSORT=[[Warschau]]

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