Die Schwächen der öffentlichen Museen

Autor: Gotthilf Steuerzahler

Liebe Leserinnen und Leser,

in Deutschland gibt es etwa 6000 Museen, das Spektrum reicht vom ehrenamtlich betriebenen kleinen Heimatmuseum bis zum großen historischen oder Kunstmuseum mit mehreren hundert Mitarbeitern. Mehr als die Hälfte aller Museen befindet sich in der Trägerschaft der öffentlichen Hand, darunter fast alle bekannten Häuser, die besonders viele Besucher anziehen.

Bund, Länder und Kommunen lassen sich ihre Museen, Kunsthallen und Sammlungen eine Menge Geld kosten. Sie unterstützen diesen Bereich jährlich mit annähernd zwei Milliarden Euro, wovon die Gemeinden knapp die Hälfte tragen. Umgelegt auf die gesamte Einwohnerschaft der Bundesrepublik sind das mehr als 20 Euro pro Kopf im Jahr. Mit diesem Wert liegt Deutschland im internationalen Vergleich in der Spitzengruppe.

Angesichts des hohen Finanzierungsanteils der öffentlichen Hand geben sich viele Museen nur wenig Mühe, ihre Einnahmemöglichkeiten auszuschöpfen. Viele kleine Museen nehmen gar keinen Eintritt, und selbst bei renommierten kommunalen oder staatlichen Häusern müssen die Besucher in der Regel nur zwischen sieben und zehn Euro bezahlen. Es sei kulturpolitisch gewollt, so heißt es, den Bürgern durch niedrige Eintrittspreise einen Anreiz zum Museumsbesuch zu geben.

Sonderausstellungen sollen Besucher anziehen

Die Erfahrung zeigt, dass die Dauerausstellungen der Museen mit der Zeit ihre Anziehungskraft verlieren und die Besucherzahlen sinken. Es müssen also Sonderausstellungen durchgeführt werden, damit Besucher angelockt werden und sich die Einnahmen erhöhen. Entwickelt sich eine Sonderausstellung nicht zum Besuchermagneten, kann für das betreffende Museum eine schwierige finanzielle Lage entstehen.

Genau diese Entwicklung vollzog sich, wie unlängst bekannt wurde, bei einem großen staatlichen Kunstmuseum im Osten Deutschlands, welches über einen Sammlungsbestand von mehr als einer Million an Kunstobjekten verfügt. Die Einnahmen aus den Dauerausstellungen gingen leicht zurück, und auch verschiedene Sonderausstellungen erbrachten nur vergleichsweise geringe Umsatzerlöse. Im Ergebnis entstand ein Defizit von rund 1,7 Millionen Euro. Anders als eine private Einrichtung ging das Kunstmuseum daraufhin nicht pleite, das ist der Vorteil, wenn man zum Staatssektor gehört.

Zu viele Ermäßigungen und Befreiungen

Das Defizit hing nicht nur mit sinkenden Besucherzahlen zusammen. Es resultierte auch daraus, dass das Kunstmuseum auf viele Einnahmemöglichkeiten verzichtete. Es hatte sich ein kompliziertes Preissystem zugelegt, das eine Vielzahl von Ermäßigungs- und Befreiungstatbeständen vorsah. Eine bedeutende Ausstellung dieses Museums beispielsweise konnte von 29 Prozent der Besucher unentgeltlich besucht werden.

Die Alimentierung aus Steuermitteln führt dazu, wie das Beispiel des ostdeutschen Kunstmuseums zeigt, dass viele öffentliche Museen der Einnahmeerzielung keine große Bedeutung zumessen. Anstatt alles zu tun, um ihre Einnahmen zu erhöhen, verzichten sie vielfach auf die Erhebung von Eintrittsgeldern, um ja keine Besucher abzuschrecken. Es werden dann Ermäßigungen und Befreiungen zugelassen, die weit über das Erforderliche hinausgehen. Dabei zeigen Erfahrungen aus dem benachbarten Ausland, dass renommierte Häuser bei anspruchsvollen Ausstellungen auch hohe Eintrittspreise durchsetzen können. Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass bei ausländischen Museen die Selbstfinanzierungsquote wesentlich höher liegt als bei vergleichbaren deutschen Häusern.

