Männer und Frauen getrennt: Uni schloss Raum - SPIEGEL wirft der Uni nun Islamfeindlichkeit vor

Muslimische Studenten haben einen "Raum der Stille" der TU Dortmund umgebaut: Männer links, Frauen rechts, dazwischen eine Trennwand. Jetzt wurde er geschlossen. SPIEGEL online wirft der Uni jetzt vor, islamfeindlich zu sein:

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SPIEGEL ONLINE: Frau Prost, an der TU Dortmund gibt es Ärger um einen "Raum der Stille": Einige Muslime haben ihn für ihre Zwecke vereinnahmt, daraufhin hat die Uni ihn geschlossen. Warum muss eine Universität überhaupt einen Gebetsraum anbieten?

Prost: Das muss sie nicht. Und es gab auch nie einen Gebetsraum, weder für muslimische noch für christliche Studierende. Unser "Raum der Stille" war vielmehr ein Angebot an alle, die Ruhe und Einkehr im oft stressigen Universitätsalltag suchen. Wer dann im Stillen ein Gebet sprechen möchte, darf das dort auch tun. Aber nur, wenn er niemand anderen damit stört oder von der Nutzung des Raums ausschließt.

SPIEGEL ONLINE: Sie müssen sich nun des Vorwurfs erwehren, islamfeindlich zu sein.

Prost: Das hat mit dem Islam erst mal nichts zu tun. Hier haben Studierende den Raum eigenmächtig umgestaltet und dabei massiv gegen die Nutzungsordnung verstoßen, in der es heißt, dass der Raum "weltanschaulich und religiös neutral" zu halten ist. Es waren improvisierte Wände aufgestellt worden, um Männer und Frauen zu trennen. Der Koran lag aus, es gab Möglichkeiten zur Fußwaschung, auch Gebetsteppiche wurden hier gelagert. Auf Flyern wurden Frauen angewiesen, Kopftuch zu tragen, auch wenn wir nicht wissen, ob das tatsächlich durchgesetzt wurde. All das konnten wir nicht hinnehmen. Studierende haben sich bei uns beschwert, und zwar völlig zu Recht. Gegen Geschlechterdiskriminierung müssen wir vorgehen, denn als staatliche Einrichtung sind wir dem Grundgesetz verpflichtet.

SPIEGEL ONLINE: Wie lange geht das Gezerre um den Raum schon?

Prost: Wir haben den "Raum der Stille" 2012 eingerichtet. Wenige Monate danach gab es auch schon Bestrebungen, einen muslimischen Gebetsraum daraus zu machen. Uni-Leitung und AStA sind auch damals eingeschritten, haben mit den Beteiligten gesprochen. Außerdem hat der AStA damals die Einrichtung verändert. Eine Couch als Sitzgelegenheit und ein Bücherregal sollten signalisieren: Das hier ist kein Gebetsraum.

SPIEGEL ONLINE: Damals haben sie den Raum nicht geschlossen. Was ist diesmal anders?

Prost: Wir halten das Experiment des konfessionsneutralen "Raums der Stille" für gescheitert. Ursprünglich war er als Projekt für zwei Jahre angelegt, die sind lange vorüber. Wir stehen bei niemandem in der Pflicht, das Projekt fortzuführen, nachdem es sich als nicht machbar erwiesen hat.

SPIEGEL ONLINE: Eine Petition von über 400 Studierenden fordert den Raum zurück.

Prost: Denen haben wir in einem ausführlichen Brief geantwortet und unsere Position deutlich gemacht. Dieser Brief ist auch öffentlich. Es soll außerdem weiterhin Rückzugsmöglichkeiten geben an unserer Uni. Im Gespräch sind Ruheräume für Studierende mit kleinen Kindern.

SPIEGEL ONLINE: An anderen Hochschulen gibt es ähnliche Räume. Warum scheitert das Projekt bei Ihnen?

Prost: Andere Einrichtungen haben teils ganz ähnliche Probleme wie wir. Darüber wird aber normalerweise nicht so hitzig gestritten, auch in Dortmund nicht. Wäre das gleiche vor zwei Monaten passiert, vor den Silvester-Ereignissen auf der Kölner Domplatte, dann wäre die öffentliche Aufmerksamkeit sicher geringer.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie schon eine Antwort auf den offenen Brief des Rektorats bekommen?

Prost: Nein, aber sehr vielfältige Reaktionen. Manche haben einen fremdenfeindlichen Hintergrund, was völlig daneben ist. Andere loben, dass wir uns gegen Diskriminierung von Frauen in dem Raum einsetzen, was uns wichtig ist, aber nur ein Teil des Problems. Einer wandte sich an uns mit dem Angebot, der Uni Bibeln zu sponsern, die man neben den Koran legt. Das ist sicher freundlich gemeint, aber zielt an unserem Konzept eines konfessionsneutralen Raums völlig vorbei.