Auch ich leide unter zeitweiser "Verfettung"

Der Grundstein aber wird in der Kindheit und Jugend gelegt.

Auch in Zeiten meines höchsten Körpergewichtes (125 kg) und nach jahrelanger sportlicher Inaktivität habe ich immer (bei zufälliger Gelegenheit) mindestens 5 korrekt ausgeführte Klimmzüge und wenigstens 40 Liegestütze geschafft und war zu wenigstens 5 Minuten ununterbrochenen Seilspringens in der Lage.

Und das nur, weil ich in meiner Kindheit und Jugend vereinsmäßig geturnt und später geboxt und intensives Krafttraining absolviert habe. Die Bewegungsabläufe bleiben immer im Kopf und werden nie "vergessen" (wie beim Radfahren). Muskulatur hat ein "Gedächtnis" und baut sich nach relativ kurzer Zeit auch mit fünfzig Jahren wieder ähnlich auf wie der Grad der Muskulatur, den man als Dreißigjähriger hatte. Wenn man allerdings mit zwölf schon am Reck hängt wie ein nasser Sack, ist die Wahrscheinlichkeit, ein Leben lang unsportlich zu bleiben und/oder fett zu bleiben/werden relativ hoch.

Man wird im reiferen Alter lediglich langsamer und die Erholungsphasen dauern deutlich länger.

Wenn man dann spürt, dass es wieder mal Zeit wäre, etwas zu tun, kann man auch mit fünfzig noch innerhalb eines Jahres relativ locker 20 Kilo abnehmen, und träges Fett wieder in Muskulatur "umwandeln".

Das funktioniert aber nur, wenn in der Jugend die Grundlagen dazu geschaffen wurden. Wir hatten damals (5. und 6.Klasse) einen Sport- und Klassenlehrer, der nicht zimperlich war. Er war Anfang der Siebziger aus der DDR geflüchtet - und nicht nur sportmäßig etwas "sozialistisch angehaucht". Er trieb uns zu Höchstleistungen - und warf unsere "Nichtschwimmer" im Hallenbad einfach ins tiefe Becken. Manche von ihnen musste er dann "retten", woraufhin sich die Eltern massenweise beschwerten. Dennoch war der Typ menschlich völlig okay und organisierte jährliche Schullandheimaufenthalte zum Skifahren in den Allgäuer Bergen (was damals nicht üblich war).

Zusätzlich hatte er einen Sinn fürs Schauspiel und für Lyrik und wir übten alljährlich mehrere Theaterstücke und sozialkritische Weihnachtsspiele ein, die wir in städtischen Tagungszentren und Gemeindehäusern aufführten.

So etwas gibt es heute nicht mehr. Der Lehrer war eindeutig Sozialist. Aber einer von den Guten. Die heutigen Grünen und Linken hätte er mit Sicherheit verachtet.