Sponsoring darf nicht zu Gegenleistungen führen

Das erwähnte Kunstmuseum verhielt sich auch sonst recht eigenwillig. Es schloss Verträge mit Sponsoren, in denen Gegenleistungen wie Freikarten, Führungen und Raumnutzungen vereinbart wurden. Darüber hinaus verpflichtete sich das Museum zur bevorzugten Inanspruchnahme von Leistungen eines Sponsors, zur Gewährung eines Sitzes in einem Aufsichtsgremium des Museums und zur Durchführung einer gemeinsamen Sonderausstellung.

Zwar ist es erwünscht, dass staatliche oder kommunale Museen sich um Sponsoren bemühen, um auf diesem Wege zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Gegenleistungen, die über die reine Imagewerbung hinausgehen, sind beim Sponsoring jedoch nicht zulässig. Erlaubt ist nur, den Namen und die Marke des Sponsors zu nennen. Auch haben öffentliche Museen nach den geltenden Bestimmungen jeden Anschein zu vermeiden, dass es zu sachfremden Einflussnahmen von Seiten der Sponsoren kommt. Die Gewährung eines Sitzes in einem Aufsichtsgremium ist dementsprechend nicht zulässig.

Keine sachgerechte Lagerung des Sammlungsbestandes

Das Kunstmuseum bewahrt fast seinen gesamten Sammlungsbestand in zahlreichen Depots an verschiedenen Standorten auf. Untersuchungen ergaben, dass trotz erheblicher Investitionen zur Verbesserung der Depotsituation große Teile der Depotflächen, insbesondere die Interimsflächen, für die Lagerung von Kunstgegenständen nicht geeignet waren.

Dem Kunstmuseum wurde auferlegt, sich verstärkt und beschleunigt um eine sachgemäße Lagerung der Kunstgegenstände zu bemühen. Andernfalls drohen erhebliche Schäden bei den wertvollen Kunstobjekten. Wenn die Allgemeinheit schon diese Gegenstände finanziert, hat sie auch einen Anspruch darauf, dass die Werte erhalten werden. Das Kunstmuseum muss nunmehr eine standortübergreifende Depotflächenkonzeption erarbeiten, um eine sachgerechte Lagerung seines Sammlungsbestandes sicherzustellen.

Der Aufbau einer Museumsdatenbank kommt nur langsam voran

Seit Jahren erhält das Kunstmuseum zusätzliche staatliche Mittel, um eine Museumsdatenbank aufzubauen. Mehr als 15 Millionen Euro wurden hierfür insgesamt bereitgestellt. Sämtliche Kunstgegenstände des Museums sollen in der Datenbank erfasst, bewertet und inventarisiert werden. Nach jahrelangen Bemühungen sind zwar fast 13 Millionen der vorgesehenen 15 Millionen Euro ausgegeben worden. Allerdings ist erst weniger als ein Drittel der Kunstgegenstände in der Datenbank erfasst worden.

Hier zeigt sich wieder einmal, wie schwer sich der Museumsbereich mit der modernen Datenverarbeitung tut. Deren Einsatz hätte viele Vorteile gerade für ein Kunstmuseum mit einem großen Sammlungsbestand. Aber aus einer gewissen Distanz zum Technikeinsatz werden die sich ergebenden Möglichkeiten nur schleppend genutzt.

Die Museen müssen sich besser aufstellen

Die geschilderten Defizite des ostdeutschen Kunstmuseums sind auch bei anderen großen Häusern festzustellen, die von der öffentlichen Hand getragen werden. Fast überall müssten die Bemühungen verstärkt werden, die eigenen Einnahmen zu erhöhen und sich Modernisierungsansätzen wie zum Beispiel dem verstärkten IT-Einsatz nicht länger zu verschließen. Dass diese Entwicklungen endlich in Gang kommen, liebe Leserinnen und Leser, darauf hofft sehr

Ihr

Gotthilf Steuerzahler

Dieser Text stammt aus dem kostenlosen Newsletter Claus Vogt Marktkommentar.

Claus Vogt, der ausgewiesene Finanzmarktexperte, ist zusammen mit Roland Leuschel Chefredakteur des kritischen, unabhängigen und konträren Börsenbriefs Krisensicher Investieren.

2004 schrieb er ebenfalls zusammen mit Roland Leuschel das Buch "Das Greenspan Dossier" und die „Inflationsfalle“. Mehr zu Claus Vogt finden Sie hier.